Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 10

Kapitel 31: ṛgvede 10.31 · ā no devānāmupa vetu śaṃso viśvebhisturairavaseyajatraḥ Bitte um göttlichen Beistand und die Frage nach dem Weltenbaum

Beginnt mit der Bitte um Gunst der Götter und einer Lebensregel, geht dann in dunkle, rätselhafte Strophen über (Kuh, Herr des Hauses, Weltschöpfung als Zimmern aus Holz). Vers 3-4 und 8-11 sind sehr unsicher; die Rätselverse bleiben mehrdeutig.

ā no devānāmupa vetu śaṃso viśvebhisturairavaseyajatraḥ / tebhirvayaṃ suṣakhāyo bhavema taranto viśvāduritā syāma

Zu uns möge der Zuspruch der Götter heranstreben, der verehrungswürdige, mit allen Schnellen zur Hilfe. Mit ihnen möchten wir gute Gefährten sein, alle Nöte überwindend möchten wir sein.

Wort für Wort
ā
hin, herbei
naḥ
uns (Gen./Dat. Pl.)
devānām
der Götter (Gen. Pl.)
upa
heran
vetu
er möge kommen/genießen (3. Sg. Imp.)
śaṃsaḥ
Zuspruch, Lobruf (Nom. Sg.) [?]
viśvebhiḥ
mit allen (Instr. Pl.)
turaiḥ
mit den Schnellen/Rüstigen (Instr. Pl.)
avase
zur Hilfe (Dat. Sg.)
yajatraḥ
verehrungswürdig (Nom. Sg.)
tebh iḥ
mit ihnen (Instr. Pl.)
vayam
wir (Nom. Pl.)
su-sakhāyaḥ
gute Gefährten (Nom. Pl.)
bhavema
wir möchten sein (1. Pl. Opt.)
tarantaḥ
überwindend (Nom. Pl. Part.)
viśvā
alle (Akk. Pl. n.)
duḥ-itā
Nöte, schlimme Gänge (Akk. Pl.)
syāma
wir möchten sein (1. Pl. Opt.)

pari cin marto draviṇaṃ mamanyād ṛtasya pathā namasāvivāset / ata svena kratunā saṃ vadeta śreyāṃsandakṣaṃ manasā jagṛbhyāt

Ein Sterblicher soll den Reichtum rings [?] bedenken; auf dem Pfad der Ordnung soll er mit Verneigung (die Götter) erfreuen. Und mit der eigenen Einsicht soll er sich beraten, den besseren Sachverstand [?] soll er mit dem Geist ergreifen. [Anm.: pari √man und dakṣa sind unsicher; Sinn: Reichtum nur auf rechtem Weg und mit klarem Verstand.]

Wort für Wort
pari
ringsum, über (Präverb)
cit
auch, nur (Partikel)
martaḥ
Sterblicher (Nom. Sg.)
draviṇam
Reichtum (Akk. Sg.)
mamanyāt
er soll erwägen (3. Sg. Opt.) [?]
ṛtasya
der Ordnung (Gen. Sg.)
pathā
auf dem Pfad (Instr. Sg.)
namasā
mit Verneigung (Instr. Sg.)
vivāset
er soll erfreuen/verehren (3. Sg. Opt.)
uta
und
svena
mit eigener (Instr. Sg.)
kratunā
mit Einsicht/Willenskraft (Instr. Sg.)
sam
zusammen (Präverb)
vadeta
er soll sich besprechen (3. Sg. Opt. Med.)
śreyāṃsam
den besseren (Akk. Sg.)
dakṣam
Tüchtigkeit/Sachverstand (Akk. Sg.) [?]
manasā
mit dem Geist (Instr. Sg.)
jagṛbhyāt
er soll ergreifen (3. Sg. Opt. Med.)

adhāyi dhītirasasṛgramaṃśāstīrthe: na dasmamupayantyumāḥ / abhyānaśma suvitasya śūṣaṃ navedasoamṛtānāmabhūma

Die Andacht ist gesetzt worden, die Anteile sind losgelassen worden; wie zu einer Furt kommen die Hilfen zum Wundertäter heran. Wir haben die Kraft des guten Weges erreicht; als Wissende [?] sind wir (Genossen) der Unsterblichen geworden. [Anm.: navedasaḥ und aṃśāḥ unsicher.]

