Kapitel 19: Suparṇavyūha
Der zehnte Tag: Die Garuḍa-Formation und die große Elefantenschlacht
Droṇa, der die Nacht über mit Duryodhana beraten und den Plan gefasst hatte, Arjuna durch die Saṃśaptakas vom Schlachtfeld fernzuhalten, stellt sein Heer in Garuḍa-Formation (Suparṇavyūha) auf und rückt gegen Yudhiṣṭhira vor, der mit einer Halbmond-Formation entgegnet. Es folgt eine ausführliche Beschreibung der Garuḍa-Formation mit den ihr zugeordneten Kriegern und Völkern (Kap. Mund: Droṇa; Haupt: Duryodhana; Augen: Kṛtavarman und Gautama; Hals: zahlreiche Völker; Flügel: Bhūriśravas, Śalya u.a. rechts, Vinda und Anuvinda links; Rücken: weitere Völker; Schwanz: Karṇa; Scheitel: Jayadratha u.a.) sowie des im Zentrum auf seinem Elefanten thronenden Bhagadatta. Yudhiṣṭhira bittet Dhṛṣṭadyumna, ihn vor Droṇas Zugriff zu bewahren; dieser verspricht, Droṇa selbst aufzuhalten, und stürmt gegen ihn, was bei Droṇa – der um seine vorherbestimmte Tötung durch Dhṛṣṭadyumna weiß – kurze Bestürzung auslöst. Durmukha hält Dhṛṣṭadyumna auf, während Droṇa das Yudhiṣṭhira-Heer verwüstet; es entbrennt eine gewaltige, chaotische Schlacht, in der Freund und Feind kaum mehr zu unterscheiden sind, gefolgt von einer ausführlichen, grausamen Schilderung der Elefantenschlacht mit zahllosen fallenden Elefanten, Reitern und Kriegern. Das Kapitel endet damit, dass Droṇa mitten in diesem Chaos erneut gegen Yudhiṣṭhira vorstößt.
pariṇāmya niśāṃ tāṃ tu bhāradvājo mahārathaḥ / bahūktvā ca tato rājan rājānaṃ ca suyodhanam
Nachdem der große Wagenkämpfer, der Sohn des Bharadvāja, jene Nacht hatte vergehen lassen und darauf, o König, viel zu König Suyodhana gesprochen hatte,
Wort für Wort
pariṇāmya niśāṃ tāṃ tu
nachdem jene Nacht vergangen war (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
bhāradvājo mahārathaḥ
der Sohn des Bharadvāja, der große Wagenkämpfer (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
bahūktvā ca tato rājan
und viel gesprochen habend, darauf, o König (Ger. + Konj. + Adv. + Vok.Sg.)
rājānaṃ ca suyodhanam
zu König Suyodhana (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.1-2 zu einer Einheit zusammengefasst; eingeleitet durch die (hier entfallende) Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca'.]
vidhāya yogaṃ pārthena saṃśaptakagaṇaiḥ saha / niṣkrānte ca raṇāt pārthe saṃśaptakavadhaṃ prati
und ein Vorhaben ersonnen hatte, den Pārtha zusammen mit den Scharen der Saṃśaptakas [zu binden], und nachdem der Pārtha zur Vernichtung der Saṃśaptakas aus der [Haupt-]Schlacht gewichen war –
Wort für Wort
vidhāya yogaṃ pārthena
ein Vorhaben ersonnen habend, den Pārtha (Ger. + Akk.Sg. + Instr.Sg.)
saṃśaptakagaṇaiḥ saha
zusammen mit den Scharen der Saṃśaptakas (Instr.Pl. + Postp.)
niṣkrānte ca raṇāt pārthe
und nachdem der Pārtha aus der Schlacht gewichen war (Lok.Sg.Abs. + Konj. + Abl.Sg. + Lok.Sg.Abs.)
saṃśaptakavadhaṃ prati
zur Vernichtung der Saṃśaptakas (Akk.Sg. + Postp.)
