Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Droṇaparva

Kapitel 45: Lakṣmaṇavadha Der zehnte Tag: Abhimanyu tötet Lakṣmaṇa, Duryodhanas Sohn

Dhṛtarāṣṭra sinniert über das Karma und die Unausweichlichkeit des Schicksals, bevor Saṃjaya vom Höhepunkt des Tages berichtet: Lakṣmaṇa, Duryodhanas eigener Sohn, stellt sich Abhimanyu zum Zweikampf, nach einem gegenseitigen Wortwechsel spöttischer Herausforderungen. Nach hartem Kampf enthauptet Abhimanyu Lakṣmaṇa und tötet Tausende seiner Gefolgsleute. Der außer sich geratene Duryodhana ruft zur Rache auf; sechs Kaurava-Helden sowie eine Elefanten-Division unter dem Sohn des zuvor gefallenen Krātha versuchen vergeblich, Abhimanyu aufzuhalten — auch Krāthas Sohn fällt.

dhṛtarāṣṭra uvāca yathā vadasi me sūta ekasya bahubhiḥ saha saṃgrāmaṃ tumulaṃ ghoraṃ jayaṃ caiva mahātmanaḥ aśraddheyam ivāścaryaṃ saubhadrasyātha vikramam kiṃ tu nātyadbhutaṃ teṣāṃ yeṣāṃ dharmo vyapāśrayaḥ duryodhane 'tha vimukhe rājaputraśate hate saubhadre pratipattiṃ kāṃ pratyapadyanta māmakāḥ

Dhṛtarāṣṭra sprach: Wie du mir berichtest, o Wagenlenker, von dem tumultartigen, grässlichen Kampf des einen gegen die vielen, und ebenso vom Sieg jenes Hochgesinnten — beinahe unglaublich, wunderbar erscheint mir Saubhadras [Abhimanyus] Kampfkraft; doch nicht allzu erstaunlich ist sie für jene, deren Zuflucht der Dharma ist. Nun, da Duryodhana zurückgewichen und ein Hundert Königssöhne von Saubhadra erschlagen sind — welchen Entschluss fassten die Meinen?

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
yathā vadasi me sūta
wie du mir berichtest, o Wagenlenker (Adv. + 2.Sg.Präs. + Dat.Sg. + Vok.Sg.)
ekasya bahubhiḥ saha
des einen mit den vielen (Gen.Sg. + Instr.Pl. + Postp.)
saṃgrāmaṃ tumulaṃ ghoraṃ
den tumultartigen, grässlichen Kampf (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
jayaṃ caiva mahātmanaḥ
und ebenso den Sieg des Hochgesinnten (Akk.Sg. + Konj. + Gen.Sg.)
aśraddheyam ivāścaryaṃ
beinahe unglaublich, wunderbar (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
saubhadrasyātha vikramam
die Kampfkraft Saubhadras (Gen.Sg. + Adv. + Akk.Sg.)
kiṃ tu nātyadbhutaṃ teṣāṃ
doch nicht allzu erstaunlich für jene (Partikel + Konj. + Neg. + Nom.Sg. + Gen.Pl.)
yeṣāṃ dharmo vyapāśrayaḥ
deren Zuflucht der Dharma ist (Gen.Pl. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
duryodhane 'tha vimukhe
da Duryodhana zurückgewichen (Lok.Sg. + Adv. + Lok.Sg.)
rājaputraśate hate
und ein Hundert Königssöhne erschlagen (Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg.Ptz.)
saubhadre pratipattiṃ kāṃ
welchen Entschluss über Saubhadra (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
pratyapadyanta māmakāḥ
fassten die Meinen (3.Pl.Impf. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.1-3 bilden eine Einheit. Dhṛtarāṣṭras Rede an Saṃjaya innerhalb der Rahmenerzählung erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung.]

mūlaṃ hi sarvadharmāṇāṃ daivataṃ svargavāsinām sa kṛṣṇo daivataṃ yeṣāṃ kiṃ teṣāṃ duḥkhasaṃbhavaḥ karmaṇāṃ pratipanne 'rthe kālena pariṇāmite kā cintā mahatī bhūpa cintayā bādhyate jaḍaḥ kriyopakramitaḥ pūrvaṃ pariṇāmadṛśaḥ sukham tyāgaṃ vinā mahārāja samādhānaṃ na vidyate bhavāṃs tadrahito rājañ śṛṇuṣvācarite phalam

Denn die Wurzel aller Dharmas ist die Gottheit der Himmelsbewohner; für jene, deren Gottheit jener Kṛṣṇa ist — welches Leid könnte ihnen entstehen? Wenn das Ergebnis der Taten, durch die Zeit zur Reife gebracht, entschieden ist, welch große Sorge [bleibt da noch], o Herrscher? Nur ein Tor wird von Sorge geplagt. Wer eine Handlung begonnen hat und ihr Ergebnis von vornherein voraussieht, dem ist wohl; ohne Entsagung, o Großkönig, gibt es keine [wahre] Gelassenheit. Du, dessen ermangelnd, o König — höre nun die Frucht dessen, was geschehen ist.

