Kapitel 51: ṛgvede 10.51 · mahat tadulbaṃ sthaviraṃ tadāsīd yenāviṣṭitaḥpraviveśithāpaḥ
Gespräch zwischen Agni, Varuṇa und den Göttern: Agni im Wasser versteckt
Dialoglied: Agni hat sich aus Furcht vor dem Rufer-Amt in den Wassern und Pflanzen verborgen; die Götter suchen ihn, Yama findet ihn, Varuṇa und die Götter bieten ihm Anteile und langes Leben, wenn er als Opfergutfahrer zurückkehrt. Die Sprecherverteilung ist nicht bezeichnet und hier erschlossen (spekulativ); schwierig sind ulba, daśāntaruṣyāt, avarīvuḥ, āvije.
mahat tadulbaṃ sthaviraṃ tadāsīd yenāviṣṭitaḥpraviveśithāpaḥ / viśvā apaśyad bahudhā te agne jātavedastanvo deva ekaḥ
[Agni?:] Groß war jene Hülle [?], dauerhaft, mit der umschlossen du in die Wasser eintratst. / Alle [Wasser?] sah er, vielfach, deine Leiber, Agni Jātavedas, der eine Gott [Anm.: Sprecher und Adressat unsicher].
ko mā dadarśa katamaḥ sa devo yo me tanvo bahudhāparyapaśyat / kvāha mitrāvaruṇā kṣiyantyagnervisvāḥsamidho devayānīḥ
[Agni:] Wer hat mich gesehen? Welcher jener Götter ist es, der meine Leiber vielfach überschaute? / Wo wohnen denn Mitra und Varuṇa? Wo alle Scheite Agnis, die zu den Göttern führen?
Wort für Wort
kaḥ
wer (Nom. Sg.)
mā
mich (Akk.)
dṛrśa
er sah (Perf. 3. Sg.) [PP: dṛrśa, verderbt]
katamaḥ
welcher (Nom. Sg.)
saḥ
jener (Nom. Sg.)
devaḥ
Gott (Nom. Sg.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
me
meine (Gen.)
tanvaḥ
Leiber (Akk. Pl.)
bahudhā
vielfach (Adv.)
pari-apaśyat
er überschaute (Impf. 3. Sg.)
kva
wo
aha
ja, denn
mitrāvaruṇā
Mitra und Varuṇa (Nom. Du.)
kṣiyanti
sie wohnen (Präs. 3. Pl.) [Verb im Plural, Subjekt Du.; Deutung unsicher]
[Götter:] Wir suchten dich vielfach, Jātavedas, der du in die Wasser und Pflanzen eingetreten warst, Agni. / Dich erkannte Yama, Buntstrahler, aus zehnfachem Innenraum [?] hervorleuchtend.
Wort für Wort
aicchāma
wir suchten (Impf. 1. Pl.)
tvā
dich (Akk.)
bahudhā
vielfach (Adv.)
jāta-vedaḥ
Jātavedas (Vok.)
pra-viṣṭam
eingetreten (Part. Akk. Sg.)
agne
Agni (Vok.)
ap-su
in den Wassern (Lok. Pl.)
oṣadhīṣu
in den Pflanzen (Lok. Pl.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
tvā
dich (Akk.)
yamaḥ
Yama (Nom. Sg.)
acciket
er erkannte (Aor. 3. Sg.)
citrabhāno iticitra-bhāno
buntstrahlend (Vok. Sg.)
daśa-antaruṣyāt
aus dem zehnfachen Innenraum/aus zehn Innenräumen [?] (Abl. Sg.)
[Agni:] Aus Furcht vor dem Rufer-Amt, Varuṇa, bin ich gekommen, damit mich die Götter hier nicht anspannen. / Meine Leiber sind vielfach [dorthin] eingegangen; diese Sache habe ich, Agni, nicht [recht] erkannt [?].
[Götter:] Komm her; Manu, götterstrebend, an der Weihehandlung interessiert, [hat dich] bereitet [?]; im Dunkel wirst du weilen, Agni [?]. / Mache gute Pfade, die von den Göttern befahrenen; fahre die Opfergüter, wohlgesinnt.
[Agni:] Agnis frühere Brüder haben diese Sache wie ein Wagenlenker den Weg entlang [umfahren/vermieden?] [?]. / Deshalb bin ich, Varuṇa, aus Furcht fernhin gekommen, wie ein Wildbüffel vor dem Schützen; größer [ist meine Scheu?] [?].
[Varuṇa/Götter:] Wir geben dir unalternde Lebenszeit, Agni, damit du, angespannt, Jātavedas, nicht Schaden nimmst. / Dann fährst du, wohlgesinnt, den Göttern den Anteil vom Opfergut, Edelgeborener.
[Agni:] Die Vorspenden und Nachspenden für mich allein, gebt mir kraftvollen Anteil vom Opfergut. / Das Schmalz der Wasser und den Puruṣa [Lebenskern?] der Pflanzen, und Agni sei langes Leben, Götter! [Anm.: prayāja/anuyāja sind feste Ritualbegriffe für Vor- und Nachgüsse; puruṣa hier unsicher].
[Götter:] Dein sollen die Vorspenden und Nachspenden allein sein, kraftvoll die Anteile des Opferguts. / Dein, Agni, sei diese ganze Weihehandlung; dir sollen sich die vier Himmelsrichtungen neigen.
Wort für Wort
tava
dein (Gen.)
pra-yājāḥ
Vorspenden (Nom. Pl.)
anu-yājāḥ
Nachspenden (Nom. Pl.)
ca
und
kevale
allein (Nom. Pl.) [PP: kevale, formal Dual/Lok., hier wohl Nom. Pl. kevalāḥ]