Kapitel 123: ṛgvede 10.123 · ayaṃ venaścodayat pṛśnigarbhā jyotirjarāyū rajasovimāne
Vena, der Sehnsuchtsvolle, im Licht und über den Wassern
Vena-Lied (Vena = der 'Sehnende, Liebende', hier eine Lichtgestalt in Verbindung mit Gandharva, Sonne/Soma und Wassern). Der Text bleibt rätselhaft: mögliche Ebenen sind kosmisch-mythologisch (Sonne im Himmelsraum, plausibel), rituell-somabezogen (plausibel) und Bildrede von Liebe/Sehnsucht (plausibel); alles Weitere spekulativ. Besondere Schwierigkeiten: 1ab, 2, 4a, 7cd.
Dieser Vena hat die aus der Bunten Geborenen angetrieben, das Licht als Nachgeburt, im Ausmessraum des Dunstkreises. / Ihn im Zusammenfluss der Wasser und der Sonne lecken die Weisen mit ihren Gedanken wie ein Kind [?]. [Anm.: pṛśni = 'die Bunte', Wolke/Kuh; Deutung von pṛśni-garbhāḥ unsicher.]
Wort für Wort
ayam
dieser (Nom. Sg.)
venaḥ
Vena, der Sehnsuchtsvolle (Nom. Sg.)
codayat
trieb an (3. Sg. Impf./Inj.)
pṛśni-garbhāḥ
aus der Bunten geboren, Pṛśnis Keime (Akk. Pl.) [?]
Aus dem Meer lässt Vena die Woge aufsteigen, im Luftraum geboren; der Rücken des Begehrenswerten ist erblickt worden. / Auf dem Rücken des Ṛta, auf der Zinne, leuchtend: zum gemeinsamen Schoß hin haben die Scharen gerufen [?].
Zum Gemeinsamen hin brüllend, die vielen, stehen die Mütter des Kalbes, einträchtig [Nestgenossinnen]. / Auf dem Rücken des Ṛta schreitend, lecken sie die Honigtöne des Unsterblichen [?].
Die Gestalt erkennend, flehten die Weisen; zum Ruf des Wildtiers, des Büffels sind sie gegangen. / Durch das Ṛta ziehend, haben sie den Strom bestiegen; der Gandharva fand die unsterblichen Namen [?].
Die Apsaras, zum Buhlen hin lächelnd, die Frau, trägt ihn im höchsten Himmelsraum. / Er wandelt in den Schößen des Lieben, selbst lieb; er sitzt auf goldenem Flügel, jener Vena.
Als sie dich im Himmelsgewölbe, den Schönbeschwingten, heranfliegen sahen, mit dem Herzen sehnend, / den goldflügeligen Boten des Varuṇa, im Schoß des Yama den Vogel, den Eilenden.
Aufrecht stand der Gandharva auf dem Himmelsgewölbe, entgegen bunte Waffen von ihm tragend; / ein duftendes Gewand anlegend, schön zum Anblick; gleich dem Licht schuf er Namen, Liebes [?]. [Anm.: 'ṇa' im PP ist Schreibfehler für 'na'.]
Wenn der Tropfen dem Meer zustrebt, mit dem Auge des Gierigen schauend in der Ausbreitung, / erfreute [oder: begehrte] der Strahl mit heller Flamme; im dritten Kreis, im Dunstraum, tat er Liebes [?].
Wort für Wort
drapsaḥ
Tropfen (Nom. Sg.)
samudram
Meer (Akk. Sg.)
abhi
hin (Präverb)
yat
wenn (Konj.)
jigāti
geht, strebt (3. Sg. Präs. Int.)
paśyan
schauend (Part. Nom. Sg.)
gṛdhrasya
des Geiers/Gierigen (Gen. Sg.)
cakṣasā
mit dem Auge (Instr. Sg.)
vi-dhamarn
in der Auseinanderhaltung/Ausbreitung (Lok. Sg., Quelle: vi-dharman) [?]