Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Droṇaparva

Kapitel 9: Yodhapraśna Der zehnte Tag: Dhṛtarāṣṭras Fragenkatalog nach den Kämpfern um Droṇa

Vaiśampāyana berichtet zunächst, wie Dhṛtarāṣṭra nach seiner in Kap.8 wiedergegebenen Klage ohnmächtig zu Boden sinkt und von den Frauen des Hauses wiederbelebt wird (V.1-6). Sobald er wieder bei Bewusstsein ist, setzt er, ohne eigene erneute Sprecherkennzeichnung im Quelltext, seine Befragung Saṃjayas mit einem langen, katalogartigen Fragenkomplex fort: Krieger für Krieger des Pāṇḍava-Heeres – Yudhiṣṭhira, Bhīma, Arjuna, Nakula, Sahadeva, Sātyaki, ein pāñcālischer Krieger, Dhṛṣṭaketu, Śikhaṇḍin, Abhimanyu, die Söhne Draupadīs, die Söhne Dhṛṣṭadyumnas, Cekitāna, Anādhṛṣṭi, die fünf Kaikeya-Brüder, ein weiterer, unbenannter Krieger, Dhṛṣṭadyumna (nun namentlich, mit Rückverweis auf seine in Kap.5 dokumentierte Bestimmung zu Droṇas Tötung), ein Kṣatradeva, ein Nachkomme des sagenhaft freigebigen Königs Śibi, Virāṭa und schließlich Ghaṭotkaca – werden mit ausführlichen, bildreichen Beschreibungen vorgestellt, gefolgt jeweils von der immer wiederkehrenden rhetorischen Frage, wer sie davon abgehalten habe, den rasenden Droṇa zu erreichen (V.7-69). Das Kapitel schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion Dhṛtarāṣṭras über die Unbesiegbarkeit einer von Kṛṣṇa unterstützten Streitmacht und seiner Ankündigung, aus eigener Fassung heraus nun Kṛṣṇas göttliche Taten preisen zu wollen (V.70-73) – ein Vorhaben, das im folgenden, mit neuer Sprecherkennzeichnung 'dhṛtarāṣṭra uvāca' einsetzenden Kapitel fortgesetzt wird. Im kritischen Apparat findet sich nach V.69d ein außerordentlich umfangreicher, 25-zeiliger Einschub (@003_0001 bis @003_0025), der – philosophisch reflektierend über Kṛṣṇa und Arjuna als die uralten Götter Nara und Nārāyaṇa, über Balarāma, Pradyumna und weitere Vṛṣṇi-Helden, sowie über die Frage, wer einer von Kṛṣṇa unterstützten Streitmacht überhaupt standhalten könnte – beiläufig ausdrücklich feststellt, 'bhīṣmadroṇau hatau yuddhe' ('Bhīṣma und Droṇa, beide im Kampf erschlagen'): eine weitere, auch im Apparat auftauchende Bestätigung, dass der Quelltext an dieser Stelle Droṇas Tod als bereits geschehen behandelt (vgl. Anm. zu Kap.7-8). Dieser Einschub wird, wie die übrigen Apparatstellen des Kapitels, nicht in den Haupttext übernommen, hier aber inhaltlich dokumentiert.

evaṃ pṛṣṭvā sūtaputraṃ hṛcchokenārdito bhṛśam / jaye nirāśaḥ putrāṇāṃ dhṛtarāṣṭro 'patat kṣitau / taṃ visaṃjñaṃ nipatitaṃ siṣicuḥ paricārakāḥ / jalenātyarthaśītena vījantaḥ puṇyagandhinā / patitaṃ cainam ājñāya samantād bharatastriyaḥ / parivavrur mahārājam aspṛśaṃś caiva pāṇibhiḥ / utthāpya cainaṃ śanakai rājānaṃ pṛthivītalāt / āsanaṃ prāpayām āsur bāṣpakaṇṭhyo varāṅganāḥ / āsanaṃ prāpya rājā tu mūrchayābhipariplutaḥ / niśceṣṭo 'tiṣṭhata tadā vījyamānaḥ samantataḥ / sa labdhvā śanakaiḥ saṃjñāṃ vepamāno mahīpatiḥ / punar gāvalgaṇiṃ sūtaṃ paryapṛcchad yathātatham

So den Sūta-Sohn befragt habend, von Herzenskummer heftig gequält, der Hoffnung auf den Sieg seiner Söhne beraubt, fiel Dhṛtarāṣṭra zu Boden. Ihn, den Besinnungslosen, Gefallenen, besprengten die Diener mit überaus kühlem, wohlriechendem Wasser, ihn fächelnd. Als sie ihn gefallen sahen, umringten von allen Seiten die Bharata-Frauen den Großkönig und berührten ihn mit ihren Händen. Nachdem sie ihn, den König, langsam vom Erdboden aufgerichtet hatten, brachten ihn die schönen Frauen, die Kehle von Tränen erstickt, zu einem Sitz. Als der König aber den Sitz erreicht hatte, von Ohnmacht überflutet, stand er da bewegungslos, von allen Seiten gefächelt. Als er langsam wieder zur Besinnung kam, befragte der zitternde Herr der Erde den Sūta-Sohn Gāvalgaṇi [Saṃjaya] von neuem, der Reihe nach.

Wort für Wort
evaṃ pṛṣṭvā sūtaputram hṛcchokena arditaḥ bhṛśam
so den Sūta-Sohn befragt habend, von Herzenskummer heftig gequält (Adv. + Ger. + Akk.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part. + Adv.)
jaye nirāśaḥ putrāṇām dhṛtarāṣṭraḥ apatat kṣitau
der Hoffnung auf den Sieg seiner Söhne beraubt, fiel Dhṛtarāṣṭra zu Boden (Lok.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Lok.Sg.)
tam visaṃjñam nipatitam siṣicuḥ paricārakāḥ
ihn, den Besinnungslosen, Gefallenen, besprengten die Diener (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.)
jalena atyarthaśītena vījantaḥ puṇyagandhinā
mit überaus kühlem, wohlriechendem Wasser, ihn fächelnd (Instr.Sg. + Instr.Sg.Bah. + Nom.Pl.Part. + Instr.Sg.Bah.)
patitam ca enam ājñāya samantāt bharatastriyaḥ
als sie ihn gefallen sahen, von allen Seiten die Bharata-Frauen (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Ger. + Adv. + Nom.Pl.)
parivavruḥ mahārājam aspṛśan ca eva pāṇibhiḥ
umringten den Großkönig und berührten ihn mit ihren Händen (3.Pl.Perf. + Akk.Sg. + 3.Pl.Impf. + Konj. + Partikel + Instr.Pl.)
utthāpya ca enam śanakaiḥ rājānam pṛthivītalāt
nachdem sie ihn, den König, langsam vom Erdboden aufgerichtet hatten (Ger. + Konj. + Akk.Sg. + Adv. + Akk.Sg. + Abl.Sg.)
āsanam prāpayām āsuḥ bāṣpakaṇṭhyaḥ varāṅganāḥ
brachten ihn die schönen Frauen, die Kehle von Tränen erstickt, zu einem Sitz (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.Kaus. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.)
āsanam prāpya rājā tu mūrchayā abhipariplutaḥ
als der König aber den Sitz erreicht hatte, von Ohnmacht überflutet (Akk.Sg. + Ger. + Nom.Sg. + Konj. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)
niśceṣṭaḥ atiṣṭhata tadā vījyamānaḥ samantataḥ
stand er da bewegungslos, von allen Seiten gefächelt (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.Med. + Adv. + Nom.Sg.Part.Pass. + Adv.)
sa labdhvā śanakaiḥ saṃjñām vepamānaḥ mahīpatiḥ
als er langsam wieder zur Besinnung kam, der zitternde Herr der Erde (Nom.Sg. + Ger. + Adv. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.)
punar gāvalgaṇim sūtam paryapṛcchat yathātatham
befragte den Sūta-Sohn Gāvalgaṇi von neuem, der Reihe nach (Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Adv.)

[Anm.: V.1-6 bilden eine syntaktische Einheit; Rahmennarration Vaiśampāyanas (keine Anführungszeichen-Markierung), die Dhṛtarāṣṭras Zusammenbruch und Wiedererwachen nach seiner in Kap.8 wiedergegebenen Klage schildert. Ab V.7 setzt sich, ohne eigene Sprecherkennzeichnung im Quelltext, Dhṛtarāṣṭras erneuter, nun sehr ausführlicher Fragenkatalog an Saṃjaya fort (bis V.73), in dem er, Krieger für Krieger, fragt, wer sie jeweils davon abgehalten habe, den rasenden Droṇa zu erreichen bzw. zu bezwingen; auch dieser fortgesetzte Redeteil erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung.]

yat tad udyann ivādityo jyotiṣā praṇudaṃs tamaḥ / āyād ajātaśatrur vai kas taṃ droṇād avārayat / prabhinnam iva mātaṅgaṃ tathā kruddhaṃ tarasvinam / āsaktamanasaṃ dīptaṃ pratidviradaghātinam / ati cānyān raṇe yodhān vīraḥ puruṣasattamaḥ / yo hy eko hi mahābāhur nirdahed ghoracakṣuṣā / kṛtsnaṃ duryodhanabalaṃ dhṛtimān satyasaṃgaraḥ / cakṣurhaṇaṃ jaye saktam iṣvāsavararakṣitam / dāntaṃ bahumataṃ loke ke śūrāḥ paryavārayan / ke duṣpradharṣaṃ rājānam iṣvāsavaram acyutam / samāsedur naravyāghraṃ kaunteyaṃ tatra māmakāḥ

Als jener, wie die aufgehende Sonne, mit seinem Glanz die Finsternis vertreibend, herankam — Ajātaśatru [Yudhiṣṭhira] fürwahr —, wer hielt ihn von Droṇa fern? Wie ein brünstiger Elefant, so erzürnt, ungestüm, in Gedanken versunken, glühend, ein Töter feindlicher Elefanten, die anderen Krieger im Kampf übertreffend, der Held, der Vortrefflichste unter den Männern, er, der Großarmige, der ganz allein mit seinem furchtbaren Blick Duryodhanas gesamtes Heer hätte verbrennen können, der Standhafte, treu seinem Abkommen — den Augenzerstörer [?], auf den Sieg bedacht, vom besten der Bogenschützen beschützt, den Bezähmten, in der Welt hochgeachteten — welche Helden hielten ihn ab? Welche der Meinen traten dort dem schwer anzugreifenden König entgegen, dem besten der Bogenschützen, dem Unfehlbaren, dem Tiger unter den Männern, dem Sohn der Kuntī?

