Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Droṇaparva

Kapitel 12: Yudhiṣṭhirārjunasaṃvāda Der zehnte Tag: Yudhiṣṭhiras Warnung, Arjunas Gelöbnis und der erneute Kampfbeginn

Als die Kunde von Droṇas mit Vorbehalt versehenem Versprechen im Kaurava-Lager Jubel auslöst (V.1), erfährt Yudhiṣṭhira selbst rasch durch Vertraute von Droṇas Vorhaben (V.2) und wendet sich mit einer eindringlichen Warnung an Arjuna: Nur solange dieser an seiner Seite kämpfe, sei er vor Droṇa sicher (V.3-6, CQ). Arjuna antwortet mit einem feierlichen Gelöbnis, Yudhiṣṭhira unter keinen Umständen zu verlassen, und beruft sich dabei auf sein makelloses Wort, das noch nie unwahr, nie besiegt und nie unerfüllt geblieben sei (V.7-13, CQ). Das Kapitel schließt mit dem erneuten Aufbrausen der Schlacht: Musikinstrumente und Kampfrufe auf beiden Seiten (V.14-17), ein allgemeines, doch zunächst pattartiges Ringen (V.18-21), bis Droṇa – hier wieder als 'Rukmaratha' bezeichnet – persönlich hervorstürmt und, sonnengleich strahlend und für die Pāṇḍava-Krieger vor Schrecken kaum fassbar, mit einem verheerenden Pfeilhagel Dhṛṣṭadyumnas Streitmacht zerschmettert (V.22-28).

tatas te sainikāḥ śrutvā taṃ yudhiṣṭhiranigraham / siṃhanādaravāṃś cakrur bāṇaśaṅkharavaiḥ saha

Da erhoben, nachdem sie von jenem Plan zur Gefangennahme Yudhiṣṭhiras gehört hatten, deine Soldaten Löwengebrüll, zusammen mit dem Getöse von Pfeilen und Muschelhörnern.

Wort für Wort
tataḥ te sainikāḥ śrutvā
da deine Soldaten, gehört habend (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Ger.)
tam yudhiṣṭhiranigraham
jenen Plan zur Gefangennahme Yudhiṣṭhiras (Akk.Sg.)
siṃhanādaravān cakruḥ
erhoben Löwengebrüll (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.)
bāṇaśaṅkharavaiḥ saha
zusammen mit dem Getöse von Pfeilen und Muschelhörnern (Instr.Pl. + Postposition)

[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; eingeleitet durch die (hier entfallende) Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca'. Anknüpfend an die in Kap.11 (V.29-31) geschilderte, vorschnelle Verkündung von Droṇas Versprechen im Kaurava-Lager.]

tat tu sarvaṃ yathāvṛttaṃ dharmarājena bhārata / āptair āśu parijñātaṃ bhāradvājacikīrṣitam

Doch dies alles, wie es sich zugetragen hatte, wurde vom Rechtskönig [Yudhiṣṭhira], o Bhārata, durch [seine] Vertrauten rasch erkannt — das Vorhaben des Sohnes des Bharadvāja [Droṇa].

Wort für Wort
tat tu sarvam yathāvṛttam
doch dies alles, wie es sich zugetragen hatte (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
dharmarājena bhārata
vom Rechtskönig, o Bhārata (Instr.Sg. + Vok.Sg.)
āptaiḥ āśu parijñātam
durch [seine] Vertrauten rasch erkannt (Instr.Pl. + Adv. + Nom.Sg.Part.)
bhāradvājacikīrṣitam
das Vorhaben des Sohnes des Bharadvāja (Nom.Sg.)

[Anm.: V.2 bildet eine Einheit.]

tataḥ sarvān samānāyya bhrātṝn sainyāṃś ca sarvaśaḥ / abravīd dharmarājas tu dhanaṃjayam idaṃ vacaḥ

Da versammelte der Rechtskönig alle Brüder und die Heerscharen von allen Seiten und sprach zu Dhanaṃjaya [Arjuna] folgendes Wort:

Wort für Wort
tataḥ sarvān samānāyya
da alle versammelt habend (Adv. + Akk.Pl. + Ger.)
bhrātṝn sainyān ca sarvaśaḥ
die Brüder und die Heerscharen von allen Seiten (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Konj. + Adv.)
abravīt dharmarājaḥ tu
sprach aber der Rechtskönig (3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Konj.)
dhanaṃjayam idam vacaḥ
zu Dhanaṃjaya dieses Wort (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.3 bildet eine Einheit; leitet Yudhiṣṭhiras Rede an Arjuna ein (V.4-6, CQ).]

