Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 10

Kapitel 101: ṛgvede 10.101 · ud budhyadhvaṃ samanasaḥ sakhāyaḥ samagnimindhvaṃ bahavaḥsanīḷāḥ Weckruf zu Weihehandlung, Pflügen und Brunnenbau

Aufruf an die Gefährten, Agni zu entzünden und ein Werk zu beginnen; die Verse 2 bis 12 mischen Bilder von Weihehandlung (yajña), Landbau (Pflug, Joch, Saat, Ernte) und Wasserschöpfen am Brunnen. Der Text ist technisch und an mehreren Stellen (Verse 7, 10, 11, 12) im Wortsinn unsicher; ob Landbau und Weihehandlung im Bild ineinander gelegt sind, bleibt offen.

ud budhyadhvaṃ samanasaḥ sakhāyaḥ samagnimindhvaṃ bahavaḥsanīḷāḥ / dadhikrāmagnimuṣasaṃ ca devīmindrāvato'vase ni hvaye vaḥ

Wacht auf, einmütige Freunde; entzündet zusammen Agni, ihr vielen Nestgenossen. Dadhikrā, Agni und die göttliche Uṣas rufe ich [herbei] und euch, die Indra-Begleiter, zur Hilfe herab. [Anm.: indravataḥ kann zu vaḥ gehören („euch Indra-Begleitete“).] [?]

Wort für Wort
ut
auf (Präv.)
budhyadhvam
wacht (2. Pl. Imp. Med.)
sa-manasaḥ
einmütig (Nom. Pl.)
sakhāyaḥ
Freunde (Nom. Pl.)
sam
zusammen (Präv.)
agnim
Agni (Akk. Sg.)
indhvam
entzündet (2. Pl. Imp.)
bahavaḥ
viele (Nom. Pl.)
sa-nīḷāḥ
Nestgenossen, Verwandte (Nom. Pl.)
dadhi-kṛām
Dadhikrā (Akk. Sg.)
agnim
Agni (Akk. Sg.)
uṣasam
Uṣas, Morgenröte (Akk. Sg.)
ca
und
devīm
göttlich (Akk. Sg.)
indra-vataḥ
Indra-begleitet, mit Indra (Akk. Pl.)
avase
zur Hilfe (Dat. Sg.)
ni
herab (Präv.)
hvaye
ich rufe (1. Sg. Med.)
vaḥ
euch (Akk. Pl.)

mandrā kṛṇudhvaṃ dhiya ā tanudhvaṃ nāvamaritraparaṇīṃkṛṇudhvam / iṣkṛṇudhvamāyudhāraṃ kṛṇudhvaṃ prāñcaṃyajñaṃ pra ṇayatā sakhāyaḥ

Macht [die Gedanken] erfreulich, spannt die Gedanken aus; macht ein Schiff, das mit Rudern hinüberführt. Rüstet die Waffen, macht genug; führt die Weihehandlung vorwärts, Freunde. [Anm.: dhiyaḥ hier Gedanken, Andachten, Werke; das Bild eines Werks in Gemeinschaft (Schiff, Waffen, Weihehandlung) ist plausibel.]

Wort für Wort
mandrā
erfreulich, erfreuend (Akk. Pl. f.)
kṛṇudhvam
macht (2. Pl. Imp. Med.)
dhiyaḥ
Gedanken, Andachten (Akk. Pl.)
ā
her, hin (Präv.)
tanudhvam
spannt aus, webt fort (2. Pl. Imp. Med.)
nāvam
Schiff (Akk. Sg.)
aritra-paraṇīm
mit Rudern hinüberführend (Akk. Sg. f.)
kṛṇudhvam
macht (2. Pl. Imp. Med.)
iṣkṛṇudhvam
richtet her (2. Pl. Imp. Med.)
āyudhā
Waffen (Akk. Pl.)
aram
genug, zur Genüge
kṛṇudhvam
macht (2. Pl. Imp. Med.)
prāñcam
vorwärts gerichtet (Akk. Sg.)
yajñam
Weihehandlung (Akk. Sg.)
pra
voran (Präv.)
nayata
führt (2. Pl. Imp.)
sakhāyaḥ
Freunde (Vok. Pl.)

yunakta sīrā vi yugā tanudhvaṃ kṛte yonau vapateha bījam / girā ca śruṣṭiḥ śabharā asan no nedīya it sṛṇyaḥpakvameyāt

Schirrt die Pflüge an, breitet die Joche auseinander; im bereiteten Schoß sät hier den Samen. Durch den Zuruf soll Gehör ertragreich sein für uns; näher soll die Sichel zum Reifen kommen.

