Kapitel 49: Ṣoḍaśarājakīya
Yudhiṣṭhiras Klage und die Erzählung von den sechzehn Königen
Ein außergewöhnlich umfangreiches Kapitel: Nach Abhimanyus Tod klagt Yudhiṣṭhira bitter; Vyāsa erscheint und tröstet ihn, zunächst mit allgemeinen Worten, dann - auf Yudhiṣṭhiras tiefgründige Frage nach dem Wesen des Todes hin - mit der berühmten, eigenständig überlieferten Erzählung 'Ṣoḍaśarājakīya' ('Von den sechzehn Königen'), die Vyāsa seinerseits als eine einst von Nārada erzählte Geschichte wiedergibt: zunächst der Mythos vom Ursprung des Todes (Mṛtyu) aus Brahmās Zorn, erzählt an König Akampana, dessen Sohn Hari gefallen war; sodann, an König Sṛñjaya gerichtet (dessen Sohn Suvarṇaṣṭhīvin von Räubern getötet wurde), der Katalog von sechzehn ruhmreichen Königen der Vorzeit, die trotz all ihres Verdienstes gestorben sind - mit dem immer wiederkehrenden Refrain 'auch er starb, Sṛñjaya, doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht'. Am Ende erhält Sṛñjaya seinen Sohn durch Nāradas Gunst lebendig zurück, und Yudhiṣṭhira, getröstet, kehrt zur Gegenwart zurück.
Zur Zitatmarkierung: Diese Erzählung ist mehrfach verschachtelt (Saṃjaya berichtet Dhṛtarāṣṭra > Vyāsa spricht zu Yudhiṣṭhira > darin erzählt Nārada dem Akampana bzw. Sṛñjaya > darin sprechen wiederum Brahmā, Sthāṇu/Śiva und Mṛtyu miteinander). Da das in dieser Ausgabe verwendete Markierungssystem nur zwei Verschachtelungsebenen (CQ und SQ) vorsieht, diese Passage aber vier ineinander verschachtelte Redeebenen aufweist, wird hier abweichend vereinfacht: Vyāsas gesamte Rede an Yudhiṣṭhira - von ihrem Beginn bis zu seinem Verschwinden am Kapitelende - bildet EINE durchgehende CQ-Einheit; alle darin eingebetteten weiteren Redebeiträge (Nārada, Akampana, Brahmā, Sthāṇu, Mṛtyu, Sṛñjaya) werden als fließende, durch eindeutige Sprechverben ('sprach', 'erwiderte', 'fragte') gekennzeichnete berichtete Rede wiedergegeben, ohne weitere Anführungszeichen-Verschachtelung. Diese Vereinfachung ist redaktionell und wird hier einmalig dokumentiert.
tasmiṃs tu nihate vīre saubhadre rathayūthape vimuktarathasaṃnāhāḥ sarve nikṣiptakārmukāḥ upopaviṣṭā rājānaṃ parivārya yudhiṣṭhiram tad eva duḥkhaṃ dhyāyantaḥ saubhadragatamānasāḥ
Als jener Held, Saubhadra, der Wagenscharenführer, erschlagen war, lösten alle ihre Wagengeschirre und legten ihre Bogen nieder; sie setzten sich nahe zum König Yudhiṣṭhira, ihn umringend, nur an jenen Schmerz denkend, ihre Gedanken ganz bei Saubhadra.
Wort für Wort
tasmiṃs tu nihate vīre
als jener Held erschlagen war (Lok.Sg. + Partikel + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
saubhadre rathayūthape
Saubhadra, der Wagenscharenführer (Lok.Sg. + Lok.Sg.Kompositum)
vimuktarathasaṃnāhāḥ sarve
alle lösten ihre Wagengeschirre (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
nikṣiptakārmukāḥ
und legten ihre Bogen nieder (Nom.Pl.Kompositum)
upopaviṣṭā rājānaṃ
setzten sich nahe zum König (Nom.Pl.Ptz. + Akk.Sg.)
parivārya yudhiṣṭhiram
Yudhiṣṭhira umringend (Ger. + Akk.Sg.)
tad eva duḥkhaṃ dhyāyantaḥ
nur an jenen Schmerz denkend (Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Nom.Pl.Ptz.)
saubhadragatamānasāḥ
ihre Gedanken ganz bei Saubhadra (Nom.Pl.Kompositum)
[Anm.: V.1-2 bilden eine Einheit und eröffnen das Kapitel mit dem Bild der trauernden, kampfmüden Krieger um Yudhiṣṭhira.]
tato yudhiṣṭhiro rājā vilalāpa suduḥkhitaḥ abhimanyau hate vīre bhrātuḥ putre mahārathe eṣa karṇaṃ kṛpaṃ śalyaṃ rājānaṃ ca suyodhanam droṇaṃ drauṇiṃ maheṣvāsaṃ tathaivānyān mahārathān
Da klagte König Yudhiṣṭhira, überaus schmerzerfüllt, als der Held Abhimanyu, der Sohn seines Bruders, der große Wagenkämpfer, erschlagen war: „Dieser hat Karṇa, Kṛpa, Śalya und König Suyodhana, Droṇa, Drauṇi [Aśvatthāman], den großen Bogenschützen, und ebenso andere große Wagenkämpfer [durchbrochen] —
Droṇa, Drauṇi, den großen Bogenschützen (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
tathaivānyān mahārathān
und ebenso andere große Wagenkämpfer (Adv. + Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
[Anm.: V.3 (mit Einschub *0338_00-02) bildet eine Einheit und eröffnet Yudhiṣṭhiras Klage. Der Satz bleibt zunächst grammatisch offen (kein Hauptverb) und wird erst in den folgenden Versen fortgeführt; hier mit Gedankenstrich markiert.]
das dichtgedrängte Heer Droṇas [durchbrochen] — mir zuliebe [dies] zu tun wünschend, nachdem er Scharen von Feinden erschlagen hatte, liegt dieser Held nun gefällt: waffenkundige, kampferfahrene, große Bogenschützen von gewaltiger Kraft, Helden, mit Geschlecht, Sitte und Tugend ausgestattet, von berühmter Mannhaftigkeit — die von Droṇa aufgestellte Schlachtordnung, unzerbrechlich selbst für die Unsterblichen, von uns nie zuvor gesehen, das Lotos-[Vyūha] — er, der den Diskus als Waffe liebt [Kṛṣṇa-gleich? oder: dem der Diskus als Waffe lieb ist],
Wort für Wort
droṇānīkam asaṃbādhaṃ
das dichtgedrängte Heer Droṇas (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
mama priyacikīrṣayā
mir zuliebe, [dies] zu tun wünschend (Gen.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
hatvā śatrugaṇān vīra eṣa
Scharen von Feinden erschlagen habend, dieser Held (Ger. + Akk.Pl.Kompositum + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
bhittvā vyūhaṃ praviṣṭo 'sau gomadhyam iva kesarī cikrīḍitaṃ raṇe tena nighnatā vai parān varān
hat er durchbrochen und ist eingedrungen, wie ein Löwe mitten unter eine Kuhherde; damit hat er im Kampf sein Spiel getrieben, indem er die vorzüglichsten der Feinde erschlug.
Wort für Wort
bhittvā vyūhaṃ praviṣṭo 'sau
hat er die Schlachtordnung durchbrochen und ist eingedrungen (Ger. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
gomadhyam iva kesarī
wie ein Löwe mitten unter eine Kuhherde (Akk.Sg.Kompositum + Partikel + Nom.Sg.)
cikrīḍitaṃ raṇe tena
damit hat er im Kampf sein Spiel getrieben (Nom.Sg.Ptz. + Lok.Sg. + Instr.Sg.)
nighnatā vai parān varān
indem er die vorzüglichsten der Feinde erschlug (Instr.Sg.Ptz. + Partikel + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
[Anm.: V.4c-d (mit Einschub *0340_01) bildet eine Einheit und schließt den langen, grammatisch fortlaufenden Satz von V.3-4 ab: Abhimanyu hat das unbezwingbare Padma-Vyūha durchbrochen wie ein Löwe eine Kuhherde.]
Er, vor dem tapfere, große Bogenschützen, die ihm im Kampf entgegentraten, gebrochen zurückweichen — waffenkundige, im Kampf unbezähmbare — durch den Duḥśāsana, unser ärgster Feind, mit Pfeilen rasch, als er ihm gegenübertrat, im Kampf besinnungslos gemacht und in die Flucht geschlagen wurde —
Wort für Wort
yasya śūrā maheṣvāsāḥ
er, vor dem tapfere große Bogenschützen (Gen.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
pratyanīkagatā raṇe
die ihm im Kampf entgegentraten (Nom.Pl.Kompositum + Lok.Sg.)
er, der Held, hat den schwer zu durchquerenden großen Ozean von Droṇas Heer durchquert, den furchtbaren, von Helden-Krokodilen wimmelnden — und ihn furchtlos durchquerend, erreichte Kārṣṇi Dauḥśāsani und ging in Vaivasvatas [Yamas] Reich der Vernichtung ein.
Wort für Wort
sa tīrtvā dustaraṃ vīro
er, der Held, durchquert habend den schwer zu durchquerenden (Nom.Sg. + Ger. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
droṇānīkamahārṇavam
großen Ozean von Droṇas Heer (Akk.Sg.Kompositum)
śūragrāhākulaṃ bhīmaṃ
den furchtbaren, von Helden-Krokodilen wimmelnden (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
tīrtvā cainam abhītavat
und ihn furchtlos durchquerend (Ger. + Konj. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
ging in Vaivasvatas Reich der Vernichtung ein (Nom.Sg.Ptz. + Akk.Sg.Kompositum)
[Anm.: V.7 (mit Einschub *0341_01) bildet eine Einheit und schließt die Reihe der Vergleichsbilder für Abhimanyus letzten Kampf ab; das Bild vom 'Heeres-Ozean' mit 'Helden-Krokodilen' ist ein gängiges episches Motiv.]
Wie soll ich, wenn Saubhadra erschlagen ist, dem Sohn der Kuntī, Arjuna, ins Auge sehen — oder der hochbeglückten Subhadrā, die ihren geliebten Sohn nicht [wieder] sehen wird, wie eine Kuh, der das Kalb genommen wurde, [immerfort] ausschauend nach dessen Anblick?
Wort für Wort
kathaṃ drakṣyāmi kaunteyaṃ
wie soll ich dem Sohn der Kuntī ins Auge sehen (Adv. + 1.Sg.Fut. + Akk.Sg.)
saubhadre nihate 'rjunam
wenn Saubhadra erschlagen ist, Arjuna (Lok.Sg. + Lok.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
subhadrāṃ vā mahābhāgāṃ
oder der hochbeglückten Subhadrā (Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg.Kompositum)
priyaṃ putram apaśyatīm
die ihren geliebten Sohn nicht sehen wird (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
hatavatsāṃ yathā dhenuṃ
wie eine Kuh, der das Kalb genommen wurde (Akk.Sg.Kompositum + Adv. + Akk.Sg.)
taddarśanakṛtonmukhīm
ausschauend nach dessen Anblick (Akk.Sg.Kompositum)
[Anm.: V.8 (mit Einschub *0342_01) bildet eine Einheit — Yudhiṣṭhiras Furcht vor der Begegnung mit Arjuna und Subhadrā.]
kiṃ svid vayam apetārtham aśliṣṭam asamañjasam tāv ubhau prativakṣyāmo hṛṣīkeśadhanaṃjayau aham eva subhadrāyāḥ keśavārjunayor api priyakāmo jayākāṅkṣī kṛtavān idam apriyam
Was werden wir beiden, Hṛṣīkeśa [Kṛṣṇa] und Dhanaṃjaya [Arjuna], wohl erwidern — etwas Sinnloses, Unpassendes, Ungereimtes? Ich allein bin es, der, ihnen zuliebe wollend und nach Sieg strebend, Subhadrā sowohl als auch Keśava und Arjuna dieses Unliebe angetan hat.
Wort für Wort
kiṃ svid vayam apetārtham
was werden wir wohl - etwas Sinnloses (Partikel + Partikel + Nom.Pl. + Akk.Sg.Kompositum)
aśliṣṭam asamañjasam
Unpassendes, Ungereimtes (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
tāv ubhau prativakṣyāmo
diesen beiden werden wir erwidern (Akk.Du. + Akk.Du. + 1.Pl.Fut.)
hṛṣīkeśadhanaṃjayau
Hṛṣīkeśa und Dhanaṃjaya (Akk.Du.Kompositum)
aham eva subhadrāyāḥ
ich allein der Subhadrā (Nom.Sg. + Partikel + Gen.Sg.)
keśavārjunayor api
sowohl als auch Keśava und Arjuna (Gen.Du.Kompositum + Partikel)
priyakāmo jayākāṅkṣī
ihnen zuliebe wollend, nach Sieg strebend (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
kṛtavān idam apriyam
hat dieses Unliebe angetan (Nom.Sg.Ptz. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.9-10 bilden eine Einheit — Yudhiṣṭhiras Selbstvorwurf, der für die getroffene Entscheidung, Abhimanyu ins Vyūha zu schicken, die alleinige Verantwortung übernimmt.]
na lubdho budhyate doṣān mohāl lobhaḥ pravartate madhu lipsur hi nāpaśyaṃ prapātam idam īdṛśam
Der Gierige erkennt seine Fehler nicht; aus Verblendung entspringt die Gier; denn nach Honig [Erfolg] verlangend, sah ich diesen Abgrund solcher Art nicht voraus.
Wort für Wort
na lubdho budhyate doṣān
der Gierige erkennt seine Fehler nicht (Neg. + Nom.Sg.Ptz. + 3.Sg.Präs.Med. + Akk.Pl.)
mohāl lobhaḥ pravartate
aus Verblendung entspringt die Gier (Abl.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Med.)
madhu lipsur hi nāpaśyaṃ
denn nach Honig verlangend, sah ich nicht (Akk.Sg. + Nom.Sg.Desid. + Partikel + Neg. + 1.Sg.Impf.)
prapātam idam īdṛśam
diesen Abgrund solcher Art (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.11 bildet eine Einheit — ein sentenzhafter, selbstanklagender Vers.]
yo hi bhojye puraskāryo yāneṣu śayaneṣu ca bhūṣaṇeṣu ca so 'smābhir bālo yudhi puraskṛtaḥ kathaṃ hi bālas taruṇo yuddhānām aviśāradaḥ sadaśva iva saṃbādhe viṣame kṣemam arhati no ced dhi vayam apy enaṃ mahīm anuśayīmahi bībhatsoḥ kopadīptasya dagdhāḥ kṛpaṇacakṣuṣā
Er, der beim Mahl, bei Fahrzeugen, Lagerstätten und Schmuckstücken an erster Stelle gestellt werden sollte — dieser Knabe wurde von uns im Kampf an die erste Stelle gestellt! Wie sollte denn ein Knabe, jung, in Kämpfen unerfahren, wie ein edles Rosses in bedrängter, gefährlicher Lage, Heil erlangen? Wenn nicht, sollten auch wir uns der Erde anheimgeben — verbrannt vom mitleiderregenden Blick des zornentflammten Bībhatsu [Arjuna].
Wort für Wort
yo hi bhojye puraskāryo
er, der beim Mahl vorangestellt werden sollte (Nom.Sg. + Partikel + Lok.Sg. + Nom.Sg.Ger.)
yāneṣu śayaneṣu ca
bei Fahrzeugen und Lagerstätten (Lok.Pl. + Lok.Pl. + Konj.)
bhūṣaṇeṣu ca so 'smābhir
und bei Schmuckstücken, dieser von uns (Lok.Pl. + Konj. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
bālo yudhi puraskṛtaḥ
der Knabe wurde im Kampf vorangestellt (Nom.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
kathaṃ hi bālas taruṇo
wie sollte denn ein Knabe, jung (Adv. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
yuddhānām aviśāradaḥ
in Kämpfen unerfahren (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
sadaśva iva saṃbādhe viṣame
wie ein edles Roß in bedrängter, gefährlicher Lage (Nom.Sg.Kompositum + Partikel + Lok.Sg. + Lok.Sg.)
kṣemam arhati
Heil erlangen (Akk.Sg. + 3.Sg.Präs.)
no ced dhi vayam apy enaṃ
wenn nicht, sollten auch wir uns dieser (Neg. + Konj. + Partikel + Nom.Pl. + Partikel + Akk.Sg.)
mahīm anuśayīmahi
der Erde anheimgeben (Akk.Sg. + 1.Pl.Opt.Med.)
bībhatsoḥ kopadīptasya
des zornentflammten Bībhatsu (Gen.Sg. + Gen.Sg.Kompositum)
dagdhāḥ kṛpaṇacakṣuṣā
verbrannt vom mitleiderregenden Blick (Nom.Pl.Ptz. + Instr.Sg.Kompositum)
[Anm.: V.12-14 bilden eine Einheit — der Höhepunkt von Yudhiṣṭhiras Selbstanklage: Der Knabe, der eigentlich in allem bevorzugt hätte werden sollen, wurde stattdessen im Kampf vorangestellt; und schon jetzt fürchtet Yudhiṣṭhira den kommenden Zornesblick Arjunas.]
Unbegehrlich, klug, ehrbewusst, geduldig, schön von Gestalt, kraftvoll, von stattlichem Wuchs, Ehre erweisend, heldenhaft, liebenswert, der Wahrheit ergeben — er, dessen Taten die Weisen preisen, von mächtiger Tatkraft: er, der Kraftvolle, hat die Nivātakavacas erschlagen und die Kālakeyas, die Feinde des großen Indra, die in Hiraṇyapura wohnten; im Augenblick eines Wimpernschlags wurden die Paulomas samt ihrem Gefolge getötet.
liebenswert, der Wahrheit ergeben (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
yasya ślāghanti vibudhāḥ
dessen Taten die Weisen preisen (Gen.Sg. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
karmāṇy ūrjitakarmaṇaḥ
die Taten [dessen], von mächtiger Tatkraft (Akk.Pl. + Gen.Sg.Kompositum)
nivātakavacāñ jaghne
die Nivātakavacas hat er erschlagen (Akk.Pl. + 3.Sg.Perf.Med.)
kālakeyāṃś ca vīryavān
und die Kālakeyas, der Kraftvolle (Akk.Pl. + Konj. + Nom.Sg.Kompositum)
mahendraśatravo yena
die Feinde des großen Indra, durch ihn (Nom.Pl.Kompositum + Instr.Sg.)
hiraṇyapuravāsinaḥ
die in Hiraṇyapura wohnten (Nom.Pl.Kompositum)
akṣṇor nimeṣamātreṇa
im Augenblick eines Wimpernschlags (Gen.Du. + Instr.Sg.Kompositum)
paulomāḥ sagaṇā hatāḥ
wurden die Paulomas samt ihrem Gefolge getötet (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.Ptz.)
[Anm.: V.15-17 bilden eine Einheit. Der Bezug ist hier nicht mehr Abhimanyu, sondern dessen Vater Arjuna: die genannten Taten — Sieg über die Nivātakavacas, Kālakeyas und Paulomas in Hiraṇyapura — sind Arjunas berühmte Waffentaten während seines Aufenthalts in Indras Himmel (Vanaparva). Yudhiṣṭhiras Klage wendet sich damit dem kommenden Schmerz Arjunas zu, dessen eigener Sohn nun tot ist, obwohl Arjuna selbst so gewaltige Feinde bezwang.]
parebhyo 'py abhayārthibhyo yo dadāty abhayaṃ vibhuḥ tasyāsmābhir na śakitas trātum adyātmajo bhayāt bhayaṃ tu sumahat prāptaṃ dhārtarāṣṭraṃ mahad balam pārthaḥ putravadhāt kruddhaḥ kauravāñ śoṣayiṣyati kṣudraḥ kṣudrasahāyaś ca svapakṣakṣayam āturaḥ vyaktaṃ duryodhano dṛṣṭvā śocan hāsyati jīvitam
Er, der Gewaltige, der selbst Feinden, die um Schutz bitten, Sicherheit gewährt — dessen eigener Sohn konnte heute von uns nicht vor der Gefahr bewahrt werden! Eine überaus große Gefahr aber ist über das gewaltige Heer der Dhārtarāṣṭras gekommen: Pārtha [Arjuna], zornentbrannt über den Tod seines Sohnes, wird die Kauravas vertrocknen lassen [vernichten]. Der elende Duryodhana, mit elenden Helfern, gequält vom Untergang seiner eigenen Partei, wird, wenn er dies offenkundig erkennt, trauernd sein Leben von sich werfen.
Wort für Wort
parebhyo 'py abhayārthibhyo
auch den Feinden, die um Schutz bitten (Dat.Pl. + Partikel + Dat.Pl.Kompositum)
yo dadāty abhayaṃ vibhuḥ
er, der Gewaltige, gewährt Sicherheit (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
tasyāsmābhir na śakitas
dessen [Sohn] konnte von uns nicht (Gen.Sg. + Instr.Pl. + Neg. + Nom.Sg.Ptz.)
trātum adyātmajo bhayāt
heute vor der Gefahr bewahrt werden, sein Sohn (Inf. + Adv. + Nom.Sg.Kompositum + Abl.Sg.)
bhayaṃ tu sumahat prāptaṃ
eine überaus große Gefahr ist gekommen (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
dhārtarāṣṭraṃ mahad balam
über das gewaltige Heer der Dhārtarāṣṭras (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
pārthaḥ putravadhāt kruddhaḥ
Pārtha, zornentbrannt über den Tod des Sohnes (Nom.Sg. + Abl.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
kauravāñ śoṣayiṣyati
wird die Kauravas vertrocknen lassen (Akk.Pl. + 3.Sg.Fut.)
kṣudraḥ kṣudrasahāyaś ca
der Elende, mit elenden Helfern (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Konj.)
svapakṣakṣayam āturaḥ
gequält vom Untergang seiner eigenen Partei (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
vyaktaṃ duryodhano dṛṣṭvā
wenn Duryodhana dies offenkundig erkennt (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Ger.)
śocan hāsyati jīvitam
wird er trauernd sein Leben von sich werfen (Nom.Sg.Ptz. + 3.Sg.Fut. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.18-20 bilden eine Einheit — die Klage mündet in eine düstere Vorahnung von Arjunas kommendem Zorn und Duryodhanas künftiger Verzweiflung.]
na me jayaḥ prītikaro na rājyaṃ na cāmaratvaṃ na suraiḥ salokatā imaṃ samīkṣyāprativīryapauruṣaṃ nipātitaṃ devavarātmajātmajam
Kein Sieg erfreut mich, kein Königreich, keine Unsterblichkeit, keine Gemeinschaft mit den Göttern in derselben Welt — da ich diesen sehe, dessen Mannhaftigkeit und Kraft unvergleichlich waren, niedergestreckt, den Sohn des Sohnes des besten der Götter [Indra, über Arjuna].“
evaṃ vilapamāne tu kuntīputre yudhiṣṭhire kṛṣṇadvaipāyanas tatra ājagāma mahān ṛṣiḥ tam arcitvā yathānyāyam upaviṣṭaṃ yudhiṣṭhiraḥ abravīc chokasaṃtapto bhrātuḥ putravadhena saḥ
Während der Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, so klagte, kam dorthin Kṛṣṇadvaipāyana [Vyāsa], der große Ṛṣi; nachdem Yudhiṣṭhira ihn gebührend geehrt hatte und er sich gesetzt hatte, sprach er, von Kummer über den Tod des Brudersohnes versengt:
Wort für Wort
evaṃ vilapamāne tu
während so klagte (Adv. + Lok.Sg.Ptz. + Partikel)
kuntīputre yudhiṣṭhire
der Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira (Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg.)
kam der große Ṛṣi (3.Sg.Perf. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
tam arcitvā yathānyāyam
ihn gebührend geehrt habend (Akk.Sg. + Ger. + Adv.)
upaviṣṭaṃ yudhiṣṭhiraḥ
als er sich gesetzt hatte, Yudhiṣṭhira (Akk.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
abravīc chokasaṃtapto
sprach er, von Kummer versengt (3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Kompositum)
bhrātuḥ putravadhena saḥ
er, über den Tod des Brudersohnes (Gen.Sg. + Instr.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
[Anm.: Beginn des großen Einschubs *@008 zu V.21d — Vyāsas Ankunft. Von hier an beginnt eine mehrfach verschachtelte Rede- und Erzählstruktur; siehe die Erläuterung im Kapitel-Vorspann zur vereinfachten Zitatmarkierung.]
adharmayuktair bahubhiḥ parivārya mahārathaiḥ yudhyamāno maheṣvāsaiḥ saubhadro nihato raṇe bālaś cābālabuddhiś ca saubhadraḥ paravīrahā anupāyena saṃgrāme yudhyamāno vināśitaḥ mayā proktaḥ sa saṃgrāme dvāraṃ saṃjanayasva naḥ praviṣṭe ca parāṃs tasmin saindhavena sma vāritāḥ
„Von vielen unrecht handelnden großen Wagenkämpfern umringt, kämpfend gegen große Bogenschützen, wurde Saubhadra im Kampf erschlagen — ein Knabe, doch keineswegs von knabenhaftem Verstand, Saubhadra, der Feindeshelden-Töter; ohne rechtes Mittel [unfair] kämpfend im Kampf wurde er vernichtet. Von mir war ihm aufgetragen worden: 'Schaffe für uns im Kampf eine Bresche [ins feindliche Heer]'; und als er eingedrungen war, wurden wir [die ihm folgen sollten] von dem Saindhava [Jayadratha] aufgehalten.
Wort für Wort
adharmayuktair bahubhiḥ
von vielen unrecht handelnden (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.)
parivārya mahārathaiḥ
umringt von großen Wagenkämpfern (Ger. + Instr.Pl.Kompositum)
yudhyamāno maheṣvāsaiḥ
kämpfend gegen große Bogenschützen (Nom.Sg.Ptz. + Instr.Pl.Kompositum)
saubhadro nihato raṇe
wurde Saubhadra im Kampf erschlagen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
bālaś cābālabuddhiś ca
ein Knabe, doch keineswegs von knabenhaftem Verstand (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Kompositum + Konj.)
saubhadraḥ paravīrahā
Saubhadra, der Feindeshelden-Töter (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
anupāyena saṃgrāme
ohne rechtes Mittel im Kampf (Instr.Sg. + Lok.Sg.)
yudhyamāno vināśitaḥ
kämpfend wurde er vernichtet (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Ptz.)
mayā proktaḥ sa saṃgrāme
von mir war ihm aufgetragen im Kampf (Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
dvāraṃ saṃjanayasva naḥ
schaffe für uns eine Bresche (Akk.Sg. + Imp.2.Sg.Med. + Gen.Pl.)
praviṣṭe ca parāṃs tasmin
und als er eingedrungen war unter die Feinde (Lok.Sg.Ptz. + Konj. + Akk.Pl. + Lok.Sg.)
saindhavena sma vāritāḥ
wurden wir vom Saindhava aufgehalten (Instr.Sg. + Partikel + Nom.Pl.Ptz.)
[Anm.: 008_0004-0010 bilden eine Einheit — Yudhiṣṭhira berichtet Vyāsa vom unfairen Kampf. Hier beginnt Regione 2 der vereinfachten CQ-Markierung (Yudhiṣṭhiras Bericht an Vyāsa); Yudhiṣṭhiras eigener eingebetteter Befehl an Abhimanyu ('Schaffe eine Bresche') wird, der Übersichtlichkeit wegen, nicht mit einer weiteren Anführungsebene markiert, sondern durch einfache Anführungszeichen abgesetzt.]
