Kapitel 109: ṛgvede 10.109 · te 'vadan prathamā brahmakilbiṣe 'kūpāraḥ salilomātariśvā
Rückgabe der Frau des Brahmanen (brahma-jāyā)
Rechtlich-mythisches Lied: Die Frau eines Brahmanen (brahmajāyā) wurde entwendet bzw. weggeführt; Götter, Ṛṣis und Könige stellen sie zurück, Bṛhaspati findet sie wieder. Der Text ist knapp und in vielen Einzelheiten dunkel (Akūpāra, vīḷuharāḥ, viṣaḥ, juhvam); brahma kann Gebet/Formel oder Brahmanenstand bedeuten.
Sie sprachen als erste im Falle des Frevels am brahman: Akūpāra [Anm.: Meer oder Schildkröte, unsicher], die Wasserflut, Mātariśvan, die Feste-Raubenden [?], die Glut, der Gewaltige, der Wohlsein-Bringende, die göttlichen Wasser, erstgeboren durch das Ṛta.
Soma, der König, gab als erster die Frau des brahman wieder zurück, ohne zu zürnen. Varuṇa war der Nachfolger [?], Mitra; Agni, der Rufer, führte sie an der Hand gefasst herbei.
Nur mit der Hand ist ihr Pfand zu ergreifen; wenn man sagte: „Dies ist die Frau des brahman“, so steht sie nicht zur Sendung durch einen Boten. So ist das Reich des Kṣatriya behütet. [Anm.: pra-hye und ādhi sind unsicher; rechtlich gemeint: die Rückgabe geschieht persönlich, nicht durch Boten.]
Die Götter sprachen über sie, die früheren, die sieben Ṛṣis, die sich zur Glut niedergesetzt hatten: Furchtbar ist die Frau eines Brahmanen, wenn sie herangeführt wird; sie setzt Unheil [?] im höchsten Raum.
brahmacārī carati veviṣad viṣaḥ sa devānāṃ bhavatyekamaṅgam / tena jāyāmanvavindad bṛhaspatiḥ somena nītāṃjuhvaṃ na devāḥ
Der Brahmacārin wandelt umher, tätig [?], [Anm.: viṣaḥ unklar: Wirkungen oder Gifte]; er wird ein einziges Glied der Götter. Durch ihn fand Bṛhaspati die Frau wieder, die von Soma weggeführt worden war, wie die Götter den Opferlöffel [?].
Nachdem sie die Frau des brahman zurückgegeben und mit den Göttern frei von Frevel gemacht haben, haben sie Anteil an der Kraft der Erde und sitzen beim Weitschreitenden.
Wort für Wort
punaḥ-dāya
durch Zurückgeben (Abs.)
brahma-jāyām
Frau des brahman (Akk. Sg.)
kṛtvī
gemacht habend (Abs.)
devaiḥ
mit den Göttern (Instr. Pl.)
ni-kilbiṣam
frei von Frevel (Akk. Sg.)
ūrjam
Kraft/Nahrung (Akk. Sg.)
pṛthivyāḥ
der Erde (Gen. Sg.)
bhaktvāya
Anteil nehmend (Abs.)
uru-gāyam
den Weitschreitenden/weithin Besungenen (Akk. Sg.) [?]