Kapitel 130: ṛgvede 10.130 · yo yajño viśvatastantubhistata ekaśataṃ devakarmebhirāyataḥ
Die Weihehandlung als Gewebe; Versmaße und Urväter
Das Lied stellt die Weihehandlung (yajña) als ausgespanntes Gewebe dar, an dem die Väter weben, fragt nach den Urmaßen der ersten Handlung und ordnet Versmaße Göttern zu; zuletzt folgen die sieben Ṛṣis dem Pfad der Früheren. Die Deutung des Bildes (kosmisch-ritueller Webstuhl) ist plausibel; die Einzelzuordnungen (paridhi, praugam) sind fachterminologisch knapp.
yo yajño viśvatastantubhistata ekaśataṃ devakarmebhirāyataḥ / ime vayanti pitaro ya āyayuḥ pra vayāpa vayetyāsate tate
Die Weihehandlung, die von allen Seiten mit Fäden ausgespannt ist, mit hunderteinem göttlichen Werk ausgedehnt: die Väter, die gekommen sind, weben sie; „webe vor, webe zurück“ (sprechend) sitzen sie am gespannten (Gewebe).
pumānenaṃ tanuta ut kṛṇatti pumān vi tatne adhi nākeasmin / ime mayūkhā upa sedurū sadaḥ sāmāni cakrustasarāṇyotave
Der Mann spannt es aus, er spinnt es auf [Anm.: ut kṛt ‚aufspinnen/aufschneiden‘, unsicher]; der Mann hat es über diesem Himmelsgewölbe ausgebreitet. Diese Stäbe/Strahlen haben sich am Sitz niedergelassen; die Sāmans machten sie zu Webschiffchen zum Einweben.
Was war das Urmaß, was das Abbild, was der Anknüpfungspunkt; was das Schmalz, was das Umfassungsholz, was das Versmaß, was das Praüga, was das Lobgedicht, als alle Götter den Gott verehrten?
Wort für Wort
kā
was (Nom. Sg. f.)
āsīt
war (Impf. 3. Sg.)
pra-mā
Urmaß/Bemessung (Nom. Sg.)
prati-mā
Gegenbild/Abbild (Nom. Sg.)
kim
was (Nom. Sg.)
ni-dānam
Anknüpfung/Grundlage (Nom. Sg.)
ājyam
Schmalz (Nom. Sg.)
kim
was (Nom. Sg.)
āsīt
war (Impf. 3. Sg.)
pari-dhiḥ
Umfassung/Umfassungsholz (Nom. Sg.)
kaḥ
was (Nom. Sg.)
āsīt
war (Impf. 3. Sg.)
chandaḥ
Versmaß (Nom. Sg.)
kim
was (Nom. Sg.)
āsīt
war (Impf. 3. Sg.)
praugam
Praüga (Nom. Sg.) [Anm.: Teil des Ritus/Joch, unsicher]
Des Agni Jochgenossin wurde die Gāyatrī; Savitar verband sich mit der Uṣṇih; mit der Anuṣṭubh (verband sich) Soma, machtvoll durch Lobgedichte; die Bṛhatī förderte die Rede des Bṛhaspati.
Die Virāj ist die Beigabe [Anm.: abhiśrī, Beimischung] für Mitra und Varuṇa; Indras (Versmaß) die Triṣṭubh, hier der Tagesanteil; die Jagatī ging in alle Götter ein. Dadurch waren die Ṛṣis, die Menschen, wohlgefügt.
cākḷipre tena ṛṣayo manuṣyā yajñe jāte pitaro naḥpurāṇe / paśyan manye manasā cakṣasā tān ya imaṃyajñamayajanta pūrve
Dadurch waren die Ṛṣis, die Menschen, wohlgefügt, als die Weihehandlung entstand, auch unsere Väter in der alten. Sehend, so meine ich, mit Geist und Auge sie, die diese Weihehandlung als Frühere verehrten.
Wort für Wort
cākepre
waren wohlgefügt (Perf. Med. 3. Pl.) [Textverderbnis im PP]
Mit Lobliedern zugleich, mit Versmaßen zugleich, mit Umläufen [?], mit Maßen zugleich: die sieben göttlichen Ṛṣis, die Weisen, haben, dem Pfad der Früheren nachschauend, (ihn) aufgegriffen, wie der Wagenlenker die Zügel.