Kapitel 18: ṛgvede 10.18 · paraṃ mṛtyo anu parehi panthāṃ yaste sva itaro devayānāt
Bestattungslied: Abgrenzung der Lebenden vom Tod, Bestattung
Bestattungslied: Der Tod wird auf seinen Weg verwiesen, die Lebenden ziehen eine Grenze (paridhi) und kehren zum Leben zurück, die Witwe wird zum Leben gerufen, der Tote wird der Erde anvertraut. Vers 14 ist dunkel.
paraṃ mṛtyo anu parehi panthāṃ yaste sva itaro devayānāt / cakṣuṣmate śṛṇvate te bravīmi mā naḥ prajāṃ rīriṣomota vīrān
Geh weiter, Tod, den Pfad entlang, der dein eigener ist, der andere als der Götterweg. / Zu dir, der du Augen hast und hörst, sage ich: Verletze nicht unsere Nachkommenschaft und nicht unsere Männer.
Die Spur des Todes verwischend, als ihr herkamt, längeres Leben weiter festsetzend, / an Nachkommenschaft und Besitz gedeihend, sollt ihr rein und geläutert sein, ihr Verehrungswürdigen.
ime jīvā vi mṛtairāvavṛtrannabhūd bhadrā devahūtirnoadya / prāñco agāma nṛtaye hasāya drāghīya āyuḥprataraṃ dadhānāḥ
Diese Lebenden haben sich von den Toten abgewandt; unsere gute Götteranrufung ist heute geschehen. / Nach vorn sind wir gegangen zum Tanz, zum Lachen, längeres Leben weiter festsetzend.
Diesen Wall setze ich für die Lebenden ringsum; keiner der anderen von diesen soll zu diesem Ziel gehen. / Hundert Herbste sollen sie leben, viele; den Tod sollen sie mit einem Stein (Berg) im Innern verwahren [?].
Wie die Tage der Reihe nach kommen, wie die Jahreszeiten gut mit den Jahreszeiten gehen, / wie der Spätere den Früheren nicht verläßt – so ordne, Dhātṛ, die Lebensspannen dieser.
Steigt hinauf, das Alter als Lebensspanne wählend, euch der Reihe nach bemühend, so viele ihr seid. / Hier soll Tvaṣṭṛ, wohlgeboren und einträchtig, euch langes Leben zum Leben machen.
Diese Frauen, keine Witwen, gute Gattinnen, sollen mit Salbe und Schmalz eintreten; / ohne Tränen, ohne Krankheit, mit schönen Schätzen sollen die Frauen zuerst die Heimstatt besteigen.
Erhebe dich, Frau, zur Welt der Lebenden; du liegst bei diesem Entseelten – komm her! / Du bist (wieder) zum Gattenverhältnis mit dem Gatten gelangt, der deine Hand ergriff und um dich warb.
Wort für Wort
ut
empor (Präverb)
īrṣva
erhebe dich (2. Sg. Imp. Med.)
nāri
Frau (Vok. Sg.)
abhi
hin zu (Präverb)
jīva-lokam
Lebendenwelt (Akk. Sg.)
gata-asum
dessen Lebenshauch gegangen ist, Entseelten (Akk. Sg.)
Den Bogen aus der Hand des Toten nehmend – für uns, zu Herrschaft, Glanz und Kraft: / du (bist) genau hier, wir hier, gute Männer habend; alle Nachsteller, alle Bedränger wollen wir besiegen.
Kriech hin zur Mutter Erde, dieser weit Raum Gebenden, Breiten, sehr Gütigen; / wollweich, eine Junge, dem Gabenspender gegenüber – sie soll dich vor dem Schoß der Nirṛti (des Verderbens) schützen.
Öffne dich weit, Erde, bedränge ihn nicht; sei ihm gut zugänglich, gut einhüllend. / Wie die Mutter den Sohn mit dem Saum(zipfel) (einhüllt), so hülle ihn ein, Erde.
ucchvañcamānā pṛthivī su tiṣṭhatu sahasraṃ mita upa hiśrayantām / te gṛhāso ghṛtaścuto bhavantu viśvāhāsmaiśaraṇāḥ santvatra
Sich weit öffnend soll die Erde gut dastehen; tausend Pfosten [?] sollen sich (an sie) lehnen. / Diese Häuser sollen schmalztriefend sein; alle Tage sollen sie ihm hier Zuflucht sein.
ut te stabhnāmi pṛthivīṃ tvat parīmaṃ logaṃ nidadhan moahaṃ riṣam / etāṃ sthūṇāṃ pitaro dhārayantu te 'trāyamaḥ sādanā te minotu
Ich stütze die Erde um dich empor, damit ich, diese Scholle an dich legend, keinen Schaden nehme. / Diese Säule sollen die Väter halten; dort soll Yama dir Wohnstätten errichten.
Am zurückgewandten Tag haben sie mich (wie) die Feder an den Pfeil gesetzt; / die zurückgewandte Rede habe ich ergriffen wie das Ross mit dem Zügel. [Anm.: Wörtlich dunkel; wohl Bild für das Zurücknehmen der Rede (des Redens über den Tod) – spekulativ.]