Ist es nicht so, dass ein gleichmäßiger [fairer] Kampf von denen, die vom Kampf leben, angestrebt werden sollte? Dies aber war ein ungleichmäßiger Kampf solcher Art, von den Feinden angezettelt. Deswegen bin ich heftig gequält, verwirrt von Kummertränen; ich finde keine Ruhe, immer wieder darüber nachsinnend.“
Wort für Wort
nanu nāma samaṃ yuddham
ist es nicht so, ein gleichmäßiger Kampf (Partikel + Partikel + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
eṣṭavyaṃ yuddhajīvibhiḥ
sollte angestrebt werden von denen, die vom Kampf leben (Nom.Sg.Ger. + Instr.Pl.Kompositum)
idaṃ caivāsamaṃ yuddham
dies aber war ein ungleichmäßiger Kampf (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
īdṛśaṃ prakṛtaṃ paraiḥ
solcher Art, von den Feinden angezettelt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Instr.Pl.)
tenāsmi bhṛśasaṃtaptaḥ
deswegen bin ich heftig gequält (Instr.Sg. + 1.Sg.Präs. + Nom.Sg.Kompositum)
śokabāṣpasamākulaḥ
verwirrt von Kummertränen (Nom.Sg.Kompositum)
śamaṃ naivādhigacchāmi
ich finde keine Ruhe (Akk.Sg. + Neg. + Partikel + 1.Sg.Präs.)
cintayānaḥ punaḥ punaḥ
immer wieder darüber nachsinnend (Nom.Sg.Ptz. + Adv. + Adv.)
[Anm.: 008_0011-0014 bildet eine Einheit und schließt Yudhiṣṭhiras Bericht ab (Ende Region 2).]
yudhiṣṭhira mahāprājña sarvaśāstraviśārada vyasaneṣu na muhyanti tvādṛśā bharatarṣabha svargam eṣa gataḥ śūraḥ śatrūn hatvā bahūn raṇe abālasadṛśaṃ karma kṛtvā vai puruṣottamaḥ anatikramaṇīyo vai vidhir eṣa yudhiṣṭhira devadānavagandharvān mṛtyur harati bhārata
„Yudhiṣṭhira, hochweiser, in allen Lehrschriften bewanderter — Männer wie du verlieren in Unglücksfällen nicht die Fassung, Stier der Bharatas! Zum Himmel ist dieser Held eingegangen, nachdem er viele Feinde im Kampf erschlagen hatte, ein Werk vollbracht habend, das keineswegs einem Knaben glich, der beste der Männer. Unüberschreitbar ist diese Fügung, Yudhiṣṭhira; Götter, Dānavas und Gandharvas rafft der Tod dahin, Bhārata.“
ime vai pṛthivīpālāḥ śerate pṛthivītale nihatāḥ pṛtanāmadhye mṛtasaṃjñā mahābalāḥ nāgāyutabalāś cānye vāyuvegabalās tathā naiṣāṃ paśyāmi hantāraṃ prāṇināṃ saṃyuge kva cit vikrameṇopapannā hi tejobalasamanvitāḥ
„Diese Erdenhüter liegen da auf dem Erdboden, erschlagen mitten im Heer, 'tot' genannt, von gewaltiger Kraft — andere von der Kraft zehntausend Elefanten, ebenso windschnell an Kraft; ihren Töter sehe ich nirgends unter den Lebewesen im Kampf — sie waren doch mit Heldenmut ausgestattet, mit Glanz und Kraft versehen!
Wort für Wort
ime vai pṛthivīpālāḥ
diese Erdenhüter (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl.Kompositum)
śerate pṛthivītale
liegen da auf dem Erdboden (3.Pl.Präs.Med. + Lok.Sg.Kompositum)
nihatāḥ pṛtanāmadhye
erschlagen mitten im Heer (Nom.Pl.Ptz. + Lok.Sg.Kompositum)
mṛtasaṃjñā mahābalāḥ
'tot' genannt, von gewaltiger Kraft (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.Kompositum)
nāgāyutabalāś cānye
andere von der Kraft zehntausend Elefanten (Nom.Pl.Kompositum + Konj. + Nom.Pl.)
vāyuvegabalās tathā
ebenso windschnell an Kraft (Nom.Pl.Kompositum + Adv.)
naiṣāṃ paśyāmi hantāraṃ
ihren Töter sehe ich nicht (Neg. + Gen.Pl. + 1.Sg.Präs. + Akk.Sg.)
prāṇināṃ saṃyuge kva cit
unter den Lebewesen im Kampf nirgends (Gen.Pl. + Lok.Sg. + Adv.)
vikrameṇopapannā hi
sie waren doch mit Heldenmut ausgestattet (Instr.Sg. + Nom.Pl.Ptz. + Partikel)
tejobalasamanvitāḥ
mit Glanz und Kraft versehen (Nom.Pl.Kompositum)
[Anm.: 008_0023-0026 bildet eine Einheit — Yudhiṣṭhiras tiefgründige Frage nach dem Wesen des Todes beginnt (Region 4).]
atha ceme hatāḥ prājñāḥ śerate vigatāyuṣaḥ mṛtā iti ca śabdo 'yaṃ vartate ca gatārthavat ime mṛtā mahīpālāḥ prāyaśo bhīmavikramāḥ rājaputrāś ca saṃrabdhā vaiśvānaramukhaṃ gatāḥ atra me saṃśayaḥ prāptaḥ kutaḥ saṃjñā mṛtā iti kasya mṛtyuḥ kuto mṛtyuḥ kena mṛtyur imāḥ prajāḥ haraty amarasaṃkāśa tan me brūhi pitāmaha
Und doch liegen diese weisen [Männer] erschlagen, des Lebens beraubt; und dieses Wort 'tot' wird gebraucht, als hätte es einen [wirklichen] Sinn — diese toten Erdenhüter, meist von furchtbarer Kampfkraft, und die erzürnten Königssöhne sind ins Antlitz des Feuers [Vaiśvānara, d.h. auf den Scheiterhaufen] eingegangen. Hierüber ist mir ein Zweifel gekommen: Woher [kommt] die Vorstellung 'tot'? Wessen ist der Tod, woher der Tod, wodurch [kommt] diesen Geschöpfen der Tod? — Der du den Unsterblichen gleichst, sage mir dies, Großvater!“
Wort für Wort
atha ceme hatāḥ prājñāḥ
und doch liegen diese weisen erschlagen (Adv. + Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.)
śerate vigatāyuṣaḥ
liegen da, des Lebens beraubt (3.Pl.Präs.Med. + Nom.Pl.Kompositum)
mṛtā iti ca śabdo 'yaṃ
und dieses Wort 'tot' (Nom.Pl.Ptz. + Partikel + Konj. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
vartate ca gatārthavat
wird gebraucht, als hätte es einen Sinn (3.Sg.Präs.Med. + Konj. + Adv.)
ime mṛtā mahīpālāḥ
diese toten Erdenhüter (Nom.Pl. + Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.Kompositum)
prāyaśo bhīmavikramāḥ
meist von furchtbarer Kampfkraft (Adv. + Nom.Pl.Kompositum)
rājaputrāś ca saṃrabdhā
und die erzürnten Königssöhne (Nom.Pl.Kompositum + Konj. + Nom.Pl.Ptz.)
vaiśvānaramukhaṃ gatāḥ
sind ins Antlitz des Feuers eingegangen (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Pl.Ptz.)
atra me saṃśayaḥ prāptaḥ
hierüber ist mir ein Zweifel gekommen (Adv. + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
[Anm.: 008_0027-0034 bildet eine Einheit — der Kern von Yudhiṣṭhiras philosophischer Frage. Der Sprecher-Wechsel 'saṃjaya uvāca' im Quelltext an dieser Stelle scheint ein apparatbedingter Fehler zu sein [?], da der Inhalt erkennbar Yudhiṣṭhiras Frage fortsetzt; er wird hier stillschweigend der laufenden Rede Yudhiṣṭhiras zugerechnet (Ende Region 4).]
„Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte, die einst von Nārada dem Akampana erzählt wurde, o König. Auch jener König erlitt, o König der Könige, meiner Ansicht nach das höchste, in der Welt schier unerträgliche Unglück des Sohnesverlustes. Diesen, den höchsten Ursprung des Todes, will ich dir nun verkünden; dann wirst du von dem Leid befreit werden, das aus der Fessel der Zuneigung entspringt. Höre dieses einst Geschehene, wie ich es erzähle, lieber Sohn — eine glückverheißende, lebensspendende, kummervertreibende, kraftmehrende Erzählung.
Wort für Wort
atrāpy udāharantīmam
auch hierzu erzählt man diese (Adv. + Partikel + 3.Pl.Präs. + Akk.Sg.)
itihāsaṃ purātanam
alte Geschichte (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
akampanasya kathitaṃ
die dem Akampana erzählt wurde (Gen.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
nāradena purā nṛpa
einst von Nārada, o König (Instr.Sg. + Adv. + Vok.Sg.)
sa cāpi rājā rājendra
auch jener König, o König der Könige (Nom.Sg. + Konj. + Partikel + Nom.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
putravyasanam uttamam
das höchste Unglück des Sohnesverlustes (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
aprasahyatamaṃ loke
in der Welt schier unerträglich (Akk.Sg. + Lok.Sg.)
prāptavān iti me matiḥ
erlitt, so ist meine Ansicht (Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
tad ahaṃ saṃpravakṣyāmi
dies will ich verkünden (Akk.Sg. + Nom.Sg. + 1.Sg.Fut.)
mṛtyoḥ prabhavam uttamam
den höchsten Ursprung des Todes (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
tatas tvaṃ mokṣyase duḥkhāt
dann wirst du vom Leid befreit (Adv. + Nom.Sg. + 2.Sg.Fut.Med. + Abl.Sg.)
snehabaṃdhanasaṃśrayāt
das aus der Fessel der Zuneigung entspringt (Abl.Sg.Kompositum)
purā vṛttam idaṃ tāta
dieses einst Geschehene, lieber Sohn (Adv. + Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
śṛṇu kīrtayato mama
höre, wie ich es erzähle (Imp.2.Sg. + Gen.Sg.Ptz. + Gen.Sg.)
dhanyam ākhyānam āyuṣyaṃ
eine glückverheißende, lebensspendende Erzählung (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
[Anm.: 008_0036b-0043 bildet eine Einheit — Vyāsa kündigt die große Erzählung an (Beginn Region 5, die bis zum Ende des Kapitels reicht; siehe Kapitel-Vorspann).]
purā kṛtayuge tāta āsīd rājā hy akampanaḥ sa śatruvaśam āpanno madhye saṃgrāmamūrdhani tasya putro harir nāma nārāyaṇasamadyutiḥ śrīmān kṛtāstro medhāvī yudhi śakrasamo balī sa śatrubhiḥ parivṛto bahudhā raṇamūrdhani vyasyan bāṇasahasrāṇi yodheṣu ca gajeṣu ca sa karma duṣkaraṃ kṛtvā saṃgrāme śatrutāpanaḥ śatrubhir nihataḥ saṃkhye pṛtanāyāṃ yudhiṣṭhira
Einst, im Kṛtayuga, lieber Sohn, gab es einen König namens Akampana; er geriet mitten im Schlachtgetümmel in die Gewalt seiner Feinde [d.h. fiel im Kampf]. Sein Sohn, mit Namen Hari, an Glanz Nārāyaṇa gleich, glückhaft, waffenkundig, klug, im Kampf Śakra gleich, kraftvoll — er, von Feinden auf mannigfache Weise mitten im Kampf umringt, Tausende von Pfeilen unter Kriegern und Elefanten entsendend, ein schwer vollbringbares Werk vollbracht habend, der Feindeversenger, wurde von den Feinden im Kampf, mitten im Heer, erschlagen, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
purā kṛtayuge tāta
einst, im Kṛtayuga, lieber Sohn (Adv. + Lok.Sg. + Vok.Sg.)
āsīd rājā hy akampanaḥ
gab es einen König namens Akampana (3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
sa śatruvaśam āpanno
er geriet in die Gewalt der Feinde (Nom.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
madhye saṃgrāmamūrdhani
mitten im Schlachtgetümmel (Lok.Sg. + Lok.Sg.Kompositum)
tasya putro harir nāma
sein Sohn, mit Namen Hari (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
sa rājā pretakṛtyāni tasya kṛtvā śucānvitaḥ śocann ahani rātrau ca nālabhat sukham ātmanaḥ tasya śokaṃ viditvā tu putravyasanasaṃbhavam athājagāma devarṣir nārado 'sya samīpataḥ sa tu rājā mahābhāgo dṛṣṭvā devarṣisattamam pūjayitvā yathānyāyaṃ kathām akathayat tadā tasya sarvaṃ samācaṣṭa yathā vṛttaṃ nareśvara śatrubhir vijayaṃ saṃkhye putrasya ca vadhaṃ tathā
Jener König, nachdem er die Totenriten für ihn vollzogen hatte, von Kummer erfüllt, trauernd, fand weder bei Tag noch bei Nacht Ruhe für sich selbst. Als der Götter-Ṛṣi Nārada dessen Kummer erkannte, der aus dem Sohnesunglück entsprang, kam er zu ihm heran. Jener hochbeglückte König aber, als er den besten der Götter-Ṛṣis sah, ehrte ihn gebührend und erzählte ihm daraufhin seine Geschichte; er berichtete ihm alles, wie es sich zugetragen hatte, o Herrscher der Männer — den Sieg der Feinde im Kampf und ebenso den Tod seines Sohnes.
Wort für Wort
sa rājā pretakṛtyāni
jener König die Totenriten (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Pl.)
tasya kṛtvā śucānvitaḥ
für ihn vollzogen habend, von Kummer erfüllt (Gen.Sg. + Ger. + Nom.Sg.Kompositum)
śocann ahani rātrau ca
trauernd, bei Tag und bei Nacht (Nom.Sg.Ptz. + Lok.Sg. + Lok.Sg. + Konj.)
nālabhat sukham ātmanaḥ
fand keine Ruhe für sich selbst (Neg. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
tasya śokaṃ viditvā tu
als er dessen Kummer erkannte (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Ger. + Partikel)
putravyasanasaṃbhavam
der aus dem Sohnesunglück entsprang (Akk.Sg.Kompositum)
athājagāma devarṣir
da kam der Götter-Ṛṣi heran (Adv. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg.Kompositum)
nārado 'sya samīpataḥ
Nārada, in dessen Nähe (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Adv.)
sa tu rājā mahābhāgo
jener hochbeglückte König aber (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
dṛṣṭvā devarṣisattamam
als er den besten der Götter-Ṛṣis sah (Ger. + Akk.Sg.Kompositum)
pūjayitvā yathānyāyaṃ
gebührend geehrt habend (Ger. + Adv.)
kathām akathayat tadā
erzählte ihm daraufhin seine Geschichte (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Adv.)
tasya sarvaṃ samācaṣṭa
er berichtete ihm alles (Gen.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
yathā vṛttaṃ nareśvara
wie es sich zugetragen hatte, o Herrscher der Männer (Adv. + Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg.Kompositum)
śatrubhir vijayaṃ saṃkhye
den Sieg der Feinde im Kampf (Instr.Pl. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
putrasya ca vadhaṃ tathā
und ebenso den Tod seines Sohnes (Gen.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Adv.)
[Anm.: 008_0052-0059 bildet eine Einheit — Akampanas Trauer und Nāradas Ankunft.]
mama putro mahāvīrya indraviṣṇusamadyutiḥ śatrubhir bahubhiḥ saṃkhye parākramya hato balī ka eṣa mṛtyur bhagavan kiṃvīryabalapauruṣaḥ etad icchāmi tattvena śrotuṃ matimatāṃ vara
'Mein Sohn, von großer Heldenkraft, an Glanz Indra und Viṣṇu gleich, wurde, obwohl er tapfer kämpfte, von vielen Feinden im Kampf erschlagen, der Kraftvolle. Wer ist dieser Tod, o Erhabener, von welcher Macht, Kraft und Mannhaftigkeit? Dies möchte ich der Wahrheit gemäß hören, bester der Weisen.'
Wort für Wort
mama putro mahāvīrya
mein Sohn, von großer Heldenkraft (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
indraviṣṇusamadyutiḥ
an Glanz Indra und Viṣṇu gleich (Nom.Sg.Kompositum)
śatrubhir bahubhiḥ saṃkhye
von vielen Feinden im Kampf (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Lok.Sg.)
parākramya hato balī
obwohl er tapfer kämpfte, erschlagen, der Kraftvolle (Ger. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
ka eṣa mṛtyur bhagavan
wer ist dieser Tod, o Erhabener (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
kiṃvīryabalapauruṣaḥ
von welcher Macht, Kraft und Mannhaftigkeit (Nom.Sg.Kompositum)
etad icchāmi tattvena
dies möchte ich der Wahrheit gemäß (Akk.Sg. + 1.Sg.Präs. + Instr.Sg.)
śrotuṃ matimatāṃ vara
hören, bester der Weisen (Inf. + Gen.Pl. + Vok.Sg.)
[Anm.: 008_0060-0063 bildet eine Einheit — Akampanas Frage an Nārada nach dem Wesen des Todes, in einfachen Anführungszeichen wiedergegeben (siehe Vorspann zur vereinfachten Zitatmarkierung).]
Als er dessen Wort gehört hatte, erzählte Nārada, der Segenspender, der Mächtige, diese große, den Sohneskummer vertreibende Erzählung: 'Höre, König, Starkarmiger, diese ausführliche Erzählung, wie sie sich zugetragen hat und wie auch ich selbst sie vernommen habe, Herrscher der Erde.'
Wort für Wort
tasya tad vacanaṃ śrutvā
als er dessen Wort gehört hatte (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
nārado varadaḥ prabhuḥ
Nārada, der Segenspender, der Mächtige (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
ākhyānam idam ācaṣṭa
erzählte diese Erzählung (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
putraśokāpahaṃ mahat
die große, den Sohneskummer vertreibende (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
prajāḥ sṛṣṭvā tadā brahmā ādisarge pitāmahaḥ asaṃhṛtaṃ mahātejā dṛṣṭvā jagad idaṃ prabhuḥ tasya cintā samutpannā saṃhāraṃ prati pārthiva cintayan na hy asau veda saṃhāraṃ vasudhādhipa
Nachdem er die Geschöpfe geschaffen hatte, bei der Ursprungsschöpfung, sah der Großvater Brahmā, der überaus Glanzvolle, der Gebieter, diese Welt ungezügelt [uneingeschränkt wachsend]; da entstand in ihm ein Gedanke an die Vernichtung [Eindämmung], o Fürst; doch obwohl er nachsann, wusste er kein Mittel zur Vernichtung [Eindämmung], Herrscher der Erde.
Wort für Wort
prajāḥ sṛṣṭvā tadā brahmā
nachdem er die Geschöpfe geschaffen hatte, da Brahmā (Akk.Pl. + Ger. + Adv. + Nom.Sg.)
ādisarge pitāmahaḥ
bei der Ursprungsschöpfung, der Großvater (Lok.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
asaṃhṛtaṃ mahātejā
ungezügelt, der überaus Glanzvolle (Akk.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
dṛṣṭvā jagad idaṃ prabhuḥ
sah diese Welt, der Gebieter (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
tasya cintā samutpannā
in ihm entstand ein Gedanke (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
saṃhāraṃ prati pārthiva
an die Vernichtung [gerichtet], o Fürst (Akk.Sg. + Postp. + Vok.Sg.)
cintayan na hy asau veda
obwohl er nachsann, wusste er nicht (Nom.Sg.Ptz. + Neg. + Partikel + Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
saṃhāraṃ vasudhādhipa
ein Mittel zur Vernichtung, Herrscher der Erde (Akk.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
[Anm.: 008_0068-0071 bildet eine Einheit — der Mythos vom Ursprung des Todes beginnt: Brahmā erkennt, dass die von ihm geschaffene Welt unbegrenzt wächst, und weiß zunächst kein Mittel zur Eindämmung.]
tasya roṣān mahārāja khebhyo 'gnir udatiṣṭhata tena sarvā diśo vyāptāḥ sāntardeśā didhakṣatā tato divaṃ bhuvaṃ khaṃ ca jvālāmālāsamāvṛtam carācaraṃ jagat sarvaṃ dadāha bhagavān prabhuḥ tato hatāni bhūtāni carāṇi sthāvarāṇi ca mahatā krodhavegena trāsayann iva vīryavān
Aus seinem Zorn, o Großkönig, erhob sich aus seinen Sinnesöffnungen ein Feuer; davon wurden, brennen wollend, alle Himmelsrichtungen samt den Zwischenrichtungen erfüllt. Dann verbrannte der erhabene Gebieter Himmel, Erde und Luftraum, von Flammengirlanden umhüllt, die ganze bewegliche und unbewegliche Welt; da wurden alle Wesen, bewegliche wie unbewegliche, vernichtet, gleichsam von der gewaltigen Wucht seines Zorns in Schrecken versetzt, der Kraftvolle.
Wort für Wort
tasya roṣān mahārāja
aus seinem Zorn, o Großkönig (Gen.Sg. + Abl.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
khebhyo 'gnir udatiṣṭhata
aus seinen Sinnesöffnungen erhob sich ein Feuer (Abl.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.Med.)
tena sarvā diśo vyāptāḥ
davon wurden alle Himmelsrichtungen erfüllt (Instr.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Ptz.)
sāntardeśā didhakṣatā
samt den Zwischenrichtungen, vom brennen wollenden (Nom.Pl.Kompositum + Instr.Sg.Ptz.)
tato divaṃ bhuvaṃ khaṃ ca
dann Himmel, Erde und Luftraum (Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
jvālāmālāsamāvṛtam
von Flammengirlanden umhüllt (Akk.Sg.Kompositum)
carācaraṃ jagat sarvaṃ
die ganze bewegliche und unbewegliche Welt (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
dadāha bhagavān prabhuḥ
verbrannte der erhabene Gebieter (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
tato hatāni bhūtāni
da wurden die Wesen vernichtet (Adv. + Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.)
carāṇi sthāvarāṇi ca
bewegliche wie unbewegliche (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj.)
mahatā krodhavegena
von der gewaltigen Wucht des Zorns (Instr.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
trāsayann iva vīryavān
gleichsam in Schrecken versetzend, der Kraftvolle (Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Nom.Sg.Kompositum)
[Anm.: 008_0072-0077 bildet eine Einheit — Brahmās Zornesfeuer beginnt, die ganze Schöpfung zu verbrennen.]
Da nahm Hara [Śiva], der Matten-Haarige, der Unbewegliche [Sthāṇu], der Herr der Nachtwandler, der Gütige, Zuflucht beim Gott Brahmā, dem im Höchsten Weilenden. Als Sthāṇu so herantrat, um der Geschöpfe willen deren Wohl suchend, sprach der höchste Gott, gleichsam lodernd wie ein großer Weiser: 'Was sollen wir tun, du Begehrenswerter — aus Wunsch bist du geboren, mein Söhnchen.'
Wort für Wort
tato haro jaṭī sthāṇur
da Hara, der Matten-Haarige, der Unbewegliche (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
niśācarapatiḥ śivaḥ
der Herr der Nachtwandler, der Gütige (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
jagāma śaraṇaṃ devaṃ
nahm Zuflucht beim Gott (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
brahmāṇaṃ parameṣṭhinam
Brahmā, dem im Höchsten Weilenden (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
tasminn āpatite sthāṇau
als Sthāṇu so herangetreten war (Lok.Sg. + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
prajānāṃ hitakāmyayā
um der Geschöpfe Wohl suchend (Gen.Pl. + Instr.Sg.Kompositum)
abravīt paramo devo
sprach der höchste Gott (3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
jvalann iva mahāmuniḥ
gleichsam lodernd wie ein großer Weiser (Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Nom.Sg.Kompositum)
kiṃ kurma kāmaṃ kāmārha
was sollen wir tun, du Begehrenswerter (Partikel + 1.Pl.Präs. + Akk.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
kāmāj jāto 'si putraka
aus Wunsch bist du geboren, mein Söhnchen (Abl.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + 2.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
[Anm.: 008_0078-0082 bildet eine Einheit — Śiva/Sthāṇu bittet Brahmā um Einhalt für die Geschöpfe. Die genaue Sprecherfolge der anschließenden, dicht getakteten Wechselrede zwischen Brahmā und Sthāṇu bleibt an mehreren Stellen textkritisch unklar [?] (so scheint V. @008_0083 Brahmā fälschlich als 'sthāṇor uvāca' zuzuordnen, während der Vokativ 'sthāṇo' erkennbar Śiva anspricht); die Übersetzung folgt hier dem inhaltlich plausibelsten Verlauf, ohne jede einzelne Sprecherzuordnung des Apparats für bare Münze zu nehmen.]
kariṣyāmi priyaṃ sarvaṃ brūhi sthāṇo yad icchasi prajāsarganimittaṃ hi kṛto yatnas tvayā vibho tvayā sṛṣṭāś ca vṛddhāś ca bhūtagrāmāḥ pṛthagvidhāḥ tās taveha punaḥ krodhāt prajā dahyanti sarvaśaḥ
'Ich werde alles Liebe tun — sage, Sthāṇu, was du wünschst; um der Geschöpfe-Erschaffung willen wurde von dir Mühe aufgewandt, Gebieter; von dir wurden mannigfache Scharen von Wesen geschaffen und großgezogen — diese deine Geschöpfe nun werden hier wiederum durch [deinen] Zorn allseits verbrannt.'
Wort für Wort
kariṣyāmi priyaṃ sarvaṃ
ich werde alles Liebe tun (1.Sg.Fut. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
brūhi sthāṇo yad icchasi
sage, Sthāṇu, was du wünschst (Imp.2.Sg. + Vok.Sg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Präs.)
prajāsarganimittaṃ hi
um der Geschöpfe-Erschaffung willen (Akk.Sg.Kompositum + Partikel)
kṛto yatnas tvayā vibho
wurde Mühe von dir aufgewandt, Gebieter (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Instr.Sg. + Vok.Sg.)
tvayā sṛṣṭāś ca vṛddhāś ca
von dir geschaffen und großgezogen (Instr.Sg. + Nom.Pl.Ptz. + Konj. + Nom.Pl.Ptz. + Konj.)
bhūtagrāmāḥ pṛthagvidhāḥ
mannigfache Scharen von Wesen (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
tās taveha punaḥ krodhāt
diese deine hier wiederum durch Zorn (Nom.Pl. + Gen.Sg. + Adv. + Adv. + Abl.Sg.)
prajā dahyanti sarvaśaḥ
Geschöpfe werden allseits verbrannt (Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Pass. + Adv.)
[Anm.: 008_0083-0086 bildet eine Einheit. Die Rede scheint - trotz der Sprecherzuordnung 'sthāṇur uvāca' im Quelltext - inhaltlich eher Śiva zuzukommen, der Brahmā ('Gebieter') an die eigene Schöpfermühe erinnert; s. Anm. zur vorigen Einheit.]
tā dṛṣṭvā mama kāruṇyaṃ prasīda bhagavan prabho na krudhye na ca me kāma etad evaṃ bhaved iti pṛthivyā hitakāmāt tu tato māṃ manyur āviśat iyaṃ hi māṃ sadā devī bhārārtā samacūcudat saṃhārārthaṃ mahādeva bhāreṇābhihatā satī tato 'haṃ nādhigacchāmi tapye bahuvidhaṃ tadā
'Da du dies siehst, sei mir gnädig, erhabener Gebieter — nicht aus Zorn, und nicht, weil ich es wollte, [Sthāṇu,] geschah dies so; aus Sorge um das Wohl der Erde kam damals Zorn über mich. Denn diese Göttin [die Erde] selbst hat mich, von der Last geplagt, ständig gedrängt, um Vernichtung [der überbordenden Wesen] bittend, o großer Gott, von der Last bedrängt, wie sie war; daher fand ich damals kein [Mittel] und litt auf mannigfache Weise.'
Wort für Wort
tā dṛṣṭvā mama kāruṇyaṃ
da du dies siehst, mein Mitleid (Akk.Sg. + Ger. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
prasīda bhagavan prabho
sei mir gnädig, erhabener Gebieter (Imp.2.Sg. + Vok.Sg.Kompositum + Vok.Sg.)
na krudhye na ca me kāma
nicht aus Zorn, und nicht weil ich wollte (Neg. + 1.Sg.Präs.Med. + Neg. + Konj. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
etad evaṃ bhaved iti
dass dies so geschähe (Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Opt. + Partikel)
pṛthivyā hitakāmāt tu
aus Sorge um das Wohl der Erde aber (Gen.Sg. + Abl.Sg.Kompositum + Partikel)
tato māṃ manyur āviśat
kam damals Zorn über mich (Adv. + Akk.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
iyaṃ hi māṃ sadā devī
denn diese Göttin mich ständig (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)
bhārārtā samacūcudat
von der Last geplagt, hat gedrängt (Nom.Sg.Kompositum + 3.Sg.Perf.)
saṃhārārthaṃ mahādeva
um Vernichtung bittend, o großer Gott (Akk.Sg.Kompositum + Vok.Sg.Kompositum)
bhāreṇābhihatā satī
von der Last bedrängt, wie sie war (Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Ptz.)
tato 'haṃ nādhigacchāmi
daher fand ich kein [Mittel] (Adv. + Nom.Sg. + Neg. + 1.Sg.Präs.)
tapye bahuvidhaṃ tadā
und litt damals auf mannigfache Weise (1.Sg.Präs.Med. + Adv. + Adv.)
