Kapitel 111
Karṇas Verzweiflung über den Tod weiterer Söhne Dhṛtarāṣṭras und der ausgedehnte, gleichnisreiche Zweikampf mit Bhīma
Karṇa, erschüttert vom Tod von Dhṛtarāṣṭras Söhnen, kämpft dennoch verbissen weiter gegen Bhīma; nachdem sein Bogen und Wagen erneut zerstört werden, besteigt er einen neuen Wagen, während Duryodhana sechs weitere, bunt gerüstete Söhne (Citropacitra, Citrākṣa, Cārucitra, Śarāsana, Citrāyudha und Citravarman) aussendet, die von Bhīma allesamt getötet werden, was Karṇa erneut in Bestürzung stürzt (Einheiten 1-28). Es folgt eine lange, gleichnisreiche Schilderung des beiderseitigen Zweikampfs - blutüberströmt, wie aufgehende Sonnen, wie häutende Schlangen, wie kämpfende Tiger, Elefanten, Stiere und Löwen, wie Indra und Vṛtra, wie Śakra und der Sohn Virocanas -, in dem Bhīma zunehmend die Oberhand gewinnt, zur Freude Arjunas, Kṛṣṇas, Sātyakis und der Rad-Wächter (Einheiten 29-50).
Und der Sohn des Adhiratha hielt sich damals gleichsam für schuldig, weil deine Söhne vor seinen Augen von Bhīma in der Schlacht erschlagen worden waren.
Wort für Wort
āgaskṛtam ivātmānaṃ mene cādhirathis tadā
und der Sohn des Adhiratha hielt sich damals gleichsam für schuldig (Akk.Sg.Adj. + Partikel+Akk.Sg. + Perf.3.Sg.Med. + Partikel+Nom.Sg. + Adv.)
yat pratyakṣaṃ tava sutā bhīmena nihatā raṇe
weil deine Söhne vor seinen Augen von Bhīma in der Schlacht erschlagen worden waren (Konj. + Akk.Sg.Adv. + Gen.Sg. + Nom.Pl. + Instr.Sg. + Nom.Pl.Part. + Lok.Sg.)
Er, der Rādheya, durchbohrte Bhīma mit fünf Pfeilen, gleichsam lachend, und durchbohrte ihn wieder mit siebzig goldbefiederten, an Stein geschärften Pfeilen.
Wort für Wort
sa bhīmaṃ pañcabhir viddhvā rādheyaḥ prahasann iva
er, der Rādheya, durchbohrte Bhīma mit fünf Pfeilen, gleichsam lachend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Instr.Pl.Num. + Ger. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Partikel)
punar vivyādha saptatyā svarṇapuṅkhaiḥ śilāśitaiḥ
und durchbohrte ihn wieder mit siebzig goldbefiederten, an Stein geschärften Pfeilen (Adv. + Perf.3.Sg. + Instr.Sg.Num. + Instr.Pl.Adj. + Instr.Pl.Adj.)
Und wieder, nachdem er ihn mit fünf scharfen, schnellen Pfeilen durchbohrt hatte, zerschnitt er mit einem Bhalla-Pfeil den Bogen des Sūta-Sohnes, oh Ehrwürdiger.
Wort für Wort
punaś ca viśikhais tīkṣṇair viddhvā pañcabhir āśugaiḥ
und wieder, nachdem er ihn mit fünf scharfen, schnellen Pfeilen durchbohrt hatte (Adv. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl.Adj. + Ger. + Instr.Pl.Num. + Instr.Pl.Adj.)
dhanuś ciccheda bhallena sūtaputrasya māriṣa
zerschnitt er mit einem Bhalla-Pfeil den Bogen des Sūta-Sohnes, oh Ehrwürdiger (Akk.Sg. + Perf.3.Sg. + Instr.Sg. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
Bhīma, nachdem er dessen Pferde getötet und auch den Wagenlenker erschlagen hatte, lachte ein gewaltiges Gelächter, wieder Vergeltung für Vergeltung übend.
