Kapitel 61: ṛgvede 10.61 · idamitthā raudraṃ gūrtavacā brahma kratvā śacyāmantarājau
Rätsellied um Vater und Tochter, Wettlauf und Anrufung der Götter
Sehr dunkles, sprachlich schwieriges Lied (Nābhānediṣṭha-Komplex). Verse 5–8 spielen auf einen Mythos an, in dem der Vater seiner Tochter nachstellt und Samen vergießt, woraus Götter das Brahman und einen Gebotshüter hervorbringen; dazu Kuh-/Mädchen-Bilder (kanā), Aśvin, Agni, Indra, Nachkommenschaft. Übersetzung durchgehend unsicher; die Anspielungen sind nur vorsichtig (plausibel bis spekulativ) zu lesen.
Dieses rudrische Gebetswort (sprach) so der Lobredner mit Einsicht und Können mitten im Wettlauf [?]. Als seine beiden Eltern, (es) vollbringend, in der Gabe stehend [?], ... brachte er am Pakthe-Tag die sieben Rufer hinüber [?].
Wort für Wort
idam
dies (Akk. Sg. n.)
itthā
so/wahrlich
raudram
rudrisch, zu Rudra gehörig (Akk. Sg. n.)
gūrta-vacāḥ
dessen Rede willkommen ist, Lobredner (Nom. Sg.)
brahma
Gebetswort/heilige Formung (Akk. Sg. n.)
kratvā
mit Einsicht/Kraft (Instr. Sg.)
śacyām
mit Können/Vermögen (Instr./Lok. Sg.) [?]
antaḥ
innerhalb
ājau
im Wettlauf/Kampf (Lok. Sg.)
krāṇā
vollbringend (Nom. Du.)
yat
als/was
asya
seine (Gen. Sg.)
pitarā
die beiden Eltern (Nom. Du.)
maṃhane--sthāḥ
in der Freigebigkeit stehend (Nom. Sg.) [?]
parṣat
er brachte hinüber/erfüllte (3. Sg. Aor. Injunkt.) [?]
sa id dānāya dabhyāya vanvañcyavānaḥ sūdairamimītavedim / tūrvayāṇo gūrtavacastamaḥ kṣodo na reta itaūtisiñcat
Er, wahrlich, zum Geben, zum Zu-Bezwingenden [?], siegend, sich regend, maß mit den Köchen [?] den Altarplatz aus; eilend, der Lobredner Meiste, goss wie eine Flut den Samen/die Flüssigkeit von hier aus mit Hilfe [?].
mano na yeṣu havaneṣu tigmaṃ vipaḥ śacyā vanuthodravantā / ā yaḥ śaryabhistuvinṛmṇoasyāśrīṇītādiśaṃ gabhastau
Wie der Geist (schnell) in welchen Anrufungen [?] ihr den Scharfen, Eifrigen mit Können ... begehrt, laufend; der, der mit den Pfeilen, der Vielkräftige, seine Richtung/Weisung in die Hand mischte [?].
kṛṣṇā yad goṣvaruṇīṣu sīdad divo napātāśvināhuve vām / vītaṃ me yajñamā gataṃ me annaṃ vavanvāṃsāneṣamasmṛtadhrū
Als der Dunkle [?] unter den roten Kühen saß [Anm.: Bildrede: Dunkelheit im Morgenrot?], rufe ich euch, Enkel/Söhne des Himmels, Aśvin: genießt meine Weihehandlung, kommt zu meiner Speise, wie Gewinner die Labung, ihr Unvergessenen/nicht Wankenden [?].
Ausgebreitet hat sich das Manneswerk dessen, der (es) antreibt; das Angehängte hat der Männerfreund nun beiseite geräumt; wieder reißt der Unwiderstehliche hervor, was der Tochter, dem Mädchen, nachgetragen ist [?].
Als das Zu-Tuende in der Mitte geschah, in der Nähe, als der Vater an der jungen (Frau) sein Begehren machte, verloren beide, auseinandergehend, ein wenig Samen, ausgegossen auf dem Rücken, im Schoß des Wohlgetanen [?].
