Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Droṇaparva

Kapitel 33: Pāṇḍavaguṇavarṇana Der zehnte Tag: Lobpreis der Pāṇḍava-Tugenden und die Cakra-Vyūha-Formation

Saṃjaya eröffnet seinen ausführlichen Bericht mit einem Lobpreis der fünf Pāṇḍavas und Kṛṣṇas, deren gesammelte Tugenden sich, wie er sagt, im jungen Abhimanyu vereinigt fanden. Dhṛtarāṣṭra bittet, vom Tod seines geliebten, unbesiegten Enkels im Detail zu erfahren — ein kurzer Apparateinschub lässt hier ungewöhnlich den äußeren Rahmenerzähler Vaiśaṃpāyana selbst zu Wort kommen. Saṃjaya bittet Dhṛtarāṣṭra um Fassung und beschreibt dann die von Droṇa errichtete Cakra-Vyūha-Formation, deren Aufbau mit dem Bild eines Lotos verglichen wird: Duryodhana im Zentrum wie die Blütenmitte, die jungen Prinzen als Staubfäden ringsum. Es folgt die Aufstellung der Verteidiger — dein Enkel Lakṣmaṇa an der Spitze zehntausend Bogenschützen, Duryodhana von Karṇa, Duḥśāsana und Kṛpa umgeben, Droṇa als Anführer der Vorhut, Jayadratha (der Sindhu-König) wie der unbewegliche Berg Meru, dreißig deiner Söhne unter Aśvatthāmans Führung an seiner Seite, und schließlich Śakuni, Śalya und Bhūriśravas — bevor der tumultartige, todbringende Kampf entbrennt.

samare 'tyugrakarmāṇaḥ karmabhir vyañjitaśramāḥ sakṛṣṇāḥ pāṇḍavāḥ pañca devair api durāsadāḥ

Im Kampf überaus grimmige Taten vollbringend, deren Erschöpfung sich durch [eben diese] Taten verriet — die fünf Pāṇḍavas samt Kṛṣṇa waren sogar für die Götter unangreifbar.

Wort für Wort
samare 'tyugrakarmāṇaḥ
im Kampf, von überaus grimmigen Taten (Lok.Sg. + Nom.Pl.Kompositum)
karmabhir vyañjitaśramāḥ
durch Taten, deren Erschöpfung sich verriet (Instr.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
sakṛṣṇāḥ pāṇḍavāḥ pañca
die fünf Pāṇḍavas samt Kṛṣṇa (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl. + Zahlwort)
devair api durāsadāḥ
sogar für die Götter unangreifbar (Instr.Pl. + Partikel + Nom.Pl.)

[Anm.: V.1 bildet eine Einheit und eröffnet Saṃjayas Lobpreis der Pāṇḍavas und Kṛṣṇas.]

sattvakarmānvayair buddhyā prakṛtyā yaśasā śriyā naiva bhūto na bhavitā kṛṣṇatulyaguṇaḥ pumān

An Charakter, Taten, Abstammung, Klugheit, Wesensart, Ruhm und Glanz — nie gab es, und nie wird es geben, einen Mann von Kṛṣṇa gleichenden Tugenden.

Wort für Wort
sattvakarmānvayair buddhyā
an Charakter, Taten, Abstammung, an Klugheit (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Sg.)
prakṛtyā yaśasā śriyā
an Wesensart, an Ruhm, an Glanz (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
naiva bhūto na bhavitā
nie gab es, nie wird sein (Neg. + Nom.Sg. + Neg. + 3.Sg.Fut.periphr.)
kṛṣṇatulyaguṇaḥ pumān
ein Mann von Kṛṣṇa gleichenden Tugenden (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)

[Anm.: V.2 bildet eine Einheit.]

satyadharmaparo dātā viprapūjādibhir guṇaiḥ sadaiva tridivaṃ prāpto rājā kila yudhiṣṭhiraḥ

Der Wahrheit und dem Dharma zugetan, ein Geber, durch Tugenden wie die Ehrung der Brahmanen und andere — König Yudhiṣṭhira hat, wahrlich, allzeit schon den Himmel erlangt.