Wort für Wort
tasya bhīmo hayān hatvā vinihatya ca sārathim
Bhīma, nachdem er dessen Pferde getötet und auch den Wagenlenker erschlagen hatte (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Pl. + Ger. + Ger. + Partikel + Akk.Sg.)
prajahāsa mahāhāsaṃ kṛte pratikṛtaṃ punaḥ
lachte ein gewaltiges Gelächter, wieder Vergeltung für Vergeltung übend (Perf.3.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg. + Adv.)
Da fiel der große, goldrückige, unangreifbare Bogen.
Wort für Wort
papātātha mahac cāpaṃ
da fiel der große Bogen (Perf.3.Sg.+Adv. + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg.)
hemapṛṣṭhaṃ durāsadam
der goldrückige, unangreifbare (Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg.Adj.)
[Anm.: Im kritischen Apparat überlieferte Variante zu Vers 8, welche denselben Gedanken - den Fall von Karṇas Bogen - mit leicht abweichendem Wortlaut wiederholt.]
te tasya kavacaṃ bhittvā tathā bāhuṃ ca dakṣiṇam abhyagur dharaṇīṃ tīkṣṇā valmīkam iva pannagāḥ
Sie, nachdem sie dessen Rüstung und ebenso den rechten Arm durchbohrt hatten, drangen scharf in die Erde ein, wie Schlangen in einen Ameisenhügel.
Wort für Wort
te tasya kavacaṃ bhittvā tathā bāhuṃ ca dakṣiṇam
sie, nachdem sie dessen Rüstung und ebenso den rechten Arm durchbohrt hatten (Nom.Pl. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Ger. + Adv. + Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg.Adj.)
abhyagur dharaṇīṃ tīkṣṇā valmīkam iva pannagāḥ
drangen scharf in die Erde ein, wie Schlangen in einen Ameisenhügel (Impf.3.Pl. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Adj. + Akk.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)
Da eilten deine Söhne, oh König, nachdem sie die Worte ihres Bruders gehört hatten, rasch auf den Pāṇḍava im Kampf zu, scharfe Pfeile abschießend.
Wort für Wort
tatas tava sutā rājañ śrutvā bhrātur vaco drutam
da eilten deine Söhne, oh König, nachdem sie die Worte ihres Bruders gehört hatten, rasch (Adv. + Gen.Sg. + Nom.Pl. + Vok.Sg. + Ger. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Adv.)
abhyayuḥ pāṇḍavaṃ yuddhe visṛjantaḥ śitāñ śarān
auf den Pāṇḍava im Kampf zu, scharfe Pfeile abschießend (Impf.3.Pl. + Akk.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Part. + Akk.Pl.Adj. + Akk.Pl.)
Citrāyudha und Citravarman, bunt gerüstete Kämpfer im Kampf (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Adj.)
[Anm.: Sechs Söhne Dhṛtarāṣṭras mit thematisch verwandten, alle 'citra' ('bunt') enthaltenden Namen; der hier genannte Citrāyudha und Citravarman sind Namensvettern des gleichnamigen Pāṇḍava-Kriegers (Kap.22) bzw. des gleichnamigen Pāñcāla-Prinzen (Kap.98).]
- sie, die plötzlich herankamen, oh König, ließ Bhīma, der große Wagenkämpfer, samt ihren Pferden, Wagenlenkern und Feldzeichen, bereit zum Kampf, im Kampf fallen.
Wort für Wort
āgacchatas tān sahasā bhīmo rājan mahārathaḥ
sie, die plötzlich herankamen, oh König, Bhīma, der große Wagenkämpfer (Akk.Pl.Part. + Akk.Pl. + Adv. + Nom.Sg. + Vok.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
sāśvasūtadhvajān yattān pātayām āsa saṃyuge
ließ, samt ihren Pferden, Wagenlenkern und Feldzeichen, bereit zum Kampf, im Kampf fallen (Akk.Pl.Adj. + Akk.Pl.Part. + Kaus.Perf.3.Sg. + Lok.Sg.)