[Anm.: V.2 bezieht sich zurück auf Droṇas ursprünglichen, bereits in Kap.16 dargelegten Plan, Arjuna durch die Saṃśaptakas vom Hauptschlachtfeld fernzuhalten.]
vyūḍhānīkas tato droṇaḥ pāṇḍavānāṃ mahācamūm / abhyayād bharataśreṣṭha dharmarājajighṛkṣayā
rückte Droṇa darauf, sein Heer aufgestellt habend, gegen das große Heer der Pāṇḍavas vor, o Bester der Bharatas, aus dem Verlangen, den Dharmarāja zu ergreifen.
Wort für Wort
vyūḍhānīkas tato droṇaḥ
sein Heer aufgestellt habend, darauf Droṇa (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)
pāṇḍavānāṃ mahācamūm
gegen das große Heer der Pāṇḍavas (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
abhyayād bharataśreṣṭha
rückte vor, o Bester der Bharatas (3.Sg.Impf. + Vok.Sg.)
dharmarājajighṛkṣayā
aus dem Verlangen, den Dharmarāja zu ergreifen (Instr.Sg.Desid.)
Der Mund des Garuḍa war der Sohn des Bharadvāja, der große Wagenkämpfer; das Haupt war König Duryodhana, zusammen mit seinen leiblichen Brüdern und Gefolgsleuten;
Wort für Wort
mukham āsīt suparṇasya
der Mund des Garuḍa war (N.Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Gen.Sg.)
bhāradvājo mahārathaḥ
der Sohn des Bharadvāja, der große Wagenkämpfer (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
śiro duryodhano rājā
das Haupt [war] König Duryodhana (N.Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
sodaryaiḥ sānugaiḥ saha
zusammen mit den leiblichen Brüdern und Gefolgsleuten (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Postp.)
[Anm.: V.5 bildet eine Einheit; Beginn der Beschreibung, welche Krieger und Völker welchem Körperteil der Garuḍa-Formation entsprechen.]
cakṣuṣī kṛtavarmā ca gautamaś cāsyatāṃ varaḥ / bhūtavarmā kṣemaśarmā karakarṣaś ca vīryavān / kaliṅgāḥ siṃhalāḥ prācyāḥ śūrābhīrā daśerakāḥ / śakā yavanakāmbojās tathā haṃsapadāś ca ye / grīvāyāṃ śūrasenāś ca daradā madrakekayāḥ / gajāśvarathapattyaughās tasthuḥ śatasahasraśaḥ
die beiden Augen waren Kṛtavarman und Gautama, der Beste der Schützen; Bhūtavarman, Kṣemaśarman und der tapfere Karakarṣa, die Kaliṅgas, Siṃhalas, Östlichen, heldenhaften Ābhīras, Daśerakas, die Śakas, Yavanas, Kāmbojas und ebenso die Haṃsapadas – und im Hals standen die Śūrasenas, Daradas, Madrakas und Kekayas, mit Elefanten-, Pferde-, Wagen- und Fußvolk-Scharen, zu Hunderttausenden.
Wort für Wort
cakṣuṣī kṛtavarmā ca
die beiden Augen [waren] Kṛtavarman und (N.Nom.Du. + Nom.Sg. + Konj.)
gautamaś cāsyatāṃ varaḥ
Gautama, der Beste der Schützen (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
bhūtavarmā kṣemaśarmā
Bhūtavarman, Kṣemaśarman (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
karakarṣaś ca vīryavān
und der tapfere Karakarṣa (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
kaliṅgāḥ siṃhalāḥ prācyāḥ
die Kaliṅgas, Siṃhalas, Östlichen (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
śūrābhīrā daśerakāḥ
heldenhafte Ābhīras, die Daśerakas (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
śakā yavanakāmbojās
die Śakas, Yavanas und Kāmbojas (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
tathā haṃsapadāś ca ye
und ebenso die Haṃsapadas, die (Adv. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
grīvāyāṃ śūrasenāś ca
im Hals die Śūrasenas und (Lok.Sg. + Nom.Pl. + Konj.)
daradā madrakekayāḥ
die Daradas, Madrakas, Kekayas (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
gajāśvarathapattyaughās
mit Elefanten-, Pferde-, Wagen- und Fußvolk-Scharen (Nom.Pl.)
tasthuḥ śatasahasraśaḥ
standen, zu Hunderttausenden (3.Pl.Perf. + Adv.)