Wort für Wort
mūlaṃ hi sarvadharmāṇāṃ
denn die Wurzel aller Dharmas (Nom.Sg. + Partikel + Gen.Pl.Kompositum)
daivataṃ svargavāsinām
ist die Gottheit der Himmelsbewohner (Nom.Sg. + Gen.Pl.Kompositum)
sa kṛṣṇo daivataṃ yeṣāṃ
jener Kṛṣṇa, deren Gottheit (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Pl.)
kiṃ teṣāṃ duḥkhasaṃbhavaḥ
welches Leid könnte ihnen entstehen (Interr. + Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompositum)
karmaṇāṃ pratipanne 'rthe
wenn das Ergebnis der Taten entschieden ist (Gen.Pl. + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
kālena pariṇāmite
durch die Zeit zur Reife gebracht (Instr.Sg. + Lok.Sg.Ptz.)
kā cintā mahatī bhūpa
welch große Sorge, o Herrscher (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
cintayā bādhyate jaḍaḥ
von Sorge geplagt wird nur ein Tor (Instr.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass. + Nom.Sg.)
kriyopakramitaḥ pūrvaṃ
der eine Handlung begonnen hat, von vornherein (Nom.Sg.Ptz. + Adv.)
pariṇāmadṛśaḥ sukham
wer das Ergebnis voraussieht, dem ist wohl (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
tyāgaṃ vinā mahārāja
ohne Entsagung, o Großkönig (Akk.Sg. + Präp. + Vok.Sg.Kompositum)
samādhānaṃ na vidyate
gibt es keine Gelassenheit (Nom.Sg. + Neg. + 3.Sg.Präs.Pass.)
bhavāṃs tadrahito rājañ
du, dessen ermangelnd, o König (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Vok.Sg.)
śṛṇuṣvācarite phalam
höre die Frucht dessen, was geschehen ist (Imp.2.Sg.Med. + Lok.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)

[Anm.: Diese Einheit (Einschub *0308_01-07) setzt Dhṛtarāṣṭras Rede fort — eine auffällig philosophische, dem karma-Gedanken und der inneren Gelassenheit (tyāga, samādhāna) gewidmete Reflexion, die angesichts von Dhṛtarāṣṭras später gezeigter mangelnder Gelassenheit ironisch anmutet [?].]

saṃjaya uvāca tāvakās tava putrāś ca vīkṣamāṇāḥ parasparam saṃśuṣkāsyāś calannetrāḥ prasvinnā lomaharṣiṇaḥ palāyanakṛtotsāhā nirutsāhā dviṣajjaye gotranāmabhir anyonyaṃ krandanto jīvitaiṣiṇaḥ

Saṃjaya sprach: Deine [Krieger] und deine Söhne, einander anblickend, mit ausgetrockneten Mündern, unsteten Augen, schweißbedeckt, das Haar sich sträubend, zur Flucht bereit, doch ohne Zuversicht auf den Sieg des Feindes, einander bei Sippen- und Eigennamen rufend, ihr Leben zu retten begehrend,

Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
tāvakās tava putrāś ca
deine [Krieger] und deine Söhne (Nom.Pl. + Gen.Sg. + Nom.Pl. + Konj.)
vīkṣamāṇāḥ parasparam
einander anblickend (Nom.Pl.Ptz. + Adv.)
saṃśuṣkāsyāś calannetrāḥ
mit ausgetrockneten Mündern, unsteten Augen (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.Kompositum)
prasvinnā lomaharṣiṇaḥ
schweißbedeckt, das Haar sich sträubend (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
palāyanakṛtotsāhā
zur Flucht bereit (Nom.Pl.Kompositum)
nirutsāhā dviṣajjaye
ohne Zuversicht auf den Sieg des Feindes (Nom.Pl.Kompositum + Lok.Sg.Kompositum)
gotranāmabhir anyonyaṃ
einander bei Sippen- und Eigennamen (Instr.Pl.Kompositum + Adv.)
krandanto jīvitaiṣiṇaḥ
rufend, ihr Leben zu retten begehrend (Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.Kompositum)

[Anm.: V.4 (mit Einschub *0309_01) bildet eine Einheit und leitet syntaktisch zu V.5 über.]

hatān bhrātṝn pitṝn putrān suhṛtsaṃbandhibāndhavān utsṛjyotsṛjya samiyus tvarayanto hayadvipān

immer wieder ihre erschlagenen Brüder, Väter, Söhne, Freunde, Verschwägerte und Verwandten zurücklassend, kamen sie zusammen, Rosse und Elefanten antreibend.

Wort für Wort
hatān bhrātṝn pitṝn putrān
die erschlagenen Brüder, Väter, Söhne (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
suhṛtsaṃbandhibāndhavān
Freunde, Verschwägerte und Verwandten (Akk.Pl.Kompositum)
utsṛjyotsṛjya samiyus
immer wieder zurücklassend, kamen sie zusammen (Ger.Wdh. + 3.Pl.Perf.)
tvarayanto hayadvipān
Rosse und Elefanten antreibend (Nom.Pl.Ptz. + Akk.Pl.Kompositum)

[Anm.: V.5 bildet eine Einheit und schließt den in V.4 begonnenen Satz ab.]

tān prabhagnāṃs tathā dṛṣṭvā droṇo drauṇir bṛhadbalaḥ kṛpo duryodhanaḥ karṇaḥ kṛtavarmātha saubalaḥ tathā sarve samabhyetya saubhadraṃ drutam arpayan tathā vinihatāṃ dṛṣṭvā tava senām anāthavat

Als sie diese so gebrochen sahen, griffen Droṇa, Droṇas Sohn [Aśvatthāman], Bṛhadbala, Kṛpa, Duryodhana, Karṇa, Kṛtavarman und der Sohn Subalas [Śakuni] — sie alle, zusammenkommend, rasch Saubhadra [Abhimanyu] an, da sie dein Heer so wie verwaist niedergeschlagen sahen.

