Kapitel 142: sahadevakarṇayuddhaṃ virāṭaśalyayuddham arjunālambusayuddhaṃ ca
Sahadevas Duell mit Karṇa, Virāṭas Kampf mit Śalya und Arjunas Sieg über den Rakshasa Alambusa
Sahadeva aber durchbohrte den Sohn der Rādhā (Karṇa) mit neun schnellen Pfeilen und durchbohrte ihn dann erneut mit zehn scharfen, gebogenen (Pfeilen).
Wort für Wort
sahadevaḥ tu
Sahadeva aber (Nom. Sg., Subjekt)
rādheyam viddhvā
den Sohn der Rādhā durchbohrt habend (Akk. Sg. / Absol.)
navabhiḥ āśugaiḥ
mit neun schnellen Pfeilen (Instr. Pl.)
punaḥ vivyādha
erneut durchbohrte er (Adv. / 3. Sg. Perf.)
daśabhiḥ niśitaiḥ nataparvabhiḥ
mit zehn scharfen, gebogenen (Pfeilen) (Instr. Pl.)
sasaṃbhramas tatas tūrṇam avaplutya rathottamāt sahadevo mahārāja dṛṣṭvā karṇaṃ vyavasthitam rathacakraṃ tato gṛhya mumocādhirathiṃ prati
Da sprang Sahadeva, o Großkönig, bestürzt rasch von seinem vortrefflichen Wagen, und als er Karṇa dastehen sah, ergriff er ein Wagenrad und schleuderte es gegen den Sohn des Adhiratha (Karṇa).
Wort für Wort
sasaṃbhramaḥ tataḥ tūrṇam
bestürzt, da, rasch (Nom. Sg., Adj. / Adv.)
avaplutya rathottamāt
von seinem vortrefflichen Wagen gesprungen (Absol. / Abl. Sg.)
tasmiṃs tu vitathe cakre kṛte tena mahātmanā īṣādaṇḍakayoktrāṃś ca yugāni vividhāni ca hastyaṅgāni tathāśvāṃś ca mṛtāṃś ca puruṣān bahūn cikṣepa karṇam uddiśya karṇas tān vyadhamac charaiḥ sa nirāyudham ātmānaṃ jñātvā mādravatīsutaḥ vāryamāṇaś ca viśikhaiḥ sahadevo raṇaṃ jahau
Als jenes Rad von dem Hochgemuten (Karṇa) unwirksam gemacht worden war, [ergänzt der Apparat: schleuderte Sahadeva Deichsel, Jochpflock und Zugriemen, mancherlei Joche, Elefantengeschirr sowie Pferde und viele tote Männer gegen Karṇa; Karṇa zerstörte all dies mit Pfeilen; der Sohn der Mādravatī (Sahadeva), sich selbst als waffenlos erkennend,] und von Pfeilen zurückgehalten, gab Sahadeva den Kampf auf.
Wort für Wort
tasmin cakre vitathe kṛte
als jenes Rad unwirksam gemacht war (Lok. Abs.)
tena mahātmanā
von dem Hochgemuten = Karṇa (Instr. Sg.)
īṣādaṇḍakayoktrān yugāni
Deichsel, Jochpflock, Zugriemen und Joche (Akk. Pl.)
hastyaṅgāni aśvān mṛtān puruṣān
Elefantengeschirr, Pferde, tote Männer (Akk. Pl.)
cikṣepa karṇam uddiśya
er schleuderte, auf Karṇa gerichtet (3. Sg. Perf. / Akk. Sg.)
karṇaḥ tān vyadhamat śaraiḥ
Karṇa zerstörte sie mit Pfeilen (Nom. Sg. / Akk. Pl. / 3. Sg. Impf. / Instr. Pl.)
saḥ nirāyudham ātmānam jñātvā
sich selbst als waffenlos erkennend (Absol.)
mādravatīsutaḥ
der Sohn der Mādravatī = Sahadeva (Nom. Sg.)
vāryamāṇaḥ viśikhaiḥ
von Pfeilen zurückgehalten (Nom. Sg., Part. / Instr. Pl.)
sahadevaḥ raṇam jahau
Sahadeva gab den Kampf auf (Nom. Sg. / Akk. Sg. / 3. Sg. Perf.)