[Anm.: 008_0087-0092 bildet eine Einheit — Brahmās Erklärung seines Zorns: Die von der Last der überbordenden Bevölkerung bedrängte Erdgöttin selbst hatte ihn zur Eindämmung gedrängt.]
saṃhāram aprameyasya tato māṃ manyur āviśat saṃhārārthaṃ prasīdasva mā ruṣo vibudhādhipa mā prajāḥ sthāvarāś caiva jaṅgamāś ca vyanīnaśan tava prasādād bhagavann idaṃ vartet tridhā jagat anāgatam atītaṃ ca yac ca saṃprati vartate
'Um die Vernichtung des Unermesslichen [der übergroßen Zahl] zu bewirken, kam Zorn über mich — doch sei nun gnädig für dieses Werk der Vernichtung, zürne nicht, Herr der Weisen; mögen nicht die unbeweglichen und beweglichen Geschöpfe [alle zugleich] zugrunde gehen! Durch deine Gnade, Erhabener, möge diese dreifache Welt bestehen — die künftige, die vergangene und die gegenwärtige.'
Wort für Wort
saṃhāram aprameyasya
die Vernichtung des Unermesslichen (Akk.Sg. + Gen.Sg.)
tato māṃ manyur āviśat
kam damals Zorn über mich (Adv. + Akk.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
saṃhārārthaṃ prasīdasva
für dieses Werk der Vernichtung sei gnädig (Akk.Sg.Kompositum + Imp.2.Sg.Med.)
mā ruṣo vibudhādhipa
zürne nicht, Herr der Weisen (Neg. + Imp.2.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
mā prajāḥ sthāvarāś caiva
mögen nicht die unbeweglichen Geschöpfe (Neg. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj.)
jaṅgamāś ca vyanīnaśan
und die beweglichen zugrunde gehen (Nom.Pl. + Konj. + 3.Pl.Aor.)
tava prasādād bhagavann
durch deine Gnade, Erhabener (Gen.Sg. + Abl.Sg. + Vok.Sg.)
idaṃ vartet tridhā jagat
möge diese dreifache Welt bestehen (Nom.Sg. + 3.Sg.Opt. + Adv. + Nom.Sg.)
anāgatam atītaṃ ca
die künftige, die vergangene (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
yac ca saṃprati vartate
und die, die gegenwärtig besteht (Nom.Sg. + Konj. + Adv. + 3.Sg.Präs.Med.)
[Anm.: 008_0093-0097 bildet eine Einheit — die Bitte um ein geordnetes, nicht alles auf einmal vernichtendes Mittel des Todes.]
bhagavān krodhasaṃdīptaḥ krodhād agniṃ samāsṛjat sa dahaty aśmakūṭāni drumāṃś ca saritas tathā palvalāni ca sarvāṇi sarve caiva tṛṇolapāḥ sthāvaraṃ jaṅgamaṃ caiva niḥśeṣaṃ kurute jagat tad etad bhasmasād bhūtaṃ sarvaṃ jagad anāvilam prasīda bhagavan sa tvaṃ roṣo na syād varo mama sarve hi naṣṭā neṣyanti tava deva kathaṃ cana tasmān nivartatāṃ tejas tvayy eveha pralīyatām
Der Erhabene [Brahmā], von Zorn entflammt, entfesselte aus seinem Zorn ein Feuer. Es verbrannte die Felsgipfel und die Bäume und ebenso die Flüsse, alle Tümpel und alles Gras und Kraut; das Unbewegliche wie das Bewegliche machte es zu einer restlos [vernichteten] Welt. Zu Asche geworden war da diese ganze, [zuvor] ungetrübte Welt. [Da sprach Sthāṇu:] 'Sei mir gnädig, Erhabener — dieser dein Zorn soll nicht mein Verhängnis [wörtl. 'Los'] sein! Sind sie erst vernichtet, kehren sie auf keine Weise wieder zurück, o Gott. Darum ziehe dein Glutfeuer zurück; möge es hier in dich selbst zergehen.'
Wort für Wort
bhagavān krodhasaṃdīptaḥ
der Erhabene, von Zorn entflammt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.Kompositum)
krodhād agniṃ samāsṛjat
entfesselte aus Zorn ein Feuer (Abl.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
sa dahaty aśmakūṭāni
es verbrannte die Felsgipfel (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs. + Akk.Pl.Kompositum)
drumāṃś ca saritas tathā
und die Bäume, ebenso die Flüsse (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + Adv.)
palvalāni ca sarvāṇi
und alle Tümpel (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl.)
sarve caiva tṛṇolapāḥ
und alles Gras und Kraut (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Kompositum)
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ caiva
das Unbewegliche und das Bewegliche (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
niḥśeṣaṃ kurute jagat
macht die Welt restlos [vernichtet] (Adv./Akk. + 3.Sg.Präs.Med. + Akk.Sg.)
tad etad bhasmasād bhūtaṃ
zu Asche geworden war dies (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.Ptz.)
sarvaṃ jagad anāvilam
die ganze ungetrübte Welt (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
prasīda bhagavan sa tvaṃ
sei gnädig, Erhabener, du (Imp.2.Sg. + Vok.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
roṣo na syād varo mama
dieser Zorn sei nicht mein Los (Nom.Sg. + Neg. + 3.Sg.Opt. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
sarve hi naṣṭā neṣyanti
alle Vernichteten kehren nicht zurück (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl.Ptz. + Neg.+3.Pl.Fut.)
tava deva kathaṃ cana
auf keine Weise, o Gott (Gen.Sg. + Vok.Sg. + Adv. + Partikel)
tasmān nivartatāṃ tejas
darum ziehe sich das Glutfeuer zurück (Adv. + 3.Sg.Imp.Med. + Nom.Sg.)
tvayy eveha pralīyatām
möge es in dir hier zergehen (Lok.Sg. + Partikel + Adv. + 3.Sg.Imp.Pass.)
'Ersinne ein anderes Mittel, aus Sorge um das Wohl der Geschöpfe; handle so, dass alle diese Lebewesen [von der Vernichtung] zurückgehalten werden. Mögen die Geschöpfe hier nicht ins Nichtsein geraten, ihr Nachwuchs [sonst] ausgerottet. Von dir bin ich über die Welten als oberster Hüter [wörtl. 'in die Göttlichkeit'] eingesetzt, o Weltenvernichter — möge die Welt, das Unbewegliche wie das Bewegliche, nicht zugrunde gehen, Herr der Welt!'
Wort für Wort
upāyam anyaṃ saṃpaśya
ersinne ein anderes Mittel (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Imp.2.Sg.)
prajānāṃ hitakāmyayā
aus Sorge um das Wohl der Geschöpfe (Gen.Pl. + Instr.Sg.Kompositum)
yatheme prāṇinaḥ sarve
so dass alle diese Lebewesen (Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
nivarteraṃs tathā kuru
zurückgehalten würden — handle so (3.Pl.Opt. + Adv. + Imp.2.Sg.)
abhāvaṃ neha gaccheyur
mögen sie nicht ins Nichtsein geraten (Akk.Sg. + Neg.+Adv. + 3.Pl.Opt.)
utsannajananāḥ prajāḥ
die Geschöpfe, deren Nachwuchs ausgerottet [wäre] (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
adhidaive niyukto 'smi
in die Göttlichkeit bin ich eingesetzt (Lok.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + 1.Sg.Präs.)
tvayā lokeṣu lokahan
von dir über die Welten, o Weltenvernichter (Instr.Sg. + Lok.Pl. + Vok.Sg.Kompositum)
mā vinaśyej jagannātha
möge nicht zugrunde gehen, Herr der Welt (Neg. + 3.Sg.Opt. + Vok.Sg.Kompositum)
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt, das Unbewegliche und Bewegliche (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
[Anm.: 008_0104-0111 — Sthāṇus (Śivas) zweite, eindringlichere Fürbitte an Brahmā, dessen Zornesfeuer bereits die ganze Schöpfung zu verzehren begonnen hat.]
prasādābhimukhaṃ devaṃ tasmād evaṃ bravīmy aham śrutvā hi vacanaṃ devaḥ sthāṇor nihatapāpmanaḥ tejaḥ saṃveṣṭayām āsa punar evāntarātmani tato 'gnim upasaṃhṛtya bhagavāṃl lokasatkṛtaḥ pravṛttiṃ ca nivṛttiṃ ca kalpayām āsa vai prabhuḥ
[Nārada (zu Akampana):] 'Darum spreche ich so von dem Gott, der sich der Gnade zuneigte.' Denn als der Gott [Brahmā] die Worte Sthāṇus, dessen Sünde [Zorn] bereits gebannt war, gehört hatte, zog er das Glutfeuer wieder in sein eigenes Inneres zusammen. Darauf, nachdem er das Feuer zurückgezogen hatte, ordnete der Erhabene, von der Welt Verehrte, der Gebieter, Werden und Vergehen [des Daseins].
Wort für Wort
prasādābhimukhaṃ devaṃ
den der Gnade zugewandten Gott (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
tasmād evaṃ bravīmy aham
darum spreche ich so (Adv. + Adv. + 1.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
śrutvā hi vacanaṃ devaḥ
denn als der Gott die Worte gehört hatte (Ger. + Partikel + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
sthāṇor nihatapāpmanaḥ
Sthāṇus, dessen Sünde [Zorn] gebannt war (Gen.Sg. + Gen.Sg.Kompositum)
tejaḥ saṃveṣṭayām āsa
zog er das Glutfeuer zusammen (Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.Periphr.)
punar evāntarātmani
wieder in sein eigenes Inneres (Adv. + Partikel + Lok.Sg.Kompositum)
tato 'gnim upasaṃhṛtya
darauf, das Feuer zurückgezogen habend (Adv. + Akk.Sg. + Ger.)
bhagavāṃl lokasatkṛtaḥ
der Erhabene, von der Welt Verehrte (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
pravṛttiṃ ca nivṛttiṃ ca
Werden und Vergehen (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Konj.)
kalpayām āsa vai prabhuḥ
ordnete fürwahr der Gebieter (3.Sg.Perf.Periphr. + Partikel + Nom.Sg.)
[Anm.: Die eingestreute Sprecherangabe 'nārada uvāca' (008_0112) markiert hier lediglich Nāradas fortlaufende Erzählerstimme innerhalb seiner Erzählung, nicht einen Sprecherwechsel im eigentlichen Sinne; sie wird darum nicht als eigener Anführungsblock behandelt (vgl. die Anmerkung im Kapitelkopf).]
Während jener, der Hochgesinnte, so das aus seinem Zorn geborene Feuer zurückzog, erschien aus allen Himmelsrichtungen [zugleich] eine Frau: schwarz, in rotes Gewand gekleidet, mit roter Zunge, rotem Antlitz und roten Augen, o Herrscher der Könige, geschmückt mit zwei erhitzten [glühenden] Ohrringen. Sie trat aus den Himmelsrichtungen hervor und wandte sich der Südrichtung zu; wie lächelnd blickte sie auf die beiden Herren des Alls [Brahmā und Śiva].
erschien aus allen [Richtungen] (3.Sg.Perf. + Abl.Pl.)
khebhyo nārī mahātmanaḥ
aus den Himmelsräumen, eine Frau, für den Hochgesinnten (Abl.Pl. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
kṛṣṇā raktāmbaradharā
schwarz, in rotes Gewand gekleidet (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
raktajihvāsyalocanā
mit roter Zunge, Antlitz und Augen (Nom.Sg.Kompositum)
kuṇḍalābhyāṃ ca rājendra
und mit zwei Ohrringen, o Herrscher der Könige (Instr.Du. + Konj. + Vok.Sg.Kompositum)
taptābhyāṃ samalaṃkṛtā
geschmückt mit zwei erhitzten [Ohrringen] (Instr.Du.Ptz. + Nom.Sg.Ptz.)
sā viniḥsṛtya vai khebhyo
sie, aus den Himmelsräumen hervorgetreten (Nom.Sg. + Ger. + Partikel + Abl.Pl.)
dakṣiṇāṃ diśam āśritā
wandte sich der Südrichtung zu (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
smayamāneva cāvaikṣad
und blickte wie lächelnd (Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Konj. + 3.Sg.Impf.)
devau viśveśvarāv ubhau
auf die beiden Herren des Alls (Akk.Du. + Akk.Du.Kompositum + Akk.Du.)
[Anm.: Die Geburt der Mṛtyu (des Todes, grammatisch weiblich) aus Brahmās zurückgezogenem Zornesfeuer. Die Südrichtung gilt in der indischen Tradition als die Richtung des Todesgottes Yama.]
tām āhūya tadā devo lokādinidhaneśvaraḥ mṛtyo iti mahīpāla jahi cemāḥ prajā iti tvaṃ hi saṃhārabuddhyātha prādurbhūtā ruṣo mama tasmāt saṃhara sarvās tvaṃ prajāḥ sajaḍapaṇḍitāḥ mama tvaṃ hi niyogena tataḥ śreyo hy avāpsyasi
Da rief sie der Gott, der Herr von Ursprung und Ende der Welt [Brahmā], herbei und sprach: 'O Mṛtyu [Tod] — so [sei dein Name] — töte diese Geschöpfe! Denn du bist aus meinem Zorn hervorgegangen, mit dem Gedanken an Vernichtung. Darum vernichte alle Geschöpfe, die Toren wie die Weisen. Durch meinen Auftrag wirst du fürwahr das Höchste [Heil] erlangen.'
Wort für Wort
tām āhūya tadā devo
da rief sie der Gott herbei (Akk.Sg. + Ger. + Adv. + Nom.Sg.)
lokādinidhaneśvaraḥ
der Herr von Ursprung und Ende der Welt (Nom.Sg.Kompositum)
mṛtyo iti mahīpāla
'o Mṛtyu', 'Erdenhüter' (Vok.Sg. + Partikel + Vok.Sg.Kompositum)
denn du, mit dem Gedanken an Vernichtung (Nom.Sg. + Partikel + Instr.Sg.Kompositum + Adv.)
prādurbhūtā ruṣo mama
bist hervorgegangen aus meinem Zorn (Nom.Sg.Ptz. + Abl.Sg. + Gen.Sg.)
tasmāt saṃhara sarvās tvaṃ
darum vernichte du alle (Adv. + Imp.2.Sg. + Akk.Pl. + Nom.Sg.)
prajāḥ sajaḍapaṇḍitāḥ
die Geschöpfe, die Toren wie die Weisen (Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
mama tvaṃ hi niyogena
durch meinen Auftrag fürwahr (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Instr.Sg.)
tataḥ śreyo hy avāpsyasi
wirst du darum das Höchste erlangen (Adv. + Akk.Sg. + Partikel + 2.Sg.Fut.)
[Anm.: 'mahīpāla' ('Erdenhüter') als Anrede an die eben erst geschaffene Todesgöttin ist auffällig — vermutlich eine formelhafte Anrede, die im Original auf ein Metrum oder eine Textvariante zurückgeht; sie wird hier wörtlich, aber ohne inhaltliche Über-interpretation wiedergegeben.]
evam uktā tu sā tena mṛtyuḥ kamalalocanā dadhyau cātyartham abalā praruroda ca susvaram pāṇibhyāṃ pratijagrāha tāny aśrūṇi pitāmahaḥ
So von ihm [Brahmā] angesprochen, sann die lotusäugige Mṛtyu, die Kraftlose [Hilflose], lange nach und weinte überaus, mit klagend-schöner Stimme. Der Großvater [Brahmā] fing jene Tränen mit seinen Händen auf.
Wort für Wort
evam uktā tu sā tena
so von ihm angesprochen, sie (Adv. + Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Nom.Sg. + Instr.Sg.)
mṛtyuḥ kamalalocanā
Mṛtyu, die Lotusäugige (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
sarvabhūtahitārthāya tāṃ cāpy anunayat tadā vinīya duḥkham abalā ātmany eva prajāpatim uvāca prāñjalir bhūtvā latevāvarjitā punaḥ tvayā sṛṣṭā kathaṃ nārī īdṛśī vadatāṃ vara krūraṃ karmāhitaṃ kuryāṃ mūḍheva kim u jānatī bibhemy aham adharmād dhi prasīda bhagavan prabho
Um des Wohles aller Geschöpfe willen besänftigte er [Brahmā] sie damals; und sie, die Hilflose, ihren Schmerz in sich selbst bezwingend, sprach mit gefalteten Händen, wie eine Ranke gebeugt, wiederum zum Herrn der Geschöpfe: 'Wie könnte eine von dir geschaffene Frau solcherart handeln, o Bester der Redner — ein grausames, unheilvolles Werk verüben, wie eine Törin, ohne es zu wissen? Ich fürchte mich vor dem Unrecht [adharma], sei mir gnädig, erhabener Gebieter.
Wort für Wort
sarvabhūtahitārthāya
um des Wohles aller Geschöpfe willen (Dat.Sg.Kompositum)
tāṃ cāpy anunayat tadā
besänftigte er sie damals (Akk.Sg. + Konj.+Partikel + 3.Sg.Impf. + Adv.)
vinīya duḥkham abalā
die Hilflose, ihren Schmerz bezwungen habend (Ger. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
ātmany eva prajāpatim
zum Herrn der Geschöpfe, in sich selbst (Lok.Sg. + Partikel + Akk.Sg.)
uvāca prāñjalir bhūtvā
sprach, mit gefalteten Händen geworden (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.Ptz. + Ger.)
latevāvarjitā punaḥ
wie eine Ranke gebeugt, wiederum (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Ptz. + Adv.)
tvayā sṛṣṭā kathaṃ nārī
wie könnte eine von dir geschaffene Frau (Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Adv. + Nom.Sg.)
īdṛśī vadatāṃ vara
solcherart, o Bester der Redner (Nom.Sg. + Gen.Pl.Ptz. + Vok.Sg.)
krūraṃ karmāhitaṃ kuryāṃ
ein grausames, unheilvolles Werk verüben (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + 1.Sg.Opt.)
mūḍheva kim u jānatī
wie eine Törin, wissend was? [=ohne es zu wissen] (Nom.Sg. + Partikel + Partikel + Partikel + Nom.Sg.Ptz.)
bibhemy aham adharmād dhi
denn ich fürchte mich vor dem Unrecht (1.Sg.Präs. + Nom.Sg. + Abl.Sg. + Partikel)
prasīda bhagavan prabho
sei gnädig, erhabener Gebieter (Imp.2.Sg. + Vok.Sg. + Vok.Sg.)
priyān putrān vayasyāṃś ca bhrātṝn mātṝḥ pitṝn patīn anudhyāsyanti ye deva mṛtāṃs teṣāṃ bibhemy aham kṛpaṇānāṃ hi rudatāṃ ye patanty aśrubindavaḥ tebhyo hi balavad bhītā śaraṇaṃ tvāham āgatā yamasya bhavanaṃ deva na gaccheyaṃ surottama
Vor jenen, o Gott, die um ihre lieben Söhne, Gefährten, Brüder, Mütter, Väter und Gatten trauern werden, die Toten [betrauernd] — vor ihnen fürchte ich mich. Denn vor den Tränentropfen, die von den elend Weinenden fallen, davor zutiefst erschrocken, bin ich zu dir als Zuflucht gekommen. Möge ich nicht zu Yamas Behausung gehen müssen, o Bester der Götter!
prasādaye tvā varada mūrdhnodagranakhena ca etad icchāmy ahaṃ kāmaṃ tvatto lokapitāmaha iccheyaṃ tvatprasādād vai tapas taptuṃ prajeśvara pradiśemaṃ varaṃ deva tvaṃ mahyaṃ bhagavan prabho tvayā hy uktā gamiṣyāmi dhenukāśramam uttamam tatra tapsye tapas tīvraṃ tavaivārādhane ratā na hi śakṣyāmi deveśa prāṇān prāṇabhṛtāṃ priyān
Ich besänftige dich, Gewährer von Gaben, mit meinem Haupt und erhobenen Nägeln [Gebärde der Bitte]. Dies allein wünsche ich mir von dir, o Großvater der Welt. Durch deine Gnade möchte ich Askese üben, Herr der Geschöpfe — gewähre mir diese Gabe, Gott, erhabener Gebieter! Von dir dazu ermächtigt, will ich zum vortrefflichen Dhenuka-Āśrama gehen; dort will ich strenge Askese üben, einzig deiner Verehrung ergeben. Denn ich vermag nicht, Herr der Götter, den Lebewesen ihr liebes Leben zu nehmen.
Wort für Wort
prasādaye tvā varada
ich besänftige dich, Gewährer von Gaben (1.Sg.Präs.Caus. + Akk.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
mūrdhnodagranakhena ca
mit Haupt und erhobenen Nägeln (Instr.Sg.Kompositum + Konj.)
etad icchāmy ahaṃ kāmaṃ
dies allein wünsche ich mir (Akk.Sg. + 1.Sg.Präs. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
tvatto lokapitāmaha
von dir, o Großvater der Welt (Abl.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
iccheyaṃ tvatprasādād vai
möchte ich durch deine Gnade fürwahr (1.Sg.Opt. + Abl.Sg.Kompositum + Partikel)
tapas taptuṃ prajeśvara
Askese üben, Herr der Geschöpfe (Akk.Sg. + Inf. + Vok.Sg.Kompositum)
pradiśemaṃ varaṃ deva
gewähre mir diese Gabe, Gott (Imp.2.Sg. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
hartuṃ vilapamānānām adharmād abhirakṣa mām mṛtyo saṃkalpitāsi tvaṃ prajāsaṃhārahetunā gaccha saṃhara sarvās tvaṃ prajā mā te vicāraṇā bhavitā tv etad evaṃ hi naitaj jātv anyathā bhavet
[So sprach Mṛtyu weiter:] '...den [Lebewesen] zu nehmen, die klagen.' [Brahmā erwiderte:] 'Bewahre mich vor Unrecht! Du, Mṛtyu, bist eigens zum Zweck der Vernichtung der Geschöpfe bestimmt. Geh, vernichte alle Geschöpfe; kein Zögern sei in dir. Dies wird gewisslich so sein; niemals kann es anders sein.'
Wort für Wort
hartuṃ vilapamānānām
zu nehmen, der Klagenden (Inf. + Gen.Pl.Ptz.)
adharmād abhirakṣa mām
bewahre mich vor Unrecht (Abl.Sg. + Imp.2.Sg. + Akk.Sg.)
mṛtyo saṃkalpitāsi tvaṃ
Mṛtyu, du bist bestimmt (Vok.Sg. + Nom.Sg.Ptz.+2.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
prajāsaṃhārahetunā
zum Zweck der Vernichtung der Geschöpfe (Instr.Sg.Kompositum)
gaccha saṃhara sarvās tvaṃ
geh, vernichte du alle (Imp.2.Sg. + Imp.2.Sg. + Akk.Pl. + Nom.Sg.)
prajā mā te vicāraṇā
Geschöpfe — kein Zögern sei in dir (Akk.Pl. + Neg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
bhavitā tv etad evaṃ hi
dies wird fürwahr gewisslich so sein (3.Sg.Fut. + Partikel + Nom.Sg. + Adv. + Partikel)
naitaj jātv anyathā bhavet
niemals kann es anders sein (Neg.+Nom.Sg. + Adv. + Adv. + 3.Sg.Opt.)
[Anm.: Die Sprecherfolge ist hier eng verschränkt — 008_0148 schließt noch Mṛtyus Bitte, mit 'brahmovāca' (008_0149) beginnt sichtbar Brahmās Erwiderung, doch der Versanfang 'hartuṃ vilapamānānām adharmād abhirakṣa mām' gehört syntaktisch noch zu ihrer Rede ('...zu nehmen; bewahre mich vor Unrecht'), bevor mit 'mṛtyo saṃkalpitāsi tvam' Brahmās eigene Worte einsetzen. Beide Stimmen werden hier daher in einer Einheit wiedergegeben.]
[Brahmā fuhr fort:] 'Sei unbescholten in der Welt; tu, was ich sage.' So angesprochen wurde sie [dennoch] furchtsam; mit gefalteten Händen, ihr Antlitz dem Erhabenen zugewandt, fasste sie aus Sorge um das Wohl der Geschöpfe keinen Entschluss zur Vernichtung. Da schwieg der Gott, der Herr der Herren der Geschöpfe; rasch fand der Großvater [dennoch] wieder Gefallen in sich selbst.
Wort für Wort
bhavatv aninditā loke
sei unbescholten in der Welt (3.Sg.Imp. + Nom.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
kuruṣva vacanaṃ mama
tu mein Wort [was ich sage] (Imp.2.Sg.Med. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
evam uktābhavadbhītā
so angesprochen, wurde sie furchtsam (Adv. + Nom.Sg.Ptz. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Ptz.)
prāñjalir bhagavanmukhī
mit gefalteten Händen, dem Erhabenen zugewandt (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Kompositum)
saṃhāre nākarod buddhiṃ
fasste keinen Entschluss zur Vernichtung (Lok.Sg. + Neg.+3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
prajānāṃ hitakāmyayā
aus Sorge um das Wohl der Geschöpfe (Gen.Pl. + Instr.Sg.Kompositum)
tūṣṇīm āsīt tadā devaḥ
da schwieg der Gott (Adv. + 3.Sg.Impf. + Adv. + Nom.Sg.)
prajānām īśvareśvaraḥ
der Herr der Herren der Geschöpfe (Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompositum)
prasādaṃ cāgamat kṣipram
und fand rasch wieder Gefallen (Akk.Sg. + Konj.+3.Sg.Impf. + Adv.)
ātmany eva pitāmahaḥ
in sich selbst, der Großvater (Lok.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
[Anm.: 008_0153 trägt erneut die Sprecherangabe 'nārada uvāca', obwohl der Vers inhaltlich Brahmās Rede an Mṛtyu fortsetzt — auch dies wird als fortlaufende Erzählerstimme Nāradas behandelt, nicht als Sprecherwechsel (s. Anm. im Kapitelkopf).]
Lächelnd blickte der Herr der Welt auf alle Welten; und die Welten waren wieder wie zuvor, gesehen von jenem, dessen Zorn gewichen war. Als sich so bei jenem Erhabenen, dem Unbesiegten, der Zorn gelegt hatte, ging auch jene Jungfrau [Mṛtyu] weg, aus der Nähe des Weisen — sie entfernte sich, ohne die Vernichtung der Geschöpfe versprochen zu haben, und eilte, o Herrscher der Könige, zum Dhenuka-Āśrama.
Wort für Wort
smayamānaś ca lokeśo
und lächelnd, der Herr der Welt (Nom.Sg.Ptz. + Konj. + Nom.Sg.Kompositum)
lokān sarvān avaikṣata
blickte auf alle Welten (Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Med.)
lokāś cāsan yathāpūrvaṃ
und die Welten waren wie zuvor (Nom.Pl. + Konj.+3.Pl.Impf. + Adv.)
dṛṣṭās tenāpamanyunā
gesehen von jenem, dessen Zorn gewichen war (Nom.Pl.Ptz. + Instr.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
nivṛttaroṣe tasmiṃs tu
als bei jenem der Zorn gewichen war (Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg. + Partikel)
bhagavaty aparājite
beim Erhabenen, dem Unbesiegten (Lok.Sg. + Lok.Sg.Ptz.)
sā kanyāpi jagāmātha
auch jene Jungfrau ging da weg (Nom.Sg. + Nom.Sg.+Partikel + 3.Sg.Impf.+Adv.)
samīpāt tasya dhīmataḥ
aus der Nähe des Weisen (Abl.Sg. + Gen.Sg. + Gen.Sg.)
apasṛtyāpratiśrutya
sich entfernt habend, ohne zugesagt zu haben (Ger. + Ger.)
prajāsaṃharaṇaṃ tadā
damals die Vernichtung der Geschöpfe (Akk.Sg.Kompositum + Adv.)
tvaramāṇā ca rājendra
und eilend, o Herrscher der Könige (Nom.Sg.Ptz. + Konj. + Vok.Sg.Kompositum)
mṛtyur dhenukam abhyayāt
Mṛtyu ging zum Dhenuka[-Āśrama] (Nom.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
sā tatra paramaṃ tīvraṃ cacāra vratam uttamam samāhitaikapādena tasthau padmāni ṣoḍaśa pañca cānyāni kāruṇyāt prajānām abhayaiṣiṇī indriyāṇīndriyārthebhyaḥ priyebhyaḥ saṃnivartya sā tatas tv ekena pādena punar anyāni sapta vai tasthau padmāni ṣaṭ caiva sapta caikaṃ ca pārthiva tataḥ padmāyutaṃ tāta mṛgaiḥ saha cacāra sā
Dort übte sie das höchste, strengste, vortrefflichste Gelübde: auf einem Fuß gesammelt stehend, verharrte sie [auf] sechzehn und weiteren fünf Lotos[blüten], aus Mitleid, für die Geschöpfe Sicherheit erstrebend, nachdem sie die Sinne von den ihnen lieben Sinnesobjekten zurückgezogen hatte. Dann, wiederum auf einem Fuß, [verharrte sie] weitere sieben; sie stand auf sechs Lotos und sieben und eins, o Herrscher der Erde. Dann, o Sohn, wanderte sie zehntausend [Jahre] zusammen mit den wilden Tieren.