Wort für Wort
tān prabhagnāṃs tathā dṛṣṭvā
sie so gebrochen gesehen habend (Akk.Pl. + Akk.Pl.Ptz. + Adv. + Ger.)
droṇo drauṇir bṛhadbalaḥ
Droṇa, Droṇas Sohn, Bṛhadbala (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
kṛpo duryodhanaḥ karṇaḥ
Kṛpa, Duryodhana, Karṇa (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
kṛtavarmātha saubalaḥ
Kṛtavarman und der Sohn Subalas (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)
tathā sarve samabhyetya
sie alle so zusammengekommen (Adv. + Nom.Pl. + Ger.)
saubhadraṃ drutam arpayan
griffen Saubhadra rasch an (Akk.Sg. + Adv. + 3.Pl.Impf.)
tathā vinihatāṃ dṛṣṭvā
so niedergeschlagen gesehen habend (Adv. + Akk.Sg.Ptz. + Ger.)
tava senām anāthavat
dein Heer wie verwaist (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Adv.)

[Anm.: V.6 (mit Einschub *0311_01-02) bildet eine Einheit. „Drauṇiḥ“ ist Aśvatthāmans übliches Patronymikon, „Saubalaḥ“ Śakunis.]

abhidrutāḥ susaṃkruddhāḥ saubhadram aparājitam te 'pi pautreṇa te rājan prāyaśo vimukhīkṛtāḥ saubhadreṇa mahārāja śakrapratimatejasā

Doch obwohl sie, überaus erzürnt, gegen den unbesiegten Saubhadra anstürmten, wurden auch sie, o König, größtenteils von deinem Enkel zurückgeschlagen — von Saubhadra, o Großkönig, dessen Glanz dem Śakra [Indra] gleicht.

Wort für Wort
abhidrutāḥ susaṃkruddhāḥ
angestürmt, überaus erzürnt (Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.)
saubhadram aparājitam
gegen den unbesiegten Saubhadra (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
te 'pi pautreṇa te rājan
auch sie von deinem Enkel, o König (Nom.Pl. + Partikel + Instr.Sg. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
prāyaśo vimukhīkṛtāḥ
größtenteils zurückgeschlagen (Adv. + Nom.Pl.Ptz.)
saubhadreṇa mahārāja
von Saubhadra, o Großkönig (Instr.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
śakrapratimatejasā
dessen Glanz dem Śakra gleicht (Instr.Sg.Kompositum)

[Anm.: V.7 (mit Einschub *0312_01) bildet eine Einheit. „Dein Enkel“ (pautra) bezeichnet hier Abhimanyu — eine im Epos gebräuchliche, weiter gefasste Verwandtschaftsbezeichnung für die jüngere Bhārata-Generation insgesamt, nicht im engeren Sinn Dhṛtarāṣṭras leiblichen Enkel.]

ekas tu sukhasaṃvṛddho bālyād darpāc ca nirbhayaḥ iṣvastravin mahātejā lakṣmaṇo ''rjunim abhyayāt tam anvag evāsya pitā putragṛddhī nyavartata anu duryodhanaṃ cānye nyavartanta mahārathāḥ

Doch einer — in Behagen aufgewachsen, aus Jugend und Stolz furchtlos, in Waffenkunde bewandert, überaus glanzvoll — Lakṣmaṇa, näherte sich dem Sohn Arjunas [Abhimanyu]. Ihm folgte sogleich sein Vater, um seinen Sohn besorgt; und hinter Duryodhana wandten sich auch die übrigen großen Wagenkämpfer [zurück, um ihm beizustehen].

Wort für Wort
ekas tu sukhasaṃvṛddho
doch einer, in Behagen aufgewachsen (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Kompositum)
bālyād darpāc ca nirbhayaḥ
aus Jugend und Stolz furchtlos (Abl.Sg. + Abl.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
iṣvastravin mahātejā
in Waffenkunde bewandert, überaus glanzvoll (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
lakṣmaṇo 'rjunim abhyayāt
Lakṣmaṇa näherte sich dem Sohn Arjunas (Nom.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
tam anvag evāsya pitā
ihm sogleich sein Vater (Akk.Sg. + Adv. + Partikel + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
putragṛddhī nyavartata
um seinen Sohn besorgt, wandte sich [ihm zu] (Nom.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf.)
anu duryodhanaṃ cānye
hinter Duryodhana auch die anderen (Postp. + Akk.Sg. + Konj. + Nom.Pl.)
nyavartanta mahārathāḥ
wandten sich die großen Wagenkämpfer (3.Pl.Impf. + Nom.Pl.Kompositum)

[Anm.: V.8-9 bilden eine Einheit. Lakṣmaṇa ist Duryodhanas eigener Sohn.]

taṃ te 'bhiṣiṣicur bāṇair meghā girim ivāmbubhiḥ sa ca tān pramamāthaiko viṣvag vāto yathāmbudān

Sie überschütteten ihn mit Pfeilen, wie Wolken einen Berg mit Regen; er aber zerstreute sie im Alleingang, wie ein nach allen Seiten wehender Wind die Wolken.

