Kapitel 127
Duryodhanas Vorwurf gegen Droṇa und Karṇas Gegenrede über Schicksal und menschliche Anstrengung
Saṃjaya berichtet: Vom Zorn erfüllt, wirft Duryodhana Karṇa gegenüber Droṇa vor, den durch die Götter kaum zu durchbrechenden Heeresverband absichtlich für Arjuna geöffnet und damit Jayadrathas Tod verschuldet zu haben. Karṇa weist den Vorwurf zurück: Arjunas Überlegenheit erkläre sich aus dessen eigener Kraft und Ausrüstung sowie aus Droṇas Alter, nicht aus Nachsicht; letztlich sei alles Geschehen dem Schicksal (daiva) unterworfen, das menschliche Anstrengung immer wieder zunichtemache - wie schon bei den früheren Anschlägen auf die Pāṇḍavas (Gift, das brennende Lackhaus, das betrügerische Würfelspiel) geschehen. Die Rede endet mit der Ermahnung, trotzdem unbeirrt weiterzukämpfen; danach entbrennt die Schlacht von neuem.
„Sieh, wie der diademgekrönte Pāṇḍava, mit Kṛṣṇa als Helfer, die vom Lehrer errichtete Schlachtordnung durchbrochen hat, die selbst für die Götter schwer zu durchbrechen war.
Wort für Wort
paśya
sieh (Imp.2.Sg.)
kṛṣṇasahāyena
mit Kṛṣṇa als Helfer (Instr.Sg.Kompos.)
pāṇḍavena kirīṭinā
vom diademgekrönten Pāṇḍava (Instr.Sg. + Instr.Sg.)
ācāryavihitam vyūham
die vom Lehrer errichtete Schlachtordnung (Akk.Sg.Kompos. + Akk.Sg.)
bhinnam
durchbrochen (Akk.Sg.Part.)
devaiḥ sudurbhidam
für die Götter schwer zu durchbrechen (Instr.Pl. + Akk.Sg.)
Wie hätte Phalguna, selbst wenn er sich im Kampf bemühte, die so schwer zu durchbrechende Schlachtordnung durchbrechen können, wenn Droṇa es nicht gewollt hätte?
Wort für Wort
katham hi
wie denn (Adv. + Partikel)
anicchamānasya droṇasya
wenn Droṇa es nicht wollte (Gen.Sg.Präs.Part.Neg. + Gen.Sg.)
yudhi phalgunaḥ
Phalguna im Kampf (Lok.Sg. + Nom.Sg.)
bhindyāt sudurbhidam vyūham
hätte die schwer zu durchbrechende Schlachtordnung durchbrechen können (Opt.3.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
yatamānaḥ api saṃyuge
selbst wenn er sich im Kampf bemühte (Nom.Sg.Präs.Part. + Partikel + Lok.Sg.)
Arjuna hat, nachdem er den König von Sindhu getötet hat, das Ziel seines Gelübdes erreicht. Sieh, Sohn der Rādhā, viele Herren der Erde, zu Boden geworfen, im Kampf erschlagen vom Sohn der Pṛthā, an Kraft dem großen Indra gleich - wie hätte, oh Held, der Pāṇḍava dies gegen den Willen Droṇas im Kampf vollbringen können?
Wort für Wort
pratijñāyāḥ gataḥ pāram
hat das Ziel seines Gelübdes erreicht (Gen.Sg. + Nom.Sg.Part. + Akk.Sg.)
hṛtvā saindhavam
nachdem er den König von Sindhu getötet hat (Ger. + Akk.Sg.)
arjunaḥ
Arjuna (Nom.Sg.)
paśya rādheya
sieh, Sohn der Rādhā (Imp.2.Sg. + Vok.Sg.)
pṛthvīśān pṛthivyām pātitān bahūn
viele Herren der Erde, zu Boden geworfen (Akk.Pl. + Lok.Sg. + Akk.Pl.Part. + Akk.Pl.)
pārthena nihatān saṃkhye
im Kampf erschlagen vom Sohn der Pṛthā (Instr.Sg. + Akk.Pl.Part. + Lok.Sg.)
mahendropamavikramān
an Kraft dem großen Indra gleich (Akk.Pl.Kompos.)
anicchataḥ droṇasya
gegen den Willen Droṇas (Gen.Sg.Präs.Part.Neg. + Gen.Sg.)
katham vīra yudhi pāṇḍavaḥ
wie, oh Held, der Pāṇḍava im Kampf (Adv. + Vok.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: Diese Apparat-Einfügung (*1096) wiederholt und erweitert den Gedanken der vorangehenden Verse.]
