Kapitel 87: ṛgvede 10.87 · rakṣohaṇaṃ vājinamā jigharmi mitraṃ prathiṣṭhamupayāmi śarma
Agni gegen die Yātudhānas und Rakṣas
Kampflied gegen die Yātudhānas und Rakṣas (Unholde, Zauberer), in dem Agni als Schütze und Brenner angerufen wird; Verse 22-25 bilden einen abweichenden Schlussteil (Anuṣṭubh). Rätselhaft sind Mūra-deva, kṣviṅkā, kimīdin und mithunā śapātaḥ (13).
rakṣohaṇaṃ vājinamā jigharmi mitraṃ prathiṣṭhamupayāmi śarma / śiśāno agniḥ kratubhiḥ samiddhaḥ sa nodivā sa riṣaḥ pātu naktam
Den Rakṣas-Töter, den Kraftvollen, lasse ich aufglühen; den Freund, den am weitesten Ausgebreiteten, den suche ich auf – (zu seinem) Schutz. Sich schärfend, durch Willenskräfte entzündet, soll Agni uns bei Tag, er (uns) vor Schaden bei Nacht behüten.
Eisenzahniger, berühre mit der Flamme die Yātudhānas, Jātavedas, entzündet. Fasse mit der Zunge die Mūra-Verehrer an, (und) sie ausreißend, tu die Fleischfresser in deinen Mund.
ubhobhayāvinnupa dhehi daṃṣṭrā hiṃsraḥ śiśāno 'varamparaṃ ca / utāntarikṣe pari yāhi rājañ jambhaiḥ sandhehyabhi yātudhānān
Beide (Kiefer[reihen]) setze an, Zweizahnreihen-Besitzer, mit dem Gebiss, verletzend, (es) schärfend, das Niedere und das Höhere; und ziehe im Luftraum umher, König; mit den Fangzähnen (Kiefern) fasse zusammen [?] gegen die Yātudhānas.
Mit Weihehandlungen die Pfeile (auf)spannend, Agni, mit der Rede die Pfeilspitzen, (sie) mit Blitzkeilen bestreichend: mit diesen durchbohre die Yātudhānas im Herzen; ihre nach hinten gewandten Arme binde fest.
Agni, spalte die Haut des Yātudhāna; der verletzende Blitzkeil soll ihn mit Glut erschlagen. Zerbrich die Gelenke, Jātavedas; der fleischgierige Fleischfresser soll den Zerhauenen auseinanderlesen.
Wo du jetzt, Jātavedas, (ihn) stehen siehst, Agni, oder umherziehen, oder (wo einer) im Luftraum auf Pfaden fliegt: den durchbohre, (du) Schütze, dich schärfend, mit dem Pfeil.
Und den (von ihm) Angegriffenen [?] rette, Jātavedas, vor dem Angreifer, dem Yātudhāna, mit den Speeren [?]. Agni, schlage (ihn) als erster nieder, lodernd; die Rohfleischfresser, die kṣviṅkā-Vögel [?], sollen ihn fressen, die scheckigen.
iha pra brūhi yatamaḥ so agne yo yātudhāno ya idaṃkṛṇoti / tamā rabhasva samidhā yaviṣṭha nṛcakṣasaścakṣuṣe randhayainam
Sage hier an, Agni, welcher es ist, der Yātudhāna, der dies tut. Den fasse mit dem Brennholz an, Jüngster; dem Auge des Männerschauenden liefere ihn aus.
Mit scharfem Auge, Agni, hüte die Weihehandlung; die nach vorn gerichtete führe (fort) zu den Vasus, Vorausschauender. Die Yātudhānas, Männerschauer, sollen dich, der du gegen die verletzenden Rakṣas loderst, nicht schädigen.
Männerschauer, sieh dich ringsum nach dem Rakṣas um in den Siedlungen; seine drei Spitzen zerbrich. Seine Rippen, Agni, zerbrich mit Glut; dreifach hau die Wurzel des Yātudhāna ab.
triryātudhānaḥ prasitiṃ ta etv ṛtaṃ yo agne anṛtena hanti / tamarciṣā sphūrjayañ jātavedaḥ samakṣamenaṃ gṛṇateni vṛṃdhi
Dreimal soll der Yātudhāna in dein Netz (deine Fessel) geraten, der die Wahrheit mit Unwahrheit schlägt, Agni. Ihn, mit der Flamme krachend, Jātavedas, strecke vor Augen dem Lobsänger nieder [?].