Wort für Wort
taṃ te 'bhiṣiṣicur bāṇair
sie überschütteten ihn mit Pfeilen (Akk.Sg. + Nom.Pl. + 3.Pl.Perf. + Instr.Pl.)
meghā girim ivāmbubhiḥ
wie Wolken einen Berg mit Regen (Nom.Pl. + Akk.Sg. + Partikel + Instr.Pl.)
sa ca tān pramamāthaiko
er aber zerstreute sie im Alleingang (Nom.Sg. + Konj. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
viṣvag vāto yathāmbudān
wie ein nach allen Seiten wehender Wind die Wolken (Adv. + Nom.Sg. + Adv. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.10 bildet eine Einheit.]

pautraṃ tu tava durdharṣaṃ lakṣmaṇaṃ priyadarśanam pituḥ samīpe tiṣṭhantaṃ śūram udyatakārmukam atyantasukhasaṃvṛddhaṃ dhaneśvarasutopamam āsasāda raṇe kārṣṇir matto mattam iva dvipam

Deinen unbezwingbaren Enkel Lakṣmaṇa, lieblich anzuschauen, der nahe seinem Vater stand, ein Held mit erhobenem Bogen, im höchsten Behagen aufgewachsen, dem Sohn des Herrn des Reichtums [Kubera] gleichend — ihn erreichte im Kampf der Kārṣṇi [Abhimanyu], wie ein brünstiger Elefant einen [anderen] brünstigen Elefanten.

Wort für Wort
pautraṃ tu tava durdharṣaṃ
deinen unbezwingbaren Enkel aber (Akk.Sg. + Partikel + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
lakṣmaṇaṃ priyadarśanam
Lakṣmaṇa, lieblich anzuschauen (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
pituḥ samīpe tiṣṭhantaṃ
der nahe seinem Vater stand (Gen.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
śūram udyatakārmukam
ein Held mit erhobenem Bogen (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
atyantasukhasaṃvṛddhaṃ
im höchsten Behagen aufgewachsen (Akk.Sg.Kompositum)
dhaneśvarasutopamam
dem Sohn des Herrn des Reichtums gleichend (Akk.Sg.Kompositum)
āsasāda raṇe kārṣṇir
erreichte im Kampf der Kārṣṇi (3.Sg.Perf. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
matto mattam iva dvipam
wie ein brünstiger Elefant einen brünstigen Elefanten (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg.)

[Anm.: V.11-12 bilden eine Einheit. „Kārṣṇi“ (eigentlich 'zu Kṛṣṇa gehörig') ist hier Beiname Abhimanyus als Neffe Kṛṣṇas, nicht als Sohn der Draupadī (Draupadīs Söhne heißen gesondert „Draupadeyas“).]

abravīl lakṣmaṇaḥ kruddham ārjuniṃ paramām āstravit śṛṇu vākyaṃ mahābāho abhimanyo mahābala gaccha tvaṃ pāṇḍavāñ śīghraṃ mā yuddhaṃ kuru suvrata tasya tad vacanaṃ śrutvā abhimanyuḥ pratāpavān uvāca lakṣmaṇaṃ kruddhaḥ prahasann iva bhārata gamiṣyāmi ciraṃ bhrātaḥ sarvān etān nihatya vai pāṇḍavān prati cādyaiva iti satyaṃ vadāmi te

Lakṣmaṇa, im Waffenhandwerk überaus bewandert, sprach zu dem erzürnten Sohn Arjunas: „Höre mein Wort, du Starkarmiger, Abhimanyu, du Gewaltiger! Geh eilends zu den Pāṇḍavas — führe keinen Kampf, du Tugendfester!“ Als der mächtige Abhimanyu jene seine Worte gehört hatte, sprach er, erzürnt, doch gleichsam lachend, zu Lakṣmaṇa, o Bhārata: „Ich werde gehen, o Bruder, doch erst, wenn ich all diese hier erschlagen habe — noch heute, zu den Pāṇḍavas! Dies spreche ich dir als Wahrheit.“

Wort für Wort
abravīl lakṣmaṇaḥ kruddham
Lakṣmaṇa sprach zu dem erzürnten (3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
ārjuniṃ paramām āstravit
Sohn Arjunas, überaus bewandert in Waffenkunde (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
śṛṇu vākyaṃ mahābāho
höre das Wort, du Starkarmiger (Imp.2.Sg. + Akk.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
abhimanyo mahābala
Abhimanyu, du Gewaltiger (Vok.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
gaccha tvaṃ pāṇḍavāñ śīghraṃ
geh du eilends zu den Pāṇḍavas (Imp.2.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Pl. + Adv.)
mā yuddhaṃ kuru suvrata
führe keinen Kampf, du Tugendfester (Neg. + Akk.Sg. + Imp.2.Sg. + Vok.Sg.)
tasya tad vacanaṃ śrutvā
dessen Wort gehört habend (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
abhimanyuḥ pratāpavān
der mächtige Abhimanyu (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
uvāca lakṣmaṇaṃ kruddhaḥ
sprach zu Lakṣmaṇa, erzürnt (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
prahasann iva bhārata
gleichsam lachend, o Bhārata (Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Vok.Sg.)
gamiṣyāmi ciraṃ bhrātaḥ
ich werde gehen, [erst] nach langem, o Bruder (1.Sg.Fut. + Adv. + Vok.Sg.)
sarvān etān nihatya vai
diese alle erschlagen habend (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Ger. + Partikel)
pāṇḍavān prati cādyaiva
zu den Pāṇḍavas hin, noch heute (Akk.Pl. + Postp. + Konj. + Adv.)
iti satyaṃ vadāmi te
so spreche ich dir Wahres (Partikel + Akk.Sg. + 1.Sg.Präs. + Dat.Sg.)

