tasmin hate mahāmāye mahātejasi rākṣase amarṣitāḥ pāṇḍaveyāḥ kim akurvan mahāraṇe
„Nachdem jener illusionsmächtige, glanzvolle Rākṣasa erschlagen war, was taten die erzürnten Pāṇḍavas in der großen Schlacht?
Wort für Wort
tasmin
jenem (Lok. Sg.)
hate
erschlagen (Lok. Sg.)
mahāmāye
illusionsmächtig (Lok. Sg.)
mahātejasi
glanzvoll (Lok. Sg.)
rākṣase
Rākṣasa (Lok. Sg.)
amarṣitāḥ
erzürnt (Nom. Pl.)
pāṇḍaveyāḥ
die Pāṇḍavas (Nom. Pl.)
kim
was (Akk. Sg.)
akurvan
taten (3. Pl. Impf.)
mahāraṇe
in der großen Schlacht (Lok. Sg.)
[Anm.: Die Verse 000*1242_00 bis 000*1242_15 sind ein im Apparat überliefertes, ausgedehntes Zusatzstück, das der eigentlichen Kapiteleröffnung vorangeht: eine erweiterte Frage Dhṛtarāṣṭras an Saṃjaya, die hier vollständig und als eigene Einheiten mitübersetzt wird, nicht stillschweigend übergangen.]
sṛñjayāḥ saha pāñcālais te 'kurvan kiṃ mahāraṇe saumadatter vadhād droṇam āyattaṃ saindhavasya ca
Was taten die Sṛñjayas zusammen mit den Pāñcālas in der großen Schlacht - jene, wegen der Tötung des Saumadatti und des Saindhava auf Droṇa gerichteten?
Aus Ungeduld das Leben aufgegeben habend, in die Heeresmasse eindringend, [Droṇa] gleich einem gähnenden Tiger, gleich dem Tod mit aufgesperrtem Rachen -
drauṇikarṇakṛpās tāta te hy akurvan kim āhave bhāradvājaṃ jighāsantau savyasācivṛkodarau
Was taten Droṇas Sohn, Karṇa und Kṛpa, mein Lieber, in der Schlacht - während die beiden, Savyasācin und Vṛkodara, den Sohn Bharadvājas zu töten trachteten?
Wort für Wort
drauṇikarṇakṛpāḥ
Droṇas Sohn, Karṇa und Kṛpa (Nom. Pl.)
tāta
mein Lieber (Vok. Sg.)
te
sie (Nom. Pl.)
hi
denn (Partikel)
akurvan
taten (3. Pl. Impf.)
kim
was (Akk. Sg.)
āhave
in der Schlacht (Lok. Sg.)
bhāradvājam
den Sohn Bharadvājas (Akk. Sg.)
jighāsantau
die beiden zu töten trachtenden (Nom. Dual Part. Des.)
Als sie sahen, dass der Sohn der Hiḍimbā erschlagen war, wie ein zerschmetterter Berg, waren alle Pāṇḍavas bedrückten Sinnes, ihre Augen von Tränen umflort.
vāsudevas tu harṣeṇa mahatābhipariplutaḥ nanāda siṃhavan nādaṃ vyathayann iva bhārata vinadya ca mahānādaṃ paryaṣvajata phalgunam
Vāsudeva aber, von gewaltiger Freude überströmt, stieß, als wollte er sie erschrecken, o Bhārata, einen Löwenschrei aus, und, einen gewaltigen Schrei ausstoßend, umarmte er Phalguna.
- als der glanzvolle Vāsudeva erkannte, dass Ghaṭotkaca erschlagen war -
Wort für Wort
hatam
erschlagen (Akk. Sg.)
ghaṭotkacam
Ghaṭotkaca (Akk. Sg.)
jñātvā
erkannt habend (Ger.)
vāsudevaḥ
Vāsudeva (Nom. Sg.)
pratāpavān
glanzvoll (Nom. Sg.)
[Anm.: Der Halbvers 002d*1243_01 ist ein im Apparat überliefertes Pāda, das anstelle des im Haupttext übersprungenen vierten Verses den Grund für Vāsudevas Freudenausbruch ausdrücklich benennt; hier vollständig mitübersetzt.]
Dann, sich wieder im Kreise drehend und Pārtha wiederholt umarmend, stieß der Unfehlbare, auf dem Wagensitz stehend, abermals einen Schrei gegenüber Bhīma aus.