[Anm.: V.6-8 zu einer Einheit zusammengefasst; Fortsetzung der Aufzählung der Körperteile der Garuḍa-Formation (Augen, weitere unbenannte Position, Hals) mit den ihnen zugeordneten Kriegern und Völkern.]
Vinda und Anuvinda, die beiden Āvantyas, und der Kāmboja Sudakṣiṇa, den linken Flügel eingenommen habend, standen, vom Sohn Droṇas (Aśvatthāman) angeführt.
Wort für Wort
vindānuvindāv āvantyau
Vinda und Anuvinda, die beiden Āvantyas (Nom.Du. + Nom.Du.)
kāmbojaś ca sudakṣiṇaḥ
und der Kāmboja Sudakṣiṇa (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
vāmaṃ pakṣaṃ samāśritya
den linken Flügel eingenommen habend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
droṇaputrāgragāḥ sthitāḥ
standen, vom Sohn Droṇas angeführt (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
Im Rücken [standen] die Kaliṅgas samt den Ambaṣṭhas, die Māgadhas, Pauṇḍras und Madrakas, die Gāndhāras, die Śakunis und Östlichen, die Bergbewohner, die Vasātis.
Wort für Wort
pṛṣṭhe kaliṅgāḥ sāmbaṣṭhā
im Rücken die Kaliṅgas samt den Ambaṣṭhas (Lok.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
māgadhāḥ paundramadrakāḥ
die Māgadhas, Pauṇḍras und Madrakas (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
gāndhārāḥ śakuniprāgyāḥ
die Gāndhāras, Śakunis und Östlichen (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
Im Schwanz [stand] Vaikartana Karṇa, samt seinen Söhnen, Verwandten und Angehörigen; er stand mit einem großen, von mannigfachen Bannern aufragenden Heer.
Wort für Wort
pucche vaikartanaḥ karṇaḥ
im Schwanz Vaikartana Karṇa (Lok.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
saputrajñātibāndhavaḥ
samt Söhnen, Verwandten und Angehörigen (Nom.Sg.)
mahatyā senayā tasthau
stand mit einem großen Heer (Instr.Sg. + Instr.Sg. + 3.Sg.Perf.)
nānādhvajasamutthayā
von mannigfachen Bannern aufragend (Instr.Sg.)
[Anm.: V.12 bildet eine Einheit. 'Vaikartana' ('Sohn des Vikartana/der Sonne') ist ein Beiname Karṇas.]
Jayadratha, Bhīmaratha, Sāṃyātrika, der Versammlungs[führer] Jaya, Bhūmiṃjaya, Vṛṣakratha und der mächtige Naiṣadha – von einer großen Streitmacht umgeben, den Himmel [als Lohn] vor Augen, standen sie, o König, auf dem Scheitel der Formation, kampferfahren.
Wort für Wort
jayadratho bhīmarathaḥ
Jayadratha, Bhīmaratha (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
sāṃyātrikasabho jayaḥ
Sāṃyātrika, der Versammlungsführer Jaya (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
bhūmiṃjayo vṛṣakrātho
Bhūmiṃjaya, Vṛṣakratha (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
naiṣadhaś ca mahābalaḥ
und der mächtige Naiṣadha (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
vṛtā balena mahatā
von einer großen Streitmacht umgeben (Nom.Pl. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
brahmalokapuraskṛtāḥ
den Himmel vor Augen (Nom.Pl.)
vyūhasyopari te rājan
sie auf dem Scheitel der Formation, o König (Gen.Sg. + Adv. + Nom.Pl. + Vok.Sg.)
sthitā yuddhaviśāradāḥ
standen, kampferfahren (Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.)
