Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Droṇaparva

Kapitel 5: Droṇābhiṣeka Der zehnte Tag: Droṇas Ernennung zum Heerführer

Saṃjaya berichtet den zentralen Übergang, der dem Droṇaparva seinen Namen gibt: Duryodhana bittet Karṇa um Rat, wer nach Bhīṣmas Fall neuer Heerführer werden solle (V.1-4); auf Karṇas Bitte hin legt Duryodhana die Frage ausführlich dar (V.5-11, CQ), worauf Karṇa ohne Zögern Droṇa als den einzig Geeigneten benennt (V.12-20, CQ). Duryodhana wendet sich darauf unmittelbar an Droṇa selbst mit einer langen, von Göttervergleichen durchzogenen Bitte um die Heerführerschaft (V.22-31, CQ), die Droṇa mit knappen Worten annimmt (V.34-35, CQ). Das Kapitel schließt mit der feierlichen Weihe Droṇas zum Heerführer unter allgemeinem Jubel (V.32-40).

rathasthaṃ puruṣavyāghraṃ dṛṣṭvā karṇam avasthitam / hṛṣṭo duryodhano rājann idaṃ vacanam abravīt

Als er den auf dem Wagen stehenden, tigerartigen Mann Karṇa bereitstehen sah, sprach der erfreute Duryodhana, o König, dieses Wort:

Wort für Wort
rathastham
auf dem Wagen stehend (Akk.Sg.)
puruṣavyāghram
den tigerartigen Mann (Akk.Sg., Karṇa)
dṛṣṭvā
erblickt habend (Ger.)
karṇam avasthitam
Karṇa bereitstehend (Akk.Sg. + Akk.Sg.Part.)
hṛṣṭaḥ duryodhanaḥ
der erfreute Duryodhana (Nom.Sg.)
rājan
o König (Vok.Sg., Anrede Dhṛtarāṣṭras durch Saṃjaya)
idam vacanam abravīt
sprach dieses Wort (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; Rahmennarration zur nun folgenden Ernennungs-Episode.]

sanātham idam atyarthaṃ bhavatā pālitaṃ balam / manye kiṃ tu samarthaṃ yad dhitaṃ tat saṃpradhāryatām

„Dieses Heer, von dir überaus beschützt, hat, wie ich meine, [wieder] einen Herrn; doch möge erwogen werden, was zuträglich und wirksam ist.“

Wort für Wort
sanātham
einen Herrn/Beschützer habend (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
idam atyartham
dieses überaus (Akk.Sg. + Adv.)
bhavatā pālitam balam
von dir beschützte Heer (Instr.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.)
manye
ich meine (1.Sg.Med.)
kim tu samartham
doch was wirksam/fähig ist (Interrog.-Partikel + Nom.Sg.)
yat hitam
was zuträglich ist (Rel.Pron. + Nom.Sg.)
tat saṃpradhāryatām
das möge erwogen werden (Opt.Pass.3.Sg.)

[Anm.: V.2 bildet eine Einheit; Duryodhanas kurze Eröffnungsfrage an Karṇa (eigene CQ-Einheit, da unmittelbar von Karṇas Erwiderung mit neuer Sprecherkennzeichnung abgelöst).]

brūhi tat puruṣavyāghra tvaṃ hi prājñatamo nṛpa / yathā cārthapatiḥ kṛtyaṃ paśyate na tathetaraḥ

„Sprich das aus, o tigerartiger Mann, denn du bist der Weiseste, o Herrscher; denn wie der Herr der Sache die Aufgabe sieht, so nicht ein anderer.

Wort für Wort
brūhi tat
sprich das aus (Imp.2.Sg. + Akk.Sg.)
puruṣavyāghra
o tigerartiger Mann (Vok.Sg.)
tvam hi prājñatamaḥ
denn du bist der Weiseste (Nom.Sg. + Superl.)
nṛpa
o Herrscher (Vok.Sg.)
yathā ca arthapatiḥ
und wie der Herr der Sache (Nom.Sg.)
kṛtyam paśyate
die Aufgabe sieht (Akk.Sg. + 3.Sg.Med.)
na tathā itaraḥ
so nicht ein anderer (Neg. + Adv. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.3 bildet eine Einheit; Beginn von Karṇas kurzer Erwiderung (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.4). Eingeleitet durch die Sprecherkennzeichnung 'karṇa uvāca'.]

te sma sarve tava vacaḥ śrotukāmā nareśvara / nānyāyyaṃ hi bhavān vākyaṃ brūyād iti matir mama

Wir alle wünschen, dein Wort zu hören, o Herrscher der Männer; denn du würdest kein ungerechtes Wort sprechen — das ist meine Meinung.“

Wort für Wort
te sma sarve
wir alle (Nom.Pl.)
tava vacaḥ
dein Wort (Gen.Sg. + Akk.Sg.)
śrotukāmāḥ
zu hören wünschend (Nom.Pl.)
nareśvara
o Herrscher der Männer (Vok.Sg.)
na anyāyyam hi
denn nicht Ungerechtes (Neg. + Akk.Sg. + Partikel)
bhavān vākyam brūyāt
du würdest ein Wort sprechen (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Opt.3.Sg.)
iti matiḥ mama
das ist meine Meinung (Partikel + Nom.Sg. + Gen.Sg.)

