Kapitel 5: Droṇābhiṣeka
Der zehnte Tag: Droṇas Ernennung zum Heerführer
Saṃjaya berichtet den zentralen Übergang, der dem Droṇaparva seinen Namen gibt: Duryodhana bittet Karṇa um Rat, wer nach Bhīṣmas Fall neuer Heerführer werden solle (V.1-4); auf Karṇas Bitte hin legt Duryodhana die Frage ausführlich dar (V.5-11, CQ), worauf Karṇa ohne Zögern Droṇa als den einzig Geeigneten benennt (V.12-20, CQ). Duryodhana wendet sich darauf unmittelbar an Droṇa selbst mit einer langen, von Göttervergleichen durchzogenen Bitte um die Heerführerschaft (V.22-31, CQ), die Droṇa mit knappen Worten annimmt (V.34-35, CQ). Das Kapitel schließt mit der feierlichen Weihe Droṇas zum Heerführer unter allgemeinem Jubel (V.32-40).
sanātham idam atyarthaṃ bhavatā pālitaṃ balam / manye kiṃ tu samarthaṃ yad dhitaṃ tat saṃpradhāryatām
„Dieses Heer, von dir überaus beschützt, hat, wie ich meine, [wieder] einen Herrn; doch möge erwogen werden, was zuträglich und wirksam ist.“
Wort für Wort
sanātham
einen Herrn/Beschützer habend (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
idam atyartham
dieses überaus (Akk.Sg. + Adv.)
bhavatā pālitam balam
von dir beschützte Heer (Instr.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.)
manye
ich meine (1.Sg.Med.)
kim tu samartham
doch was wirksam/fähig ist (Interrog.-Partikel + Nom.Sg.)
yat hitam
was zuträglich ist (Rel.Pron. + Nom.Sg.)
tat saṃpradhāryatām
das möge erwogen werden (Opt.Pass.3.Sg.)
[Anm.: V.2 bildet eine Einheit; Duryodhanas kurze Eröffnungsfrage an Karṇa (eigene CQ-Einheit, da unmittelbar von Karṇas Erwiderung mit neuer Sprecherkennzeichnung abgelöst).]
brūhi tat puruṣavyāghra tvaṃ hi prājñatamo nṛpa / yathā cārthapatiḥ kṛtyaṃ paśyate na tathetaraḥ
„Sprich das aus, o tigerartiger Mann, denn du bist der Weiseste, o Herrscher; denn wie der Herr der Sache die Aufgabe sieht, so nicht ein anderer.
Wort für Wort
brūhi tat
sprich das aus (Imp.2.Sg. + Akk.Sg.)
puruṣavyāghra
o tigerartiger Mann (Vok.Sg.)
tvam hi prājñatamaḥ
denn du bist der Weiseste (Nom.Sg. + Superl.)
nṛpa
o Herrscher (Vok.Sg.)
yathā ca arthapatiḥ
und wie der Herr der Sache (Nom.Sg.)
kṛtyam paśyate
die Aufgabe sieht (Akk.Sg. + 3.Sg.Med.)
na tathā itaraḥ
so nicht ein anderer (Neg. + Adv. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.3 bildet eine Einheit; Beginn von Karṇas kurzer Erwiderung (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.4). Eingeleitet durch die Sprecherkennzeichnung 'karṇa uvāca'.]
bhīṣmaḥ senāpraṇetāsīd vayasā vikrameṇa ca / śrutena ca susaṃpannaḥ sarvair yodhaguṇais tathā
„Bhīṣma war der Führer des Heeres, an Alter und an Tapferkeit, und an Gelehrsamkeit wohlausgestattet, ebenso mit allen Kriegertugenden.
Wort für Wort
bhīṣmaḥ senāpraṇetā āsīt
Bhīṣma war der Führer des Heeres (Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
vayasā vikrameṇa ca
an Alter und Tapferkeit (Instr.Sg.)
śrutena ca susaṃpannaḥ
und an Gelehrsamkeit wohlausgestattet (Instr.Sg. + Nom.Sg.)
sarvaiḥ yodhaguṇaiḥ tathā
ebenso mit allen Kriegertugenden (Instr.Pl.)
[Anm.: V.5 bildet eine Einheit; Beginn von Duryodhanas zweiter, längerer Rede an Karṇa (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.11), eingeleitet durch 'duryodhana uvāca'.]
na ṛte nāyakaṃ senā muhūrtam api tiṣṭhati / āhaveṣv āhavaśreṣṭha netṛhīneva naur jale
Ohne einen Anführer besteht ein Heer nicht einmal einen Augenblick, in Kämpfen, o Bester im Kampf, wie ein führerloses Schiff im Wasser.