[Anm.: V.13-14 zu einer Einheit zusammengefasst. Die genaue Aufteilung des Namens 'sāṃyātrikasabhaḥ' in V.13c ist unsicher [?] – möglich ist ein Einzelname 'Sāṃyātrika' mit dem Beinamen 'sabhaḥ' ('der Versammlungsführer') oder eine andere Lesung. 'brahmalokapuraskṛtāḥ' ('die den Brahma-Himmel vor sich haben') deutet auf Krieger, die im Kampf um den Preis des Heldentodes und Aufstiegs in den Himmel kämpfen.]
Aus ihren Flügeln und Unterflügeln stürmen kampfbegierige [Krieger] hervor, wie von Blitz und Donner begleitete Wolken aus allen Himmelsrichtungen, wenn die heiße [Jahreszeit naht].
Wort für Wort
tasya pakṣaprapakṣebhyo
aus ihren Flügeln und Unterflügeln (Gen.Sg. + Abl.Pl.)
niṣpatanti yuyutsavaḥ
stürmen hervor die Kampfbegierigen (3.Pl.Präs. + Nom.Pl.Desid.)
savidyutstanitā meghāḥ
von Blitz und Donner begleitete Wolken (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
sarvadigbhya ivoṣṇage
wie aus allen Richtungen, wenn die Hitze naht (Abl.Pl. + Part. + Lok.Sg.Abs.)
[Anm.: V.16 bildet eine Einheit. 'uṣṇage' ('wenn der Hitze-Gänger [naht]') ist unsicher gedeutet, möglicherweise ein Verweis auf die Sonne bzw. die heiße Jahreszeit vor dem Monsun.]
In ihrer Mitte thronte der König von Prāgjyotiṣa (Bhagadatta) auf einem kunstgerecht ausgestatteten Elefanten, und erglänzte, o König, wie die Sonne bei ihrem Aufgang – der König, mit einem blumenbekränzten weißen Schirm, der über ihm gehalten wurde, wie der Mond, verbunden mit dem Sternbild Kṛttikā, an Vollmondnacht.
Wort für Wort
tasya prāgjyotiṣo madhye
in ihrer Mitte der König von Prāgjyotiṣa (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
vidhivat kalpitaṃ gajam
auf einem kunstgerecht ausgestatteten Elefanten (Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
āsthitaḥ śuśubhe rājann
thronend erglänzte er, o König (Nom.Sg.Part. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
aṃśumān udaye yathā
wie die Sonne bei ihrem Aufgang (Nom.Sg. + Lok.Sg. + Konj.)
mālyadāmavatā rājā
der König, mit einem blumenbekränzten (Instr.Sg. + Nom.Sg.)
śvetacchatreṇa dhāryatā
weißen Schirm, der gehalten wurde (Instr.Sg. + Instr.Sg.Part.)
kṛttikāyogayuktena
verbunden mit dem Sternbild Kṛttikā (Instr.Sg.)
paurṇamāsyām ivendunā
wie der Mond an Vollmondnacht (Lok.Sg. + Part. + Instr.Sg.)
Der von der Brunft geblendete Elefant, einem Haufen schwarzen Augenschminkes gleichend, erglänzte wie ein großer, von gewaltigen Wolken beregneter Berg.
Wort für Wort
nīlāñjanacayaprakhyo
einem Haufen schwarzen Augenschminkes gleichend (Nom.Sg.)
madāndho dvirado babhau
der von der Brunft geblendete Elefant erglänzte (Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
abhivṛṣṭo mahāmeghair
beregnet von gewaltigen Wolken (Nom.Sg.Part. + Instr.Pl.)
yathā syāt parvato mahān
wie ein großer Berg wäre (Konj. + 3.Sg.Opt. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
„Damit ich, o Herr, heute nicht in die Gewalt des Brahmanen gerate, möge so eine Strategie ersonnen werden, o du, dessen Rosse taubenfarben sind.“
Wort für Wort
brāhmaṇasya vaśaṃ nāham
damit ich nicht in die Gewalt des Brahmanen (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Neg. + Nom.Sg.)
iyām adya yathā prabho
gerate heute, so, o Herr (1.Sg.Opt. + Adv. + Konj. + Vok.Sg.)
pārāvatasavarṇāśva
o du, dessen Rosse taubenfarben sind (Vok.Sg.)
tathā nītir vidhīyatām
möge so eine Strategie ersonnen werden (Adv. + Nom.Sg. + 3.Sg.Imp.Pass.)
