Kapitel 83
Der Tod des Sohnes Somadattas und Bhīmas Kampf gegen Alambusa
Reines Erzählkapitel bis auf eine kurze CQ-Region (Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca' zu Beginn entfällt gemäß Konvention). Die fünf Draupadeyas bedrängen gemeinsam den Sohn Somadattas (Bhūriśravas), bis der Sohn Sahadevas ihm mit einem Rasiermesserpfeil das Haupt abschlägt (Einheiten 1-12). Es folgt das ausgedehnte Duell zwischen Bhīmasena und dem Rākṣasa Alambusa - identifiziert als derselbe 'Sohn des Ṛṣyaśṛṅga', der in Kap.81 Bhīma aufgehalten hatte -, verglichen mit dem Kampf zwischen Lakṣmaṇa und Rāvaṇas Sohn (Einheiten 13-21). Als Bhīma ihn in Bedrängnis bringt, nimmt Alambusa eine furchtbare Gestalt an und hält Bhīma in direkter Rede vor, der Bruder des von Bhīma einst getöteten Rākṣasa Baka zu sein (einzige CQ-Region, Einheiten 22-23), bevor er unsichtbar wird und Bhīma mit einem Pfeilregen überschüttet. Es folgt eine Schilderung von Alambusas illusionärer Vielgestaltigkeit und eines von ihm entfesselten, verheerenden Waffenregens, der einen blutigen 'Fluss' aus toten Kriegern entstehen lässt (Einheiten 24-33). Schließlich setzt Bhīma die Tvāṣṭra-Waffe ein, die Alambusas Illusionsmacht zunichtemacht; der geschlagene Rākṣasa flieht zu Droṇas Heeresabteilung, und die Pāṇḍavas feiern Bhīma mit Löwengebrüll, verglichen mit den Maruts, die Indra nach dessen Sieg über Prahrāda feierten (Einheiten 34-39). Das Kapitel endet mit der Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca' zu Beginn von Kap.84.
Die Draupadī-Söhne, die großen Bogenschützen, durchbohrte der hochberühmte Sohn Somadattas, jeden einzelnen mit fünf, und durchbohrte sie erneut mit sieben.
Wort für Wort
draupadeyān maheṣvāsān
die Draupadī-Söhne, die großen Bogenschützen (Akk.Pl. + Akk.Pl.)
saumadattir mahāyaśāḥ
der hochberühmte Sohn Somadattas (Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
ekaikaṃ pañcabhir viddhvā
jeden einzelnen mit fünf durchbohrend (Akk.Sg. + Instr.Pl.Num. + Ger.)
punar vivyādha saptabhiḥ
durchbohrte erneut mit sieben (Adv. + 3.Sg.Perf. + Instr.Pl.Num.)
[Anm.: Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca' zu Beginn des Kapitels entfällt gemäß Konvention.]
Der Sohn Bhīmasenas zerschnitt den Bogen des hochgesinnten Sohnes Somadattas, stieß ein gewaltiges Kampfgeschrei aus und durchbohrte ihn mit scharfen Pfeilen.
Wort für Wort
bhaimasenir dhanuś chittvā
der Sohn Bhīmasenas den Bogen zerschneidend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
saumadatter mahātmanaḥ
des hochgesinnten Sohnes Somadattas (Gen.Sg. + Gen.Sg.Adj.)
nanāda balavan nādaṃ
stieß ein gewaltiges Kampfgeschrei aus (3.Sg.Perf. + Adv. + Akk.Sg.)
vivyādha ca śitaiḥ śaraiḥ
und durchbohrte mit scharfen Pfeilen (3.Sg.Perf. + Partikel + Instr.Pl.Adj. + Instr.Pl.)
Der Sohn Sahadevas aber, als er ihn, von seinen Brüdern kampfunfähig gemacht, erkannte, schlug ihm, der Hochgesinnte, mit einem Rasiermesserpfeil den Kopf ab, König.
Wort für Wort
sāhadevis tu taṃ jñātvā
der Sohn Sahadevas aber, ihn erkennend (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Ger.)
bhrātṛbhir vimukhīkṛtam
von seinen Brüdern kampfunfähig gemacht (Instr.Pl. + Akk.Sg.Part.)
kṣurapreṇa śiro rājan
mit einem Rasiermesserpfeil das Haupt, König (Instr.Sg. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
nicakarta mahāmanāḥ
schlug ab, der Hochgesinnte (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.Adj.)
Er durchbohrte Bhīma mit fünf geraden Pfeilen, tötete rasch, der Feindebezwinger, dreißig Wagen von Bhīmas Gefolgsleuten, und nachdem er erneut vierhundert getötet hatte, durchbohrte er Bhīma mit einem gefiederten Pfeil.