Wort für Wort
sā tatra paramaṃ tīvraṃ
dort übte sie das höchste, strengste (Nom.Sg. + Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
auf einem gesammelt [ruhenden] Fuß (Instr.Sg.Kompositum)
tasthau padmāni ṣoḍaśa
verharrte auf sechzehn Lotos (3.Sg.Perf. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
pañca cānyāni kāruṇyāt
und fünf weiteren, aus Mitleid (Akk.Pl. + Konj.+Akk.Pl. + Abl.Sg.)
prajānām abhayaiṣiṇī
für die Geschöpfe Sicherheit erstrebend (Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompositum)
indriyāṇīndriyārthebhyaḥ
die Sinne von den Sinnesobjekten (Akk.Pl. + Abl.Pl.Kompositum)
priyebhyaḥ saṃnivartya sā
den lieben, zurückgezogen habend, sie (Abl.Pl. + Ger. + Nom.Sg.)
tatas tv ekena pādena
dann wiederum auf einem Fuß (Adv. + Partikel + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
punar anyāni sapta vai
wiederum weitere sieben fürwahr (Adv. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Partikel)
tasthau padmāni ṣaṭ caiva
stand auf sechs Lotos (3.Sg.Perf. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Konj.)
sapta caikaṃ ca pārthiva
und sieben und eins, o Herrscher der Erde (Akk.Pl.+Konj. + Akk.Sg.+Konj. + Vok.Sg.)
tataḥ padmāyutaṃ tāta
dann zehntausend [Jahre], o Sohn (Adv. + Akk.Sg.Kompositum + Vok.Sg.)
mṛgaiḥ saha cacāra sā
wanderte sie zusammen mit den wilden Tieren (Instr.Pl. + Postp. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
[Anm.: Die genaue Zählung der 'Lotosblüten', auf denen Mṛtyu abwechselnd auf einem Fuß verharrt, bleibt in ihrer symbolischen Bedeutung unklar (evtl. eine Zeiteinheit oder Stationenzahl der Askese); sie wird hier wörtlich wiedergegeben.]
punar gatvā tato nandāṃ puṇyāṃ śītāmalodakām apsu varṣasahasrāṇi sapta caikaṃ ca sānayat dhārayitvā tu niyamaṃ nandāyāṃ vītakalmaṣā sā pūrvaṃ kauśikīṃ puṇyāṃ jagāma niyame dhṛtā tatra vāyujalāhārā cacāra niyutaṃ punaḥ pañcagaṅge ca sā puṇye kanyā vetasakeṣu ca tapoviśeṣair bahubhiḥ karśayad deham ātmanaḥ
Dann, weitergezogen zur heiligen, kühl-reinwässrigen Nandā, verbrachte sie im Wasser tausend und sieben Jahre. Nachdem sie so ihr Gelübde an der Nandā eingehalten hatte, von Makel befreit, ging sie sodann zur heiligen Kauśikī, ihrem Gelübde treu; dort lebte sie von Wind und Wasser und übte wiederum ein Niyuta [Jahre] lang [Askese]. Und an der heiligen Pañcagaṅgā, unter den Schilfdickichten, zehrte die Jungfrau ihren eigenen Leib durch vielerlei besondere Bußübungen ab.
Wort für Wort
punar gatvā tato nandāṃ
dann weitergezogen, zur Nandā (Adv. + Ger. + Adv. + Akk.Sg.)
puṇyāṃ śītāmalodakām
der heiligen, kühl-reinwässrigen (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
apsu varṣasahasrāṇi
im Wasser tausend Jahre (Lok.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
sapta caikaṃ ca sānayat
und sieben und eins verbrachte sie (Akk.Pl.+Konj. + Akk.Sg.+Konj. + 3.Sg.Impf.)
dhārayitvā tu niyamaṃ
das Gelübde eingehalten habend (Ger. + Partikel + Akk.Sg.)
nandāyāṃ vītakalmaṣā
an der Nandā, von Makel befreit (Lok.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
sā pūrvaṃ kauśikīṃ puṇyāṃ
sie [ging] zuerst zur heiligen Kauśikī (Nom.Sg. + Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
jagāma niyame dhṛtā
ging, im Gelübde fest (3.Sg.Perf. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
tatra vāyujalāhārā
dort von Wind und Wasser lebend (Adv. + Nom.Sg.Kompositum)
cacāra niyutaṃ punaḥ
übte wiederum ein Niyuta [Jahre] lang (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Adv.)
pañcagaṅge ca sā puṇye
und an der heiligen Pañcagaṅgā, sie (Lok.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
kanyā vetasakeṣu ca
die Jungfrau, in den Schilfdickichten (Nom.Sg. + Lok.Pl. + Konj.)
tapoviśeṣair bahubhiḥ
durch vielerlei besondere Bußübungen (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.)
karśayad deham ātmanaḥ
zehrte ihren eigenen Leib ab (3.Sg.Impf.Caus. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
Dann, zur großen Gaṅgā und zum Mahāmeru allein weitergezogen, verharrte sie regungslos wie ein Fels, der Atemzügelung ergeben. Wiederum, auf dem Gipfel des Himavat, wo einst die Götter opferten, stand sie dort auf ihrer großen Zehe, die höchst Herrliche, für ein Nikharva [Jahre]. Dann bei Puṣkara, bei Gokarṇa, bei Naimiṣa und ebenso bei Malaya zehrte sie ihren eigenen Leib durch dem Geist liebe Entsagungen ab; keinem anderen Gott [zugewandt], stets fest dem Großvater ergeben, verharrte sie und erfreute den Großvater durch [ihre] Rechtschaffenheit.
Wort für Wort
tato gatvā mahāgaṅgāṃ
dann zur großen Gaṅgā weitergezogen (Adv. + Ger. + Akk.Sg.Kompositum)
mahāmeruṃ ca kevalam
und zum Mahāmeru allein (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg./Adv.)
tasthau cāśmeva niśceṣṭā
verharrte regungslos wie ein Fels (3.Sg.Perf. + Konj.+Nom.Sg.+Partikel + Nom.Sg.)
prāṇāyāmaparāyaṇā
der Atemzügelung ergeben (Nom.Sg.Kompositum)
punar himavato mūrdhni
wiederum auf dem Gipfel des Himavat (Adv. + Gen.Sg. + Lok.Sg.)
yatra devā purāyajan
wo einst die Götter opferten (Adv. + Nom.Pl. + Adv.+3.Pl.Impf.)
tatrāṅguṣṭena sā tasthau
dort stand sie auf der [großen] Zehe (Adv. + Instr.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
nikharvaṃ paramā śubhā
ein Nikharva [Jahre], die höchst Herrliche (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
puṣkareṣv atha gokarṇe
bei Puṣkara, dann bei Gokarṇa (Lok.Pl. + Adv. + Lok.Sg.)
naimiṣe malaye tathā
bei Naimiṣa, ebenso bei Malaya (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Adv.)
akarśayat svakaṃ dehaṃ
zehrte ihren eigenen Leib ab (3.Sg.Impf.Caus. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
niyamair manasaḥ priyaiḥ
durch dem Geist liebe Entsagungen (Instr.Pl. + Gen.Sg. + Instr.Pl.)
ananyadevatā nityaṃ
keinem anderen Gott [zugewandt], stets (Nom.Sg.Kompositum + Adv.)
dṛḍhabhaktā pitāmahe
fest ergeben dem Großvater (Nom.Sg.Kompositum + Lok.Sg.)
tasthau pitāmahaṃ caiva
verharrte, und den Großvater (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Konj.)
toṣayām āsa dharmataḥ
erfreute durch Rechtschaffenheit (3.Sg.Perf.Periphr. + Adv.)
[Anm.: 'nikharva' bezeichnet eine sehr große Zahl (traditionell 10^11 oder ähnlich) — hier offenkundig hyperbolisch für eine unermesslich lange Zeitspanne der Askese verwendet.]
tatas tām abravīt prīto lokānāṃ prabhavo 'vyayaḥ mṛtyo kim idam atyarthaṃ tapāṃsi carasīti ha tato 'bravīt punar mṛtyur bhagavantaṃ pitāmaham nāhaṃ hanyāṃ prajā deva svasthāś cākrośatīs tathā etad icchāmi sarveśa tvatto varam ahaṃ prabho
Da sprach zu ihr, erfreut, der unvergängliche Ursprung der Welten [Brahmā]: 'Mṛtyu, warum übst du derart übermäßige Bußen?' Da sprach Mṛtyu wiederum zum erhabenen Großvater: 'Ich möchte nicht Geschöpfe töten, o Gott, die gesund sind und nicht [in Not] aufschreien. Dies allein wünsche ich mir von dir, Herr aller, o Gebieter.
Wort für Wort
tatas tām abravīt prīto
da sprach zu ihr, erfreut (Adv. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Ptz.)
lokānāṃ prabhavo 'vyayaḥ
der unvergängliche Ursprung der Welten (Gen.Pl. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
adharmabhayabhītāsmi tato 'haṃ tapa āsthitā bhītāyās tu mahābhāga prayacchābhayam avyaya ārtā cānāgasī nārī yācāmi bhava me gatiḥ tām abravīt tato devo bhūtabhavyabhaviṣyavit adharmo nāsti te mṛtyo saṃharantyā imāḥ prajāḥ mayā coktaṃ mṛṣā bhadre bhavitā na kathaṃ cana tasmāt saṃhara kalyāṇi prajāḥ sarvāś caturvidhāḥ
Aus Furcht vor Unrecht bin ich erschrocken; darum habe ich mich der Buße hingegeben. Der Erschrockenen aber, o Hochbeglückter, gewähre Furchtlosigkeit, Unvergänglicher! Als leidende und schuldlose Frau bitte ich: sei meine Zuflucht.' Da sprach zu ihr der Gott, der Vergangenes, Künftiges und Gegenwärtiges kennt: 'Es gibt für dich kein Unrecht, Mṛtyu, in der Vernichtung dieser Geschöpfe. Was von mir gesprochen wurde, Holde, wird niemals falsch sein. Darum vernichte, Glückverheißende, alle vier Arten von Geschöpfen.
Wort für Wort
adharmabhayabhītāsmi
aus Furcht vor Unrecht bin ich erschrocken (Nom.Sg.Kompositum + 1.Sg.Präs.)
tato 'haṃ tapa āsthitā
darum habe ich mich der Buße hingegeben (Adv. + Nom.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
bhītāyās tu mahābhāga
der Erschrockenen aber, o Hochbeglückter (Gen.Sg. + Partikel + Vok.Sg.Kompositum)
alle vier Arten von Geschöpfen (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
[Anm.: Die 'vier Arten von Geschöpfen' (caturvidhāḥ prajāḥ) folgen einer traditionellen Klassifikation — meist aus dem Mutterleib Geborene, aus dem Ei Geborene, aus Feuchtigkeit Entstandene und aus Keimen/Samen Hervorsprießende.]
Das ewige Recht [Dharma] wird dich in jeder Hinsicht durchdringen; der Weltenhüter Yama und die Krankheiten als Gefährten [werden dir beistehen]; und ich und die Weisen werden dir überdies einen Segen geben: dass du, von Sünde befreit, makellos, zu Ruhm gelangen wirst.' So angesprochen, o Großkönig, sprach sie, mit gefalteten Händen, wiederum dieses Wort zum Erhabenen, ihn mit ihrem Haupt besänftigend:
Wort für Wort
dharmaḥ sanātanaś ca tvā
das ewige Recht wird dich (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)
sarvathānupravekṣyati
in jeder Hinsicht durchdringen (Adv. + 3.Sg.Fut.)
lokapālo yamaś caiva
der Weltenhüter Yama (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg. + Konj.)
sahāyā vyādhayas tathā
als Gefährten die Krankheiten (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv.)
ahaṃ ca vibudhāś caiva
und ich und die Weisen (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Pl. + Konj.)
punar dāsyāma te varam
werden dir überdies einen Segen geben (Adv. + 1.Pl.Fut. + Dat.Sg. + Akk.Sg.)
yathā tvam enasā muktā
dass du, von Sünde befreit (Konj. + Nom.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
virajāḥ khyātim eṣyasi
makellos, zu Ruhm gelangen wirst (Nom.Sg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Fut.)
saivam uktā mahārāja
so angesprochen, o Großkönig (Nom.Sg.+Adv. + Nom.Sg.Ptz. + Vok.Sg.)
kṛtāñjalir idaṃ vibhum
mit gefalteten Händen, dies zum Erhabenen (Nom.Sg.Ptz.Kompositum + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
punar evābravīd vākyaṃ
sprach sie wiederum dieses Wort (Adv. + Partikel + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
prasādya śirasā tadā
ihn mit dem Haupt besänftigend, da (Ger. + Instr.Sg. + Adv.)
yady evam etat kartavyaṃ mayā na syād vinā prabho tavājñā mūrdhni me nyastā yat te vakṣyāmi tac chṛṇu lobhaḥ krodho 'bhyasūyerṣyā droho mohaś ca dehinām ahrīś cānyonyaparuṣā dehaṃ bhindyuḥ pṛthagvidhāḥ
'Wenn dies von mir getan werden muss, so möge es nicht ohne dich geschehen, Gebieter. Dein Befehl ist auf mein Haupt gelegt; höre, was ich dir sagen will: Gier, Zorn, Missgunst, Eifersucht, Feindschaft und Verblendung der verkörperten Wesen, Schamlosigkeit und gegenseitige Rohheit — diese mannigfaltigen [Übel] mögen den Leib zerstören [nicht ich selbst].
Wort für Wort
yady evam etat kartavyaṃ
wenn dies so getan werden muss (Konj. + Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ger.)
mayā na syād vinā prabho
möge es nicht ohne mich [dich] sein, Gebieter (Instr.Sg. + Neg. + 3.Sg.Opt. + Postp. + Vok.Sg.)
tavājñā mūrdhni me nyastā
dein Befehl ist auf mein Haupt gelegt (Gen.Sg.+Nom.Sg. + Lok.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
yat te vakṣyāmi tac chṛṇu
höre, was ich dir sagen will (Akk.Sg. + Dat.Sg. + 1.Sg.Fut. + Akk.Sg. + Imp.2.Sg.)
Feindschaft und Verblendung der Verkörperten (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj. + Gen.Pl.)
ahrīś cānyonyaparuṣā
Schamlosigkeit und gegenseitige Rohheit (Nom.Sg. + Konj.+Nom.Sg.Kompositum)
dehaṃ bhindyuḥ pṛthagvidhāḥ
mögen den Leib zerstören, die mannigfaltigen (Akk.Sg. + 3.Pl.Opt. + Nom.Pl.Kompositum)
[Anm.: 008_0207 trägt die Sprecherangabe 'brahmovāca', doch der Vers 'ahrīś cānyonyaparuṣā...' setzt inhaltlich noch Mṛtyus Aufzählung der Laster fort, die stellvertretend für sie den Tod bewirken sollen; erst der folgende Vers ('tathā bhaviṣyate mṛtyo...') ist eindeutig Brahmās Antwort. Beide werden hier entsprechend zugeordnet (vgl. die Anmerkung im Kapitelkopf zu den unsicheren Sprecherwechseln dieser Passage).]
tathā bhaviṣyate mṛtyo sādhu saṃhara vai prajāḥ adharmas te na bhavitā nāpadhyāsyāmy ahaṃ śubhe yāny aśrubindūni kare samāsate te vyādhayaḥ prāṇinām ātmajātāḥ te mārayiṣyanti narān gatāsūn nādharmas te bhavitā mā sma bhaiṣīḥ
'So sei es, Mṛtyu; wohlan, vernichte die Geschöpfe. Es wird kein Unrecht für dich sein; ich werde dich nicht verachten, Reine. Jene Tränentropfen, die in deiner Hand ruhen — sie werden, aus dir selbst geboren, zu Krankheiten für die Lebewesen; sie werden die Menschen töten, [aber nur] deren Lebenshauch [bereits] entwichen ist. Kein Unrecht wird für dich sein; fürchte dich nicht!
Wort für Wort
tathā bhaviṣyate mṛtyo
so sei es, Mṛtyu (Adv. + 3.Sg.Fut. + Vok.Sg.)
sādhu saṃhara vai prajāḥ
wohlan, vernichte fürwahr die Geschöpfe (Adv. + Imp.2.Sg. + Partikel + Akk.Pl.)
adharmas te na bhavitā
es wird kein Unrecht für dich sein (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Neg. + 3.Sg.Fut.)
nāpadhyāsyāmy ahaṃ śubhe
ich werde dich nicht verachten, Reine (Neg.+1.Sg.Fut. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
yāny aśrubindūni kare
jene Tränentropfen in der Hand (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Lok.Sg.)
dharmo mṛtyo māraṇe prāṇināṃ te tvaṃ vai dharmas tvaṃ hi dharmasya ceśā dharmyā bhūtvā dharmanityā dharitrī tasmāt prāṇān sarvathemān niyaccha sarveṣāṃ vai prāṇināṃ kāmaroṣau saṃtyajya tvaṃ saṃharasveha jīvān evaṃ dharmas te bhaviṣyaty ananto mithyāvṛttān mārayiṣyaty adharmaḥ
Rechtschaffenheit [Dharma] liegt, Mṛtyu, in deinem Töten der Lebewesen; du selbst bist Dharma, du bist die Gebieterin des Dharma — rechtschaffen geworden, dem Dharma stets ergeben, [wie] die Erde [selbst, die alles trägt]. Darum nimm auf jede Weise diese Lebenshauche fort; nachdem du Begehren und Zorn gegenüber allen Lebewesen aufgegeben hast, nimm hier die Leben. So wird dein Dharma endlos sein; die Falschhandelnden aber wird [ihr eigenes] Unrecht [selbst] töten.
Wort für Wort
dharmo mṛtyo māraṇe
Rechtschaffenheit, Mṛtyu, liegt im Töten (Nom.Sg. + Vok.Sg. + Lok.Sg.)
prāṇināṃ te tvaṃ vai dharmas
der Lebewesen durch dich; du bist fürwahr Dharma (Gen.Pl. + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
tvaṃ hi dharmasya ceśā
du bist die Gebieterin des Dharma (Nom.Sg. + Partikel + Gen.Sg. + Konj.+Nom.Sg.)
Dadurch reinige du selbst dich durch dich selbst; die Nichtswürdigen aber werden sich selbst ins Übel versenken. Darum, mag Begehren oder auch Zorn dich befallen — nachdem du dies aufgegeben hast, nimm hier die Leben.' Sie aber, erschrocken durch [Brahmās] Lehre über ihre 'Tod'-Benennung [d.h. über ihre nunmehr feststehende Bestimmung als Mṛtyu], erschrocken vor dem Fluch [den ein Verstoß nach sich zöge], sagte zu ihm: 'So sei es.'
Wort für Wort
tenātmānaṃ pāvayasvātmanā
dadurch reinige du dich selbst durch dich selbst (Instr.Sg. + Akk.Sg. + Imp.2.Sg.Med. + Instr.Sg.)
tvaṃ pāpe 'tmānaṃ
du, ins Übel dich selbst (Nom.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.)
majjayiṣyanty asattvāḥ
werden versenken die Nichtswürdigen (3.Pl.Fut.Caus. + Nom.Pl.)
tasmāt kāmaṃ roṣam apy
darum, mag Begehren oder auch Zorn (Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Partikel)
Und sie nimmt, am Ende-Zeitpunkt der Lebewesen, Begehren und Zorn aufgebend, unangehaftet, die Lebenshauche fort — [doch eigentlich ist es so:] Mṛtyu [wirkt durch] ihre [aus ihr] entstandenen Krankheiten; Krankheit, Siechtum ist es, wodurch ein Geschöpf gepeinigt wird. Aller Lebewesen Lebenshauche, am Ende ihres Weges, kehren, [einmal] gegangen, ebenso [nicht wirklich] zurück [sie verlassen den Körper endgültig].
Wort für Wort
sā ca prāṇān prāṇinām
und sie die Lebenshauche der Lebewesen (Nom.Sg. + Konj. + Akk.Pl. + Gen.Pl.)
antakāle kāmakrodhau
am Ende-Zeitpunkt, Begehren und Zorn (Lok.Sg.Kompositum + Akk.Du.Kompositum)
Mṛtyu — deren Krankheiten (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Pl.)
tatprasūtā vyādhī rogo
aus ihr entstanden — Krankheit, Siechtum (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
rujyate yena jantuḥ
wodurch ein Geschöpf gepeinigt wird (3.Sg.Präs.Pass. + Instr.Sg. + Nom.Sg.)
sarveṣāṃ vai prāṇināṃ
aller Lebewesen fürwahr (Gen.Pl. + Partikel + Gen.Pl.)
prāyaṇānte prāṇā gatvā
am Ende des Weges, die Lebenshauche gegangen (Lok.Sg.Kompositum + Nom.Pl. + Ger.)
saṃnivṛttās tathaiva
kehren ebenso [nicht wirklich] zurück (Nom.Pl.Ptz. + Adv.)
[Anm.: Dieser Vers führt die im vorigen Abschnitt begründete Lehre aus: Mṛtyu selbst tötet nicht unmittelbar, sondern wirkt durch die aus ihren Tränen geborenen Krankheiten; der eigentliche Vorgang des Sterbens wird sodann — im folgenden Vers — auf den aus dem Körper entweichenden Lebenswind (vāyu/prāṇa) zurückgeführt.]
Der furchtbare Wind, furchtbar tosend, von großer Kraft, der die Leiber der Lebewesen durchbricht, allgegenwärtig — er erlangt niemals Wiederkehr noch Fortdauer [im Körper]; der Grimmige, von endloser Glut, der Ausgezeichnete. Alle Götter, mit dem [bloßen] Namen 'sterblich' [belegt, sind in Wahrheit] ausgezeichnet [über den Tod erhaben] — darum betrauere deinen Sohn nicht, Löwe unter den Königen.
Wort für Wort
vāyur bhīmo bhīmanādo
der furchtbare, furchtbar tosende Wind (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
mahaujā bhettā dehān
von großer Kraft, der Durchbrecher der Leiber (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg. + Akk.Pl.)
prāṇināṃ sarvago 'sau
der Lebewesen, allgegenwärtig, dieser (Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
naivāvṛttiṃ nānuvṛttiṃ
erlangt weder Wiederkehr noch Fortdauer (Neg.+Konj.+Akk.Sg. + Neg.+Akk.Sg.)
kadā cit prāpnoty ugro
jemals — der Grimmige (Adv.+Partikel + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
'nantatejā viśiṣṭaḥ
von endloser Glut, der Ausgezeichnete (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
sarve devā martyasaṃjñā
alle Götter, mit dem Namen 'sterblich' (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
viśiṣṭās tasmāt putraṃ
sind ausgezeichnet — darum den Sohn (Nom.Pl. + Adv. + Akk.Sg.)
mā śuco rājasiṃha
betrauere nicht, Löwe unter den Königen (Neg. + Imp.2.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
[Anm.: Dieser dichte, philosophisch verdichtete Vers verschiebt den eigentlichen Ort des Sterbens noch einmal: nicht Mṛtyu, nicht einmal die Krankheit, sondern der aus dem Körper entweichende Lebenswind (prāṇa/vāyu) selbst, der nie wiederkehrt, ist das eigentliche Geschehen des Todes. Die Anrede 'rājasiṃha' ('Löwe unter den Königen') gilt im unmittelbaren Erzählrahmen Akampana, doch die Lehre selbst ist - wie der weitere Kapitelverlauf zeigt - zugleich an Yudhiṣṭhira gerichtet.]
Den Himmel erlangt, freut sich dein Sohn, stets die lieblichen Heldenwelten genießend, das Leid abgelegt, mit den Rechtschaffenen vereint. Dies ist der von den Göttern verordnete Tod für die Geschöpfe, der sie, zur rechten Zeit gekommen, ordnungsgemäß hinwegnimmt — nicht selbst eigens gemacht, die Lebenraubende der Geschöpfe. Fürwahr, sich selbst töten alle Lebewesen [durch ihre eigenen Taten]; nicht tötet sie der Tod mit dem Stab in der Hand. Darum betrauern die Weisen die Toten nicht.
Wort für Wort
svargaṃ prāpto modate
den Himmel erlangt, freut sich (Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + 3.Sg.Präs.Med.)
tvattanūjo nityaṃ ramyān
dein Sohn, stets die lieblichen (Nom.Sg.Kompositum + Adv. + Akk.Pl.)
das Leid abgelegt habend, vereint (Ger. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
puṇyakṛdbhir eṣā mṛtyur
mit den Rechtschaffenen — dies ist der Tod (Instr.Pl.Kompositum + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
devadiṣṭā prajānām
der von den Göttern verordnete, der Geschöpfe (Nom.Sg.Kompositum + Gen.Pl.)
prāpte kāle saṃharitrī
zur rechten Zeit gekommen, die Hinwegnehmerin (Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
yathāvat svayaṃ kṛtā
ordnungsgemäß, nicht selbst eigens gemacht (Adv. + Adv. + Nom.Sg.Ptz.)
prāṇaharā prajānām
die Lebenraubende der Geschöpfe (Nom.Sg.Kompositum + Gen.Pl.)
ātmānaṃ vai prāṇino ghnanti
sich selbst fürwahr töten die Lebewesen (Akk.Sg. + Partikel + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.)
sarve nainaṃ mṛtyur
alle — nicht sie tötet der Tod (Nom.Pl. + Neg.+Akk.Sg. + Nom.Sg.)
daṇḍapāṇir hinasti
mit dem Stab in der Hand (Nom.Sg.Kompositum + 3.Sg.Präs.)
tasmān mṛtān nānuśocanti
darum betrauern nicht die Toten (Adv. + Akk.Pl. + Neg.+3.Pl.Präs.)
dhīrās
die Weisen (Nom.Pl.)
[Anm.: Abschluss von Brahmās und Mṛtyus Dialog und zugleich der ganzen Todes-Ursprungserzählung mit ihrer zentralen Lehre: der Tod als solcher ist nicht der eigentliche Täter, sondern nur der geordnete Vollzug dessen, was jedes Lebewesen durch seine Taten (karma) letztlich sich selbst bereitet — daher gebührt den Toten kein Trauern, sondern Gelassenheit.]
[Vyāsa (zu Yudhiṣṭhira):] 'Nachdem er diese Wahrheit, diese von Brahmā geschaffene Gewissheit erkannt hatte, [war Akampana getröstet].' Als er diese bedeutungsvolle, von Nārada dargelegte Rede gehört hatte, sprach König Akampana damals zu seinem Freund Nārada: 'Von Sorge befreit, bin ich erfreut, Erhabener, Bester der Seher! Da ich heute diese Erzählung [itihāsa] von dir gehört habe, bin ich am Ziel; ich verneige mich vor dir.'