[Anm.: V.4 bildet eine Einheit; Abschluss von Karṇas Erwiderung (CQ_CLOSE).]

bhīṣmaḥ senāpraṇetāsīd vayasā vikrameṇa ca / śrutena ca susaṃpannaḥ sarvair yodhaguṇais tathā

„Bhīṣma war der Führer des Heeres, an Alter und an Tapferkeit, und an Gelehrsamkeit wohlausgestattet, ebenso mit allen Kriegertugenden.

Wort für Wort
bhīṣmaḥ senāpraṇetā āsīt
Bhīṣma war der Führer des Heeres (Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
vayasā vikrameṇa ca
an Alter und Tapferkeit (Instr.Sg.)
śrutena ca susaṃpannaḥ
und an Gelehrsamkeit wohlausgestattet (Instr.Sg. + Nom.Sg.)
sarvaiḥ yodhaguṇaiḥ tathā
ebenso mit allen Kriegertugenden (Instr.Pl.)

[Anm.: V.5 bildet eine Einheit; Beginn von Duryodhanas zweiter, längerer Rede an Karṇa (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.11), eingeleitet durch 'duryodhana uvāca'.]

tenātiyaśasā karṇa ghnatā śatrugaṇān mama / suyuddhena daśāhāni pālitāḥ smo mahātmanā

Von ihm, dem überaus ruhmreichen, meine Feindesscharen tötenden, großmütigen [Helden], wurden wir zehn Tage lang durch guten Kampf beschützt, o Karṇa.

Wort für Wort
tena atiyaśasā
von ihm, dem überaus ruhmreichen (Instr.Sg.)
karṇa
o Karṇa (Vok.Sg.)
ghnatā śatrugaṇān mama
meine Feindesscharen tötend (Instr.Sg.Part. + Akk.Pl.)
suyuddhena daśāhāni
durch guten Kampf zehn Tage lang (Instr.Sg. + Akk.Pl.)
pālitāḥ smaḥ mahātmanā
wurden wir vom Großmütigen beschützt (Nom.Pl.Part. + 1.Pl. + Instr.Sg.)

[Anm.: V.6 bildet eine Einheit.]

tasminn asukaraṃ karma kṛtavaty āsthite divam / kaṃ nu senāpraṇetāraṃ manyase tadanantaram

Nachdem jener, der eine schwer vollbringbare Tat vollbracht hat, zum Himmel gegangen ist — wen hältst du danach für den [rechten] Führer des Heeres?

Wort für Wort
tasmin asukaram karma
jener [eine] schwer vollbringbare Tat (Lok.Sg. + Akk.Sg.)
kṛtavati āsthite
vollbracht habend, gegangen (Lok.Sg.Part.Perf. + Lok.Sg.Part.)
divam
zum Himmel (Akk.Sg.)
kam nu senāpraṇetāram
wen nun als Führer des Heeres (Akk.Sg.)
manyase
hältst du (2.Sg.Med.)
tadanantaram
danach (Adv.)

[Anm.: V.7 bildet eine Einheit.]

na ṛte nāyakaṃ senā muhūrtam api tiṣṭhati / āhaveṣv āhavaśreṣṭha netṛhīneva naur jale

Ohne einen Anführer besteht ein Heer nicht einmal einen Augenblick, in Kämpfen, o Bester im Kampf, wie ein führerloses Schiff im Wasser.

Wort für Wort
na ṛte nāyakam
ohne einen Anführer (Postposition + Akk.Sg.)
senā muhūrtam api tiṣṭhati
besteht ein Heer nicht einmal einen Augenblick (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + 3.Sg.)
āhaveṣu
in Kämpfen (Lok.Pl.)
āhavaśreṣṭha
o Bester im Kampf (Vok.Sg.)
netṛhīnā iva nauḥ jale
wie ein führerloses Schiff im Wasser (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.8 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0039_01 ('besonders in Kämpfen, wie Augensalbe für die des Augenlichts Beraubten') ist eine redundante Zusatzmetapher und wird nicht übernommen.]

yathā hy akarṇadhārā nau rathaś cāsārathir yathā / draved yatheṣṭaṃ tadvat syād ṛte senāpatiṃ balam

Denn wie ein steuerloses Schiff und wie ein Wagen ohne Lenker nach Belieben dahintreiben würde, ebenso wäre ein Heer ohne Heerführer.

Wort für Wort
yathā hi akarṇadhārā nauḥ
denn wie ein steuerloses Schiff (Nom.Sg.)
rathaḥ ca asārathiḥ yathā
und wie ein Wagen ohne Lenker (Nom.Sg.)
dravet yatheṣṭam
nach Belieben dahintreiben würde (Opt.3.Sg. + Adv.)
tadvat syāt
ebenso wäre (Adv. + Opt.3.Sg.)
ṛte senāpatim balam
ein Heer ohne Heerführer (Postposition + Akk.Sg. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.9 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0040_01/02 ('wie eine führerlose Karawane alles Unheil erlangt, so erlangt ein anführerloses Heer alle Fehler') ist eine redundante Fortführung der Schiffs-/Wagen-Metapher und wird nicht übernommen.]

sa bhavān vīkṣya sarveṣu māmakeṣu mahātmasu / paśya senāpatiṃ yuktam anu śāṃtanavād iha

Du also, nachdem du unter all meinen Großmütigen geschaut hast, erblicke hier einen geeigneten Heerführer, [den Nachfolger] nach dem Sohn des Śāṃtanu [Bhīṣma].

