Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Droṇaparva

Kapitel 17: Saṃśaptakavadha Der zehnte Tag: Arjunas erster Zusammenstoß mit den Saṃśaptakas

Die in Halbmondformation aufgestellten Saṃśaptakas begrüßen den herannahenden Arjuna mit lautem Jubelgeschrei, da sie ihren Tod im Kampf als Ziel wählen; Arjuna bemerkt gegenüber Kṛṣṇa spöttisch-mitleidig, dass sie sich über etwas freuen, das eigentlich Trauer verdiente, und dass ihnen der Kampf gegen ihn erhabene Jenseitswelten verschaffen werde. Nach dem Erschallen von Arjunas Muschelhorn Devadatta erstarrt das feindliche Heer kurz vor Schreck, bevor ein gewaltiger Pfeilkampf entbrennt: Arjuna zerschneidet mühelos zehntausende anfliegende Pfeile, vernichtet zahlreiche benannte Trigarta-Krieger (Subāhu, Sudhanus u.a.) und enthauptet Sudhanus. Als das Trigarta-Heer daraufhin in Furcht zu fliehen beginnt, ermahnt der Trigarta-König seine Krieger, nicht als Schwätzer vor Duryodhana dazustehen, nachdem sie doch furchtbare Eide geschworen hatten; die Saṃśaptakas kehren daraufhin, samt den Nārāyaṇa-Kriegern und Hirten, entschlossen zum Kampf auf Leben und Tod um.

tataḥ saṃśaptakā rājan same deśe vyavasthitāḥ / vyūhyānīkaṃ rathair eva candrārdhākhyaṃ mudānvitāḥ

Dann standen die Saṃśaptakas, o König, auf ebenem Gelände aufgestellt, freudeerfüllt, nachdem sie ihr Heer eben mit den Wagen in die 'Halbmond' genannte Formation geordnet hatten.

Wort für Wort
tataḥ saṃśaptakā rājan
dann die Saṃśaptakas, o König (Adv. + Nom.Pl. + Vok.Sg.)
same deśe vyavasthitāḥ
auf ebenem Gelände aufgestellt (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Part.)
vyūhya anīkaṃ rathair eva
geordnet habend das Heer eben mit den Wagen (Ger. + Akk.Sg. + Instr.Pl. + Part.)
candrārdhākhyaṃ mudānvitāḥ
in die 'Halbmond' genannte [Formation], freudeerfüllt (Akk.Sg. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; eingeleitet durch die (hier entfallende) Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca'.]

te kirīṭinam āyāntaṃ dṛṣṭvā harṣeṇa māriṣa / udakrośan naravyāghrāḥ śabdena mahatā tadā

Sie, den herankommenden Diademträger erblickend, o Verehrter, jene Tiger unter den Männern, stießen da mit Freude ein Geschrei mit gewaltigem Schall aus.

Wort für Wort
te kirīṭinam āyāntaṃ
sie, den herankommenden Diademträger (Nom.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part.)
dṛṣṭvā harṣeṇa māriṣa
erblickend, mit Freude, o Verehrter (Ger. + Instr.Sg. + Vok.Sg.)
udakrośan naravyāghrāḥ
stießen ein Geschrei aus, die Tiger unter den Männern (3.Pl.Impf. + Nom.Pl.)
śabdena mahatā tadā
mit gewaltigem Schall da (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Adv.)

[Anm.: Zwischen V.2a und V.2c eine Apparatszeile (*0132_01: 'überaus hocherfreut, den Dhanañjaya erkannt habend'), nicht übersetzt; für den Hauptsatz nicht erforderlich.]

sa śabdaḥ pradiśaḥ sarvā diśaḥ khaṃ ca samāvṛṇot / āvṛtatvāc ca lokasya nāsīt tatra pratisvanaḥ

Jener Schall bedeckte alle Zwischenrichtungen, die Himmelsrichtungen und den Luftraum; und weil die Welt [davon] bedeckt war, gab es dort kein Echo.

