Kapitel 106: ṛgvede 10.106 · ubhā u nūnaṃ tadidarthayethe vi tanvāthe dhiyovaśtrāpaseva
Ketten von Vergleichen für das göttliche Paar (Aśvins)
Berühmtes Rätsellied: ein Zwillingspaar (erst in V. 11 als Aśvins genannt) wird durch eine Kette von „wie“-Vergleichen beschrieben; viele Wörter sind Hapax, Lautspiel (turpharī, parpharīka …) oder unklar, sodass die Übersetzung durchgehend tastend ist; nichts ist hier als gesichert anzusehen außer dem groben Aufbau.
ubhā u nūnaṃ tadidarthayethe vi tanvāthe dhiyovaśtrāpaseva / sadhrīcīnā yātave premajīgaḥ sudinevapṛkṣa ā taṃsayethe
Ihr beide erstrebt jetzt eben dies; ihr spannt die Gedanken aus wie zwei Werkleute Gewänder; als zusammengehende [Zwei] zum Gehen hast du sie [?] hervorgerufen; wie an schönen Tagen schüttelt ihr die Labungen [?] herbei. [Anm.: Tradition und Kontext (V. 11) sprechen für Aśvins; im Vers selbst ist das Paar nicht benannt.]
Wie zwei Zugtiere [?] lehnt ihr euch in die Fugen [?]; wie zwei Bespannende [?] kommt ihr zur Weisung des Lehrers; wie zwei Boten seid ihr, ja, mit Ruhm unter den Leuten; weicht nicht weg, wie zwei Büffel von der Tränke.
Zusammen angeschirrt wie zwei Flügel eines Vogels, wie zwei bunte Tiere, kommt zum Yajus [Opferspruch]; wie Agni leuchtend, [ihr] zwei, für den Gottliebenden [?], wie zwei Umkreisende verehrt ihr an vielen Orten.
Als zwei Verwandte [?] für uns, wie Vater und Sohn, wie zwei Gewaltige an Glanz, wie zwei Männerherren zum Beschleunigen [?], wie zwei Eilende [?] zum Gedeihen, wie zwei Strahlende [?] zum Genuss, wie zwei Gehorsame [?] – kommt zu unserem Ruf.
Wie zwei Stiere [?], wie zwei Pūṣan-Gefährten [?], wie zwei Freunde mit dem Ṛta, hundertfach [?] …, wie zwei Renner hoch an Lebenskraft, an der Gharma-[Glut-]Stelle stehend, wie zwei Widder mit Labung, verehrend, [ihr] mit Fülle [?]. [Anm.: pūṣaryā, śimbātā, śātapantā, purīṣā unsicher.]
sṛṇyeva jarbharī turpharītū naitośeva turpharīparpharīkā / udanyajeva jemanā maderū tā me jarāyvajarammarāyu
[Vergleiche, größtenteils unklar:] wie zwei Sichel[-Träger?] – jarbharī turpharītū [?]; wie Naitośa – turpharī [?] parpharīkā [?]; wie zwei Wassergeborene – Sieger [?], Berauschende; diese beiden mir: die Hülle [jarāyu], nicht alternd, sterblich [?]. [Anm.: Wörter mit Lautspiel (jarbharī, turpharītū, parpharīka), ohne gesicherte Bedeutung; nur der äußere Aufbau ist erkennbar.]
Wort für Wort
sṛṇyāiva
wie zwei Sicheln/Haken/Lenkstacheln [?] (Nom. Du.)
Wie ein Hüfter [?] … das Getümmel [?], der Buhler, der Sterbliche [?]; wie ein Erdboden [?] an den Zielen [?], gewaltig [?]; ihr beiden Ṛbhus [?] – er soll nicht fallen; [ihr Falben?] … der Wind soll nicht wehen [?], er wohnt der Güter [?]. [Anm.: nahezu unverständlich; Lesung sehr unsicher.]
Wie Glut, Honig im Bauch, gewinnend [?]; wie ein Glücksbringer [?] – turpharī [?] phārivā [?] – genug; wie zwei Vögel [?] wandernd, Mond-Reinigender [?], mit Geistes-Horn [?], nicht als Gegner [?] gehend. [Anm.: Wortdeutung durchgehend unsicher.]
Wie zwei Hohe [?] in den Tiefen findet ihr Halt; wie zwei Füße die Furt, für den, der hinüberkommen will; wie zwei Ohren dem Lehrer folgend gedenkt ihr [seiner]; wie zwei Anteile gebt uns Anteil am bunten Gut [?]. [Anm.: apnas „Besitz/Habe“ plausibel.]
Wie zwei Honigsucher [?] treibt ihr Honig herbei; wie zwei Bienen [?] im Rind [?], mit abwärts gerichteter Öffnung; wie zwei Landbebauer [?], schwitzend im Schweiß; wie die Erde mit Kraft, [seid ihr] vom guten Weideland [?] zusammen. [Anm.: sāragha = Biene (plausibel); āraṅgara, kīnāra unsicher.]
Wort für Wort
āraṅgarāiva
wie zwei Honigsucher [?] (Nom. Du.)
madhu
Honig (Akk. Sg.)
ā
herbei (Präverb)
īrayetheiti
treibt/bewegt (2. Du. Präs.)
sāraghāiva
wie zwei Bienen [?] (Nom. Du.)
gavi
im Rind/in der Kuh (Lok. Sg.)
nīcīna-bāre
mit abwärts gerichteter Öffnung/Schlitz [?] (Lok. Sg.)
ṛdhyāma stomaṃ sanuyāma vājamā no mantraṃ sarathehopayātam / yaśo na pakvaṃ madhu goṣvantarā bhūtāṃśoaśvinoḥ kāmamaprāḥ
Wir wollen mit dem Preislied gedeihen, wollen Beute gewinnen; kommt herbei zu unserem Spruch, auf demselben Wagen, hierher; wie reifer Ruhm [ist] Honig in den Kühen [?] drinnen; der zum Anteilhaber Gewordene hat der Aśvins Wunsch erfüllt.