Wort für Wort
saḥ bhavān
du also (Nom.Sg.)
vīkṣya
geschaut habend (Ger.)
sarveṣu māmakeṣu mahātmasu
unter all meinen Großmütigen (Lok.Pl.)
paśya senāpatim yuktam
erblicke einen geeigneten Heerführer (Imp.2.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
anu śāṃtanavāt iha
hier nach dem Sohn des Śāṃtanu [Bhīṣma] (Postposition + Abl.Sg.)

[Anm.: V.10 bildet eine Einheit.]

yaṃ hi senāpraṇetāraṃ bhavān vakṣyati saṃyuge / taṃ vayaṃ sahitāḥ sarve prakariṣyāma māriṣa

Denn wen auch immer du als Heerführer für den Kampf benennen wirst, den werden wir alle gemeinsam dazu machen, o Verehrungswürdiger.“

Wort für Wort
yam hi senāpraṇetāram
wen auch immer als Heerführer (Akk.Sg.)
bhavān vakṣyati saṃyuge
du benennen wirst für den Kampf (Nom.Sg. + Fut.2.Sg. + Lok.Sg.)
tam vayam sahitāḥ sarve
den werden wir alle gemeinsam (Akk.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
prakariṣyāma
machen (Fut.1.Pl.)
māriṣa
o Verehrungswürdiger (Vok.Sg.)

[Anm.: V.11 bildet eine Einheit; Abschluss von Duryodhanas zweiter Rede (CQ_CLOSE).]

sarva eva mahātmāna ime puruṣasattamāḥ / senāpatitvam arhanti nātra kāryā vicāraṇā

„Alle diese großmütigen, besten Männer verdienen wahrlich die Heerführerschaft; hierüber ist kein [langes] Überlegen nötig.

Wort für Wort
sarve eva mahātmānaḥ
alle diese großmütigen (Nom.Pl.)
ime puruṣasattamāḥ
diese besten Männer (Nom.Pl.)
senāpatitvam arhanti
verdienen die Heerführerschaft (Akk.Sg. + 3.Pl.)
na atra kāryā vicāraṇā
hierüber ist kein Überlegen nötig (Nom.Sg. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.12 bildet eine Einheit; Beginn von Karṇas Rede, in der er Droṇa als Heerführer benennt (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.20), eingeleitet durch 'karṇa uvāca'.]

kulasaṃhananajñānair balavikramabuddhibhiḥ / yuktāḥ kṛtajñā hrīmanta āhaveṣv anivartinaḥ

Sie sind ausgestattet mit Herkunft, Körperkraft und Wissen, mit Stärke, Tapferkeit und Verstand, dankbar, voll Scham[gefühl], im Kampf nicht zurückweichend.

Wort für Wort
kulasaṃhananajñānaiḥ
mit Herkunft, Körperkraft und Wissen (Instr.Pl.)
balavikramabuddhibhiḥ
mit Stärke, Tapferkeit und Verstand (Instr.Pl.)
yuktāḥ
ausgestattet (Nom.Pl.)
kṛtajñāḥ hrīmantaḥ
dankbar, voll Schamgefühl (Nom.Pl.)
āhaveṣu anivartinaḥ
im Kampf nicht zurückweichend (Lok.Pl. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.13 bildet eine Einheit.]

yugapan na tu te śakyāḥ kartuṃ sarve puraḥsarāḥ / eka evātra kartavyo yasmin vaiśeṣikā guṇāḥ

Doch können sie nicht alle zugleich zu Vorderen/Anführern gemacht werden; einer allein muss hier gemacht werden, in dem sich die vorzüglichsten Eigenschaften finden.

Wort für Wort
yugapat na tu
doch nicht zugleich (Adv. + Neg. + Partikel)
te śakyāḥ kartum sarve puraḥsarāḥ
können sie alle zu Vorderen gemacht werden (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Inf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
ekaḥ eva atra kartavyaḥ
einer allein muss hier gemacht werden (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ger.)
yasmin vaiśeṣikāḥ guṇāḥ
in dem die vorzüglichsten Eigenschaften [sind] (Lok.Sg. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.14 bildet eine Einheit.]

anyonyaspardhināṃ teṣāṃ yady ekaṃ satkariṣyasi / śeṣā vimanaso vyaktaṃ na yotsyante hi bhārata

Wenn du einen von ihnen, die miteinander wetteifern, ehrst, werden die übrigen offenkundig verstimmt sein und gewiss nicht kämpfen, o Bhārata.

Wort für Wort
anyonyaspardhinām teṣām
von ihnen, die miteinander wetteifern (Gen.Pl.)
yadi ekam satkariṣyasi
wenn du einen ehrst (Akk.Sg. + Fut.2.Sg.)
śeṣāḥ vimanasaḥ vyaktam
die übrigen offenkundig verstimmt (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv.)
na yotsyante hi
werden gewiss nicht kämpfen (Fut.3.Pl.Med.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)

[Anm.: V.15 bildet eine Einheit.]

ayaṃ tu sarvayodhānām ācāryaḥ sthaviro guruḥ / yuktaḥ senāpatiḥ kartuṃ droṇaḥ śastrabhṛtāṃ varaḥ

Dieser aber, der Lehrer aller Krieger, der ehrwürdige Lehrmeister, Droṇa, der Beste der Waffenträger, ist geeignet, zum Heerführer gemacht zu werden.