śrutaṃ te puruṣavyāghra droṇasyādya cikīrṣitam / yathā tan na bhavet satyaṃ tathā nītir vidhīyatām

„Gehört hast du, o tigerartiger Mann, heute das Vorhaben Droṇas; so möge eine Strategie ersonnen werden, dass dies nicht wahr werde.

Wort für Wort
śrutam te puruṣavyāghra
gehört [ist] von dir, o tigerartiger Mann (Nom.Sg.Part. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
droṇasya adya cikīrṣitam
das heutige Vorhaben Droṇas (Gen.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)
yathā tat na bhavet satyam
so dass dies nicht wahr werde (Adv. + Pron.Nom.Sg. + Neg. + Opt.3.Sg. + Nom.Sg.)
tathā nītiḥ vidhīyatām
so möge eine Strategie ersonnen werden (Adv. + Nom.Sg. + Opt.Pass.3.Sg.)

[Anm.: V.4 bildet eine Einheit; Beginn von Yudhiṣṭhiras Rede an Arjuna (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.6).]

sāntaraṃ hi pratijñātaṃ droṇenāmitrakarśana / tac cāntaram amogheṣau tvayi tena samāhitam

Denn mit Vorbehalt wurde von Droṇa versprochen, o Feindezermalmer; und eben dieser Vorbehalt ist von ihm, o Unfehlbarer im Bogenschießen, auf dich gerichtet.

Wort für Wort
sāntaram hi pratijñātam
denn mit Vorbehalt wurde versprochen (Akk.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Part.)
droṇena amitrakarśana
von Droṇa, o Feindezermalmer (Instr.Sg. + Vok.Sg.)
tat ca antaram amogheṣau tvayi
und eben dieser Vorbehalt auf dich, o Unfehlbarer im Bogenschießen (Pron.Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Vok.Sg. + Akk.Sg.)
tena samāhitam
von ihm gerichtet (Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)

[Anm.: V.5 bildet eine Einheit.]

sa tvam adya mahābāho yudhyasva madanantaram / yathā duryodhanaḥ kāmaṃ nemaṃ droṇād avāpnuyāt

Du also, o Starkarmiger, kämpfe heute unmittelbar an meiner Seite, so dass Duryodhana diesen [Wunsch] nicht durch Droṇa erlange.“

Wort für Wort
sa tvam adya mahābāho
du also heute, o Starkarmiger (Pron.Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + Vok.Sg.)
yudhyasva madanantaram
kämpfe unmittelbar an meiner Seite (Imp.2.Sg.Med. + Adv.)
yathā duryodhanaḥ kāmam
so dass Duryodhana den Wunsch (Adv. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
na imam droṇāt avāpnuyāt
nicht durch Droṇa erlange (Neg. + Akk.Sg. + Abl.Sg. + Opt.3.Sg.)

[Anm.: V.6 bildet eine Einheit; Ende von Yudhiṣṭhiras Rede (CQ_CLOSE).]

yathā me na vadhaḥ kārya ācāryasya kathaṃ cana / tathā tava parityāgo na me rājaṃś cikīrṣitaḥ

„So wie von mir die Tötung des Lehrers auf keine Weise vollzogen werden soll, ebenso ist von mir, o König, dein Verlassen nicht beabsichtigt.

Wort für Wort
yathā me na vadhaḥ kāryaḥ
so wie von mir die Tötung nicht vollzogen werden soll (Adv. + Gen.Sg. + Neg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ger.)
ācāryasya kathaṃ cana
des Lehrers, auf keine Weise (Gen.Sg. + Adv.)
tathā tava parityāgaḥ
ebenso dein Verlassen (Adv. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
na me rājan cikīrṣitaḥ
ist von mir, o König, nicht beabsichtigt (Neg. + Gen.Sg. + Vok.Sg. + Nom.Sg.Part.)