Wort für Wort
sa śabdaḥ pradiśaḥ sarvā
jener Schall alle Zwischenrichtungen (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
diśaḥ khaṃ ca samāvṛṇot
die Himmelsrichtungen und den Luftraum bedeckte (Akk.Pl. + Akk.Sg. + Konj. + 3.Sg.Impf.)
āvṛtatvāc ca lokasya
und weil die Welt bedeckt war (Abl.Sg. + Konj. + Gen.Sg.)
nāsīt tatra pratisvanaḥ
gab es dort kein Echo (Neg. + 3.Sg.Impf. + Adv. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.3 bildet eine Einheit.]

atīva saṃprahṛṣṭāṃs tān upalabhya dhanaṃjayaḥ / kiṃ cid abhyutsmayan kṛṣṇam idaṃ vacanam abravīt

Dhanañjaya, sie als überaus hocherfreut wahrnehmend, ein wenig lächelnd, sprach dieses Wort zu Kṛṣṇa:

Wort für Wort
atīva saṃprahṛṣṭāṃs tān
sie als überaus hocherfreut (Adv. + Akk.Pl.Part. + Akk.Pl.)
upalabhya dhanaṃjayaḥ
wahrnehmend, Dhanañjaya (Ger. + Nom.Sg.)
kiṃ cid abhyutsmayan
ein wenig lächelnd (Adv. + Nom.Sg.Part.)
kṛṣṇam idaṃ vacanam abravīt
sprach dieses Wort zu Kṛṣṇa (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.4 bildet eine Einheit.]

paśyaitān devakīmātar mumūrṣūn adya saṃyuge / bhrātṝṃs traigartakān evaṃ roditavye praharṣitān

„Sieh diese Brüder, die Traigartakas, o Sohn der Devakī, die heute im Kampf zu sterben wünschen, so hocherfreut über etwas, das eigentlich Weinen verdiente!

Wort für Wort
paśya etān devakīmātar
sieh diese, o Sohn der Devakī (2.Sg.Imp. + Akk.Pl. + Vok.Sg.)
mumūrṣūn adya saṃyuge
die heute zu sterben wünschen, im Kampf (Akk.Pl.Desid. + Adv. + Lok.Sg.)
bhrātṝṃs traigartakān evaṃ
die Brüder, die Traigartakas, so (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)
roditavye praharṣitān
hocherfreut über etwas, das Weinen verdiente (Lok.Sg.Ger. + Akk.Pl.Part.)

[Anm.: 'devakīmātar' ('o [du], dessen Mutter Devakī [ist]') ist eine Anrede Arjunas an Kṛṣṇa.]

atha vā harṣakālo 'yaṃ traigartānām asaṃśayam / kunarair duravāpān hi lokān prāpsyanty anuttamān

Oder vielmehr ist dies wahrlich eine Zeit der Freude für die Traigartakas – ohne Zweifel; denn sie werden höchste, von schlechten Menschen schwer erreichbare Welten erlangen.“

Wort für Wort
atha vā harṣakālo 'yaṃ
oder vielmehr ist dies eine Zeit der Freude (Konj. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
traigartānām asaṃśayam
für die Traigartakas, ohne Zweifel (Gen.Pl. + Akk.Sg.Adv.)
kunarair duravāpān hi
denn von schlechten Menschen schwer erreichbare (Instr.Pl. + Akk.Pl. + Part.)
lokān prāpsyanty anuttamān
Welten werden sie erlangen, höchste (Akk.Pl. + 3.Pl.Fut. + Akk.Pl.)

[Anm.: Zwischen V.6d und V.7a eine Apparatszeile (*0133_01: 'denn von mir im Kampf getötet, werden sie reichliche Welten erlangen'), nicht übersetzt.]

evam uktvā mahābāhur hṛṣīkeśaṃ tato 'rjunaḥ / āsasāda raṇe vyūḍhāṃ traigartānām anīkinīm

Nachdem er so zu Hṛṣīkeśa gesprochen hatte, näherte sich der starkarmige Arjuna darauf im Kampf dem aufgestellten Heer der Traigartakas.