Wort für Wort
yat tat udyan iva ādityaḥ jyotiṣā praṇudan tamaḥ
als jener, wie die aufgehende Sonne, mit seinem Glanz die Finsternis vertreibend (Konj. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part. + Akk.Sg.)
āyāt ajātaśatruḥ vai kaḥ tam droṇāt avārayat
herankam — Ajātaśatru fürwahr —, wer hielt ihn von Droṇa fern (3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Interrog. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Sg.Impf.)
prabhinnam iva mātaṅgam tathā kruddham tarasvinam
wie ein brünstiger Elefant, so erzürnt, ungestüm (Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Adv. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.Bah.)
āsaktamanasam dīptam pratidviradaghātinam
in Gedanken versunken, glühend, ein Töter feindlicher Elefanten (Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.Bah.)
ati ca anyān raṇe yodhān vīraḥ puruṣasattamaḥ
die anderen Krieger im Kampf übertreffend, der Held, der Vortrefflichste unter den Männern (Präverb + Konj. + Akk.Pl. + Lok.Sg. + Akk.Pl. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
yaḥ hi ekaḥ hi mahābāhuḥ nirdahet ghoracakṣuṣā
er, der Großarmige, der ganz allein mit seinem furchtbaren Blick hätte verbrennen können (Nom.Sg.Relativ + Partikel + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Bah. + 3.Sg.Opt. + Instr.Sg.Bah.)
kṛtsnam duryodhanabalam dhṛtimān satyasaṃgaraḥ
Duryodhanas gesamtes Heer, der Standhafte, treu seinem Abkommen (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Bah.)
cakṣurhaṇam jaye saktam iṣvāsavararakṣitam
den Augenzerstörer [?], auf den Sieg bedacht, vom besten der Bogenschützen beschützt (Akk.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.Bah.)
dāntam bahumatam loke ke śūrāḥ paryavārayan
den Bezähmten, in der Welt hochgeachteten — welche Helden hielten ihn ab (Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)
ke duṣpradharṣam rājānam iṣvāsavaram acyutam
welche [traten] dem schwer anzugreifenden König entgegen, dem besten der Bogenschützen, dem Unfehlbaren (Nom.Pl.Interrog. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
samāsedur naravyāghram kaunteyam tatra māmakāḥ
traten dort dem Tiger unter den Männern, dem Sohn der Kuntī, die Meinen entgegen (3.Pl.Impf. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Adv. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.7-11 bilden eine syntaktische Einheit und werden hier, trotz fehlender ausdrücklicher Namensnennung in V.8-11, als fortgesetzte, weiter ausgeschmückte Frage zu dem in V.7 namentlich genannten Ajātaśatru (Yudhiṣṭhira) gedeutet: Die Beiwörter 'dhṛtimān' ('standhaft', vgl. seinen Beinamen Yudhiṣṭhira/Dharmarāja) und 'satyasaṃgaraḥ' ('treu seinem Abkommen') passen gut auf ihn. 'cakṣurhaṇam' (V.10a) ist unsicher überliefert bzw. schwer deutbar [?] und wird hier wörtlich, aber mit Vorbehalt wiedergegeben.]

tarasaivābhipatyātha yo vai droṇam upādravat / taṃ bhīmasenam āyāntaṃ ke śūrāḥ paryavārayan

Und der, welcher dann, mit Wucht heranstürmend, geradewegs auf Droṇa losstürzte — jenen Bhīmasena, herankommend, welche Helden hielten ihn ab?

Wort für Wort
tarasā eva abhipatya atha
und der dann, mit Wucht heranstürmend (Instr.Sg. + Partikel + Ger. + Adv.)
yaḥ vai droṇam upādravat
welcher fürwahr geradewegs auf Droṇa losstürzte (Nom.Sg.Relativ + Partikel + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
tam bhīmasenam āyāntam ke śūrāḥ paryavārayan
jenen Bhīmasena, herankommend, welche Helden hielten ihn ab (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.12 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0067_01-02 (yaḥ karoti mahatkarma śatrūṇāṃ vai mahābalaḥ / mahākāyo mahotsāho nāgāyutasamo bale, 'der, mächtig, große Taten gegen die Feinde vollbringt, großgewachsen, von großem Eifer, an Kraft zehntausend Elefanten gleich') ist eine ausmalende, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]

yad āyāj jaladaprakhyo rathaḥ paramavīryavān / parjanya iva bībhatsus tumulām aśaniṃ sṛjan / vavarṣa śaravarṣāṇi varṣāṇi maghavān iva / iṣusaṃbādham ākāśaṃ kurvan kapivaradhvajaḥ / avasphūrjan diśaḥ sarvās talanemisvanena ca / cāpavidyutprabho ghoro rathagulmabalāhakaḥ / rathanemighoṣastanitaḥ śaraśabdātibandhuraḥ / roṣanirjitajīmūto mano 'bhiprāyaśīghragaḥ / marmātigo bāṇadhāras tumulaḥ śoṇitodakaḥ / saṃplāvayan mahīṃ sarvāṃ mānavair āstaraṃs tadā / gadāniṣṭanito raudro duryodhanakṛtodyamaḥ / yuddhe 'bhyaṣiñcad vijayo gārdhrapatraiḥ śilāśitaiḥ / gāṇḍīvaṃ dhārayan dhīmān kīdṛśaṃ vo manas tadā

Als der wolkengleiche Wagen von höchster Tapferkeit kam — Bībhatsu [Arjuna], wie der Regengott Parjanya, ein tosendes Gewitter entfesselnd, Pfeilschauer regnend wie Maghavan [Indra] Regenschauer, den Himmel pfeildicht machend, der mit dem vortrefflichen Affenbanner, alle Himmelsrichtungen durchdröhnend mit dem Klang von Handschutz und Radfelge, blitzstrahlend wie sein Bogen, furchtbar, sein Wagen ein Wolkenschwarm, dessen Donnern der Klang von Radfelge und Achse ist, überaus lieblich durch das Geräusch der Pfeile, eine an Zorn siegreiche Gewitterwolke, so schnell wie der Gedanke seiner Absicht, in die verwundbaren Stellen dringend, Pfeile tragend, tosend, von Blut triefend, die ganze Erde überflutend und sie da mit Menschen[leichen] bedeckend, furchtbar vom Dröhnen der Keulen, gegen Duryodhana zum Angriff angesetzt — im Kampf beschoss Vijaya [Arjuna] mit geierbefiederten, an Stein geschärften [Pfeilen], das Gāṇḍīva führend, der Weise: wie war da euer Sinn?

Wort für Wort
yat āyāt jaladaprakhyaḥ rathaḥ paramavīryavān
als der wolkengleiche Wagen von höchster Tapferkeit kam (Konj. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
parjanyaḥ iva bībhatsuḥ tumulām aśanim sṛjan
Bībhatsu, wie der Regengott Parjanya, ein tosendes Gewitter entfesselnd (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
vavarṣa śaravarṣāṇi varṣāṇi maghavān iva
regnete Pfeilschauer wie Maghavan Regenschauer (3.Sg.Perf. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Nom.Sg. + Partikel)
iṣusaṃbādham ākāśam kurvan kapivaradhvajaḥ
den Himmel pfeildicht machend, der mit dem vortrefflichen Affenbanner (Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.Bah.)
avasphūrjan diśaḥ sarvāḥ talanemisvanena ca
alle Himmelsrichtungen durchdröhnend mit dem Klang von Handschutz und Radfelge (Nom.Sg.Part. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Instr.Sg. + Konj.)
cāpavidyutprabhaḥ ghoraḥ rathagulmabalāhakaḥ
blitzstrahlend wie sein Bogen, furchtbar, sein Wagen ein Wolkenschwarm (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
rathanemighoṣastanitaḥ śaraśabdātibandhuraḥ
dessen Donnern der Klang von Radfelge und Achse ist, überaus lieblich durch das Geräusch der Pfeile (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Bah.)
roṣanirjitajīmūtaḥ manaḥ abhiprāyaśīghragaḥ
eine an Zorn siegreiche Gewitterwolke, so schnell wie der Gedanke seiner Absicht (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
marmātigaḥ bāṇadhāraḥ tumulaḥ śoṇitodakaḥ
in die verwundbaren Stellen dringend, Pfeile tragend, tosend, von Blut triefend (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
saṃplāvayan mahīm sarvām mānavaiḥ āstaran tadā
die ganze Erde überflutend und sie da mit Menschen[leichen] bedeckend (Nom.Sg.Part. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Instr.Pl. + Nom.Sg.Part. + Adv.)
gadāniṣṭanitaḥ raudraḥ duryodhanakṛtodyamaḥ
furchtbar vom Dröhnen der Keulen, gegen Duryodhana zum Angriff angesetzt (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
yuddhe abhyaṣiñcat vijayaḥ gārdhrapatraiḥ śilāśitaiḥ
im Kampf beschoss Vijaya mit geierbefiederten, an Stein geschärften [Pfeilen] (Lok.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Instr.Pl.Bah. + Instr.Pl.Bah.)
gāṇḍīvam dhārayan dhīmān kīdṛśam vaḥ manaḥ tadā
das Gāṇḍīva führend, der Weise: wie war da euer Sinn (Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.Bah. + Interrog. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Adv.)