[Anm.: V.7 bildet eine Einheit; eingeleitet durch 'arjuna uvāca' (hier entfallend). Beginn von Arjunas Erwiderung (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.13).]

apy evaṃ pāṇḍava prāṇān utsṛjeyam ahaṃ yudhi / pratīyāṃ nāham ācāryaṃ tvāṃ na jahyāṃ kathaṃ cana

Selbst wenn ich so, o Pāṇḍava, meine Lebensatem im Kampf aufgeben müsste — vor dem Lehrer würde ich nicht zurückweichen; dich würde ich auf keine Weise verlassen.

Wort für Wort
api evam pāṇḍava
selbst wenn so, o Pāṇḍava (Partikel + Adv. + Vok.Sg.)
prāṇān utsṛjeyam aham yudhi
ich meine Lebensatem im Kampf aufgeben müsste (Akk.Pl. + Opt.1.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
pratīyām na aham ācāryam
vor dem Lehrer würde ich nicht zurückweichen (Opt.1.Sg. + Neg. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
tvām na jahyām kathaṃ cana
dich würde ich auf keine Weise verlassen (Akk.Sg. + Neg. + Opt.1.Sg. + Adv.)

[Anm.: V.8 bildet eine Einheit. 'pratīyām' ('ich würde zurückweichen/mich zurückziehen') ist im Kontext des Kampf-Gelöbnisses probeweise als 'vor dem Lehrer zurückweichen' gedeutet.]

tvāṃ nigṛhyāhave rājan dhārtarāṣṭro yam icchati / na sa taṃ jīvaloke 'smin kāmaṃ prāptaḥ kathaṃ cana

Den Wunsch, den der Sohn Dhṛtarāṣṭras [Duryodhana] hegt, dich im Kampf zu ergreifen, o König — diesen wird er in dieser Welt der Lebenden auf keine Weise erlangen.

Wort für Wort
tvām nigṛhya āhave rājan
dich im Kampf zu ergreifen, o König (Akk.Sg. + Ger. + Lok.Sg. + Vok.Sg.)
dhārtarāṣṭraḥ yam icchati
den [Wunsch], den der Sohn Dhṛtarāṣṭras hegt (Nom.Sg. + Rel.Akk.Sg. + 3.Sg.)
na sa tam jīvaloke asmin
diesen wird er in dieser Welt der Lebenden nicht (Neg. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg. + Lok.Sg.)
kāmam prāptaḥ kathaṃ cana
den Wunsch erlangen, auf keine Weise (Akk.Sg. + Nom.Sg.Part. + Adv.)

[Anm.: V.9 bildet eine Einheit.]

prapated dyauḥ sanakṣatrā pṛthivī śakalībhavet / na tvāṃ droṇo nigṛhṇīyāj jīvamāne mayi dhruvam

Der Himmel mit seinen Sternen mag herabstürzen, die Erde mag in Stücke zerfallen — Droṇa wird dich gewiss nicht ergreifen, solange ich lebe.

Wort für Wort
prapatet dyauḥ sanakṣatrā
der Himmel mit seinen Sternen mag herabstürzen (Opt.3.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
pṛthivī śakalībhavet
die Erde mag in Stücke zerfallen (Nom.Sg. + Opt.3.Sg.)
na tvām droṇaḥ nigṛhṇīyāt
Droṇa wird dich nicht ergreifen (Neg. + Akk.Sg. + Nom.Sg. + Opt.3.Sg.)
jīvamāne mayi dhruvam
solange ich lebe, gewiss (Lok.Sg.Part. + Lok.Sg. + Adv.)

[Anm.: V.10 bildet eine Einheit.]

yadi tasya raṇe sāhyaṃ kurute vajrabhṛt svayam / devair vā sahito daityair na tvāṃ prāpsyaty asau mṛdhe

Selbst wenn der Keulenträger [Indra] ihm im Kampf persönlich Beistand leistet, oder [wenn er] mit den Göttern und Daityas vereint ist — er wird dich im Kampf nicht erreichen.

Wort für Wort
yadi tasya raṇe sāhyam
wenn ihm im Kampf Beistand (Kond.Partikel + Gen.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.)
kurute vajrabhṛt svayam
leistet der Keulenträger [Indra] persönlich (3.Sg.Med. + Nom.Sg. + Adv.)
devaiḥ vā sahitaḥ daityaiḥ
oder mit den Göttern und Daityas vereint (Instr.Pl. + Konj. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
na tvām prāpsyati asau mṛdhe
wird er dich im Kampf nicht erreichen (Neg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Fut. + Pron.Nom.Sg. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.11 bildet eine Einheit.]

mayi jīvati rājendra na bhayaṃ kartum arhasi / droṇād astrabhṛtāṃ śreṣṭhāt sarvaśastrabhṛtām api

Solange ich lebe, o Fürst der Könige, brauchst du keine Furcht zu hegen — nicht einmal vor Droṇa, dem Besten der Waffenträger, unter allen Waffenträgern.

