Kapitel 68: ṛgvede 10.68 · udapruto na vayo rakṣamāṇā vāvadato abhriyasyeva ghoṣāḥ
Bṛhaspati sprengt den Fels und befreit die Rinder
Fortsetzung des Vala-Mythos: Bṛhaspati öffnet mit Gesang und Feuerglut den Fels des Vala, holt die Rinder heraus und findet Morgenröte, Sonne und Feuer; die Lichtwerdung der Nacht ist das Schlussbild. Manche Bilder (Verse 3, 6, 8) sind dunkel.
Wie Vögel, die im Wasser flattern, sich hütend, laut rufend, / wie das Gebrüll der Wolkenmasse, / wie Wellen, die am Berg glänzen, jubelnd, / so haben die Preislieder Bṛhaspati angesungen.
saṃ gobhirāṅgiraso nakṣamāṇo bhaga ivedaryamaṇaṃnināya / jane mitro na dampatī anakti bṛhaspatevājayāśūnrivājau
Zusammen mit den Rindern kam der Āṅgirasa herbei; wie Bhaga führte er Aryaman [zu uns]; / wie Mitra bei den Leuten das Ehepaar [zusammenbringt], salbt er ihn [Anm.: mit Schmalz o. ä. ?]. / O Bṛhaspati, treibe an [Anm.: unser Gespann], wie schnelle Rosse im Wettlauf.
Die gut zu Preisenden, die Gastfreundlichen, Regsamen, Begehrenswerten, / Schönfarbigen, von untadeliger Gestalt: [die Kühe] hat Bṛhaspati aus den Bergen herausgeholt, / wie man Gerste vom Schwungkorb [?] aus den Rispen [herausschwingt].
Er ließ den Schoß der Wahrheit mit Honig [Anm.: Süßem] besprühen; hinabschleudernd das Leuchtlied, / wie einen Feuerbrand vom Himmel, / hob Bṛhaspati die Rinder aus dem Felsen empor, / und spaltete die Haut der Erde wie mit Wasser.
apa jyotiṣā tamo antarikṣādudnaḥ śīpālamiva vātaājat / bṛhaspatiranumṛśyā valasyābhramiva vāta ā cakraā gāḥ
Er trieb mit Licht das Dunkel vom Luftraum weg, / wie der Wind Wasserpflanzen [Anm.: vom Teich]; / Bṛhaspati, nachdem er dem Vala nachgetastet hatte, / holte die Rinder heran, wie der Wind die Wolke.
Als Bṛhaspati mit den feuergeglühten Lobliedern das Gebiss [?] des schwellenden Vala spaltete, / da nahm er das mit den Zähnen wie mit einer Zunge Umschlossene fort [Anm.: sinngemäß], / und machte die Schätze der Morgenrotkühe offenbar.
Bṛhaspati erkannte jenen Namen dieser Klangvollen [Anm.: Rinder], der im Wohnsitz verborgen war; / wie ein Ei zerschlug er es und hob die Leibesfrucht des Vogels hervor: / die Morgenrotkühe des Berges trieb er von selbst heraus.
aśnāpinaddhaṃ madhu paryapaśyan matsyaṃ na dīna udanikṣiyantam / niṣ ṭajjabhāra camasaṃ na vṛkṣādbṛhaspatirviraveṇā vikṛtya
Den von einem Stein Umschlossenen, den Honig, sahen sie ringsum / wie einen Fisch im wenigen Wasser, der dort wohnt; / den nahm Bṛhaspati heraus, wie einen Becher vom Baum, / indem er ihn mit Gebrüll auseinanderbrach.
soṣāmavindat sa svaḥ so agniṃ so arkeṇa vi babādhetamāṃsi / bṛhaspatirgovapuṣo valasya nirmajjānaṃ naparvaṇo jabhāra
Der fand die Morgenröte, der die Sonne [svar], der das Feuer; / der vertrieb mit dem Leuchtlied die Finsternisse. / Bṛhaspati holte das Mark aus dem kuhgestaltigen Vala, / wie [man] das Mark aus einem Gelenk [herauslöst].
Wie Reif die Blätter, so [ließ er] die Wälder beraubt zurück; / durch Bṛhaspati kam Vala [Anm.: um] die Rinder in Jammer. / Er tat Unnachahmliches, nicht mehr Rückgängiges [Anm.: wörtl. 'ohne Wiederholen'], / dass Sonne und Mond einander ablösend aufgehen.
Wort für Wort
himāiva
wie Reif (Akk. Sg. + iva)
parṇā
Blätter (Nom. Pl.)
muṣitā
beraubt (Nom. Pl. n.)
vanāni
Wälder (Nom. Pl.)
bṛhaspatinā
durch Bṛhaspati (Instr. Sg.)
akṛpayat
kam in Jammer, wurde bemitleidenswert (3. Sg. Impf.)
abhi śyāvaṃ na kṛśanebhiraśvaṃ nakṣatrebhiḥ pitarodyāmapiṃśan / rātryāṃ tamo adadhurjyotirahanbṛhaspatirbhinadadriṃ vidad gāḥ
Wie einen dunklen Hengst mit Zierstücken [Anm.: Schmuckstücken] schmückten die Väter den Himmel mit Sternen; / sie legten Dunkel in die Nacht und Licht in den Tag. / Bṛhaspati spaltete den Felsen und fand die Rinder.
idamakarma namo abhriyāya yaḥ pūrvīranvānonavīti / bṛhaspatiḥ sa hi gobhiḥ so aśvaiḥ sa vīrebhiḥ sanṛbhirno vayo dhāt
Diese Verehrung haben wir dem Wolkigen [Anm.: Bṛhaspati] dargebracht, / der die vielen früheren [Lieder] entlang mit Lauten begleitet. / Bṛhaspati, der möge uns mit Rindern, der mit Rossen, / der mit Helden, der mit Männern Lebenskraft geben.