[Anm.: V.22 bildet eine Einheit, selbständige Rede Yudhiṣṭhiras; 'pārāvatasavarṇāśva' ('dessen Rosse taubenfarben sind') ist ein Beiname Dhṛṣṭadyumnas.]
„In die Gewalt des sich bemühenden Droṇa wirst du nicht geraten, du von gutem Gelübde; ich werde Droṇa heute samt seinem Gefolge aufhalten. Solange ich lebe, o Kauravya, brauchst du keine Angst zu haben; denn Droṇa ist keineswegs imstande, mich im Kampf zu besiegen.“
Wort für Wort
droṇasya yatamānasya
des sich bemühenden Droṇa (Gen.Sg. + Gen.Sg.Part.)
vaśaṃ naiṣyasi suvrata
in die Gewalt wirst du nicht geraten, du von gutem Gelübde (Akk.Sg. + Neg. + 2.Sg.Fut. + Vok.Sg.)
aham āvārayiṣyāmi
ich werde aufhalten (Nom.Sg. + 1.Sg.Fut.)
droṇam adya sahānugam
Droṇa heute samt Gefolge (Akk.Sg. + Adv. + Akk.Sg.)
mayi jīvati kauravya
solange ich lebe, o Kauravya (Lok.Sg.Abs. + Lok.Sg.Abs. + Vok.Sg.)
nodvegaṃ kartum arhasi
brauchst du keine Angst zu haben (Neg. + Akk.Sg. + Inf. + 2.Sg.Präs.)
na hi śakto raṇe droṇo
denn Droṇa ist keineswegs imstande, im Kampf (Neg. + Part. + Nom.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
vijetuṃ māṃ kathaṃ cana
mich zu besiegen, in keiner Weise (Inf. + Akk.Sg. + Adv.)
[Anm.: V.23-24 zu einer Einheit zusammengefasst; Antwort des Dhṛṣṭadyumna, eingeleitet durch die (hier entfallende) Sprecherkennzeichnung 'dhṛṣṭadyumna uvāca'.]
Als er Dhṛṣṭadyumna dastehen sah, einen unwillkommenen Anblick, wurde Droṇa binnen eines Augenblicks wie einer, dessen Gemüt nicht sehr erfreut ist.
Wort für Wort
aniṣṭadarśanaṃ dṛṣṭvā
einen unwillkommenen Anblick erblickend (Akk.Sg. + Ger.)
dhṛṣṭadyumnam avasthitam
Dhṛṣṭadyumna dastehend (Akk.Sg. + Akk.Sg.Part.)
kṣaṇenaivābhavad droṇo
binnen eines Augenblicks wurde Droṇa (Instr.Sg. + Part. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
nātihṛṣṭamanā iva
wie einer, dessen Gemüt nicht sehr erfreut ist (Neg. + Nom.Sg. + Part.)
[Anm.: Zwischen V.26d und V.27a ein sechszeiliger Apparatseinschub (*0142_01-06), der ausführlich Droṇas Bestürzung begründet: 'Denn er (Dhṛṣṭadyumna) war zur Vernichtung Droṇas geboren, höchst furchtbar; wegen des Wissens um sterbliche Natur wurde der Sohn des Bharadvāja darüber bestürzt; da konnte im Heer niemand es ertragen, ihn anzublicken; dann, scharfe Pfeile verschießend gegen Drupadas Streitmacht, zog sich der Sohn des Bharadvāja rasch zurück, den Sohn des Pṛṣata im Kampf meidend; der Brahmane hielt Drupadas großes Heer auf.' Nicht übersetzt, für den Hauptsatz nicht erforderlich; wegen seiner erzählerischen Bedeutung hier eigens zusammengefasst – er bestätigt Droṇas Wissen um seine vorherbestimmte Tötung durch Dhṛṣṭadyumna, bereits aus früheren Kapiteln bekannt.]