Wort für Wort
na ṛte nāyakam
ohne einen Anführer (Postposition + Akk.Sg.)
senā muhūrtam api tiṣṭhati
besteht ein Heer nicht einmal einen Augenblick (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + 3.Sg.)
āhaveṣu
in Kämpfen (Lok.Pl.)
āhavaśreṣṭha
o Bester im Kampf (Vok.Sg.)
netṛhīnā iva nauḥ jale
wie ein führerloses Schiff im Wasser (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
[Anm.: V.8 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0039_01 ('besonders in Kämpfen, wie Augensalbe für die des Augenlichts Beraubten') ist eine redundante Zusatzmetapher und wird nicht übernommen.]
Denn wie ein steuerloses Schiff und wie ein Wagen ohne Lenker nach Belieben dahintreiben würde, ebenso wäre ein Heer ohne Heerführer.
Wort für Wort
yathā hi akarṇadhārā nauḥ
denn wie ein steuerloses Schiff (Nom.Sg.)
rathaḥ ca asārathiḥ yathā
und wie ein Wagen ohne Lenker (Nom.Sg.)
dravet yatheṣṭam
nach Belieben dahintreiben würde (Opt.3.Sg. + Adv.)
tadvat syāt
ebenso wäre (Adv. + Opt.3.Sg.)
ṛte senāpatim balam
ein Heer ohne Heerführer (Postposition + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.9 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0040_01/02 ('wie eine führerlose Karawane alles Unheil erlangt, so erlangt ein anführerloses Heer alle Fehler') ist eine redundante Fortführung der Schiffs-/Wagen-Metapher und wird nicht übernommen.]
sa bhavān vīkṣya sarveṣu māmakeṣu mahātmasu / paśya senāpatiṃ yuktam anu śāṃtanavād iha
Du also, nachdem du unter all meinen Großmütigen geschaut hast, erblicke hier einen geeigneten Heerführer, [den Nachfolger] nach dem Sohn des Śāṃtanu [Bhīṣma].
Wort für Wort
saḥ bhavān
du also (Nom.Sg.)
vīkṣya
geschaut habend (Ger.)
sarveṣu māmakeṣu mahātmasu
unter all meinen Großmütigen (Lok.Pl.)
paśya senāpatim yuktam
erblicke einen geeigneten Heerführer (Imp.2.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
anu śāṃtanavāt iha
hier nach dem Sohn des Śāṃtanu [Bhīṣma] (Postposition + Abl.Sg.)
sarva eva mahātmāna ime puruṣasattamāḥ / senāpatitvam arhanti nātra kāryā vicāraṇā
„Alle diese großmütigen, besten Männer verdienen wahrlich die Heerführerschaft; hierüber ist kein [langes] Überlegen nötig.
Wort für Wort
sarve eva mahātmānaḥ
alle diese großmütigen (Nom.Pl.)
ime puruṣasattamāḥ
diese besten Männer (Nom.Pl.)
senāpatitvam arhanti
verdienen die Heerführerschaft (Akk.Sg. + 3.Pl.)
na atra kāryā vicāraṇā
hierüber ist kein Überlegen nötig (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.12 bildet eine Einheit; Beginn von Karṇas Rede, in der er Droṇa als Heerführer benennt (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.20), eingeleitet durch 'karṇa uvāca'.]
Sie sind ausgestattet mit Herkunft, Körperkraft und Wissen, mit Stärke, Tapferkeit und Verstand, dankbar, voll Scham[gefühl], im Kampf nicht zurückweichend.
yugapan na tu te śakyāḥ kartuṃ sarve puraḥsarāḥ / eka evātra kartavyo yasmin vaiśeṣikā guṇāḥ
Doch können sie nicht alle zugleich zu Vorderen/Anführern gemacht werden; einer allein muss hier gemacht werden, in dem sich die vorzüglichsten Eigenschaften finden.
Wort für Wort
yugapat na tu
doch nicht zugleich (Adv. + Neg. + Partikel)
te śakyāḥ kartum sarve puraḥsarāḥ
können sie alle zu Vorderen gemacht werden (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Inf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
ekaḥ eva atra kartavyaḥ
einer allein muss hier gemacht werden (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ger.)
yasmin vaiśeṣikāḥ guṇāḥ
in dem die vorzüglichsten Eigenschaften [sind] (Lok.Sg. + Nom.Pl.)
ko hi tiṣṭhati durdharṣe droṇe brahmaviduttame / senāpatiḥ syād anyo 'smāc chukrāṅgirasadarśanāt
Denn wer besteht [neben] dem unbezwingbaren Droṇa, dem Vorzüglichsten der Brahmankenner? Könnte ein anderer als dieser, [wenn es um] die Kunst des Śukra und Aṅgiras [geht], Heerführer sein?