[Anm.: Diese Einheit (Einschub *0313_01-07) bildet einen wörtlichen Wortwechsel zweier individuell benannter Kämpfer und wird daher mit Anführungszeichen markiert — Lakṣmaṇas spöttische Aufforderung zur Flucht und Abhimanyus trotzige Erwiderung.]

siṃhaśāvo vane yadvat puṇḍarīkaśiśuṃ yathā lakṣmaṇena tu saṃgamya saubhadraḥ paravīrahā śaraiḥ suniśitais tīkṣṇair bāhvor urasi cārpitaḥ

Wie ein Löwenjunges im Wald einem jungen weißen Elefanten [begegnet] — so traf Saubhadra [Abhimanyu], der Feindeshelden-Töter, mit Lakṣmaṇa zusammen und wurde von scharfen, wohlgeschliffenen Pfeilen an den Armen und an der Brust getroffen.

Wort für Wort
siṃhaśāvo vane yadvat
wie ein Löwenjunges im Wald (Nom.Sg.Kompositum + Lok.Sg. + Adv.)
puṇḍarīkaśiśuṃ yathā
wie einen jungen weißen Elefanten (Akk.Sg.Kompositum + Adv.)
lakṣmaṇena tu saṃgamya
mit Lakṣmaṇa aber zusammengetroffen (Instr.Sg. + Partikel + Ger.)
saubhadraḥ paravīrahā
Saubhadra, der Feindeshelden-Töter (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
śaraiḥ suniśitais tīkṣṇair
von scharfen, wohlgeschliffenen Pfeilen (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
bāhvor urasi cārpitaḥ
an den Armen und an der Brust getroffen (Lok.Du. + Lok.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Ptz.)

[Anm.: V.13 (mit vorangehendem Einschub *0314_01) bildet eine Einheit.]

saṃkruddho vai mahābāhur daṇḍāhata ivoragaḥ pautras tava mahārāja tava pautram abhāṣata

Erzürnt fürwahr, der Starkarmige, wie eine mit einem Stab geschlagene Schlange — dein [leiblicher] Enkel [Lakṣmaṇa], o Großkönig, sprach zu deinem [im weiteren Sinn so genannten] Enkel [Abhimanyu]:

Wort für Wort
saṃkruddho vai mahābāhur
erzürnt fürwahr, der Starkarmige (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
daṇḍāhata ivoragaḥ
wie eine mit dem Stab geschlagene Schlange (Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Nom.Sg.)
pautras tava mahārāja
dein Enkel, o Großkönig (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
tava pautram abhāṣata
sprach zu deinem Enkel (Gen.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.14 bildet eine Einheit. Beide Male steht „tava pautra“ — einmal im engeren Sinn für Lakṣmaṇa, Duryodhanas leiblichen Sohn, einmal in der weiteren, epischen Verwandtschaftsbezeichnung für Abhimanyu (vgl. Anm. zu V.7) [?].]

sudṛṣṭaḥ kriyatāṃ loko amuṃ lokaṃ gamiṣyasi paśyatāṃ bāndhavānāṃ tvāṃ nayāmi yamasādanam

„Betrachte die Welt gut — du wirst in jene [andere] Welt eingehen! Vor den Augen deiner Verwandten führe ich dich zur Wohnstatt Yamas!“

Wort für Wort
sudṛṣṭaḥ kriyatāṃ loko
gut betrachtet werde die Welt (Nom.Sg. + Imp.3.Sg.Pass. + Nom.Sg.)
amuṃ lokaṃ gamiṣyasi
in jene Welt wirst du eingehen (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Fut.)
paśyatāṃ bāndhavānāṃ
vor den Augen der Verwandten (Gen.Pl.Ptz. + Gen.Pl.)
tvāṃ nayāmi yamasādanam
führe ich dich zur Wohnstatt Yamas (Akk.Sg. + 1.Sg.Präs. + Akk.Sg.Kompositum)

[Anm.: V.15 bildet eine Einheit — Lakṣmaṇas Todesdrohung an Abhimanyu, individuell zugeordnet und mit Anführungszeichen markiert.]

tasya cātikramaṃ dṛṣṭvā lakṣmaṇo yuddhakovidaḥ yuddhaṃ cakre tadā tena śastrāstrair matimān nṛpa tayor yuddham atīvāsīd budhāṅgārakayor iva anyonyaṃ jighāṃsator balavāsavayor iva śarajālair mahāghorair vivyadhus te parasparam lakṣmaṇo niśitair bāṇair daśabhiś ca stanāntare ājaghānārjuniṃ caiva tathā viddho 'bhimanyunā pañcabhiḥ pañcabhir bāṇair nijaghne rathavājinaḥ sārathim iṣuṇaikena dhvajaṃ caikeṣuṇāhanat tribhir bāṇair dhanuś chittvā ārjuniḥ sumahābalaḥ

Als er dessen Vermessenheit sah, nahm Lakṣmaṇa, im Kampf bewandert und besonnen, da mit ihm den Kampf mit Waffen und Geschossen auf, o König; ihr beider Kampf glich überaus dem von Budha und Aṅgāraka [Merkur und Mars], oder dem von Bala und Vāsava [Indra], die einander zu töten begehrten; mit gewaltigen, schrecklichen Pfeilnetzen durchbohrten sie einander. Lakṣmaṇa traf mit scharfen Pfeilen, zehn an der Zahl, den Sohn Arjunas mitten in der Brust; so getroffen, tötete Abhimanyu seinerseits mit je fünf Pfeilen die Wagenrosse, mit einem einzigen Pfeil den Wagenlenker, und mit einem Pfeil schlug er das Feldzeichen nieder; mit drei Pfeilen zerschnitt der Sohn Arjunas, von überaus großer Kraft, den Bogen.