Als Dhanañjaya jene Freude Keśavas erkannte, sprach auch Arjuna, o König:
Wort für Wort
praharṣam
Freude (Akk. Sg.)
tasya
jene (Gen. Sg.)
tam
die (Akk. Sg.)
jñātvā
erkannt habend (Ger.)
keśavasya
Keśavas (Gen. Sg.)
dhanaṃjayaḥ
Dhanañjaya (Nom. Sg.)
arjunaḥ
Arjuna (Nom. Sg.)
api
auch (Partikel)
abravīt
sprach (3. Sg. Impf.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
[Anm.: Die Verse 005c*1244_01/_02 sind ein im Apparat überliefertes Zusatzpaar, das Vers 5 in leicht abgewandelter Formulierung wiederholt; hier vollständig mitübersetzt.]
atiharṣo 'yam asthāne tavādya madhusūdana śokasthāne pare prāpte haiḍimbasya vadhena vai
„Diese übergroße Freude von dir ist heute fehl am Platz, Madhusūdana, wo doch durch die Tötung des Sohnes der Hiḍimbā höchster Anlass zur Trauer eingetreten ist.
vyasanasya sati sthāne na prahṛṣyanti mānavāḥ harṣasya saty api sthāne nolbaṇaṃ yānti paṇḍitāḥ
Wo Grund zum Unglück besteht, freuen sich die Menschen nicht; und selbst wo Grund zur Freude besteht, gehen die Weisen nicht ins Übermaß.
Wort für Wort
vyasanasya
des Unglücks (Gen. Sg.)
sati
bestehend (Lok. Sg. Part.)
sthāne
Grund (Lok. Sg.)
na prahṛṣyanti
freuen sich nicht (3. Pl. Präs.)
mānavāḥ
die Menschen (Nom. Pl.)
harṣasya
der Freude (Gen. Sg.)
sati
bestehend (Lok. Sg. Part.)
api
selbst (Partikel)
sthāne
Grund (Lok. Sg.)
na ulbaṇam
nicht ins Übermaß (Akk. Sg.)
yānti
gehen (3. Pl. Präs.)
paṇḍitāḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
[Anm.: Die Verse 009b*1245_01/_02 sind ein im Apparat überliefertes, zwischen die beiden Halbverse von Vers 9 eingefügtes Zusatzpaar, das eine allgemeine Lebensweisheit über das rechte Maß von Trauer und Freude formuliert; hier vollständig mitübersetzt.]
„Höre von mir, Dhanañjaya, den Grund dieser übergroßen Freude, die ich empfangen habe - etwas, das meinem Herzen soeben höchste, überaus große Genugtuung verschafft hat.
Wisse, o Glanzvoller, dass Karṇa, indem er diese Śakti an Ghaṭotkaca vergeudet hat, damit diesen Augenblick schon so gut wie erschlagen ist in der Schlacht, Dhanañjaya!
diṣṭyāpanītakavaco diṣṭyāpahṛtakuṇḍalaḥ diṣṭyā ca vyaṃsitā śaktir amoghāsya ghaṭotkace
Zum Glück ist ihm die Rüstung genommen, zum Glück sind ihm die Ohrringe geraubt, und zum Glück ist diese seine unfehlbare Śakti an Ghaṭotkaca vergeudet worden!
gāṇḍīvam āyamya bhavāṃś cakraṃ vāhaṃ sudarśanam na śaktau svo raṇe jetuṃ tathāyuktaṃ nararṣabham
Nicht einmal du, das Gāṇḍīva spannend, noch ich, den Diskus Sudarśana [führend], wären imstande, jenen so gerüsteten Stier unter den Männern in der Schlacht zu besiegen.
utkṛtya kavacaṃ yasmāt kuṇḍale vimale ca te prādāc chakrāya karṇo vai tena vaikartanaḥ smṛtaḥ
Weil Karṇa die Rüstung abschnitt und seine beiden makellosen Ohrringe Śakra gab, wird er deshalb Vaikartana genannt.
Wort für Wort
utkṛtya
abgeschnitten habend (Ger.)
kavacam
Rüstung (Akk. Sg.)
yasmāt
weil (Adv.)
kuṇḍale
die beiden Ohrringe (Akk. Dual)
vimale
makellos (Akk. Dual)
ca
und (Partikel)
te
seine (Nom. Pl.)
prādāt
gab (3. Sg. Aor.)