Wort für Wort
sa bhīmaṃ pañcabhir viddhvā
er Bhīma mit fünf durchbohrend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Instr.Pl.Num. + Ger.)
Nachdem er sein Bewusstsein wiedererlangt hatte, der Sohn des Windgottes, vor Zorn wie betäubt, spannte er den furchtbaren, lastentragenden, vortrefflichen Bogen und quälte Alambusa von allen Seiten mit scharfen Pfeilen.
Wort für Wort
pratilabhya tataḥ saṃjñāṃ
nachdem er da sein Bewusstsein wiedererlangt hatte (Ger. + Adv. + Akk.Sg.)
mārutiḥ krodhamūrchitaḥ
der Sohn des Windgottes, vor Zorn wie betäubt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
vikṛṣya kārmukaṃ ghoraṃ
den furchtbaren Bogen spannend (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Adj.)
sa vadhyamānaḥ samare bhīmacāpacyutaiḥ śaraiḥ smaran bhrātṛvadhaṃ caiva pāṇḍavena mahātmanā
Er, im Kampf getötet werdend von den aus Bhīmas Bogen entlassenen Pfeilen, sich zugleich an die Tötung seines Bruders durch den hochgesinnten Pāṇḍava erinnernd,
Wort für Wort
sa vadhyamānaḥ samare
er, im Kampf getötet werdend (Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Lok.Sg.)
bhīmacāpacyutaiḥ śaraiḥ
von den aus Bhīmas Bogen entlassenen Pfeilen (Instr.Pl.Adj. + Instr.Pl.)
smaran bhrātṛvadhaṃ caiva
sich an die Tötung des Bruders erinnernd (Präs.Part. + Akk.Sg. + Partikel)
pāṇḍavena mahātmanā
durch den hochgesinnten Pāṇḍava (Instr.Sg. + Instr.Sg.Adj.)
Er, von Bhīma getötet werdend, sprang binnen eines Augenblicks vom Wagen, gelangte zur Erde, der Niederträchtige, und stieg plötzlich in den Himmelsraum auf.
Wort für Wort
sa vadhyamāno bhīmena
er, von Bhīma getötet werdend (Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Instr.Sg.)
nimeṣād ratham āsthitaḥ
binnen eines Augenblicks, auf dem Wagen stehend (Abl.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
jagāma dharaṇīṃ kṣudraḥ
gelangte zur Erde, der Niederträchtige (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
khaṃ caiva sahasāgamat
und stieg plötzlich in den Himmelsraum auf (Akk.Sg. + Partikel + Adv. + 3.Sg.Impf.)
Er nahm viele, unterschiedliche Gestalten an, winzig, dann groß, dann dick, Laute von sich gebend wie eine Wolke, und stieß ebenso unterschiedliche Stimmen ringsum aus. Vom Himmel fielen zu Tausenden Pfeilströme herab, Speere, Kaṇapa-Wurfgeschosse, Lanzen, Dreizacke, Paṭṭiśas und Lanzenspieße, Śataghnīs, eiserne Stäbe, Bhiṇḍipāla-Wurfspieße und Streitäxte, Felsblöcke, Schwerter, Kugeln, Speere und sogar Donnerkeile - jener vom Rākṣasa entsandte, überaus furchtbare Waffenregen tötete die Soldaten des Sohnes des Pāṇḍu an der Kampffront.
tötete des Sohnes des Pāṇḍu (3.Sg.Perf. + Gen.Sg.)
sainikān raṇamūrdhani
die Soldaten an der Kampffront (Akk.Pl. + Lok.Sg.)
[Anm.: V.27 ist im Originalapparat stark erweitert (mehrere Zusatzverse *0561-0563), die hier als geschlossene Beschreibung von Alambusas illusionärer Vielgestaltigkeit und seines Waffenregens wiedergegeben sind.]
tena pāṇḍavasainyānāṃ mṛditā yudhi vāraṇāḥ hayāś ca bahavo rājan pattayaś ca tathā punaḥ rathebhyo rathinaḥ petus tasya nunnāḥ sma sāyakaiḥ
Durch diesen wurden die Elefanten der Pāṇḍava-Heere im Kampf zermalmt, und viele Pferde, König, und ebenso Fußsoldaten; von seinen Pfeilen getroffen, fielen die Wagenkämpfer von ihren Wagen.
Wort für Wort
tena pāṇḍavasainyānāṃ
durch diesen der Pāṇḍava-Heere (Instr.Sg. + Gen.Pl.)
mṛditā yudhi vāraṇāḥ
zermalmt im Kampf, die Elefanten (Nom.Pl.Part. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)
hayāś ca bahavo rājan
und viele Pferde, König (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl.Adj. + Vok.Sg.)
pattayaś ca tathā punaḥ
und ebenso wiederum Fußsoldaten (Nom.Pl. + Partikel + Adv. + Adv.)
rathebhyo rathinaḥ petus
von ihren Wagen fielen die Wagenkämpfer (Abl.Pl. + Nom.Pl. + 3.Pl.Perf.)
tasya nunnāḥ sma sāyakaiḥ
von seinen Pfeilen getroffen (Gen.Sg. + Nom.Pl.Part. + Partikel + Instr.Pl.)