Wort für Wort
kaḥ hi tiṣṭhati
denn wer besteht (Nom.Sg. + 3.Sg.)
durdharṣe droṇe
neben dem unbezwingbaren Droṇa (Lok.Sg. + Lok.Sg.)
brahmaviduttame
dem Vorzüglichsten der Brahmankenner (Lok.Sg.)
senāpatiḥ syāt anyaḥ
könnte ein anderer Heerführer sein (Nom.Sg. + Opt.3.Sg. + Nom.Sg.)
asmāt
als dieser (Abl.Sg.)
śukrāṅgirasadarśanāt
in der Kunst/Lehre des Śukra und Aṅgiras (Abl.Sg.)
[Anm.: V.17 bildet eine Einheit. Śukra und Aṅgiras: legendäre Lehrer der Staats-/Politikwissenschaft (nītiśāstra/arthaśāstra).]
So mache rasch den Lehrer Duryodhanas [Droṇa] zum Heerführer, wie die Unsterblichen, die Asuras zu besiegen wünschend, Kārttikeya [zum Heerführer machten].“
Wort für Wort
evam
so (Adv.)
duryodhanācāryam
den Lehrer Duryodhanas (Akk.Sg., Droṇa)
āśu senāpatim kuru
mache rasch zum Heerführer (Adv. + Akk.Sg. + Imp.2.Sg.)
jigīṣantaḥ asurān saṃkhye
die Asuras zu besiegen wünschend im Kampf (Nom.Pl.Part. + Akk.Pl. + Lok.Sg.)
kārttikeyam iva amarāḥ
wie die Unsterblichen Kārttikeya [zum Heerführer machten] (Akk.Sg. + Nom.Pl.)
[Anm.: V.20 bildet eine Einheit; Abschluss von Karṇas Rede (CQ_CLOSE). Kārttikeya: der Kriegsgott Skanda, von den Göttern zum Heerführer im Kampf gegen die Asuras gemacht.]
tapasā ca kṛtajñatvād vṛddhaḥ sarvaguṇair api / yukto bhavatsamo goptā rājñām anyo na vidyate
und wegen [deiner] Askese und Dankbarkeit, an allen Tugenden reich — es gibt keinen anderen Beschützer unter den Königen, der dir gleich [und dazu] geeignet wäre.
Wort für Wort
tapasā ca kṛtajñatvāt
und wegen Askese und Dankbarkeit (Instr.Sg. + Abl.Sg.)
vṛddhaḥ sarvaguṇaiḥ api
an allen Tugenden reich (Nom.Sg. + Instr.Pl.)
yuktaḥ bhavatsamaḥ goptā
ein geeigneter, dir gleicher Beschützer (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
rājñām anyaḥ na vidyate
unter den Königen gibt es keinen anderen (Gen.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Pass.)
wie Vasiṣṭha unter den Weisen, wie Bhāskara [die Sonne] unter den leuchtenden [Gestirnen], wie Dharma unter den Ahnen, und wie der Herrscher der Gewässer [Varuṇa] unter den Ādityas,
Wort für Wort
vasiṣṭhaḥ iva viprāṇām
wie Vasiṣṭha unter den Weisen (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
tejasām iva bhāskaraḥ
wie Bhāskara [die Sonne] unter den Leuchtenden (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
pitṝṇām iva dharmaḥ
wie Dharma unter den Ahnen (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
atha ādityānām iva amburāṭ
und wie der Herrscher der Gewässer [Varuṇa] unter den Ādityas (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.26 bildet eine Einheit; Fortsetzung der Göttervergleiche.]
wie der Mond unter den Mondhäusern, wie Uśanas [Śukra] unter den Söhnen der Diti — [so sei du] der Beste der Heerführer; sei unser Heerführer.
Wort für Wort
nakṣatrāṇām iva śaśī
wie der Mond unter den Mondhäusern (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
ditijānām iva uśanāḥ
wie Uśanas [Śukra] unter den Söhnen der Diti (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
śreṣṭhaḥ senāpraṇetṝṇām
der Beste der Heerführer (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
saḥ naḥ senāpatiḥ bhava
sei du unser Heerführer (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Imp.2.Sg.)