śakrāya
Śakra (Dat. Sg.)
karṇaḥ
Karṇa (Nom. Sg.)
vai
fürwahr (Partikel)
tena
deshalb (Instr. Sg.)
vaikartanaḥ
Vaikartana (Nom. Sg.)
smṛtaḥ
genannt (Nom. Sg.)
[Anm.: Dieser Vers bietet eine volksetymologische Herleitung des Beinamens Vaikartana von der Wurzel vi-kṛt (abschneiden), bezogen auf Karṇas Selbstverstümmelung beim Tausch von Rüstung und Ohrringen. Sie steht neben der andernorts (u.a. im Glossareintrag zu Karṇa) belegten, geläufigeren Deutung als Sohn des Vikartana (der Sonne).]
Wie eine zornentbrannte Giftschlange, gelähmt durch die Kraft eines Zauberspruchs - so erscheint mir Karṇa heute, wie ein Feuer, dessen Flamme erloschen ist.
- die er im Tausch gegen die beiden Ohrringe und die göttliche Rüstung erhalten hatte -, seit er sie besaß, glaubte der bullengleiche Karṇa stets, du seist [schon] in der Schlacht erschlagen.
brahmaṇyaḥ satyavādī ca tapasvī niyatavrataḥ ripuṣv api dayāvāṃś ca tasmāt karṇo vṛṣā smṛtaḥ
Den Brahmanen zugetan, wahrhaftig redend, der Askese ergeben, von festen Gelübden, und mitleidig selbst gegenüber Feinden - deshalb wird Karṇa vṛṣā, der Bullengleiche, genannt.
Kampfesstolz, großarmig, den Bogen stets erhoben, macht er, wie ein Löwe im Wald brünstige Elefantenführer zermalmend, die tigergleichen Wagenkämpfer an der Spitze des Kampfes stolz-entblößt.
madhyaṃgata ivādityo yo na śakyo nirīkṣitum tvadīyaiḥ puruṣavyāghra yodhamukhyair mahātmabhiḥ śarajālasahasrāṃśuḥ śaradīva divākaraḥ
Wie die Sonne im Zenit, die von deinen großherzigen Hauptkriegern, o Tiger unter den Männern, nicht angeschaut werden kann - mit seinem Netz von Pfeilen wie mit tausend Strahlen, wie die Herbstsonne.
Wort für Wort
madhyaṃgataḥ
im Zenit stehend (Nom. Sg.)
iva
wie (Partikel)
ādityaḥ
Sonne (Nom. Sg.)
yaḥ
die (Nom. Sg.)
na śakyaḥ
nicht möglich (Nom. Sg.)
nirīkṣitum
anzuschauen (Inf.)
tvadīyaiḥ
deinen (Instr. Pl.)
puruṣavyāghra
o Tiger unter den Männern (Vok. Sg.)
yodhamukhyaiḥ
Hauptkriegern (Instr. Pl.)
mahātmabhiḥ
großherzigen (Instr. Pl.)
śarajālasahasrāṃśuḥ
mit einem Netz von tausend Pfeil-Strahlen (Nom. Sg.)
tridaśair api cāsyadbhiḥ śaravarṣaṃ samantataḥ aśakyas tad ayaṃ jetuṃ sravadbhir māṃsaśoṇitam kavacena vihīnaś ca kuṇḍalābhyāṃ ca pāṇḍava
Selbst von den dreißig Göttern, die von allen Seiten einen Pfeilregen entsenden, ist er nicht zu bezwingen - obwohl ihm Fleisch und Blut entströmen und er der Rüstung und der beiden Ohrringe beraubt ist, o Pāṇḍava.
Wort für Wort
tridaśaiḥ
von den dreißig Göttern (Instr. Pl.)
api
selbst (Partikel)
ca
und (Partikel)
asyadbhiḥ
entsendenden (Instr. Pl. Part.)
śaravarṣam
Pfeilregen (Akk. Sg.)
samantataḥ
von allen Seiten (Adv.)
aśakyaḥ
nicht zu bezwingen (Nom. Sg.)
tat
das (Adv.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
jetum
zu bezwingen (Inf.)
sravadbhiḥ
entströmend (Instr. Pl. Part.)
māṃsaśoṇitam
Fleisch und Blut (Akk. Sg.)
kavacena
der Rüstung (Instr. Sg.)
vihīnaḥ
beraubt (Nom. Sg.)
ca
und (Partikel)
kuṇḍalābhyām
der beiden Ohrringe (Instr. Dual)
ca
und (Partikel)
pāṇḍava
o Pāṇḍava (Vok. Sg.)