[Anm.: V.13-18 bilden eine einzige, sehr lange syntaktische Einheit: eine ausufernde Beschreibung von Arjunas Wagenangriff in dichter Bild- und Klangsprache (Gewitter-, Wolken- und Regenmetaphorik), die in eine direkte Frage an Saṃjaya mündet. Im kritischen Apparat findet sich nach V.17d die Zusatzzeile *0068_01 (gadāsividyutkalilaḥ śātravāṇāṃ bhayaṃkaraḥ, 'von Keule, Schwert und Blitz durchwirkt, den Feinden Furcht einflößend') sowie nach V.18d die Zusatzzeile *0069_01 (yadāyāt katham āsīd vas tadā pārthaṃ samīkṣya ha, 'als er kam, wie war es da bei euch, als ihr den Sohn der Pṛthā erblicktet'), beides redundante Ergänzungen, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]

kaccid gāṇḍīvaśabdena na praṇaśyata vai balam / yad vaḥ sa bhairavaṃ kurvann arjuno bhṛśam abhyagāt / kaccin nāpānudad droṇād iṣubhir vo dhanaṃjayaḥ / vāto meghān ivāvidhyan pravāñ śaravanānilaḥ / ko hi gāṇḍīvadhanvānaṃ naraḥ soḍhuṃ raṇe 'rhati

Ist nicht euer Heer wohl beim Klang des Gāṇḍīva vergangen, als jener Arjuna, ein furchtbares [Getöse] machend, euch heftig ansprang? Hat euch Dhanaṃjaya nicht mit Pfeilen von Droṇa weggetrieben, wie der Wind, wehend, ein Pfeilwald-Sturm, die Wolken zerstreut? Denn welcher Mensch ist wohl fähig, den Bogenträger des Gāṇḍīva im Kampf zu ertragen?

Wort für Wort
kaccit gāṇḍīvaśabdena na praṇaśyata vai balam
ist nicht euer Heer wohl beim Klang des Gāṇḍīva vergangen (Interrog.Partikel + Instr.Sg. + Neg. + 3.Sg.Impf.Pass. + Partikel + Nom.Sg.)
yat vaḥ sa bhairavam kurvan arjunaḥ bhṛśam abhyagāt
als jener Arjuna, ein furchtbares [Getöse] machend, euch heftig ansprang (Konj. + Akk.Pl. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
kaccit na apānudat droṇāt iṣubhiḥ vaḥ dhanaṃjayaḥ
hat euch Dhanaṃjaya nicht mit Pfeilen von Droṇa weggetrieben (Interrog.Partikel + Neg. + 3.Sg.Impf. + Abl.Sg. + Instr.Pl. + Akk.Pl. + Nom.Sg.)
vātaḥ meghān iva avidhyat pravān śaravanānilaḥ
wie der Wind, wehend, ein Pfeilwald-Sturm, die Wolken zerstreute (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.Bah.)
kaḥ hi gāṇḍīvadhanvānam naraḥ soḍhum raṇe arhati
denn welcher Mensch ist wohl fähig, den Bogenträger des Gāṇḍīva im Kampf zu ertragen (Nom.Sg.Interrog. + Partikel + Akk.Sg. + Nom.Sg. + Inf. + Lok.Sg. + 3.Sg.Präs.)

[Anm.: V.19-20 bilden eine syntaktische Einheit (nur die nicht-apparatischen Padas). Im kritischen Apparat finden sich mehrere Zusatzzeilen (*0070_01: 'wie der Wind die Wolken von der Sonne [vertreibt], wie Staub, der Gewaltige'; *0071_01: 'wer nämlich ist im Kampf fähig, den Sohn der Pṛthā auch nur anzuschauen'; *0072_01: 'bei dessen Anhören an der Heeresspitze das ganze Volk zerbirst'), inhaltlich verwandte, redundante Ergänzungen, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]

yat senāḥ samakampanta yad vīrān aspṛśad bhayam / ke tatra nājahur droṇaṃ ke kṣudrāḥ prādravan bhayāt / ke vā tatra tanūs tyaktvā pratīpaṃ mṛtyum āvrajan / amānuṣāṇāṃ jetāraṃ yuddheṣv api dhanaṃjayam

Als die Heere erzitterten, als Furcht die Helden berührte — wer dort verließ Droṇa nicht, und welche Elenden flohen aus Furcht? Oder wer dort, seinen Leib aufgebend, schritt dem Tod entgegen, [angesichts] Dhanaṃjayas, des Bezwingers selbst übermenschlicher Wesen in Schlachten?

Wort für Wort
yat senāḥ samakampanta yat vīrān aspṛśat bhayam
als die Heere erzitterten, als Furcht die Helden berührte (Konj. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.Med. + Konj. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
ke tatra na ajahuḥ droṇam ke kṣudrāḥ prādravan bhayāt
wer dort verließ Droṇa nicht, und welche Elenden flohen aus Furcht (Nom.Pl.Interrog. + Adv. + Neg. + 3.Pl.Impf. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf. + Abl.Sg.)
ke vā tatra tanūḥ tyaktvā pratīpam mṛtyum āvrajan
oder wer dort, seinen Leib aufgebend, schritt dem Tod entgegen (Nom.Pl.Interrog. + Partikel + Adv. + Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Impf.)
amānuṣāṇām jetāram yuddheṣu api dhanaṃjayam
[angesichts] Dhanaṃjayas, des Bezwingers selbst übermenschlicher Wesen in Schlachten (Gen.Pl. + Akk.Sg. + Lok.Pl. + Partikel + Akk.Sg.)

[Anm.: V.21-22 bilden eine syntaktische Einheit.]

na ca vegaṃ sitāśvasya viśakṣyantīha māmakāḥ / gāṇḍīvasya ca nirghoṣaṃ prāvṛḍjaladanisvanam / viṣvakseno yasya yantā yoddhā caiva dhanaṃjayaḥ / aśakyaḥ sa ratho jetuṃ manye devāsurair api

Und meine Männer werden hier nicht die Geschwindigkeit des Weißroß-Besitzers ertragen können, noch den Donner des Gāṇḍīva, [gleich] dem Klang der Regenwolken der Monsunzeit. Dessen Lenker Viṣvaksena [Kṛṣṇa] ist, und dessen Kämpfer eben Dhanaṃjaya — jener Wagen ist, wie ich meine, nicht zu besiegen, selbst nicht von Göttern und Dämonen.

Wort für Wort
na ca vegam sitāśvasya viśakṣyanti iha māmakāḥ
und meine Männer werden hier nicht die Geschwindigkeit des Weißroß-Besitzers ertragen können (Neg. + Konj. + Akk.Sg. + Gen.Sg. + 3.Pl.Fut. + Adv. + Nom.Pl.)
gāṇḍīvasya ca nirghoṣam prāvṛḍjaladanisvanam
noch den Donner des Gāṇḍīva, [gleich] dem Klang der Regenwolken der Monsunzeit (Gen.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah.)
viṣvaksenaḥ yasya yantā yoddhā ca eva dhanaṃjayaḥ
dessen Lenker Viṣvaksena ist, und dessen Kämpfer eben Dhanaṃjaya (Nom.Sg. + Gen.Sg.Relativ + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj. + Partikel + Nom.Sg.)
aśakyaḥ sa rathaḥ jetum manye devāsuraiḥ api
jener Wagen ist, wie ich meine, nicht zu besiegen, selbst nicht von Göttern und Dämonen (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Inf. + 1.Sg.Präs.Med. + Instr.Pl. + Partikel)

[Anm.: V.23-24 bilden eine syntaktische Einheit.]

sukumāro yuvā śūro darśanīyaś ca pāṇḍavaḥ / medhāvī nipuṇo dhīmān yudhi satyaparākramaḥ / ārāvaṃ vipulaṃ kurvan vyathayan sarvakauravān / yadāyān nakulo dhīmān ke śūrāḥ paryavārayan

Zart, jung, heldenhaft, und ansehnlich, der Pāṇḍava — klug, geschickt, weise, im Kampf von wahrer Tapferkeit —, einen gewaltigen Kampfschrei erhebend, alle Kauravas erschreckend: als der weise Nakula heranzog, welche Helden hielten ihn ab?