Als er sah, dass Droṇa aufgehalten war, bedrängte dein Sohn, heftig erschöpft, den Sohn des Pṛṣata mit vielerlei gekennzeichneten Pfeilmassen und verwirrte ihn.
Wort für Wort
droṇam āvāritaṃ dṛṣṭvā
als er sah, dass Droṇa aufgehalten war (Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Ger.)
bhṛśāyastas tavātmajaḥ
heftig erschöpft, dein Sohn (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
nānāliṅgaiḥ śaravrātaiḥ
mit vielerlei gekennzeichneten Pfeilmassen (Instr.Pl. + Instr.Pl.)
pārṣataṃ samamohayat
verwirrte den Sohn des Pṛṣata (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
Während jene beiden, die Vorzüglichsten der Pāñcālas und Kurus, im Kampf miteinander verstrickt waren, zerstreute Droṇa das Heer Yudhiṣṭhiras mit Pfeilen auf vielerlei Weise.
Wort für Wort
tayor viṣaktayoḥ saṃkhye
während jene beiden im Kampf verstrickt waren (Gen.Du. + Gen.Du.Part. + Lok.Sg.)
pāñcālyakurumukhyayoḥ
die Vorzüglichsten der Pāñcālas und Kurus (Gen.Du.)
droṇo yaudhiṣṭhiraṃ sainyaṃ
Droṇa das Heer Yudhiṣṭhiras (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
bahudhā vyadhamac charaiḥ
zerstreute auf vielerlei Weise mit Pfeilen (Adv. + 3.Sg.Impf. + Instr.Pl.)
[Anm.: Zwischen V.31b und V.31c eine Apparatszeile (*0143_01: 'ein tumultartiger Kampf entstand zwischen den beiden, die einander zu töten trachteten'), nicht übersetzt, inhaltlich redundant zum Hauptsatz.]
Für einen Augenblick war jener Kampf gleichsam anmutig anzusehen; dann aber, o König, wie von Sinnen, verlief er grenzenlos.
Wort für Wort
muhūrtam iva tad yuddham
für einen Augenblick gleichsam jener Kampf (Akk.Sg. + Part. + N.Nom.Sg. + N.Nom.Sg.)
āsīn madhuradarśanam
war anmutig anzusehen (3.Sg.Impf. + N.Nom.Sg.)
tata unmattavad rājan
dann, wie von Sinnen, o König (Adv. + Adv. + Vok.Sg.)
nirmaryādam avartata
verlief er grenzenlos (N.Akk.Sg.Adv. + 3.Sg.Impf.Med.)
[Anm.: Zwischen V.33c/d eine Apparatszeile (*0144_01: 'weder Himmel noch Himmelsrichtungen noch Erde leuchteten mehr, noch die Sonne'), nicht übersetzt.]
narān eva narā jaghnur udagrāś ca hayā hayān / rathāṃś ca rathino jaghnur vāraṇā varavāraṇān
Nur Menschen erschlugen Menschen, und übermütige Pferde [erschlugen] Pferde; Wagenlenker erschlugen Wagen, und Elefanten erschlugen erlesene Elefanten.
Wort für Wort
narān eva narā jaghnur
nur Menschen erschlugen Menschen (Akk.Pl. + Part. + Nom.Pl. + 3.Pl.Perf.)
tomarābhihatāḥ ke cid bāṇaiś ca paramadvipāḥ / vitresuḥ sarvabhūtānāṃ śabdam evāpare 'vrajan
Manche der erlesensten Elefanten, von Wurfspießen und Pfeilen getroffen, erzitterten allein schon beim Geräusch aller Wesen [um sie her]; andere zogen [unbeirrt] weiter.
Wort für Wort
tomarābhihatāḥ ke cid
manche, von Wurfspießen getroffen (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
bāṇaiś ca paramadvipāḥ
und von Pfeilen, die erlesensten Elefanten (Instr.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
vitresuḥ sarvabhūtānāṃ
erzitterten aller Wesen (3.Pl.Perf. + Gen.Pl.)