Wort für Wort
evam uktvā mahābāhur
so gesprochen habend, der Starkarmige (Adv. + Ger. + Nom.Sg.)
hṛṣīkeśaṃ tato 'rjunaḥ
zu Hṛṣīkeśa, darauf Arjuna (Akk.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)
āsasāda raṇe vyūḍhāṃ
näherte sich im Kampf dem aufgestellten (3.Sg.Perf. + Lok.Sg. + Akk.Sg.)
traigartānām anīkinīm
Heer der Traigartakas (Gen.Pl. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.7 bildet eine Einheit.]

sa devadattam ādāya śaṅkhaṃ hemapariṣkṛtam / dadhmau vegena mahatā phalgunaḥ pūrayan diśaḥ

Er, die mit Gold geschmückte Muschel Devadatta ergreifend, blies sie, Phalguna, mit gewaltiger Wucht, die Himmelsrichtungen erfüllend.

Wort für Wort
sa devadattam ādāya
er, Devadatta ergreifend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
śaṅkhaṃ hemapariṣkṛtam
die mit Gold geschmückte Muschel (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
dadhmau vegena mahatā
blies mit gewaltiger Wucht (3.Sg.Perf. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
phalgunaḥ pūrayan diśaḥ
Phalguna, die Richtungen erfüllend (Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.8 bildet eine Einheit. 'Devadatta' ist der Name von Arjunas Muschelhorn.]

tena śabdena vitrastā saṃśaptakavarūthinī / niśceṣṭāvasthitā saṃkye aśmasāramayī yathā

Durch jenen Schall erschreckt, stand das Heer der Saṃśaptakas regungslos im Kampf, wie aus Fels-Erz gemacht.

Wort für Wort
tena śabdena vitrastā
durch jenen Schall erschreckt (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)
saṃśaptakavarūthinī
das Heer der Saṃśaptakas (Nom.Sg.)
niśceṣṭāvasthitā saṃkye
stand regungslos im Kampf (Nom.Sg.Part. + Lok.Sg.)
aśmasāramayī yathā
wie aus Fels-Erz gemacht (Nom.Sg. + Part.)

[Anm.: Zwischen V.9d und V.10a ein sechszeiliger Apparatseinschub (*0134_01-06), der ausführlich die Wirkung des Schalls schildert: 'Jenes Heer, o Bester der Bharatas, regungslos, erglänzte da, wie auf ein buntes Tuch gemalt von kundigen Künstlern; durch jenen Schall der Truppen, den Himmel erfüllend, erklang damals die ganze Erde und ebenso der große Ozean; durch alle jene aufgestellten Heere auf der Erde im Meer der Schlacht wurden durch den Schall aller Truppen die Ohren betäubt.' Nicht übersetzt, für den Hauptsatz nicht erforderlich; wegen seines Umfangs hier eigens zusammengefasst.]

vāhās teṣāṃ vivṛttākṣāḥ stabdhakarṇaśirodharāḥ / viṣṭabdhacaraṇā mūtraṃ rudhiraṃ ca prasusruvuḥ

Ihre Zugtiere, mit verdrehten Augen, mit erstarrten Ohren und Nacken, mit versteiften Beinen, ließen Urin und Blut fließen.

Wort für Wort
vāhās teṣāṃ vivṛttākṣāḥ
ihre Zugtiere, mit verdrehten Augen (Nom.Pl. + Gen.Pl. + Nom.Pl.)
stabdhakarṇaśirodharāḥ
mit erstarrten Ohren und Nacken (Nom.Pl.)
viṣṭabdhacaraṇā mūtraṃ
mit versteiften Beinen, Urin (Nom.Pl. + Akk.Sg.)
rudhiraṃ ca prasusruvuḥ
und Blut ließen sie fließen (Akk.Sg. + Konj. + 3.Pl.Perf.)

[Anm.: Zwischen V.10d und V.11a eine Apparatszeile (*0135_01: 'dann verstummte der Schall; sie wurden darauf hocherfreut'), nicht übersetzt.]

upalabhya ca te saṃjñām avasthāpya ca vāhinīm / yugapat pāṇḍuputrāya cikṣipuḥ kaṅkapatriṇaḥ

Und sie, das Bewusstsein wiedererlangend und das Heer aufgestellt habend, schleuderten zugleich reiherfedrige [Pfeile] auf den Sohn des Pāṇḍu.