Wort für Wort
yunakta
schirrt an (2. Pl. Imp.)
sīrā
Pflüge (Akk. Pl.)
vi
auseinander (Präv.)
yugā
Joche (Akk. Pl.)
tanudhvam
breitet aus (2. Pl. Imp. Med.)
kṛte
im gemachten, bereiteten (Lok. Sg.)
yonau
Schoß, Ackerfurche (Lok. Sg.)
vapata
sät (2. Pl. Imp.)
iha
hier
bījam
Samen (Akk. Sg.)
girā
durch den Zuruf, durch das Lied (Instr. Sg.)
ca
und
śruṣṭiḥ
Gehör, Willfährigkeit (Nom. Sg.)
sa-bharāḥ
ertragreich (Nom. Sg.)
asat
sie soll sein (3. Sg. Opt./Konj.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
nedīyaḥ
näher (Adv.)
it
eben, gerade
sṛṇyaḥ
Sichel (Nom. Sg.)
pakvam
Reifes, Gekochtes (Akk. Sg.)
ā
her, hinzu (Präv.)
iyāt
sie soll gelangen (3. Sg. Opt.)

sīrā yuñjanti kavayo yugā vi tanvate pṛthak / dhīrādeveṣu sumnayā

Die Pflüge schirren die Weisen an, die Joche breiten sie auseinander, jeder für sich, die Besonnenen, unter den Göttern Gunst suchend.

Wort für Wort
sīrā
Pflüge (Akk. Pl.)
yuñjanti
sie schirren an (3. Pl.)
kavayaḥ
Weise, Seher (Nom. Pl.)
yugā
Joche (Akk. Pl.)
vi
auseinander (Präv.)
tanvate
sie breiten aus (3. Pl. Med.)
pṛthak
jeder für sich, getrennt
dhīrāḥ
besonnen, Besonnene (Nom. Pl.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok. Pl.)
sumna-yā
Gunst suchend, wohlwollend (Adv.)

nirāhāvān kṛṇotana saṃ varatrā dadhātana / siñcāmahāavatamudriṇaṃ vayaṃ suṣekamanupakṣitam

Macht Tränktröge fertig, legt die Riemen zusammen. Wir wollen den wasserreichen Brunnen, gut zu begießen, nie versiegend, begießen [d. h. aus ihm schöpfen]. [Anm.: siñc- wörtlich „gießen“; Sinn „schöpfend gießen“ ist plausibel.]

Wort für Wort
niḥ
heraus, fertig (Präv.)
āhāvān
Tränktröge (Akk. Pl.)
kṛṇotana
macht (2. Pl. Imp.)
sam
zusammen (Präv.)
varatrāḥ
Riemen (Akk. Pl.)
dadhātana
legt (2. Pl. Imp.)
siñcāmahai
wir wollen gießen, schöpfen (1. Pl. Konj. Med.)
avatam
Brunnen (Akk. Sg.)
udriṇam
wasserreich (Akk. Sg.)
vayam
wir (Nom. Pl.)
su-sekam
gut zu begießen (Akk. Sg.)
anupa-kṣitam
nie versiegend (Akk. Sg.)

iṣkṛtāhāvamavataṃ suvaratraṃ suṣecanam / udriṇaṃ siñceakṣitam

Den Brunnen mit hergerichtetem Tränktrog, mit guten Riemen, gut zu begießen, den wasserreichen, unerschöpflichen gieße ich.

Wort für Wort
iṣkṛta-āhāvam
mit hergerichtetem Tränktrog (Akk. Sg.)
avatam
Brunnen (Akk. Sg.)
su-varatram
mit guten Riemen (Akk. Sg.)
su-secanam
gut zu begießen (Akk. Sg.)
udriṇam
wasserreich (Akk. Sg.)
siñce
ich gieße, schöpfe (1. Sg. Med.)
akṣitam
unerschöpflich (Akk. Sg.)

prīṇītāśvān hitaṃ jayātha svastivāhaṃ rathamitkṛṇudhvam / droṇāhāvamavatamaśmacakramaṃsatrakośaṃsiñcatā nṛpāṇam

Erquickt die Rosse, gewinnt das Ausgesetzte, macht euch einen Wagen, der Heil fährt. Den Brunnen mit Holztrog als Tränke, mit steinernem Rad, mit Behälter [und Schulterschutz?] schöpft, den Männer-Trank [?]. [Anm.: aṃsatrakośa und nṛpāna unsicher; hier ist ein Brunnenrad mit Eimer möglich (plausibel).] [?]