Wort für Wort
ayam tu sarvayodhānām ācāryaḥ
dieser aber, der Lehrer aller Krieger (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
sthaviraḥ guruḥ
der ehrwürdige Lehrmeister (Nom.Sg.)
yuktaḥ senāpatiḥ kartum
geeignet, zum Heerführer gemacht zu werden (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Inf.)
droṇaḥ śastrabhṛtām varaḥ
Droṇa, der Beste der Waffenträger (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.16 bildet eine Einheit.]

ko hi tiṣṭhati durdharṣe droṇe brahmaviduttame / senāpatiḥ syād anyo 'smāc chukrāṅgirasadarśanāt

Denn wer besteht [neben] dem unbezwingbaren Droṇa, dem Vorzüglichsten der Brahmankenner? Könnte ein anderer als dieser, [wenn es um] die Kunst des Śukra und Aṅgiras [geht], Heerführer sein?

Wort für Wort
kaḥ hi tiṣṭhati
denn wer besteht (Nom.Sg. + 3.Sg.)
durdharṣe droṇe
neben dem unbezwingbaren Droṇa (Lok.Sg. + Lok.Sg.)
brahmaviduttame
dem Vorzüglichsten der Brahmankenner (Lok.Sg.)
senāpatiḥ syāt anyaḥ
könnte ein anderer Heerführer sein (Nom.Sg. + Opt.3.Sg. + Nom.Sg.)
asmāt
als dieser (Abl.Sg.)
śukrāṅgirasadarśanāt
in der Kunst/Lehre des Śukra und Aṅgiras (Abl.Sg.)

[Anm.: V.17 bildet eine Einheit. Śukra und Aṅgiras: legendäre Lehrer der Staats-/Politikwissenschaft (nītiśāstra/arthaśāstra).]

na ca sa hy asti te yodhaḥ sarvarājasu bhārata / yo droṇaṃ samare yāntaṃ nānuyāsyati saṃyuge

Und es gibt unter all deinen Königen, o Bhārata, wahrlich keinen Krieger, der Droṇa, wenn er in die Schlacht zieht, im Kampf nicht folgen würde.

Wort für Wort
na ca saḥ hi asti
und es gibt wahrlich nicht (Neg. + Konj. + Pron. + Partikel + 3.Sg.)
te yodhaḥ sarvarājasu
diesen Krieger unter all [deinen] Königen (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Pl.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)
yaḥ droṇam samare yāntam
der Droṇa, wenn er in die Schlacht zieht (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.Part.)
na anuyāsyati saṃyuge
nicht folgen würde im Kampf (Fut.3.Sg. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.18 bildet eine Einheit.]

eṣa senāpraṇetṝṇām eṣa śastrabhṛtām api / eṣa buddhimatāṃ caiva śreṣṭho rājan guruś ca te

Dieser ist der Beste der Heerführer, dieser auch der Waffenträger, und dieser der Beste der Verständigen, o König, und dein Lehrer dazu.

Wort für Wort
eṣa senāpraṇetṝṇām
dieser der Heerführer (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
eṣa śastrabhṛtām api
dieser auch der Waffenträger (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
eṣa buddhimatām ca eva
und dieser der Verständigen (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
śreṣṭhaḥ
der Beste (Nom.Sg.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
guruḥ ca te
und dein Lehrer (Nom.Sg. + Gen.Sg.)

[Anm.: V.19 bildet eine Einheit.]

evaṃ duryodhanācāryam āśu senāpatiṃ kuru / jigīṣanto 'surān saṃkhye kārttikeyam ivāmarāḥ

So mache rasch den Lehrer Duryodhanas [Droṇa] zum Heerführer, wie die Unsterblichen, die Asuras zu besiegen wünschend, Kārttikeya [zum Heerführer machten].“

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
duryodhanācāryam
den Lehrer Duryodhanas (Akk.Sg., Droṇa)
āśu senāpatim kuru
mache rasch zum Heerführer (Adv. + Akk.Sg. + Imp.2.Sg.)
jigīṣantaḥ asurān saṃkhye
die Asuras zu besiegen wünschend im Kampf (Nom.Pl.Part. + Akk.Pl. + Lok.Sg.)
kārttikeyam iva amarāḥ
wie die Unsterblichen Kārttikeya [zum Heerführer machten] (Akk.Sg. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.20 bildet eine Einheit; Abschluss von Karṇas Rede (CQ_CLOSE). Kārttikeya: der Kriegsgott Skanda, von den Göttern zum Heerführer im Kampf gegen die Asuras gemacht.]

karṇasya vacanaṃ śrutvā rājā duryodhanas tadā / senāmadhyagataṃ droṇam idaṃ vacanam abravīt

Nachdem er Karṇas Worte gehört hatte, sprach König Duryodhana da zu Droṇa, der sich inmitten des Heeres befand, dieses Wort:

Wort für Wort
karṇasya vacanam
Karṇas Worte (Gen.Sg. + Akk.Sg.)
śrutvā
gehört habend (Ger.)
rājā duryodhanaḥ tadā
König Duryodhana da (Nom.Sg.)
senāmadhyagatam droṇam
zu Droṇa, der sich inmitten des Heeres befand (Akk.Sg.)
idam vacanam abravīt
sprach dieses Wort (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.21 bildet eine Einheit; Rahmennarration, bestätigt, dass V.12-20 Karṇas Worte waren, und leitet zu Duryodhanas Rede an Droṇa über.]

