Kapitel 23: Dhṛtarāṣṭravilāpa
Der zehnte Tag: Dhṛtarāṣṭras Klage und Furcht um Droṇa
Dhṛtarāṣṭra, ganz seiner eigenen Gedankenkette folgend, sinniert in einem langen, an Saṃjaya gerichteten Monolog über die Macht des Schicksals: Wie schon Yudhiṣṭhira, der einst mittellos im Wald umherirrte, ein gewaltiges Heer zurückgewann, so scheint nun das Schicksal auch Droṇa einzuholen — Dhṛtarāṣṭra spricht in vorwegnehmender, von Angst getriebener Rhetorik bereits vom 'Tod' Droṇas und Bhīṣmas, obwohl beide zu diesem Zeitpunkt der Erzählung noch leben bzw. noch kämpfen. Er erinnert sich an Viduras warnende Worte über seine Verblendung durch die Liebe zu Duryodhana und an dessen prahlerische Rede über die Aufteilung der Erde. Das Kapitel schließt mit Dhṛtarāṣṭras dringlicher Bitte an Saṃjaya, ihm genau zu berichten, wie die Schlacht verlaufen ist — wer kämpfte, wer floh, was Arjuna tat, und wie es bei der Rückkehr der Pāṇḍavas zuging.
dhṛtarāṣṭra uvāca vyathayeyur ime senāṃ devānām api saṃyuge āhave ye nyavartanta vṛkodaramukhā rathāḥ saṃprayuktaḥ kilaivāyaṃ diṣṭair bhavati pūruṣaḥ tasminn eva tu sarvārthā dṛśyante vai pṛthagvidhāḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: Diese Wagenkämpfer, die, angeführt von Vṛkodara [Bhīma], in die Schlacht zurückkehrten, könnten wohl selbst das Heer der Götter im Kampf in Bedrängnis bringen. Wahrlich, dieser Mensch ist stets mit dem Schicksal verbunden; doch eben in diesem [Schicksal] zeigen sich die verschiedenartigsten Ausgänge.
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom. + 3.Sg.Perf. vac-)
vyathayeyur ime senāṃ
diese könnten das Heer in Bedrängnis bringen (3.Pl.Opt. + Nom.Pl. + Akk.Sg.)
devānām api saṃyuge
selbst der Götter, im Kampf (Gen.Pl. + Partikel + Lok.Sg.)
āhave ye nyavartanta
die in der Schlacht zurückkehrten (Lok.Sg. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)
vṛkodaramukhā rathāḥ
die Wagenkämpfer, angeführt von Vṛkodara (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
saṃprayuktaḥ kilaivāyaṃ
wahrlich, dieser ist verbunden (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
diṣṭair bhavati pūruṣaḥ
mit dem Schicksal ist der Mensch (Instr.Pl. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
tasminn eva tu sarvārthā
eben in diesem aber alle Ausgänge (Lok.Sg. + Partikel + Partikel + Nom.Pl.)
dṛśyante vai pṛthagvidhāḥ
zeigen sich wahrlich verschiedenartig (3.Pl.Präs.Pass. + Partikel + Nom.Pl.)
[Anm.: V.1-2 bilden eine syntaktische Einheit. Dhṛtarāṣṭras Rede an Saṃjaya erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung; das gesamte Kapitel besteht aus seinem ununterbrochenen Monolog.]
dīrghaṃ viproṣitaḥ kālam araṇye jaṭilo 'jinī ajñātaś caiva lokasya vijahāra yudhiṣṭhiraḥ sa eva mahatīṃ senāṃ samāvartayad āhave kim anyad daivasaṃyogān mama putrasya cābhavat
Lange Zeit fern von zuhause weilend, im Wald, mit verfilztem Haar, in Antilopenfell gekleidet und der Welt unbekannt, wanderte Yudhiṣṭhira umher. Eben er brachte ein gewaltiges Heer in der Schlacht zum Rückzug — was anderes als eine Fügung des Schicksals ist das, was meinem Sohn widerfahren ist?