Wort für Wort
prīṇīta
erquickt (2. Pl. Imp. Med.)
aśvān
Rosse (Akk. Pl.)
hitam
das Ausgesetzte, Niedergelegte (Akk. Sg.) [?]
jayātha
ihr sollt gewinnen (2. Pl. Konj.)
svasti-vāham
Heil fahrend (Akk. Sg.)
ratham
Wagen (Akk. Sg.)
it
eben, nur
kṛṇudhvam
macht (2. Pl. Imp. Med.)
droṇa-āhāvam
mit Holztrog als Tränke (Akk. Sg.)
avatam
Brunnen (Akk. Sg.)
aśma-cakram
mit steinernem Rad (Akk. Sg.)
aṃsatra-kośam
mit Schulterschutz-Behälter [?] (Akk. Sg.)
siñcata
gießt, schöpft (2. Pl. Imp.)
nṛ-pānam
Männer-Trank, Männertränke (Akk. Sg.) [?]

vrajaṃ kṛṇudhvaṃ sa hi vo nṛpāṇo varma sīvyadhvaṃ bahulāpṛthūni / puraḥ kṛṇudhvamāyasīradhṛṣṭā mā vaḥ susroccamaso dṛṃhatā tam

Macht einen Pferch — denn er ist für euch die Männertränke; näht euch einen Panzer, viele und breite Stücke. Macht eiserne, unangreifbare Burgen; nicht soll euch der Becher auslaufen, festigt ihn.

Wort für Wort
vrajam
Pferch, Gehege (Akk. Sg.)
kṛṇudhvam
macht (2. Pl. Imp. Med.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
hi
denn
vaḥ
euer (Dat./Gen. Pl.)
nṛ-pānaḥ
Männertränke (Nom. Sg.)
varma
Panzer, Schutzhülle (Akk. Sg.)
sīvyadhvam
näht (2. Pl. Imp. Med.)
bahulā
viele (Akk. Pl. n.)
pṛthūni
breite (Akk. Pl. n.)
puraḥ
Burgen (Akk. Pl.)
kṛṇudhvam
macht (2. Pl. Imp. Med.)
āyasīḥ
eisern (Akk. Pl. f.)
adhṛṣṭāḥ
unangreifbar (Akk. Pl. f.)
mā
nicht (Prohib.)
vaḥ
euer (Gen. Pl.)
susrot
er soll auslaufen (3. Sg. Aor.)
camasaḥ
Becher (Nom. Sg.)
dṛṃhata
festigt (2. Pl. Imp.)
tam
ihn (Akk. Sg.)

ā vo dhiyaṃ yajñiyāṃ varta ūtaye devā devīṃ yajatāṃyajñiyāmiha / sā no duhīyad yavaseva gatvī sahasradhārāpayasā mahī gauḥ

Eure verehrungswürdige Andacht [dhī] wende ich zur Hilfe hierher, ihr Götter; die göttliche, verehrenswerte, dem Weihehandeln zugehörige, hier. Sie soll uns melken lassen [ihre Milch], wie zur Weide gegangen: die große Kuh mit tausend Strömen von Milch. [Anm.: gauḥ wörtlich „Kuh“; hier Bildrede für die dhī (plausibel).]

Wort für Wort
ā
her (Präv.)
vaḥ
euer (Gen. Pl.)
dhiyam
Andacht, Gedanke (Akk. Sg.)
yajñiyām
verehrungswürdig (Akk. Sg. f.)
varte
ich wende (1. Sg. Med.)
ūtaye
zur Hilfe (Dat. Sg.)
devāḥ
Götter (Vok. Pl.)
devīm
göttlich (Akk. Sg. f.)
yajatām
verehrenswert (Akk. Sg. f.)
yajñiyām
der Weihehandlung zugehörig (Akk. Sg. f.)
iha
hier
sā
sie (Nom. Sg. f.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
duhīyat
sie soll melken lassen, sich melken lassen (3. Sg. Opt. Pass.)
yavasāiva
wie zur Weide (Instr./Dat.)
gatvī
gegangen (Nom. Sg. f. Part.)
sahasra-dhārā
tausendströmig (Nom. Sg. f.)
payasā
mit Milch (Instr. Sg.)
mahī
groß (Nom. Sg. f.)
gauḥ
Kuh (Nom. Sg.)

ā tū ṣiñca harimīṃ drorupasthe vāśībhistakṣatāśmanmayībhiḥ / pari ṣvajadhvaṃ daśa kakṣyābhirubhe dhurau prati vahniṃ yunakta

Gieß nun hin, [den Falben/das Gelbe?] hier, in den Schoß des Holzes; mit steinernen Beilen zimmert. Umschlingt mit den zehn Gurten; beide Deichselenden [?] — schirrt den Zugträger an. [Anm.: harim īm unklar; Bezug auf Wasser (Gelbes) oder Zugtier möglich; dhurau eigentlich Joch-/Deichselenden.] [?]

