Kapitel 16: ṛgvede 10.16 · mainamagne vi daho mābhi śoco māsya tvacaṃ cikṣipo māśarīram
Agni und der Tote: Übergabe an die Väter
Lied zur Leichenverbrennung: Agni soll den Toten nicht versengen, ihn gar machen und zu den Vätern senden; der fleischfressende Agni wird fortgeschickt, der Gabenbringer eingeladen; am Ende Bitte um Kühlung des Brandplatzes.
Verbrenne ihn nicht, Agni, versenge ihn nicht; zerreiße nicht seine Haut, nicht seinen Leib. / Wenn du ihn gar gemacht hast, Jātavedas, dann sende ihn weiter zu den Vätern.
Wenn du ihn gar gemacht hast, Jātavedas, dann übergib ihn den Vätern. / Wenn er zu dieser Lebensleitung gelangt, dann wird er den Göttern gefügig. [Anm.: vaśanīḥ 'Willens-Leitung, den Göttern gefügig', unsicher.]
Wort für Wort
śṛtam
gar (Akk. Sg. m.)
yadā
wenn
karasi
du machst (2. Sg.)
jāta-vedaḥ
Jātavedas (Vok. Sg.)
atha
dann
īm
ihn (Akk.)
enam
diesen (Akk. Sg.)
pari
hin (Präverb)
dattāt
übergib (2. Sg. Imp.)
pitṛ-bhyaḥ
zu den Vätern (Dat. Pl.)
yadā
wenn
gacchāti
er gelangt (3. Sg. Konj.)
asu-nītim
Lebensleitung (Akk. Sg.)
etām
diese (Akk. Sg.)
atha
dann
devānām
der Götter (Gen. Pl.)
vaśa-nīḥ
der Fügung, Willenslenkung unterworfen [?] (Nom. Sg.)
sūryaṃ cakṣurgachatu vātamātmā dyāṃ ca gachapṛthivīṃ ca dharmaṇā / apo vā gacha yadi tatra te hitamoṣadhīṣu prati tiṣṭhā śarīraiḥ
Das Auge gehe zur Sonne, dein Atem(-Selbst) zum Wind; geh zum Himmel und zur Erde nach Gesetz; / oder geh zu den Wassern, wenn dir dort (ein Platz) bestimmt ist; in den Pflanzen nimm Stand mit deinen Gliedern.
ajo bhāgastapasā taṃ tapasva taṃ te śocistapatu taṃ tearciḥ / yāste śivāstanvo jātavedastābhirvahainaṃsukṛtāmu lokam
Der Ungeborene (Bock) ist der Anteil: erhitze ihn mit deiner Glut; ihn möge deine Flamme erhitzen, ihn dein Strahl. / Mit deinen heilvollen Leibern, Jātavedas, führe diesen in die Welt der Gutgetanen. [Anm.: ajaḥ 'ungeboren' oder 'Bock' (Opfertier); beides möglich, Bock plausibel.]
Lass ihn wieder frei, Agni, zu den Vätern, den, der dir als Gussgabe dargebracht mit den Svadhā-Speisen umgeht. / Lebenszeit anlegend soll er zum Rest treten; er soll sich mit einem Leib vereinigen, Jātavedas.
Was dich der schwarze Vogel gepickt hat, Ameise, Schlange oder Raubtier: / das soll der Alles-Fresser Agni heilen, und der Soma, der in die Brahmanen (Priester) eingegangen ist. [Anm.: brāhmaṇān 'Brahmanen, Träger des Brahman'; Bezug auf Soma unsicher.]
agnervarma pari gobhirvyayasva saṃ prorṇuṣva pīvasāmedasā ca / net tvā dhṛṣṇurharasā jarhṛṣāṇo dadhṛgvidhakṣyan paryaṅkhayāte
Mit Agnis Panzer umgib dich mit Rindern (Kuh-Fell); hülle dich in Fett und Mark. / Nicht soll dich der Dreiste, im Zorn frohlockend, mit Glut verbrennen wollend, ringsum packen. [Anm.: gobhiḥ = 'mit Rindern/Rindshäuten'; Bezug auf Fett und Fell der Opferkuh plausibel.] [?]
Diesen Becher, Agni, verdirb nicht; er ist lieb den Göttern und den Somaberechtigten. / Das ist der Becher, den die Götter trinken; darin berauschen sich die unsterblichen Götter.
Den Fleischfresser-Agni schicke ich weit fort; er gehe zu Yama, dem König, Schäden tragend. / Dieser hier, der andere Jātavedas, soll wissend den Göttern die Gabe fahren.
yo agniḥ kravyāt praviveśa vo gṛhamimaṃ paśyannitaraṃjātavedasam / taṃ harāmi pitṛyajñāya devaṃ sa gharmaminvāt parame sadhasthe
Der fleischfressende Agni, der in euer Haus eingedrungen ist und den anderen Jātavedas (dort) sieht: / den bringe ich weg zur Väter-Verehrung, den Gott; er soll die Gharma-Glut anfachen im höchsten Sitz. [Anm.: pitṛyajña 'Verehrungshandlung für die Väter'.]
Den du, Agni, verbrannt hast, den lösche wieder aus. / Kiyāmbu soll hier wachsen, Pāka-dūrvā (Gras) und Vyalkaśā. [Anm.: Pflanzennamen unsicher; Kiyāmbu und Pāka-dūrvā sind wohl feuchtigkeitsliebende Gräser.]
Kühle, Kühlehabende, Erfrischende, Erfrischungshabende; Froschweibchen, komm gut zusammen; erfreue diesen Agni gut. [Anm.: Anrufung weiblicher Wesen (Kühle, Erfrischende) und des Froschweibchens, dass der Brandplatz kühlt, plausibel.]