Wort für Wort
dīrghaṃ viproṣitaḥ kālam
lange Zeit fern weilend (Adv. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
araṇye jaṭilo 'jinī
im Wald, verfilzthaarig, in Antilopenfell (Lok.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
ajñātaś caiva lokasya
und der Welt unbekannt (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Sg.)
vijahāra yudhiṣṭhiraḥ
wanderte Yudhiṣṭhira umher (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
sa eva mahatīṃ senāṃ
eben er ein gewaltiges Heer (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
samāvartayad āhave
brachte zum Rückzug in der Schlacht (3.Sg.Impf. + Lok.Sg.)
kim anyad daivasaṃyogān
was anderes als eine Fügung des Schicksals (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Abl.Sg.)
mama putrasya cābhavat
ist meinem Sohn widerfahren (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Konj. + 3.Sg.Impf.)
yukta eva hi bhāgyena dhruvam utpadyate naraḥ sa tathākṛṣyate tena na yathā svayam icchati dyūtavyasanam āsādya kleśito hi yudhiṣṭhiraḥ sa punar bhāgadheyena sahāyān upalabdhavān
Denn ein Mensch wird gewiss stets mit seinem Schicksal verbunden geboren; er wird von ihm so gezogen, nicht wie er selbst es wünscht. Nachdem er in das Laster des Würfelspiels geraten war, wurde Yudhiṣṭhira zwar gequält, doch er gewann durch sein Schicksalslos wieder Gefährten.
Wort für Wort
yukta eva hi bhāgyena
denn verbunden gewiss mit dem Schicksal (Nom.Sg. + Partikel + Partikel + Instr.Sg.)
dhruvam utpadyate naraḥ
wird sicherlich geboren der Mensch (Adv. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
sa tathākṛṣyate tena
er wird so von ihm gezogen (Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Präs.Pass. + Instr.Sg.)
na yathā svayam icchati
nicht wie er selbst wünscht (Neg. + Adv. + Adv. + 3.Sg.Präs.)
dyūtavyasanam āsādya
in das Würfellaster geraten (Akk.Sg. + Ger.)
kleśito hi yudhiṣṭhiraḥ
wurde Yudhiṣṭhira gequält (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
sa punar bhāgadheyena
er wieder durch sein Schicksalslos (Nom.Sg. + Adv. + Instr.Sg.)
ardhaṃ me kekayā labdhāḥ kāśikāḥ kosalāś ca ye cedayaś cāpare vaṅgā mām eva samupāśritāḥ pṛthivī bhūyasī tāta mama pārthasya no tathā iti mām abravīt sūta mando duryodhanas tadā
'Die Hälfte ist mir zugefallen — die Kekayas, und die Kāśis und Kosalas, und die Cedis, und ferner die Vaṅgas haben bei mir allein Zuflucht gesucht; der größere Teil der Erde, Vater, ist mein, nicht so sehr der des Pārtha' — so sprach der törichte Duryodhana damals zu mir, o Sūta.
Wort für Wort
ardhaṃ me kekayā labdhāḥ
die Hälfte ist mir zugefallen, die Kekayas (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
kāśikāḥ kosalāś ca ye
die Kāśis und die Kosalas (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
cedayaś cāpare vaṅgā
und die Cedis, und ferner die Vaṅgas (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
mām eva samupāśritāḥ
haben bei mir allein Zuflucht gesucht (Akk.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)
pṛthivī bhūyasī tāta
die Erde, der größere Teil, Vater (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
mama pārthasya no tathā
mein, des Pārtha nicht so sehr (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Neg. + Adv.)
iti mām abravīt sūta
so sprach er zu mir, o Sūta (Partikel + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Vok.Sg.)
mando duryodhanas tadā
der törichte Duryodhana damals (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
[Anm.: V.7-8 bilden eine syntaktische Einheit. Dhṛtarāṣṭra zitiert hier innerhalb seiner eigenen, unmarkierten Rahmenrede Duryodhanas frühere prahlerische Worte; auch dieses eingebettete Zitat erhält, der durchgängigen Konvention dieser Ausgabe folgend, keine eigene Anführungszeichen-Markierung, da es Teil von Dhṛtarāṣṭras ununterbrochenem Monolog an Saṃjaya bleibt.]