Wort für Wort
sukumāraḥ yuvā śūraḥ darśanīyaḥ ca pāṇḍavaḥ
zart, jung, heldenhaft, und ansehnlich, der Pāṇḍava (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
medhāvī nipuṇaḥ dhīmān yudhi satyaparākramaḥ
klug, geschickt, weise, im Kampf von wahrer Tapferkeit (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
ārāvam vipulam kurvan vyathayan sarvakauravān
einen gewaltigen Kampfschrei erhebend, alle Kauravas erschreckend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.Part. + Akk.Pl.)
yadā āyāt nakulaḥ dhīmān ke śūrāḥ paryavārayan
als der weise Nakula heranzog, welche Helden hielten ihn ab (Adv. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.25-26 bilden eine syntaktische Einheit; Nakula wird zunächst durch Attribute umschrieben (V.25), dann namentlich genannt (V.26). Der Apparatseinschub *0073_01-02 (taṃ rathānāṃ varaṃ vīraṃ sadā yuddheṣu durmadam / nakulaṃ pāṇḍavaśreṣṭhaṃ ke vīrāḥ paryavārayan, 'ihn, den besten der Wagenkämpfer, den Helden, in Schlachten stets Unbezähmbaren, Nakula, den Vortrefflichsten der Pāṇḍavas — welche Helden hielten ihn ab') ist eine redundante Wiederholung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]

āśīviṣa iva kruddhaḥ sahadevo yadābhyayāt / śatrūṇāṃ kadanaṃ kurvañ jetāsau durjayo yudhi / āryavratam amogheṣuṃ hrīmantam aparājitam / droṇāyābhimukhaṃ yāntaṃ ke śūrāḥ paryavārayan

Wie ein zorniges Gifttier, als Sahadeva heranstürmte, unter den Feinden Gemetzel anrichtend, jener unbezwingbare Sieger im Kampf — den Edlem-Gelübde-Treuen, von unfehlbaren Pfeilen, Bescheidenen, Unbesiegten, gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab?

Wort für Wort
āśīviṣaḥ iva kruddhaḥ sahadevaḥ yadā abhyayāt
wie ein zorniges Gifttier, als Sahadeva heranstürmte (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
śatrūṇām kadanam kurvan jetā asau durjayaḥ yudhi
unter den Feinden Gemetzel anrichtend, jener unbezwingbare Sieger im Kampf (Gen.Pl. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Lok.Sg.)
āryavratam amogheṣum hrīmantam aparājitam
den Edlem-Gelübde-Treuen, von unfehlbaren Pfeilen, Bescheidenen, Unbesiegten (Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Part.)
droṇāya abhimukham yāntam ke śūrāḥ paryavārayan
gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab (Dat.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.27-28 bilden eine syntaktische Einheit. Im kritischen Apparat finden sich mehrere redundante Zusatzzeilen (*0074_01: 'Sahadeva heranziehend, den Zerreißer des feindlichen Heeres'; *0075_01: 'von unfehlbaren Pfeilen, ein vollendeter Bogenschütze, unbezwingbar von Feinden im Kampf'; *0076_01: 'einen tosenden, furchtbaren Kampfschrei im Gefecht erhebend'), die nicht in den Haupttext übernommen werden.]

yaḥ sa sauvīrarājasya pramathya mahatīṃ camūm / ādatta mahiṣīṃ bhojyāṃ kāmyāṃ sarvāṅgaśobhanām / satyaṃ dhṛtiś ca śauryaṃ ca brahmacaryaṃ ca kevalam / sarvāṇi yuyudhāne 'smin nityāni puruṣarṣabhe / balinaṃ satyakarmāṇam adīnam aparājitam / vāsudevasamaṃ yuddhe vāsudevād anantaram / yuktaṃ dhanaṃjayapreṣye śūram ācāryakarmaṇi / pārthena samam astreṣu kas taṃ droṇād avārayat / vṛṣṇīnāṃ pravaraṃ vīraṃ śūraṃ sarvadhanuṣmatām / rāmeṇa samam astreṣu yaśasā vikrameṇa ca / satyaṃ dhṛtir damaḥ śauryaṃ brahmacaryam anuttamam / sātvate tāni sarvāṇi trailokyam iva keśave / tam evaṃguṇasaṃpannaṃ durvāram api daivataiḥ / samāsādya maheṣvāsaṃ ke vīrāḥ paryavārayan

Er, der, nachdem er das gewaltige Heer des Königs von Sauvīra vernichtet hatte, dessen Hauptgemahlin, begehrenswert, lieblich, an allen Gliedern schön, [zur Frau] nahm — Wahrhaftigkeit und Standhaftigkeit und Heldenmut und lauteres Keuschheitsgelübde, all dies ist beständig in diesem Yuyudhāna, dem Stier unter den Männern —, den Kräftigen, von wahrhaftigem Tun, Unverzagten, Unbesiegten, an Kraft Vāsudeva [Kṛṣṇa] gleich im Kampf, gleich nach Vāsudeva [der Beste], verbunden mit Dhanaṃjayas Auftrag, heldenhaft im Lehrer-Handwerk, dem Sohn der Pṛthā [Arjuna] gleich in den Waffen — wer hielt ihn von Droṇa fern? Den vortrefflichsten Helden der Vṛṣṇis, den Helden unter allen Bogenträgern, [Bala-]Rāma gleich in den Waffen, im Ruhm und in der Tapferkeit — Wahrhaftigkeit, Standhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Heldenmut, unübertroffene Keuschheit — all dies ist im Sātvata [wie] die drei Welten in Keśava [Kṛṣṇa] — ihn, so mit solchen Tugenden Ausgestatteten, selbst von den Göttern schwer Aufzuhalten, den großen Bogenschützen — welche Helden traten ihm entgegen?

Wort für Wort
yaḥ saḥ sauvīrarājasya pramathya mahatīm camūm
er, der, nachdem er das gewaltige Heer des Königs von Sauvīra vernichtet hatte (Nom.Sg.Relativ + Nom.Sg. + Gen.Sg. + Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
ādatta mahiṣīm bhojyām kāmyām sarvāṅgaśobhanām
dessen Hauptgemahlin, begehrenswert, lieblich, an allen Gliedern schön, nahm (3.Sg.Impf.Med. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah.)
satyam dhṛtiḥ ca śauryam ca brahmacaryam ca kevalam
Wahrhaftigkeit und Standhaftigkeit und Heldenmut und lauteres Keuschheitsgelübde (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
sarvāṇi yuyudhāne asmin nityāni puruṣarṣabhe
all dies ist beständig in diesem Yuyudhāna, dem Stier unter den Männern (Nom.Pl. + Lok.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Pl. + Lok.Sg.)
balinam satyakarmāṇam adīnam aparājitam
den Kräftigen, von wahrhaftigem Tun, Unverzagten, Unbesiegten (Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part.)
vāsudevasamam yuddhe vāsudevāt anantaram
an Kraft Vāsudeva gleich im Kampf, gleich nach Vāsudeva (Akk.Sg.Bah. + Lok.Sg. + Abl.Sg. + Akk.Sg.)
yuktam dhanaṃjayapreṣye śūram ācāryakarmaṇi
verbunden mit Dhanaṃjayas Auftrag, heldenhaft im Lehrer-Handwerk (Akk.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
pārthena samam astreṣu kaḥ tam droṇāt avārayat
dem Sohn der Pṛthā gleich in den Waffen — wer hielt ihn von Droṇa fern (Instr.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Pl. + Nom.Sg.Interrog. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Sg.Impf.)
vṛṣṇīnām pravaram vīram śūram sarvadhanuṣmatām
den vortrefflichsten Helden der Vṛṣṇis, den Helden unter allen Bogenträgern (Gen.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Pl.Bah.)
rāmeṇa samam astreṣu yaśasā vikrameṇa ca
[Bala-]Rāma gleich in den Waffen, im Ruhm und in der Tapferkeit (Instr.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Pl. + Instr.Sg. + Instr.Sg. + Konj.)
satyam dhṛtiḥ damaḥ śauryam brahmacaryam anuttamam
Wahrhaftigkeit, Standhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Heldenmut, unübertroffene Keuschheit (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
sātvate tāni sarvāṇi trailokyam iva keśave
all dies ist im Sātvata wie die drei Welten in Keśava (Lok.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Sg. + Partikel + Lok.Sg.)
tam evaṃguṇasaṃpannam durvāram api daivataiḥ
ihn, so mit solchen Tugenden Ausgestatteten, selbst von den Göttern schwer Aufzuhalten (Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah. + Partikel + Instr.Pl.)
samāsādya maheṣvāsam ke vīrāḥ paryavārayan
den großen Bogenschützen — welche Helden traten ihm entgegen (Ger. + Akk.Sg.Bah. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.29-35 bilden eine einzige, sehr lange syntaktische Einheit über Sātyaki (mit seinem Patronymikon 'Yuyudhāna' in V.30c genannt), dessen Heldentat gegen den König von Sauvīra hier vorangestellt wird, bevor seine Tugenden ausführlich gepriesen werden. 'Sātvate' (V.34c, 'im Sātvata') bezieht sich, wie der Zusammenhang nahelegt, ebenfalls auf Sātyaki als Angehörigen des Sātvata-/Vṛṣṇi-Stammes. Im kritischen Apparat findet sich nach V.32b die Zusatzzeile *0077_01 (dhanaṃjayopadeśena śreṣṭham iṣvastrakarmaṇi, 'durch Dhanaṃjayas Unterweisung der Vortrefflichste im Waffenhandwerk') sowie nach V.34d die Zusatzzeile *0078_01 (yasmin nityāni santi sma vīre satyaparākrame, 'in dem, dem Helden von wahrer Tapferkeit, diese [Tugenden] beständig waren'), beide redundante Ergänzungen, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]

pāñcāleṣūttamaṃ śūram uttamābhijanapriyam / nityam uttamakarmāṇam uttamaujasam āhave / yuktaṃ dhanaṃjayahite mamānarthāya cottamam / yamavaiśravaṇādityamahendravaruṇopamam / mahārathasamākhyātaṃ droṇāyodyantam āhave / tyajantaṃ tumule prāṇān ke śūrāḥ paryavārayan

Den Vortrefflichsten unter den Pāñcālas, den Helden, geliebt wegen seiner vortrefflichen Herkunft, stets von vortrefflichen Taten, von vortrefflicher Kraft im Kampf, verbunden mit Dhanaṃjayas Wohl und zugleich, zu meinem Verderben, der Vortrefflichste, Yama, Vaiśravaṇa, Āditya, Mahendra und Varuṇa gleich, als großer Wagenkämpfer anerkannt, gegen Droṇa im Kampf anstürmend, im Getümmel sein Leben hingebend — welche Helden hielten ihn ab?