varṇaśraiṣṭhyāt kulotpattyā śrutena vayasā dhiyā / vīryād dākṣyād adhṛṣyatvād arthajñānān nayāj jayāt

„Wegen [deiner] Vorzüglichkeit an Stand, wegen [deiner] Geburt, wegen Gelehrsamkeit, Alter, Einsicht, wegen Tapferkeit, Geschicklichkeit, Unbezwingbarkeit, Sachkenntnis, kluger Staatsführung, [bisherigem] Erfolg,

Wort für Wort
varṇaśraiṣṭhyāt
wegen der Vorzüglichkeit an Stand (Abl.Sg.)
kulotpattyā
wegen der Geburt/Herkunft (Instr.Sg.)
śrutena vayasā dhiyā
wegen Gelehrsamkeit, Alter, Einsicht (Instr.Sg. je)
vīryāt dākṣyāt adhṛṣyatvāt
wegen Tapferkeit, Geschicklichkeit, Unbezwingbarkeit (Abl.Sg. je)
arthajñānāt nayāt jayāt
wegen Sachkenntnis, kluger Staatsführung, Erfolg (Abl.Sg. je)

[Anm.: V.22 bildet eine Einheit; Beginn von Duryodhanas Rede an Droṇa (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.31).]

tapasā ca kṛtajñatvād vṛddhaḥ sarvaguṇair api / yukto bhavatsamo goptā rājñām anyo na vidyate

und wegen [deiner] Askese und Dankbarkeit, an allen Tugenden reich — es gibt keinen anderen Beschützer unter den Königen, der dir gleich [und dazu] geeignet wäre.

Wort für Wort
tapasā ca kṛtajñatvāt
und wegen Askese und Dankbarkeit (Instr.Sg. + Abl.Sg.)
vṛddhaḥ sarvaguṇaiḥ api
an allen Tugenden reich (Nom.Sg. + Instr.Pl.)
yuktaḥ bhavatsamaḥ goptā
ein geeigneter, dir gleicher Beschützer (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
rājñām anyaḥ na vidyate
unter den Königen gibt es keinen anderen (Gen.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Pass.)

[Anm.: V.23 bildet eine Einheit.]

sa bhavān pātu naḥ sarvān vibudhān iva vāsavaḥ / bhavannetrāḥ parāñ jetum icchāmo dvijasattama

So mögest du uns alle beschützen, wie Vāsava [Indra] die Götter; unter deiner Führung wollen wir die Feinde besiegen, o Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
saḥ bhavān pātu
so mögest du beschützen (Nom.Sg. + Imp.3.Sg.)
naḥ sarvān
uns alle (Akk.Pl.)
vibudhān iva vāsavaḥ
wie Vāsava [Indra] die Götter (Akk.Pl. + Nom.Sg.)
bhavannetrāḥ
unter deiner Führung (Nom.Pl., Bahuvrīhi: 'dich zum Führer habend')
parān jetum icchāmaḥ
wir wollen die Feinde besiegen (Akk.Pl. + Inf. + 1.Pl.)
dvijasattama
o Bester der Zweifachgeborenen (Vok.Sg.)

[Anm.: V.24 bildet eine Einheit.]

rudrāṇām iva kāpālī vasūnām iva pāvakaḥ / kubera iva yakṣāṇāṃ marutām iva vāsavaḥ

Wie Kāpālin [Śiva] unter den Rudras, wie Pāvaka [Agni] unter den Vasus, wie Kubera unter den Yakṣas, wie Vāsava [Indra] unter den Maruts,

Wort für Wort
rudrāṇām iva kāpālī
wie Kāpālin [Śiva] unter den Rudras (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
vasūnām iva pāvakaḥ
wie Pāvaka [Agni] unter den Vasus (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
kuberaḥ iva yakṣāṇām
wie Kubera unter den Yakṣas (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
marutām iva vāsavaḥ
wie Vāsava [Indra] unter den Maruts (Gen.Pl. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.25 bildet eine Einheit; Beginn einer Kette von Göttervergleichen, fortgesetzt bis V.27.]

vasiṣṭha iva viprāṇāṃ tejasām iva bhāskaraḥ / pitṝṇām iva dharmo 'tha ādityānām ivāmburāṭ

wie Vasiṣṭha unter den Weisen, wie Bhāskara [die Sonne] unter den leuchtenden [Gestirnen], wie Dharma unter den Ahnen, und wie der Herrscher der Gewässer [Varuṇa] unter den Ādityas,

Wort für Wort
vasiṣṭhaḥ iva viprāṇām
wie Vasiṣṭha unter den Weisen (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
tejasām iva bhāskaraḥ
wie Bhāskara [die Sonne] unter den Leuchtenden (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
pitṝṇām iva dharmaḥ
wie Dharma unter den Ahnen (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
atha ādityānām iva amburāṭ
und wie der Herrscher der Gewässer [Varuṇa] unter den Ādityas (Gen.Pl. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.26 bildet eine Einheit; Fortsetzung der Göttervergleiche.]

nakṣatrāṇām iva śaśī ditijānām ivośanāḥ / śreṣṭhaḥ senāpraṇetṝṇāṃ sa naḥ senāpatir bhava

wie der Mond unter den Mondhäusern, wie Uśanas [Śukra] unter den Söhnen der Diti — [so sei du] der Beste der Heerführer; sei unser Heerführer.