Inmitten jener Heeresmasse ist Droṇa, wohlbeschützt, vom Pārṣata [Dhṛṣṭadyumna] im Kampf erschlagen — was anderes als Schicksalsfügung ist das? Wie ist der Tod an Droṇa herangetreten, den Großarmigen, inmitten der Könige, stets kampffroh, in allen Waffen bis zum Äußersten bewandert?
erschlagen vom Pārṣata im Kampf (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Lok.Sg.)
kim anyad bhāgadheyataḥ
was anderes als durch Schicksalsfügung (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Abl.Sg.)
madhye rājñāṃ mahābāhuṃ
inmitten der Könige, den Großarmigen (Lok.Sg. + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
sadā yuddhābhinandinam
stets kampffroh (Adv. + Akk.Sg.)
sarvāstrapāragaṃ droṇaṃ
in allen Waffen bewandert, Droṇa (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
kathaṃ mṛtyur upeyivān
wie ist der Tod herangetreten (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Part.Perf.)
[Anm.: V.9-10 bilden eine syntaktische Einheit. Die Verwendung des Perfekts/Partizips Perfekt ('nihataḥ', 'upeyivān', wörtl. 'ist erschlagen', 'ist zum Tod gelangt') ist hier auffällig, da Droṇa innerhalb der Erzählchronologie an diesem zehnten Kampftag noch lebt und kämpft (vgl. Kap.20-22); es handelt sich um von Angst getriebene, vorwegnehmende Rhetorik Dhṛtarāṣṭras, ausgelöst durch die soeben berichtete Nachricht (Kap.22, V.33), dass Dhṛṣṭadyumna Droṇa zu seinem persönlichen Ziel erklärt hat — nicht eine faktische Meldung eines bereits eingetretenen Todes. Im Anschluss ein einzeiliger Apparatseinschub (*0171_01): „Jene beiden, Droṇa und Bhīṣma, sind niedergestreckt — was anderes als Schicksalsfügung?“ — eine Variante, die 'dhuryayor' in V.16 vorwegnimmt/glossiert; nicht übersetzt.]
Ich, der ich in äußerste Bedrängnis geraten bin, bin in tiefste Verwirrung gefallen; nachdem ich gehört habe, dass Bhīṣma und Droṇa erschlagen sind, wage ich nicht mehr zu leben.
Wort für Wort
samanuprāptakṛcchro 'haṃ
ich, in äußerste Bedrängnis geraten (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
saṃmohaṃ paramaṃ gataḥ
in tiefste Verwirrung gefallen (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
bhīṣmadroṇau hatau śrutvā
gehört habend, dass Bhīṣma und Droṇa erschlagen sind (Akk.Zw. + Akk.Zw. + Ger.)
nāhaṃ jīvitum utsahe
wage ich nicht zu leben (Neg.+Nom.Sg. + Inf. + 1.Sg.Präs.)
[Anm.: V.11 bildet eine Einheit. Wie bereits zu V.9-10 angemerkt, ist auch hier 'hatau' ('die beiden sind erschlagen') als Ausdruck von Dhṛtarāṣṭras panischer Vorwegnahme, nicht als faktischer Bericht zu verstehen — Bhīṣma liegt zu diesem Zeitpunkt der Rahmenerzählung zwar bereits schwer verwundet auf dem Pfeilbett, ist aber noch am Leben, und Droṇa kämpft noch.]
yan mā kṣattābravīt tāta prapaśyan putragṛddhinam duryodhanena tat sarvaṃ prāptaṃ sūta mayā saha nṛśaṃsaṃ tu paraṃ tat syāt tyaktvā duryodhanaṃ yadi putraśeṣaṃ cikīrṣeyaṃ kṛcchraṃ na maraṇaṃ bhavet
Was Kṣattā [Vidura] mir sagte, mein Sohn, als er meine übergroße Anhänglichkeit an [meinen] Sohn voraussah — all das ist mir nun, zusammen mit Duryodhana, widerfahren, o Sūta. Doch das wäre die höchste Grausamkeit, wollte ich, Duryodhana verlassend, [nur] den Rest meiner Söhne zu retten suchen — das wäre kein leichterer Tod [als jener].