Wort für Wort
pāñcāleṣu uttamam śūram uttamābhijanapriyam
den Vortrefflichsten unter den Pāñcālas, den Helden, geliebt wegen seiner vortrefflichen Herkunft (Lok.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah.)
nityam uttamakarmāṇam uttamaujasam āhave
stets von vortrefflichen Taten, von vortrefflicher Kraft im Kampf (Adv. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah. + Lok.Sg.)
yuktam dhanaṃjayahite mama anarthāya ca uttamam
verbunden mit Dhanaṃjayas Wohl und zugleich, zu meinem Verderben, der Vortrefflichste (Akk.Sg. + Lok.Sg. + Gen.Sg. + Dat.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)
yamavaiśravaṇādityamahendravaruṇopamam
Yama, Vaiśravaṇa, Āditya, Mahendra und Varuṇa gleich (Akk.Sg.Bah.)
mahārathasamākhyātam droṇāya udyantam āhave
als großer Wagenkämpfer anerkannt, gegen Droṇa im Kampf anstürmend (Akk.Sg.Bah. + Dat.Sg. + Akk.Sg.Part. + Lok.Sg.)
tyajantam tumule prāṇān ke śūrāḥ paryavārayan
im Getümmel sein Leben hingebend — welche Helden hielten ihn ab (Akk.Sg.Part. + Lok.Sg. + Akk.Pl. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.36-38 bilden eine syntaktische Einheit. Der hier beschriebene Krieger bleibt ungenannt; die Beiwörter ('der Vortrefflichste unter den Pāñcālas', 'zu meinem Verderben', gegen Droṇa gerichtet) legen nahe, dass erneut Dhṛṣṭadyumna gemeint sein könnte, doch wird dieser in V.56-58 unten ausdrücklich mit Namen genannt und dort mit dem Zusatz 'sṛṣṭaṃ droṇavadhāya' ('erschaffen zu Droṇas Tötung', vgl. die in Kap.5 dokumentierte Prophezeiung) versehen; ob es sich um dieselbe oder eine andere pāñcālische Gestalt handelt, bleibt hier offen.]

eko 'pasṛtya cedibhyaḥ pāṇḍavān yaḥ samāśritaḥ / dhṛṣṭaketuṃ tam āyāntaṃ droṇāt kaḥ samavārayat / yo 'vadhīt ketumāñ śūro rājaputraṃ sudarśanam / aparāntagiridvāre kas taṃ droṇād avārayat

Er, der, allein von den Cedis fortgegangen, sich den Pāṇḍavas anschloss — jenen Dhṛṣṭaketu, herankommend, wer hielt ihn von Droṇa fern? Er, der bannergeschmückte Held, der den Königssohn Sudarśana am Tor der westlichen Berge erschlug — wer hielt ihn von Droṇa fern?

Wort für Wort
ekaḥ apasṛtya cedibhyaḥ pāṇḍavān yaḥ samāśritaḥ
er, der, allein von den Cedis fortgegangen, sich den Pāṇḍavas anschloss (Nom.Sg. + Ger. + Abl.Pl. + Akk.Pl. + Nom.Sg.Relativ + Nom.Sg.Part.)
dhṛṣṭaketum tam āyāntam droṇāt kaḥ samavārayat
jenen Dhṛṣṭaketu, herankommend, wer hielt ihn von Droṇa fern (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Abl.Sg. + Nom.Sg.Interrog. + 3.Sg.Impf.)
yaḥ avadhīt ketumān śūraḥ rājaputram sudarśanam
er, der bannergeschmückte Held, der den Königssohn Sudarśana erschlug (Nom.Sg.Relativ + 3.Sg.Aor. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
aparāntagiridvāre kaḥ tam droṇāt avārayat
am Tor der westlichen Berge — wer hielt ihn von Droṇa fern (Lok.Sg. + Nom.Sg.Interrog. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.39-40 bilden eine syntaktische Einheit: Dhṛṣṭaketu, König der Cedis, wird in V.39 namentlich genannt; V.40 ('ketumān', 'bannergeschmückt') wird als fortgesetzte Beschreibung derselben Gestalt gedeutet.]

strīpūrvo yo naravyāghro yaḥ sa veda guṇāguṇān / śikhaṇḍinaṃ yājñasenim amlānamanasaṃ yudhi / devavratasya samare hetuṃ mṛtyor mahātmanaḥ / droṇāyābhimukhaṃ yāntaṃ ke vīrāḥ paryavārayan

Er, der zuvor eine Frau war, der Tiger unter den Männern, er, der Vorzüge und Mängel [beider Geschlechter] kennt — Śikhaṇḍin, den Sohn des Yajñasena [Drupada], unverzagten Sinnes im Kampf, die Ursache von Devavratas [Bhīṣmas], des Hochherzigen, Tod in der Schlacht, gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab?

Wort für Wort
strīpūrvaḥ yaḥ naravyāghraḥ yaḥ sa veda guṇāguṇān
er, der zuvor eine Frau war, der Tiger unter den Männern, er, der Vorzüge und Mängel kennt (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Relativ + Nom.Sg. + Nom.Sg.Relativ + Nom.Sg. + 3.Sg.Perf. + Akk.Pl.)
śikhaṇḍinam yājñasenim amlānamanasam yudhi
Śikhaṇḍin, den Sohn des Yajñasena, unverzagten Sinnes im Kampf (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Lok.Sg.)
devavratasya samare hetum mṛtyoḥ mahātmanaḥ
die Ursache von Devavratas, des Hochherzigen, Tod in der Schlacht (Gen.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Sg. + Gen.Sg.Bah.)
droṇāya abhimukham yāntam ke vīrāḥ paryavārayan
gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab (Dat.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.41-42 bilden eine syntaktische Einheit. 'strīpūrvaḥ' ('zuvor eine Frau') spielt auf Śikhaṇḍins bekannte Vorgeschichte an (er wurde als Mädchen namens Śikhaṇḍinī geboren und erhielt später männliche Gestalt); als 'Ursache von Bhīṣmas Tod' gilt er, weil Bhīṣma sich weigerte, gegen einen einst weiblich Geborenen zu kämpfen, und so im Bhīṣmaparva durch Arjunas hinter Śikhaṇḍin verborgene Pfeile fiel.]

yasminn abhyadhikā vīre guṇāḥ sarve dhanaṃjayāt / yasminn astrāṇi satyaṃ ca brahmacaryaṃ ca nityadā / vāsudevasamaṃ vīrye dhanaṃjayasamaṃ bale / tejasādityasadṛśaṃ bṛhaspatisamaṃ matau / abhimanyuṃ mahātmānaṃ vyāttānanam ivāntakam / droṇāyābhimukhaṃ yāntaṃ ke vīrāḥ paryavārayan / taruṇas tv aruṇaprakhyaḥ saubhadraḥ paravīrahā / yadābhyādravata droṇaṃ tadāsīd vo manaḥ katham

Er, der Held, in dem alle Tugenden Dhanaṃjaya [noch] übertreffen, in dem stets Waffenkunst, Wahrhaftigkeit und Keuschheit [wohnen] — Vāsudeva [Kṛṣṇa] gleich an Heldenkraft, Dhanaṃjaya gleich an Stärke, an Glanz Āditya [der Sonne] ähnlich, Bṛhaspati gleich an Weisheit — Abhimanyu, den Hochherzigen, wie der Tod mit weit geöffnetem Rachen, gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab? Der junge, morgenrot-glänzende Saubhadra [Sohn der Subhadrā], der Töter feindlicher Helden — als er auf Droṇa losstürmte, wie war da euer Sinn?

Wort für Wort
yasmin abhyadhikāḥ vīre guṇāḥ sarve dhanaṃjayāt
er, der Held, in dem alle Tugenden Dhanaṃjaya übertreffen (Lok.Sg.Relativ + Nom.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Abl.Sg.)
yasmin astrāṇi satyam ca brahmacaryam ca nityadā
in dem stets Waffenkunst, Wahrhaftigkeit und Keuschheit [wohnen] (Lok.Sg.Relativ + Nom.Pl. + Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Konj. + Adv.)
vāsudevasamam vīrye dhanaṃjayasamam bale
Vāsudeva gleich an Heldenkraft, Dhanaṃjaya gleich an Stärke (Akk.Sg.Bah. + Lok.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Lok.Sg.)
tejasā ādityasadṛśam bṛhaspatisamam matau
an Glanz Āditya ähnlich, Bṛhaspati gleich an Weisheit (Instr.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah. + Lok.Sg.)
abhimanyum mahātmānam vyāttānanam iva antakam
Abhimanyu, den Hochherzigen, wie der Tod mit weit geöffnetem Rachen (Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah. + Partikel + Akk.Sg.)
droṇāya abhimukham yāntam ke vīrāḥ paryavārayan
gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab (Dat.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)
taruṇaḥ tu aruṇaprakhyaḥ saubhadraḥ paravīrahā
der junge, morgenrot-glänzende Saubhadra, der Töter feindlicher Helden (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
yadā abhyādravata droṇam tadā āsīt vaḥ manaḥ katham
als er auf Droṇa losstürmte, wie war da euer Sinn (Adv. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Interrog.)