Wort für Wort
upalabhya ca te saṃjñām
und sie, das Bewusstsein wiedererlangend (Ger. + Konj. + Nom.Pl. + Akk.Sg.)
avasthāpya ca vāhinīm
und das Heer aufgestellt habend (Ger. + Konj. + Akk.Sg.)
yugapat pāṇḍuputrāya
zugleich auf den Sohn des Pāṇḍu (Adv. + Dat.Sg.)
cikṣipuḥ kaṅkapatriṇaḥ
schleuderten reiherfedrige [Pfeile] (3.Pl.Perf. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.11 bildet eine Einheit.]

tāny arjunaḥ sahasrāṇi daśa pañcaiva cāśugaiḥ / anāgatāny eva śaraiś cicchedāśuparākramaḥ

Jene, fünfzehntausend [Pfeile], zerschnitt Arjuna von schneller Kraft mit seinen eigenen schnellen Pfeilen, noch bevor sie ihn erreicht hatten.

Wort für Wort
tāny arjunaḥ sahasrāṇi
jene Arjuna, tausend (Akk.Pl. + Nom.Sg. + Akk.Pl.)
daśa pañcaiva cāśugaiḥ
fünfzehn eben, mit schnellen [Pfeilen] (Num. + Part. + Konj. + Instr.Pl.)
anāgatāny eva śaraiś
noch bevor sie angekommen waren, mit Pfeilen (Akk.Pl.Part. + Part. + Instr.Pl.)
cicchedāśuparākramaḥ
zerschnitt er, von schneller Kraft (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.12 bildet eine Einheit.]

tato 'rjunaṃ śitair bāṇair daśabhir daśabhiḥ punaḥ / pratyavidhyaṃs tataḥ pārthas tān avidhyat tribhis tribhiḥ

Dann durchbohrten sie Arjuna wiederum mit je zehn scharfen Pfeilen; darauf durchbohrte der Pārtha jeden von ihnen mit je drei [Pfeilen].

Wort für Wort
tato 'rjunaṃ śitair bāṇair
dann Arjuna mit scharfen Pfeilen (Adv. + Akk.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
daśabhir daśabhiḥ punaḥ
mit je zehn wiederum (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv.)
pratyavidhyaṃs tataḥ pārthas
durchbohrten sie; darauf der Pārtha (3.Pl.Impf. + Adv. + Nom.Sg.)
tān avidhyat tribhis tribhiḥ
durchbohrte sie mit je drei [Pfeilen] (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)

[Anm.: V.13 bildet eine Einheit.]

ekaikas tu tataḥ pārthaṃ rājan vivyādha pañcabhiḥ / sa ca tān prativivyādha dvābhyāṃ dvābhyāṃ parākramī

Dann durchbohrte jeder einzelne, o König, den Pārtha mit fünf [Pfeilen]; und er, der Tatkräftige, durchbohrte sie im Gegenzug mit je zwei [Pfeilen].

Wort für Wort
ekaikas tu tataḥ pārthaṃ
jeder einzelne aber dann den Pārtha (Nom.Sg. + Konj. + Adv. + Akk.Sg.)
rājan vivyādha pañcabhiḥ
o König, durchbohrte mit fünf [Pfeilen] (Vok.Sg. + 3.Sg.Perf. + Instr.Pl.)
sa ca tān prativivyādha
und er durchbohrte sie im Gegenzug (Nom.Sg. + Konj. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf.)
dvābhyāṃ dvābhyāṃ parākramī
mit je zwei, der Tatkräftige (Instr.Du. + Instr.Du. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.14 bildet eine Einheit.]

bhūya eva tu saṃrabdhās te 'rjunaṃ sahakeśavam / āpūrayañ śarais tīkṣṇais taṭākam iva vṛṣṭibhiḥ

Weiter erzürnt aber, erfüllten sie Arjuna, zusammen mit Keśava, mit scharfen Pfeilen, wie [Regen] einen Teich mit Schauern erfüllt.

Wort für Wort
bhūya eva tu saṃrabdhās
weiter, aber erzürnt (Adv. + Part. + Konj. + Nom.Pl.Part.)
te 'rjunaṃ sahakeśavam
sie Arjuna, zusammen mit Keśava (Nom.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
āpūrayañ śarais tīkṣṇais
erfüllten mit scharfen Pfeilen (3.Pl.Impf. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
taṭākam iva vṛṣṭibhiḥ
wie einen Teich mit Schauern (Akk.Sg. + Part. + Instr.Pl.)