Wort für Wort
yan mā kṣattābravīt tāta
was Kṣattā mir sagte, mein Sohn (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Vok.Sg.)
prapaśyan putragṛddhinam
meine Anhänglichkeit an den Sohn voraussehend (Nom.Sg.Part. + Akk.Sg.)
duryodhanena tat sarvaṃ
mit Duryodhana all das (Instr.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
prāptaṃ sūta mayā saha
ist widerfahren, o Sūta, mit mir zusammen (Nom.Sg. + Vok.Sg. + Instr.Sg. + Postp.)
nṛśaṃsaṃ tu paraṃ tat syāt
das aber wäre die höchste Grausamkeit (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Opt.)
tyaktvā duryodhanaṃ yadi
wenn ich, Duryodhana verlassend (Ger. + Akk.Sg. + Konj.)
putraśeṣaṃ cikīrṣeyaṃ
den Söhnerest zu machen suchte (Akk.Sg. + 1.Sg.Opt.Des.)
kṛcchraṃ na maraṇaṃ bhavet
es wäre kein [leichterer] Tod als Bedrängnis (Nom.Sg. + Neg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Opt.)
[Anm.: V.12-13 bilden eine syntaktische Einheit; 'tāta' ist hier, wie mehrfach in dieser Ausgabe, als liebevolle Anrede Dhṛtarāṣṭras an Saṃjaya zu verstehen, nicht wörtlich als 'Sohn'. Die genaue syntaktische Verknüpfung von V.13 bleibt streckenweise unsicher [?]; hier so gedeutet, dass Dhṛtarāṣṭra das Aufgeben Duryodhanas zugunsten der übrigen Söhne als eine noch grausamere, dem Tod gleichkommende Tat verwirft.]
yo hi dharmaṃ parityajya bhavaty arthaparo naraḥ so 'smāc ca hīyate lokāt kṣudrabhāvaṃ ca gacchati
Denn der Mensch, der, den Dharma preisgebend, [nur noch] dem eigenen Vorteil zugewandt wird, fällt aus dieser Welt [heraus] und gerät in einen niedrigen Zustand.
Wort für Wort
yo hi dharmaṃ parityajya
denn der, der den Dharma preisgibt (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Ger.)
bhavaty arthaparo naraḥ
wird der Mensch dem Vorteil zugewandt (3.Sg.Präs. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
so 'smāc ca hīyate lokāt
er fällt aus dieser Welt heraus (Nom.Sg. + Abl.Sg. + Konj. + 3.Sg.Präs.Pass. + Abl.Sg.)
kṣudrabhāvaṃ ca gacchati
und gerät in einen niedrigen Zustand (Akk.Sg. + Konj. + 3.Sg.Präs.)
[Anm.: V.14 bildet eine Einheit; ein allgemeiner moralischer Merksatz.]
adya cāpy asya rāṣṭrasya hatotsāhasya saṃjaya avaśeṣaṃ na paśyāmi kakude mṛdite sati kathaṃ syād avaśeṣaṃ hi dhuryayor abhyatītayoḥ yau nityam anujīvāmaḥ kṣamiṇau puruṣarṣabhau
Und auch heute, Saṃjaya, sehe ich für dieses Reich, dessen Tatkraft gebrochen ist, keinen Rest mehr, da sein Haupthalt zermalmt ist. Denn wie könnte es einen Rest geben, wenn die beiden Zugtiere [d.h. Stützpfeiler] dahingegangen sind, von denen wir stets abhängig waren, die beiden geduldigen Stiere unter den Männern?
Wort für Wort
adya cāpy asya rāṣṭrasya
und auch heute, dieses Reiches (Adv. + Konj.+Partikel + Gen.Sg. + Gen.Sg.)
hatotsāhasya saṃjaya
dessen Tatkraft gebrochen ist, Saṃjaya (Gen.Sg. + Vok.Sg.)
avaśeṣaṃ na paśyāmi
sehe ich keinen Rest (Akk.Sg. + Neg. + 1.Sg.Präs.)
kakude mṛdite sati
da der Haupthalt zermalmt ist (Lok.Sg. + Lok.Sg.Part. + Lok.Sg.Part.)
kathaṃ syād avaśeṣaṃ hi
denn wie könnte es einen Rest geben (Adv. + 3.Sg.Opt. + Nom.Sg. + Partikel)
dhuryayor abhyatītayoḥ
wenn die beiden Zugtiere dahingegangen sind (Gen.Zw. + Gen.Zw.)
yau nityam anujīvāmaḥ
von denen wir stets abhängig waren (Akk.Zw. + Adv. + 1.Pl.Präs.)
kṣamiṇau puruṣarṣabhau
die beiden geduldigen Stiere unter den Männern (Akk.Zw. + Akk.Zw.)