[Anm.: V.43-46 bilden eine syntaktische Einheit; Abhimanyu wird in V.45 namentlich genannt, in V.46 durch sein Patronymikon 'Saubhadra' ('Sohn der Subhadrā') erneut aufgegriffen.]

draupadeyā naravyāghrāḥ samudram iva sindhavaḥ / yad droṇam ādravan saṃkhye ke vīrās tān avārayan

Die Söhne Draupadīs, Tiger unter den Männern, wie Ströme, die zum Ozean [eilen] — als sie in der Schlacht auf Droṇa losstürmten, welche Helden hielten sie ab?

Wort für Wort
draupadeyāḥ naravyāghrāḥ samudram iva sindhavaḥ
die Söhne Draupadīs, Tiger unter den Männern, wie Ströme, die zum Ozean [eilen] (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Akk.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)
yat droṇam ādravan saṃkhye ke vīrāḥ tān avārayan
als sie in der Schlacht auf Droṇa losstürmten, welche Helden hielten sie ab (Konj. + Akk.Sg. + 3.Pl.Impf. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + Akk.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.47 bildet eine Einheit; die fünf Söhne Draupadīs werden hier gemeinsam behandelt.]

ye te dvādaśa varṣāṇi krīḍām utsṛjya bālakāḥ / astrārtham avasan bhīṣme bibhrato vratam uttamam / kṣatraṃjayaḥ kṣatradevaḥ kṣatradharmā ca māninaḥ / dhṛṣṭadyumnātmajā vīrāḥ ke tān droṇād avārayan

Jene Knaben, die zwölf Jahre lang, das Spiel aufgebend, bei Bhīṣma um der Waffenkunst willen wohnten, ein höchstes Gelübde tragend — Kṣatraṃjaya, Kṣatradeva, und der stolze Kṣatradharman, die heldenhaften Söhne Dhṛṣṭadyumnas — wer hielt sie von Droṇa fern?

Wort für Wort
ye te dvādaśa varṣāṇi krīḍām utsṛjya bālakāḥ
jene Knaben, die zwölf Jahre lang, das Spiel aufgebend (Nom.Pl.Relativ + Nom.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Sg. + Ger. + Nom.Pl.)
astrārtham avasan bhīṣme bibhrataḥ vratam uttamam
bei Bhīṣma um der Waffenkunst willen wohnten, ein höchstes Gelübde tragend (Akk.Sg. + 3.Pl.Impf. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Part. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
kṣatraṃjayaḥ kṣatradevaḥ kṣatradharmā ca māninaḥ
Kṣatraṃjaya, Kṣatradeva, und der stolze Kṣatradharman (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Bah.)
dhṛṣṭadyumnātmajāḥ vīrāḥ ke tān droṇāt avārayan
die heldenhaften Söhne Dhṛṣṭadyumnas — wer hielt sie von Droṇa fern (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Interrog. + Akk.Pl. + Abl.Sg. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.48-49 bilden eine syntaktische Einheit; drei Söhne Dhṛṣṭadyumnas werden namentlich genannt.]

śatād viśiṣṭaṃ yaṃ yuddhe samapaśyanta vṛṣṇayaḥ / cekitānaṃ maheṣvāsaṃ kas taṃ droṇād avārayat

Ihn, den die Vṛṣṇis im Kampf als hundert [Krieger] übertreffend ansahen — Cekitāna, den großen Bogenschützen — wer hielt ihn von Droṇa fern?

Wort für Wort
śatāt viśiṣṭam yam yuddhe samapaśyanta vṛṣṇayaḥ
ihn, den die Vṛṣṇis im Kampf als hundert [Krieger] übertreffend ansahen (Abl.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Relativ + Lok.Sg. + 3.Pl.Impf.Med. + Nom.Pl.)
cekitānam maheṣvāsam kaḥ tam droṇāt avārayat
Cekitāna, den großen Bogenschützen — wer hielt ihn von Droṇa fern (Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Nom.Sg.Interrog. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.50 bildet eine Einheit.]

vārdhakṣemiḥ kaliṅgānāṃ yaḥ kanyām āharad yudhi / anādhṛṣṭir adīnātmā kas taṃ droṇād avārayat

Der Sohn des Vṛddhakṣema, der im Kampf eine Jungfrau der Kaliṅgas entführte — Anādhṛṣṭi, von unverzagtem Gemüt — wer hielt ihn von Droṇa fern?

Wort für Wort
vārdhakṣemiḥ kaliṅgānām yaḥ kanyām āharat yudhi
der Sohn des Vṛddhakṣema, der im Kampf eine Jungfrau der Kaliṅgas entführte (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.Relativ + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Lok.Sg.)
anādhṛṣṭiḥ adīnātmā kaḥ tam droṇāt avārayat
Anādhṛṣṭi, von unverzagtem Gemüt — wer hielt ihn von Droṇa fern (Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Interrog. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.51 bildet eine Einheit.]

bhrātaraḥ pañca kaikeyā dhārmikāḥ satyavikramāḥ / indragopakavarṇāś ca raktavarmāyudhadhvajāḥ / mātṛṣvasuḥ sutā vīrāḥ pāṇḍavānāṃ jayārthinaḥ / tān droṇaṃ hantum āyātān ke vīrāḥ paryavārayan

Die fünf Kaikeya-Brüder, rechtschaffen, von wahrer Tapferkeit, von der Farbe des Indragopaka-Käfers, mit roter Rüstung, roten Waffen und Bannern — die Söhne der Mutterschwester [der Pāṇḍavas], heldenhaft, nach dem Sieg der Pāṇḍavas verlangend — sie, gekommen, um Droṇa zu töten, welche Helden hielten sie ab?

Wort für Wort
bhrātaraḥ pañca kaikeyāḥ dhārmikāḥ satyavikramāḥ
die fünf Kaikeya-Brüder, rechtschaffen, von wahrer Tapferkeit (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
indragopakavarṇāḥ ca raktavarmāyudhadhvajāḥ
von der Farbe des Indragopaka-Käfers, mit roter Rüstung, roten Waffen und Bannern (Nom.Pl.Bah. + Konj. + Nom.Pl.Bah.)
mātṛṣvasuḥ sutāḥ vīrāḥ pāṇḍavānām jayārthinaḥ
die Söhne der Mutterschwester, heldenhaft, nach dem Sieg der Pāṇḍavas verlangend (Gen.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Gen.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
tān droṇam hantum āyātān ke vīrāḥ paryavārayan
sie, gekommen, um Droṇa zu töten, welche Helden hielten sie ab (Akk.Pl. + Akk.Sg. + Inf. + Akk.Pl.Part. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.52-53 bilden eine syntaktische Einheit; die fünf Söhne des Kekaya-Königs und einer Schwester Kuntīs (der Mutter der Pāṇḍavas) werden gemeinsam behandelt.]

yaṃ yodhayanto rājāno nājayan vāraṇāvate / ṣaṇ māsān abhisaṃrabdhā jighāṃsanto yudhāṃ patim / dhanuṣmatāṃ varaṃ śūraṃ satyasaṃdhaṃ mahābalam / droṇāt kas taṃ naravyāghraṃ yuyutsuṃ pratyavārayat

Ihn, den kämpfende Könige bei Vāraṇāvata nicht besiegten, sechs Monate lang erzürnt, den Herrn der Krieger zu töten trachtend — den Vortrefflichsten der Bogenträger, den Helden, treu seinem Abkommen, den Gewaltigen — wer hielt jenen Tiger unter den Männern, kampfbegierig, von Droṇa fern?

Wort für Wort
yam yodhayantaḥ rājānaḥ na ajayan vāraṇāvate
ihn, den kämpfende Könige bei Vāraṇāvata nicht besiegten (Akk.Sg.Relativ + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl. + Neg. + 3.Pl.Impf. + Lok.Sg.)
ṣaṭ māsān abhisaṃrabdhāḥ jighāṃsantaḥ yudhām patim
sechs Monate lang erzürnt, den Herrn der Krieger zu töten trachtend (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.Part.Des. + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
dhanuṣmatām varam śūram satyasaṃdham mahābalam
den Vortrefflichsten der Bogenträger, den Helden, treu seinem Abkommen, den Gewaltigen (Gen.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah.)
droṇāt kaḥ tam naravyāghram yuyutsum pratyavārayat
wer hielt jenen Tiger unter den Männern, kampfbegierig, von Droṇa fern (Abl.Sg. + Nom.Sg.Interrog. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.54-55 bilden eine syntaktische Einheit; der hier beschriebene Krieger bleibt ungenannt. Der Ortsname 'Vāraṇāvata' erinnert an das aus dem Ādiparva bekannte Lackhaus, doch ist unklar, ob hier dasselbe Vāraṇāvata oder eine andere, gleichnamige Örtlichkeit gemeint ist; die Identität dieses Kriegers bleibt daher offen.]

yaḥ putraṃ kāśirājasya vārāṇasyāṃ mahāratham / samare strīṣu gṛdhyantaṃ bhallenāpaharad rathāt / dhṛṣṭadyumnaṃ maheṣvāsaṃ pārthānāṃ mantradhāriṇam / yuktaṃ duryodhanānarthe sṛṣṭaṃ droṇavadhāya ca / nirdahantaṃ raṇe yodhān dārayantaṃ ca sarvaśaḥ / droṇāyābhimukhaṃ yāntaṃ ke vīrāḥ paryavārayan

Er, der in Vārāṇasī den Sohn des Königs von Kāśi, einen großen Wagenkämpfer, der im Kampf nach den Frauen gierte, mit einem Breitpfeil vom Wagen herabholte — Dhṛṣṭadyumna, den großen Bogenschützen, den Ratgeber der Söhne der Pṛthā [Pāṇḍavas], verbunden mit Duryodhanas Verderben und geschaffen zu Droṇas Tötung, im Kampf die Krieger niederbrennend und sie überallhin zerreißend, gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab?