[Anm.: V.15 bildet eine Einheit.]

tataḥ śarasahasrāṇi prāpatann arjunaṃ prati / bhramarāṇām iva vrātāḥ phulladrumagaṇe vane

Dann fielen tausende Pfeile auf Arjuna zu, wie Schwärme von Bienen in einem Wald mit blühenden Bäumen.

Wort für Wort
tataḥ śarasahasrāṇi
dann tausende Pfeile (Adv. + Nom.Pl.)
prāpatann arjunaṃ prati
fielen auf Arjuna zu (3.Pl.Impf. + Akk.Sg. + Postp.)
bhramarāṇām iva vrātāḥ
wie Schwärme von Bienen (Gen.Pl. + Part. + Nom.Pl.)
phulladrumagaṇe vane
in einem Wald mit blühenden Bäumen (Lok.Sg. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.16 bildet eine Einheit.]

tataḥ subāhus triṃśadbhir adrisāramayair dṛḍhaiḥ / avidhyad iṣubhir gāḍhaṃ kirīṭe savyasācinam

Dann durchbohrte Subāhu den Linkshändigen (Arjuna) tief am Diadem mit dreißig festen, aus Bergerz gefertigten Pfeilen.

Wort für Wort
tataḥ subāhus triṃśadbhir
dann Subāhu mit dreißig (Adv. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
adrisāramayair dṛḍhaiḥ
aus Bergerz gefertigten, festen (Instr.Pl. + Instr.Pl.)
avidhyad iṣubhir gāḍhaṃ
durchbohrte mit Pfeilen tief (3.Sg.Impf. + Instr.Pl. + Adv.)
kirīṭe savyasācinam
am Diadem, den Linkshändigen (Lok.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.17 bildet eine Einheit.]

taiḥ kirīṭī kirīṭasthair hemapuṅkhair ajihmagaiḥ / śātakumbhamayāpīḍo babhau yūpa ivocchritaḥ

Durch jene am Diadem haftenden, goldbefiederten, geradefliegenden [Pfeile] erglänzte der Diademträger, mit goldenem Stirnschmuck, wie ein aufgerichteter Opferpfosten.

Wort für Wort
taiḥ kirīṭī kirīṭasthair
durch jene der Diademträger, am Diadem haftenden (Instr.Pl. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
hemapuṅkhair ajihmagaiḥ
goldbefiederten, geradefliegenden (Instr.Pl. + Instr.Pl.)
śātakumbhamayāpīḍo
mit goldenem Stirnschmuck (Nom.Sg.)
babhau yūpa ivocchritaḥ
erglänzte wie ein aufgerichteter Opferpfosten (3.Sg.Perf. + Nom.Sg. + Part. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.18 bildet eine Einheit.]

hastāvāpaṃ subāhos tu bhallena yudhi pāṇḍavaḥ / ciccheda taṃ caiva punaḥ śaravarṣair avākirat

Der Pāṇḍava aber zerschnitt Subāhus Handschutz mit einem Breitpfeil im Kampf, und überschüttete ihn wiederum mit Pfeilregen.

Wort für Wort
hastāvāpaṃ subāhos tu
Subāhus Handschutz aber (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Konj.)
bhallena yudhi pāṇḍavaḥ
mit einem Breitpfeil im Kampf, der Pāṇḍava (Instr.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
ciccheda taṃ caiva punaḥ
zerschnitt, und ihn wiederum (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Konj. + Adv.)
śaravarṣair avākirat
überschüttete mit Pfeilregen (Instr.Pl. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.19 bildet eine Einheit.]

tataḥ suśarmā daśabhiḥ surathaś ca kirīṭinam / sudharmā sudhanuś caiva subāhuś ca samarpayan / tāṃs tu sarvān pṛthag bāṇair vānarapravaradhvajaḥ / pratyavidhyad dhvajāṃś caiṣāṃ bhallaiś ciccheda kāñcanān

Dann griffen Suśarman mit zehn [Pfeilen], und Suratha, und Sudharman, und Sudhanus, und Subāhu den Diademträger [mit Pfeilen] an; doch er, dessen Banner den Vorzüglichsten der Affen [trägt] (Arjuna), durchbohrte sie alle einzeln im Gegenzug mit Pfeilen und zerschnitt mit Breitpfeilen ihre goldenen Banner.