Er ließ da, nachdem er getötet hatte, einen Fluss entstehen, dessen Wasser Blut war, dessen Strudel Wagen waren, voll von Elefanten als Krokodilen, überwiegend aus Wagen bestehend, mit Schirmen als Schwänen, schlammig, voller Arme als Schlangen.
Wort für Wort
śoṇitodāṃ rathāvartāṃ
deren Wasser Blut, deren Strudel Wagen (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj.)
hastigrāhasamākulām
voll von Elefanten als Krokodilen (Akk.Sg.Adj.)
sa hatvā rathabhūyiṣṭhāṃ
er, nachdem er getötet hatte, überwiegend aus Wagen bestehend (Nom.Sg. + Ger. + Akk.Sg.Adj.)
nadīṃ prāvartayat tadā
ließ da einen Fluss entstehen (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Adv.)
chatrahaṃsāṃ kardaminīṃ
mit Schirmen als Schwänen, schlammig (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj.)
bāhupannagasaṃkulām
voller Arme als Schlangen (Akk.Sg.Adj.)
[Anm.: Das Bild vom 'Fluss aus Blut' mit Kriegsgerät als Flusselementen ist ein wiederkehrendes Motiv der Kampfschilderungen im Epos.]
Er ließ einen Fluss entstehen, voller Rākṣasa-Scharen, der vielfach, König, die Cedis, Pāñcālas und Sṛñjayas mit sich trug - der die Sṛñjayas, die Pāñcālas und auch die Bāhlikas mit sich trug.
Wort für Wort
nadīṃ pravartayām āsa
ließ einen Fluss entstehen (Akk.Sg. + Periphr.Perf.3.Sg.)
rakṣogaṇasamākulām
voller Rākṣasa-Scharen (Akk.Sg.Adj.)
vahantīṃ bahudhā rājaṃś
der vielfach mit sich trug, König (Akk.Sg.Part. + Adv. + Vok.Sg.)
cedipāñcālasṛñjayān
die Cedis, Pāñcālas und Sṛñjayas (Akk.Pl.)
vahantīṃ sṛñjayāṃś caiva
der die Sṛñjayas mit sich trug (Akk.Sg.Part. + Akk.Pl. + Partikel)
pāñcālān atha bāhlikān
die Pāñcālas und auch die Bāhlikas (Akk.Pl. + Adv. + Akk.Pl.)
tāvakānāṃ tu sainyānāṃ praharṣaḥ samajāyata vāditraninadaś cograḥ sumahāṃl lomaharṣaṇaḥ praharṣayad raṇe rakṣaḥ pāṇḍavāṃś ca vyamohayat
Bei den Deinen aber entstand große Freude, und ein furchtbares, überaus gewaltiges, haarsträubendes Getöse von Musikinstrumenten erfreute den Rākṣasa im Kampf und verwirrte die Pāṇḍavas.
Wort für Wort
tāvakānāṃ tu sainyānāṃ
bei den Deinen aber, der Heere (Gen.Pl. + Partikel + Gen.Pl.)
praharṣaḥ samajāyata
entstand Freude (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.Med.)
vāditraninadaś cograḥ
und ein furchtbares Getöse von Musikinstrumenten (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Adj.)
apūjayan mārutiṃ ca saṃhṛṣṭās te mahābalam prahrādaṃ samare jitvā yathā śakraṃ marudgaṇāḥ
Sie ehrten, hocherfreut, den überaus kraftvollen Sohn des Windgottes, so wie die Marut-Scharen Śakra ehrten, nachdem er Prahrāda im Kampf besiegt hatte.
Wort für Wort
apūjayan mārutiṃ ca
sie ehrten den Sohn des Windgottes (3.Pl.Impf. + Akk.Sg. + Partikel)
saṃhṛṣṭās te mahābalam
hocherfreut, sie, den überaus kraftvollen (Nom.Pl.Part. + Nom.Pl. + Akk.Sg.Adj.)
prahrādaṃ samare jitvā
nachdem er Prahrāda im Kampf besiegt hatte (Akk.Sg. + Lok.Sg. + Ger.)
yathā śakraṃ marudgaṇāḥ
so wie die Marut-Scharen Śakra [ehrten] (Konj.Partikel + Akk.Sg. + Nom.Pl.)
[Anm.: Ende des Kapitels; Fortsetzung in Kap.84 mit der Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca'.]