Wort für Wort
yaḥ putram kāśirājasya vārāṇasyām mahāratham
er, der in Vārāṇasī den Sohn des Königs von Kāśi, einen großen Wagenkämpfer (Nom.Sg.Relativ + Akk.Sg. + Gen.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.)
samare strīṣu gṛdhyantam bhallena apaharat rathāt
der im Kampf nach den Frauen gierte, mit einem Breitpfeil vom Wagen herabholte (Lok.Sg. + Lok.Pl. + Akk.Sg.Part. + Instr.Sg. + 3.Sg.Impf. + Abl.Sg.)
dhṛṣṭadyumnam maheṣvāsam pārthānām mantradhāriṇam
Dhṛṣṭadyumna, den großen Bogenschützen, den Ratgeber der Söhne der Pṛthā (Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Gen.Pl. + Akk.Sg.Bah.)
yuktam duryodhanānarthe sṛṣṭam droṇavadhāya ca
verbunden mit Duryodhanas Verderben und geschaffen zu Droṇas Tötung (Akk.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.Part. + Dat.Sg. + Konj.)
nirdahantam raṇe yodhān dārayantam ca sarvaśaḥ
im Kampf die Krieger niederbrennend und sie überallhin zerreißend (Akk.Sg.Part. + Lok.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Sg.Part. + Konj. + Adv.)
droṇāya abhimukham yāntam ke vīrāḥ paryavārayan
gegen Droṇa Ziehenden — welche Helden hielten ihn ab (Dat.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.56-58 bilden eine syntaktische Einheit; Dhṛṣṭadyumna wird hier ausdrücklich namentlich genannt, mit einer früheren Waffentat (die Tötung des Sohnes des Königs von Kāśi) sowie mit dem ausdrücklichen Rückverweis 'sṛṣṭaṃ droṇavadhāya' ('geschaffen zu Droṇas Tötung') auf die in Kap.5 dokumentierte Prophezeiung seiner Geburt zu diesem Zweck.]

utsaṅga iva saṃvṛddhaṃ drupadasyāstravittamam / śaikhaṇḍinaṃ kṣatradevaṃ ke taṃ droṇād avārayan

Wie im [eigenen] Schoß aufgewachsen, der Waffenkundigste des Drupada[-Geschlechts] — Kṣatradeva, den Sohn des Śikhaṇḍin — wer hielt ihn von Droṇa fern?

Wort für Wort
utsaṅge iva saṃvṛddham drupadasya astravittamam
wie im [eigenen] Schoß aufgewachsen, der Waffenkundigste des Drupada[-Geschlechts] (Lok.Sg. + Partikel + Akk.Sg.Part. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
śaikhaṇḍinam kṣatradevam ke tam droṇāt avārayan
Kṣatradeva, den Sohn des Śikhaṇḍin — wer hielt ihn von Droṇa fern (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Interrog. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.59 bildet eine Einheit. Dieser Kṣatradeva, hier als Sohn Śikhaṇḍins ('Śaikhaṇḍi') bezeichnet, ist von dem in V.48-49 genannten, gleichnamigen Sohn Dhṛṣṭadyumnas zu unterscheiden – ein Beispiel für Namensgleichheit unter Nebenfiguren, wie sie im Epos gelegentlich vorkommt.]

ya imāṃ pṛthivīṃ kṛtsnāṃ carmavat samaveṣṭayat / mahatā rathavaṃśena mukhyārighno mahārathaḥ / daśāśvamedhān ājahre svannapānāptadakṣiṇān / nirargalān sarvamedhān putravat pālayan prajāḥ / pibantyo dakṣiṇāṃ yasya gaṅgāsrotaḥ samāpiban / gaṅgāsrotasi yāvatyaḥ sikatā apy aśeṣataḥ / tāvatīr gā dadau vīra uśīnarasuto 'dhvare / na pūrve nāpare cakrur idaṃ ke cana mānavāḥ / iti saṃcukruśur devāḥ kṛte karmaṇi duṣkare / paśyāmas triṣu lokeṣu na taṃ saṃsthāsnucāriṣu / jātaṃ vāpi janiṣyaṃ vā dvitīyaṃ vāpi saṃprati / anyam auśīnarāc chaibyād dhuro voḍhāram ity uta / gatiṃ yasya na yāsyanti mānuṣā lokavāsinaḥ / tasya naptāram āyāntaṃ śaibyaṃ kaḥ samavārayat / droṇāyābhimukhaṃ yāntaṃ vyāttānanam ivāntakam

Er, der diese ganze Erde wie eine Haut einwickelte, mit einer gewaltigen Schar von Wagen, der Töter der wichtigsten Feinde, der große Wagenkämpfer, brachte zehn Pferdeopfer dar, deren Spenden reichlich an Speise und Trank waren, uneingeschränkte Allopfer, wie ein Vater seine Untertanen schützend — dessen Opfergabe trinkend, tranken die Ströme der Gaṅgā [alles] auf; so viele Sandkörner wie es im Strom der Gaṅgā ohne Rest [gibt] — so viele Kühe gab der Held, der Sohn des Uśīnara, beim Opfer. 'Weder die Früheren noch die Späteren haben dies getan, irgendwelche Menschen' — so riefen die Götter aus, als die schwer vollbringbare Tat vollbracht war. Wir sehen in den drei Welten, unter dem Feststehenden und dem Beweglichen, keinen ihm Zweiten, weder geboren noch geboren werden wird noch jetzt vorhanden ist — keinen anderen Träger der Last als den Sohn des Uśīnara, den Śaibya, dessen Weg sterbliche Erdbewohner nicht erreichen werden. Seinen Enkel, den Śaibya, herankommend, wer hielt ihn ab, gegen Droṇa Ziehenden, wie der Tod mit weit geöffnetem Rachen?

Wort für Wort
yaḥ imām pṛthivīm kṛtsnām carmavat samaveṣṭayat
er, der diese ganze Erde wie eine Haut einwickelte (Nom.Sg.Relativ + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
mahatā rathavaṃśena mukhyārighnaḥ mahārathaḥ
mit einer gewaltigen Schar von Wagen, der Töter der wichtigsten Feinde, der große Wagenkämpfer (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.)
daśāśvamedhān ājahre svannapānāptadakṣiṇān
brachte zehn Pferdeopfer dar, deren Spenden reichlich an Speise und Trank waren (Akk.Pl. + 3.Sg.Perf.Med. + Akk.Pl.Bah.)
nirargalān sarvamedhān putravat pālayan prajāḥ
uneingeschränkte Allopfer, wie ein Vater seine Untertanen schützend (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv. + Nom.Sg.Part. + Akk.Pl.)
pibantyaḥ dakṣiṇām yasya gaṅgāsrotaḥ samāpiban
dessen Opfergabe trinkend, tranken die Ströme der Gaṅgā [alles] auf (Nom.Pl.Part. + Akk.Sg. + Gen.Sg.Relativ + Nom.Sg. + 3.Pl.Impf.)
gaṅgāsrotasi yāvatyaḥ sikatāḥ api aśeṣataḥ
so viele Sandkörner wie es im Strom der Gaṅgā ohne Rest gibt (Lok.Sg. + Nom.Pl.Relativ + Nom.Pl. + Partikel + Adv.)
tāvatīḥ gāḥ dadau vīraḥ uśīnarasutaḥ adhvare
so viele Kühe gab der Held, der Sohn des Uśīnara, beim Opfer (Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
na pūrve na apare cakruḥ idam ke cana mānavāḥ
weder die Früheren noch die Späteren haben dies getan, irgendwelche Menschen (Neg. + Nom.Pl. + Neg. + Nom.Pl. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Interrog. + Partikel + Nom.Pl.)
iti saṃcukruśuḥ devāḥ kṛte karmaṇi duṣkare
so riefen die Götter aus, als die schwer vollbringbare Tat vollbracht war (Partikel + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl. + Lok.Sg.Part. + Lok.Sg. + Lok.Sg.Bah.)
paśyāmaḥ triṣu lokeṣu na tam saṃsthāsnucāriṣu
wir sehen in den drei Welten, unter dem Feststehenden und dem Beweglichen, keinen ihm [Gleichen] (1.Pl.Präs. + Lok.Pl. + Lok.Pl. + Neg. + Akk.Sg. + Lok.Pl.Bah.)
jātam vā api janiṣyam vā dvitīyam vā api saṃprati
weder geboren noch geboren werden wird noch jetzt vorhanden ist, einen Zweiten (Akk.Sg. + Partikel + Partikel + Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Partikel + Partikel + Adv.)
anyam auśīnarāt śaibyāt dhuraḥ voḍhāram iti uta
einen anderen Träger der Last als den Sohn des Uśīnara, den Śaibya (Akk.Sg. + Abl.Sg. + Abl.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + Partikel)
gatim yasya na yāsyanti mānuṣāḥ lokavāsinaḥ
dessen Weg sterbliche Erdbewohner nicht erreichen werden (Akk.Sg. + Gen.Sg.Relativ + Neg. + 3.Pl.Fut. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
tasya naptāram āyāntam śaibyam kaḥ samavārayat
seinen Enkel, den Śaibya, herankommend, wer hielt ihn ab (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Interrog. + 3.Sg.Impf.)
droṇāya abhimukham yāntam vyāttānanam iva antakam
gegen Droṇa Ziehenden, wie der Tod mit weit geöffnetem Rachen (Dat.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.Bah. + Partikel + Akk.Sg.)