Wort für Wort
adhāyi
ist gesetzt worden (3. Sg. Aor. Pass.)
dhītiḥ
Andacht, Gedanke (Nom. Sg.)
asasṛgram
sind losgelassen worden (3. Pl./Sg. Aor.) [?]
aṃśāḥ
Anteile (Nom. Pl.) [?]
tīrthe
an einer Furt (Lok. Sg.)
na
wie
dasmam
zum Wundertäter (Akk. Sg.)
upa
heran
yanti
sie kommen (3. Pl.)
ūmāḥ
Hilfen (Nom. Pl.)
abhi
hin (Präverb)
ānaśma
wir haben erreicht (1. Pl. Perf.)
suvitasya
des guten Weges/Wohlgangs (Gen. Sg.)
śūṣam
Kraft (Akk. Sg.)
navedasaḥ
Wissende (Nom. Pl.) [?]
amṛtānām
der Unsterblichen (Gen. Pl.)
abhūma
wir sind geworden (1. Pl. Aor.)

nityaścākanyāt svapatirdāmūnā yasmā u devaḥ savitajajāna / bhago vā gobhiraryamemanajyāt so asmai caruśchadayaduta syāt

Der eigene Hausherr, der Beständige, soll Gefallen finden [?] an dem, für den der Gott Savitar (etwas) erzeugt hat; oder Bhaga oder Aryaman möge ihn mit Rindern salben. Er, der Liebliche, möge ihm Obdach geben, und es soll so sein. [Anm.: Sinn im Ganzen unsicher; Bezug der Pronomen offen.]

Wort für Wort
nityaḥ
beständig, eigen (Nom. Sg.)
cākanyāt
er möge Gefallen finden (3. Sg. Opt.) [?]
sva-patiḥ
Hausherr, eigener Herr (Nom. Sg.)
damūnāḥ
im Haus wohnend (Nom. Sg.)
yasmai
dem (Dat. Sg.)
oṃ iti
ja (Partikel)
devaḥ
Gott (Nom. Sg.)
savitā
Savitar (Nom. Sg.)
jajāna
hat erzeugt (3. Sg. Perf.)
bhagaḥ
Bhaga (Nom. Sg.)
vā
oder
gobhiḥ
mit Rindern (Instr. Pl.)
aryamā
Aryaman (Nom. Sg.)
īm
ihn (Akk. Sg.)
anajyāt
er möge salben (3. Sg. Opt.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
asmai
ihm (Dat. Sg.)
cāruḥ
lieblich (Nom. Sg.)
chadayat
er möge bedecken/schützen (3. Sg. Opt.) [?]
uta
und
syāt
es soll sein (3. Sg. Opt.)

iyaṃ sā bhūyā uṣasāmiva kṣa yad dha kṣumantaḥśavasā samāyan / asya stutiṃ jariturbhikṣamāṇā ānaḥ śagmāsa upa yantu vājāḥ

Dies möge jene (Rede) sein [?], wie der Morgenröten Wohnstätten, wenn die Nahrungsreichen mit Kraft zusammenkamen. Das Lob dieses Sängers erbittend, mögen hilfreiche Kraftgaben zu uns herankommen. [Anm.: bhūyāḥ und iva kṣāḥ unsicher.]

Wort für Wort
iyam
diese (Nom. Sg. f.)
sā
jene (Nom. Sg. f.)
bhūyāḥ
du mögest/sie möge sein (2./3. Sg. Opt.) [?]
uṣasām-iva
wie der Morgenröten (Gen. Pl. + iva)
kṣāḥ
Wohnstätten, Erdreiche (Nom. Pl.) [?]
yat
wenn
ha
fürwahr (Partikel)
kṣu-mantaḥ
nahrungsreich (Nom. Pl.)
śavasā
mit Kraft (Instr. Sg.)
sam-āyan
sie kamen zusammen (3. Pl. Impf.)
asya
dieses (Gen. Sg.)
stutim
Lob (Akk. Sg.)
jarituḥ
des Sängers (Gen. Sg.)
bhikṣamāṇāḥ
erbittend (Nom. Pl. Part. Med.)
ā
hierher (Präverb)
naḥ
uns (Dat.)
śagmāsaḥ
hilfreich (Nom. Pl.)
upa
heran (Präverb)
yantu
sie mögen kommen (3. Pl. Imp.)
vājāḥ
Kraftgaben (Nom. Pl.)

asyedeṣā sumatiḥ paprathānābhavat pūrvyā bhumanāgauḥ / asya sanīḷā asurasya yonau samāna ā bharaṇebibhramāṇāḥ

Nur seine ist diese gute Gesinnung, die sich ausbreitende, die durch Fülle die ursprüngliche Kuh geworden ist [?]. Seine Nestgenossen, im Schoß des Herrn, im gemeinsamen Tragen [?], schwirren umher. [Anm.: gauḥ Kuh mit Bildrede (Erde/Rede) möglich, spekulativ.]

