Kapitel 95: ṛgvede 10.95 · haye jāye manasā tiṣṭha ghore vacāṃsi miśrākṛṇavāvahai nu
Wechselgespräch zwischen Purūravas und der Urvaśī
Dialoglied (Purūravas, Urvaśī) über eine Verbindung zwischen einem Sterblichen und einer nichtmenschlichen Frau, die ihn verlassen hat; am Ende Zusage von Nachkommenschaft und Himmelsfreude. Die Sprecherverteilung ist im Text nicht ausgewiesen und aus dem Inhalt erschlossen (plausibel: Purūravas 1, 3-4?, 11-14?, 17; Urvaśī 2, 5, 15-16, 18). Viele Verse (3, 4, 6, 8, 9, 12, 13) sind sprachlich dunkel.
haye jāye manasā tiṣṭha ghore vacāṃsi miśrākṛṇavāvahai nu / na nau mantrā anuditāsa ete mayas karanparatare canāhan
He, Gattin, verweile im Sinn, du Schreckliche; lass uns beide Worte miteinander wechseln. / Diese unausgesprochenen Sprüche werden uns beiden kein Wohlergehen schaffen, auch an einem späteren Tag nicht.
Was soll ich mit dieser Rede tun? Ich bin von dir fortgegangen wie die erste der Morgenröten; / Purūravas, kehre wieder heim; schwer erreichbar bin ich wie der Wind.
iṣurna śriya iṣudherasanā goṣāḥ śatasā na raṃhiḥ / avīre kratau vi davidyutan norā na māyuṃ citayantadhunayaḥ
Wie ein Pfeil zum Ruhm, wie der Schuss aus dem Köcher, rinderfindend, hundertfindend, ein Renner; / als kein Held [zugegen war] in der Handlung, blitzte sie auf; die Schüttelnden achteten nicht auf den Brüller [?], wie Schafe [?] [Anm.: Vers dunkel].
Sie, die dem Schwiegervater Gut und Lebenskraft bringt, wenn Uṣas [es] will, aus dem nahen Haus; / erreichte sie das Heim, an dem sie Gefallen fand, Tag und Nacht, vom Rohrmann [?] durchbohrt [?].
triḥ sma māhnaḥ śnathayo vaitasenota sma me 'vyatyaipṛṇāsi / purūravo 'nu te ketamāyaṃ rājā me vīra tanvastadāsīḥ
Dreimal am Tag hast du mich, Vaitasa, durchstoßen; und mich, die Nichtabgeneigte, erfüllst du; / Purūravas, deinem Willen folgte ich; König meines Leibes warst du, Held.
Wort für Wort
triḥ
dreimal (Adv.)
sma
gewiss (Partikel)
māhnaḥ
am Tag (Gen. Sg.)
śnathayaḥ
hast durchstoßen (2. Sg. Impf.)
vaitasena
Vaitasa, Rohrmann (Vok. Sg.)
uta
und (Konj.)
sma
gewiss (Partikel)
me
mich (Akk. Sg.)
avyatyai pṛṇāsi
die Nichtabgeneigte, nicht Widerstrebende [?]; erfüllst (2. Sg.)
yā sujūrṇiḥ śreṇiḥ sumnaāpirhradecakṣurna granthinīcaraṇyuḥ / tā añjayo 'ruṇayo na sasruḥ śriye gāvo nadhenavo 'navanta
Die gutgeschmeidige, in Reihe [gehende], Gunstgewinnerin, mit Augen im Teich, wandernd; / diese, die Salbenden, die Rötlichen, strömten wie [Kühe] hin zur Pracht; wie Kühe, wie Milchkühe brüllten sie [Anm.: Beschreibung der Apsarasen; Vers dunkel].
Als er geboren wurde, versammelten sich die Göttinnen; und auch die Flüsse, selbstwillkommen, stärkten ihn; / als dich, Purūravas, die Götter zur großen Schlacht, zur Tötung der Dasyus stärkten [Anm.: Sprecher hier vermutlich der Chor der Götter/Frauen; unsicher].
Wort für Wort
sam
zusammen (Präverb)
asmin
bei diesem (Lok. Sg.)
jāyamāne
Geborenwerdenden (Lok. Sg.)
āsata
setzten sich, versammelten sich (3. Pl. Impf. Med.)
gnāḥ
Göttinnen, Frauen (Nom. Pl.)
uta
und (Konj.)