Wort für Wort
satyadharmaparo dātā
der Wahrheit und dem Dharma zugetan, ein Geber (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
viprapūjādibhir guṇaiḥ
durch Tugenden wie Brahmanenehrung und andere (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.)
sadaiva tridivaṃ prāpto
allzeit schon den Himmel erlangt (Adv. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
rājā kila yudhiṣṭhiraḥ
König Yudhiṣṭhira, wahrlich (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)

[Anm.: V.3 bildet eine Einheit. Gemeint ist, dass Yudhiṣṭhira durch seine Tugenden schon zu Lebzeiten des Himmels würdig ist.]

yugānte cāntako rājañ jāmadagnyaś ca vīryavān raṇastho bhīmasenaś ca kathyante sadṛśās trayaḥ

Antaka [der Tod] am Ende eines Weltzeitalters, o König, und der tapfere Sohn Jamadagnis [Paraśurāma], und Bhīmasena, im Kampf stehend — diese drei, so sagt man, sind einander gleich.

Wort für Wort
yugānte cāntako rājañ
am Weltzeitalterende, und Antaka [der Tod], o König (Lok.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
jāmadagnyaś ca vīryavān
und der tapfere Sohn Jamadagnis [Paraśurāma] (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
raṇastho bhīmasenaś ca
und Bhīmasena, im Kampf stehend (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
kathyante sadṛśās trayaḥ
diese drei werden gleich genannt (3.Pl.Präs.Pass. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.4 bildet eine Einheit und vergleicht Bhīmasena in seiner Zerstörungskraft mit dem Tod am Weltzeitalterende und mit Paraśurāma.]

pratijñākarmadakṣasya raṇe gāṇḍīvadhanvanaḥ upamāṃ nādhigacchāmi pārthasya sadṛśīṃ kṣitau

Für den Gāṇḍīva-Bogenträger [Arjuna], der geschickt darin ist, seine Gelübde im Kampf zu erfüllen, finde ich keinen entsprechenden Vergleich für Pārtha auf Erden.

Wort für Wort
pratijñākarmadakṣasya
der geschickt ist, seine Gelübde zu erfüllen (Gen.Sg.Kompositum)
raṇe gāṇḍīvadhanvanaḥ
im Kampf, des Gāṇḍīva-Bogenträgers [Arjuna] (Lok.Sg. + Gen.Sg.)
upamāṃ nādhigacchāmi
ich finde keinen Vergleich (Akk.Sg. + Neg. + 1.Sg.Präs.)
pārthasya sadṛśīṃ kṣitau
für Pārtha, einen entsprechenden, auf Erden (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.5 bildet eine Einheit.]

guruvātsalyam atyantaṃ naibhṛtyaṃ vinayo damaḥ nakule 'prātirūpyaṃ ca śauryaṃ ca niyatāni ṣaṭ

Äußerste Zuneigung zu den Älteren, Besonnenheit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, unvergleichliche Schönheit und Tapferkeit — diese sechs sind fest in Nakula verankert.

Wort für Wort
guruvātsalyam atyantaṃ
äußerste Zuneigung zu den Älteren (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
naibhṛtyaṃ vinayo damaḥ
Besonnenheit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
nakule 'prātirūpyaṃ ca
in Nakula, unvergleichliche Schönheit und (Lok.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
śauryaṃ ca niyatāni ṣaṭ
und Tapferkeit — diese sechs sind fest verankert (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Pl. + Zahlwort)

[Anm.: V.6 bildet eine Einheit.]

śrutagāmbhīryamādhuryasattvavīryaparākramaiḥ sadṛśo devayor vīraḥ sahadevaḥ kilāśvinoḥ

An Gelehrsamkeit, Tiefe, Sanftmut, Charakter, Kraft und Kühnheit ist der Held Sahadeva, wahrlich, den beiden Göttern, den Aśvins [seinen göttlichen Vätern], gleich.

