Kapitel 103: ṛgvede 10.103 · āśuḥ śiśāno vṛṣabho na bhīmo ghanāghanaḥ kṣobhaṇaścarṣaṇīnām
Schlachtlied auf Indra, den Anführer des Heeres
Kriegslied (Ṛṣi-Zuschreibung der Tradition nicht aus dem Text ablesbar): Indra als schneller, unblinzelnder Kampfheld, Anrufung von Bṛhaspati, Maruts und Göttern für den Sieg der eigenen Heere; V. 12 ist ein Verwirrungs-Zauber gegen die Feinde (Apvā).
Schnell, sich wetzend, furchtbar wie ein Stier, Dauerschläger, Aufwühler der Völker, Brüller, unblinzelnd, der einzige Held – hundert Heere gewann Indra zugleich.
Mit dem Brüller, dem Unblinzelnden, dem Siegreichen, dem Kampfrufer, dem schwer Erschütterbaren, dem Kühnen – mit Indra gewinnt dies, ertragt dies, ihr Männer, [die] Kämpfe, mit dem pfeilhändigen Stier. [Anm.: yudhaḥ als Akk. Pl. „Kämpfe“ oder „Kämpfer“, unsicher.]
sa iṣuhastaiḥ sa niṣaṅgibhirvaśī saṃsraṣṭā sa yudhaindro gaṇena / saṃsṛṣṭajit somapā bāhuśardhyugradhanvāpratihitābhirastā
Er mit den pfeilhändigen [Kriegern], er mit den Köcherträgern, der Gebieter, der Zusammenstürmende, er, Indra, in den Kämpfen mit der Schar; der Zusammengetroffene-Besieger, Somatrinker, starkarmig, mit furchtbarem Bogen, ein Schütze mit den bereitgelegten [Pfeilen].
Bṛhaspati, fahre umher mit dem Wagen, [du] Rakṣas-Töter, die Feinde wegdrängend; die Heere zerbrechend, [sie] niederschmetternd im Kampf, siegend – sei du unser Wagen-Beschützer.
Der Kraft-Kenner [?], der Feste, der Vorwärtsheld, der Kraftvolle, Rennkräftige, Überwältigende, Furchtbare; der Helden-Übermächtige, der Übermächtige, aus Kraft Geborene – besteige, Indra, den siegreichen Wagen, Rinder-Finder.
Den Gotra-Sprenger, den Rinderfinder, den Keilarmigen, den im Ansturm Siegenden, mit Macht Zermalmenden – diesen Indra, ihr Gleichgeborenen, feuert an, ihr Freunde, packt mit zu, [alle] zusammen. [Anm.: gotra = „Rindergehege/Sippe“; gotra-bhid „Gehege-Spalter“, mythologisch Bezug auf den Vala-Mythos, plausibel.]
Auf die Gehege [?] los, mit Kraft eindringend, der Unbarmherzige, der Held, der Hundert-Eifrige, Indra, schwer zu erschüttern, Schlachtenbezwinger, unbekämpfbar – er soll unsere Heere in den Kämpfen fördern.
Indra sei der Anführer dieser [Heere], Bṛhaspati, die Gabe (Dakṣiṇā), die Weihehandlung, Soma – sie sollen voranziehen; der göttlichen Heere, die zerbrechen und siegen, ihnen sollen die Maruts an der Spitze voranziehen.
Des Indra, des Stiers, des Varuṇa, des Königs, der Ādityas, der Maruts – die Heerschar ist gewaltig; der hochgesinnten, weltenerschütternden, siegenden Götter – der Schlachtruf ist emporgestiegen.
ud dharṣaya maghavannāyudhānyut satvanāṃ māmakānāmmanāṃsi / ud vṛtrahan vājināṃ vājinānyud rathānāṃjayatāṃ yantu ghoṣāḥ
Erregt, Gabenreicher, die Waffen, die Gemüter meiner Krieger; erhebe, Vṛtra-Töter, die Kräfte der Renner; empor sollen der siegenden Wagen Rufe steigen.
Unser sei Indra bei den zusammentreffenden Bannern; unsere seien die Pfeile, sie sollen gewinnen; unsere Helden seien die Überlegenen; uns, ihr Götter, helft in den Anrufungen [d. h. Kämpfen; haveṣu wörtlich „Anrufungen/Kampfrufe“].
Wort für Wort
asmākam
unser (Gen. Pl.)
indraḥ
Indra (Nom.)
sam-ṛteṣu
bei zusammengestoßenen/zusammentreffenden (Lok. Pl.)
dhvajeṣu
Bannern (Lok. Pl.)
asmākam
unsere (Gen. Pl.)
yāḥ
welche (Nom. Pl. f.)
iṣavaḥ
Pfeile (Nom. Pl.)
tāḥ
diese (Nom. Pl. f.)
jayantu
sollen gewinnen (3. Pl. Imp.)
asmākam
unsere (Gen. Pl.)
vīrāḥ
Helden (Nom. Pl.)
ut-tare
überlegen/obere (Nom. Pl. m.) [Lok. Sg. n. möglich]
Ihr Denken verwirrend/verlockend, ergreife die Glieder, Apvā, geh weg von hier; auf sie los, brenne sie in den Herzen aus mit Kummer; die Feinde sollen der blinden Finsternis anhaften. [Anm.: apvā ist ein Schreck- bzw. Krankheitsdämon; plausibel, nicht sicher.]