Kapitel 90: ṛgvede 10.90 · sahasraśīrṣā puruṣaḥ sahasrākṣaḥ sahasrapāt
Der Puruṣa und die Weihehandlung, aus der die Welt entsteht
Kosmogonisches Lied: Der riesenhafte Puruṣa wird von den Göttern als Darbringung in einer Weihehandlung dargebracht, aus der Tiere, Verse, Weltteile und die Ständeordnung (Vers 12) hervorgehen. Das Lied ist eines der jüngsten des Ṛgveda; 'pṛṣadājya' und die Lesart von Vers 6 (Jahreszeiten als Gaben) sind fest, die Deutung der Ständeaussage ist Gegenstand von Diskussion.
puruṣa evedaṃ sarvaṃ yad bhūtaṃ yacca bhavyam / utāmṛtatvasyeśāno yadannenātirohati
Der Puruṣa allein ist dies alles, was gewesen ist und was sein wird; und (er ist) Herr der Unsterblichkeit, weil er durch Nahrung darüber hinauswächst.
etāvānasya mahimāto jyāyāṃśca pūruṣaḥ / pādo 'syaviśvā bhūtāni tripādasyāmṛtaṃ divi
So groß ist seine Größe, und noch größer als diese ist der Puruṣa. Ein Viertel von ihm sind alle Wesen, sein Dreiviertel (ist) das Unsterbliche im Himmel.
Mit drei Vierteln stieg der Puruṣa aufwärts; ein Viertel von ihm entstand hier wieder. Von da schritt er nach allen Richtungen auseinander, hin zu dem Essenden und dem Nichtessenden.
Als die Götter mit dem Puruṣa als Darbringung die Weihehandlung ausspannten, da war der Frühling dessen Schmalz, der Sommer das Brennholz, der Herbst die Darbringung.
taṃ yajñaṃ barhiṣi praukṣan puruṣaṃ jātamagrataḥ / tena devā ayajanta sādhyā ṛṣayaśca ye
Diese Weihehandlung, den zu Anfang geborenen Puruṣa, besprengten sie auf der Opferstreu; mit ihm verehrten die Götter, die Sādhyas und die Ṛṣis, die (dabei) waren.
tasmād yajñāt sarvahutaḥ sambhṛtaṃ pṛṣadājyam / paśūntāṃścakre vāyavyānāraṇyān grāmyāśca ye
Aus dieser Weihehandlung, in der alles dargebracht wurde, wurde das gesprenkelte Schmalz gesammelt. Er machte die Tiere: die zum Wind gehörigen, die wilden und die dörflichen, die es (gibt).
Aus dieser Weihehandlung, in der alles dargebracht wurde, wurden die Ṛc-Verse und die Sāman-Gesänge geboren; die Metren wurden aus ihr geboren; aus ihr entstand das Yajus (der Weihespruch).
tasmādaśvā ajāyanta ye ke cobhayādataḥ / gāvo hajajñire tasmāt tasmājjātā ajāvayaḥ
Aus ihr wurden die Rosse geboren und alle, die beiderseits Zähne haben; ja, die Rinder wurden aus ihr geboren, aus ihr geboren wurden Ziegen und Schafe.
Als sie den Puruṣa aufteilten, in wie viele Teile ordneten sie ihn? Was ist sein Mund, was (sind) seine beiden Arme, was die beiden Schenkel, wie werden die beiden Füße genannt?
Der Brāhmaṇa (Formulierer des brahman) war sein Mund; die beiden Arme wurden zum Rājanya (Herrschaftsträger) gemacht; seine beiden Schenkel, das (ist), was der Vaiśya (Sippenangehörige) (ist); aus den Füßen wurde der Śūdra geboren.
Aus dem Nabel war der Luftraum, aus dem Haupt rollte sich der Himmel zusammen; aus den Füßen die Erde, aus dem Gehör die Himmelsrichtungen; so ordneten sie die Welten.
Sieben waren seine Umfassungshölzer, dreimal sieben Brennhölzer wurden gemacht, als die Götter die Weihehandlung ausspannten (und) den Puruṣa als Tier banden.
yajñena yajñamayajanta devāstāni dharmāṇi prathamānyāsan / te ha nākaṃ mahimānaḥ sacanta yatra pūrve sādhyāḥsanti devāḥ
Mit der Weihehandlung verehrten die Götter die Weihehandlung; das waren die ersten Satzungen (dharma). Diese Mächtigen gelangten zum Himmelsgewölbe, wo die früheren Sādhyas, die Götter, sind.