Wort für Wort
śrutagāmbhīryamādhuryasattvavīryaparākramaiḥ
an Gelehrsamkeit, Tiefe, Sanftmut, Charakter, Kraft, Kühnheit (Instr.Pl.Kompositum)
sadṛśo devayor vīraḥ
gleich den beiden Göttern, der Held (Nom.Sg. + Gen.Du. + Nom.Sg.)
sahadevaḥ kilāśvinoḥ
Sahadeva, wahrlich, den Aśvins (Nom.Sg. + Partikel + Gen.Du.)

[Anm.: V.7 bildet eine Einheit.]

ye ca kṛṣṇe guṇāḥ sphītāḥ pāṇḍaveṣu ca ye guṇāḥ abhimanyau kilaikasthā dṛśyante guṇasaṃcayāḥ

Und welche reichen Tugenden in Kṛṣṇa sind, und welche Tugenden in den Pāṇḍavas — in Abhimanyu, wahrlich, sieht man diese angesammelten Tugenden alle an einem Ort vereint.

Wort für Wort
ye ca kṛṣṇe guṇāḥ sphītāḥ
und welche reichen Tugenden in Kṛṣṇa (Nom.Pl. + Konj. + Lok.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
pāṇḍaveṣu ca ye guṇāḥ
und welche Tugenden in den Pāṇḍavas (Lok.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
abhimanyau kilaikasthā
in Abhimanyu, wahrlich, an einem Ort vereint (Lok.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)
dṛśyante guṇasaṃcayāḥ
sieht man die angesammelten Tugenden (3.Pl.Präs.Pass. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.8 bildet eine Einheit und den Höhepunkt von Saṃjayas Lobpreis: Abhimanyu vereinigt die Tugenden Kṛṣṇas und aller fünf Pāṇḍavas in sich.]

yudhiṣṭhirasya dhairyeṇa kṛṣṇasya caritena ca karmabhir bhīmasenasya sadṛśo bhīmakarmaṇaḥ

In Yudhiṣṭhiras Standhaftigkeit, in Kṛṣṇas Wandel, und in den Taten des furchtbare Taten vollbringenden Bhīmasena war er [Abhimanyu] gleich.

Wort für Wort
yudhiṣṭhirasya dhairyeṇa
in Yudhiṣṭhiras Standhaftigkeit (Gen.Sg. + Instr.Sg.)
kṛṣṇasya caritena ca
und in Kṛṣṇas Wandel (Gen.Sg. + Instr.Sg. + Konj.)
karmabhir bhīmasenasya
in den Taten Bhīmasenas (Instr.Pl. + Gen.Sg.)
sadṛśo bhīmakarmaṇaḥ
gleich, des furchtbare Taten Vollbringenden (Nom.Sg. + Gen.Sg.)

[Anm.: V.9 bildet eine Einheit.]

dhanaṃjayasya rūpeṇa vikrameṇa śrutena ca vinayāt sahadevasya sadṛśo nakulasya ca

In Dhanaṃjayas [Arjunas] Schönheit, in Tapferkeit und Gelehrsamkeit, und in Bescheidenheit war er Sahadeva und Nakula gleich.

Wort für Wort
dhanaṃjayasya rūpeṇa
in Dhanaṃjayas [Arjunas] Schönheit (Gen.Sg. + Instr.Sg.)
vikrameṇa śrutena ca
in Tapferkeit und Gelehrsamkeit (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Konj.)
vinayāt sahadevasya
in Bescheidenheit, dem Sahadevas (Abl.Sg. + Gen.Sg.)
sadṛśo nakulasya ca
gleich, und dem Nakulas (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Konj.)

[Anm.: V.10 bildet eine Einheit und beschließt Saṃjayas Lobpreis.]

abhimanyum ahaṃ sūta saubhadram aparājitam śrotum icchāmi kārtsnyena katham āyodhane hataḥ

Ich möchte, o Wagenlenker, vollständig hören, wie Abhimanyu, der unbesiegte Saubhadra, in der Schlacht erschlagen wurde.