Wort für Wort
nakṣatrāṇām iva śaśī
wie der Mond unter den Mondhäusern (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
ditijānām iva uśanāḥ
wie Uśanas [Śukra] unter den Söhnen der Diti (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
śreṣṭhaḥ senāpraṇetṝṇām
der Beste der Heerführer (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
saḥ naḥ senāpatiḥ bhava
sei du unser Heerführer (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Imp.2.Sg.)

[Anm.: V.27 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0041_01/02 ('wie der Untergang für alle Welten und das Weltall; der Beste in Entstehung, Bestand und Auflösung des Weltalls ist der Herr Nārāyaṇa') fügt eine theologisch erhöhende Zusatzstrophe in die Vergleichskette ein und wird als unterbrechende Erweiterung nicht in den Haupttext übernommen.]

akṣauhiṇyo daśaikā ca vaśagāḥ santu te 'nagha / tābhiḥ śatrūn prativyūhya jahīndro dānavān iva

Elf Akṣauhiṇīs mögen dir untertan sein, o Schuldloser; mit ihnen ordne dich den Feinden entgegen und schlage sie, wie Indra die Dānavas schlug.

Wort für Wort
akṣauhiṇyaḥ daśaikā ca
elf Akṣauhiṇīs (Nom.Pl.)
vaśagāḥ santu te
mögen dir untertan sein (Nom.Pl. + Imp.3.Pl. + Dat.Sg.)
anagha
o Schuldloser (Vok.Sg.)
tābhiḥ śatrūn prativyūhya
mit ihnen den Feinden entgegengeordnet (Instr.Pl. + Akk.Pl. + Ger.)
jahi indraḥ dānavān iva
schlage, wie Indra die Dānavas [schlug] (Imp.2.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.28 bildet eine Einheit. Akṣauhiṇī: die größte Heereseinheit (vgl. Glossar).]

prayātu no bhavān agre devānām iva pāvakiḥ / anuyāsyāmahe tv ājau saurabheyā ivarṣabham

Ziehe du uns voran, wie der Sohn des Feuers [Skanda] den Göttern; wir werden [dir] im Kampf folgen, wie die Söhne der Surabhi dem Stier [folgen].

Wort für Wort
prayātu naḥ bhavān agre
ziehe du uns voran (Imp.3.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Adv.)
devānām iva pāvakiḥ
wie der Sohn des Feuers [Skanda] den Göttern (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
anuyāsyāmahe tu ājau
wir werden [dir] folgen im Kampf (Fut.1.Pl.Med. + Lok.Sg.)
saurabheyāḥ iva ṛṣabham
wie die Söhne der Surabhi dem Stier (Nom.Pl. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.29 bildet eine Einheit. Pāvaki: 'Sohn des Feuers[gottes]', Beiname Skandas. Saurabheya: die Nachkommen der Kuh Surabhi, hier bildlich für die dem Leitstier folgende Herde.]

ugradhanvā maheṣvāso divyaṃ visphārayan dhanuḥ / agre bhavantaṃ dṛṣṭvā no nārjunaḥ prasahiṣyate

Wenn Arjuna, der Furchtbarbogige, der große Bogenschütze, seinen göttlichen Bogen spannend, dich an unserer Spitze erblickt, wird er nicht standhalten können.

Wort für Wort
ugradhanvā maheṣvāsaḥ
der Furchtbarbogige, der große Bogenschütze (Nom.Sg., Arjuna)
divyam visphārayan dhanuḥ
den göttlichen Bogen spannend (Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Akk.Sg.)
agre bhavantam dṛṣṭvā naḥ
dich an unserer Spitze erblickt habend (Adv. + Akk.Sg. + Ger. + Gen.Pl.)
na arjunaḥ prasahiṣyate
wird Arjuna nicht standhalten können (Nom.Sg. + Fut.3.Sg.Med.)

[Anm.: V.30 bildet eine Einheit.]

dhruvaṃ yudhiṣṭhiraṃ saṃkhye sānubandhaṃ sabāndhavam / jeṣyāmi puruṣavyāghra bhavān senāpatir yadi

Gewiss werde ich Yudhiṣṭhira im Kampf, mitsamt seinem Gefolge und seinen Verwandten, besiegen, o tigerartiger Mann, wenn du der Heerführer bist.“

Wort für Wort
dhruvam yudhiṣṭhiram saṃkhye
gewiss Yudhiṣṭhira im Kampf (Adv. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
sānubandham sabāndhavam
mitsamt Gefolge und Verwandten (Akk.Sg. je, Bahuvrīhi)
jeṣyāmi
werde ich besiegen (Fut.1.Sg.)
puruṣavyāghra
o tigerartiger Mann (Vok.Sg.)
bhavān senāpatiḥ yadi
wenn du der Heerführer bist (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)

[Anm.: V.31 bildet eine Einheit; Abschluss von Duryodhanas Rede an Droṇa (CQ_CLOSE).]

evam ukte tato droṇe jayety ūcur narādhipāḥ / siṃhanādena mahatā harṣayantas tavātmajam

Als dies gesagt war, riefen die Fürsten Droṇa daraufhin 'Sieg!' zu, deinen Sohn mit gewaltigem Löwengebrüll erfreuend.