Wort für Wort
asya
dessen (Gen. Sg.)
it
eben nur (Partikel)
eṣā
diese (Nom. Sg. f.)
su-matiḥ
gute Gesinnung (Nom. Sg.)
paprathānā
sich ausbreitend (Nom. Sg. f.)
abhavat
ist geworden (3. Sg. Impf.)
pūrvyā
frühere, ursprüngliche (Nom. Sg. f.)
bhūmanā
durch Fülle (Instr. Sg.)
gauḥ
Kuh (Nom. Sg.)
asya
dessen (Gen. Sg.)
sa-nīḷāḥ
Nestgenossen (Nom. Pl.)
asurasya
des Herrn/Asura (Gen. Sg.)
yonau
im Schoß (Lok. Sg.)
samāne
im gleichen (Lok. Sg.)
ā
hinein (Präverb)
bharaṇe
im Tragen (Lok. Sg.) [?]
bibhramāṇāḥ
umherschwirrend (Nom. Pl. Part. Med.)

kiṃ svid vanaṃ ka u sa vṛkṣa āsa yato dyāvāpṛthivīniṣṭatakṣuḥ / santasthāne ajare itaūtī ahāni pūrvīruṣaso jaranta

Was für ein Wald war es wohl, welcher Baum war es, aus dem sie Himmel und Erde herausgezimmert haben? Die beiden fest bestehenden, alterslosen, die von hier aus Beistand [?] geben: Tage und viele Morgenröten sind (über sie) gealtert. [Anm.: Frage nach der Weltschöpfung; kosmisch-mythologisch, fest; itaūtī unsicher.]

Wort für Wort
kim
was (Nom. Sg. n.)
svit
wohl (Partikel)
vanam
Wald (Nom. Sg.)
kaḥ
welcher (Nom. Sg. m.)
oṃ iti
ja (Partikel)
saḥ
jener (Nom. Sg. m.)
vṛkṣaḥ
Baum (Nom. Sg.)
āsa
er war (3. Sg. Perf.)
yataḥ
woraus (Abl.)
dyāvāpṛthivī iti
Himmel und Erde (Akk. Du.)
niḥ-tatakṣuḥ
sie haben herausgezimmert (3. Pl. Perf.)
santasthāne itisam-tasthāne
fest bestehend (Nom. Du.)
ajareiti
alterslos (Nom. Du.)
itaūtī itītaḥ-ūtī
von hier Hilfe/Beistand (Nom. Du.) [?]
ahāni
Tage (Nom. Pl.)
pūrvīḥ
viele (Nom./Akk. Pl.)
uṣasaḥ
Morgenröten (Nom. Pl.)
jaranta
sie sind gealtert (3. Pl. Med.)

naitāvadenā paro anyadastyukṣā sa dyāvāpṛthivībibharti / tvadaṃ pavitraṃ kṛṇuta svadhāvān yadīṃsūryaṃ na harito vahanti

Nicht so weit reicht dies; darüber hinaus gibt es noch anderes. Der Stier trägt Himmel und Erde. Er macht die Haut zum Seihtuch, der Eigengesetzliche, wenn ihn die Falben tragen wie die Sonne. [Anm.: Bildrede; Stier vermutlich Sonne/Agni/Soma, plausibel bis spekulativ.]

Wort für Wort
na
nicht
etāvat
so weit
enā
damit (Instr. Sg. f.)
paraḥ
darüber hinaus (Nom. Sg.)
anyat
anderes (Nom. Sg. n.)
asti
ist (3. Sg.)
ukṣā
Stier (Nom. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
dyāvāpṛthivī iti
Himmel und Erde (Akk. Du.)
bibharti
er trägt (3. Sg.)
tvacam
Haut (Akk. Sg.)
pavitram
Seihtuch (Akk. Sg.)
kṛṇuta
er macht (3. Sg. Med.)
svadhāvān
eigengesetzlich (Nom. Sg.)
yat
wenn
īm
ihn (Akk. Sg.)
sūryam
Sonne (Akk. Sg.)
na
wie
haritaḥ
Falben (Nom. Pl.)
vahanti
sie tragen (3. Pl.)

stego na kṣāmatyeti pṛthvīṃ mihaṃ na vāto vi havāti bhūma / mitro yatra varuṇo ajyamāno 'gnirvane na vyasṛṣṭa śokam

Wie ein Dach [?] geht er über die weite Erde hinaus; wie Nebel weht der Wind in Fülle auseinander. Dort, wo Mitra (und) Varuṇa und der gesalbte Agni, wie im Wald, ihre Flamme losgelassen haben [?]. [Anm.: stega und die Zuordnung der Subjekte unsicher.]