Wort für Wort
abhimanyum ahaṃ sūta
Abhimanyu ich, o Wagenlenker (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
saubhadram aparājitam
Saubhadra, den unbesiegten (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
śrotum icchāmi kārtsnyena
ich möchte vollständig hören (Inf. + 1.Sg.Präs. + Instr.Sg.)
katham āyodhane hataḥ
wie er in der Schlacht erschlagen wurde (Adv. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.11 bildet eine Einheit und ist Dhṛtarāṣṭras Bitte. Dhṛtarāṣṭras Rede an Saṃjaya innerhalb der Rahmenerzählung erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung. Ein ungewöhnlicher Apparateinschub (*0251_00-02) lässt hier den äußeren Rahmenerzähler Vaiśaṃpāyana selbst zu Wort kommen — ein seltenes Durchbrechen der Erzählebene: „Vaiśaṃpāyana [sprach]: Als er hörte, dass Abhimanyu erschlagen worden war, befragte Dhṛtarāṣṭra, der Herr der Menschen, o Großkönig, Saṃjaya ausführlich.“ — Diese Zeile bestätigt aus der äußeren Erzählperspektive, dass Dhṛtarāṣṭra bereits von Abhimanyus Tod wusste (vgl. Kap.32), und leitet zur ausführlichen Erzählung über.]

cakravyūho mahārāja ācāryeṇābhikalpitaḥ tatra śakropamāḥ sarve rājāno viniveśitāḥ

Sei gefasst, Großkönig; ertrage diesen kaum zu ertragenden Kummer. Ich werde dir vom großen Verlust deines Angehörigen berichten; höre das. Die Cakra-Vyūha-Formation, Großkönig, wurde vom Lehrmeister [Droṇa] ersonnen; dort wurden alle Könige, Śakra [Indra] gleich, aufgestellt.

Wort für Wort
cakravyūho mahārāja
die Cakra-Vyūha-Formation, Großkönig (Nom.Sg. + Vok.Sg.)
ācāryeṇābhikalpitaḥ
vom Lehrmeister [Droṇa] ersonnen (Instr.Sg. + Nom.Sg.)
tatra śakropamāḥ sarve
dort, Śakra [Indra] gleich, alle (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
rājāno viniveśitāḥ
Könige wurden aufgestellt (Nom.Pl. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.12 bildet eine Einheit. Ein zweizeiliger Apparateinschub (*0252_01-02) vor dem Hauptvers enthält Saṃjayas tröstende Anrede an Dhṛtarāṣṭra, die hier — da sie den unmittelbaren Auftakt zu seinem Bericht bildet und inhaltlich unverzichtbar ist — in die Übersetzung einbezogen wurde, wie schon in Kap.30 V.2 gehandhabt.]

saṃghāto rājaputrāṇāṃ sarveṣām abhavat tadā kṛtābhisamayāḥ sarve suvarṇavikṛtadhvajāḥ

Da entstand eine Versammlung aller Königssöhne, die alle einen Bund geschlossen hatten, mit goldverzierten Bannern.

Wort für Wort
saṃghāto rājaputrāṇāṃ
eine Versammlung der Königssöhne (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
sarveṣām abhavat tadā
aller entstand da (Gen.Pl. + 3.Sg.Impf. + Adv.)
kṛtābhisamayāḥ sarve
die alle einen Bund geschlossen hatten (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
suvarṇavikṛtadhvajāḥ
mit goldverzierten Bannern (Nom.Pl.Kompositum)

[Anm.: V.13 bildet eine Einheit. Ein bildhafter, ausführlicher Apparateinschub zur Cakra-Vyūha als Lotos-Formation (*0253_01, *0254_01-03) — hier vor V.13 verortet, da er unmittelbar an die in V.12 begonnene Beschreibung anschließt — lautet vollständig: „In den kleineren [äußeren] Stellungen waren die jungen Prinzen platziert, von sonnengleichem Glanz — wie die zarten Staubfäden eines Lotos, o Bhārata, so waren die Prinzen der Königsschar, den Staubfäden gleich, hineingelegt; in dessen Blütenmitte, Großkönig, befand sich Duryodhana.“ Dieses Bild — Duryodhana als Blütenmitte, die Prinzen als Staubfäden ringsum — veranschaulicht den konzentrischen Aufbau der Formation.]