Nachdem Droṇa, der Feindeversenger, dem König von Sindhu im Kampf Sicherheit zugesichert hatte, gab er dem Diademgekrönten die Bresche frei - sieh meine eigene Nutzlosigkeit.
Wort für Wort
abhayam saindhavasya ājau dattvā
nachdem er dem König von Sindhu im Kampf Sicherheit zugesichert hatte (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Lok.Sg. + Ger.)
droṇaḥ paraṃtapaḥ
Droṇa, der Feindeversenger (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
prādāt kirīṭine dvāram
gab dem Diademgekrönten die Bresche frei (Impf.3.Sg. + Dat.Sg. + Akk.Sg.)
paśya nirguṇatām mama
sieh meine eigene Nutzlosigkeit (Imp.2.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
yady adāsyam anujñāṃ vai pūrvam eva gṛhān prati | sindhurājasya samare nābhaviṣyaj janakṣayaḥ ||
Hätte ich ihm schon zuvor die Erlaubnis gegeben, nach Hause zu gehen, so wäre es beim Kampf um den König von Sindhu nicht zu diesem Verlust an Menschenleben gekommen.
Wort für Wort
yadi adāsyam anujñām vai
hätte ich [ihm] wirklich die Erlaubnis gegeben (Partikel + Kond.1.Sg. + Akk.Sg. + Partikel)
pūrvam eva gṛhān prati
schon zuvor, nach Hause (Adv. + Partikel + Akk.Pl. + Postp.)
sindhurājasya samare
beim Kampf um den König von Sindhu (Gen.Sg.Kompos. + Lok.Sg.)
na abhaviṣyat janakṣayaḥ
wäre es nicht zu diesem Verlust an Menschenleben gekommen (Neg. + Kond.3.Sg. + Nom.Sg.Kompos.)
‚Ich werde den König von Sindhu im Kampf schützen, Phalguna soll ihn nicht bekommen‘ - so dachte ich; der König von Sindhu wurde vom Brahmanen [Droṇa] nur zum Verderben meines Heeres aufgehalten. Während ich Unglücklicher mich im Kampf abmühte, wurden alle meine Heere vernichtet, König Jayadratha wurde erschlagen.
Wort für Wort
trāsyāmi saindhavam yuddhe
ich werde den König von Sindhu im Kampf schützen (Fut.1.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
na enam prāpsyati phalgunaḥ
Phalguna soll ihn nicht bekommen (Neg. + Fut.3.Sg. + Nom.Sg.)
mama sainyavināśāya
zum Verderben meines Heeres (Gen.Sg. + Dat.Sg.Kompos.)
ruddhaḥ vipreṇa saindhavaḥ
wurde der König von Sindhu vom Brahmanen aufgehalten (Nom.Sg.Part. + Instr.Sg. + Nom.Sg.)
tasya me mandabhāgasya
von mir Unglücklichem (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Gen.Sg.Kompos.)
yatamānasya saṃyuge
der sich im Kampf abmühte (Gen.Sg.Präs.Part. + Lok.Sg.)
hatāni sarvasainyāni
alle meine Heere wurden vernichtet (Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.Kompos.)
hataḥ rājā jayadrathaḥ
König Jayadratha wurde erschlagen (Nom.Sg.Part. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: Der Apparatus (*1097) legt Duryodhana hier eine Erinnerung an sein eigenes früheres Vorhaben in den Mund, die als knapper innerer Gedanke mit SQ markiert wird, obgleich der Ausgangstext keine iti-Partikel setzt.]
Sieh, Karṇa, vortreffliche Krieger zu Hunderten und Tausenden, alle von Pfeilen mit dem Namen des Pārtha in das Reich Yamas gesandt. Wie konnte, während wir viele zusahen, der König von Sindhu samt Tausenden von Kriegern durch einen einzigen Wagenkämpfer im Kampf zugrunde gehen?