[Anm.: Die Halbverse 027d*1246_01 und 027d*1247_01/_02 sind im Apparat überlieferte, grammatisch zusammenhängende Zusatzverse, die Vers 27 um die Aussage erweitern, dass Karṇa selbst von den Göttern nicht zu besiegen wäre, obwohl er ohne Rüstung und Ohrringe kämpft; hier vollständig mitübersetzt.]
- mit dem er, Pfeilschauer regnend, sogar die Sonne verdecken könnte -
Wort für Wort
tena
mit dem (Instr. Sg.)
ādityam
die Sonne (Akk. Sg.)
nirudhyet
könnte verdecken (3. Sg. Opt.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
śaravarṣaiḥ
mit Pfeilschauern (Instr. Pl.)
ca
und (Partikel)
vṛṣṭimān
regnend (Nom. Sg.)
[Anm.: Der Halbvers 027d*1248_01 ist ein weiterer im Apparat überlieferter Zusatzvers, der Karṇas Pfeilkunst preist, mit der er sogar die Sonne mit einem Pfeilregen verdecken könnte; hier vollständig mitübersetzt.]
- vordem, mit Askesekraft ausgestattet, war er von göttlicher Gestalt und gewaltiger Macht -
Wort für Wort
tapoyuktaḥ
mit Askesekraft ausgestattet (Nom. Sg.)
abhavat
war (3. Sg. Impf.)
pūrvam
vordem (Adv.)
divyarūpaḥ
von göttlicher Gestalt (Nom. Sg.)
pratāpavān
gewaltiger Macht (Nom. Sg.)
[Anm.: Der Halbvers 027d*1249_01 ist ein weiterer im Apparat überlieferter Zusatzvers, der auf Karṇas einstige, mit angeborener Rüstung und Ohrringen verbundene göttliche Erscheinung anspielt; hier vollständig mitübersetzt.]
eko hi yogo 'sya bhaved vadhāya chidre hy enaṃ svapramattaḥ pramattaṃ kṛcchraprāptaṃ rathacakre nimagne hanyāḥ pūrvaṃ tvaṃ tu saṃjñāṃ vicārya
Denn es gibt nur eine einzige Gelegenheit zu seiner Tötung: In einem Augenblick der Schwäche, selbst wachsam, während er unachtsam ist, wenn er in Not gerät, sein Wagenrad im Boden versunken - dann sollst du zuerst zuschlagen, den rechten Moment erkennend.
na hy udyatāstraṃ yudhi hanyād ajayyam apy ekavīro balabhit savajraḥ
- denn nicht einmal ein einzelner Held, und wäre es Balabhid selbst mit seinem Donnerkeil, könnte im Kampf einen mit erhobener Waffe unbesiegbaren Krieger erschlagen -
Wort für Wort
na hi
denn nicht (Partikel)
udyatāstram
mit erhobener Waffe (Akk. Sg.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
hanyāt
könnte erschlagen (3. Sg. Opt.)
ajayyam
unbesiegbaren (Akk. Sg.)
api
selbst (Partikel)
ekavīraḥ
ein einzelner Held (Nom. Sg.)
balabhit
Balabhid [Indra] (Nom. Sg.)
savajraḥ
mit dem Donnerkeil (Nom. Sg.)
[Anm.: Die Verse 028d*1250_01/_02 sind im Apparat überlieferte Zusatzverse, die den vorangehenden Vers begründen: solange Karṇa kampfbereit ist, sei er selbst für Indra unbesiegbar; erst im Moment seiner Unachtsamkeit sei er verwundbar. Der Vers enthält die berühmte Vorausdeutung auf Karṇas spätere Tötung durch Arjuna, als dessen Wagenrad im Boden versinkt.]
jarāsaṃdhaś cedirājo mahātmā mahābalaś caikalavyo niṣādaḥ ekaikaśo nihatāḥ sarva eva yogais tais tais tvaddhitārthaṃ mayaiva
Jarāsaṃdha, der großherzige König von Cedi, und der gewaltige Ekalavya, der Niṣāda - sie alle wurden, einer nach dem anderen, durch eben solche Kunstgriffe von mir selbst erschlagen, zu deinem Nutzen.
Und außerdem wurden andere Herren der Rākṣasas erschlagen, allen voran Hiḍimba, Kirmīra und Baka; Alāyudha, der Zermalmer des feindlichen Heeres; und Ghaṭotkaca, der Furchtbares-Vollbringende, der Schnellkräftige.“