Dieses Auge, Agni, setze dem Sänger ein, mit dem du den Huf-Brecher, den Yātudhāna, siehst. Nach Art des Atharvan, mit göttlichem Licht, verbrenne (ihn) nieder – wahrhaftig – den Schädiger, den Unverständigen.
Was heute, Agni, als Paar [?] die Verwünschungen (hervorbringen), was die Sänger an rauer Rede erzeugten: aus Zorn, aus dem Geist wird der Pfeilschuss geboren, der (es ist) – mit ihm durchbohre die Yātudhānas im Herzen. [Anm.: mithunā śapātaḥ grammatisch unsicher; Sinn: die Flüche als Waffe.]
Weg zerbrich mit Glut die Yātudhānas; weg, Agni, zerbrich das Rakṣas mit Hitze; weg zerbrich mit der Flamme die Mūra-Verehrer; weg (auch) die Lebensodem-Sättiger, gegen (sie) lodernd.
Weg sollen heute die Götter den Krummen (Bösen) zerbrechen; zurück auf ihn sollen die rauen Verwünschungen gehen. Den Rede-Dieb sollen die Pfeile in der Schwachstelle treffen; jeder Yātudhāna soll in die Fessel eingehen [?].
yaḥ pauruṣeyeṇa kraviṣā samaṅkte yo aśveyena paśunāyātudhānaḥ / yo aghnyāyā bharati kṣīramagne teṣāṃśīrṣāṇi harasāpi vṛśca
Der Yātudhāna, der sich mit Menschenfleisch [Anm.: kraviṣ ‚rohes Fleisch‘] einreibt, der (es) mit vom Pferd stammendem Vieh (tut), der Yātudhāna, der die Milch der Unverletzlichen (Kuh) davonträgt, Agni – deren Köpfe hau mit Glut ab.
Die ein Jahr lang (angesammelte) Milch der Kuh – davon soll der Yātudhāna nicht genießen, Männerschauer. Wer nach der Biestmilch (pīyūṣa), Agni, zu trinken gierte – den, der sich (dir) entgegenwendet, durchbohre mit der Flamme in der Schwachstelle.
Das Gift der Kühe sollen die Yātudhānas trinken; zerhauen werden sollen die Übelgesinnten für Aditi. Weg soll sie der Gott Savitṛ geben; weg (verlustig gehen) sollen sie den Anteil an den Pflanzen [Anm.: parā jayantām ‚verlieren‘].
sanādagne mṛṇasi yātudhānān na tvā rakṣāṃsi pṛtanāsujigyuḥ / anu daha sahamūrān kravyādo mā te hetyā mukṣatadaivyāyāḥ
Von Urzeit an zerschmetterst du, Agni, die Yātudhānas; nicht haben dich die Rakṣas in den Kämpfen besiegt. Verbrenne (sie) nach, samt den Mūras, die Fleischfresser; sie sollen deinem göttlichen Geschoss nicht entkommen.
tvaṃ no agne adharādudaktāt tvaṃ paścāduta rakṣāpurastāt / prati te te ajarāsastapiṣṭhā aghaśaṃsaṃśośucato dahantu
Du, Agni, (schütze) uns von unten, von oben (‚nördlich‘), du hinten und vorn schütze (uns). Deine, deine alterslosen, hitzigsten (Flammen) sollen den Unheil-Wünschenden, hell lodernd, verbrennen.
Von hinten, von vorn, von unten, von oben behüte (uns) rings, Seher, mit seherischer Kraft, König. Freund, (du) den Freund, alterslos, bis ins Alter [?], Agni, du, Unsterblicher, (uns) Sterbliche.
Verbrenne entgegen, Agni, die (beiden) Paarigen, die Yātudhānas, die Kimīdins [Anm.: kimīdin ‚Kobold, Zerstörer‘ o. ä.]. Ich schärfe dich – wache, ungetäuscht, Weiser, mit den Gedanken (Gebeten).