Als der Vater seine eigene Tochter bestieg [?], goss er, sich (mit ihr) vereinigend, auf der Erde den Samen aus; die gutgesinnten Götter erzeugten das Brahman (heilige Wort), sie zimmerten den Herrn des Bauplatzes heraus, den Hüter des Gebotes [Anm.: Mythos, vgl. Vāstoṣpati; Deutung plausibel, aber nicht sicher].
sa īṃ vṛṣā na phenamasyadājau smadā paraidapadabhracetāḥ / sarat padā na dakṣiṇā parāvṛṃ na tā nume pṛśanyo jagṛbhre
Er, wie ein Stier den Schaum, (den er) im Wettlauf schleuderte, ging lächelnd davon, wenig verständig [?]; er lief mit dem Fuß wie die rechte [?], nicht (wie) die Abgewandte; diese nun, die Gesprenkelten, haben mich nicht ergriffen [?].
makṣū na vahniḥ prajāyā upabdiragniṃ na nagna upasīdadūdhaḥ / sanitedhmaṃ sanitota vājaṃ sa dhartājajñe sahasā yavīyut
Schnell wie ein Zugtier, ein Lärmer für die Nachkommenschaft [?], wie ein Nackter das Feuer, setzte er sich an das Euter [?]; ein Gewinner von Brennholz und auch von Kampfpreis, wurde er als Träger geboren, durch Kraft, ständig kämpfend/Jugend-Kämpfer [?].
Schnell (kamen) zur Freundschaft des Mädchens die Neungänger, Wahrheit sprechend, zur Ṛta-Verbindung; die Zweifach-Sitzenden, die zum Hirten kamen, die ohne Opferlohn, begehrten das Unerschütterliche zu melken [?].
makṣū kanāyāḥ sakhyaṃ navīyo rādho na reta ṛtamitturaṇyan / śuci yat te rekṇa āyajanta sabardughāyāḥ payausriyāyāḥ
Schnell (zur) Freundschaft des Mädchens, der neueren, gleichsam Gabe/Erfolg wie Samen, eilend nur zum Ṛta; das Lautere, was sie dir als Erbgut weihten von der Milch der milchspendenden, rötlichen Kuh [?].
Mit dem Vieh, wenn die hinten Getrennten [?] erwachen/bedrängen, spricht er so zum Sprecher, (dem) Gebenden; durch das Gutsein des Guten erreichen die Sänger unbeschadet alle Habe hier [?].
Wort für Wort
paśvā
mit dem Vieh (Instr. Sg.) [?]
yat
wenn/was
paścā
hinten/nachher (Adv.)
vi-yutā
getrennt/gelöst (Nom. Pl. n.)
bdhanta
sie erwachen/bedrängen (3. Pl. Präs. Med.; Token verderbt) [?]
Eben dorthin sind seine Umsitzer gegangen, vielfach sitzend, den Nārṣada (?) [?] zu spalten wünschend; der Unwiderstehliche fand das Verknüpfte des Śuṣṇa, das im Verborgenen des Vielgeborenen war.
Wort für Wort
tat
eben das (Akk. Sg. n.)
it
wahrlich
nu
nun
asya
dessen (Gen. Sg.)
pari-sadvānaḥ
Umsitzer (Nom. Pl.)
agman
sie gingen (3. Pl. Aor.)
puru
viel (Adv.)
sadantaḥ
sitzend (Nom. Pl. Part.)
nārsadam
Nārṣada (Bedeutung unklar) [?]
bibh itsan
spalten wollend (Nom. Pl. Part. Desid.; Token ‚bibh itsan‘ verklebt)
bhargo ha nāmota yasya devāḥ svarṇa ye triṣadhastheniṣeduḥ / agnirha nāmota jātavedāḥ śrudhī no hotar{ṛ}tasya hotādhruk
Bhargas (Glut) ist wahrlich (sein) Name, und dessen, dessen Götter im dreifachen Sitz sich niedergelassen haben wie im Licht; Agni ist wahrlich (sein) Name und Jātavedas: höre uns, Rufer, des Ṛta Rufer, ohne Trug.
Und jene beiden, für mich, die Rudra-Söhne, mit Strahlen versehenen, die Nāsatyas, (und) Indra, zur Lobrede zu verehren, wie bei Manu gebend dem, der die Streu ausbreitete, erfreuliche, deren Labung bereitgestellt ist, unter den Stämmen verehrungswürdig [?].
