Kapitel 91: ṛgvede 10.91 · saṃ jāgṛvadbhirjaramāṇa idhyate dame damūnā iṣayanniḷas pade
Agni, Gast in jedem Haus, Rufer und Inhaber aller Priesterämter
Preislied auf Agni: sein Entstehen aus Pflanzen und Wassern, sein Wandern von Haus zu Haus, sein Verzehren der Wälder, seine Übernahme sämtlicher Priesterämter. Schwierig sind 10.91.5 (cinuṣe annam āsye), 10.91.8 (arbhe haviṣi), 10.91.13 (nispṛśe) und die Aufzählung in 10.91.14.
Mit den Wachenden zusammen wird er, gepriesen, im Haus entzündet, der Hausvertraute, an der Stätte der Iḷā (Labung) antreibend / aller Darbringung Rufer, wählenswert, weitreichend, glanzreich, als guter Freund freundlich gesinnt.
Wort für Wort
sam
zusammen (Präverb)
jāgṛvat-bhiḥ
mit den Wachenden (Instr. Pl.)
jaramāṇaḥ
gepriesen werdend (Nom. Sg.)
idyate
wird entzündet (3. Sg. Pass.)
dame
im Haus (Lok. Sg.)
damūnāḥ
der Hausvertraute (Nom. Sg.)
iṣayan
antreibend, in Schwung bringend (Part. Präs.)
iḷaḥ
der Iḷā / der Labung (Gen. Sg.)
pade
an der Stätte (Lok. Sg.)
v iśvasya
der ganzen (Gen. Sg.)
hotā
Rufer (Nom. Sg.)
haviṣaḥ
der Darbringung (Gen. Sg.)
vareṇyaḥ
wählenswert, erwünscht (Nom. Sg.)
vi-bhuḥ
weitreichend, mächtig (Nom. Sg.)
vibhāvā
glanzreich (Nom. Sg.)
su-sakhā
guter Freund (Nom. Sg.)
sakhi-yate
verhält sich freundschaftlich (3. Sg. Med., Denominativ)
Er, dessen Schönheit sehenswert ist, der Gast, hat sich in Haus um Haus, in Wald um Wald niedergelassen, wie ein Rasch-Eilender [?] / Jeden Menschen übergeht er, der Sippengenosse, nicht; er wohnt bei den Stämmen, der Stammeszugehörige, bei Stamm um Stamm.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
darśata-śrīḥ
dessen Schönheit sehenswert ist (Nom. Sg.)
atithiḥ
Gast (Nom. Sg.)
gṛhe--gṛhe
in Haus um Haus (Lok. Sg. distributiv)
vane--vane
in Wald um Wald (Lok. Sg. distributiv)
śiśriye
hat sich niedergelassen (3. Sg. Perf. Med.)
takvavīḥ-iva
wie ein Rasch-Eilender [?] (takvavī = Vogel/Läufer, mit iva 'wie')
janam-janam
Mensch um Mensch (Akk. Sg. distributiv)
janyaḥ
zur Sippe gehörig (Nom. Sg.)
na
nicht (Negation)
ati
über (Präverb, 'übergehen')
manyate
beachtet / hält dafür (3. Sg. Med.); 'nāti manyate' = übersieht nicht
sudakṣo dakṣaiḥ kratunāsi sukraturagne kaviḥ kāvyenāsiviśvavit / vasurvasūnāṃ kṣayasi tvameka id dyāvā cayāni pṛthivī ca puṣyataḥ
Trefflich an Geschick bist du durch Geschicke, durch Willenskraft (kratu) trefflich an Können, Agni, Seher bist du durch Sehertum, allwissend; / Gut der Güter, herrschst du allein, das, was Himmel und Erde nähren.
Wissend, Agni, hast du dich an deinen zeitgerechten, schmalzreichen Schoß gesetzt, an der Stätte der Iḷā; / dir erscheinen die Gänge (Flammenläufe) wie die der Morgenröten, makellos, wie die Strahlen der Sonne.
Deine Herrlichkeiten erscheinen bunt wie die Blitze des Regens, wie die Banner der Morgenröten, / wenn du, auf Pflanzen und Wälder losgelassen, ringsum von selbst Nahrung im Munde aufliest.
Wort für Wort
tava
dein (Gen. Sg.)
śriyaḥ
Herrlichkeiten, Glanzgestalten (Nom. Pl.)
varṣyasya-iva
wie des Regens (Gen. Sg. mit iva)
vi-dyutaḥ
Blitze (Nom. Pl.)
citrāḥ
bunt, glänzend (Nom. Pl.)
cikitre
erscheinen (3. Sg. Pass., bezogen auf den Plural, Verbform Sg.)
Ihn, den zeitgerechten Keim, nahmen die Pflanzen auf; ihn, Agni, erzeugten die Wasser, die Mütter. / Ihn ebenso auch die Baumgewächse und die Kräuter; trächtig gebären sie ihn alle Tage.
Vom Wind angeschüttelt, angetrieben, nach Willen, verzehrst du gierig die Speisen und stehst auseinander; / zu dir, dem Brennenden, streben deine unalternden Scharen, Agni, gesondert wie Wagenrosse.