Wort für Wort
tasya cātikramaṃ dṛṣṭvā
dessen Vermessenheit gesehen habend (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
lakṣmaṇo yuddhakovidaḥ
Lakṣmaṇa, im Kampf bewandert (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
yuddhaṃ cakre tadā tena
nahm den Kampf da mit ihm auf (Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.Med. + Adv. + Instr.Sg.)
śastrāstrair matimān nṛpa
mit Waffen und Geschossen, besonnen, o König (Instr.Pl.Kompositum + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
tayor yuddham atīvāsīd
ihr beider Kampf war überaus (Gen.Du. + Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
budhāṅgārakayor iva
wie der von Budha und Aṅgāraka (Gen.Du.Kompositum + Partikel)
anyonyaṃ jighāṃsator
die einander zu töten begehrten (Akk.Sg. + Gen.Du.Ptz.Desid.)
balavāsavayor iva
wie der von Bala und Vāsava (Gen.Du.Kompositum + Partikel)
śarajālair mahāghorair
mit gewaltigen, schrecklichen Pfeilnetzen (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.)
vivyadhus te parasparam
durchbohrten sie einander (3.Pl.Perf. + Nom.Pl. + Adv.)
lakṣmaṇo niśitair bāṇair
Lakṣmaṇa mit scharfen Pfeilen (Nom.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
daśabhiś ca stanāntare
zehn an der Zahl, mitten an der Brust (Instr.Pl. + Konj. + Lok.Sg.)
ājaghānārjuniṃ caiva
traf den Sohn Arjunas (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Konj.)
tathā viddho 'bhimanyunā
so getroffen, von Abhimanyu (Adv. + Nom.Sg.Ptz. + Instr.Sg.)
pañcabhiḥ pañcabhir bāṇair
mit je fünf Pfeilen (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
nijaghne rathavājinaḥ
tötete er die Wagenrosse (3.Sg.Perf.Med. + Akk.Pl.Kompositum)
sārathim iṣuṇaikena
den Wagenlenker mit einem einzigen Pfeil (Akk.Sg. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
dhvajaṃ caikeṣuṇāhanat
und das Feldzeichen schlug er mit einem Pfeil nieder (Akk.Sg. + Konj. + Instr.Sg. + 3.Sg.Impf.)
tribhir bāṇair dhanuś chittvā
mit drei Pfeilen den Bogen zerschnitten habend (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Akk.Sg. + Ger.)
ārjuniḥ sumahābalaḥ
der Sohn Arjunas, von überaus großer Kraft (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)

[Anm.: Diese Einheit (Einschub *0315_01-10) schildert den eigentlichen Zweikampf in voller Länge. Budha (Merkur) und Aṅgāraka (Mars) gelten astrologisch als einander feindlich gesinnte Planeten; Bala ist ein von Indra (Vāsava) bezwungener Dämon.]

evam uktvā tato bhallaṃ saubhadraḥ paravīrahā udbabarha mahābāhur nirmuktoragasaṃnibham sa tasya bhujanirmukto lakṣmaṇasya sudarśanam sunasaṃ subhru keśāntaṃ śiro 'hārṣīt sakuṇḍalam

So getan habend, zog dann Saubhadra, der Feindeshelden-Töter, der Starkarmige, einen Breitpfeil hervor, einer abgestreiften Schlangenhaut gleichend. Dieser, aus seinem Arm entlassen, trug Lakṣmaṇas schönen Kopf davon — feinnasig, feinbrauig, mit vollem Haar —, samt seinen Ohrringen.

Wort für Wort
evam uktvā tato bhallaṃ
so getan habend, dann einen Breitpfeil (Adv. + Ger. + Adv. + Akk.Sg.)
saubhadraḥ paravīrahā
Saubhadra, der Feindeshelden-Töter (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
udbabarha mahābāhur
zog hervor, der Starkarmige (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
nirmuktoragasaṃnibham
einer abgestreiften Schlangenhaut gleichend (Akk.Sg.Kompositum)
sa tasya bhujanirmukto
dieser, aus seinem Arm entlassen (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
lakṣmaṇasya sudarśanam
Lakṣmaṇas schönen [Kopf] (Gen.Sg. + Akk.Sg.)
sunasaṃ subhru keśāntaṃ
feinnasig, feinbrauig, mit vollem Haar (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
śiro 'hārṣīt sakuṇḍalam
trug den Kopf davon, samt Ohrringen (Akk.Sg. + 3.Sg.Aor. + Akk.Sg.Kompositum)

[Anm.: V.16-17 bilden eine Einheit und schildern Lakṣmaṇas Enthauptung — einen der folgenreichsten Momente des Tages, der später Duryodhanas unversöhnlichen Zorn gegen Abhimanyu nährt.]

lakṣmaṇaṃ nihataṃ dṛṣṭvā hā hety uccukruśur janāḥ

Als sie Lakṣmaṇa erschlagen sahen, schrien die Leute laut auf: 'Ach! Ach!'