Nach seiner Kraft, nach seinem Eifer, unter Einsatz des eigenen Lebens - wenn der Weißpferdige an ihm vorbeidrang und eindrang, so liegt darin keinerlei, auch nicht der geringste Fehler des Lehrers. Er ist vollendet, geschickt, jung, heldenhaft, waffenkundig, von müheloser Kraft,
Wort für Wort
yathābalam yathotsāham
nach seiner Kraft, nach seinem Eifer (Adv.Kompos. + Adv.Kompos.)
tyaktvā jīvitam ātmanaḥ
unter Einsatz des eigenen Lebens (Ger. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
yadi enam samatikramya praviṣṭaḥ
wenn er an ihm vorbeidrang und eindrang (Partikel + Akk.Sg. + Ger. + Nom.Sg.Part.)
śvetavāhanaḥ
der Weißpferdige (Nom.Sg.Kompos.)
na atra sūkṣmaḥ api doṣaḥ syāt
so liegt darin nicht der geringste Fehler (Neg. + Adv. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Opt.3.Sg.)
ācāryasya kathaṃ cana
des Lehrers, in irgendeiner Weise (Gen.Sg. + Adv. + Partikel)
divyāstrayuktam āsthāya rathaṃ vānaralakṣaṇam | kṛṣṇena ca gṛhītāśvam abhedyakavacāvṛtaḥ | gāṇḍīvam ajaraṃ divyaṃ dhanur ādāya vīryavān | pravarṣan niśitān bāṇān bāhudraviṇadarpitaḥ | yad arjuno 'bhyayād droṇam upapannaṃ hi tasya tat |
auf einem mit himmlischen Waffen ausgestatteten Wagen mit dem Zeichen des Affen stehend, dessen Pferde von Kṛṣṇa gelenkt werden, umhüllt von unzerstörbarer Rüstung, den alterslosen, göttlichen Bogen Gāṇḍīva führend, kraftvoll, scharfe Pfeile herabregnend, stolz auf die Kraft seiner Arme - dass Arjuna so gegen Droṇa vorging, das ziemt sich für ihn.
Wort für Wort
divyāstrayuktam ratham āsthāya
auf einem mit himmlischen Waffen ausgestatteten Wagen stehend (Akk.Sg.Kompos. + Akk.Sg. + Ger.)
vānaralakṣaṇam
mit dem Zeichen des Affen (Akk.Sg.Kompos.)
kṛṣṇena ca gṛhītāśvam
dessen Pferde von Kṛṣṇa gelenkt werden (Instr.Sg. + Partikel + Akk.Sg.Kompos.)
abhedyakavacāvṛtaḥ
umhüllt von unzerstörbarer Rüstung (Nom.Sg.Kompos.)
Der Lehrer ist alt, oh König, und daher nicht fähig zu raschen Bewegungen; unfähig zur Anstrengung der Arme, oh Herrscher der Menschen. Dadurch überholte ihn der Weißpferdige mit Kṛṣṇa als Wagenlenker. Deshalb sehe ich aus diesem Grund keine Schuld bei Droṇa.
Wort für Wort
ācāryaḥ sthaviraḥ rājan
der Lehrer ist alt, oh König (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
śīghrayāne tathā akṣamaḥ
und daher nicht fähig zu raschen Bewegungen (Lok.Sg.Kompos. + Adv. + Nom.Sg.Neg.)
bāhuvyāyāmaceṣṭāyām aśaktaḥ tu narādhipa
unfähig zur Anstrengung der Arme, oh Herrscher der Menschen (Lok.Sg.Kompos. + Nom.Sg.Neg. + Partikel + Vok.Sg.Kompos.)
tena enam abhyatikrāntaḥ
dadurch überholte ihn (Instr.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
śvetāśvaḥ kṛṣṇasārathiḥ
der Weißpferdige mit Kṛṣṇa als Wagenlenker (Nom.Sg.Kompos. + Nom.Sg.Kompos.)
tasmāt doṣam na paśyāmi
deshalb sehe ich keine Schuld (Abl.Sg. + Akk.Sg. + Neg. + Präs.1.Sg.)
droṇasya anena hetunā
bei Droṇa aus diesem Grund (Gen.Sg. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
ajayyān pāṇḍavān manye droṇenāstravidā mṛdhe | tathā hy enam atikramya praviṣṭaḥ śvetavāhanaḥ | daivadṛṣṭo 'nyathābhāvo na manye vidyate kva cit ||
Ich halte die Pāṇḍavas für unbesiegbar im Kampf, selbst durch Droṇa, den Waffenkundigen. Denn dass er an ihm vorbeidrang und eindrang, der Weißpferdige - das ist, wie ich meine, von Schicksal bestimmt; ich glaube nicht, dass es irgendwo einen Weg gibt, es anders zu wenden.