[Anm.: V.27 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0041_01/02 ('wie der Untergang für alle Welten und das Weltall; der Beste in Entstehung, Bestand und Auflösung des Weltalls ist der Herr Nārāyaṇa') fügt eine theologisch erhöhende Zusatzstrophe in die Vergleichskette ein und wird als unterbrechende Erweiterung nicht in den Haupttext übernommen.]
prayātu no bhavān agre devānām iva pāvakiḥ / anuyāsyāmahe tv ājau saurabheyā ivarṣabham
Ziehe du uns voran, wie der Sohn des Feuers [Skanda] den Göttern; wir werden [dir] im Kampf folgen, wie die Söhne der Surabhi dem Stier [folgen].
Wort für Wort
prayātu naḥ bhavān agre
ziehe du uns voran (Imp.3.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Adv.)
devānām iva pāvakiḥ
wie der Sohn des Feuers [Skanda] den Göttern (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
anuyāsyāmahe tu ājau
wir werden [dir] folgen im Kampf (Fut.1.Pl.Med. + Lok.Sg.)
saurabheyāḥ iva ṛṣabham
wie die Söhne der Surabhi dem Stier (Nom.Pl. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.29 bildet eine Einheit. Pāvaki: 'Sohn des Feuers[gottes]', Beiname Skandas. Saurabheya: die Nachkommen der Kuh Surabhi, hier bildlich für die dem Leitstier folgende Herde.]
Wenn Arjuna, der Furchtbarbogige, der große Bogenschütze, seinen göttlichen Bogen spannend, dich an unserer Spitze erblickt, wird er nicht standhalten können.
Wort für Wort
ugradhanvā maheṣvāsaḥ
der Furchtbarbogige, der große Bogenschütze (Nom.Sg., Arjuna)
divyam visphārayan dhanuḥ
den göttlichen Bogen spannend (Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Akk.Sg.)
Und die Soldaten, von Freude erfüllt, priesen den Besten der Zweifachgeborenen [Droṇa], Duryodhana voranstellend, nach großem Ruhm strebend.
Wort für Wort
sainikāḥ ca mudā yuktāḥ
und die Soldaten, von Freude erfüllt (Nom.Pl. + Instr.Sg. + Nom.Pl.)
vardhayanti dvijottamam
priesen den Besten der Zweifachgeborenen (3.Pl. + Akk.Sg.)
duryodhanam puraskṛtya
Duryodhana vorangestellt (Akk.Sg. + Ger.)
prārthayantaḥ mahat yaśaḥ
nach großem Ruhm strebend (Nom.Pl.Part. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.33 bildet eine Einheit. Der Apparatseinschub *0042_01 ('sie hielten die Pārthas für [bereits] niedergeworfen und [dies für] ihren eigenen höchsten Ruhm') sowie *0043_01 ('da sprach Droṇa, o König, zu Duryodhana dieses Wort') sind redundante Zusätze bzw. eine durch die nachfolgende Sprecherkennzeichnung 'droṇa uvāca' (V.34) bereits überflüssige Überleitung und werden nicht übernommen.]
vedaṃ ṣaḍaṅgaṃ vedāham arthavidyāṃ ca mānavīm / traiyambakam atheṣvastram astrāṇi vividhāni ca
„Ich kenne den Veda mit seinen sechs Hilfswissenschaften, und die menschliche Wissenschaft der Staatskunst, und die Traiyambaka-Waffe [des Śiva], und mannigfaltige [andere] Waffen.
Wort für Wort
vedam ṣaḍaṅgam
den Veda mit den sechs Hilfswissenschaften (Akk.Sg.)
veda aham
ich kenne (1.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
arthavidyām ca mānavīm
und die menschliche Wissenschaft der Staatskunst (Akk.Sg.)
traiyambakam atha iṣvastram
und die Traiyambaka-Waffe (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
astrāṇi vividhāni ca
und mannigfaltige [andere] Waffen (Akk.Pl.)
[Anm.: V.34 bildet eine Einheit; Beginn von Droṇas kurzer Annahmerede (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.35), eingeleitet durch 'droṇa uvāca'. Ṣaḍaṅga: die sechs vedischen Hilfswissenschaften (Phonetik, Ritual, Grammatik, Etymologie, Metrik, Astronomie). Traiyambaka: die Waffe des 'Dreiäugigen' Śiva (Pāśupata-Waffe).]