Wort für Wort
tattvaṃ jñātvā niścayaṃ
diese Wahrheit erkannt habend, die Gewissheit (Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg.)
brahmasṛṣṭam etac
diese von Brahmā geschaffene (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
chrutvārthavad vākyaṃ
diese bedeutungsvolle Rede gehört habend (Ger. + Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
nāradena prakāśitam
von Nārada dargelegte (Instr.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
uvācākampano rājā
sprach König Akampana (3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
sakhāyaṃ nāradaṃ tadā
zu seinem Freund Nārada damals (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Adv.)
vyapetaśokaḥ prīto 'smi
von Sorge befreit, bin ich erfreut (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz. + 1.Sg.Präs.)
bhagavann ṛṣisattama
Erhabener, Bester der Seher (Vok.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
śrutvetihāsaṃ tvatto 'dya
diese Erzählung von dir heute gehört habend (Ger.+Akk.Sg. + Abl.Sg. + Adv.)
kṛtārtho 'smy abhivādaye
bin ich am Ziel; ich verneige mich (Nom.Sg.Kompositum + 1.Sg.Präs. + 1.Sg.Präs.)
tathokto nāradas tena rājñā ṛṣivarottamaḥ jagāma nandanaṃ śīghraṃ devarṣir amitātmavān puṇyaṃ yaśasyaṃ svargyaṃ ca dhanyam āyuṣyam eva ca asyetihāsasya sadā śravaṇaṃ śrāvaṇaṃ tathā
So von jenem König angesprochen, begab sich Nārada, der Beste der Weisenfürsten, rasch zum [himmlischen Garten] Nandana, der Gottseher von unermesslicher Seele. Verdienstvoll, Ruhm bringend, himmlisch, segensreich und lebensverlängernd zugleich ist es, diese Erzählung [itihāsa] stets zu hören und andere sie hören zu lassen.
Wort für Wort
tathokto nāradas tena
so angesprochen, Nārada, von jenem (Adv.+Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Instr.Sg.)
rājñā ṛṣivarottamaḥ
König, der Beste der Weisenfürsten (Instr.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
jagāma nandanaṃ śīghraṃ
begab sich rasch zum Nandana (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Adv.)
devarṣir amitātmavān
der Gottseher von unermesslicher Seele (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
etad arthapadaṃ śrutvā vijñāya tvaṃ ca pāṇḍava kṣatradharmaṃ ca vijñāya śūrāṇāṃ ca parāṃ gatim saṃprāpto 'sau mahāvīryaḥ svargalokaṃ mahārathaḥ abhimanyuḥ parān hatvā pramukhe sarvadhanvinām yudhyamāno maheṣvāso hataḥ so 'bhimukho raṇe asinā gadayā śaktyā dhanuṣā ca mahārathaḥ
[Vyāsa fuhr zu Yudhiṣṭhira fort:] 'Nachdem du diesen wesentlichen Lehrsatz gehört und verstanden hast, o Pāṇḍava, und die Pflicht der Krieger [Kṣatradharma] sowie das höchste Ziel der Helden erkannt hast — jener von großer Kraft, der große Wagenkämpfer, ist zur Himmelswelt gelangt: Abhimanyu, der Feinde erschlug, an vorderster Stelle unter allen Bogenschützen; er, der große Bogenschütze, im Kampf begriffen, wurde erschlagen, dem Feind zugewandt in der Schlacht — mit Schwert, Keule, Speer und Bogen, der große Wagenkämpfer.
Wort für Wort
etad arthapadaṃ śrutvā
diesen wesentlichen Lehrsatz gehört habend (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Ger.)
vijñāya tvaṃ ca pāṇḍava
verstanden habend, du, o Pāṇḍava (Ger. + Nom.Sg. + Konj. + Vok.Sg.)
kṣatradharmaṃ ca vijñāya
und die Kriegerpflicht erkannt habend (Akk.Sg.Kompositum + Konj. + Ger.)
śūrāṇāṃ ca parāṃ gatim
und der Helden höchstes Ziel (Gen.Pl. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
saṃprāpto 'sau mahāvīryaḥ
gelangt ist jener von großer Kraft (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
svargalokaṃ mahārathaḥ
zur Himmelswelt, der große Wagenkämpfer (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
abhimanyuḥ parān hatvā
Abhimanyu, die Feinde erschlagen habend (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Ger.)
pramukhe sarvadhanvinām
an vorderster Stelle unter allen Bogenschützen (Lok.Sg. + Gen.Pl.Kompositum)
yudhyamāno maheṣvāso
kämpfend, der große Bogenschütze (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Kompositum)
hataḥ so 'bhimukho raṇe
wurde erschlagen, dem Feind zugewandt in der Schlacht (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
asinā gadayā śaktyā
mit Schwert, Keule, Speer (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
dhanuṣā ca mahārathaḥ
und Bogen, der große Wagenkämpfer (Instr.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Kompositum)
Darum fasse äußerste Standhaftigkeit, zusammen mit deinen Brüdern, o Pāṇḍava; unbeirrt, wohlgerüstet, ziehe rasch zum Kampf aus.' — Nachdem er [Yudhiṣṭhira] so von der Entstehung des Todes und den unvergleichlichen Taten [der alten Könige, deren Erzählung noch folgen sollte] gehört hatte, sprach der König des Rechts [Yudhiṣṭhira] wiederum ein Wort, ihn [Vyāsa] besänftigend, sodann:
ziehe rasch zum Kampf aus (Adv. + Inf. + Imp.2.Sg.)
śrutvā mṛtyusamutpattiṃ
von der Entstehung des Todes gehört habend (Ger. + Akk.Sg.Kompositum)
karmāṇy anupamāni ca
und die unvergleichlichen Taten (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Konj.)
dharmarājaḥ punar vākyaṃ
der König des Rechts wiederum ein Wort (Nom.Sg.Kompositum + Adv. + Akk.Sg.)
prasādyainam athābravīt
ihn besänftigend, sprach sodann (Ger. + Akk.Sg. + Adv.+3.Sg.Impf.)
[Anm.: Der Sprecherwechsel an dieser Stelle ist im Apparat auffällig verschränkt: 008_0265 trägt die Angabe 'saṃjaya uvāca' — die dem äußersten Rahmen der Erzählung (Saṃjaya berichtet Dhṛtarāṣṭra) zugehörige Sprecherangabe —, obwohl der Vers selbst inhaltlich noch Vyāsas Rat an Yudhiṣṭhira abschließt. Dies wird hier als Rückkehr zur Rahmenerzählung nach Abschluss von Vyāsas Rede interpretiert, wobei der Versinhalt jedoch dem Sinn nach noch Vyāsa zugeordnet bleibt.]
guravaḥ puṇyakarmāṇaḥ śakrapratimavikramāḥ pūrvarājarṣayo brahman kiyanto mṛtyunā hatāḥ bhūya eva tu māṃ tathyair vacobhir abhibṛṃhaya rājarṣīṇāṃ purāṇānāṃ samāśvāsaya karmabhiḥ kiyatyo dakṣiṇā dattāḥ kaiś ca dattā mahātmabhiḥ
'Die Ehrwürdigen, von heiligem Wirken, von Indra-gleicher Tatkraft, die alten Königsseher, Brahmane [Vyāsa] — wie viele von ihnen wurden vom Tod dahingerafft? Stärke mich doch noch einmal mit wahrhaftigen Worten; tröste mich durch die Taten der alten Königsseher. Wie viele Opfergaben [dakṣiṇā] wurden gegeben, und von welchen Hochgesinnten wurden sie gegeben?'
Wort für Wort
guravaḥ puṇyakarmāṇaḥ
die Ehrwürdigen, von heiligem Wirken (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
śakrapratimavikramāḥ
von Indra-gleicher Tatkraft (Nom.Pl.Kompositum)
pūrvarājarṣayo brahman
die alten Königsseher, Brahmane (Nom.Pl.Kompositum + Vok.Sg.)
kiyanto mṛtyunā hatāḥ
wie viele wurden vom Tod dahingerafft (Nom.Pl. + Instr.Sg. + Nom.Pl.Ptz.)
bhūya eva tu māṃ
doch noch einmal mich (Adv. + Partikel + Partikel + Akk.Sg.)
tathyair vacobhir abhibṛṃhaya
mit wahrhaftigen Worten stärke (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Imp.2.Sg.)
rājarṣīṇāṃ purāṇānāṃ
der alten Königsseher (Gen.Pl.Kompositum + Gen.Pl.)
samāśvāsaya karmabhiḥ
tröste durch die Taten (Imp.2.Sg. + Instr.Pl.)
kiyatyo dakṣiṇā dattāḥ
wie viele Opfergaben wurden gegeben (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Ptz.)
kaiś ca dattā mahātmabhiḥ
und von welchen Hochgesinnten gegeben (Instr.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Ptz. + Instr.Pl.)
[Vyāsa begann:] Des Königs Śvitya Sohn, ein Erdenherrscher namens Sṛñjaya — die beiden Seher Nārada und Parvata waren dessen Freunde. Einst betraten die beiden sein Haus, aus Verlangen, ihn zu sehen; von ihm vorschriftsgemäß verehrt, weilten sie zufrieden dort in Glück.
Wort für Wort
śvityasya nṛpateḥ putraḥ
des Königs Śvitya Sohn (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
sṛñjayo nāma bhūmipaḥ
namens Sṛñjaya, ein Erdenherrscher (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.Kompositum)
sakhāyau tasya caivobhau
dessen Freunde, beide (Nom.Du. + Gen.Sg. + Konj.+Nom.Du.)
ṛṣī nāradaparvatau
die Seher Nārada und Parvata (Nom.Du. + Nom.Du.Kompositum)
tau kadā cid gṛhaṃ tasya
die beiden betraten einst sein Haus (Nom.Du. + Adv.+Partikel + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
praviṣṭau taddidṛkṣayā
betreten habend, aus Verlangen ihn zu sehen (Nom.Du.Ptz. + Instr.Sg.Kompositum)
vidhivac cārcitau tena
und vorschriftsgemäß von ihm verehrt (Adv. + Konj.+Nom.Du.Ptz. + Instr.Sg.)
prītau tatroṣatuḥ sukham
zufrieden weilten sie dort in Glück (Nom.Du.Ptz. + 3.Du.Perf. + Adv.)
Einst, als er [Sṛñjaya] angenehm mit den beiden zusammensaß, kam eine Tochter zu ihm, Sṛñjaya, eine Jungfrau von schönster Gestalt, rein lächelnd. [Nārada dachte bei sich:] 'Wessen [Tochter] ist diese, mit den beweglichen Augenwinkeln, mit allen glückverheißenden Merkmalen ausgestattet — ist sie etwa ein Lichtglanz der Sonne, oder ist dies eine Flamme des Feuers?'
Wort für Wort
taṃ kadā cit sukhāsīnaṃ
als er einst angenehm dasaß (Akk.Sg. + Adv.+Partikel + Akk.Sg.Ptz.Kompositum)
tābhyāṃ saha śucismitā
mit den beiden, rein lächelnd (Instr.Du. + Postp. + Nom.Sg.Kompositum)
duhitābhyāgamat kanyā
kam eine Tochter, eine Jungfrau (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
sṛñjayaṃ varavarṇinī
zu Sṛñjaya, von schönster Gestalt (Akk.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
kasyeyaṃ capalāpāṅgī
wessen [Tochter] ist diese, mit beweglichen Augenwinkeln (Gen.Sg.+Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
sarvalakṣaṇasaṃmatā
mit allen glückverheißenden Merkmalen ausgestattet (Nom.Sg.Kompositum)
utāho bhāsvid arkasya
oder ist sie ein Lichtglanz der Sonne (Konj. + Partikel + Gen.Sg.)
jvalanasya śikhā tv iyam
oder eine Flamme des Feuers, diese (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
'Scham, Glanz, Ruhm, Standhaftigkeit, Gedeihen, Erfolg, [oder gar] der Mondesschein [selbst]?' So sprach der Königsherrscher Sṛñjaya zu dem so redenden Gottseher: 'Diese ist meine Tochter, Erhabener; von mir erhofft sie sich eine Gabe [an einen künftigen Gatten].' Nārada aber sagte zu ihm: 'Gib mir diese, o König, zur Gattin, wenn du überaus großes Heil erlangen willst, Makelloser.'
dadānīty eva saṃhṛṣṭaḥ sṛñjayaḥ prāha nāradam parvatas tu susaṃkruddho nāradaṃ vākyam abravīt hṛdayena mayā pūrvaṃ vṛtāṃ vai vṛtavān asi yasmād vṛtā tvayā vipra mā gāḥ svargaṃ yathecchayā
'Ich gebe [sie]', sprach hocherfreut Sṛñjaya zu Nārada. Parvata aber, heftig erzürnt, sprach zu Nārada dieses Wort: 'Du hast dir genommen, was ich im Herzen zuvor [mir] erwählt hatte. Weil du sie [so] an dich genommen hast, Brahmane, mögest du nicht nach eigenem Belieben [einfach] zum Himmel gelangen!'
Wort für Wort
dadānīty eva saṃhṛṣṭaḥ
'ich gebe' — so, hocherfreut (1.Sg.Präs.+Partikel + Partikel + Nom.Sg.Ptz.)
sṛñjayaḥ prāha nāradam
sprach Sṛñjaya zu Nārada (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf. + Akk.Sg.)
parvatas tu susaṃkruddho
Parvata aber, heftig erzürnt (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Ptz.)
nāradaṃ vākyam abravīt
sprach zu Nārada dieses Wort (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
hṛdayena mayā pūrvaṃ
von mir zuvor im Herzen (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Adv.)
vṛtāṃ vai vṛtavān asi
die Erwählte hast du fürwahr genommen (Akk.Sg.Ptz. + Partikel + Nom.Sg.Ptz. + 2.Sg.Präs.)
yasmād vṛtā tvayā vipra
weil sie von dir genommen wurde, Brahmane (Adv. + Nom.Sg.Ptz. + Instr.Sg. + Vok.Sg.)
mā gāḥ svargaṃ yathecchayā
mögest du nicht nach Belieben zum Himmel gehen (Neg. + 2.Sg.Aor.Inj. + Akk.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
evam ukto nāradas taṃ pratyuvācottaraṃ vacaḥ manovāgbuddhisaṃbhāṣāḥ satyaṃ toyam athāgnayaḥ pāṇigrahaṇamantrāś ca prathitaṃ varalakṣaṇam na tv eṣā niścitā niṣṭhā niṣṭhā saptapadī smṛtā anutpanne ca kāryārthe māṃ tvaṃ vyāhṛtavān asi tasmāt tvam api na svargaṃ gamiṣyasi mayā vinā
So angesprochen, erwiderte Nārada ihm dieses Wort: 'Gespräche des Geistes, der Rede, des Verstandes, Wahrheit[sversprechen], Wasser und Feuer sodann, die Formeln des Hand-Ergreifens — [all dies] gilt als bekanntes Kennzeichen der [ehelichen] Wahl; nicht aber gilt dies als endgültige Bindung — die endgültige Bindung ist als das Siebenschritte-Gehen überliefert. Doch bevor die Sache [die Heirat] vollzogen war, hast du mich [voreilig] genannt [beschworen]; darum wirst auch du nicht ohne mich zum Himmel gelangen.'
Wort für Wort
evam ukto nāradas taṃ
so angesprochen, Nārada ihm (Adv.+Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
pratyuvācottaraṃ vacaḥ
erwiderte dieses Wort (3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
manovāgbuddhisaṃbhāṣāḥ
Gespräche des Geistes, der Rede, des Verstandes (Nom.Pl.Kompositum)
satyaṃ toyam athāgnayaḥ
Wahrheit[sversprechen], Wasser und Feuer (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.+Nom.Pl.)
pāṇigrahaṇamantrāś ca
und die Formeln des Hand-Ergreifens (Nom.Pl.Kompositum + Konj.)
prathitaṃ varalakṣaṇam
gelten als bekanntes Kennzeichen der Wahl (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Kompositum)
na tv eṣā niścitā niṣṭhā
nicht aber ist dies endgültige Bindung (Neg. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
niṣṭhā saptapadī smṛtā
als endgültige Bindung gilt das Siebenschritte-Gehen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
anutpanne ca kāryārthe
bevor die Sache vollzogen war (Lok.Sg.Ptz. + Konj. + Lok.Sg.Kompositum)
māṃ tvaṃ vyāhṛtavān asi
hast du mich [voreilig] genannt (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + 2.Sg.Präs.)
tasmāt tvam api na svargaṃ
darum wirst auch du nicht zum Himmel (Adv. + Nom.Sg. + Partikel + Neg. + Akk.Sg.)
gamiṣyasi mayā vinā
gelangen ohne mich (2.Sg.Fut. + Instr.Sg. + Postp.)
[Anm.: Die 'saptapadī', das gemeinsame Siebenschritte-Gehen, gilt in der hinduistischen Tradition als der rechtlich bindende Akt der Eheschließung, dem alle vorherigen Gespräche und Absichtserklärungen noch nicht gleichkommen — mit diesem Argument entkräftet Nārada Parvatas Anspruch.]
anyonyam evaṃ śaptvā vai tasthatus tatra tau tadā sṛñjayo hy api vai viprān pānācchādanabhojanaiḥ putrakāmaḥ paraṃ śaktyā yatnenopācarac chuciḥ tasya prasannā viprendrāḥ kadā cit putram īpsavaḥ tapaḥsvādhyāyaniratā vedavedāṅgapāragāḥ sahitā nāradaṃ prāhur dehy asmai putram īpsitam
So einander verflucht, verharrten die beiden [Nārada und Parvata] damals dort. Sṛñjaya aber, sich einen Sohn wünschend, diente den Brahmanen mit Trank, Kleidung und Speise nach besten Kräften und mit Eifer, lauteren Sinnes. Einst waren die Brahmanenfürsten ihm gewogen, [ihm] einen Sohn zu verschaffen wünschend — der Askese und dem Studium ergeben, in Veda und Vedāṅgas bewandert; vereint sprachen sie zu Nārada: 'Gib diesem den gewünschten Sohn.'
'So sei es', sprach er zu den Brahmanen; von den Zweifachgeborenen [so] angesprochen, sagte Nārada zu Sṛñjaya: 'Wähle eine Gabe; Heil dir — was für einen Sohn du dir wünschst.' So angesprochen, erbat der König, mit gefalteten Händen, einen Sohn voller trefflicher Eigenschaften: ruhmreich, glanzvoll, energiegeladen, feindebezwingend — einen, dessen Urin und Kot, dessen Nässe und Schweiß zu Gold würden.
Wort für Wort
tathety uktvā dvijair uktaḥ
'so sei es' gesagt habend, von den Zweifachgeborenen angesprochen (Adv.+Partikel + Ger. + Instr.Pl. + Nom.Sg.Ptz.)
sṛñjayaṃ nārado 'bravīt
sagte Nārada zu Sṛñjaya (Akk.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
varaṃ vṛṇīṣva bhadraṃ te
wähle eine Gabe, Heil dir (Akk.Sg. + Imp.2.Sg.Med. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
yādṛśaṃ putram īpsitam
was für einen gewünschten Sohn (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
tathoktaḥ prāñjalī rājā
so angesprochen, mit gefalteten Händen, der König (Adv.+Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
putraṃ vavre guṇānvitam
erbat einen Sohn voller Eigenschaften (Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.Med. + Akk.Sg.Kompositum)
suvarṇaṣṭhīvir ity eva tasya nāmābhavat kṛtam tasmin varapradānena pravardhaty amite dhane kārayām āsa nṛpatiḥ sauvarṇaṃ sarvam īpsitam gṛhaprākāradurgāṇi brāhmaṇāvasathāny api śayyāsanāni yānāni sthālī piṭharabhājanam tasya sma rājño yad veśma bāhyāś copaskarāś ca ye sarvaṃ tat kāñcanamayaṃ kālena parivardhitam
'Suvarṇaṣṭhīvin' [Goldspeier] eben wurde sein Name gegeben. Da durch diese Gewährung des Segens sein Reichtum ins Unermessliche wuchs, ließ der König alles Gewünschte aus Gold herstellen: Häuser, Mauern, Festungen, auch Brahmanenwohnstätten, Betten, Sitze, Wagen, Kochtöpfe und Kessel — was immer dem König an Behausung gehörte und an äußerem Hausrat, all das wurde mit der Zeit golden.
Wort für Wort
suvarṇaṣṭhīvir ity eva
'Suvarṇaṣṭhīvin' eben (Nom.Sg.Kompositum + Partikel + Partikel)
tasya nāmābhavat kṛtam
wurde sein Name gegeben (Gen.Sg. + Nom.Sg.+3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Ptz.)
tasmin varapradānena
durch diese Gewährung des Segens (Lok.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
pravardhaty amite dhane
wuchs sein Reichtum ins Unermessliche (3.Sg.Präs. + Lok.Sg. + Lok.Sg.)
kārayām āsa nṛpatiḥ
ließ der König herstellen (3.Sg.Perf.Periphr.Caus. + Nom.Sg.)
sauvarṇaṃ sarvam īpsitam
alles Gewünschte golden (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
gṛhaprākāradurgāṇi
Häuser, Mauern, Festungen (Akk.Pl.Kompositum)
brāhmaṇāvasathāny api
auch Brahmanenwohnstätten (Akk.Pl.Kompositum + Partikel)
atha dasyugaṇāḥ śrutvā dṛṣṭvā cainaṃ tathāvidham saṃbhūya tasya nṛpateḥ samārabdhāś cikīrṣitum ke cit tatrābruvan rājñaḥ putraṃ gṛhṇīma vai svayam so 'syākaraḥ kāñcanasya tasya yatnaṃ carāmahe
Als nun Räuberscharen davon hörten und ihn [den Prinzen] so beschaffen sahen, taten sie sich zusammen und machten sich daran, gegen jenen König [ihr Vorhaben] auszuführen. Einige von ihnen sagten dort: 'Ergreifen wir doch selbst den Sohn des Königs — er ist ja die Goldquelle; um ihn wollen wir uns bemühen.'
Wort für Wort
atha dasyugaṇāḥ śrutvā
als nun Räuberscharen gehört hatten (Adv. + Nom.Pl.Kompositum + Ger.)
dṛṣṭvā cainaṃ tathāvidham
und ihn so beschaffen gesehen hatten (Ger. + Konj.+Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
saṃbhūya tasya nṛpateḥ
sich zusammengetan habend, gegen jenen König (Ger. + Gen.Sg. + Gen.Sg.)
samārabdhāś cikīrṣitum
machten sich daran, [es] auszuführen (Nom.Pl.Ptz. + Inf.Des.)
ke cit tatrābruvan rājñaḥ
einige sagten dort, des Königs (Nom.Pl.+Partikel + Adv.+3.Pl.Impf. + Gen.Sg.)
putraṃ gṛhṇīma vai svayam
Sohn ergreifen wir doch selbst (Akk.Sg. + 1.Pl.Präs. + Partikel + Adv.)
so 'syākaraḥ kāñcanasya
er ist ja die Goldquelle (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Gen.Sg.)
tasya yatnaṃ carāmahe
um ihn wollen wir uns bemühen (Gen.Sg. + Akk.Sg. + 1.Pl.Präs.Med.)
Da drangen jene gierigen Räuber in das Haus des Königs ein und raubten sodann den Königssohn Suvarṇaṣṭhīvin mit Gewalt. Ihn ergriffen habend, ohne das rechte Mittel zu kennen, führten sie ihn sodann in den Wald; dort erschlugen und zerlegten sie ihn — doch die überaus Gierigen fanden auch nicht das Geringste an Gut. Denn mit dem Entweichen seines Lebenshauches war jenes gabenspendende Gut [zugleich] verschwunden.
Und die Räuber, töricht und von Sinnen, erschlugen sich da gegenseitig; nachdem sie einander getötet hatten, kamen sie um, während der wundersame Knabe auf der Erde [tot lag] — die Übeltäter gingen in eine unfassbare, schreckliche Hölle ein. Als der König, von großer Askese, seinen durch den Segen geschenkten Sohn erschlagen sah, klagte er, von tiefstem Schmerz gequält, auf vielfache, erbarmungswürdige Weise.
Wort für Wort
dasyavaś ca tadānyonyaṃ
und die Räuber da einander (Nom.Pl. + Konj. + Adv.+Akk.Sg.)
jaghnur mūrkhā vicetasaḥ
erschlugen, töricht, von Sinnen (3.Pl.Perf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
hatvā parasparaṃ naṣṭāḥ
einander getötet habend, kamen sie um (Ger. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Ptz.)
kumāraṃ cādbhutaṃ bhuvi
während der wundersame Knabe auf der Erde (Akk.Sg. + Konj.+Akk.Sg. + Lok.Sg.)
asaṃbhāvyaṃ gatā ghoraṃ
gingen ein in eine unfassbare, schreckliche (Akk.Sg. + Nom.Pl.Ptz. + Akk.Sg.)
narakaṃ duṣṭakāriṇaḥ
Hölle, die Übeltäter (Akk.Sg. + Nom.Pl.Kompositum)
taṃ dṛṣṭvā nihataṃ putraṃ
ihn gesehen habend, den erschlagenen Sohn (Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
varadattaṃ mahātapāḥ
den durch den Segen geschenkten, von großer Askese (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
vilalāpa suduḥkhārto
klagte, von tiefstem Schmerz gequält (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.Kompositum)
bahudhā karuṇaṃ nṛpaḥ
auf vielfache, erbarmungswürdige Weise, der König (Adv. + Adv. + Nom.Sg.)
Als er nun den König, vom Sohnesschmerz getroffen, klagen hörte, erschien der Gottseher Nārada in seiner Nähe; er sprach zu ihm, dem vor Schmerz Gequälten, Klagenden, Besinnungslosen. [Vyāsa (zu Yudhiṣṭhira):] 'Nārada, zu Sṛñjaya herangetreten [sprach so] — vernimm dies, Yudhiṣṭhira:
Wort für Wort
vilapantaṃ niśamyātha
als er klagen hörte (Akk.Sg.Ptz. + Ger.+Adv.)
putraśokahataṃ nṛpam
den König, vom Sohnesschmerz getroffen (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
pratyadṛśyata devarṣir
erschien der Gottseher (3.Sg.Impf.Pass. + Nom.Sg.Kompositum)
nārado nṛpasaṃnidhau
Nārada in der Nähe des Königs (Nom.Sg. + Lok.Sg.Kompositum)
uvāca cainaṃ duḥkhārtaṃ
und sprach zu ihm, vom Schmerz Gequälten (3.Sg.Perf. + Konj.+Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
vilapantam acetasam
den Klagenden, Besinnungslosen (Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
sṛñjayaṃ nārado 'bhyetya
Nārada, zu Sṛñjaya herangetreten (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Ger.)
'Unbefriedigt von [deinen] Wünschen wirst du hier sterben, Sṛñjaya, in dessen Haus wir Brahma-Kundigen [jetzt] geweilt haben. Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass Marutta Āvikṣita [dennoch] gestorben ist — ihn, für den Saṃvarta, aus Wetteifer mit Bṛhaspati, das Opfer vollzog; dem jener erhabene Gebieter [Śiva] einen Segen gewährte, dem Königsseher, der den goldenen Fuß des Himavat mit mannigfachen Opfergaben zu opfern wünschte.
Wort für Wort
kāmānām avitṛptas tvaṃ
unbefriedigt von Wünschen, du (Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
sṛñjayeha mariṣyasi
Sṛñjaya, wirst du hier sterben (Vok.Sg.+Adv. + 2.Sg.Fut.)
yasya caite vayaṃ gehe
in dessen Haus wir (Gen.Sg. + Konj.+Nom.Pl. + Nom.Pl. + Lok.Sg.)
uṣitā brahmavādinaḥ
geweilt haben, die Brahma-Kundigen (Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.Kompositum)
den goldenen Fuß des Himavat (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
yiyakṣor vividhaiḥ savaiḥ
der mit mannigfachen Opfergaben zu opfern wünschte (Gen.Sg.Ptz. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
[Anm.: Hier beginnt die eigentliche 'Ṣoḍaśarājakīya', der Katalog der sechzehn Könige, mit König Marutta Āvikṣita. Der feste Refrain 'mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma' ('wir haben gehört, Sṛñjaya, dass ... gestorben ist') eröffnet jeweils einen neuen König; die Schlussformel folgt am Ende jedes Abschnitts. Da diese Formeln bei den folgenden fünfzehn Königen wortgleich wiederkehren, werden sie ab dem zweiten König nicht mehr eigens übersetzt kommentiert.]