Wort für Wort
ajayyān pāṇḍavān manye
ich halte die Pāṇḍavas für unbesiegbar (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Präs.1.Sg.)
droṇena astravidā mṛdhe
selbst durch Droṇa, den Waffenkundigen, im Kampf (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Lok.Sg.)
tathā hi enam atikramya praviṣṭaḥ
denn dass er an ihm vorbeidrang und eindrang (Adv. + Partikel + Akk.Sg. + Ger. + Nom.Sg.Part.)
śvetavāhanaḥ
der Weißpferdige (Nom.Sg.Kompos.)
daivadṛṣṭaḥ anyathābhāvaḥ
das ist vom Schicksal bestimmt, eine Wendung ins Andere (Nom.Sg.Kompos. + Nom.Sg.Kompos.)
na manye vidyate kva cit
ich glaube nicht, dass es irgendwo einen Weg gibt (Neg. + Präs.1.Sg. + Präs.3.Sg.Pass. + Adv.)
tato no yudhyamānānāṃ paraṃ śaktyā suyodhana | saindhavo nihato rājan daivam atra paraṃ smṛtam ||
Da wurde, obwohl wir mit äußerster Kraft kämpften, oh Suyodhana, der König von Sindhu erschlagen, oh König - darin wird das Schicksal als das Höchste erkannt.
Wort für Wort
tataḥ naḥ yudhyamānānām
da wir kämpften (Adv. + Gen.Pl. + Gen.Pl.Präs.Part.)
param śaktyā suyodhana
mit äußerster Kraft, oh Suyodhana (Akk.Sg. + Instr.Sg. + Vok.Sg.)
saindhavaḥ nihataḥ rājan
wurde der König von Sindhu erschlagen, oh König (Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Vok.Sg.)
daivam atra param smṛtam
darin wird das Schicksal als das Höchste erkannt (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Part.)
paraṃ yatnaṃ kurvatāṃ ca tvayā sārdhaṃ raṇājire | hatvāsmākaṃ pauruṣaṃ hi daivaṃ paścāt karoti naḥ | satataṃ ceṣṭamānānāṃ nikṛtyā vikrameṇa ca |
Selbst wenn man mit dir zusammen im Schlachtfeld äußerste Mühe aufwendet - denn nachdem es unsere Manneskraft niedergeschlagen hat, wirkt das Schicksal danach an uns weiter -, mag man auch stets mit List und mit Tapferkeit ringen,
Wort für Wort
param yatnam kurvatām ca
selbst wenn man äußerste Mühe aufwendet (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Pl.Präs.Part. + Partikel)
tvayā sārdham raṇājire
zusammen mit dir im Schlachtfeld (Instr.Sg. + Postp. + Lok.Sg.Kompos.)
hatvā asmākam pauruṣam
nachdem es unsere Manneskraft niedergeschlagen hat (Ger. + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
hi daivam paścāt karoti naḥ
wirkt das Schicksal danach an uns (Partikel + Nom.Sg. + Adv. + Präs.3.Sg. + Akk.Pl.)
satatam ceṣṭamānānām
während man stets ringt (Adv. + Gen.Pl.Präs.Part.)
nikṛtyā vikrameṇa ca
mit List und mit Tapferkeit (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Partikel)
so gelingt es doch nicht, großer König; darin wird das Schicksal als das Höchste erkannt. Nachdem es unsere Mühe niedergeschlagen hat, geht das Schicksal seinem eigenen Werk nach. Gewiss muss auf diesem Weg der Untergang der Menschen kommen. So wirkt, während wir uns abmühen, das Schicksal danach an uns.
