Kapitel 17: ṛgvede 10.17 · tvaṣṭā duhitre vahatuṃ kṛṇotītīdaṃ viśvaṃ bhuvanaṃsameti
Saraṇyū-Sage, Wegweisung für den Verstorbenen, Sarasvatī, Soma-Tropfen
Beginnt mit der Sage von Tvaṣṭṛs Tochter Saraṇyū und dem Vivasvant, geht dann in ein Geleit-Lied (Pūṣan, Savitṛ, Agni führen zu den Vätern) über und endet mit Anrufung von Sarasvatī, Wasserläuterung und Spenden von verschüttetem Soma. Die Verse 1-2 sind knapp erzählt und in Einzelheiten unsicher.
Tvaṣṭṛ richtet für seine Tochter die Brautfahrt aus – daraufhin kommt diese ganze Welt zusammen. / Yamas Mutter, die Gattin des großen Vivasvant, während sie (als Braut) herumgeführt wurde, verschwand.
Wort für Wort
tvaṣṭā
Tvaṣṭṛ (Nom. Sg.)
duhitre
der Tochter (Dat. Sg.)
vahatum
Brautfahrt, Hochzeitszug (Akk. Sg.)
kṛṇoti
macht, richtet aus (3. Sg.)
iti
so, daraufhin (Partikel)
idam
diese (Akk. Sg. n.)
viśvam
ganze, all (Akk. Sg.)
bhuvanam
Welt, Wesen (Akk. Sg.)
sam
zusammen (Präverb)
eti
kommt (3. Sg.)
yamasya
des Yama (Gen. Sg.)
mātā
Mutter (Nom. Sg.)
pari-uhyamānā
herumgeführt, heimgeführt werdend (Nom. Sg. f. Part. Pass.)
mahaḥ
des großen (Gen. Sg.)
jāyā
Gattin (Nom. Sg.)
vivavasvataḥ
des Vivasvant (Gen. Sg.) [PP-Tippfehler vivavasvataḥ]
Sie verbargen die Unsterbliche vor den Sterblichen; eine Gleichfarbige schaffend, gaben sie (diese) dem Vivasvant. / Und sie trug die beiden Aśvin, als das geschah; und Saraṇyū ließ die beiden Zwillinge zurück. [Anm.: Erzählung nur angedeutet; Lesart „trug/gebar“ für abharat plausibel.]
pūṣā tvetaścyāvayatu pra vidvānanaṣṭapaśurbhuvanasya gopāḥ / sa tvaitebhyaḥ pari dadat pitṛbhyo 'gnirdevebhyaḥ suvidatriyebhyaḥ
Pūṣan soll dich von hier fortführen, der Wissende, dessen Vieh nicht verloren geht, der Hüter der Welt. / Er soll dich diesen Vätern übergeben, Agni den Göttern, den wohlgesinnten [?].
Wort für Wort
pūṣā
Pūṣan (Nom. Sg.)
tvā
dich (Akk. Sg.)
itaḥ
von hier (Abl. Adv.)
cyavayatu
soll fortbewegen (3. Sg. Imp. Kaus.)
pra
voran, fort (Präverb)
vidvān
wissend (Nom. Sg.)
anaṣṭa-paśuḥ
dessen Vieh nicht verloren ist, Vieh-unverloren (Nom. Sg.)
āyurviśvāyuḥ pari pāsati tvā pūṣā tvā pātu prapathepurastāt / yatrasate sukṛto yatra te yayustatra tvādevaḥ savitā dadhātu
Das Leben, das ganze Leben, soll dich rundum hüten; Pūṣan soll dich schützen auf dem Vorweg, vorn. / Wo die Rechtschaffenen (Gutes-Tuenden) sitzen, wo deine Vorfahren hingegangen sind, dorthin soll dich der Gott Savitṛ setzen.
Wort für Wort
āyuḥ
Leben (Nom. Sg.)
viśva-āyuḥ
ganzes Leben, All-Leben (Nom. Sg.)
pari
rundum (Präverb)
pāsati
soll hüten (3. Sg. Konj.)
tvā
dich (Akk. Sg.)
pūṣā
Pūṣan (Nom. Sg.)
tvā
dich (Akk. Sg.)
pātu
soll schützen (3. Sg. Imp.)
pra-pathe
auf dem Vorweg (Lok. Sg.)
purastāt
vorn, voran (Abl. Adv.)
yatra
wo (Rel.)
āsate
sitzen (3. Pl. Med.)
su-kṛtaḥ
die Gutes Getan Habenden, Rechtschaffenen (Nom. Pl.)
pūṣemā āśā anu veda sarvāḥ so asmānabhayatamenaneṣat / svastidā āghṛṇiḥ sarvavīro 'prayuchan pura etuprajānan
Pūṣan kennt alle diese Weltgegenden; er soll uns auf dem furchtlosesten (Weg) führen. / Heilspender, Strahlender, mit allen Männern, nicht nachlässig, soll er vorangehen, der Kundige.
Auf dem Vorweg der Wege wurde Pūṣan geboren, auf dem Vorweg des Himmels, auf dem Vorweg der Erde; / beide liebsten Aufenthaltsorte besuchend geht er hin und her, der Kundige.
Sarasvatī rufen die Gott-Suchenden an, Sarasvatī bei der sich hinziehenden Weihehandlung; / Sarasvatī riefen die Rechtschaffenen an – Sarasvatī soll dem Spender Erwünschtes geben.
Sarasvatī, die du gemeinsam im Wagen gefahren bist, Göttin, dich mit den Svadhā-Spenden [?] und den Vätern erfreuend: / setz dich auf diese Streu, laß dich laben und leg uns hier krankheitsfreie Stärkungen hin.
Sarasvatī, die die Väter anrufen, zur Weihehandlung rechts hinkommend: / einen tausendwertigen Anteil an der Labung [?] und Gedeihen an Reichtum leg hier den Weihenden hin.
apo asmān mātaraḥ śundhayantu ghṛtena no ghṛtapvaḥ punantu / viśvaṃ hi ripraṃ pravahanti devirudidābhyaḥ śucirāpūta emi
Die Wasser, die Mütter, sollen uns reinigen; die Schmalz-Läuternden sollen uns mit Schmalz läutern. / Denn alles Unreine tragen die Göttinnen fort; rein, gereinigt gehe ich aus ihnen hervor.
Der Tropfen ist verspritzt, den ersten Himmeln [?] entlang und diesem Schoß entlang und (dem), der früher war. / Den entlang dem gemeinsamen Schoß zusammengehenden Tropfen gieße ich, den sieben Anrufer-Ämtern [?] entsprechend. [Anm.: PP prathamām, Saṃhitā prathamān; Bezug unsicher.]
yaste drapsa skandati yaste aṃśurbāhucyuto dhiṣaṇāyāupasthāt / adhvaryorvā pari vā yaḥ pavitrāt taṃ te juhomimanasā vaṣaṭkṛtam
Dein Tropfen, der tropft, dein Soma-Stengel, der dir aus dem Arm entfallen ist, vom Sitz der Dhiṣaṇā [?], / oder vom Adhvaryu her oder von der Seihe her – den gieße ich dir mit dem Geist, mit vaṣaṭ gerufen.
Dein Tropfen, der verspritzt ist, dein Stengel, und der (nach) unten (fiel) und der ferne mit der Kelle [?]: / dieser Gott Bṛhaspati soll ihn zusammengießen zum Gelingen.