[Anm.: V.15-16 bilden eine syntaktische Einheit; 'kakud' ('Buckel/Höcker [des Stieres]') und 'dhuryau' ('die beiden Zugtiere/Jochträger') sind Bildausdrücke für Bhīṣma und Droṇa als tragende Stützen des Reiches (vgl. den Apparatseinschub zu V.16 in Anm. zu V.9-10).]
dhanaṃjayaṃ ca me śaṃsa yad yac cakre ratharṣabhaḥ tasmād bhayaṃ no bhūyiṣṭhaṃ bhrātṛvyāc ca viśeṣataḥ
Und sage mir von Dhanaṃjaya [Arjuna], was immer der Stier unter den Wagenkämpfern tat — von ihm kommt uns die größte Furcht, und besonders von [unserem] Neffen.
Wort für Wort
dhanaṃjayaṃ ca me śaṃsa
und sage mir von Dhanaṃjaya (Akk.Sg. + Konj. + Gen.Sg. + Imp.)
yad yac cakre ratharṣabhaḥ
was immer der Stier unter den Wagenkämpfern tat (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
tasmād bhayaṃ no bhūyiṣṭhaṃ
von ihm [kommt] uns die größte Furcht (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
bhrātṛvyāc ca viśeṣataḥ
und besonders vom Neffen (Abl.Sg. + Konj. + Adv.)
[Anm.: V.18 bildet eine Einheit. 'bhrātṛvya' bedeutet wörtlich 'Sohn des Bruders' [Neffe], wird idiomatisch aber oft im Sinn von 'Rivale/Feind' gebraucht [?] — hier wohl mit beiden Konnotationen auf Arjuna als Dhṛtarāṣṭras Neffen und zugleich gefürchteten Gegner bezogen.]
yathāsīc ca nivṛtteṣu pāṇḍaveṣu ca saṃjaya mama sainyāvaśeṣasya saṃnipātaḥ sudāruṇaḥ māmakānāṃ ca ye śūrāḥ kāṃs tatra samavārayan
Und wie es war, Saṃjaya, als die Pāṇḍavas zurückkehrten [in den Kampf] — der überaus schreckliche Zusammenprall dessen, was von meinem Heer übrig blieb; und welche meiner Helden dort wen im Kampf aufhielten.
Wort für Wort
yathāsīc ca nivṛtteṣu
und wie es war, als sie zurückkehrten (Adv. + 3.Sg.Impf. + Konj. + Lok.Pl.)
pāṇḍaveṣu ca saṃjaya
die Pāṇḍavas, Saṃjaya (Lok.Pl. + Konj. + Vok.Sg.)
mama sainyāvaśeṣasya
dessen, was von meinem Heer übrig blieb (Gen.Sg. + Gen.Sg.)
saṃnipātaḥ sudāruṇaḥ
der überaus schreckliche Zusammenprall (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
māmakānāṃ ca ye śūrāḥ
und welche meiner Helden (Gen.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
kāṃs tatra samavārayan
wen sie dort aufhielten (Akk.Pl. + Adv. + 3.Pl.Impf.)
[Anm.: V.19 bildet eine Einheit (a/c/e-Padas) und schließt das Kapitel ab; Dhṛtarāṣṭras Frage bleibt offen und wird im folgenden, mit 'saṃjaya uvāca' einsetzenden Kapitel beantwortet. Im Anschluss ein einzeiliger Apparatseinschub (*0172_01): „Und wie war euer Sinn [gestimmt], Vater, als sie zurückkehrten?“ — eine zusätzliche emotionale Nachfrage; nicht übersetzt.]