Wort für Wort
tataḥ suśarmā daśabhiḥ
dann Suśarman mit zehn [Pfeilen] (Adv. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
surathaś ca kirīṭinam
und Suratha, den Diademträger (Nom.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)
sudharmā sudhanuś caiva
Sudharman und Sudhanus eben (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Part.)
subāhuś ca samarpayan
und Subāhu, angreifend (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Part.)
tāṃs tu sarvān pṛthag bāṇair
doch sie alle einzeln mit Pfeilen (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + Adv. + Instr.Pl.)
vānarapravaradhvajaḥ
er, dessen Banner den Vorzüglichsten der Affen [trägt] (Nom.Sg.)
pratyavidhyad dhvajāṃś ca
durchbohrte im Gegenzug, und die Banner (3.Sg.Impf. + Akk.Pl. + Konj.)
eṣāṃ bhallaiś ciccheda kāñcanān
ihre, mit Breitpfeilen zerschnitt er, die goldenen (Gen.Pl. + Instr.Pl. + 3.Sg.Perf. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.20-21 zu einer Einheit zusammengefasst, da V.20 grammatisch offen bleibt (Partizip 'samarpayan' ohne eigenes finites Verb) und erst mit Arjunas Gegenschlag in V.21 seinen Abschluss findet.]

sudhanvano dhanuś chittvā hayān vai nyavadhīc charaiḥ / athāsya saśirastrāṇaṃ śiraḥ kāyād apāharat

Nachdem er den Bogen des Sudhanus zerschnitten hatte, tötete er dessen Pferde mit Pfeilen; dann nahm er ihm das Haupt, samt Helm, vom Rumpf.

Wort für Wort
sudhanvano dhanuś chittvā
Sudhanus' Bogen zerschnitten habend (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
hayān vai nyavadhīc charaiḥ
tötete wahrlich die Pferde mit Pfeilen (Akk.Pl. + Part. + 3.Sg.Impf. + Instr.Pl.)
athāsya saśirastrāṇaṃ
dann ihm, samt Helm (Adv. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
śiraḥ kāyād apāharat
nahm das Haupt vom Rumpf (Akk.Sg. + Abl.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: Zwischen V.22d und V.23a eine Apparatszeile (*0136_01: 'der Pārtha raffte in den Truppen zweitausend Krieger hinweg'), nicht übersetzt.]

tasmiṃs tu patite vīre trastās tasya padānugāḥ / vyadravanta bhayād bhītā yena dauryodhanaṃ balam

Als aber jener Held gefallen war, flohen seine erschreckten Gefolgsleute, von Angst ergriffen, dorthin, wo Duryodhanas Heer war.

Wort für Wort
tasmiṃs tu patite vīre
als aber jener Held gefallen war (Lok.Sg.Abs. + Konj. + Lok.Sg.Abs. + Lok.Sg.Abs.)
trastās tasya padānugāḥ
erschreckt, seine Gefolgsleute (Nom.Pl.Part. + Gen.Sg. + Nom.Pl.)
vyadravanta bhayād bhītā
flohen aus Angst, geängstigt (3.Pl.Impf. + Abl.Sg. + Nom.Pl.Part.)
yena dauryodhanaṃ balam
dorthin, wo Duryodhanas Heer war (Adv. + Akk.Sg. + N.Nom.Sg.)

[Anm.: Zwischen V.23b und V.23c eine Apparatszeile (*0137_01: 'größtenteils behindert von den eigenen gefallenen ruhmreichen Kriegern'), nicht übersetzt.]

tato jaghāna saṃkruddho vāsavis tāṃ mahācamūm / śarajālair avicchinnais tamaḥ sūrya ivāṃśubhiḥ

Da schlug der erzürnte Sohn des Vāsava (Arjuna) jenes große Heer mit ununterbrochenen Pfeilnetzen, wie die Sonne mit ihren Strahlen die Finsternis.