[Anm.: V.60-66 bilden eine einzige, sehr lange syntaktische Einheit: eine ausführliche Rückblende auf die sagenhafte Freigebigkeit des Königs Śibi (Uśīnarasuta, 'Sohn des Uśīnara'), bevor in V.66 klar wird, dass tatsächlich dessen Enkel ('naptāram'), ein 'Śaibya' (Nachkomme Śibis), der hier eigentlich gemeinte, ungenannte Krieger ist. Im kritischen Apparat findet sich nach V.62b die zweiteilige Zusatzpassage *0079_01 (gaṅgāsrotasi yāvatyaḥ sikatā apy aśeṣataḥ, 'so viele Sandkörner wie es im Strom der Gaṅgā ohne Rest gibt') und *0080_01 (visṛṣṭā dakṣiṇā yasya gaṅgājalam avārayat, 'dessen ausgegebene Opfergabe das Gaṅgā-Wasser aufhielt'). Da das im Haupttext stehende 'tāvatīḥ' ('so viele', V.62c) grammatisch ein Bezugswort ('yāvatyaḥ', 'so viele wie') benötigt, das nur in *0079_01 vorliegt, wird dieser erste Apparatsvers hier, abweichend von der sonst geübten Konvention, als syntaktisch notwendig in die Übersetzung aufgenommen; der zweite, *0080_01, bleibt als redundante Parallelformulierung ausgeschlossen.]

virāṭasya rathānīkaṃ matsyasyāmitraghātinaḥ / prepsantaṃ samare droṇaṃ ke vīrāḥ paryavārayan

Den, der nach dem Wagenheer des Matsya-[Königs] Virāṭa, des Feindetöters, strebte — der in der Schlacht Droṇa zu erlangen trachtete — welche Helden hielten ihn ab?

Wort für Wort
virāṭasya rathānīkam matsyasya amitraghātinaḥ
des Wagenheer des Matsya-[Königs] Virāṭa, des Feindetöters (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Sg. + Gen.Sg.Bah.)
prepsantam samare droṇam ke vīrāḥ paryavārayan
der in der Schlacht Droṇa zu erlangen trachtete — welche Helden hielten ihn ab (Akk.Sg.Part. + Lok.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Interrog. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)

[Anm.: V.67 bildet eine Einheit; gemeint ist wohl Virāṭa, der König der Matsyas, selbst.]

sadyo vṛkodarāj jāto mahābalaparākramaḥ / māyāvī rākṣaso ghoro yasmān mama mahad bhayam / pārthānāṃ jayakāmaṃ taṃ putrāṇāṃ mama kaṇṭakam / ghaṭotkacaṃ mahābāhuṃ kas taṃ droṇād avārayat

Sogleich von Vṛkodara [Bhīma] geboren, von großer Kraft und Tapferkeit, ein zauberkundiger, furchtbarer Rākṣasa, vor dem ich große Furcht habe — ihn, der den Sieg der Söhne der Pṛthā [Pāṇḍavas] begehrt, einen Dorn für meine Söhne — Ghaṭotkaca, den Großarmigen, wer hielt ihn von Droṇa fern?

Wort für Wort
sadyaḥ vṛkodarāt jātaḥ mahābalaparākramaḥ
sogleich von Vṛkodara geboren, von großer Kraft und Tapferkeit (Adv. + Abl.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.Bah.)
māyāvī rākṣasaḥ ghoraḥ yasmāt mama mahat bhayam
ein zauberkundiger, furchtbarer Rākṣasa, vor dem ich große Furcht habe (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Abl.Sg.Relativ + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
pārthānām jayakāmam tam putrāṇām mama kaṇṭakam
ihn, der den Sieg der Söhne der Pṛthā begehrt, einen Dorn für meine Söhne (Gen.Pl. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg. + Gen.Pl. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
ghaṭotkacam mahābāhum kaḥ tam droṇāt avārayat
Ghaṭotkaca, den Großarmigen, wer hielt ihn von Droṇa fern (Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Nom.Sg.Interrog. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.68-69 bilden eine syntaktische Einheit; Ghaṭotkaca, Bhīmas Rākṣasa-Sohn, wird namentlich genannt. Im Anschluss an V.69d überliefert der Apparat den mit '@' notierten, außerordentlich umfangreichen Einschub @003_0001 bis @003_0025 (25 Zeilen, vgl. Anm. zum Kapitel oben), der hier nicht als Haupttext übersetzt, sondern inhaltlich zusammengefasst dokumentiert wird.]

ete cānye ca bahavo yeṣām arthāya saṃjaya / tyaktāraḥ saṃyuge prāṇān kiṃ teṣām ajitaṃ yudhi / yeṣāṃ ca puruṣavyāghraḥ śārṅgadhanvā vyapāśrayaḥ / hitārthī cāpi pārthānāṃ kathaṃ teṣāṃ parājayaḥ

Diese und viele andere, für deren Sache, Saṃjaya, [meine Söhne] im Kampf ihr Leben hingaben — was wäre von ihnen im Kampf unbesiegt geblieben? Und für die der Tiger unter den Männern, der Träger des Śārṅga-Bogens [Kṛṣṇa], die Zuflucht ist, und der zugleich das Wohl der Söhne der Pṛthā [Pāṇḍavas] sucht — wie [könnte es] für sie eine Niederlage [geben]?

Wort für Wort
ete ca anye ca bahavaḥ yeṣām arthāya saṃjaya
diese und viele andere, für deren Sache, Saṃjaya (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Gen.Pl.Relativ + Dat.Sg. + Vok.Sg.)
tyaktāraḥ saṃyuge prāṇān kim teṣām ajitam yudhi
[meine Söhne] im Kampf ihr Leben hingaben — was wäre von ihnen im Kampf unbesiegt geblieben (Nom.Pl. + Lok.Sg. + Akk.Pl. + Interrog. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
yeṣām ca puruṣavyāghraḥ śārṅgadhanvā vyapāśrayaḥ
und für die der Tiger unter den Männern, der Träger des Śārṅga-Bogens, die Zuflucht ist (Gen.Pl.Relativ + Konj. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
hitārthī ca api pārthānām kathaṃ teṣām parājayaḥ
und der zugleich das Wohl der Söhne der Pṛthā sucht — wie [könnte es] für sie eine Niederlage [geben] (Nom.Sg.Bah. + Konj. + Partikel + Gen.Pl. + Interrog. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.70-71 bilden eine syntaktische Einheit; zusammenfassende Reflexion Dhṛtarāṣṭras über die Unbesiegbarkeit der von ihm aufgezählten, durch Kṛṣṇas Beistand geschützten Krieger.]

lokānāṃ gurur atyantaṃ lokanāthaḥ sanātanaḥ / nārāyaṇo raṇe nātho divyo divyātmavān prabhuḥ / yasya divyāni karmāṇi pravadanti manīṣiṇaḥ / tāny ahaṃ kīrtayiṣyāmi bhaktyā sthairyārtham ātmanaḥ

Der äußerste Lehrer der Welten, der ewige Herr der Welten, Nārāyaṇa [Kṛṣṇa], der Herr im Kampf, der Göttliche, von göttlichem Selbst, der Mächtige — dessen göttliche Taten die Weisen verkünden — diese will ich, aus Hingabe, zur Festigung meiner selbst, preisen.

Wort für Wort
lokānām guruḥ atyantam lokanāthaḥ sanātanaḥ
der äußerste Lehrer der Welten, der ewige Herr der Welten (Gen.Pl. + Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
nārāyaṇaḥ raṇe nāthaḥ divyaḥ divyātmavān prabhuḥ
Nārāyaṇa, der Herr im Kampf, der Göttliche, von göttlichem Selbst, der Mächtige (Nom.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.)
yasya divyāni karmāṇi pravadanti manīṣiṇaḥ
dessen göttliche Taten die Weisen verkünden (Gen.Sg.Relativ + Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
tāni aham kīrtayiṣyāmi bhaktyā sthairyārtham ātmanaḥ
diese will ich, aus Hingabe, zur Festigung meiner selbst, preisen (Akk.Pl. + Nom.Sg. + 1.Sg.Fut. + Instr.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)

[Anm.: V.72-73 bilden eine syntaktische Einheit und schließen Kap.9 ab. Dhṛtarāṣṭra kündigt hier an, aus eigener Fassung heraus Kṛṣṇas göttliche Taten preisen zu wollen; dieses Vorhaben wird im folgenden Kapitel, das erneut mit der Sprecherkennzeichnung 'dhṛtarāṣṭra uvāca' einsetzt, fortgeführt.]

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