Wort für Wort
lakṣmaṇaṃ nihataṃ dṛṣṭvā
Lakṣmaṇa erschlagen gesehen habend (Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz. + Ger.)
hā hety uccukruśur janāḥ
'ach, ach!' schrien die Leute laut auf (Interj. + Interj. + Partikel + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.17e bildet eine Einheit. Der kollektive Wehruf erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe bei nicht individuell zugeordneten Ausrufen, einfache statt der Anführungszeichen für individuelle Rede.]

sa bhrātṝn rājaputrāṃś ca kumārasyānuyāyinām jaghāna bāṇaiḥ saubhadraḥ sahasrāṇi caturdaśa aṣṭau rathasahasrāṇi sapta nāgaśatāni ca

Er, Saubhadra, tötete mit Pfeilen die Brüder und Königssöhne unter den Gefolgsleuten des Prinzen [Lakṣmaṇa] — vierzehntausend [an Kriegern], achttausend Wagen und siebenhundert Elefanten.

Wort für Wort
sa bhrātṝn rājaputrāṃś ca
er, die Brüder und Königssöhne (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Konj.)
kumārasyānuyāyinām
unter den Gefolgsleuten des Prinzen (Gen.Sg. + Gen.Pl.)
jaghāna bāṇaiḥ saubhadraḥ
tötete mit Pfeilen Saubhadra (3.Sg.Perf. + Instr.Pl. + Nom.Sg.)
sahasrāṇi caturdaśa
vierzehntausend (Akk.Pl. + Akk.Pl.)
aṣṭau rathasahasrāṇi
achttausend Wagen (Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
sapta nāgaśatāni ca
und siebenhundert Elefanten (Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum + Konj.)

[Anm.: Diese Einheit (Einschub *0316_01-03) beziffert das gewaltige Blutbad, das Abhimanyu unter Lakṣmaṇas Gefolgsleuten anrichtet.]

tato duryodhanaḥ kruddhaḥ priye putre nipātite hatainam iti cukrośa kṣatriyān kṣatriyarṣabhaḥ

Da, erzürnt über das Fällen seines geliebten Sohnes, rief der Stier unter den Kṣatriyas, Duryodhana, den Kṣatriyas zu: „Tötet ihn!“

Wort für Wort
tato duryodhanaḥ kruddhaḥ
da, erzürnt, Duryodhana (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
priye putre nipātite
über das Fällen des geliebten Sohnes (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Lok.Sg.Ptz.)
hatainam iti cukrośa
'tötet ihn!' rief er zu (Imp. + Akk.Sg. + Partikel + 3.Sg.Perf.)
kṣatriyān kṣatriyarṣabhaḥ
den Kṣatriyas, der Stier unter den Kṣatriyas (Akk.Pl. + Nom.Sg.Kompositum)

[Anm.: V.18 bildet eine Einheit. Duryodhanas kurzer, individuell zugeordneter Racheruf wird mit Anführungszeichen markiert.]

tato droṇaḥ kṛpaḥ karṇo droṇaputro bṛhadbalaḥ kṛtavarmā ca hārdikyaḥ ṣaḍ rathāḥ paryavārayan

Da umringten ihn Droṇa, Kṛpa, Karṇa, Droṇas Sohn [Aśvatthāman], Bṛhadbala und Kṛtavarman, der Sohn des Hṛdika — sechs Wagenkämpfer.

Wort für Wort
tato droṇaḥ kṛpaḥ karṇo
da Droṇa, Kṛpa, Karṇa (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
droṇaputro bṛhadbalaḥ
Droṇas Sohn, Bṛhadbala (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
kṛtavarmā ca hārdikyaḥ
und Kṛtavarman, der Sohn des Hṛdika (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
ṣaḍ rathāḥ paryavārayan
sechs Wagenkämpfer umringten ihn (Nom.Pl. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.19 bildet eine Einheit. „Hārdikyaḥ“ ist Kṛtavarmans Patronymikon.]

sa tān viddhvā śitair bāṇair vimukhīkṛtya cārjuniḥ vegenābhyapatat kruddhaḥ saindhavasya mahad balam

Er, der Sohn Arjunas, durchbohrte sie mit scharfen Pfeilen, schlug sie in die Flucht, und stürmte, erzürnt, mit Wucht auf das große Heer des Saindhava [Jayadratha] zu.

Wort für Wort
sa tān viddhvā śitair bāṇair
er, sie durchbohrt habend mit scharfen Pfeilen (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Ger. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
vimukhīkṛtya cārjuniḥ
in die Flucht geschlagen habend, der Sohn Arjunas (Ger. + Konj. + Nom.Sg.)
vegenābhyapatat kruddhaḥ
stürmte mit Wucht, erzürnt (Instr.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
saindhavasya mahad balam
auf das große Heer des Saindhava (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.20 bildet eine Einheit.]

āvavrus tasya panthānaṃ gajānīkena daṃśitāḥ kaliṅgāś ca niṣādāś ca krāthaputraś ca vīryavān tat prasaktam ivātyarthaṃ yuddham āsīd viśāṃ pate

Sie versperrten seinen Weg mit einer gepanzerten Elefanten-Division — die Kaliṅgas, die Niṣādas und der tapfere Sohn des Krātha; jener Kampf wurde überaus unablässig, o Herr der Völker.