Wort für Wort
tato jaghāna saṃkruddho
da schlug der erzürnte (Adv. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
vāsavis tāṃ mahācamūm
der Sohn des Vāsava jenes große Heer (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
śarajālair avicchinnais
mit ununterbrochenen Pfeilnetzen (Instr.Pl. + Instr.Pl.)
tamaḥ sūrya ivāṃśubhiḥ
die Finsternis, wie die Sonne mit den Strahlen (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Part. + Instr.Pl.)

[Anm.: V.24 bildet eine Einheit. 'vāsaviḥ' ('Sohn des Vāsava/Indra') ist ein Beiname Arjunas.]

tato bhagne bale tasmin viprayāte samantataḥ / savyasācini saṃkruddhe traigartān bhayam āviśat

Als da jenes Heer gebrochen und allseits in die Flucht geschlagen war, und der Linkshändige (Arjuna) erzürnt war, ergriff Furcht die Traigartas.

Wort für Wort
tato bhagne bale tasmin
als da jenes Heer gebrochen war (Adv. + Lok.Sg.Abs. + Lok.Sg.Abs. + Lok.Sg.Abs.)
viprayāte samantataḥ
in die Flucht geschlagen, allseits (Lok.Sg.Abs. + Adv.)
savyasācini saṃkruddhe
und als der Linkshändige erzürnt war (Lok.Sg.Abs. + Lok.Sg.Abs.)
traigartān bhayam āviśat
ergriff Furcht die Traigartas (Akk.Pl. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: V.25 bildet eine Einheit.]

te vadhyamānāḥ pārthena śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ / amuhyaṃs tatra tatraiva trastā mṛgagaṇā iva

Sie, von dem Pārtha mit Pfeilen mit glatten Gelenken erschlagen werdend, wurden da und dort ohnmächtig, erschreckt wie Rudel von Wildtieren.

Wort für Wort
te vadhyamānāḥ pārthena
sie, erschlagen werdend von dem Pārtha (Nom.Pl. + Nom.Pl.Part. + Instr.Sg.)
śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ
mit Pfeilen mit glatten Gelenken (Instr.Pl. + Instr.Pl.)
amuhyaṃs tatra tatraiva
wurden ohnmächtig, da und dort (3.Pl.Impf. + Adv. + Adv.)
trastā mṛgagaṇā iva
erschreckt, wie Rudel von Wildtieren (Nom.Pl.Part. + Nom.Pl. + Part.)

[Anm.: V.26 bildet eine Einheit.]

tatas trigartarāṭ kruddhas tān uvāca mahārathān / alaṃ drutena vaḥ śūrā na bhayaṃ kartum arhatha

Da sprach der zornige König der Trigartas zu jenen großen Wagenkämpfern: „Genug mit der Flucht! Ihr solltet euch nicht der Furcht hingeben, ihr Helden.

Wort für Wort
tatas trigartarāṭ kruddhas
da der zornige König der Trigartas (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
tān uvāca mahārathān
sprach zu jenen großen Wagenkämpfern (Akk.Pl. + 3.Sg.Perf. + Akk.Pl.)
alaṃ drutena vaḥ śūrā
genug mit der Flucht, ihr Helden (Adv. + Instr.Sg. + Nom.Pl. + Vok.Pl.)
na bhayaṃ kartum arhatha
ihr solltet euch nicht der Furcht hingeben (Neg. + Akk.Sg. + Inf. + 2.Pl.Präs.)

[Anm.: Die Wendung 'alaṃ drutena' wiederholt formelhaft Droṇas Ruf in Kap.15 (dort 'alaṃ drutena vaḥ śūrāḥ'), hier jedoch vom Trigarta-König an seine eigenen fliehenden Krieger gerichtet.]

śaptvā tu śapathān ghorān sarvasainyasya paśyataḥ / gatvā dauryodhanaṃ sainyaṃ kiṃ vai vakṣyatha mukhyagāḥ

Nachdem wir doch furchtbare Eide geschworen haben, vor den Augen des ganzen Heeres, was werdet ihr, wenn ihr zu Duryodhanas Heer gegangen seid, wohl sagen, ihr Anführer?