Wort für Wort
na sidhyati mahārāja
gelingt es doch nicht, großer König (Neg. + Präs.3.Sg. + Vok.Sg.)
daivam atra param smṛtam
darin wird das Schicksal als das Höchste erkannt (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Part.)
nihatya yatnam ca asmākam
nachdem es unsere Mühe niedergeschlagen hat (Ger. + Akk.Sg. + Partikel + Gen.Pl.)
daivam yāti svakāryatām
geht das Schicksal seinem eigenen Werk nach (Nom.Sg. + Präs.3.Sg. + Akk.Sg.Kompos.)
nūnam etena mārgeṇa
gewiss auf diesem Weg (Adv. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
gantavyaḥ janasaṃkṣayaḥ
muss der Untergang der Menschen kommen (Nom.Sg.Ger.Verbaladj. + Nom.Sg.Kompos.)
tataḥ vyāyacchamānānām
während wir uns abmühen (Adv. + Gen.Pl.Präs.Part.)
daivam paścāt karoti naḥ
wirkt das Schicksal danach an uns (Nom.Sg. + Adv. + Präs.3.Sg. + Akk.Pl.)
[Anm.: Der Apparatus (*1099/*1100) wiederholt und vertieft den unmittelbar vorangehenden Gedanken über das Verhältnis von Anstrengung und Schicksal.]
daivopasṛṣṭaḥ puruṣo yat karma kurute kva cit | kṛtaṃ kṛtaṃ sma tat tasya daivena vinihanyate ||
Was auch immer ein vom Schicksal getriebener Mensch an Werk zu irgendeiner Zeit vollbringt - jenes Werk wird, einmal getan, vom Schicksal wieder zunichte gemacht.
Wort für Wort
daivopasṛṣṭaḥ puruṣaḥ
ein vom Schicksal getriebener Mensch (Nom.Sg.Kompos. + Nom.Sg.)
yat karma kurute kva cit
was auch immer er an Werk zu irgendeiner Zeit vollbringt (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Präs.3.Sg. + Adv.)
kṛtam kṛtam sma tat tasya
jenes von ihm getane Werk (Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.Part. + Partikel + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
daivena vinihanyate
wird vom Schicksal wieder zunichte gemacht (Instr.Sg. + Präs.3.Sg.Pass.)
rājanītiṃ vyapāśritya prahitāś caiva kānanam | yatnena ca kṛtaṃ yat te daivena vinipātitam ||
Auf die Staatskunst gestützt, wurden sie in den Wald geschickt - und was durch deine Mühe [gegen sie] erreicht wurde, hat das Schicksal doch wieder zunichtegemacht.
Wort für Wort
rājanītim vyapāśritya
auf die Staatskunst gestützt (Akk.Sg. + Ger.)
prahitāḥ ca eva kānanam
wurden sie in den Wald geschickt (Nom.Pl.Part. + Partikel + Partikel + Akk.Sg.)
yatnena ca kṛtam yat te
und was durch deine Mühe erreicht wurde (Instr.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
daivena vinipātitam
wurde vom Schicksal wieder zunichte gemacht (Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)
Kämpfe, halte an der Anstrengung fest, mache den Tod zu deiner einzigen Umkehr; während du und sie sich mühen, wird das Schicksal seinen [eigenen] Weg nehmen.
Wort für Wort
yudhyasva yatnam āsthāya
kämpfe, halte an der Anstrengung fest (Imp.2.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
mṛtyum kṛtvā nivartanam
mache den Tod zu deiner Umkehr (Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg.)
yatataḥ tava teṣām ca
während du und sie sich mühen (Gen.Sg.Präs.Part. + Gen.Sg. + Gen.Pl. + Partikel)
daivam mārgeṇa yāsyati
wird das Schicksal seinen Weg nehmen (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Fut.3.Sg.)
na teṣāṃ matipūrvaṃ hi sukṛtaṃ dṛśyate kva cit | duṣkṛtaṃ tava vā vīra buddhyā hīnaṃ kurūdvaha ||
Denn weder ist bei ihnen irgendwo eine vorbedachte gute Tat zu erkennen, noch, oh Held, du Bester der Kurus, [war] deine Missetat aus Mangel an Einsicht [begangen].