Den Gedankenwirker, den Vollender der Vidatha-Zusammenkunft, Agni, den Rufer, den alles Überwältigenden, den Gedanken (Geist): / ihn allein bei kleiner Darbringung, ihn allein, den Gleichen, bei großer wählen sie, keinen anderen als dich [Anm.: arbhe haviṣi / mahe unsicher, wörtlich 'bei kleiner / großer Darbringung'].
tvāmidatra vṛṇate tvāyavo hotāramagne vidatheṣuvedhasaḥ / yad devayanto dadhati prayāṇsi te haviṣmantomanavo vṛktabarhiṣaḥ
Dich allein wählen hier die dir Ergebenen, den Rufer, Agni, die Wirkkundigen bei den Vidathas; / wenn die Gott-Suchenden Labungen darreichen, die Darbringungsreichen, die Manus mit ausgebreitetem Streu.
Wort für Wort
tvām
dich (Akk. Sg.)
it
eben, allein (Partikel)
atra
hier (Adv.)
vṛṇate
wählen (3. Pl. Med.)
tvāyavaḥ
dir ergeben, dich begehrend (Nom. Pl.)
hotāram
Rufer (Akk. Sg.)
agne
Agni (Vok.)
vidatheṣu
bei den Vidathas (Lok. Pl.)
vedhasaḥ
Wirkkundige, Ordnende (Nom. Pl.)
yat
wenn (Konj.)
deva-yantaḥ
Götter suchend (Nom. Pl.)
dadhati
setzen, reichen dar (3. Pl.)
prayāṃsi
Labungen, Stärkungen (Akk. Pl.)
te
dir (Dat. Sg.)
haviṣmantaḥ
darbringungsreich (Nom. Pl.)
manavaḥ
Manus, Menschen (Nom. Pl.)
vṛkta-barh iṣaḥ
mit ausgebreitetem, abgeschnittenem Barhis-Streu (Nom. Pl.)
Dein, Agni, ist das Hotṛ-Amt, dein das Potṛ-Amt zur rechten Zeit, dein das Neṣṭṛ-Amt; du bist der Agnīdh für den, der der Ordnung zustrebt. / Dein das Praśāstṛ-Amt; du übst das Adhvara aus; Brahman bist du und Hausherr bei uns im Haus.
Wort für Wort
tava
dein (Gen. Sg.)
agne
Agni (Vok.)
hotram
Hotṛ-Amt, Anrufer-Amt (Nom. Sg.)
tava
dein (Gen. Sg.)
potram
Potṛ-Amt, Läuterer-Amt (Nom. Sg.)
ṛtviyam
zeitgerecht (Nom. Sg.)
tava
dein (Gen. Sg.)
neṣṭram
Neṣṭṛ-Amt (Nom. Sg.)
tvam
du (Nom.)
agnid
Agnīdh, Feuerentzünder (Nom. Sg.)
ṛta-yataḥ
für den, der der Ordnung zustrebt (Dat./Gen. Sg.) [?]
Der Sterbliche, der dir, Agni, dem Unsterblichen, mit Brennholz dient oder bei der Bereitung der Darbringung, / dessen Rufer wirst du, gehst als Bote, sprichst zu, verehrst, übst das Adhvara aus.
Diese Gedanken, Reden von uns, Ṛc-Verse, Lieder, guten Lobreden sind für ihn zusammengekommen, / güterbegehrend für den Gut-Gesinnten, Jātavedas; an denen, auch wenn sie erstarkt sind, der Wachsende Gefallen fand.
Dieses neueste Lob will ich sprechen für den Alten, den Begehrenden; er möge uns hören. / Mögest du im Innern seines Herzens fühlbar sein [?] wie eine begehrende, schön gekleidete Gattin dem Gatten.
Bei dem Rosse, Stiere, Ochsen, unfruchtbare Kühe und Widder, freigelassen, dargebracht werden – / dem Kīlāla-Trinker, dem Somarückigen, dem Weisen, erzeuge ich mit dem Herzen ein schönes Lied für Agni [Anm.: Aufzählung von Tieren, wörtlich; ob als Opfer oder als Bildrede gemeint, unsicher].
Wort für Wort
yasmin
bei dem, in dem (Lok. Sg.)
aśvāsaḥ
Rosse (Nom. Pl.)
ṛṣabhāsaḥ
Stiere (Nom. Pl.)
ukṣaṇaḥ
Ochsen, Besprenger (Nom. Pl.)
vaśāḥ
unfruchtbare Kühe (Nom. Pl.)
meṣāḥ
Widder (Nom. Pl.)
ava-sṛṣṭāsaḥ
freigelassen, losgelassen (Nom. Pl.)
āhutāḥ
dargebracht, eingegossen (Nom. Pl.)
kīlāla-pe
dem Kīlāla (Süßtrank)-Trinker (Dat. Sg.)
soma-pṛṣṭhāya
dem Somarückigen, mit Soma auf dem Rücken (Dat. Sg.)
Dargebracht wurde dir, Agni, die Darbringung in den Mund, wie Schmalz in die Kelle, wie Soma in die Schale. / Verleihe uns kraftgewinnenden Reichtum, mit guten Männern, gepriesen, ruhmvoll, groß.