śabdam evāpare 'vrajan
beim bloßen Geräusch; andere zogen weiter (Akk.Sg. + Part. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)
Die Mahouts, von [feindlichen] Mahouts mit Pfeilen und Wurfspießen getroffen, stürzten von den Elefanten zu Boden, ihre Waffen und Elefantenhaken fallengelassen.
Wort für Wort
mahāmātrā mahāmātrais
die Mahouts, von Mahouts (Nom.Pl. + Instr.Pl.)
tāḍitāḥ śaratomaraiḥ
getroffen mit Pfeilen und Wurfspießen (Nom.Pl. + Instr.Pl.)
gajebhyaḥ pṛthivīṃ jagmur
stürzten von den Elefanten zu Boden (Abl.Pl. + Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.)
muktapraharaṇāṅkuśāḥ
ihre Waffen und Elefantenhaken fallengelassen (Nom.Pl.)
Geschlagen und noch geschlagen werdend mit Wurfspießen, Lanzen und Äxten, stürzten die Elefanten da, einen Schmerzensschrei ausstoßend, im Gemetzel [zu Boden].
Wort für Wort
tāḍitās tāḍyamānāś ca
geschlagen und noch geschlagen werdend (Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.Part. + Konj.)
tomararṣṭiparaśvadhaiḥ
mit Wurfspießen, Lanzen und Äxten (Instr.Pl.)
petur ārtasvaraṃ kṛtvā
stürzten, einen Schmerzensschrei ausstoßend (3.Pl.Perf. + Akk.Sg. + Ger.)
tadā viśasane gajāḥ
da im Gemetzel die Elefanten (Adv. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)
gajasthāś ca mahāmātrā nirbhinnahṛdayā raṇe / rathibhiḥ pātitā bhallair vikīrṇāṅkuśatomarāḥ
Und die auf Elefanten sitzenden Mahouts, im Kampf durchbohrten Herzens, wurden von Wagenkämpfern mit Breitpfeilen zu Fall gebracht, ihre Elefantenhaken und Wurfspieße verstreut.
Wort für Wort
gajasthāś ca mahāmātrā
und die auf Elefanten sitzenden Mahouts (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
nirbhinnahṛdayā raṇe
durchbohrten Herzens, im Kampf (Nom.Pl. + Lok.Sg.)
rathibhiḥ pātitā bhallair
von Wagenkämpfern zu Fall gebracht, mit Breitpfeilen (Instr.Pl. + Nom.Pl.Part. + Instr.Pl.)
vikīrṇāṅkuśatomarāḥ
ihre Elefantenhaken und Wurfspieße verstreut (Nom.Pl.)
[Anm.: Innerhalb von V.52 eine Apparatszeile (*0145_01: 'von den Leibern erlesener Elefanten zertrampelt und von Stoßzähnen niedergestreckt'), nicht übersetzt; der Hauptsatz ist ohne sie grammatisch vollständig.]
pramathya ca viṣāṇāgraiḥ samutkṣipya ca vāraṇaiḥ / sacakrāś ca vicakrāś ca rathair eva mahārathāḥ / rathāś ca rathibhir hīnā nirmanuṣyāś ca vājinaḥ / hatārohāś ca mātaṅgā diśo jagmuḥ śarāturāḥ
Von Stoßzahnspitzen zermalmt und von Elefanten emporgeschleudert, gingen die großen Wagenkämpfer, samt ihren Wagen mit oder ohne Räder, in [alle] Richtungen, von Pfeilen gequält; und Wagen, ihrer Lenker beraubt, und reiterlos gewordene Pferde, und Elefanten, deren Reiter erschlagen waren.