Die beiden, mit rotem Sandel gesalbt an den Gliedern, durch Pfeile mit großen Wunden versehen, blutbefleckt, erstrahlten wie zwei aufgehende Unheils-Sonnen.
Wort für Wort
raktacandanadigdhāṅgau śaraiḥ kṛtamahāvraṇau
die beiden, mit rotem Sandel gesalbt an den Gliedern, durch Pfeile mit großen Wunden versehen (Nom.Du.Adj. + Instr.Pl. + Nom.Du.Adj.)
śoṇitāktau vyarājetāṃ kālasūryāv ivoditau
blutbefleckt, erstrahlten wie zwei aufgehende Unheils-Sonnen (Nom.Du.Adj. + Impf.3.Du. + Nom.Du. + Partikel+Nom.Du.Part.)
tau śoṇitokṣitair gātraiḥ śaraiś chinnatanucchadau vivarmāṇau vyarājetāṃ nirmuktāv iva pannagau
Die beiden, mit blutbenetzten Gliedern, deren Körperhülle von Pfeilen zerschnitten war, ohne Rüstung, erstrahlten wie zwei Schlangen, die ihre Haut abgestreift haben.
Wort für Wort
tau śoṇitokṣitair gātraiḥ śaraiś chinnatanucchadau
die beiden, mit blutbenetzten Gliedern, deren Körperhülle von Pfeilen zerschnitten war (Nom.Du. + Instr.Pl.Adj. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Nom.Du.Adj.)
vivarmāṇau vyarājetāṃ nirmuktāv iva pannagau
ohne Rüstung, erstrahlten wie zwei Schlangen, die ihre Haut abgestreift haben (Nom.Du.Adj. + Impf.3.Du. + Nom.Du.Part. + Partikel + Nom.Du.)
Wie zwei Tiger, die Menschentiger, verwundeten sie einander gegenseitig mit den Fangzähnen, ihre Pfeil-Fangzähne schwingend, die beiden Feindebezwinger.
Wort für Wort
vyāghrāv iva naravyāghrau daṃṣṭrābhir itaretaram
wie zwei Tiger, die Menschentiger, verwundeten sie einander gegenseitig mit den Fangzähnen (Nom.Du. + Partikel + Nom.Du. + Instr.Pl. + Akk.Sg.Adv.)
śaradaṃṣṭrā vidhunvānau tatakṣatur ariṃdamau
ihre Pfeil-Fangzähne schwingend, die beiden Feindebezwinger (Akk.Pl.Adj. + Nom.Du.Part. + Perf.3.Du. + Nom.Du.)
pracchādayantau samare śarajālaiḥ parasparam rathābhyāṃ nādayantau ca diśaḥ sarvā viceratuḥ
Einander im Kampf mit Pfeilnetzen bedeckend, durchstreiften sie, mit ihren Wagen die Himmelsrichtungen erdröhnen lassend, alle Richtungen.
Wort für Wort
pracchādayantau samare śarajālaiḥ parasparam
einander im Kampf mit Pfeilnetzen bedeckend (Nom.Du.Part. + Lok.Sg. + Instr.Pl. + Akk.Sg.Adv.)
rathābhyāṃ nādayantau ca diśaḥ sarvā viceratuḥ
durchstreiften sie, mit ihren Wagen die Himmelsrichtungen erdröhnen lassend, alle Richtungen (Instr.Du. + Nom.Du.Part. + Partikel + Akk.Pl. + Akk.Pl.Adj. + Perf.3.Du.)
tau rathābhyāṃ mahārāja maṇḍalāvartanādiṣu vyarocetāṃ mahātmānau vṛtravajradharāv iva
Die beiden hochgesinnten, oh großer König, erstrahlten mit ihren Wagen in Kreisbewegungen und anderen Kampffiguren, wie Vṛtra und der Donnerkeilträger [Indra].