Für ihn, den Hochgesinnten, trugen die Marut-Scharen mit Indra, angeführt von Bṛhaspati, alle Alles-Schaffenden Götter, die Opfergaben herbei; alle Gerätschaften des Opferplatzes waren golden. Alle Speise, die seinem Geist gemäß und rein war, genossen damals die Brahmanen nach Belieben, und alle speisebegehrenden Menschen [ebenso] — Milch, Quark, geschmolzene Butter, Honig, Speise und Mahl, herrlich zubereitet. Bei allen seinen Opfern erhielten die ausgestreckten, im Veda bewanderten [Priester] die gewünschten Gewänder und Schmuckstücke; die Windgötter [Maruts] waren die Aufwärter in seinem Haus, und der Wind [selbst diente ihm]. Des Königsseher Āvikṣita [Marutta] Hofsitzende waren die Allgötter [Viśvedevas] selbst.
Wort für Wort
yasya sendrā marudgaṇā
für ihn die Marut-Scharen mit Indra (Gen.Sg. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.Kompositum)
bṛhaspatipurogamāḥ
angeführt von Bṛhaspati (Nom.Pl.Kompositum)
devā viśvasṛjaḥ sarve
alle Alles-Schaffenden Götter (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
yajñān ūhur mahātmanaḥ
trugen die Opfergaben herbei, für den Hochgesinnten (Akk.Pl. + 3.Pl.Perf. + Gen.Sg.)
yajñavāṭasya sauvarṇāḥ
des Opferplatzes goldene (Gen.Sg.Kompositum + Nom.Pl.)
sarve cāsan paricchadāḥ
waren alle Gerätschaften (Nom.Pl. + Konj.+3.Pl.Impf. + Nom.Pl.)
yasya sarvaṃ tadā hy annaṃ
für ihn war damals alle Speise (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + Partikel + Nom.Sg.)
mano 'bhiprāyagaṃ śuci
dem Geist gemäß und rein (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
kāmato bubhujur viprāḥ
nach Belieben genossen die Brahmanen (Adv. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.)
sarve cānnārthino janāḥ
und alle speisebegehrenden Menschen (Nom.Pl. + Konj.+Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
yasya vīryavato rājñaḥ suvṛṣṭyā sasyasaṃpadaḥ havirbhis tarpitā yena samyak kḷptair divaukasaḥ ṛṣīṇāṃ ca pitṝṇāṃ ca devānāṃ sukhajīvinām brahmacaryaśrutasutair yajñair dānena cānṛṇaḥ śayanāsanayānāni svarṇarāśīś ca dustyajāḥ tat sarvam amitaṃ vittaṃ dattvā viprebhya icchayā so 'nudhyātas tu śakreṇa prajāḥ kṛtvā nirāmayāḥ śraddadhāno jitāṃl lokān gataḥ puṇyaduho 'kṣayān
Für den kraftvollen König gab es durch guten Regen reichen Erntesegen; durch rechtmäßig bereitete Opfergaben wurden die Himmelsbewohner von ihm zur Genüge gesättigt. Gegenüber den Sehern, den Vätern und den in Wohlleben befindlichen Göttern war er durch Keuschheit, Vedastudium und Söhne, durch Opfer und durch Freigebigkeit schuldenfrei [seiner Pflicht ledig]. Betten, Sitze, Wagen und schwer aufzugebende Goldhaufen — all dies unermessliche Gut gab er den Brahmanen nach ihrem Belieben. Von Indra [dann] bedacht, nachdem er seine Untertanen von Übel befreit hatte, gläubig, ging er zu den unvergänglichen, verdienstspendenden Welten ein.
Wort für Wort
yasya vīryavato rājñaḥ
für den kraftvollen König (Gen.Sg. + Gen.Sg.Kompositum + Gen.Sg.)
suvṛṣṭyā sasyasaṃpadaḥ
durch guten Regen, Erntesegen (Instr.Sg.Kompositum + Nom.Pl.Kompositum)
havirbhis tarpitā yena
durch Opfergaben gesättigt, wodurch (Instr.Pl. + Nom.Pl.Ptz. + Instr.Sg.)
samyak kḷptair divaukasaḥ
recht bereitete, die Himmelsbewohner (Adv. + Instr.Pl.Ptz. + Nom.Pl.Kompositum)
ṛṣīṇāṃ ca pitṝṇāṃ ca
der Seher und der Väter (Gen.Pl. + Konj. + Gen.Pl. + Konj.)
devānāṃ sukhajīvinām
der in Wohlleben befindlichen Götter (Gen.Pl. + Gen.Pl.Kompositum)
brahmacaryaśrutasutair
durch Keuschheit, Vedastudium und Söhne (Instr.Pl.Kompositum)
yajñair dānena cānṛṇaḥ
durch Opfer und Freigebigkeit schuldenfrei (Instr.Pl. + Instr.Sg. + Konj.+Nom.Sg.Kompositum)
śayanāsanayānāni
Betten, Sitze, Wagen (Akk.Pl.Kompositum)
svarṇarāśīś ca dustyajāḥ
und schwer aufzugebende Goldhaufen (Akk.Pl.Kompositum + Konj. + Akk.Pl.)
tat sarvam amitaṃ vittaṃ
all dies unermessliche Gut (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
dattvā viprebhya icchayā
gegeben habend den Brahmanen nach Belieben (Ger. + Dat.Pl. + Instr.Sg.)
so 'nudhyātas tu śakreṇa
von Indra bedacht aber (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Instr.Sg.)
prajāḥ kṛtvā nirāmayāḥ
die Untertanen frei von Übel gemacht habend (Akk.Pl. + Ger. + Akk.Pl.)
śraddadhāno jitāṃl lokān
gläubig, die erlangten Welten (Nom.Sg.Ptz. + Akk.Pl.Ptz. + Akk.Pl.)
gataḥ puṇyaduho 'kṣayān
ging ein, die unvergänglichen verdienstspendenden (Nom.Sg.Ptz. + Akk.Pl.Kompositum + Akk.Pl.)
Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
[Anm.: Dies ist die feste Refrain-Schlussformel, mit der jeder Königs-Abschnitt der Ṣoḍaśarājakīya endet (hier zum ersten Mal bei Marutta Āvikṣita); sie kehrt am Ende jedes weiteren Königsberichts wortgleich wieder, gefolgt von der ebenso formelhaften Übergangszeile 'ayajvānam adākṣiṇyam adhi śvaityety udāharat', deren genauer Sinn im Kontext unklar bleibt (etwa: 'so sprach man über den Nicht-Opfernden, den Nicht-Freigebigen, hinsichtlich der Weißheit/des Sthāṇu-Bezugs' — eine crux, die hier nicht eigens übersetzt, sondern nur strukturell als Kapitelübergang behandelt wird) und der neuen Sprecherangabe 'nārada uvāca'.]
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass ein König namens Suhotra gestorben ist — ein einzigartiger Held, unangreifbar, ein Zermalmer der feindlichen Scharen; der, nachdem er das Königtum rechtmäßig erlangt hatte, die Opferpriester und Hauspriester nach seinem eigenen Heil befragte und, nach ihrer Befragung, sich an ihre Meinung hielt: Der Schutz der Untertanen, Rechtschaffenheit, Freigebigkeit, Opfer und der Sieg über Feinde [seien das Heil] — dies erkannt habend, wünschte Suhotra sich auf rechtmäßige Weise Reichtum zu verschaffen. Rechtschaffen verehrte er die Götter, besiegte mit Pfeilen ebenso die Feinde, und erfreute alle Wesen auch durch seine eigenen [guten] Eigenschaften. Er genoss diese Erde, frei von Barbaren und Waldstämmen; für ihn ließ Parjanya [der Regengott] ein Jahr lang Gold regnen, und Flüsse führten Gold, für den hochgesinnten Suhotra.
Wort für Wort
suhotraṃ nāma rājānaṃ
einen König namens Suhotra (Akk.Sg. + Adv. + Akk.Sg.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yasmin kūrmān karkaṭakān matsyāṃś ca vividhān bahūn kāmān varṣati parjanyo rūpāṇi vividhāni ca sauvarṇāny aprameyāni vāpyaś ca krośasaṃmitāḥ sa tatra śatasāhasrān nakrān makarakacchapān sauvarṇān patitān dṛṣṭvā tato 'smayata vai 'tithiḥ tat suvarṇam aparyantaṃ rājarṣiḥ kurujāṅgale ījāno vitate yajñe brāhmaṇebhyo hy amanyata so 'śvamedhasahasreṇa rājasūyaśatena ca puṇyaiḥ kṣatriyayajñaiś ca prabhūtavaradakṣiṇaiḥ kāmyanaimittikājasrair iṣṭāṃ gatim avāptavān sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
[In seinem Reich], wo Parjanya nach Belieben Schildkröten, Krabben und mannigfache, zahlreiche Fische regnen ließ, mannigfache goldene, unermessliche Gestalten — und Wasserteiche, je eine Krośa-Strecke groß: dort, als ein Gast Hunderttausende von goldenen Krokodilen, Ungeheuern und Schildkröten fallen sah, lächelte er darüber. Jenes grenzenlose Gold gab der Königsseher im Kurujāṅgala, beim ausgebreiteten Opfer opfernd, den Brahmanen. Durch tausend Pferdeopfer und hundert Rājasūya-Opfer, durch verdienstvolle, mit reichlichen Opfergaben versehene Kṣatriya-Opfer, durch beliebige und gelegenheitsgebundene, unaufhörliche [Opfer] erlangte er das erwünschte Ziel. Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass ein heldenhafter König aus dem Puru-Geschlecht [Aṅga] gestorben ist, der tausendmal tausend weiße Pferde freiließ [opferte]. Bei jenes Königsseher Pferdeopfer gab es keine Zählung mehr der Gelehrten, die, aus Land um Land zusammengekommen, in Silbenlehre und Ritualwissen bewandert waren — in Vedaswissen und Gelübden gebadet, freigebig, von angenehmem Anblick; mit guter Speise, Kleidung und Wohnstatt, mit guten Betten, Sitzen und Fahrzeugen [versorgt]; durch Tänzer, Schauspieler, Gandharven, durch Gaukler mit Füllfiguren und durch spielende Ringkämpfer wurden sie dort hoch erfreut.
Wort für Wort
rājānaṃ pauravaṃ vīraṃ
einen heldenhaften König aus dem Puru-Geschlecht (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yaḥ sahasraṃ sahasrāṇāṃ
der tausendmal tausend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Pl.)
Bei jedem einzelnen Opfer ließ er, der Reihe nach, Opfergaben überreichen: zehntausend benannte Elefanten, goldglänzende junge Frauen, Wagen mit Bannern und Standarten, ebenso golden; tausendmal tausend mit Gold geschmückte Mädchen, [je] auf zugjochtragenden Pferden und Elefanten reitend, [je] mit hundert Häusern, Feldern und Rindern versehen; hundert Hunderttausend Goldketten und dazu Stiere, tausend Rinder als Gefolge — [so] ließ er die Opfergaben überreichen. Goldgehörnte, silberhufige [Kühe] mit ihren Kälbern, mit bronzenen Melkgefäßen; Sklavinnen, Sklaven, Esel und Kamele gab er, und viel Kleinvieh. Mannigfache Juwelenhügel, mannigfache Speiseberge — all dies ließ er beim ausgebreiteten Opfer als Opfergabe überreichen.
Wort für Wort
yajñe yajñe yathākālaṃ
bei jedem Opfer, der Reihe nach (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Adv.)
dakṣiṇāḥ so 'tyakālayat
ließ er Opfergaben überreichen (Akk.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.Caus.)
all dies beim ausgebreiteten Opfer (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
dakṣiṇā atyakālayat
ließ er als Opfergabe überreichen (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Caus.)
[Anm.: In diesem Vers wird der eigentliche Name des Königs erkennbar — 'aṅgasya yajamānasya' ('des Aṅga, der das Opfer vollzog') im übernächsten Vers identifiziert ihn eindeutig als König Aṅga.]
tatrāsya gāthā gāyanti ye purāṇavido janāḥ aṅgasya yajamānasya svadharmādhigatāḥ śubhāḥ guṇottarās te kratavas tasyāsan sārvakāmikāḥ sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Darüber singen jene Menschen, die die Überlieferung kennen, einen Lobgesang: Des Opfernden Aṅga, durch eigene Pflichterfüllung erlangte, glückverheißende, an guten Eigenschaften überragende Opferhandlungen — sie erfüllten alle seine Wünsche. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
tatrāsya gāthā gāyanti
darüber singen einen Lobgesang (Adv.+Gen.Sg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Präs.)
ye purāṇavido janāḥ
die Menschen, die die Überlieferung kennen (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
aṅgasya yajamānasya
des Opfernden Aṅga (Gen.Sg. + Gen.Sg.Ptz.)
svadharmādhigatāḥ śubhāḥ
durch eigene Pflicht erlangte, glückverheißende (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
guṇottarās te kratavas
die an Eigenschaften überragenden Opferhandlungen (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
tasyāsan sārvakāmikāḥ
erfüllten seine Wünsche (Gen.Sg.+3.Pl.Impf. + Nom.Pl.Kompositum)
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
[Anm.: Hier bestätigt sich der Name des dritten Königs: Aṅga, der in der überlieferten Genealogie oft als Vorfahr von Vena und dessen Sohn Pṛthu Vainya (dem vierzehnten König dieses Katalogs) gilt.]
śibim auśīnaraṃ cāpi mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma ya imāṃ pṛthivīṃ sarvāṃ carmavat paryaveṣṭayat sādridvīpārṇavavanāṃ rathaghoṣeṇa nādayan sa śibir vai ripūn nityaṃ mukhyān nighnan sapatnajit tena yajñair bahuvidhair iṣṭaṃ paryāptadakṣiṇaiḥ sa rājā vīryavān dhīmān avāpya vasu puṣkalam sarvamūrdhāvasiktānāṃ saṃmataḥ so 'bhavad yudhi
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch Śibi Auśīnara gestorben ist — der diese ganze Erde wie ein Fell umspannte, mit ihren Bergen, Inseln, Meeren und Wäldern, sie mit dem Dröhnen seiner Wagen erschallen lassend. Jener Śibi, der Nebenbuhler besiegte, erschlug stets die führenden Feinde. Durch ihn wurde mit mannigfachen Opfern, mit reichlichen Opfergaben versehen, geopfert; jener König, kraftvoll und weise, erlangte reichliches Gut und galt im Kampf als geachtet unter allen zu Häuptern Gesalbten [gekrönten Königen].
Wort für Wort
śibim auśīnaraṃ cāpi
auch Śibi Auśīnara (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Konj.+Partikel)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
ya imāṃ pṛthivīṃ sarvāṃ
der diese ganze Erde (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
carmavat paryaveṣṭayat
wie ein Fell umspannte (Adv. + 3.Sg.Impf.Caus.)
sādridvīpārṇavavanāṃ
mit ihren Bergen, Inseln, Meeren, Wäldern (Akk.Sg.Kompositum)
rathaghoṣeṇa nādayan
mit Wagendröhnen erschallen lassend (Instr.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.Caus.)
sa śibir vai ripūn nityaṃ
jener Śibi fürwahr stets die Feinde (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Akk.Pl. + Adv.)
mukhyān nighnan sapatnajit
die führenden erschlagend, Nebenbuhlerbesieger (Akk.Pl. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Kompositum)
tena yajñair bahuvidhair
durch ihn mit mannigfachen Opfern (Instr.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
iṣṭaṃ paryāptadakṣiṇaiḥ
geopfert, mit reichlichen Opfergaben (Nom.Sg.Ptz. + Instr.Pl.Kompositum)
Und er opferte mit Pferdeopfern, nachdem er diese Erde erobert hatte, mit ungehinderten, überaus fruchtbaren [Opfern], Tausende-mal-Zehnmillionen an Goldmünzen spendend; mit Elefanten, Pferden, Vieh, Getreide, Wild, Rindern und Kleinvieh, mannigfaltig — die ganze Erde machte Śibi zum Eigentum der Brahmanen. So zahlreich wie die Regentropfen, so zahlreich wie die Sterne am Himmel, so viele Kühe gab Śibi Auśīnara beim Opfer. Keinen anderen Lenker seines Joches [Wagenlenker, d.h. Nachfolger von gleichem Rang] fand der Herr der Geschöpfe [Prajāpati/Brahmā selbst], weder unter den Vergangenen, Künftigen noch Gegenwärtigen, [der] ein besserer Mensch [gewesen wäre].
Wort für Wort
ayajac cāśvamedhair yo
und er opferte mit Pferdeopfern, der (3.Sg.Impf. + Konj.+Instr.Pl. + Nom.Sg.)
vijitya pṛthivīm imām
diese Erde erobert habend (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
nirargalair bahuphalair
mit ungehinderten, überaus fruchtbaren (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.Kompositum)
niṣkakoṭisahasradaḥ
Tausende-mal-Zehnmillionen an Goldmünzen spendend (Nom.Sg.Kompositum)
hastyaśvapaśubhir dhānyair
mit Elefanten, Pferden, Vieh, Getreide (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.)
mṛgair gojāvibhis tathā
mit Wild, Rindern und Kleinvieh, ebenso (Instr.Pl. + Instr.Pl.Kompositum + Adv.)
vividhaiḥ pṛthivīṃ pūrṇāṃ
mannigfaltig, die ganze Erde (Instr.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
śibir brāhmaṇasāt karot
machte Śibi zum Eigentum der Brahmanen (Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
yāvatyo varṣato dhārā
so zahlreich wie die Regentropfen (Nom.Pl. + Gen.Sg.Ptz. + Nom.Pl.)
yāvatyo divi tārakāḥ
so zahlreich wie die Sterne am Himmel (Nom.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)
tāvatīr adadad gā vai
so viele Kühe gab er fürwahr (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. + Akk.Pl. + Partikel)
śibir auśīnaro 'dhvare
Śibi Auśīnara beim Opfer (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Lok.Sg.)
Ihm gehörten mannigfache Opfer, mit allen Wünschen ausgestattet: mit goldenen Opferpfählen, Sitzen und Häusern, mit goldenen Mauern und Torbögen; mit reiner, wohlschmeckender Speise und Trank [für] Zehnmillionen mal Zehntausend Brahmanen. Mit Uferrändern aus aufgehäuften mannigfachen Speisen, mit Teichen aus Milch, Quark und Honig — bei seinen Opferplätzen gab es Flüsse und Berge glänzender Speise, wo den Leuten zugerufen wurde: 'Trinkt, badet, esst!'
Wort für Wort
tasyāsan vividhā yajñāḥ
ihm gehörten mannigfache Opfer (Gen.Sg.+3.Pl.Impf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
sarvakāmaiḥ samanvitāḥ
mit allen Wünschen ausgestattet (Instr.Pl.Kompositum + Nom.Pl.Ptz.)
hemayūpāsanagṛhā
mit goldenen Opferpfählen, Sitzen, Häusern (Nom.Pl.Kompositum)
hemaprākāratoraṇāḥ
mit goldenen Mauern und Torbögen (Nom.Pl.Kompositum)
śucisvādvannapānāś ca
und mit reiner, wohlschmeckender Speise und Trank (Nom.Pl.Kompositum + Konj.)
brāhmaṇāḥ prayutāyutāḥ
Brahmanen, Zehnmillionen mal Zehntausend (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
nānābhakṣoccayataṭāḥ
mit Uferrändern aus aufgehäuften mannigfachen Speisen (Nom.Pl.Kompositum)
payodadhimadhuhradāḥ
mit Teichen aus Milch, Quark, Honig (Nom.Pl.Kompositum)
tasyāsan yajñavāṭeṣu
bei seinen Opferplätzen gab es (Gen.Sg.+3.Pl.Impf. + Lok.Pl.Kompositum)
nadyaḥ śubhrānnaparvatāḥ
Flüsse und Berge glänzender Speise (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
Dem Rudra, erfreut über sein heiliges Wirken, einen Segen gewährte: unerschöpflichen Reichtum dem Freigebigen, Glaubenstreue und ebenso rechtes Handeln; wie gesagt, die Beliebtheit bei den Geschöpfen und den höchsten Himmel — diese erwünschten Segnungen erlangt habend, ging Śibi zur rechten Zeit zum Himmel ein. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
yasmai prādād varaṃ rudras
dem Rudra einen Segen gewährte (Dat.Sg. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
tuṣṭaḥ puṇyena karmaṇā
erfreut über heiliges Wirken (Nom.Sg.Ptz. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
akṣayaṃ dadato vittaṃ
unerschöpflichen Reichtum dem Freigebigen (Akk.Sg. + Dat.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch Rāma Dāśarathi gestorben ist — den die Untertanen liebten, wie ein Vater seine leiblichen Söhne; unzählige gute Eigenschaften fehlten ihm nicht, dem von unermesslicher Glut. Der vierzehn Jahre lang, auf Geheiß seines Vaters, der Unfehlbare, im Wald zusammen mit seiner Gattin wohnte, von Lakṣmaṇa begleitet; und der im Janasthāna die Rākṣasas erschlug, der Stier unter den Menschen, zum Schutz der Asketen, vierzehntausend an der Zahl. Während er eben dort wohnte, [kam] ein Rākṣasa namens Rāvaṇa und raubte, nachdem er ihn samt seinem jüngeren Bruder [durch eine List] verwirrt hatte, seine Gattin, die Vaidehī [Sītā].
Wort für Wort
rāmaṃ dāśarathiṃ caiva
auch Rāma Dāśarathi (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Konj.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yaṃ prajā anvamodanta
den die Untertanen liebten (Akk.Sg. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.Med.)
pitā putrān ivaurasān
wie ein Vater seine leiblichen Söhne (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Partikel+Akk.Pl.)
asaṃkhyeyā guṇā yasmin
unzählige Eigenschaften, in dem (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Lok.Sg.)
nāsann amitatejasi
fehlten nicht, dem von unermesslicher Glut (Neg.+3.Pl.Impf. + Lok.Sg.Kompositum)
yaś caturdaśavarṣāṇi
der vierzehn Jahre (Nom.Sg. + Akk.Pl.Kompositum)
nideśāt pitur acyutaḥ
auf Geheiß des Vaters, der Unfehlbare (Abl.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
vane vanitayā sārdham
im Wald mit seiner Gattin (Lok.Sg. + Instr.Sg. + Postp.)
avasal lakṣmaṇānugaḥ
wohnte, von Lakṣmaṇa begleitet (3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Kompositum)
jaghāna ca janasthāne
und erschlug im Janasthāna (3.Sg.Perf. + Konj. + Lok.Sg.)
rākṣasān manujarṣabhaḥ
die Rākṣasas, der Stier unter den Menschen (Akk.Pl. + Nom.Sg.Kompositum)
tapasvināṃ rakṣaṇārthaṃ
zum Schutz der Asketen (Gen.Pl. + Akk.Sg.Kompositum)
sahasrāṇi caturdaśa
vierzehntausend (Akk.Pl. + Akk.Pl.)
tatraiva vasatas tasya
während er eben dort wohnte (Adv. + Gen.Sg.Ptz. + Gen.Sg.)
rāvaṇo nāma rākṣasaḥ
ein Rākṣasa namens Rāvaṇa (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)
jahāra bhāryāṃ vaidehīṃ
raubte seine Gattin, die Vaidehī (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
saṃmohyainaṃ sahānujam
nachdem er ihn samt jüngerem Bruder verwirrt hatte (Ger.+Akk.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
[Anm.: Der fünfte König des Katalogs ist Rāma, der Held des Rāmāyaṇa (Sohn des Daśaratha) — dessen Geschichte hier in geraffter Form nacherzählt wird: Waldverbannung, Kampf gegen die Rākṣasas, Sītās Entführung durch Rāvaṇa, dessen Tötung, und schließlich seine ideale, ausführlich gepriesene Herrschaft ('Rāmarājya').]
Zornentbrannt erschlug er ihn [Rāvaṇa] in der Schlacht, wie einst Tryambaka [Śiva] den Andhaka [erschlug] — ihn, der von Göttern und Dämonen unbesiegbar war, den Dorn für Götter und Brahmanen; es erschlug der Großarmige den Paulastya [Rāvaṇa] samt seinem Gefolge in der Schlacht. Nachdem er das Königtum vorschriftsgemäß erlangt hatte, aller Wesen Mitfühlender, vollzog er ein großes Opfer, seine Untertanen rechtmäßig beschützend; ungehindert, mit gemeinsam grasenden [Rossen], vollzog der Gebieter hundert Pferdeopfer; er vollzog [Opfer] für den Götterherrscher [Indra], durch die Opfergabe Freude bringend; und mit anderen, mannigfachen, vielfach vorzüglichen Opfern opferte der König.
Wort für Wort
jaghāna samare kruddhaḥ
erschlug zornentbrannt in der Schlacht (3.Sg.Perf. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
pureva tryambako 'ndhakam
wie einst Tryambaka [Śiva] den Andhaka (Adv.+Partikel + Nom.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
surāsurair avadhyaṃ taṃ
ihn, von Göttern und Dämonen unbesiegbar (Instr.Pl.Kompositum + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
devabrāhmaṇakaṇṭakam
den Dorn für Götter und Brahmanen (Akk.Sg.Kompositum)
jaghāna sa mahābāhuḥ
erschlug er, der Großarmige (3.Sg.Perf. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
paulastyaṃ sagaṇaṃ raṇe
den Paulastya samt Gefolge in der Schlacht (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Lok.Sg.)
saṃprāpya vidhivad rājyaṃ
das Königtum vorschriftsgemäß erlangt habend (Ger. + Adv. + Akk.Sg.)
sarvabhūtānukampakaḥ
aller Wesen Mitfühlender (Nom.Sg.Kompositum)
ājahāra mahāyajñaṃ
vollzog ein großes Opfer (3.Sg.Perf. + Akk.Sg.Kompositum)
prajā dharmeṇa pālayan
die Untertanen rechtmäßig beschützend (Akk.Pl. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
nirargalaṃ sajārūthyam
ungehindert, mit gemeinsam grasenden Rossen (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
aśvamedhaśataṃ vibhuḥ
hundert Pferdeopfer, der Gebieter (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
ājahāra sureśasya
vollzog für den Götterherrscher (3.Sg.Perf. + Gen.Sg.Kompositum)
haviṣā mudam āvahan
durch die Opfergabe Freude bringend (Instr.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
anyaiś ca vividhair yajñair
und mit anderen, mannigfachen Opfern (Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
īje bahuguṇair nṛpaḥ
opferte der König, vielfach vorzüglich (3.Sg.Perf. + Instr.Pl.Kompositum + Nom.Sg.)
kṣutpipāse 'jayad rāmaḥ sarvarogāṃś ca dehinām satataṃ guṇasaṃpanno dīpyamānaḥ svatejasā ati sarvāṇi bhūtāni rāmo dāśarathir babhau ṛṣīṇāṃ devatānāṃ ca mānuṣāṇāṃ ca sarvaśaḥ pṛthivyāṃ sahavāso 'bhūd rāme rājyaṃ praśāsati nāhīyata tadā prāṇaḥ prāṇināṃ na tad anyathā prāṇāpānasamānāś ca rāme rājyaṃ praśāsati dīrghāyuṣaḥ prajāḥ sarvā yuvā na mriyate tadā
Hunger und Durst überwand Rāma, und alle Krankheiten der verkörperten Wesen; stets von guten Eigenschaften erfüllt, erstrahlend durch seine eigene Glut, überragte Rāma Dāśarathi alle Wesen. Der Seher, der Götter und der Menschen [aller Art] gab es auf der Erde ein gemeinsames Wohnen [in Eintracht], während Rāma das Reich beherrschte; damals schwand der Lebenshauch der Lebewesen nicht, [und] es war nicht anders, während Rāma, mit den Atemarten [prāṇa, apāna, samāna in Einklang], das Reich beherrschte: von langer Lebensdauer waren alle Geschöpfe, [jeder blieb] jung, niemand starb damals.