Wort für Wort
pramathya ca viṣāṇāgraiḥ
zermalmt von Stoßzahnspitzen (Ger. + Konj. + Instr.Pl.)
samutkṣipya ca vāraṇaiḥ
und emporgeschleudert von Elefanten (Ger. + Konj. + Instr.Pl.)
sacakrāś ca vicakrāś ca
mit Rädern und ohne Räder (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Konj.)
rathair eva mahārathāḥ
samt Wagen, die großen Wagenkämpfer (Instr.Pl. + Part. + Nom.Pl.)
rathāś ca rathibhir hīnā
und Wagen, ihrer Lenker beraubt (Nom.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Nom.Pl.)
nirmanuṣyāś ca vājinaḥ
und reiterlos gewordene Pferde (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
hatārohāś ca mātaṅgā
und Elefanten, deren Reiter erschlagen waren (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
diśo jagmuḥ śarāturāḥ
gingen in Richtungen, von Pfeilen gequält (Akk.Pl. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.)
sa gajaughamahāvegaḥ parāsunaraśaivalaḥ / rathaughatumulāvartaḥ prababhau sainyasāgaraḥ
Jener Ozean des Heeres, mit der gewaltigen Flutwelle der Elefantenscharen, mit den toten Männern als seinem Wassermoos, mit dem tumultartigen Strudel der Wagenscharen, erglänzte.
Wort für Wort
sa gajaughamahāvegaḥ
jener, mit der gewaltigen Flutwelle der Elefantenscharen (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
parāsunaraśaivalaḥ
mit den toten Männern als Wassermoos (Nom.Sg.)
rathaughatumulāvartaḥ
mit dem tumultartigen Strudel der Wagenscharen (Nom.Sg.)
prababhau sainyasāgaraḥ
erglänzte der Ozean des Heeres (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.61 bildet eine Einheit; Ozean-Gleichnis für das Schlachtfeld.]
In jenen, mit den großen Schiffen ihrer Fahrzeuge eintauchend und untertauchend, gerieten die auf Sieg und Reichtum bedachten Krieger keineswegs in Verwirrung.
Wort für Wort
taṃ vāhanamahānaubhir
in jenen, mit den großen Schiffen der Fahrzeuge (Akk.Sg. + Instr.Pl.)
yodhā jayadhanaiṣiṇaḥ
die auf Sieg und Reichtum bedachten Krieger (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
avagāhyāvamajjanto
eintauchend und untertauchend (Ger. + Nom.Pl.Part.)
naiva mohaṃ pracakrire
gerieten keineswegs in Verwirrung (Neg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.Med.)
śaravarṣābhivṛṣṭeṣu yodheṣv ajitalakṣmasu / na hi svacittatāṃ lebhe kaś cid āhatalakṣaṇaḥ
Unter den vom Pfeilregen überschütteten Kriegern, deren Kennzeichen noch nicht überwältigt waren, behielt keiner der [an seinem Kennzeichen] Getroffenen seine Geistesgegenwart.
Wort für Wort
śaravarṣābhivṛṣṭeṣu
unter den vom Pfeilregen überschütteten (Lok.Pl.)
yodheṣv ajitalakṣmasu
Kriegern, deren Kennzeichen noch nicht überwältigt waren (Lok.Pl. + Lok.Pl.)
Während so der Kampf von furchtbarer Gestalt, Schrecken erregend, im Gange war, griff Droṇa, die Feinde verwirrend, Yudhiṣṭhira an.
Wort für Wort
vartamāne tathā yuddhe
während so der Kampf im Gange war (Lok.Sg.Abs. + Adv. + Lok.Sg.Abs.)
ghorarūpe bhayaṃkare
von furchtbarer Gestalt, Schrecken erregend (Lok.Sg.Abs. + Lok.Sg.Abs.)
mohayitvā parān droṇo
die Feinde verwirrend, Droṇa (Ger. + Akk.Pl. + Nom.Sg.)
yudhiṣṭhiram upādravat
griff Yudhiṣṭhira an (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
[Anm.: V.64 bildet eine Einheit, letzte des Kapitels; eingeleitet wird das folgende Kap.20 wieder durch 'saṃjaya uvāca'. Leitet den erneuten Angriff Droṇas auf Yudhiṣṭhira ein, mitten im Chaos der Elefantenschlacht.]