Wort für Wort
evam ukte tataḥ
als dies gesagt war, daraufhin (Lok.Sg.Absol.)
droṇe
Droṇa [zu] (Lok.Sg., Dat.-Funktion)
jaya iti ūcuḥ narādhipāḥ
'Sieg!' riefen die Fürsten (Interj. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.)
siṃhanādena mahatā
mit gewaltigem Löwengebrüll (Instr.Sg.)
harṣayantaḥ tava ātmajam
deinen Sohn erfreuend (Nom.Pl.Part.Kaus. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.32 bildet eine Einheit; Rückkehr zur Rahmennarration.]

sainikāś ca mudā yuktā vardhayanti dvijottamam / duryodhanaṃ puraskṛtya prārthayanto mahad yaśaḥ

Und die Soldaten, von Freude erfüllt, priesen den Besten der Zweifachgeborenen [Droṇa], Duryodhana voranstellend, nach großem Ruhm strebend.

Wort für Wort
sainikāḥ ca mudā yuktāḥ
und die Soldaten, von Freude erfüllt (Nom.Pl. + Instr.Sg. + Nom.Pl.)
vardhayanti dvijottamam
priesen den Besten der Zweifachgeborenen (3.Pl. + Akk.Sg.)
duryodhanam puraskṛtya
Duryodhana vorangestellt (Akk.Sg. + Ger.)
prārthayantaḥ mahat yaśaḥ
nach großem Ruhm strebend (Nom.Pl.Part. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.33 bildet eine Einheit. Der Apparatseinschub *0042_01 ('sie hielten die Pārthas für [bereits] niedergeworfen und [dies für] ihren eigenen höchsten Ruhm') sowie *0043_01 ('da sprach Droṇa, o König, zu Duryodhana dieses Wort') sind redundante Zusätze bzw. eine durch die nachfolgende Sprecherkennzeichnung 'droṇa uvāca' (V.34) bereits überflüssige Überleitung und werden nicht übernommen.]

vedaṃ ṣaḍaṅgaṃ vedāham arthavidyāṃ ca mānavīm / traiyambakam atheṣvastram astrāṇi vividhāni ca

„Ich kenne den Veda mit seinen sechs Hilfswissenschaften, und die menschliche Wissenschaft der Staatskunst, und die Traiyambaka-Waffe [des Śiva], und mannigfaltige [andere] Waffen.

Wort für Wort
vedam ṣaḍaṅgam
den Veda mit den sechs Hilfswissenschaften (Akk.Sg.)
veda aham
ich kenne (1.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
arthavidyām ca mānavīm
und die menschliche Wissenschaft der Staatskunst (Akk.Sg.)
traiyambakam atha iṣvastram
und die Traiyambaka-Waffe (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
astrāṇi vividhāni ca
und mannigfaltige [andere] Waffen (Akk.Pl.)

[Anm.: V.34 bildet eine Einheit; Beginn von Droṇas kurzer Annahmerede (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.35), eingeleitet durch 'droṇa uvāca'. Ṣaḍaṅga: die sechs vedischen Hilfswissenschaften (Phonetik, Ritual, Grammatik, Etymologie, Metrik, Astronomie). Traiyambaka: die Waffe des 'Dreiäugigen' Śiva (Pāśupata-Waffe).]

ye cāpy uktā mayi guṇā bhavadbhir jayakāṅkṣibhiḥ / cikīrṣus tān ahaṃ satyān yodhayiṣyāmi pāṇḍavān

Und auch die Tugenden, die mir von euch, den Sieg Begehrenden, zugeschrieben wurden — diese wahr machen wollend, werde ich gegen die Pāṇḍavas kämpfen.“

Wort für Wort
ye ca api uktāḥ mayi guṇāḥ
und auch die Tugenden, die mir zugeschrieben wurden (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)
bhavadbhiḥ jayakāṅkṣibhiḥ
von euch, den Sieg Begehrenden (Instr.Pl.)
cikīrṣuḥ tān aham satyān
diese wahr machen wollend, ich (Nom.Sg.Desid. + Akk.Pl. + Nom.Sg. + Akk.Pl.)
yodhayiṣyāmi pāṇḍavān
werde ich gegen die Pāṇḍavas kämpfen (Fut.1.Sg. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.35 bildet eine Einheit; Abschluss von Droṇas Rede (CQ_CLOSE). Der ausführliche Apparatseinschub *0044_01-04 (4 Zeilen) überliefert hier eine inhaltlich bedeutsame, aber als Zusatzüberlieferung behandelte Passage: Droṇa erklärt, den Sohn des Pṛṣata [Dhṛṣṭadyumna] werde er im Kampf keinesfalls töten, da dieser eigens zu seiner, Droṇas, Tötung erschaffen worden sei; er werde vielmehr die Heere bekämpfen und alle Somakas vernichten, doch die Pāṇḍavas würden ihn nicht freudig zum Kampf stellen. Diese Vorausdeutung auf Droṇas späteres Schicksal (seinen Tod durch Dhṛṣṭadyumna) wird, obwohl inhaltlich bedeutsam, gemäß der Konvention dieser Übersetzung als Apparatstext dokumentiert, nicht als Haupttext übersetzt.]

sa evam abhyanujñātaś cakre senāpatiṃ tataḥ / droṇaṃ tava suto rājan vidhidṛṣṭena karmaṇā

So ermächtigt, machte dein Sohn, o König, Droṇa daraufhin mit dem vorschriftsgemäß festgelegten Ritus zum Heerführer.