raktāmbaradharāḥ sarve sarve raktavibhūṣaṇāḥ sarve raktapatākāś ca sarve vai hemamālinaḥ

Alle in rote Gewänder gekleidet, alle mit rotem Schmuck, alle mit roten Fahnen, und alle fürwahr mit goldenen Girlanden.

Wort für Wort
raktāmbaradharāḥ sarve
alle in rote Gewänder gekleidet (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
sarve raktavibhūṣaṇāḥ
alle mit rotem Schmuck (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
sarve raktapatākāś ca
und alle mit roten Fahnen (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Konj.)
sarve vai hemamālinaḥ
alle fürwahr mit goldenen Girlanden (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl.Kompositum)

[Anm.: V.14 bildet eine Einheit (Pādas a+c). Ein Variantenpāda (*0255_01) bietet: „sie, mit vorzüglichen Wagen und Pferden, alle mit rotem Schmuck“; ein weiterer Apparateinschub (*0256_01-02) ergänzt: „ihre Glieder mit Sandel und Adlerholz gesalbt, bekränzt, in feinen Gewändern, zogen sie vereint, kampfbegierig, dem Kārṣṇi [vermutlich Abhimanyu, als Neffe Kṛṣṇas bezeichnet [?]] entgegen.“]

teṣāṃ daśasahasrāṇi babhūvur dṛḍhadhanvinām pautraṃ tava puraskṛtya lakṣmaṇaṃ priyadarśanam

Von ihnen, den festen Bogenschützen, gab es zehntausend, die deinen Enkel Lakṣmaṇa, von angenehmem Aussehen, an die Spitze gestellt hatten.

Wort für Wort
teṣāṃ daśasahasrāṇi
von ihnen zehntausend (Gen.Pl. + Nom.Pl.)
babhūvur dṛḍhadhanvinām
gab es der festen Bogenschützen (3.Pl.Perf. + Gen.Pl.)
pautraṃ tava puraskṛtya
deinen Enkel an die Spitze gestellt habend (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Ger.)
lakṣmaṇaṃ priyadarśanam
Lakṣmaṇa, von angenehmem Aussehen (Akk.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.15 bildet eine Einheit.]

anyonyasamaduḥkhās te anyonyasamasāhasāḥ anyonyaṃ spardhamānāś ca anyonyasya hite ratāḥ

Sie, einander im Leid gleich, einander in der Kühnheit gleich, miteinander wetteifernd, und doch dem Wohl des jeweils anderen zugetan.

Wort für Wort
anyonyasamaduḥkhās te
sie, einander im Leid gleich (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
anyonyasamasāhasāḥ
einander in der Kühnheit gleich (Nom.Pl.)
anyonyaṃ spardhamānāś ca
und miteinander wetteifernd (Akk.Sg. + Nom.Pl.Ptz. + Konj.)
anyonyasya hite ratāḥ
dem Wohl des jeweils anderen zugetan (Gen.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.16 bildet eine Einheit. Ein Apparateinschub (*0257_01) fügt hinzu: „Duryodhana aber, o Herrscher der Könige, war inmitten des Heeres postiert“ — bestätigt erneut Duryodhanas zentrale Position gemäß dem Lotos-Bild aus V.13.]

karṇaduḥśāsanakṛpair vṛto rājā mahārathaiḥ devarājopamaḥ śrīmāñ śvetacchatrābhisaṃvṛtaḥ cāmaravyajanākṣepair udayann iva bhāskaraḥ

Der König [Duryodhana], umgeben von den Großwagenkämpfern Karṇa, Duḥśāsana und Kṛpa, dem Götterkönig [Indra] gleich, glanzvoll, von einem weißen Sonnenschirm überdeckt, beim Schwingen der Yak-Wedel wie die aufgehende Sonne [erstrahlend].

