Kapitel 98: ṛgvede 10.98 · bṛhaspate prati me devatāmihi mitro vā yad varuṇo vāsipūṣā
Devāpi bewirkt Regen für Śantanu
Regenlied um die Figuren Devāpi Ārṣṭiṣeṇa (Priester, Seher) und Śantanu (König), an Bṛhaspati, Agni und Indra gerichtet; Devāpi holt als Rufer-Priester das im oberen Meer zurückgehaltene Wasser herab. Der Sprecherwechsel in den Versen 2 bis 4 und einzelne Wörter (mṛkṣiṇīṣu, aulānam, durgahā) sind unsicher.
bṛhaspate prati me devatāmihi mitro vā yad varuṇo vāsipūṣā / ādityairvā yad vasubhirmarutvān sa parjanyaṃśantanave vṛṣāya
Bṛhaspati, komm mir als Gottheit entgegen — sei es als Mitra, sei es als Varuṇa oder als Pūṣan —, oder [komm] mit den Ādityas, mit den Vasus, mit den Marut begleitet: Lass Parjanya für Śantanu regnen.
ā devo dūto ajiraścikitvān tvad devāpe abhi māmagachat / pratīcīnaḥ prati māmā vavṛtsva dadhāmi te dyumatīṃvācamāsan
Der göttliche Bote, der flinke, wissende, ist von dir her, Devāpi, zu mir gekommen. Wende dich mir zu, mir entgegen; ich lege dir glänzende Rede in den Mund. [Anm.: Sprecher hier wohl Śantanu; Sprecherwechsel im Lied unsicher.] [?]
Lege uns glänzende Rede in den Mund, Bṛhaspati, krankheitsfreie, antreibende, mit der wir beide für Śantanu Regen gewinnen möchten; der honigreiche Tropfen ist vom Himmel [ihr entgegen] eingegangen.
ā no drapsā madhumanto viśantvindra dehyadhirathaṃsahasram / ni ṣīda hotram ṛtuthā yajasva devān devāpehaviṣā saparya
Zu uns sollen die honigreichen Tropfen eingehen; Indra, gib tausend [Gaben] mit Wagen dazu [?]. Setz dich nieder zum Rufer-Amt, verehre die Götter zu den rechten Zeiten, Devāpi; sei ihnen mit der Darbringung dienstbar. [Anm.: Wer angesprochen ist, ist unklar; Indra ist der Vokativ im Text.] [?]
Wort für Wort
ā
her (Präv.)
naḥ
zu uns (Akk. Pl.)
drapsāḥ
Tropfen (Nom. Pl.)
madhu-mantaḥ
honigreich (Nom. Pl.)
viśantu
sie sollen eingehen (3. Pl. Imp.)
indra
Indra (Vok.)
dehi
gib (2. Sg. Imp.)
adhi-ratham
mit Wagen, Wagenladung (Akk. Sg.) [?]
sahasram
tausend (Akk.)
ni
nieder (Präv.)
sīda
setz dich (2. Sg. Imp.)
hotram
Rufer-Amt, Anruferdienst (Akk. Sg.)
ṛtu-thā
nach den Zeiten, zur rechten Zeit
yajasva
verehre (2. Sg. Imp. Med.)
devān
Götter (Akk. Pl.)
deva-āpe
Devāpi (Vok.)
haviṣā
mit der Opfergabe, Darbringung (Instr. Sg.)
sapayar
sei dienstbar (2. Sg. Imp.; PP-Tippfehler sapayar)
Ārṣṭiṣeṇa, der Seher Devāpi, hat sich zum Rufer-Amt niedergesetzt, die Gunst der Götter erkennend. Er ließ aus dem oberen Meer zum unteren hin die himmlischen, regenhaften Wasser los.
In diesem oberen Meer standen die Wasser, von den Göttern zurückgehalten. Sie liefen, von Ārṣṭiṣeṇa losgelassen, von Devāpi gesandt, in die Mṛkṣiṇīs [?]. [Anm.: mṛkṣiṇī unklar, etwa „Reibende/Reinigende“ oder Wolken/Ströme.] [?]
Als Devāpi, für Śantanu als Hauspriester zum Rufer-Amt erwählt, [ihn] sehnsuchtsvoll erbat und [darüber] sann, da gewährte Bṛhaspati ihm bereitwillig die Rede, die von den Göttern gehörte, regengewinnende. [Anm.: kṛpayan und adīdhet unsicher: „flehend/sehnsuchtsvoll“, „sann/leuchtete“.] [?]
Agni, den du [bist], den Devāpi, der leuchtende Ārṣṭiṣeṇa, der Menschenabkömmling, entzündet hat — [du,] von allen Göttern mitberauscht [zugejubelt], sende Parjanya hervor, den regenreichen.
Zu dir kamen die früheren Seher mit Liedern, zu dir bei den Weihehandlungen alle, Vielgerufener. Tausende [Gaben] mit Wagen [gib] uns; komm, Rotrossiger, zu unserer Weihehandlung herbei. [Anm.: rihitāśva PP-Fehler für rohitāśva „mit roten Rossen“, Beiwort Agnis.]
Diese neunundneunzig, Agni, sind dir dargebracht, tausend [Gaben] mit Wagen. Mit ihnen wachse, Held, [deine] vielen Körper; lass uns, angetrieben, Regen vom Himmel strömen. [Anm.: navatiḥ nava wörtlich „neunzig neun“; Bezug (Gaben, Wagen?) unklar; rirīhi wörtlich „lecken/fließen lassen“.] [?]
Diese neunzig Tausend, Agni, übergib insgesamt dem Stier Indra als Anteil. Wissend die Götterwege, die den Zeiten gemäßen, setze auch den Aulāna in den Himmel unter die Götter. [Anm.: aulāna unklar (Patronym oder Eigenname), Bezug wohl auf Devāpi.] [?]
agne bādhasva vi mṛdho vi durgahāpāmīvāmaparakṣāṃsi sedha / asmāt samudrād bṛhato divo no 'pāmbhūmānamupa naḥ sṛjeha
Agni, stoß die Feinde weg, weg die schwer Bezwingbaren [?]; weg das Übel, weg die Rakṣas treibe. Aus diesem Meer, aus dem großen Himmel lass uns die Fülle der Wasser hierher entgegenströmen.