Wort für Wort
saḥ evam abhyanujñātaḥ
so ermächtigt (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.Part.)
cakre senāpatim tataḥ
machte daraufhin zum Heerführer (3.Sg.Perf.Med. + Akk.Sg. + Adv.)
droṇam tava sutaḥ
Droṇa dein Sohn (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
vidhidṛṣṭena karmaṇā
mit dem vorschriftsgemäß festgelegten Ritus (Instr.Sg.)

[Anm.: V.36 bildet eine Einheit.]

athābhiṣiṣicur droṇaṃ duryodhanamukhā nṛpāḥ / senāpatye yathā skandaṃ purā śakramukhāḥ surāḥ

Da weihten die von Duryodhana angeführten Könige Droṇa in die Heerführerschaft, wie einst die von Śakra [Indra] angeführten Götter Skanda [weihten].

Wort für Wort
atha abhiṣiṣicuḥ droṇam
da weihten sie Droṇa (Adv. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg.)
duryodhanamukhāḥ nṛpāḥ
die von Duryodhana angeführten Könige (Nom.Pl.)
senāpatye
in die Heerführerschaft (Lok.Sg.)
yathā skandam purā
wie einst Skanda (Adv. + Akk.Sg. + Adv.)
śakramukhāḥ surāḥ
die von Śakra [Indra] angeführten Götter (Nom.Pl.)

[Anm.: V.37 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0045_01 ('mit anderen sanften, heilvollen, entzückenden Segensrufen') ist eine ausmalende Ergänzung und wird nicht übernommen.]

tato vāditraghoṣeṇa saha puṃsāṃ mahāsvanaiḥ / prādurāsīt kṛte droṇe harṣaḥ senāpatau tadā

Da entstand, zusammen mit dem Getöse der Musikinstrumente und den gewaltigen Rufen der Männer, Freude, als Droṇa da zum Heerführer gemacht worden war.

Wort für Wort
tataḥ vāditraghoṣeṇa saha
da, zusammen mit dem Getöse der Musikinstrumente (Adv. + Instr.Sg. + Postposition)
puṃsām mahāsvanaiḥ
mit den gewaltigen Rufen der Männer (Gen.Pl. + Instr.Pl.)
prādurāsīt harṣaḥ
entstand Freude (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
kṛte droṇe senāpatau
als Droṇa zum Heerführer gemacht worden war (Lok.Sg.Absol. + Lok.Sg. + Lok.Sg.)
tadā
da/dann (Adv.)

[Anm.: V.38 bildet eine Einheit.]

tataḥ puṇyāhaghoṣeṇa svastivādasvanena ca / saṃstavair gītaśabdaiś ca sūtamāgadhabandinām

Da, mit dem Ruf 'Ein heilvoller Tag!' und mit dem Klang der Segenswünsche, mit Lobpreisungen und mit den Gesangslauten der Sūtas, Māgadhas und Panegyriker,

Wort für Wort
tataḥ puṇyāhaghoṣeṇa
da, mit dem Ruf 'ein heilvoller Tag' (Adv. + Instr.Sg.)
svastivādasvanena ca
und mit dem Klang der Segenswünsche (Instr.Sg.)
saṃstavaiḥ gītaśabdaiḥ ca
mit Lobpreisungen und Gesangslauten (Instr.Pl.)
sūtamāgadhabandinām
der Sūtas, Māgadhas und Panegyriker (Gen.Pl.)

[Anm.: V.39 bildet eine Einheit; Fortsetzung bis V.40. Sūtas, Māgadhas, Bandins: Wagenlenker-Barden, Hofsänger und Lobredner, traditionell mit der Verkündigung königlicher Ruhmestaten befasst.]

jayaśabdair dvijāgryāṇāṃ subhagānartitais tathā / satkṛtya vidhivad droṇaṃ jitān manyanta pāṇḍavān

mit den Siegesrufen der vorzüglichsten Brahmanen und ebenso mit anmutigen Tänzen — nachdem sie Droṇa vorschriftsgemäß geehrt hatten, betrachteten sie die Pāṇḍavas [schon] als besiegt.

Wort für Wort
jayaśabdaiḥ dvijāgryāṇām
mit den Siegesrufen der vorzüglichsten Brahmanen (Instr.Pl. + Gen.Pl.)
subhagānartitaiḥ tathā
und ebenso mit anmutigen Tänzen (Instr.Pl. + Adv.)
satkṛtya vidhivat droṇam
Droṇa vorschriftsgemäß geehrt habend (Ger. + Adv. + Akk.Sg.)
jitān manyanta pāṇḍavān
betrachteten sie die Pāṇḍavas als besiegt (Akk.Pl.Part. + 3.Pl.Impf.Med. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.40 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas); Schlussvers des Kapitels. Der Apparatseinschub *0046_01/02 ('ein gewaltiger Ruf entstand, als der Zweifachgeborene zum Heerführer gemacht wurde; alle, mit hocherfreutem Sinn, [ehrten] den Großmütigen in der Heerführerschaft') wiederholt redundant das Jubelmotiv und wird nicht übernommen.]

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