Wort für Wort
tau rathābhyāṃ mahārāja maṇḍalāvartanādiṣu
die beiden, oh großer König, mit ihren Wagen in Kreisbewegungen und anderen Kampffiguren (Nom.Du. + Instr.Du. + Vok.Sg. + Lok.Pl.)
vyarocetāṃ mahātmānau vṛtravajradharāv iva
erstrahlten, die hochgesinnten, wie Vṛtra und der Donnerkeilträger (Impf.3.Du. + Nom.Du.Adj. + Nom.Du. + Partikel)
Und wie zwei Elefanten stießen die beiden Feindebezwinger einander mit den Stoßzähnen; ihre eigenen Glieder gegenseitig mit Pfeilen durchbohrend, erglänzten sie schön.
Wort für Wort
vāraṇāv iva cānyonyaṃ viṣāṇābhyām ariṃdamau
und wie zwei Elefanten stießen die beiden Feindebezwinger einander mit den Stoßzähnen (Nom.Du. + Partikel + Partikel+Akk.Sg. + Instr.Du. + Nom.Du.)
nirbhindantau svagātrāṇi sāyakaiś cāru rejatuḥ
ihre eigenen Glieder gegenseitig mit Pfeilen durchbohrend, erglänzten sie schön (Nom.Du.Part. + Akk.Pl. + Instr.Pl. + Akk.Sg.Adv. + Perf.3.Du.)
[Anm.: Beginn einer im kritischen Apparat überlieferten, achtteiligen Gleichnis-Kette, welche den Zweikampf in rascher Folge mit Elefanten, Stieren, Löwen und schließlich Indra und dem Sohn Virocanas vergleicht.]
sa cāpaghoṣastanitaḥ śaradhārāmbudo mahān bhīmamegho mahārāja karṇaparvatam abhyayāt
Und er, dessen Bogen-Getöse dem Donner glich, die große Wolke mit Pfeil-Regenströmen, die Bhīma-Wolke, oh großer König, zog gegen den Karṇa-Berg heran.
Wort für Wort
sa cāpaghoṣastanitaḥ śaradhārāmbudo mahān
und er, dessen Bogen-Getöse dem Donner glich, die große Wolke mit Pfeil-Regenströmen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
bhīmamegho mahārāja karṇaparvatam abhyayāt
die Bhīma-Wolke, oh großer König, zog gegen den Karṇa-Berg heran (Nom.Sg. + Vok.Sg. + Akk.Sg. + Impf.3.Sg.)
Da überschüttete der Pāṇḍava, oh Bhārata, Karṇa mit tausend vom Bogen entsandten Pfeilen, wie eine Wolke einen Berg mit Regenschauern.
Wort für Wort
tataḥ śarasahasreṇa dhanurmuktena bhārata
da, oh Bhārata, mit tausend vom Bogen entsandten Pfeilen (Adv. + Instr.Sg. + Instr.Sg.Adj. + Vok.Sg.)
pāṇḍavo vyakirat karṇaṃ ghano 'drim iva vṛṣṭibhiḥ
überschüttete der Pāṇḍava Karṇa, wie eine Wolke einen Berg mit Regenschauern (Nom.Sg. + Impf.3.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + Instr.Pl.)
vikramaṃ bhujayor vīryaṃ dhairyaṃ ca viditātmanaḥ putrās tava mahārāja dadṛśuḥ pāṇḍavasya ha
Die Tapferkeit seiner Arme, seine Kraft und Standhaftigkeit, des Pāṇḍava, dessen Wesen wohlbekannt ist, sahen deine Söhne, oh großer König.
Wort für Wort
vikramaṃ bhujayor vīryaṃ dhairyaṃ ca viditātmanaḥ
die Tapferkeit seiner Arme, seine Kraft und Standhaftigkeit, dessen Wesen wohlbekannt ist (Akk.Sg. + Gen.Du. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + Gen.Sg.Adj.)