Wort für Wort
mayi jīvati rājendra
solange ich lebe, o Fürst der Könige (Lok.Sg.Part. + Vok.Sg.)
na bhayam kartum arhasi
brauchst du keine Furcht zu hegen (Neg. + Akk.Sg. + Inf. + 2.Sg.)
droṇāt astrabhṛtām śreṣṭhāt
vor Droṇa, dem Besten der Waffenträger (Abl.Sg. + Gen.Pl. + Abl.Sg.)
sarvaśastrabhṛtām api
unter allen Waffenträgern (Gen.Pl. + Partikel)

[Anm.: V.12 bildet eine Einheit. Der Apparatseinschub *0095_01 nach V.12d ('und noch etwas anderes will ich sagen, o Fürst der Könige — mein Versprechen gilt immerdar') ist eine für das unmittelbar folgende, selbständige Gelöbnis (V.13) entbehrliche Überleitungsformel und wird nicht übernommen.]

na smarāmy anṛtāṃ vācaṃ na smarāmi parājayam / na smarāmi pratiśrutya kiṃ cid apy anapākṛtam

Ich erinnere mich nicht [je] eines unwahren Wortes; ich erinnere mich keiner Niederlage; ich erinnere mich nicht, je etwas Versprochenes unerfüllt gelassen zu haben.“

Wort für Wort
na smarāmi anṛtām vācam
ich erinnere mich nicht eines unwahren Wortes (Neg. + 1.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
na smarāmi parājayam
ich erinnere mich keiner Niederlage (Neg. + 1.Sg. + Akk.Sg.)
na smarāmi pratiśrutya
ich erinnere mich nicht, versprochen habend (Neg. + 1.Sg. + Ger.)
kiṃ cit api anapākṛtam
je etwas [als] unerfüllt gelassen (Pron.Akk.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Part.)

[Anm.: V.13 bildet eine Einheit; Ende von Arjunas Erwiderung (CQ_CLOSE) — feierliches dreifaches Gelöbnis, das an sein bereits in früheren Kapiteln bewiesenes untadeliges Wort anknüpft.]

tataḥ śaṅkhāś ca bheryaś ca mṛdaṅgāś cānakaiḥ saha / prāvādyanta mahārāja pāṇḍavānāṃ niveśane

Da wurden, o Großkönig, im Lager der Pāṇḍavas Muschelhörner, Kesselpauken und Trommeln, zusammen mit Handpauken, erschallen gelassen.

Wort für Wort
tataḥ śaṅkhāḥ ca bheryaḥ ca
da Muschelhörner und Kesselpauken (Adv. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Konj.)
mṛdaṅgāḥ ca ānakaiḥ saha
und Trommeln, zusammen mit Handpauken (Nom.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Postposition)
prāvādyanta mahārāja
wurden erschallen gelassen, o Großkönig (3.Pl.Impf.Pass. + Vok.Sg.)
pāṇḍavānām niveśane
im Lager der Pāṇḍavas (Gen.Pl. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.14 bildet eine Einheit; eingeleitet durch die (hier entfallende) Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca' — Saṃjaya kehrt zur Rahmenerzählung zurück.]

siṃhanādaś ca saṃjajñe pāṇḍavānāṃ mahātmanām / dhanurjyātalaśabdaś ca gaganaspṛk subhairavaḥ

Und Löwengebrüll der hochgesinnten Pāṇḍavas erhob sich, und das den Himmel berührende, überaus furchterregende Getöse von Bogensehne und Handfläche.

Wort für Wort
siṃhanādaḥ ca saṃjajñe
und Löwengebrüll erhob sich (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf.)
pāṇḍavānām mahātmanām
der hochgesinnten Pāṇḍavas (Gen.Pl. + Gen.Pl.)
dhanurjyātalaśabdaḥ ca
und das Getöse von Bogensehne und Handfläche (Nom.Sg. + Konj.)
gaganaspṛk subhairavaḥ
den Himmel berührend, überaus furchterregend (Nom.Sg. + Nom.Sg.)