Wort für Wort
āvavrus tasya panthānaṃ
sie versperrten seinen Weg (3.Pl.Perf. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
gajānīkena daṃśitāḥ
mit einer gepanzerten Elefanten-Division (Instr.Sg.Kompositum + Nom.Pl.Ptz.)
kaliṅgāś ca niṣādāś ca
die Kaliṅgas und die Niṣādas (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Konj.)
krāthaputraś ca vīryavān
und der tapfere Sohn des Krātha (Nom.Sg.Kompositum + Konj. + Nom.Sg.)
tat prasaktam ivātyarthaṃ
jener wurde überaus unablässig (Nom.Sg. + Adv. + Partikel + Adv.)
yuddham āsīd viśāṃ pate
der Kampf, o Herr der Völker (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Gen.Pl. + Vok.Sg.)

[Anm.: V.21 bildet eine Einheit. Krātha, dessen Sohn hier auftritt, wurde bereits in Kap.36 von Abhimanyu getötet.]

tatas tat kuñjarānīkaṃ vyadhamad dhṛṣṭam ārjuniḥ yathā vivān nityagatir jaladāñ śataśo 'mbare

Da zerstreute der Sohn Arjunas jene kühne Elefanten-Division, wie der stets wehende Wind hunderte Wolken am Himmel.

Wort für Wort
tatas tat kuñjarānīkaṃ
da jene Elefanten-Division (Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
vyadhamad dhṛṣṭam ārjuniḥ
zerstreute der Sohn Arjunas, die kühne (3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
yathā vivān nityagatir
wie der stets wehende Wind (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
jaladāñ śataśo 'mbare
hunderte Wolken am Himmel (Akk.Pl. + Adv. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.22 bildet eine Einheit.]

tataḥ krāthaḥ śaravrātair ārjuniṃ samavākirat athetare saṃnivṛttāḥ punar droṇamukhā rathāḥ paramāstrāṇi dhunvānāḥ saubhadram abhidudruvuḥ tān nivāryārjunir bāṇaiḥ krāthaputram athārdayat śaraugheṇāprameyeṇa tvaramāṇo jighāṃsayā sadhanurbāṇakeyūrau bāhū samukuṭaṃ śiraḥ chatraṃ dhvajaṃ niyantāram aśvāṃś cāsya nyapātayat

Da überschüttete Krāthas Sohn den Sohn Arjunas mit Pfeilschwärmen; die anderen aber, die Droṇa-geführten Wagenkämpfer, erneut zurückgekehrt, höchste Waffen schwingend, stürmten auf Saubhadra los. Sie mit Pfeilen abwehrend, quälte der Sohn Arjunas darauf Krāthas Sohn mit einer unermesslichen Pfeilflut, eilig, in Tötungsabsicht; er ließ dessen beide Arme samt Bogen, Pfeilen und Armreifen, seinen Kopf mitsamt Diadem, seinen Schirm, sein Feldzeichen, seinen Lenker und seine Rosse niederfallen.

Wort für Wort
tataḥ krāthaḥ śaravrātair
da Krāthas Sohn mit Pfeilschwärmen (Adv. + Nom.Sg. + Instr.Pl.Kompositum)
ārjuniṃ samavākirat
überschüttete den Sohn Arjunas (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
athetare saṃnivṛttāḥ
die anderen aber, zurückgekehrt (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Ptz.)
punar droṇamukhā rathāḥ
erneut die Droṇa-geführten Wagenkämpfer (Adv. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
paramāstrāṇi dhunvānāḥ
höchste Waffen schwingend (Akk.Pl. + Nom.Pl.Ptz.)
saubhadram abhidudruvuḥ
stürmten auf Saubhadra los (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.)
tān nivāryārjunir bāṇaiḥ
sie mit Pfeilen abgewehrt habend, der Sohn Arjunas (Akk.Pl. + Ger. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
krāthaputram athārdayat
quälte darauf Krāthas Sohn (Akk.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf.)
śaraugheṇāprameyeṇa
mit einer unermesslichen Pfeilflut (Instr.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
tvaramāṇo jighāṃsayā
eilig, in Tötungsabsicht (Nom.Sg.Ptz. + Instr.Sg.)
sadhanurbāṇakeyūrau bāhū
die beiden Arme samt Bogen, Pfeilen, Armreifen (Akk.Du.Kompositum + Akk.Du.)
samukuṭaṃ śiraḥ
den Kopf mitsamt Diadem (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
chatraṃ dhvajaṃ niyantāram
Schirm, Feldzeichen, Lenker (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
aśvāṃś cāsya nyapātayat
und seine Rosse ließ er niederfallen (Akk.Pl. + Konj. + Gen.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.23-25 bilden eine Einheit und schildern den Tod von Krāthas Sohn, parallel zum Tod seines Vaters in Kap.36.]

kulaśīlaśrutabalaiḥ kīrtyā cāstrabalena ca yukte tasmin hate vīrāḥ prāyaśo vimukhābhavan

Als er, ausgestattet mit Abkunft, Charakter, Gelehrsamkeit und Kraft, mit Ruhm und Waffenmacht, erschlagen war, wandten sich die [übrigen] Helden größtenteils ab.

Wort für Wort
kulaśīlaśrutabalaiḥ
mit Abkunft, Charakter, Gelehrsamkeit und Kraft (Instr.Pl.Kompositum)
kīrtyā cāstrabalena ca
mit Ruhm und Waffenmacht (Instr.Sg. + Konj. + Instr.Sg.Kompositum + Konj.)
yukte tasmin hate vīrāḥ
als er, ausgestattet, erschlagen war, die Helden (Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg. + Lok.Sg.Ptz. + Nom.Pl.)
prāyaśo vimukhābhavan
wandten sich größtenteils ab (Adv. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.26 bildet eine Einheit und schließt das Kapitel.]

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