Kapitel 66: ṛgvede 10.66 · devān huve bṛhacchravasaḥ svastaye jyotiṣkṛto adhvarasyapracetasaḥ
Anruf der Allgötter um Schutz, Wohl und Kraft
Allgötterlied (Viśvedevāḥ) mit Götterkatalogen (3–5), einer Strophe, die durch das Wort ‚Stier‘ (vṛṣan) getragen wird (6), Schöpfer- und Helfertaten der Götter und einer Vasiṣṭha-Schlussstrophe (14–15). Vers 15 ist in der Quelle nur im Padapāṭha erhalten und wiederholt 10.65.15; unsicher sind besonders 6 (Textverderbnis im PP), 7 und 9 (tanvi ni mamṛjuḥ).
Ich rufe die Götter von hohem Ruhm zum Wohl, die Lichtschaffenden, die Einsichtigen der Feier (adhvara), die noch weiter gestärkt haben [?], die Allkundigen, mit Indra als Ältestem, die Unsterblichen, die ṛta-Mehrer.
Von Indra angetrieben, von Varuṇa unterwiesen, die den Anteil am Licht der Sonne erlangt haben: in der Marut-Schar, im Umkreis (vṛjana) wollen wir beim Gabenreichen unser Sinnen (manma) fassen; die Gönner haben die Weihehandlung hervorgebracht.
indro vasubhiḥ pari pātu no gayamādityairno aditḥ śarmayachtu / rudro rudrebhirdevo mṛḷayāti nastvaṣṭā nognābhiḥ suvitāya jinvatu
Indra soll uns mit den Vasu ringsum schützen, unser Haus (gaya); mit den Ādityas soll uns Aditi Obdach geben; Rudra, der Gott, mit den Rudras, soll uns gnädig sein; Tvaṣṭṛ soll uns mit den Göttinnen zum Gedeihen beleben.
Aditi, Himmel und Erde, das große ṛta, Indra und Viṣṇu, die Marut, das hohe Licht (svar) – die Götter, die Ādityas rufen wir zum Beistand an, die Vasu, die Rudras, Savitṛ, den Wirkmächtigen.
Sarasvān, mit den Gedanken, Varuṇa, der Gesetzestragende, Pūṣan, Viṣṇu, die Größe (Mahimā), Vāyu, die Aśvin; die Brahman-Schaffenden, Unsterblichen, Allkundigen sollen uns dreifachen Schutz gegen die Not gewähren.
Ein Stier ist die Weihehandlung; Stiere sollen die Verehrungswürdigen sein, Stiere die Götter, Stiere, die die Opfergabe bereiten; die beiden Stiere, Himmel und Erde, ṛta-reich; ein Stier ist Parjanya, Stiere die, die den Stier preisen. [Anm.: vṛṣan = ‚Stier, männlich-kräftig, Regenspender‘; Reihung mit Wortspiel. Der PP-Token 12 ist verderbt.]
agnīṣomā vṛṣaṇā vājasātaye purupraśastā vṛṣaṇā upabruve / yāvījire vṛṣaṇo devayajyayā tā naḥ śarmatrivarūthaṃ vi yaṃsataḥ
Agni und Soma, die beiden Stiere, vielgepriesen, rufe ich an zum Gewinn von Kampfpreis, die beiden Stiere; die von den Stieren [?] mit Götterverehrung verehrt worden sind – sie sollen uns dreifachen Schutz weit ausdehnen.
Die Gesetzestragenden, Herrschaftsinhaber (kṣatriya), Zurichter der Weihehandlung, Hochhimmlischen, die Zierde der Feiern, die Agni zum Rufer haben, dem ṛta verbunden, ohne Trug, haben die Wasser freigelassen im Vṛtra-Kampf. [Anm.: kṣatriya hier vedisch ‚Herrschaftsinhaber‘, nicht die spätere Kaste; PP hat Tippfehler in 6, 7, 13.]
Himmel und Erde haben sie gemäß den Geboten hervorgebracht, Wasser, Pflanzen, Waldbäume, die Opferwürdigen; Luftraum und Licht (svar) haben sie zum Beistand gefüllt; nach Belieben haben die Götter am Leib [?] gereinigt/geschmückt. [Anm.: tanvi ni mamṛjuḥ ist unsicher, ebenso 10.65.7.]
dhartāro diva ṛbhavaḥ suhastā vātāparjanyā mahiṣasyatanyatoḥ / āpa oṣadhīḥ pra tirantu no giro bhago rātirvājino yantu me havam
Die Träger des Himmels, die Ṛbhus, die Geschickten, Vāta und Parjanya, (auch) des mächtigen Donners; Wasser und Pflanzen sollen unsere Lieder fördern, Bhaga, die Gabe, die Kampfpreis-Rosse sollen zu meinem Ruf kommen.
samudraḥ sindhū rajo antarikṣamaja ekapāt tanayitnurarṇavaḥ / ahirbudhnyaḥ śṛṇavad vacāṃsi me viśve devāsauta sūrayo mama
Das Meer, der Strom, der Dunstraum, der Luftraum, der ungeborene Einfüßer, der Donner, die Flut, die Schlange der Tiefe sollen meine Worte hören; alle Götter und meine Gönner.
syāma vo manavo devavītaye prāñcaṃ no yajñaṃ pra ṇayatasādhuyā / ādityā rudrā vasavaḥ sudānava imā brahmaśasyamānāni jinvata
Wir wollen eure Menschen (Manu-Leute) sein zum Göttermahl; führt unsere Weihehandlung nach vorn gerichtet recht geradeaus; ihr Ādityas, Rudras, Vasus, guten Geber: belebt diese Gebetsformungen (brahma), die gerade gesprochen werden.
Ihr beiden göttlichen Rufer, ersten Vorangestellten: dem Pfad des ṛta folge ich, recht geradeaus; den Herrn des Feldes, den Nachbarn, bitten wir, alle Götter, die Unsterblichen, die nicht nachlässig sind.
Die Vasiṣṭhas haben wie Väter das Wort gemacht, die Götter anrufend wie Seher, zum Wohl; wie erfreute Verwandte, die zum Wunsch (Verlangen) gekommen sind, schüttelt uns, ihr Götter, Gut (vasu) herab.
devān vasiṣṭho amṛtān vavande ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: devān vasiṣṭhaḥ amṛtān vavande ye viśvā bhuvanā abhi pra-tasthuḥ te naḥ rāsantām uru-gāyam adya yūyam pāta svasti-bhiḥ sadā naḥ]
Die Götter, die Unsterblichen, hat Vasiṣṭha verehrt, die alle Wesen überragen [?]; sie sollen uns heute weiten Raum (Bahn) schenken; ihr aber schützt uns mit Segen allezeit. [Anm.: wiederholt 10.65.15; der Saṃhitā-Text ist in der Quelle abgebrochen, übersetzt nach dem Padapāṭha.]