[Anm.: Die Pādas 012b*1178_01 bis *1178_04 sind ein im Apparat überliefertes Zwischenstück, das im Haupttext fehlt; es schildert, wie Sahadeva in seiner Verzweiflung immer neue Gegenstände (Wagenteile, Geschirr, sogar Leichen) gegen Karṇa schleudert, bevor er sich als waffenlos erkennt - es wird hier der Vollständigkeit halber mitübersetzt.]
Dann, ihn mit der Spitze seines Bogens stoßend, sprach er das Wort weiter: „Dort kämpft Arjuna eifrig im Kampf mit den Kurus. Geh dorthin, Sohn der Mādrī, oder geh nach Hause, wenn dir das lieber ist!“
Wort für Wort
atha enam dhanuṣaḥ agreṇa tudan
dann ihn mit der Bogenspitze stoßend (Absol. / Instr. Sg. / Nom. Sg. Part.)
bhūyaḥ abravīt vacaḥ
weiter sprach er das Wort (Adv. / 3. Sg. Impf. / Akk. Sg.)
eṣaḥ arjunaḥ raṇe yattaḥ
dieser Arjuna, eifrig im Kampf (Nom. Sg.)
yudhyate kurubhiḥ saha
er kämpft mit den Kurus (3. Sg. Med. / Instr. Pl.)
tatra gacchasva mādreya
geh dorthin, Sohn der Mādrī (Adv. / 2. Sg. Imperativ / Vok. Sg.)
gṛham vā yadi manyase
oder nach Hause, wenn du es vorziehst (Akk. Sg. / 2. Sg. Med.)
Nachdem er so zu ihm gesprochen hatte, fuhr Karṇa, der Beste der Wagenkämpfer, mit seinem Wagen gleichsam lachend auf die Heere der Pāñcālas und Pāṇḍavas zu.
Wort für Wort
evam uktvā tu tam
so zu ihm gesprochen habend (Absol. / Akk. Sg.)
karṇaḥ rathinām varaḥ
Karṇa, der Beste der Wagenkämpfer (Nom. Sg., Subjekt)
rathena prāyāt
er fuhr mit seinem Wagen (Instr. Sg. / 3. Sg. Impf.)
pāñcālapāṇḍūnām sainyāni
auf die Heere der Pāñcālas und Pāṇḍavas (Gen. Pl. / Akk. Pl.)
Den Sohn der Mādrī aber, der schon dem Tode nahe war, tötete der Feindevernichter im Kampf nicht, da er sich, seinem Gelübde treu, o König, an das Wort Kuntīs erinnerte — der große Wagenkämpfer.
Wort für Wort
vadhaprāptam mādreyam
den todnahen Sohn der Mādrī (Akk. Sg.)
na avadhīt samare
er tötete nicht im Kampf (3. Sg. Impf. / Lok. Sg.)
arihā
der Feindevernichter = Karṇa (Nom. Sg., Epitheton)
kuntyāḥ smṛtvā vacaḥ
sich an Kuntīs Wort erinnernd (Gen. Sg. / Absol. / Akk. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg., Anrede)
satyasaṃdhaḥ mahārathaḥ
der gelübdetreue große Wagenkämpfer (Nom. Sg., Apposition)
Virāṭa aber, den Bogenschützen, der mit seinem Heer eilig um Droṇas willen herangekommen war, bedeckte der König der Madras (Śalya) mit einer Pfeilflut.
so 'tividdho mahārāja rathopastha upāviśat kaśmalaṃ cāviśat tīvraṃ virāṭo bharatarṣabha sārathis tam apovāha samare śaravikṣatam
Schwer verwundet, o Großkönig, sank Virāṭa auf den Boden seines Wagens nieder, o Stier der Bharatas, und eine heftige Ohnmacht überkam ihn; sein Wagenlenker führte ihn, von Pfeilen verwundet, aus dem Kampf fort.