Und auch die Tugenden, die mir von euch, den Sieg Begehrenden, zugeschrieben wurden — diese wahr machen wollend, werde ich gegen die Pāṇḍavas kämpfen.“
Wort für Wort
ye ca api uktāḥ mayi guṇāḥ
und auch die Tugenden, die mir zugeschrieben wurden (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)
bhavadbhiḥ jayakāṅkṣibhiḥ
von euch, den Sieg Begehrenden (Instr.Pl.)
cikīrṣuḥ tān aham satyān
diese wahr machen wollend, ich (Nom.Sg.Desid. + Akk.Pl. + Nom.Sg. + Akk.Pl.)
yodhayiṣyāmi pāṇḍavān
werde ich gegen die Pāṇḍavas kämpfen (Fut.1.Sg. + Akk.Pl.)
[Anm.: V.35 bildet eine Einheit; Abschluss von Droṇas Rede (CQ_CLOSE). Der ausführliche Apparatseinschub *0044_01-04 (4 Zeilen) überliefert hier eine inhaltlich bedeutsame, aber als Zusatzüberlieferung behandelte Passage: Droṇa erklärt, den Sohn des Pṛṣata [Dhṛṣṭadyumna] werde er im Kampf keinesfalls töten, da dieser eigens zu seiner, Droṇas, Tötung erschaffen worden sei; er werde vielmehr die Heere bekämpfen und alle Somakas vernichten, doch die Pāṇḍavas würden ihn nicht freudig zum Kampf stellen. Diese Vorausdeutung auf Droṇas späteres Schicksal (seinen Tod durch Dhṛṣṭadyumna) wird, obwohl inhaltlich bedeutsam, gemäß der Konvention dieser Übersetzung als Apparatstext dokumentiert, nicht als Haupttext übersetzt.]
Da weihten die von Duryodhana angeführten Könige Droṇa in die Heerführerschaft, wie einst die von Śakra [Indra] angeführten Götter Skanda [weihten].
Wort für Wort
atha abhiṣiṣicuḥ droṇam
da weihten sie Droṇa (Adv. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg.)
duryodhanamukhāḥ nṛpāḥ
die von Duryodhana angeführten Könige (Nom.Pl.)
senāpatye
in die Heerführerschaft (Lok.Sg.)
yathā skandam purā
wie einst Skanda (Adv. + Akk.Sg. + Adv.)
śakramukhāḥ surāḥ
die von Śakra [Indra] angeführten Götter (Nom.Pl.)
[Anm.: V.37 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0045_01 ('mit anderen sanften, heilvollen, entzückenden Segensrufen') ist eine ausmalende Ergänzung und wird nicht übernommen.]
tataḥ puṇyāhaghoṣeṇa svastivādasvanena ca / saṃstavair gītaśabdaiś ca sūtamāgadhabandinām
Da, mit dem Ruf 'Ein heilvoller Tag!' und mit dem Klang der Segenswünsche, mit Lobpreisungen und mit den Gesangslauten der Sūtas, Māgadhas und Panegyriker,
Wort für Wort
tataḥ puṇyāhaghoṣeṇa
da, mit dem Ruf 'ein heilvoller Tag' (Adv. + Instr.Sg.)
svastivādasvanena ca
und mit dem Klang der Segenswünsche (Instr.Sg.)
saṃstavaiḥ gītaśabdaiḥ ca
mit Lobpreisungen und Gesangslauten (Instr.Pl.)
sūtamāgadhabandinām
der Sūtas, Māgadhas und Panegyriker (Gen.Pl.)
[Anm.: V.39 bildet eine Einheit; Fortsetzung bis V.40. Sūtas, Māgadhas, Bandins: Wagenlenker-Barden, Hofsänger und Lobredner, traditionell mit der Verkündigung königlicher Ruhmestaten befasst.]
mit den Siegesrufen der vorzüglichsten Brahmanen und ebenso mit anmutigen Tänzen — nachdem sie Droṇa vorschriftsgemäß geehrt hatten, betrachteten sie die Pāṇḍavas [schon] als besiegt.
Wort für Wort
jayaśabdaiḥ dvijāgryāṇām
mit den Siegesrufen der vorzüglichsten Brahmanen (Instr.Pl. + Gen.Pl.)
subhagānartitaiḥ tathā
und ebenso mit anmutigen Tänzen (Instr.Pl. + Adv.)
betrachteten sie die Pāṇḍavas als besiegt (Akk.Pl.Part. + 3.Pl.Impf.Med. + Akk.Pl.)
[Anm.: V.40 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas); Schlussvers des Kapitels. Der Apparatseinschub *0046_01/02 ('ein gewaltiger Ruf entstand, als der Zweifachgeborene zum Heerführer gemacht wurde; alle, mit hocherfreutem Sinn, [ehrten] den Großmütigen in der Heerführerschaft') wiederholt redundant das Jubelmotiv und wird nicht übernommen.]