[Anm.: V.15 bildet eine Einheit.]

taṃ śrutvā śaṅkhanirghoṣaṃ pāṇḍavasya mahātmanaḥ / tvadīyeṣv apy anīkeṣu vāditrāṇy abhijaghnire

Als sie jenen Muschelhorn-Schall des hochgesinnten Pāṇḍava [Arjuna] gehört hatten, ließen auch in deinen Heerscharen [die Krieger] die Instrumente erschallen.

Wort für Wort
tam śrutvā śaṅkhanirghoṣam
jenen Muschelhorn-Schall gehört habend (Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg.)
pāṇḍavasya mahātmanaḥ
des hochgesinnten Pāṇḍava (Gen.Sg. + Gen.Sg.)
tvadīyeṣu api anīkeṣu
auch in deinen Heerscharen (Lok.Pl. + Partikel + Lok.Pl.)
vāditrāṇi abhijaghnire
ließen sie die Instrumente erschallen (Akk.Pl. + 3.Pl.Perf.Med.)

[Anm.: V.16 bildet eine Einheit.]

tato vyūḍhāny anīkāni tava teṣāṃ ca bhārata / śanair upeyur anyonyaṃ yotsyamānāni saṃyuge

Da rückten die geordneten Schlachtreihen deines [Heeres] und der ihrigen, o Bhārata, langsam gegeneinander vor, um im Zusammenstoß zu kämpfen.

Wort für Wort
tataḥ vyūḍhāni anīkāni
da die geordneten Schlachtreihen (Adv. + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.)
tava teṣām ca bhārata
deines [Heeres] und der ihrigen, o Bhārata (Gen.Sg. + Gen.Pl. + Konj. + Vok.Sg.)
śanaiḥ upeyuḥ anyonyam
rückten langsam gegeneinander vor (Adv. + 3.Pl.Perf. + Adv.)
yotsyamānāni saṃyuge
um im Zusammenstoß zu kämpfen (Nom.Pl.Part.Fut. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.17 bildet eine Einheit.]

tataḥ pravavṛte yuddhaṃ tumulaṃ lomaharṣaṇam / pāṇḍavānāṃ kurūṇāṃ ca droṇapāñcālyayor api

Da begann ein tumultartiger, haarsträubender Kampf zwischen den Pāṇḍavas und den Kurus, und ebenso zwischen Droṇa und dem Pāñcāla-Prinzen [Dhṛṣṭadyumna].

Wort für Wort
tataḥ pravavṛte yuddham
da begann der Kampf (Adv. + 3.Sg.Perf.Med. + Nom.Sg.)
tumulam lomaharṣaṇam
tumultartig, haarsträubend (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
pāṇḍavānām kurūṇām ca
der Pāṇḍavas und der Kurus (Gen.Pl. + Gen.Pl. + Konj.)
droṇapāñcālyayoḥ api
und ebenso zwischen Droṇa und dem Pāñcāla-Prinzen (Gen.Du. + Partikel)

[Anm.: V.18 bildet eine Einheit.]

yatamānāḥ prayatnena droṇānīkaviśātane / na śekuḥ sṛñjayā rājaṃs tad dhi droṇena pālitam

Obwohl sie sich mit Anstrengung bemühten, Droṇas Heerschar zu zerschlagen, vermochten es die Sṛñjayas nicht, o König, denn sie wurde von Droṇa [selbst] beschützt.

Wort für Wort
yatamānāḥ prayatnena
sich bemühend mit Anstrengung (Nom.Pl.Part. + Instr.Sg.)
droṇānīkaviśātane
Droṇas Heerschar zu zerschlagen (Lok.Sg.)
na śekuḥ sṛñjayāḥ rājan
vermochten es die Sṛñjayas nicht, o König (Neg. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl. + Vok.Sg.)
tat hi droṇena pālitam
denn sie wurde von Droṇa beschützt (Pron.Nom.Sg. + Partikel + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)

[Anm.: V.19 bildet eine Einheit.]

tathaiva tava putrasya rathodārāḥ prahāriṇaḥ / na śekuḥ pāṇḍavīṃ senāṃ pālyamānāṃ kirīṭinā

Ebenso vermochten die auf stattlichen Wagen kämpfenden Krieger deines Sohnes es nicht [zu bezwingen] — das Heer der Pāṇḍavas, beschützt vom Diademträger [Arjuna].