Wort für Wort
saḥ atividdhaḥ
er, schwer verwundet (Nom. Sg., Part.)
mahārāja rathopasthe upāviśat
o Großkönig, er sank auf den Wagenboden nieder (Vok. Sg. / Lok. Sg. / 3. Sg. Impf.)
kaśmalam ca āviśat tīvram
und eine heftige Ohnmacht überkam ihn (Akk. Sg. / 3. Sg. Impf. / Akk. Sg., Adj.)
virāṭaḥ bharatarṣabha
Virāṭa, o Stier der Bharatas (Nom. Sg. / Vok. Sg.)
sārathiḥ tam apovāha
sein Wagenlenker führte ihn fort (Nom. Sg. / Akk. Sg. / 3. Sg. Impf.)
samare śaravikṣatam
aus dem Kampf, von Pfeilen verwundet (Lok. Sg. / Akk. Sg., Adj.)
tau tu pratyudyayau rājan rākṣasendro hy alambusaḥ aṣṭacakrasamāyuktam āsthāya pravaraṃ ratham
Den beiden aber trat, o König, der Rakshasa-Fürst Alambusa entgegen, der einen vortrefflichen, mit acht Rädern versehenen Wagen bestiegen hatte.
Wort für Wort
tau tu pratyudyayau rājan
den beiden aber trat entgegen, o König (Akk. Du. / 3. Sg. Perf. / Vok. Sg.)
rākṣasendraḥ hi alambusaḥ
der Rakshasa-Fürst Alambusa (Nom. Sg., Subjekt)
aṣṭacakrasamāyuktam
mit acht Rädern versehen (Akk. Sg., Adj.)
āsthāya pravaram ratham
einen vortrefflichen Wagen bestiegen habend (Absol. / Akk. Sg.)
[Anm.: Das Wiederauftreten des Rakshasa Alambusa an dieser Stelle scheint im Widerspruch zu einer früheren, im Glossar festgehaltenen Überlieferung zu stehen, wonach ein gleichnamiger Rakshasa bereits zuvor im Zweikampf gegen Ghaṭotkaca gefallen sei; da der vorliegende Quelltext ihn hier unzweifelhaft als noch lebend und kampffähig einführt, wird die Stelle unkommentiert übersetzt und die Diskrepanz hier lediglich vermerkt.]
[jenen Wagen,] bespannt mit pferdegesichtigen Piśācas von schrecklichem Aussehen, seine Fahne blutfeucht, mit roten Girlanden geschmückt, ganz aus schwarzem Eisen, furchtbar, gewaltig, mit Bärenfell bedeckt,
Wort für Wort
turaṃgamamukhaiḥ piśācaiḥ yuktam
bespannt mit pferdegesichtigen Piśācas (Instr. Pl. / Akk. Sg. Part.)
ghoradarśanaiḥ
von schrecklichem Aussehen (Instr. Pl., Adj.)
lohitārdrapatākam
mit blutfeuchter Fahne (Akk. Sg., Adj.)
raktamālyavibhūṣitam
mit roten Girlanden geschmückt (Akk. Sg., Adj.)
kārṣṇāyasamayam ghoram
ganz aus schwarzem Eisen, furchtbar (Akk. Sg., Adj.)
mit einer furchtbaren Fahne von buntem Gefieder, mit weit aufgerissenen Augen, kreischend, mit erhobenem Schnabel, silberweiß, in Gestalt des Geierkönigs.
Wort für Wort
raudreṇa dhvajena
mit einer furchtbaren Fahne (Instr. Sg.)
citrapakṣeṇa vivṛtākṣeṇa
von buntem Gefieder, mit aufgerissenen Augen (Instr. Sg., Adj.)
Er, der Rakshasa, o König, erstrahlte wie ein Haufen zerbrochenen Augenschwarz-Pigments; er versperrte dem herankommenden Arjuna den Weg wie ein Bergkönig einem Sturmwind, während er, o König, hundertfach Pfeilmassen auf Arjunas Haupt niedergehen ließ.
Wort für Wort
saḥ rākṣasaḥ babhau rājan
er, der Rakshasa, erstrahlte, o König (Nom. Sg. / 3. Sg. Perf. / Vok. Sg.)
bhinnāñjanacayopamaḥ
einem Haufen zerbrochenen Augenschwarzes gleich (Nom. Sg., Adj.)
rurodha arjunam āyāntam
er versperrte dem herankommenden Arjuna den Weg (3. Sg. Perf. / Akk. Sg. Part.)
prabhañjanam iva adrirāṭ
wie ein Bergkönig einem Sturmwind (Vergleich, Akk. Sg. / Nom. Sg.)