Wort für Wort
uta
auch/und
tyā
jene (Nom. Du. m.)
me
mir (Dat. Sg.)
raudrau
rudrisch, Rudra-Söhne (Nom. Du.)
arci-mantā
glanzvoll/mit Strahlen (Nom. Du.)
nāsatyau
Nāsatyas (Nom. Du.)
indra
Indra (Vok. Sg.)
gṛtaye
zur Lobrede (Dat. Sg.; Token ‚gṛtaye‘ verderbt) [?]
ayaṃ stuto rājā vandi vedhā apaś va viprastaratisvasetuḥ / sa kakṣīvantaṃ rejayat so agniṃ nemiṃ nacakramarvato raghudru
Dieser gepriesene König ward besungen, der Ordner; und der Redegewandte überquert die Wasser, sich selbst als Brücke; er ließ Kakṣīvant erbeben [?], er Agni, wie den Radkranz das Rad des Rosses, der Schnelllaufende [?].
sa dvibandhurvaitaraṇo yaṣṭā sabardhuṃ dhenumasvanduhadhyai / saṃ yan mitrāvaruṇā vṛñja ukthairjyeṣṭhebhiraryamaṇaṃ varūthaiḥ
Er, der Zweifach-Verwandte, der Vaitaraṇa, der Verehrer, um die milchspendende Kuh, das Ross(?), zu melken [?]; als er Mitra-Varuṇa mit Liedern, den Aryaman mit den besten Schutzwehren zusammenfasste [?].
tadbandhuḥ sūrirdivi te dhiyandhā nābhānediṣṭho rapatipra venan / sā no nābhiḥ paramāsya vā ghāhaṃ tatpaścā katithaścidāsa
Dessen Verwandter, der Herr, im Himmel, die Gedanken Stiftende; Nābhānediṣṭha, vorwärtsdrängend, redet: ‚Das ist unser Nabel, das Höchste, oder sein (Nabel); ich war danach wohl der Wievielte?‘ [?]
iyaṃ me nābhiriha me sadhasthamime me devā ayamasmisarvaḥ / dvijā aha prathamajā ṛtasyedaṃ dhenuraduhajjāyamānā
Dies ist mein Nabel, hier ist mein Sitz; dies sind meine Götter; ich bin dieser Ganze. Zweifach geboren bin ich fürwahr, Erstgeborener des Ṛta: dies hat die Kuh gemolken, als sie geboren wurde [?].
Dann unter diesen (Frauen/Kühen) löst der erfreuliche, strahlende Unbeständige [?], auf zwei Wegen gehend, waldbesiegend [?]; als (er) aufrecht wie eine Reihe, wie ein Kind, schnell im Haus [?], gebar die Mutter den festen Glücksvermehrer.
Dann sind die Kühe zur Nähe/Angleichung des Mädchens hin, hinter einem beliebigen Erschöpften her, fortgegangen [?]; höre du, Reichtumsreicher, uns; du, der Verehrer [?], (erstarkte) mit Lieblichkeiten [?] des Āśvaghna.
adha tvamindra viddhyasmān maho rāye nṛpate vajrabāhuḥ / rakṣā ca no maghonah pāhi sūrīnanehasaste harivoabhiṣṭau
Nun erkenne du uns, Indra, zu großem Reichtum, Männerherr, Keulenarm; schütze uns und behüte die freigebigen Herren, die unversehrten, Falbenherr, in deiner Hilfe [?].
adha yad rājānā gaviṣṭau sarat saraṇyuḥ kāravejaraṇyuḥ / vipraḥ preṣṭhaḥ sa hyeṣāṃ babhūva parā cavakṣaduta parṣadenān
Da, als die beiden Könige bei der Rindersuche liefen, der Eilende, für den Sänger der Lobsingende [?]; der Redegewandte, Liebste wurde er von ihnen; und er trug (sie) fort und brachte sie hinüber [?].
Nun, im Gedeihen dieses Edlen, lobend wir mühelos, bitten wir darum; Saraṇyu, dessen Sohn, das Ross, und du bist Redegewandter und im Gewinn von Ruhm [?].
Wenn (er) für eure Freundschaft, für uns/für die Schar, das Loblied genoss, ehrfürchtig, überall, bei dem zusammentreffende Lieder wie früher ..., möge der Weg der Wahrheit/Lieblichkeit dienen [?].
sa gṛṇāno adbhirdevavāniti subandhurnamasā sūktaiḥ / vardhadukthairvacobhirā hi nūnaṃ vyadhvaiti payasausriyāyāḥ
Er, gepriesen mit Wassern [?], ‚gottliebend‘, so der gute Verwandte mit Verehrung, mit Wohlgesprochenem, möge mit Lobliedern und Reden wachsen; denn wahrlich jetzt öffnet sich der Weg der Milch der rötlichen Kuh [?].
ta ū ṣu ṇo maho yajatrā bhūta devāsa ūtaye sajoṣāḥ / ye vājānanayatā viyanto ye sthā nicetāro amūrāḥ
Ihr nun, für uns, ihr großen Verehrungswürdigen, seid, ihr Götter, zur Hilfe, einträchtig; die ihr, auseinanderstrebend, Siegespreise geführt habt; die ihr Wahrnehmende seid, nicht verwirrt.