Wort für Wort
na teṣām matipūrvam hi
denn bei ihnen ist weder vorbedacht (Neg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompos. + Partikel)
sukṛtam dṛśyate kva cit
eine gute Tat irgendwo zu erkennen (Nom.Sg. + Präs.3.Sg.Pass. + Adv.)
duṣkṛtam tava vā vīra
noch deine Missetat, oh Held (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Partikel + Vok.Sg.)
buddhyā hīnam kurūdvaha
aus Mangel an Einsicht, oh Bester der Kurus (Instr.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.Kompos.)
daivaṃ pramāṇaṃ sarvasya sukṛtasyetarasya vā | ananyakarma daivaṃ hi jāgarti svapatām api | tena yukto hi puruṣaḥ kāryākāryaṃ niyujyate ||
Das Schicksal ist der maßgebliche Grund für jede gute oder andere Tat; denn das Schicksal, dessen Wirken keine andere Ursache duldet, wacht selbst über die Schlafenden. Von ihm ergriffen, wird der Mensch zu Tat und Untat angetrieben.
Wort für Wort
daivam pramāṇam sarvasya
das Schicksal ist der maßgebliche Grund für jede (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
sukṛtasya itarasya vā
gute oder andere Tat (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Partikel)
ananyakarma daivam hi
denn das Schicksal, dessen Wirken keine andere Ursache duldet (Nom.Sg.Kompos. + Nom.Sg. + Partikel)
jāgarti svapatām api
wacht selbst über die Schlafenden (Präs.3.Sg. + Gen.Pl.Präs.Part. + Partikel)
tena yuktaḥ hi puruṣaḥ
von ihm ergriffen wird der Mensch (Instr.Sg. + Nom.Sg.Part. + Partikel + Nom.Sg.)
kāryākāryam niyujyate
zu Tat und Untat angetrieben (Akk.Sg.Kompos. + Präs.3.Sg.Pass.)
bahūni tava sainyāni yodhāś ca bahavas tathā | na tathā pāṇḍuputrāṇām evaṃ yuddham avartata ||
Zahlreich sind deine Heere, und zahlreich ebenso die Krieger; nicht ebenso [zahlreich waren die] der Söhne des Pāṇḍu - dennoch verlief der Kampf nicht dementsprechend.
Wort für Wort
bahūni tava sainyāni
zahlreich sind deine Heere (Nom.Pl. + Gen.Sg. + Nom.Pl.)
yodhāḥ ca bahavaḥ tathā
und ebenso zahlreich die Krieger (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl. + Adv.)
na tathā pāṇḍuputrāṇām
nicht ebenso [zahlreich] die der Söhne des Pāṇḍu (Neg. + Adv. + Gen.Pl.Kompos.)
evam yuddham avartata
dennoch verlief der Kampf so (Adv. + Nom.Sg. + Impf.3.Sg.)
tair alpair bahavo yūyaṃ kṣayaṃ nītāḥ prahāriṇaḥ | śaṅke daivasya tat karma pauruṣaṃ yena nāśitam ||
Durch jene Wenigen wurdet ihr Vielen, ihr Kampfgewohnten, dem Untergang zugeführt; ich vermute, das ist das Werk des Schicksals, durch das die Manneskraft zunichte wurde.“
Wort für Wort
taiḥ alpaiḥ bahavaḥ yūyam
durch jene Wenigen ihr Vielen (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
kṣayam nītāḥ prahāriṇaḥ
dem Untergang zugeführt, ihr Kampfgewohnten (Akk.Sg. + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.)
śaṅke daivasya tat karma
ich vermute, das ist das Werk des Schicksals (Präs.1.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
pauruṣam yena nāśitam
durch das die Manneskraft zunichte wurde (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)
Da begann die Schlacht, mit ineinander verkeilten Wagen und Elefanten, zwischen den Deinen und den Feinden, oh König, [als Folge] deines schlechten Rates.
Wort für Wort
tataḥ pravavṛte yuddham
da begann die Schlacht (Adv. + Perf.3.Sg.Med. + Nom.Sg.)
vyatiṣaktarathadvipam
mit ineinander verkeilten Wagen und Elefanten (Nom.Sg.Kompos.)
tāvakānām paraiḥ sārdham
zwischen den Deinen und den Feinden (Gen.Pl. + Instr.Pl. + Postp.)