Wort für Wort
kṣutpipāse 'jayad rāmaḥ
Hunger und Durst überwand Rāma (Akk.Du.Kompositum + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
sarvarogāṃś ca dehinām
und alle Krankheiten der verkörperten Wesen (Akk.Pl.Kompositum + Konj. + Gen.Pl.)
satataṃ guṇasaṃpanno
stets von Eigenschaften erfüllt (Adv. + Nom.Sg.Kompositum)
dīpyamānaḥ svatejasā
erstrahlend durch eigene Glut (Nom.Sg.Ptz. + Instr.Sg.Kompositum)
Erfreut durch die vier Veden empfingen die Himmelsbewohner die mannigfachen Opfergaben, Ahnengaben, Almosen und Feueropfer. Die Länder waren frei von Mücken und Moskitos, frei von gefährlichen Schlangen und Kriechtieren; im Wasser gab es keinen Tod für die Lebewesen, [und] nicht zur Unzeit verbrannte Feuer. Auf Unrecht Bedachte, Gierige oder Toren gab es damals nicht; von den Rechtschaffenen gebilligte, weise Werke vollbrachten damals alle Stände.
Wort für Wort
vedaiś caturbhiḥ saṃprītāḥ
erfreut durch die vier Veden (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Nom.Pl.Ptz.)
prāpnuvanti divaukasaḥ
empfingen die Himmelsbewohner (3.Pl.Präs. + Nom.Pl.Kompositum)
svadhām ūrjaṃ ca rakṣobhir janasthāne praṇāśite prādān nihatya rakṣāṃsi pitṛdevebhya īśvaraḥ sahasraputrāḥ puruṣā daśavarṣaśatāyuṣaḥ na ca jyeṣṭāḥ kaniṣṭebhyas tadā śrāddhān akārayan
Nachdem die Totenopferspeise [svadhā] und die Kraftspeise [ūrja] durch die Rākṣasas im Janasthāna vernichtet worden war, gab der Herrscher, die Rākṣasas erschlagen habend, sie den Vätern und Göttern zurück. Tausendfache Söhne hatten die Menschen, tausendhundert Jahre [war ihre] Lebensdauer, und die Älteren brauchten damals nicht für die Jüngeren die Totenrituale [śrāddha] vollziehen zu lassen [d.h. niemand starb vor seinen Eltern].
Wort für Wort
svadhām ūrjaṃ ca rakṣobhir
die Totenopferspeise und Kraftspeise durch die Rākṣasas (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj. + Instr.Pl.)
janasthāne praṇāśite
im Janasthāna vernichtet (Lok.Sg. + Lok.Sg.Ptz.)
prādān nihatya rakṣāṃsi
gab zurück, die Rākṣasas erschlagen habend (3.Sg.Impf. + Ger. + Akk.Pl.)
pitṛdevebhya īśvaraḥ
den Vätern und Göttern, der Herrscher (Dat.Pl.Kompositum + Nom.Sg.)
sahasraputrāḥ puruṣā
tausendfache Söhne hatten die Menschen (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
daśavarṣaśatāyuṣaḥ
tausendhundert Jahre Lebensdauer (Nom.Pl.Kompositum)
na ca jyeṣṭāḥ kaniṣṭebhyas
und die Älteren brauchten nicht für die Jüngeren (Neg. + Konj. + Nom.Pl. + Dat.Pl.)
tadā śrāddhān akārayan
damals die Totenrituale vollziehen lassen (Adv. + Akk.Pl. + 3.Pl.Impf.Caus.)
Dunkelfarben, jugendlich, mit rötlichen Augen, von der Kraft eines brünstigen Elefanten; mit bis zu den Knien reichenden Armen, schönarmig, löwenschultrig, von großer Kraft — zehntausend Jahre und tausendhundert Jahre lang beherrschte Rāma, aller Wesen Herz erfreuend, das Königreich. 'Rāma, Rāma, Rāma' — so lautete die Rede der Untertanen; von Rāma [erfüllt] zu Rāma [hin] war die Welt, während Rāma das Reich beherrschte. Nachdem Rāma die vier Arten von Geschöpfen zum Himmel geführt hatte, ging er selbst zum Himmel ein, seine Dynastie hier achtfach [in acht Zweigen] gefestigt habend. Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
bhagīrathaṃ ca rājānaṃ mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma yena bhāgīrathī gaṅgā cayanaiḥ kāñcanaiś citā yaḥ sahasraṃ sahasrāṇāṃ kanyā hemavibhūṣitāḥ rājñaś ca rājaputrāṃś ca brāhmaṇebhyo hy amanyata sarvā rathagatāḥ kanyā rathāḥ sarve caturyujaḥ rathe rathe śataṃ nāgāḥ padmino hemamālinaḥ sahasram aśvāś caikaikaṃ gajānāṃ pṛṣṭhato 'nvayuḥ aśve aśve śataṃ gāvo gavāṃ paścād ajāvikam
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch König Bhagīratha gestorben ist — durch ihn wurde die Bhāgīrathī Gaṅgā [die Gaṅgā, 'Bhagīrathas Tochter'] mit goldenen Aufschüttungen gesäumt. Der tausendmal tausend mit Gold geschmückte Mädchen, Könige und Königssöhne, den Brahmanen gab; alle Mädchen auf Wagen fahrend, alle Wagen viergespannt; auf jedem einzelnen Wagen hundert Elefanten, mit Lotos[stirnschmuck], mit goldenen Kränzen; tausend Pferde folgten je einem einzelnen Elefanten hinten nach; auf je einem Pferd hundert Kühe, hinter den Kühen [je] Kleinvieh.
Wort für Wort
bhagīrathaṃ ca rājānaṃ
auch König Bhagīratha (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yena bhāgīrathī gaṅgā
durch den die Bhāgīrathī Gaṅgā (Instr.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
cayanaiḥ kāñcanaiś citā
mit goldenen Aufschüttungen gesäumt (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Nom.Sg.Ptz.)
yaḥ sahasraṃ sahasrāṇāṃ
der tausendmal tausend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Pl.)
kanyā hemavibhūṣitāḥ
mit Gold geschmückte Mädchen (Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
rājñaś ca rājaputrāṃś ca
und Könige und Königssöhne (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl.Kompositum + Konj.)
brāhmaṇebhyo hy amanyata
gab den Brahmanen fürwahr (Dat.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf.Med.)
sarvā rathagatāḥ kanyā
alle Mädchen auf Wagen fahrend (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
rathāḥ sarve caturyujaḥ
alle Wagen viergespannt (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
Von diesem Menschenstrom überflutet, gab er noch reichlichere Opfergaben; an einem verborgenen Ort [wörtl. 'in der Falte/dem Winkel'], überaus erschöpft, setzte sich [die Menge] in seinen Schoß [suchte bei ihm Zuflucht]. So wurde auch die Bhāgīrathī Gaṅgā einst zur Urvaśī [verwandelt] — zur Tochterschaft des Königs gelangt, wurde sie dann zur Sohnschaft [d.h. sie nahm ihm gegenüber wechselnd die Rolle von Tochter und Sohn ein]. Dort sangen erfreut die Gandharven von sonnengleichem Glanz einen Lobgesang, während Väter, Götter und Menschen, lieblich redend, lauschten: [von] Bhagīratha, dem Opfernden, dem Ikṣvāku-Sprössling, reich an Opfergaben. Die Gaṅgā, die meerwärts fließende Göttin, erwählte ihn zum Vater und Herrn.
Wort für Wort
tenākrāntā janaughena
von diesem Menschenstrom überflutet (Instr.Sg.+Nom.Pl.Ptz. + Instr.Sg.Kompositum)
dakṣiṇā bhūyasīr dadat
gab noch reichlichere Opfergaben (Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.)
upahvare 'tivyathitā
an verborgenem Ort, überaus erschöpft (Lok.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
tasyāṅke niṣasāda ha
setzte sich in seinen Schoß (Gen.Sg. + Lok.Sg. + 3.Sg.Perf. + Partikel)
tathā bhāgīrathī gaṅgā
so die Bhāgīrathī Gaṅgā (Adv. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
urvaśī cābhavat purā
wurde einst zur Urvaśī (Nom.Sg. + Konj.+3.Sg.Impf. + Adv.)
duhitṛtvaṃ gatā rājñaḥ
zur Tochterschaft des Königs gelangt (Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Gen.Sg.)
putratvam agamat tadā
gelangte dann zur Sohnschaft (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Adv.)
tatra gāthāṃ jaguḥ prītā
dort sangen erfreut einen Lobgesang (Adv. + Akk.Sg. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.Ptz.)
gandharvāḥ sūryavarcasaḥ
die Gandharven von sonnengleichem Glanz (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
pitṛdevamanuṣyāṇāṃ
der Väter, Götter und Menschen (Gen.Pl.Kompositum)
śṛṇvatāṃ valguvādinām
der lauschenden, lieblich redenden (Gen.Pl.Ptz. + Gen.Pl.Kompositum)
bhagīrathaṃ yajamānam
Bhagīratha, den Opfernden (Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
aikṣvākuṃ bhūridakṣiṇam
den Ikṣvāku-Sprössling, reich an Opfergaben (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.Kompositum)
gaṅgā samudragā devī
die Gaṅgā, die meerwärts fließende Göttin (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
vavre pitaram īśvaram
erwählte ihn zum Vater und Herrn (3.Sg.Perf.Med. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
[Anm.: Diese Verse spielen auf die berühmte Erzählung von Bhagīrathas Herabführung der Gaṅgā vom Himmel zur Erde an, um die Asche seiner Vorfahren zu reinigen — hier stark verdichtet und mit einer sonst nicht geläufigen Gleichsetzung Gaṅgā/Urvaśī versehen, deren genauer mythologischer Hintergrund unklar bleibt.]
tasya sendraiḥ savaruṇair devair yajñaḥ svalaṃkṛtaḥ samyak parigṛhītaś ca śāntavighno nirāmayaḥ yo ya iccheta vipro vai yatra yatrātmanaḥ priyam bhagīrathas tadā prītas tatra tatrādadad vaśī nādeyaṃ brāhmaṇeṣv āsīd asya kiṃ cit priyaṃ dhanam so 'pi vipraprasādena brahmalokaṃ gato nṛpaḥ yena yātā makhamukhe diśāśāv iha pādapāḥ tenāvasthātum icchanti taṃ gatvā rājam īśvaram sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Sein Opfer war, mit Indra und Varuṇa und [allen] Göttern, herrlich geschmückt, wohl angenommen, frei von Störung, ungetrübt. Was immer ein Brahmane sich wünschte, wo immer es ihm lieb war, dort gewährte Bhagīratha, damals erfreut, der Selbstbeherrschte, es sogleich; nichts, was den Brahmanen nicht gegeben werden konnte, gab es an ihm liebem Reichtum. Auch er ging, durch die Gnade der Brahmanen, zur Brahma-Welt ein, der König; wohin [einst] die Bäume, an der Opferspitze, in [alle] Himmelsrichtungen gingen [d.h. wohin sein Ruf reichte] — dort möchten sie [die Bäume, sinnbildlich für alle Wesen] verweilen, zu ihm, dem Herrscher-König, gegangen. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
tasya sendraiḥ savaruṇair
sein, mit Indra und Varuṇa (Gen.Sg. + Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.Kompositum)
devair yajñaḥ svalaṃkṛtaḥ
mit den Göttern, das Opfer herrlich geschmückt (Instr.Pl. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
samyak parigṛhītaś ca
und wohl angenommen (Adv. + Nom.Sg.Ptz. + Konj.)
śāntavighno nirāmayaḥ
frei von Störung, ungetrübt (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
yo ya iccheta vipro vai
was auch immer ein Brahmane sich wünschte (Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Opt. + Nom.Sg. + Partikel)
yatra yatrātmanaḥ priyam
wo immer es ihm lieb war (Adv.+Adv. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
bhagīrathas tadā prītas
Bhagīratha, damals erfreut (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.Ptz.)
tatra tatrādadad vaśī
dort gewährte es sogleich, der Selbstbeherrschte (Adv.+Adv. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
nādeyaṃ brāhmaṇeṣv āsīd
nichts Unabgebbares gab es bei den Brahmanen (Neg.+Nom.Sg. + Lok.Pl. + 3.Sg.Impf.)
asya kiṃ cit priyaṃ dhanam
an seinem lieben Reichtum irgendetwas (Gen.Sg. + Nom.Sg.+Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
so 'pi vipraprasādena
auch er, durch die Gnade der Brahmanen (Nom.Sg. + Partikel + Instr.Sg.Kompositum)
brahmalokaṃ gato nṛpaḥ
ging zur Brahma-Welt ein, der König (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
yena yātā makhamukhe
wohin gegangen, an der Opferspitze (Instr.Sg. + Nom.Pl.Ptz. + Lok.Sg.Kompositum)
diśāśāv iha pādapāḥ
in die Himmelsrichtungen hier die Bäume (Akk.Du. + Adv. + Nom.Pl.)
tenāvasthātum icchanti
dort möchten sie verweilen (Adv. + Inf. + 3.Pl.Präs.)
taṃ gatvā rājam īśvaram
zu ihm, dem Herrscher-König, gegangen (Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
[Anm.: Der Vers über die 'wandernden Bäume' (008_0505f.) ist sprachlich schwierig und bleibt in seiner genauen Bildlogik unklar — sinngemäß offenbar eine Hyperbel für die Weite von Bhagīrathas Ruhm, dem selbst die unbewegliche Natur folgte.]
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch Dilīpa Ailavila gestorben ist — bei dessen hundert Opfern es Zehnmillionen mal Zehntausend Zweifachgeborene gab, mit Wahrheitserkenntnis und [rechtem] Ziel ausgestattete Opfernde, [selbst] mit Söhnen und Enkeln [gesegnet]. Der, diese an Reichtümern erfüllte Erde als Erdenherrscher [besitzend], beim ausgebreiteten Opfer opfernd, sie den Brahmanen gab. Bei Dilīpas Opfern war ein goldener Pfad gebahnt; auf ihm, wie [auf] Dharma [selbst] wandelnd, versammelten sich die Götter mit Indra; den Ring und den Doppelring an seinem goldenen Opferpfahl [betrachtend, staunten sie].
Wort für Wort
dilīpaṃ ced ailavilaṃ
auch Dilīpa Ailavila (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg.Kompositum)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yasya yajñaśateṣv āsan
bei dessen hundert Opfern gab es (Gen.Sg. + Lok.Pl.Kompositum + 3.Pl.Impf.)
prayutāyutaśo dvijāḥ
Zehnmillionen mal Zehntausend Zweifachgeborene (Adv.Kompositum + Nom.Pl.)
tattvajñānārthasaṃpannā
mit Wahrheitserkenntnis und Ziel ausgestattete (Nom.Pl.Kompositum)
yajvānaḥ putrapautriṇaḥ
Opfernde, mit Söhnen und Enkeln (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
ya imāṃ vasusaṃpūrṇāṃ
der diese an Reichtümern erfüllte (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
vasudhāṃ vasudhādhipaḥ
die Erde, der Erdenherrscher (Akk.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
ījāno vitate yajñe
opfernd beim ausgebreiteten Opfer (Nom.Sg.Ptz. + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
brāhmaṇebhyo hy amanyata
gab sie den Brahmanen fürwahr (Dat.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf.Med.)
dilīpasya ca yajñeṣu
und bei Dilīpas Opfern (Gen.Sg. + Konj. + Lok.Pl.)
kṛtaḥ panthā hiraṇmayaḥ
war ein goldener Pfad gebahnt (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
taṃ dharma iva kurvāṇāḥ
auf ihm wie Dharma wandelnd (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Pl.Ptz.)
sendradevāḥ samāgaman
versammelten sich die Götter mit Indra (Nom.Pl.Kompositum + 3.Pl.Impf.)
caṣālaṃ pracaṣālaṃ ca
den Ring und den Doppelring (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
yasya yūpe hiraṇmaye
an dessen goldenem Opferpfahl (Gen.Sg. + Lok.Sg. + Lok.Sg.)
yad yoṣā hemasaṃchannā mattāḥ pathiṣu śerate tad etad adbhutaṃ manye anyair na sadṛśaṃ nṛpaiḥ yad apsu yudhyamānasya cakre na paripetatuḥ rājānaṃ dṛḍhadhanvānaṃ dilīpaṃ satyavādinam ye 'paśyan bhūridākṣiṇyaṃ te 'pi svargajito narāḥ trayaḥ śabdā na jīryante khaṭvāṅgasya niveśane svādhyāyaghoṣo jyāghoṣaḥ pibatāśnīta khādata sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Dass mit Gold bedeckte, trunkene Frauen [einfach so] auf den Wegen liegen [ruhen konnten, in Sicherheit] — auch dies halte ich für wunderbar, bei keinem anderen König dergleichen. Dass, als er [Dilīpa] im Wasser kämpfte, seine beiden Wagenräder nicht einsanken — [dies galt] von König Dilīpa, dem festbogigen, wahrheitsredenden. Die seine überreiche Freigebigkeit sahen, auch jene Menschen waren zum Himmel Erlöste. Drei Laute verklingen nie an der Wohnstatt des Bettgestells [d.h. seines Palastes]: der Klang des Vedastudiums, der Klang der Bogensehne, und [der Ruf] 'trinkt, esst, speist!' — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
yad yoṣā hemasaṃchannā
dass mit Gold bedeckte Frauen (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
mattāḥ pathiṣu śerate
trunken auf den Wegen liegen (Nom.Pl. + Lok.Pl. + 3.Pl.Präs.Med.)
tad etad adbhutaṃ manye
auch dies halte ich für wunderbar (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + 1.Sg.Präs.Med.)
anyair na sadṛśaṃ nṛpaiḥ
bei keinem anderen König dergleichen (Instr.Pl. + Neg. + Akk.Sg. + Instr.Pl.)
yad apsu yudhyamānasya
dass, als er im Wasser kämpfte (Adv. + Lok.Pl. + Gen.Sg.Ptz.)
cakre na paripetatuḥ
seine beiden Räder nicht einsanken (Nom.Du. + Neg. + 3.Du.Perf.)
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
[Anm.: Die 'drei nie verklingenden Laute' (Vedarezitation, Bogensehnenklang, Speiseruf) sind ein feststehendes Bild für einen Königshof, an dem zugleich Gelehrsamkeit, kriegerische Bereitschaft und Gastfreundschaft ununterbrochen gepflegt werden.]
Auch Māndhātā Yauvanāśva, der Bezwinger der drei Welten, ist gestorben, [so] haben wir gehört. Ihn hatten die beiden Aśvin-Götter zuvor [noch] aus dem Leib des Vaters gezogen. Auf der Jagd umherstreifend, durstig, mit ermatteten Zugtieren, sah der König Rauch, ging zu einem [Opfer-]Ritual und erlangte gesäuertes Ghī-Gemisch [als Trank]. Als sie sahen, dass er in den Leib des Yuvanāśva als Sohnschaft eingegangen [d.h. versehentlich verschluckt worden] war, zogen ihn die beiden Aśvin-Götter, die besten Ärzte, aus dem Leib heraus. Als er, im Schoß des Vaters liegend, göttlichem Glanz gleich, [dort weinte], sprach Vāsava [Indra]: 'Mag er zuerst an mir saugen.'
Wort für Wort
māndhātā ced yauvanāśvas
auch Māndhātā Yauvanāśva (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Kompositum)
trailokyavijayī mṛtaḥ
der Bezwinger der drei Welten, ist gestorben (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
yaṃ devāv aśvinau garbhāt
den die beiden Aśvin-Götter aus dem Leib (Akk.Sg. + Nom.Du. + Nom.Du. + Abl.Sg.)
pituḥ pūrvaṃ cakarṣatuḥ
des Vaters zuvor zogen (Gen.Sg. + Adv. + 3.Du.Perf.)
mṛgayāṃ vicaran rājā
auf der Jagd umherstreifend, der König (Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
tṛṣitaḥ klāntavāhanaḥ
durstig, mit ermatteten Zugtieren (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Kompositum)
dhūmaṃ dṛṣṭvāgamat satraṃ
Rauch gesehen habend, ging zum Ritual (Akk.Sg. + Ger.+3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
pṛṣadājyam avāpa saḥ
er erlangte gesäuertes Ghī-Gemisch (Akk.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
taṃ dṛṣṭvā yuvanāśvasya
ihn gesehen habend, des Yuvanāśva (Akk.Sg. + Ger. + Gen.Sg.)
jaṭhare sūnutāṃ gatam
im Leib zur Sohnschaft gelangt (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
garbhād dhi jahratur devāv
aus dem Leib zogen fürwahr die beiden Götter (Abl.Sg. + Partikel + 3.Du.Perf. + Nom.Du.)
aśvinau bhiṣajāṃ varau
die Aśvins, die besten der Ärzte (Nom.Du. + Gen.Pl. + Nom.Du.)
taṃ dṛṣṭvā pitur utsaṅge
ihn gesehen habend, im Schoß des Vaters (Akk.Sg. + Ger. + Gen.Sg. + Lok.Sg.)
śayānaṃ devavarcasam
liegend, von göttlichem Glanz (Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg.Kompositum)
mām evāyaṃ dhayatv agre
mag er zuerst an mir saugen (Akk.Sg. + Partikel+Nom.Sg. + Imp.3.Sg. + Adv.)
iti ha smāha vāsavaḥ
so sprach Vāsava (Partikel + Partikel + Partikel+3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
[Anm.: Diese berühmte Geburtslegende Māndhātās spielt darauf an, dass König Yuvanāśva versehentlich ein von den Brahmanen für seine kinderlose Gattin bereitetes Zaubertrank-Wasser selbst trank und dadurch schwanger wurde; Māndhātā wurde den überlieferten Fassungen zufolge aus seiner Seite/seinem Leib geboren.]
tato 'ṅgulibhyo hīndrasya prādur āsīt payo 'mṛtam māṃ dhāsyatīti kāruṇyād yad indro hy anvakampayat tasmāt sa māndhātety evaṃ nāma tasyādbhutaṃ kṛtam tatas tu dhārāḥ payaso ghṛtasya ca mahātmanaḥ tasyāsye yauvanāśvasya pāṇir indrasya cāsravat apibat pāṇim indrasya sa cāpy ahnābhyavardhata so 'bhavad dvādaśasamo dvādaśāhena vīryavān imāṃ ca pṛthivīṃ kṛtsnām ekāhnā sa vyajījayat
Da erschien aus Indras Fingern unsterbliche Milch [amṛta]. 'Er wird an mir saugen [nicht an seiner Mutter]' — aus solchem Mitleid hatte Indra Erbarmen gehabt; darum wurde ihm dieser wunderbare Name gegeben: 'Māndhātā' [wörtlich 'Mich wird er saugen']. Dann aber flossen Ströme von Milch und geschmolzener Butter für den Hochgesinnten aus Indras Hand in den Mund des Yauvanāśva; er trank aus Indras Hand, und er wuchs Tag um Tag; er wurde, in zwölf Tagen, zwölfjährig [an Kraft gleich], voller Tatkraft; und diese ganze Erde besiegte er in einem einzigen Tag.
Wort für Wort
tato 'ṅgulibhyo hīndrasya
da aus Indras Fingern (Adv. + Abl.Pl. + Partikel+Gen.Sg.)
prādur āsīt payo 'mṛtam
erschien unsterbliche Milch (Adv.+3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
māṃ dhāsyatīti kāruṇyād
'er wird an mir saugen' — aus Mitleid (Akk.Sg. + 3.Sg.Fut.+Partikel + Abl.Sg.)
yad indro hy anvakampayat
hatte Indra fürwahr Erbarmen (Adv. + Nom.Sg. + Partikel + 3.Sg.Impf.Caus.)
tasmāt sa māndhātety evaṃ
darum wurde ihm der Name Māndhātā so (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.+Partikel + Adv.)
nāma tasyādbhutaṃ kṛtam
der wunderbare Name gegeben (Nom.Sg. + Gen.Sg.+Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
tatas tu dhārāḥ payaso
dann aber Ströme von Milch (Adv. + Partikel + Nom.Pl. + Gen.Sg.)
ghṛtasya ca mahātmanaḥ
und geschmolzener Butter, für den Hochgesinnten (Gen.Sg. + Konj. + Gen.Sg.)
tasyāsye yauvanāśvasya
in den Mund des Yauvanāśva (Gen.Sg.+Lok.Sg. + Gen.Sg.)
pāṇir indrasya cāsravat
flossen aus Indras Hand (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Konj.+3.Sg.Impf.)
apibat pāṇim indrasya
er trank aus Indras Hand (3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
sa cāpy ahnābhyavardhata
und er wuchs Tag um Tag (Nom.Sg. + Konj.+Partikel + Instr.Sg.+3.Sg.Impf.Med.)
so 'bhavad dvādaśasamo
er wurde zwölfjährig (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Kompositum)
dvādaśāhena vīryavān
in zwölf Tagen, voller Tatkraft (Instr.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
imāṃ ca pṛthivīṃ kṛtsnām
und diese ganze Erde (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
ekāhnā sa vyajījayat
besiegte er an einem einzigen Tag (Instr.Sg.Kompositum + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
dharmātmā dhṛtimān vīraḥ satyasaṃdho jitendriyaḥ janamejayaṃ sudhanvānaṃ gayaṃ pūruṃ bṛhadratham asitaṃ caiva rāmaṃ ca māndhātā manujo 'jayat udeti ca yataḥ sūryo yatra ca pratitiṣṭhati tat sarvaṃ yauvanāśvasya māndhātuḥ kṣetram ucyate so 'śvamedhaśatair iṣṭvā rājasūyaśatena ca adadad rohitān aśvān brāhmaṇebhyo viśāṃ pate
Rechtschaffenen Sinnes, standhaft, heldenhaft, wahrheitstreu, seine Sinne bezwungen habend, besiegte Māndhātā, der Mensch, Janamejaya, Sudhanvan, Gaya, Pūru, Bṛhadratha, Asita und auch Rāma. Woher die Sonne aufgeht und wo sie [wieder] untergeht, all das wird als das Herrschaftsgebiet [wörtl. 'Feld'] des Yauvanāśva Māndhātā bezeichnet. Durch hundert Pferdeopfer und hundert Rājasūya-Opfer geopfert habend, gab er rötliche Pferde den Brahmanen, o Herr der Völker.
Goldene, eine Yojana hohe, hundert Yojana lange, mannigfach geartete, überaus wohlschmeckende Speiseberge aus Nahrhaftem, Genießbarem und Speise [errichtete er]; wer mehr isst, als den Brahmanen [zuerst gegeben wurde], der Mensch verliert [an Verdienst]. Aufgehäufte Speisen, Nahrung und Getränke erstrahlten als Speiseberge — Seen aus geschmolzener Butter, mit Suppen-Schlamm, mit Quark-Schaum, mit zuckerhaltigem Wasser; herrliche Flüsse, Honig und Milch führend, umgaben die Berge. Götter, Dämonen, Menschen, Yakṣas, Gandharven, Schlangen[wesen] und Vogelwesen — Brahmanen, dorthin gekommen, in Veda und Vedāṅgas bewandert, [alle] waren dort; auch Brahmanen und Seher — es gab dort keine Unweisen.
Wort für Wort
hairaṇyān yojanotsedhān
goldene, eine Yojana hoch (Akk.Pl.Kompositum + Akk.Pl.Kompositum)
samudrāntāṃ vasumatīṃ vasupūrṇāṃ tu sarvataḥ sa tāṃ brāhmaṇasāt kṛtvā jagāmāstaṃ tadā nṛpaḥ gataḥ puṇyakṛtāṃ lokān vyāpya svayaśasā diśaḥ sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Die meerumgrenzte, von allen Seiten an Reichtümern erfüllte Erde — sie zum Eigentum der Brahmanen gemacht habend, ging der König damals zum Untergang [starb er]; er ging ein zu den Welten der Rechtschaffenen, nachdem er mit seinem eigenen Ruhm die Himmelsrichtungen durchdrungen hatte. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
samudrāntāṃ vasumatīṃ
die meerumgrenzte Erde (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
vasupūrṇāṃ tu sarvataḥ
an Reichtümern erfüllt, von allen Seiten (Akk.Sg.Kompositum + Partikel + Adv.)
sa tāṃ brāhmaṇasāt kṛtvā
sie zum Eigentum der Brahmanen gemacht habend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Adv. + Ger.)
jagāmāstaṃ tadā nṛpaḥ
ging der König damals zum Untergang (3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Adv. + Nom.Sg.)
gataḥ puṇyakṛtāṃ lokān
ging ein zu den Welten der Rechtschaffenen (Nom.Sg.Ptz. + Gen.Pl.Kompositum + Akk.Pl.)
vyāpya svayaśasā diśaḥ
die Himmelsrichtungen mit eigenem Ruhm durchdrungen habend (Ger. + Instr.Sg.Kompositum + Akk.Pl.)
