Kapitel 135: ṛgvede 10.135 · yasmin vṛkṣe supalāśe devaiḥ sampibate yamaḥ
Yamas Baum, der Knabe und der räderlose Wagen (Rätsel)
Rätsellied: Yama trinkt mit den Göttern unter einem Baum; ein Knabe (kumāra) fährt einen geistgeschaffenen, räderlosen Wagen, dessen Entstehung erfragt wird; am Schluss steht Yamas Sitz, in dem ein Rohr geblasen wird. Die Ebenen (Totenreich/Bestattung, rituell, mythologisch) sind nicht sicher zu trennen: Totenreich-Bezug plausibel, alles Weitere spekulativ.
An dem Baum mit schönem Laub, bei dem Yama mit den Göttern zusammen trinkt, da sehnt sich unser Vater, der Herr der Sippe, nach den Alten [Anm.: Lesart von anu ven ‚nach etwas verlangen/sich sehnen‘].
Wort für Wort
yasmin
auf/an welchem (Lok. Sg. m.)
vṛkṣe
Baum (Lok. Sg.)
su-palāśe
mit schönem Laub (Lok. Sg.)
devaiḥ
mit den Göttern (Instr. Pl.)
sam-pibate
trinkt zusammen (3. Sg. Med.)
yamaḥ
Yama (Nom. Sg.)
atra
dort (Adv.)
naḥ
unser (Gen. Pl.)
viśpat iḥ
Herr der Sippe (Nom. Sg.) [PP verderbt: viśpat iḥ]
Den neuen Wagen, Knabe, den du mit dem Geist ohne Räder gemacht hast, mit einer Deichsel, nach allen Seiten fahrend — auf diesen steigst du, ohne (ihn) zu sehen.
Den Wagen, Knabe, den du für die Sänger in Bewegung gesetzt hast — diesem rollte das Sāman nach; von hier ist er ins Schiff gelegt [?]. [Anm.: Pāda d unsicher.]
kaḥ kumāramajanayad rathaṃ ko niravartayat / kaḥ svit tadadya no brūyādanudeyī yathābhavat
Wer hat den Knaben gezeugt, wer den Wagen hervorgerollt? Wer könnte uns das heute sagen, wie er zur Nachgabe [?] wurde? [Anm.: anudeyī unsicher, etwa ‚Nachgabe, Folgegabe‘.]
Dies ist Yamas Sitz, der ‚Götterbau‘ [Anm.: devamāna, wörtlich ‚Götter-Maß/-Wohnbau‘] heißt; dieses Rohr wird ihm geblasen; dieser (Sitz) ist mit Liedern ausgeschmückt.