Kapitel 117: ṛgvede 10.117 · na vā u devāḥ kṣudhamid vadhaṃ dadurutāśitamupagachanti mṛtyavaḥ
Lob des Gebens und Tadel des Geizes
Weisheitslied über Freigebigkeit: Hunger tötet nicht allein, Geiz ist Ungemach; Reichtum rollt wie Wagenräder. Vers 8 (Zahlen der Füße) ist ein Rätsel; Vers 9 stellt Ungleichheit von Gleichem fest.
na vā u devāḥ kṣudhamid vadhaṃ dadurutāśitamupagachanti mṛtyavaḥ / uto rayiḥ pṛṇato nopa dasyatyutāpṛṇanmarḍitāraṃ na vindate
Nicht haben die Götter den Hunger allein zum Tod bestimmt; auch den Satten erreichen Tode. Auch der Reichtum des Gebenden schwindet nicht; der Nichtgebende aber findet keinen Erbarmer.
ya ādhrāya cakamānāya pitvo 'nnavān sanraphitāyopajagmuṣe / sthiraṃ manaḥ kṛṇute sevate purotocit sa marḍitāraṃ na vindate
Wer dem Bedürftigen, Verlangenden, der zu ihm gekommen ist und bettelt, obwohl er Speise hat, sein Herz hart macht [und] schon vorher [?] für sich sorgt: auch der findet keinen Erbarmer. [Anm.: pitvaḥ = Speise; ādhrāya = Bedürftiger; Zeile 3–4 unsicher.]
sa id bhojo yo gṛhave dadātyannakāmāya carate kṛśāya / aramasmai bhavati yāmahūtā utāparīṣu kṛṇute sakhāyam
Der ist ein Spender, der dem Hungrigen gibt, dem umherziehenden, abgemagerten, der nach Speise verlangt. Genug wird ihm beim gerufenen Zug [?]; und auch unter den Späteren [?] macht er sich einen Freund.
na sa sakhā yo na dadāti sakhye sacābhuve sacamānāyapitvaḥ / apāsmāt preyān na tadoko asti pṛṇantamanyamaraṇaṃ cidicḥet
Der ist kein Freund, der dem Freund nicht gibt, dem Anhänglichen, der herbeigekommen ist, der Speise sucht. Er soll sich von ihm abwenden: das ist keine Heimstatt. Einen anderen, der gibt, soll man suchen, auch wenn er fremd ist.
pṛṇīyādin nādhamānāya tavyān drāghīyāṃsamanupaśyeta panthām / o hi vartante rathyeva cakrānyam-anyamupa tiṣṭhanta rāyaḥ
Der Stärkere soll dem Bittenden geben; er soll den längeren Weg im Auge haben. Denn Reichtümer rollen wie Wagenräder; sie stellen sich bei dem einen und dann dem anderen ein.
moghamannaṃ vindate apracetāḥ satyaṃ bravīmi vadha it satasya / nāryamaṇaṃ puṣyati no sakhāyaṃ kevalāgho bhavatikevalādī
Vergeblich erlangt Speise, wer keinen Verstand hat; Wahrheit sage ich: sie ist sein Tod. Er nährt weder einen Gastfreund [?] noch einen Freund; nur Übel hat, wer allein isst.
Der Pflug macht, wenn er pflügt, einen Gesättigten; der Wanderer gewinnt den Weg mit seinen Schritten. Der Redende, der Beter, ist begehrenswerter als der Nichtredende; der gebende Freund soll den Nichtgebenden überwinden.
Der Einfüßige schreitet über den Zweifüßigen hinaus; der Zweifüßige folgt hinterher dem Dreifüßigen. Der Vierfüßige kommt auf den Ruf der Zweifüßigen, [sie] überblickend, die Reihen, an sie herantretend. [Anm.: Rätsel; vielleicht Stufen der Gaben oder Bewegung von Wesen (spekulativ).]
samau cid dhastau na samaṃ viviṣṭaḥ sammātarā cin nasamaṃ duhāte / yamayościn na samā vīryāṇi jñātī citsantau na samaṃ pṛṇītaḥ
Gleich sind die beiden Hände, doch arbeiten sie nicht gleich; zwei gleiche Mütter geben nicht gleich Milch. Die Kräfte von Zwillingen sind nicht gleich; zwei Verwandte, obwohl sie es sind, geben nicht gleich.