Wort für Wort
śaptvā tu śapathān ghorān
nachdem wir aber furchtbare Eide geschworen haben (Ger. + Konj. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
sarvasainyasya paśyataḥ
vor den Augen des ganzen Heeres (Gen.Sg. + Gen.Sg.Part.)
gatvā dauryodhanaṃ sainyaṃ
gegangen zu Duryodhanas Heer (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
kiṃ vai vakṣyatha mukhyagāḥ
was werdet ihr wohl sagen, ihr Anführer (Akk.Sg. + Part. + 2.Pl.Fut. + Vok.Pl.)

[Anm.: V.28 bildet eine Einheit (Fortsetzung der Rede des Trigarta-Königs).]

nāvahāsyāḥ kathaṃ loke karmaṇānena saṃyuge / bhavema sahitāḥ sarve nivartadhvaṃ yathābalam

Wie sollten wir durch diese Tat im Kampf nicht zum Gespött der Welt werden? Lasst uns alle vereint sein – kehrt um, nach besten Kräften!

Wort für Wort
nāvahāsyāḥ kathaṃ loke
wie sollten wir nicht zum Gespött in der Welt werden (Neg. + Nom.Pl. + Adv. + Lok.Sg.)
karmaṇānena saṃyuge
durch diese Tat im Kampf (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Lok.Sg.)
bhavema sahitāḥ sarve
wir würden sein, vereint, alle (1.Pl.Opt. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
nivartadhvaṃ yathābalam
kehrt um, nach Kräften (2.Pl.Imp. + Adv.)

[Anm.: V.29 bildet eine Einheit (Fortsetzung der Rede des Trigarta-Königs).]

evam uktās tu te rājann udakrośan muhur muhuḥ / śaṅkhāṃś ca dadhmire vīrā harṣayantaḥ parasparam

So angesprochen, o König, stießen sie immer wieder Rufe aus, und die Helden bliesen ihre Muschelhörner, einander gegenseitig ermutigend.“

Wort für Wort
evam uktās tu te rājann
so angesprochen aber sie, o König (Adv. + Nom.Pl.Part. + Konj. + Nom.Pl. + Vok.Sg.)
udakrośan muhur muhuḥ
stießen Rufe aus, immer wieder (3.Pl.Impf. + Adv. + Adv.)
śaṅkhāṃś ca dadhmire vīrā
und die Helden bliesen die Muschelhörner (Akk.Pl. + Konj. + 3.Pl.Perf.Med. + Nom.Pl.)
harṣayantaḥ parasparam
einander gegenseitig ermutigend (Nom.Pl.Part. + Adv.)

[Anm.: V.30 bildet eine Einheit.]

tatas te saṃnyavartanta saṃśaptakagaṇāḥ punaḥ / nārāyaṇāś ca gopālāḥ kṛtvā mṛtyuṃ nivartanam

Da kehrten jene Scharen der Saṃśaptakas wieder um, und die Nārāyaṇas und Hirten, den Tod zu ihrer [einzigen] Umkehr gemacht habend.

Wort für Wort
tatas te saṃnyavartanta
da kehrten sie um (Adv. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.Med.)
saṃśaptakagaṇāḥ punaḥ
die Scharen der Saṃśaptakas, wieder (Nom.Pl. + Adv.)
nārāyaṇāś ca gopālāḥ
und die Nārāyaṇas und Hirten (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
kṛtvā mṛtyuṃ nivartanam
den Tod zur Umkehr gemacht habend (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.31 bildet eine Einheit, letzte des Kapitels; eingeleitet wird das folgende Kap.18 wieder durch 'saṃjaya uvāca'. 'nārāyaṇāḥ' bezeichnet hier vermutlich die Nārāyaṇa-Krieger, die berühmte Kṛṣṇas Kuhhirten-Truppe, die im Krieg auf Duryodhanas Seite kämpft; 'gopālāḥ' ('Hirten') dürfte dieselbe Gruppe näher bezeichnen. 'kṛtvā mṛtyuṃ nivartanam' ('den Tod zur Umkehr gemacht habend') meint: sie beschlossen, nur im Tod zurückzuweichen, nicht in der Flucht.]

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