īm
ihn (Akk. Sg.)
avardhan
stärkten (3. Pl. Impf.)
nadyaḥ
Flüsse (Nom. Pl.)
sva-gūrtāḥ
selbstwillkommen, von selbst rufend [?] (Nom. Pl.)
sacā yadāsu jahatīṣvatkamamānuṣīṣu mānuṣo niṣeve / apa sma mat tarasantī na bhujyustā atrasan rathaspṛśonāśvāḥ
Als ich, der Mensch, bei diesen nichtmenschlichen [Frauen], die das Gewand ablegten, verweilte, / wichen sie von mir zurück wie eine Eilende, wie ein Bhujyu; sie scheuten wie Rosse, die den Wagen streifen [Anm.: dunkel].
yadāsu marto amṛtāsu nispṛk saṃ kṣoṇībhiḥ kratubhirnapṛṅkte / tā ātayo na tanvaḥ śumbhata svā aśvāso nakrīḷayo dandaśānāḥ
Wenn ein Sterblicher sich bei diesen Unsterblichen vermischt, mischt er sich nicht mit Absichten [?] mit den Kṣoṇīs [?]; / diese schmücken ihre Leiber wie Wasservögel, wie Rosse, wie Spielende, beißend.
vidyun na yā patantī davidyod bharantī me apyā kāmyāni / janiṣṭo apo naryaḥ sujātaḥ prorvaśī tirata dīrghamāyuḥ
Die wie ein Blitz herabfliegend aufleuchtete, mir Wünschenswertes bringend; / geboren wurde ein Tatkräftiger, männlich, gutgeboren; Urvaśī soll [ihm] langes Leben verlängern.
jajñiṣa itthā gopīthyāya hi dadhātha tat purūravo maojaḥ / aśāsaṃ tvā viduṣī sasminnahan na ma āśṛṇoḥkimabhug vadāsi
So bist du geboren, um die Rinder zu schützen; denn du legtest mir jene Kraft hin, Purūravas; / ich wies dich an, wissend, an jenem Tag; du hörtest nicht auf mich; was redest du, Unnützer?
kadā sūnuḥ pitaraṃ jāta ichāccakran nāśru vartayadvijānan / ko dampatī samanasā vi yūyodadha yadagniḥśvaśureṣu dīdayat
Wann wird der geborene Sohn den Vater suchen, der Tränen nicht rollen lässt, wenn er kundig ist [?]? / Wer trennt das einmütige Ehepaar, wenn Agni bei den Schwiegereltern aufleuchtet?
prati bravāṇi vartayate aśru cakran na krandadādhyeśivāyai / pra tat te hinavā yat te asme parehyastaṃ nahimūra māpaḥ
Ich will [dir] antworten: die Träne wird rollen, er hat geschrien; nicht [soll er] weinen um sein Heil [?]. / Ich werde dir das schicken, was bei uns dein ist; geh heim, du Tor, du erreichst mich nicht [Anm.: Sprecherwechsel und Sinn unsicher].
Dein Gütiger möge heute fortstürzen, ohne wiederzukehren, zur fernsten Ferne gehen; / dann soll er im Schoß der Nirṛti liegen, dann sollen ihn reißende Wölfe fressen.
purūravo mā mṛthā mā pra papto mā tvā vṛkāso aśivāsa ukṣan / na vai straiṇāni sakhyāni santi sālāvṛkāṇāṃhṛdayānyetā
Purūravas, stirb nicht, stürze nicht fort; dich sollen die unheilvollen Wölfe nicht verletzen; / es gibt nämlich keine Freundschaften mit Frauen; Hyänenherzen sind diese.
Als ich unter den Sterblichen in anderer Gestalt umherging, vier Herbstnächte lang wohnte, / nur einmal am Tag einen Tropfen Schmalz aß; davon gesättigt gehe ich noch jetzt umher.
antarikṣaprāṃ rajaso vimānīmupa śikṣāmyurvaśīṃvasiṣṭhaḥ / upa tvā rātiḥ sukṛtasya tiṣṭhān ni vartasvahṛdayaṃ tapyate me
Dir, die den Luftraum füllt, die den Dunstraum ausmisst — ich, Vasiṣṭha, will helfen, Urvaśī; / zu dir soll die Gabe des Guten treten; kehr um, mein Herz brennt [Anm.: Sprecher und Sinn unsicher].
iti tvā devā ima āhuraiḷa yathemetad bhavasimṛtyubandhuḥ / prajā te devān haviṣā yajāti svarga u tvamapi mādayāse
So sagen dir diese Götter, Aiḷa: da du dies bist, todverbunden [sterblich], / soll deine Nachkommenschaft den Göttern mit Darbringung Verehrung erweisen; auch du wirst im Himmel dich berauschen.