Ein überaus heftiger Kampf entbrannte im Zusammenprall zwischen dem Menschen und dem Rakshasa - Geier, Krähen, Wildkatzen, Eulen, Reiher und Schakale erfreuend -, eine Quelle der Freude für alle Zuschauer, o Stier der Bharatas. Die beiden, ihre gewaltigen, furchtbar dröhnenden Bögen ergreifend, bedeckten einander und verwundeten sich gegenseitig mit großen Pfeilen; dort währte der Kampf sehr lange Zeit und schien gleichwertig; dann spannte der Pārtha (Arjuna), der große Bogenschütze, seinen göttlichen Bogen, erfüllte die Himmelsrichtungen mit Pfeilen und ließ sie vom Schnellen der Bogensehne dröhnen.
eine Freude für alle Zuschauer (Gen. Pl. / Nom. Sg., Adj. / Gen. Pl.)
tau pragṛhya mahāvegau dhanuṣī
die beiden, ihre gewaltigen Bögen ergriffen habend (Nom. Du. / Absol. / Akk. Du.)
pracchādayetām anyonyam tatakṣantau
sie bedeckten einander, sich verwundend (3. Du. Impf. Med. / Nom. Du. Part.)
tatra suciraṃ kālaṃ yuddhaṃ samam iva abhavat
dort schien der Kampf lange Zeit gleichwertig (Adv. / Nom. Sg. / 3. Sg. Impf.)
pārthaḥ maheṣvāsaḥ divyam dhanuḥ viṣphārayan
der Pārtha, der große Bogenschütze, den göttlichen Bogen spannend (Nom. Sg. / Akk. Sg. / Nom. Sg. Part.)
āpūrayan diśaḥ bāṇaiḥ jyākṣepeṇa vinādayan
die Richtungen mit Pfeilen erfüllend, mit dem Schnellen der Sehne dröhnen lassend (Nom. Sg. Part. / Akk. Pl. / Instr. Pl. / Instr. Sg. / Nom. Sg. Part.)
[Anm.: Das Pāda 038b*1179_01 sowie die Pādas 038d*1180_01 bis *1180_05 sind im Apparat überlieferte, im Haupttext fehlende Zusätze, die hier der Vollständigkeit halber mitübersetzt werden.]
sārathiṃ ca tribhir bāṇais tribhir eva triveṇukam dhanur ekena ciccheda caturbhiś caturo hayān virathasyodyataṃ khaḍgaṃ śareṇāsya dvidhācchinat
Mit drei Pfeilen [traf er] den Wagenlenker, mit ebenso drei den dreifachen Bambusstab; mit einem zerschnitt er den Bogen, mit vieren die vier Pferde; das erhobene Schwert des nun wagenlosen [Rakshasa] spaltete er mit einem Pfeil entzwei.
Wort für Wort
sārathim tribhiḥ bāṇaiḥ
den Wagenlenker mit drei Pfeilen (Akk. Sg. / Instr. Pl.)
tribhiḥ eva triveṇukam
mit ebenso drei den dreifachen Bambusstab (Instr. Pl. / Akk. Sg.)
dhanuḥ ekena ciccheda
den Bogen zerschnitt er mit einem (Akk. Sg. / Instr. Sg. / 3. Sg. Perf.)
caturbhiḥ caturaḥ hayān
mit vieren die vier Pferde (Instr. Pl. / Akk. Pl.)
virathasya udyatam khaḍgam
das erhobene Schwert des wagenlosen [Rakshasa] (Gen. Sg. / Akk. Sg.)
śareṇa asya dvidhā acchinat
mit einem Pfeil spaltete er es entzwei (Instr. Sg. / Gen. Sg. / Adv. / 3. Sg. Impf.)
Nachdem Arjuna ihn besiegt hatte, näherte er sich rasch Droṇas Nähe, indem er, o König, Pfeilmassen auf Männer, Elefanten und Pferde niederregnen ließ.