Wort für Wort
ā
her, hin (Präv.)
tu
nun
siñca
gieß (2. Sg. Imp.)
harim
den Falben, das Gelbe (Akk. Sg.) [?]
īm
ihn, es, hier (Akk. Part.)
droḥ
des Holzes, des Baumes (Gen. Sg.)
upa-sthe
im Schoß (Lok. Sg.)
vāśībhiḥ
mit Beilen (Instr. Pl.)
takṣata
zimmert (2. Pl. Imp.)
aśman-mayībhiḥ
aus Stein gemacht (Instr. Pl. f.)
pari
ringsum (Präv.)
svajadhvam
umschlingt, umfasst (2. Pl. Imp. Med.)
daśa
zehn (Zahl)
kakṣyābhiḥ
mit Gurten (Instr. Pl.)
ubhe iti
beide (Akk. Du.)
dhurau
Deichseln, Jochenden (Akk. Du.)
prati
gegenüber, zu (Präv.)
vahnim
Zugträger, Zugtier (Akk. Sg.)
yunakta
schirrt an (2. Pl. Imp.)

ubhe dhurau vahnirāpibdamāno 'ntaryoneva carati dvijāniḥ / vanaspatiṃ vana āsthāpayadhvaṃ ni ṣū dadhidhvamakhananta utsam

Zwischen den beiden Deichselenden geht der Zugträger, sich stemmend, wie im Schoß, der Zweimalgeborene. Den Baum setzt im Wald auf, stellt ihn gut hin; sie gruben eine Quelle. [Anm.: āpibdamāna, dvijāni und akhananta unsicher.] [?]

Wort für Wort
ubhe iti
beide (Nom./Akk. Du.)
dhurau
Deichseln, Jochenden (Akk. Du.)
vahniḥ
Zugträger (Nom. Sg.)
āpibdamānaḥ
sich stemmend, stampfend [?] (Nom. Sg. Part.)
antaḥ
innerhalb, zwischen
yonāiva
wie im Schoß (Lok. Sg.)
carati
er geht (3. Sg.)
dvi-jāniḥ
zweimal geboren [?], mit zwei Müttern (Nom. Sg.)
vanaspatim
den Baum, Waldherrn (Akk. Sg.)
vane
im Wald (Lok. Sg.)
ā
hin, auf (Präv.)
asthāpayadhvam
stellt auf (2. Pl. Imp. Kaus.)
ni
nieder, hin (Präv.)
su
gut
dadhidhvam
setzt (2. Pl. Imp. Med.)
akhanantaḥ
sie gruben (3. Pl. Impf. Med.) [?]
utsam
Quelle (Akk. Sg.)

kapṛn naraḥ kapṛthamud dadhātana codayata khudatavājasātaye / niṣṭigryaḥ putramā cyāvayotaya indraṃsabādha iha somapītaye

Mit dem Kapṛt, ihr Männer, richtet den Kapṛtha auf, treibt an, [er] soll khud- [?] zum Gewinn des Preises; den Sohn der Niṣṭigrī, Indra, lass her[bei]kommen zur Hilfe, samt den Bedrängten, hier zum Somatrunk. [Anm.: kapṛth ist sonst das männliche Glied; hier ein technisches Gerät (Schöpfwerk, Hebel) denkbar; die Zeile ist nicht sicher deutbar. khudata unklar.] [?]

Wort für Wort
kapṛt
mit dem Kapṛt [?] (Instr. Sg.)
naraḥ
Männer (Vok. Pl.)
kapṛtham
das Kapṛtha, das Glied/Gerät [?] (Akk. Sg.)
ut
auf, empor (Präv.)
dadhātana
richtet auf, setzt hoch (2. Pl. Imp.)
codayata
treibt an (2. Pl. Imp.)
khudata
khud- [?] (2. Pl. Imp.)
vāja-sātaye
zum Gewinn des Preises (Dat. Sg.)
niṣṭigryaḥ
Niṣṭigrī gehörig (Akk. Sg.) [?]
putram
Sohn (Akk. Sg.)
ā
her (Präv.)
cyāvaya
lass kommen, lass hinwenden (2. Sg. Imp. Kaus.)
ūtaye
zur Hilfe (Dat. Sg.)
indram
Indra (Akk. Sg.)
sa-bādhaḥ
samt den Bedrängten, mit Bedrängnis [?] (Nom. Sg.)
iha
hier
soma-pītaye
zum Somatrunk (Dat. Sg.)

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