Wort für Wort
tathā eva tava putrasya
ebenso deines Sohnes (Adv. + Partikel + Gen.Sg. + Gen.Sg.)
rathodārāḥ prahāriṇaḥ
die auf stattlichen Wagen kämpfenden Krieger (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
na śekuḥ pāṇḍavīm senām
vermochten es nicht — das Heer der Pāṇḍavas (Neg. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
pālyamānām kirīṭinā
beschützt vom Diademträger [Arjuna] (Akk.Sg.Part. + Instr.Sg.)

[Anm.: V.20 bildet eine Einheit.]

āstāṃ te stimite sene rakṣyamāṇe parasparam / saṃprasupte yathā naktaṃ vanarājyau supuṣpite

So standen jene beiden Heere reglos da, sich gegenseitig behütend, wie zwei nachts eingeschlafene, prächtig blühende Waldreihen.

Wort für Wort
āstām te stimite sene
so standen jene beiden reglosen Heere da (3.Du.Impf. + Pron.Nom.Du. + Nom.Du. + Nom.Du.)
rakṣyamāṇe parasparam
sich gegenseitig behütend (Nom.Du.Part. + Adv.)
saṃprasupte yathā naktam
wie [zwei] nachts eingeschlafene (Nom.Du.Part. + Adv. + Adv.)
vanarājyau supuṣpite
prächtig blühende Waldreihen (Nom.Du. + Nom.Du.)

[Anm.: V.21 bildet eine Einheit.]

tato rukmaratho rājann arkeṇeva virājatā / varūthinā viniṣpatya vyacarat pṛtanāntare

Da stürmte 'Rukmaratha' [Droṇa], o König, mit seinem Wagengeleit, strahlend wie die Sonne, hervor und durchzog die Mitte des Heeres.

Wort für Wort
tataḥ rukmarathaḥ rājan
da 'Rukmaratha' [Droṇa], o König (Adv. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
arkeṇa iva virājatā
strahlend wie die Sonne (Instr.Sg. + Partikel + Instr.Sg.Part.)
varūthinā viniṣpatya
mit seinem Wagengeleit hervorgestürmt (Instr.Sg. + Ger.)
vyacarat pṛtanāntare
durchzog die Mitte des Heeres (3.Sg.Impf. + Lok.Sg.)

[Anm.: V.22 bildet eine Einheit. 'Rukmaratha' ('der Goldwagen-Krieger') ist der bereits in Kap.7 als Beiname Droṇas eingeführte Ausdruck.]

tam udyataṃ rathenaikam āśukāriṇam āhave / anekam iva saṃtrāsān menire pāṇḍusṛñjayāḥ

Ihn, den auf dem einen Wagen Herandringenden, im Kampf rasch Handelnden, hielten die Pāṇḍus und Sṛñjayas vor Schrecken für [gleich] viele.

Wort für Wort
tam udyatam rathena ekam
ihn, den auf dem einen Wagen Herandringenden (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Instr.Sg. + Akk.Sg.)
āśukāriṇam āhave
im Kampf rasch Handelnden (Akk.Sg. + Lok.Sg.)
anekam iva saṃtrāsāt
vor Schrecken für [gleich] viele (Akk.Sg. + Partikel + Abl.Sg.)
menire pāṇḍusṛñjayāḥ
hielten die Pāṇḍus und Sṛñjayas (3.Pl.Perf.Med. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.23 bildet eine Einheit.]

tena muktāḥ śarā ghorā viceruḥ sarvatodiśam / trāsayanto mahārāja pāṇḍaveyasya vāhinīm

Die von ihm entsandten, furchtbaren Pfeile schwärmten nach allen Richtungen aus, o Großkönig, und versetzten das Heer der Pāṇḍu-Söhne in Schrecken.

Wort für Wort
tena muktāḥ śarāḥ ghorāḥ
die von ihm entsandten, furchtbaren Pfeile (Instr.Sg. + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
viceruḥ sarvatodiśam
schwärmten nach allen Richtungen aus (3.Pl.Perf. + Adv.)
trāsayantaḥ mahārāja
in Schrecken versetzend, o Großkönig (Nom.Pl.Part. + Vok.Sg.)
pāṇḍaveyasya vāhinīm
das Heer der Pāṇḍu-Söhne (Gen.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.24 bildet eine Einheit.]

madhyaṃ dinam anuprāpto gabhastiśatasaṃvṛtaḥ / yathādṛśyata gharmāṃśus tathā droṇo 'py adṛśyata

Wie die Mittagssonne erschien, die Mittagsstunde erreicht habend, von hundert Strahlen umhüllt, so erschien auch Droṇa.

