Agni-Lied mit mythologischen Anspielungen (Falke bringt den Tropfen, Uṣas leuchtet, Agni als von Menschen gezeugter Rufer); Vers 6 ist rätselhaft, viele Formen unsicher.
vṛṣā vṛṣṇe duduhe dohasā divaḥ payāṃsi yahvo aditeradābhyaḥ / viśvaṃ sa veda varuṇo yathā dhiyā sayajñiyo yajatu yajñiyān ṛtūn
Der Stier hat für den Stier gemolken, durch das Melken des Himmels, die Milchströme, der rastlos Junge [?], der Unbezwingbare der Aditi. / Alles weiß Varuṇa, wie es dem Gedanken entspricht; er, der Verehrungswürdige, möge die verehrungswürdigen Zeiten verehren (weihen). [Anm.: Stier/Milch/Himmel ist Bildrede, plausibel für Regen bzw. Soma; yahvaḥ unsicher.]
rapad gandharvīrapyā ca yoṣaṇā nadasya nāde pari pātume manaḥ / iṣṭasya madhye aditirni dhātu no bhrātā nojyeṣṭhaḥ prathamo vi vocati
Die Gandharvī und die Wasserfrau raunt/spricht im Tosen des Stromes [?]; mein Sinn möge (mich) umhüten. / Mitten im Gewünschten möge Aditi uns niederlegen; unser Bruder, der Älteste, der Erste, verkündet (es). [Anm.: nadasya nāde ist unsicher (Fluss/Schilf/Rufer); Anspielung auf Gandharva-Wasserfrau wie in 10.10.4, plausibel.]
so cin nu bhadrā kṣumatī yaśasvatyuṣā uvāsa manavesvarvatī / yadīmuśantamuśatāmanu kratumagniṃhotāraṃ vidathāya jījanan
Sie, die glückliche, güterreiche, ruhmvolle Uṣas, hat (schon) dem Manu geleuchtet, lichtreich, / als sie (die Menschen) den begehrenden Agni nach dem Vorhaben der Begehrenden [?] zum Rufer für die Versammlungsfeier zeugten. [Anm.: PP hat ṛtum, gemeint kratum 'Willen, Vorhaben'.]
Dann brachte der Falke, gesandt, den Tropfen, den Allumfassenden, Weitschauenden, herbei bei der Weihehandlung. / Wenn die Sippen, die Ārier, den wunderbaren Agni als Rufer erwählen, dann wurde der Gedanke (die Dichtung) geboren. [Anm.: Falke = mythischer Somabringer, fest; drapsa = 'Tropfen', hier wohl Soma.]
Immer bist du erfreulich; du gedeihst (wirst gepflegt) wie durch Weidefutter, Agni, durch die Anruf-Gaben des Manu, gut zur Weihehandlung geeignet. / Oder wenn du, des Weisen Preislied bemühend, Kraft gewinnend, mit vielen (Gaben) herankommst. [?]
Erhebe die beiden Eltern; der Buhler will zu seinem Anteil gelangen; der Begehrte [?] strebt … / Der Fahrer spricht (laut) heraus, der Kraftvolle übt gute Werke, der Asura wird stark; der Gedanke erzittert. [Anm.: Vers sehr dunkel; pitarā vermutlich Himmel und Erde (plausibel); jāra/hṛtta unsicher; ein Rätselvers.] [?]
yaste agne sumatiṃ marto akṣat sahasaḥ sūno ati sa praśṛṇve / iṣaṃ dadhāno vahamāno aśvairā sa dyumānamavān bhūṣati dyūn
Wer, Agni, deine Gunst, der Sterbliche, erlangt hat, o Sohn der Kraft, der wird weithin gehört, der übertrifft (andere). / Er trägt Stärkung, mit Rossen fahrend; er, der glänzende, ungestüme, (ist) hilfreich bei den Tagen [?]. [Anm.: ati und ā bhūṣati sind unsicher.]
yadagna eṣā samitirbhavāti devī deveṣu yajatā yajatra / ratnā ca yad vibhajāsi svadhāvo bhāgaṃ no atra vasumantaṃvītāt
Wenn diese Versammlung, Agni, sein wird, die göttliche, unter den Göttern verehrungswürdig, o Verehrungswürdiger, / und wenn du Schätze verteilst, o Selbstherrscher, so möge er uns hier einen güterreichen Anteil zuführen [?].
śrudhī no agne sadane sadhasthe yukṣvā rathamamṛtasyadravitnum / ā no vaha rodasī devaputre mākirdevānāmapabhūriha syāḥ
Höre uns, Agni, am Sitz, am gemeinsamen Ort; schirre den Wagen an, den raschen des Unsterblichen. / Bring uns die beiden Welten herbei, die Göttersöhne [?]; niemals sollst du hier von den Göttern getrennt sein. [Anm.: devaputre 'die Götter zu Söhnen habend' oder 'Götter-Kinder'; Sinn unsicher.]