Wort für Wort
stegaḥ
Dach, Decke (Nom. Sg.) [?]
na
wie
kṣam
Erde (Akk. Sg.)
ati
über (Präverb)
eti
er geht (3. Sg.)
pṛthvīm
weite (Akk. Sg.)
miham
Nebel/Regen (Akk. Sg.)
na
wie
vātaḥ
Wind (Nom. Sg.)
vi
auseinander (Präverb)
ha
fürwahr (Partikel)
vāti
er weht (3. Sg.)
bhūma
in Fülle (Akk./Lok. Sg.)
mitraḥ
Mitra (Nom. Sg.)
yatra
wo
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom. Sg.)
ajyamānaḥ
gesalbt (Nom. Sg. Part. Pass.)
agniḥ
Agni (Nom. Sg.)
vane
im Wald (Lok. Sg.)
na
wie
vi
aus (Präverb)
asṛṣṭa
sie ließen los (3. Pl. Aor. Med.) [?]
śokam
Flamme (Akk. Sg.)

starīryat sūta sadyo ajyamānā vyathiravyathiḥ kṛṇutasvagopā / putro yat purvaḥ pitrorjaniṣṭa śamyāṃ gaurjagāra yad dha pṛchān

Die unfruchtbare Kuh, als sie sogleich gebar, gesalbt, macht die Wankende zur Nichtwankenden, sich selbst zur Hüterin [?]. Als der frühere Sohn von den beiden Eltern geboren wurde, hat die Kuh (ihn) in der Śamyā verschlungen, als sie [?] fragten. [Anm.: Rätselvers; Ebenen kosmisch-mythologisch (plausibel), sonst offen.]

Wort für Wort
starīḥ
unfruchtbare Kuh (Nom. Sg.)
yat
als
sūta
sie gebar (3. Sg. Aor. Med.)
sadyaḥ
sofort
ajyamānā
gesalbt (Nom. Sg. f. Part. Pass.)
vyathiḥ
wankend (Nom. Sg.)
avyathīḥ
nicht wankend (Nom. Sg.)
kṛṇuta
sie macht (3. Sg. Med.)
sva-gopā
eigene Hüterin (Nom. Sg. f.)
putraḥ
Sohn (Nom. Sg.)
yat
als
pūrvaḥ
früherer (Nom. Sg.)
pitroḥ
von den beiden Eltern (Abl./Gen. Du.)
janiṣṭa
wurde geboren (3. Sg. Aor. Med.)
śamyām
in der Śamyā (Lok./Akk. Sg.) [?]
gauḥ
Kuh (Nom. Sg.)
jagāra
sie verschlang (3. Sg. Perf.)
yat
als
ha
fürwahr (Partikel)
pṛcchān
sie fragten (3. Pl. Aor.) [?]

uta kaṇvaṃ nṛṣadaḥ putramāhuruta śyāvo dhanamādattavāji / pra kṛṣṇāya ruśadapinvatodhar{ṛ}tamatra nakirasmā apīpet

Und den Kaṇva nennen sie den Sohn des Nṛṣad; und Śyāva, der Renner, nahm den Preis. Dem Dunklen ließ man das glänzende Euter anschwellen; die Wahrheit hier hat niemand ihm [?] geschmälert. [Anm.: Anspielung auf Kaṇva und Śyāva (Namen aus dem Text); apīpet unsicher.]

Wort für Wort
uta
und
kaṇvam
Kaṇva (Akk. Sg.)
nṛ-sadaḥ
Nṛṣad (Männer-sitzend), Sohn des Nṛṣad (Gen./Nom.) [?]
putram
Sohn (Akk. Sg.)
āhuḥ
sie nennen (3. Pl. Perf.)
uta
und
śyāvaḥ
Śyāva (Nom. Sg.)
dhanam
Preis, Gut (Akk. Sg.)
ā
hin (Präverb)
adatta
er nahm (3. Sg. Aor. Med.)
vājī
Renner (Nom. Sg.)
pra
hervor (Präverb)
kṛṣṇāya
dem Dunklen (Dat. Sg.)
ruśat
glänzend (Nom./Akk. Sg.)
apinvata
sie ließen schwellen (3. Pl. Impf. Med.)
ūdhaḥ
Euter (Akk. Sg.)
ṛtam
Wahrheit, Ordnung (Nom./Akk. Sg.)
atra
hier
nakiḥ
niemand
asmai
ihm (Dat. Sg.)
apīpet
hat [?] (3. Sg. Inj.) [?]

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