Wort für Wort
madhyam dinam anuprāptaḥ
die Mittagsstunde erreicht habend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
gabhastiśatasaṃvṛtaḥ
von hundert Strahlen umhüllt (Nom.Sg.)
yathā adṛśyata gharmāṃśuḥ
wie die Mittagssonne erschien (Adv. + 3.Sg.Impf.Pass. + Nom.Sg.)
tathā droṇaḥ api adṛśyata
so erschien auch Droṇa (Adv. + Nom.Sg. + Partikel + 3.Sg.Impf.Pass.)

[Anm.: V.25 bildet eine Einheit; Droṇa mit der hocherreichten, von hundert Strahlen umhüllten Mittagssonne verglichen.]

na cainaṃ pāṇḍaveyānāṃ kaś cic chaknoti māriṣa / vīkṣituṃ samare kruddhaṃ mahendram iva dānavāḥ

Und keiner der Pāṇḍava-Krieger vermochte ihn, den im Kampf Erzürnten, o Verehrter, anzuschauen, wie die Dānavas nicht den großen Indra [anzuschauen vermögen].

Wort für Wort
na ca enam pāṇḍaveyānām
und ihn keiner der Pāṇḍava-Krieger (Neg. + Konj. + Akk.Sg. + Gen.Pl.)
kaḥ cit śaknoti māriṣa
vermag, o Verehrter (Nom.Sg. + Partikel + 3.Sg. + Vok.Sg.)
vīkṣitum samare kruddham
im Kampf den Erzürnten anzuschauen (Inf. + Lok.Sg. + Akk.Sg.)
mahendram iva dānavāḥ
wie die Dānavas den großen Indra [nicht anschauen können] (Akk.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)

[Anm.: V.26 bildet eine Einheit.]

mohayitvā tataḥ sainyaṃ bhāradvājaḥ pratāpavān / dhṛṣṭadyumnabalaṃ tūrṇaṃ vyadhaman niśitaiḥ śaraiḥ

Nachdem er das Heer betäubt hatte, zerschmetterte der glanzvolle Sohn des Bharadvāja [Droṇa] rasch die Streitmacht Dhṛṣṭadyumnas mit scharfgeschliffenen Pfeilen.

Wort für Wort
mohayitvā tataḥ sainyam
das Heer betäubt habend (Ger. + Adv. + Akk.Sg.)
bhāradvājaḥ pratāpavān
der glanzvolle Sohn des Bharadvāja (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
dhṛṣṭadyumnabalam tūrṇam
die Streitmacht Dhṛṣṭadyumnas rasch (Akk.Sg. + Adv.)
vyadhaman niśitaiḥ śaraiḥ
zerschmetterte mit scharfgeschliffenen Pfeilen (3.Sg.Impf. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)

[Anm.: V.27 bildet eine Einheit.]

sa diśaḥ sarvato ruddhvā saṃvṛtya kham ajihmagaiḥ / pārṣato yatra tatraiva mamṛde pāṇḍuvāhinīm

Nachdem er die Himmelsrichtungen von allen Seiten versperrt und den Luftraum mit geradefliegenden [Pfeilen] überdeckt hatte, zermalmte er das Pāṇḍu-Heer, wo immer der Pāñcāla-Sohn [Dhṛṣṭadyumna war].

Wort für Wort
sa diśaḥ sarvataḥ ruddhvā
er, die Himmelsrichtungen von allen Seiten versperrt habend (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Adv. + Ger.)
saṃvṛtya kham ajihmagaiḥ
und den Luftraum mit geradefliegenden [Pfeilen] überdeckt habend (Ger. + Akk.Sg. + Instr.Pl.)
pārṣataḥ yatra tatra eva
wo immer der Pāñcāla-Sohn [war] (Nom.Sg. + Rel.Adv. + Adv. + Partikel)
mamṛde pāṇḍuvāhinīm
zermalmte er das Pāṇḍu-Heer (3.Sg.Perf.Med. + Akk.Sg.)

[Anm.: V.28 bildet eine Einheit; Kapitelschluss.]

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