Wort für Wort
karṇaduḥśāsanakṛpair
von Karṇa, Duḥśāsana, Kṛpa (Instr.Pl.Kompositum)
vṛto rājā mahārathaiḥ
umgeben, der König, von den Großwagenkämpfern (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
devarājopamaḥ śrīmāñ
dem Götterkönig gleich, glanzvoll (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
śvetacchatrābhisaṃvṛtaḥ cāmaravyajanākṣepair udayann iva bhāskaraḥ
von weißem Sonnenschirm überdeckt, beim Schwingen der Yak-Wedel, wie die aufgehende Sonne (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Pl.Kompositum + Nom.Sg.Ptz. + Adv. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.17 bildet eine Einheit (Pādas a, c, e).]

pramukhe tasya sainyasya droṇo 'vasthitanāyake sindhurājas tathātiṣṭhac chrīmān merur ivācalaḥ

An der Spitze jenes Heeres, mit Droṇa als eingesetztem Anführer, stand ebenso der Sindhu-König [Jayadratha], glanzvoll, wie der unbewegliche [Berg] Meru.

Wort für Wort
pramukhe tasya sainyasya
an der Spitze jenes Heeres (Lok.Sg. + Gen.Sg.)
droṇo 'vasthitanāyake
mit Droṇa als eingesetztem Anführer (Nom.Sg. + Lok.Sg.)
sindhurājas tathātiṣṭhac
der Sindhu-König stand ebenso (Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
chrīmān merur ivācalaḥ
glanzvoll, wie der unbewegliche Meru (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.18 bildet eine Einheit.]

sindhurājasya pārśvasthā aśvatthāmapurogamāḥ sutās tava mahārāja triṃśat tridaśasaṃnibhāḥ

An der Seite des Sindhu-Königs standen, angeführt von Aśvatthāman, deine dreißig Söhne, Großkönig, den dreißig [Göttern] gleichend.

Wort für Wort
sindhurājasya pārśvasthā
an der Seite des Sindhu-Königs stehend (Gen.Sg. + Nom.Pl.)
aśvatthāmapurogamāḥ
angeführt von Aśvatthāman (Nom.Pl.Kompositum)
sutās tava mahārāja
deine Söhne, Großkönig (Nom.Pl. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
triṃśat tridaśasaṃnibhāḥ
dreißig, den dreißig [Göttern] gleichend (Zahlwort + Nom.Pl.)

[Anm.: V.19 bildet eine Einheit.]

gāndhārarājaḥ kitavaḥ śalyo bhūriśravās tathā pārśvataḥ sindhurājasya vyarājanta mahārathāḥ

Der König von Gāndhāra [Śakuni], der Falschspieler, Śalya, und ebenso Bhūriśravas — diese Großwagenkämpfer erstrahlten an der Seite des Sindhu-Königs. Dann entbrannte ein tumultartiger, haarsträubender Kampf, deiner und der Feinde, in dem nur der Tod die Umkehr bedeutete.

Wort für Wort
gāndhārarājaḥ kitavaḥ
der König von Gāndhāra, der Falschspieler (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
śalyo bhūriśravās tathā
Śalya, und ebenso Bhūriśravas (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
pārśvataḥ sindhurājasya
an der Seite des Sindhu-Königs (Adv. + Gen.Sg.)
vyarājanta mahārathāḥ
erstrahlten die Großwagenkämpfer (3.Pl.Impf. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.20 bildet eine Einheit (Pādas a+c). Der abschließende Satz übernimmt einen zweizeiligen Apparateinschub (*0258_01-02), der hier, da er den unmittelbaren Übergang zur folgenden Schlachtschilderung bildet, in die Übersetzung einbezogen wurde, wie schon in Kap.30 V.2 und Kap.33 V.12 gehandhabt. 'Kitava' ('Falschspieler') ist ein gängiger, wenig schmeichelhafter Beiname Śakunis, der auf sein Würfelspiel-Geschick anspielt.]

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