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
yayātiṃ nāhuṣaṃ caiva mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma rājasūyaśatair iṣṭvā so 'śvamedhaśatena ca puṇḍarīkasahasreṇa vājapeyaśatais tathā atirātrasahasreṇa cāturmāsyaiś ca kāmataḥ agniṣṭomaiś ca vividhaiḥ satraiś ca prājyadakṣiṇaiḥ abrāhmaṇānāṃ yad vittaṃ pṛthivyām asti kiṃ cana tat sarvaṃ parisaṃkhyāya tato brāhmaṇasāt karot
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch Yayāti Nāhuṣa gestorben ist — der, mit hundert Rājasūya-Opfern und hundert Pferdeopfern geopfert habend, mit tausend Puṇḍarīka-Opfern, ebenso mit hundert Vājapeya-Opfern, mit tausend Atirātra-Opfern und mit den Vierteljahres-Opfern nach Belieben, mit mannigfachen Agniṣṭoma- und [anderen] Ritualopfern, reich an Opfergaben — was immer an Reichtum auf Erden bei Nicht-Brahmanen vorhanden war, all das aufgezählt und dann zum Eigentum der Brahmanen gemacht hatte.
Wort für Wort
yayātiṃ nāhuṣaṃ caiva
auch Yayāti Nāhuṣa (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Konj.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
rājasūyaśatair iṣṭvā
mit hundert Rājasūya-Opfern geopfert habend (Instr.Pl.Kompositum + Ger.)
so 'śvamedhaśatena ca
und mit hundert Pferdeopfern (Nom.Sg. + Instr.Sg.Kompositum + Konj.)
puṇḍarīkasahasreṇa
mit tausend Puṇḍarīka-Opfern (Instr.Sg.Kompositum)
vājapeyaśatais tathā
ebenso mit hundert Vājapeya-Opfern (Instr.Pl.Kompositum + Adv.)
atirātrasahasreṇa
mit tausend Atirātra-Opfern (Instr.Sg.Kompositum)
cāturmāsyaiś ca kāmataḥ
und mit den Vierteljahres-Opfern nach Belieben (Instr.Pl. + Konj. + Adv.)
agniṣṭomaiś ca vividhaiḥ
und mit mannigfachen Agniṣṭoma-Opfern (Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl.)
satraiś ca prājyadakṣiṇaiḥ
und Ritualopfern, reich an Opfergaben (Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl.Kompositum)
abrāhmaṇānāṃ yad vittaṃ
was an Reichtum bei Nicht-Brahmanen (Gen.Pl. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
pṛthivyām asti kiṃ cana
auf Erden irgend vorhanden war (Lok.Sg. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.+Partikel)
tat sarvaṃ parisaṃkhyāya
all dies aufgezählt habend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
tato brāhmaṇasāt karot
machte dann zum Eigentum der Brahmanen (Adv. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
Als die Götter-Dämonen-Schlacht sich entfaltet hatte, den Göttern beigestanden habend, teilte er diese ganze Erde vierfach unter vier [Söhnen] auf. Nachdem er mit mannigfachen Opfern geopfert und vortreffliche Nachkommenschaft gezeugt hatte — mit Devayānī, der Tochter des Uśanas, und mit Śarmiṣṭhā, rechtmäßig — wandelte er in allen Göttergärten umher, [selbst] den Bäumen [des Paradieses] gleich [an Herrlichkeit], nach eigenem Belieben umherziehend, wie ein zweiter Vāsava [Indra].
Wort für Wort
vyūḍhe devāsure yuddhe
als die Götter-Dämonen-Schlacht entfaltet war (Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg.)
kṛtvā devasahāyatām
den Göttern beigestanden habend (Ger. + Akk.Sg.Kompositum)
caturdhā vyabhajat sarvāṃ
teilte vierfach die ganze auf (Adv. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
caturbhyaḥ pṛthivīm imām
diese Erde unter vier [Söhnen] (Dat.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
yajñair nānāvidhair iṣṭvā
mit mannigfachen Opfern geopfert habend (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Ger.)
prajām utpādya cottamām
und vortreffliche Nachkommenschaft gezeugt habend (Akk.Sg. + Ger. + Konj.+Akk.Sg.)
devayānyāṃ cauśanasyāṃ
mit Devayānī, der Tochter des Uśanas (Lok.Sg. + Konj.+Lok.Sg.Kompositum)
śarmiṣṭhāyāṃ ca dharmataḥ
und mit Śarmiṣṭhā, rechtmäßig (Lok.Sg. + Konj. + Adv.)
devāraṇyeṣu sarveṣu
in allen Göttergärten (Lok.Pl.Kompositum + Lok.Pl.)
vijahārāmaropamaḥ
wandelte umher, den Bäumen [des Paradieses] gleich (3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Kompositum)
ātmanaḥ kāmacāreṇa
nach eigenem Belieben (Gen.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
dvitīya iva vāsavaḥ
wie ein zweiter Vāsava (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
[Anm.: Yayāti, Sohn des Nahuṣa, ist eine der berühmtesten Königsgestalten des Mahābhārata; seine Geschichte — Ehe mit Devayānī und Śarmiṣṭhā, sein Fluch vorzeitigen Alterns und dessen Weitergabe an seine Söhne, aus deren jüngstem, Pūru, die Pūru-Dynastie hervorgeht, der auch die Kurus und Pāṇḍavas entstammen — wird hier nur knapp gestreift.]
Als er, der alle Veden Kennende, kein Ende seiner Wünsche fand, sang er dieses Lied und ging, mit seiner Gattin, in den Wald: 'Reis und Gerste, Gold, Vieh und Frauen, so viel es auf Erden gibt — dies genügt nicht einem Einzelnen'; dies erkennend, möge er zur Ruhe gehen. So, seine Wünsche aufgegeben habend, zur Standhaftigkeit gelangt, Yayāti, Pūru im Königtum eingesetzt habend, zog der Herrscher in den Wald. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
yadā nādhyagamat so 'ntaṃ
als er kein Ende fand (Adv. + Neg.+3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
kāmānāṃ sarvavedavit
seiner Wünsche, der alle Veden Kennende (Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompositum)
tato gāthām imāṃ gītvā
da dieses Lied gesungen habend (Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
sadāraḥ prāviśad vanam
mit Gattin ging er in den Wald (Nom.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
yat pṛthivyāṃ vrīhiyavaṃ
Reis und Gerste, was auf Erden [ist] (Nom.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
hiraṇyaṃ paśavaḥ striyaḥ
Gold, Vieh, Frauen (Nom.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
nālam ekasya tat sarvam
dies alles genügt nicht einem Einzelnen (Neg.+Adv. + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
iti matvā śamaṃ vrajet
dies erkannt habend, möge er zur Ruhe gehen (Partikel + Ger. + Akk.Sg. + 3.Sg.Opt.)
evaṃ kāmān parityajya
so die Wünsche aufgegeben habend (Adv. + Akk.Pl. + Ger.)
nābhāgam ambarīṣaṃ ca mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma yaḥ sahasraṃ sahasrāṇāṃ rājñāṃ caikas tv ayodhayat jigīṣamāṇāḥ saṃgrāme samantād vairiṇo 'bhyayuḥ śastrayuddhavido ghorāḥ sṛjantaś cāśivā giraḥ balalābhād vaśīkṛtya teṣāṃ śastrabalena ca chattrāyudhadhvajarathāṃś chittvā prāsān gatavyathaḥ ta enaṃ muktasaṃnāhā nāthanto jīvitaiṣiṇaḥ śaraṇyam īyuḥ śaraṇaṃ tavāsma iti vādinaḥ sa tu tān vaśagān kṛtvā jitvā cemāṃ vasuṃdharām īje yajñaśatair iṣṭair yathā śakras tathānagha
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass Nābhāga und Ambarīṣa gestorben sind — er, der ganz allein gegen tausendmal tausend Könige kämpfte. Siegbegierig griffen die Feinde ihn in der Schlacht von allen Seiten an, in Waffenkampf erfahren, furchtbar, unheilvolle Rufe ausstoßend; durch den Gewinn an Kraft bezwang er sie mit Waffengewalt, ihre Schirme, Waffen, Banner und Wagen zerhauend, [selbst] furchtlos die Speere [abwehrend]. Sie, ihre Rüstung abgelegt, um ihr Leben flehend, Zuflucht suchend, kamen zu ihm als Schutzort, sprechend: 'Wir sind dein.' Er aber, sie sich unterworfen und diese Erde erobert habend, opferte mit hundert Opfern, geopfert wie Indra, so, Makelloser.
Wort für Wort
nābhāgam ambarīṣaṃ ca
Nābhāga und Ambarīṣa (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yaḥ sahasraṃ sahasrāṇāṃ
der gegen tausendmal tausend (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Pl.)
rājñāṃ caikas tv ayodhayat
Könige ganz allein kämpfte (Gen.Pl. + Konj.+Nom.Sg. + Partikel + 3.Sg.Impf.)
jigīṣamāṇāḥ saṃgrāme
siegbegierig in der Schlacht (Nom.Pl.Ptz. + Lok.Sg.)
samantād vairiṇo 'bhyayuḥ
griffen von allen Seiten die Feinde an (Adv. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)
śastrayuddhavido ghorāḥ
in Waffenkampf erfahren, furchtbar (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
sie, ihre Rüstung abgelegt (Nom.Pl. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Kompositum)
nāthanto jīvitaiṣiṇaḥ
um Schutz flehend, ihr Leben suchend (Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.Kompositum)
śaraṇyam īyuḥ śaraṇaṃ
kamen als Schutzsuchende zur Zuflucht (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg.)
tavāsma iti vādinaḥ
'wir sind dein' sprechend (Gen.Sg.+1.Pl.Präs. + Partikel + Nom.Pl.Kompositum)
sa tu tān vaśagān kṛtvā
er aber, sie unterworfen habend (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum + Ger.)
jitvā cemāṃ vasuṃdharām
und diese Erde erobert habend (Ger. + Konj.+Akk.Sg. + Akk.Sg.)
īje yajñaśatair iṣṭair
opferte mit hundert geopferten Opfern (3.Sg.Perf. + Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.Ptz.)
yathā śakras tathānagha
wie Indra, so, Makelloser (Adv. + Nom.Sg. + Adv.+Vok.Sg.)
[Anm.: 'nābhāgam ambarīṣaṃ ca' nennt zwei Namen zugleich; in der weiteren Erzählung wird jedoch nur von Ambarīṣa gesprochen — möglicherweise gelten beide Namen hier ein und derselben Königsgestalt (Nābhāga Ambarīṣa) oder es handelt sich um Vater und Sohn, deren Geschichten zu einem Abschnitt verschmolzen sind; der Katalog selbst zählt sie jedoch traditionell als zwei der sechzehn Könige.]
bubhujuḥ sarvasaṃpannam annam anye janās tadā tasya yajñeṣu viprendrāḥ sutṛptāḥ paramārcitāḥ modakān pūrikāpūpān dhānā vaṭakaśaṣkulīḥ karambhān pṛthukān manthān anyāni sukṛtāni ca sūpān maireyakān yūṣān rāgaṣāṇḍavapānakān mṛṣṭānnāni suyuktāni mṛdūni surabhīṇi ca ghṛtaṃ madhu payas toyaṃ dadhīni rasavanti ca phalaṃ mūlaṃ ca susvādu dvijās tatropabhujyate madanīyāni pānāni viditvā cātmanaḥ sukham apibanta yathākāmaṃ pānapā gītavāditaiḥ tatra sma gāthā gāyanti kṣībā hṛṣṭāḥ paṭhanti ca nābhāgastutisaṃyuktā nanṛtuś ca sahasraśaḥ
Andere Menschen genossen damals bei ihm mit allem versehene Speise. Bei seinen Opfern waren die Brahmanenfürsten überaus gesättigt, höchst geehrt: süße Bällchen, Pūrikā-Kuchen, geröstetes Getreide, Vaṭaka- und Śaṣkulī-Gebäck, Getreidebrei, geflachten Reis, Buttermilchgetränke und andere feine Speisen, Suppen, Maireyaka-Getränke, Brühen, gewürzte Gemüsegerichte und Trünke, erlesene, gut zubereitete, milde und wohlriechende Speisen, Butterschmalz, Honig, Milch, Wasser, saftreichen Quark — Frucht und Wurzel, überaus wohlschmeckend, genossen dort die Zweifachgeborenen. Berauschende Getränke, ihres eigenen Wohlbehagens gewiss geworden, tranken die Trinkenden nach Belieben, zu Gesang und Musik; dort sangen sie berauscht Lobgesänge, erfreut, und rezitierten, mit Nābhāga-Lobpreisungen verbunden, und tanzten zu Tausenden.
Wort für Wort
bubhujuḥ sarvasaṃpannam
genossen mit allem versehene (3.Pl.Perf. + Akk.Sg.Kompositum)
annam anye janās tadā
Speise, andere Menschen damals (Akk.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv.)
tasya yajñeṣu viprendrāḥ
bei seinen Opfern die Brahmanenfürsten (Gen.Sg. + Lok.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
teṣu yajñeṣv ambarīṣo dakṣiṇām atyakālayat rājñāṃ daśasahasrāṇi daśa prayutayājinām hiraṇyakavacān sarvāñ śvetacchattraprakīrṇakān hiraṇyasyandanārūḍhān sānuyātraparicchadān ījāno vitate yajñe dakṣiṇām atyakālayat mūrdhābhiṣiktāṃś ca nṛpān rājaputraśatāni ca sadaṇḍaṃ kośanicayān brāhmaṇebhyo hy amanyata naiva pūrve janāś cakrur na kariṣyanti cāpare yad ambarīṣo nṛpatiḥ karoty amitadakṣiṇaḥ ity evam anvamodanta prītā yasya maharṣayaḥ sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Bei jenen Opfern ließ Ambarīṣa Opfergaben überreichen: zehntausend Könige, [und] zehn mal zehn Millionen, die für ihn geopfert hatten, alle mit goldenen Panzern, mit weißen, verstreuten Schirmen, auf goldenen Wagen sitzend, mit Gefolge und Ausrüstung versehen — beim ausgebreiteten Opfer opfernd, ließ er sie als Opfergaben überreichen; und zu Häuptern gesalbte Könige, hundert Königssöhne, samt Herrschermacht [wörtl. 'Strafgewalt'] und aufgehäuften Schätzen gab er den Brahmanen. Nicht taten dies die früheren Menschen, und auch die künftigen werden es nicht tun, was der König Ambarīṣa tat, von unermesslicher Freigebigkeit — so billigten es freudig die großen Seher. Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
teṣu yajñeṣv ambarīṣo
bei jenen Opfern Ambarīṣa (Lok.Pl. + Lok.Pl. + Nom.Sg.)
dakṣiṇām atyakālayat
ließ Opfergaben überreichen (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Caus.)
rājñāṃ daśasahasrāṇi
zehntausend Könige (Gen.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
daśa prayutayājinām
zehn mal zehn Millionen, die geopfert hatten (Akk.Pl. + Gen.Pl.Kompositum)
hiraṇyakavacān sarvāñ
alle mit goldenen Panzern (Akk.Pl.Kompositum + Akk.Pl.)
śvetacchattraprakīrṇakān
mit weißen, verstreuten Schirmen (Akk.Pl.Kompositum)
hiraṇyasyandanārūḍhān
auf goldenen Wagen sitzend (Akk.Pl.Kompositum)
sānuyātraparicchadān
mit Gefolge und Ausrüstung versehen (Akk.Pl.Kompositum)
ījāno vitate yajñe
opfernd beim ausgebreiteten Opfer (Nom.Sg.Ptz. + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
dakṣiṇām atyakālayat
ließ als Opfergaben überreichen (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Caus.)
mūrdhābhiṣiktāṃś ca nṛpān
und zu Häuptern gesalbte Könige (Akk.Pl.Kompositum + Konj. + Akk.Pl.)
rājaputraśatāni ca
und hundert Königssöhne (Akk.Pl.Kompositum + Konj.)
sadaṇḍaṃ kośanicayān
samt Herrschermacht, aufgehäufte Schätze (Akk.Sg. + Akk.Pl.Kompositum)
brāhmaṇebhyo hy amanyata
gab den Brahmanen fürwahr (Dat.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf.Med.)
naiva pūrve janāś cakrur
nicht taten dies die früheren Menschen (Neg.+Partikel + Nom.Pl. + Nom.Pl. + 3.Pl.Perf.)
na kariṣyanti cāpare
und die künftigen werden es nicht tun (Neg. + 3.Pl.Fut. + Konj.+Nom.Pl.)
yad ambarīṣo nṛpatiḥ
was der König Ambarīṣa (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
karoty amitadakṣiṇaḥ
tat, von unermesslicher Freigebigkeit (3.Sg.Präs. + Nom.Sg.Kompositum)
ity evam anvamodanta
so billigten es (Partikel + Adv. + 3.Pl.Impf.Med.)
prītā yasya maharṣayaḥ
erfreut, die großen Seher (Nom.Pl.Ptz. + Gen.Sg. + Nom.Pl.Kompositum)
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch König Śaśabindu gestorben ist — er opferte mit mannigfachen Opfern, glanzvoll, von wahrhaftiger Tatkraft. Er, der Hochgesinnte, hatte hundert Ehefrauen-Tausendschaften; und bei jeder einzelnen Ehefrau wurden ihm tausend Söhne geboren. Jene Prinzen, tatkräftig, opferten alle mit einem Niyuta [Opfergaben]; als Könige, mit vornehmlichen Ritualhandlungen opfernd, in den Veden bewandert; alle mit goldenen Panzern, alle mit vortrefflichen Bögen — alle Prinzen, die Śāśabindavas, opferten mit Pferdeopfern.
Wort für Wort
śaśabinduṃ ca rājānaṃ
auch König Śaśabindu (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
īje sa vividhair yajñaiḥ
er opferte mit mannigfachen Opfern (3.Sg.Perf. + Nom.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
śrīmān satyaparākramaḥ
glanzvoll, von wahrhaftiger Tatkraft (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
tasya bhāryāsahasrāṇāṃ
seiner Ehefrauen-Tausendschaften (Gen.Sg. + Gen.Pl.Kompositum)
śatam āsīn mahātmanaḥ
hundert hatte der Hochgesinnte (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Gen.Sg.)
ekaikasyāṃ ca bhāryāyāṃ
und bei jeder einzelnen Ehefrau (Lok.Sg. + Konj. + Lok.Sg.)
sahasraṃ tanayābhavan
wurden tausend Söhne geboren (Nom.Sg. + Nom.Pl.+3.Pl.Impf.)
Sie [die Prinzen] gab, beim Pferdeopfer, der Herrscher der Könige, der Vater, den Brahmanen: je hundert auf Wagen fahrende [Mädchen] folgten hinter jedem einzelnen Königssohn; damals, mit Goldschmuck geschmückte Jungfrauen — für jede einzelne Jungfrau hundert Elefanten, für jeden Elefanten hundert Wagen; für jeden Wagen hundert kräftige, goldbekränzte Pferde; für jedes Pferd tausend Kühe, hinter den Kühen Kleinvieh. Dieses grenzenlose Vermögen gab beim großen Pferdeopfer Śaśabindu, der Hochbeglückte, den Brahmanen. So viele hölzerne Opferpfähle es beim großen Pferdeopfer gab, ebenso viele weitere andere wurden golden; aufgehäufte Speisen, Nahrung und Getränke [bildeten] eine Krośa hoch aufragende Berge.
Wort für Wort
tān aśvamedhe rājendro
sie beim Pferdeopfer der Herrscher der Könige (Akk.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
brāhmaṇebhyo 'dadat pitā
gab den Brahmanen, der Vater (Dat.Pl. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
śataṃ śataṃ rathagatā
je hundert auf Wagen fahrende (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Kompositum)
ekaikaṃ pṛṣṭhato 'nvayuḥ
folgten hinter jedem einzelnen (Akk.Sg. + Adv. + 3.Pl.Impf.)
rājaputraṃ tadā kanyās
Königssohn, damals die Jungfrauen (Akk.Sg.Kompositum + Adv. + Nom.Pl.)
Als jenes Pferdeopfer des Königs vollendet war, blieben [ihm] dreizehn [Königreiche] übrig; diese Erde, von zufriedenen, wohlgenährten Menschen bevölkert, frei von Störung, ungetrübt, genoss Śaśabindu lange und ging dann zum Himmel ein. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
tasyāśvamedhe nirvṛtte
als sein Pferdeopfer vollendet war (Gen.Sg.+Lok.Sg. + Lok.Sg.Ptz.)
rājñaḥ śiṣṭās trayodaśa
blieben dem König dreizehn übrig (Gen.Sg. + Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.)
tuṣṭapuṣṭajanākīrṇāṃ
von zufriedenen, wohlgenährten Menschen bevölkert (Akk.Sg.Kompositum)
śāntavighnām anāmayām
frei von Störung, ungetrübt (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
śaśabindur imāṃ bhūmiṃ
Śaśabindu diese Erde (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
ciraṃ bhuktvā divaṃ gataḥ
lange genossen habend, ging zum Himmel ein (Adv. + Ger. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
gayaṃ cāmūrtarayasaṃ mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma yo vai varṣaśataṃ rājā hutaśiṣṭāśano 'bhavat tasmai hy agnir varaṃ prādāt tato vavre varaṃ gayaḥ tapasā brahmacaryeṇa vratena niyamena ca gurūṇāṃ ca prasādena vedān icchāmi veditum svadharmeṇāvihiṃsyānyān dhanam icchāmi cākṣayam vipreṣu dadataś caiva śraddhā bhavatu nityaśaḥ ananyāsu savarṇāsu putrajanma ca me bhavet annaṃ me dadataḥ śraddhā dharme me ramatāṃ manaḥ avighnaṃ cāstu me nityaṃ dharmakāryeṣu pāvaka tathā bhaviṣyatīty uktvā tatraivāntaradhīyata
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch Gaya Āmūrtarayas gestorben ist — der König, der hundert Jahre lang von den Opferresten lebte. Ihm gewährte Agni [darüber erfreut] einen Segen; da erbat Gaya sich diese Gabe: 'Durch Askese, Keuschheit, Gelübde und Zurückhaltung, und durch die Gnade der Lehrer wünsche ich die Veden zu erkennen; ohne andere durch meine eigene Pflichterfüllung zu verletzen, wünsche ich mir unerschöpflichen Reichtum. Möge stets Vertrauen sein bei denen, die den Brahmanen geben; bei gleichrangigen [Ehefrauen], keinen anderen [zugewandt], möge mir Sohnesgeburt zuteilwerden; wer mir Speise gibt, dessen Vertrauen — an Rechtschaffenheit möge sich mein Sinn erfreuen; ungehindert möge es mir stets bei den Pflichtwerken sein, o Feuergott.' 'So wird es sein', sprach [Agni] und verschwand eben dort.
Wort für Wort
gayaṃ cāmūrtarayasaṃ
auch Gaya Āmūrtarayas (Akk.Sg. + Konj.+Akk.Sg.Kompositum)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yo vai varṣaśataṃ rājā
der König, der hundert Jahre (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
hutaśiṣṭāśano 'bhavat
von den Opferresten lebte (Nom.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf.)
tasmai hy agnir varaṃ prādāt
ihm gewährte fürwahr Agni einen Segen (Dat.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
tato vavre varaṃ gayaḥ
da erbat Gaya sich die Gabe (Adv. + 3.Sg.Perf.Med. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
tapasā brahmacaryeṇa
durch Askese, Keuschheit (Instr.Sg. + Instr.Sg.)
vratena niyamena ca
und durch Gelübde und Zurückhaltung (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Konj.)
gurūṇāṃ ca prasādena
und durch die Gnade der Lehrer (Gen.Pl. + Konj. + Instr.Sg.)
vedān icchāmi veditum
wünsche ich die Veden zu erkennen (Akk.Pl. + 1.Sg.Präs. + Inf.)
svadharmeṇāvihiṃsyānyān
ohne andere durch eigene Pflicht zu verletzen (Instr.Sg.Kompositum + Ger. + Akk.Pl.)
dhanam icchāmi cākṣayam
wünsche ich mir unerschöpflichen Reichtum (Akk.Sg. + 1.Sg.Präs. + Konj.+Akk.Sg.)
vipreṣu dadataś caiva
und bei denen, die den Brahmanen geben (Lok.Pl. + Gen.Sg.Ptz. + Konj.)
śraddhā bhavatu nityaśaḥ
möge stets Vertrauen sein (Nom.Sg. + Imp.3.Sg. + Adv.)
ananyāsu savarṇāsu
bei gleichrangigen, keinen anderen [zugewandt] (Lok.Pl. + Lok.Pl.)
gayo 'py avāpya tat sarvaṃ dharmeṇārīn ajījayat sa darśapaurṇamāsābhyāṃ kāleṣv āgrayaṇena ca cāturmāsyaiś ca vividhair yajñaiś cāvāptadakṣiṇaiḥ ayajac chraddhayā rājā parisaṃvatsaraṃ śatam daśa nāgasahasrāṇi śatam aśvaśatāni ca śataṃ niṣkasahasrāṇi gavāṃ cāpy ayutāni ṣaṭ utthāyotthāya sa prādāt parisaṃvatsaraṃ śatam nakṣatreṣu ca sarveṣu dadan nakṣatradakṣiṇāḥ īje ca vividhair yajñair yathā somo 'ṅgirā yathā
Auch Gaya, all dies erlangt habend, besiegte rechtmäßig seine Feinde. Er, mit den Neumond- und Vollmondopfern, zu [rechten] Zeiten mit dem Āgrayaṇa-Opfer und mit den mannigfachen Vierteljahres-Opfern, reich an Opfergaben, opferte mit Vertrauen, der König, hundert Jahre lang: zehntausend Elefanten, hundert mal hundert Pferde, hundert Goldmünzen-Tausendschaften und sechzigtausend Rinder — [jedes Jahr] wieder aufstehend, gab er dies hundert Jahre lang; bei allen Mondhäusern [Nakṣatras] gab er Nakṣatra-Opfergaben; und er opferte mit mannigfachen Opfern, wie Soma, wie Aṅgiras.
Wort für Wort
gayo 'py avāpya tat sarvaṃ
auch Gaya, all dies erlangt habend (Nom.Sg. + Partikel + Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
dharmeṇārīn ajījayat
besiegte rechtmäßig seine Feinde (Instr.Sg. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.)
sa darśapaurṇamāsābhyāṃ
er mit Neumond- und Vollmondopfern (Nom.Sg. + Instr.Du.Kompositum)
kāleṣv āgrayaṇena ca
zu Zeiten mit dem Āgrayaṇa-Opfer (Lok.Pl. + Instr.Sg. + Konj.)
cāturmāsyaiś ca vividhair
und mit mannigfachen Vierteljahres-Opfern (Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl.)
yajñaiś cāvāptadakṣiṇaiḥ
Opfern, reich an Opfergaben (Instr.Pl. + Konj.+Instr.Pl.Kompositum)
ayajac chraddhayā rājā
opferte mit Vertrauen der König (3.Sg.Impf. + Instr.Sg. + Nom.Sg.)
sauvarṇāṃ pṛthivīṃ kṛtvā ya imāṃ maṇiśarkarām viprebhyaḥ prādadad rājā so 'śvamedhe mahāmakhe jāmbūnadamayā yūpāḥ sarve ratnaparicchadāḥ gayasyāsan samṛddhās tu sarvabhūtamanoharāḥ sarvakāmasamṛddhāṃś ca prādāt tāṃś ca gayas tadā brāhmaṇebhyaḥ prahṛṣṭebhyaḥ sarvabhūtebhya eva ca samudradvīpaśaileṣu nadīnadavaneṣu ca nagareṣu ca rāṣṭreṣu divi vyomni ca ye 'vasan bhūtagrāmāś ca vividhāḥ saṃtṛptā yajñasaṃpadā gayasya sadṛśo yajño nāsty anya iti te 'bruvan
Diese mit Juwelen und Kieseln [übersäte] Erde golden gemacht habend, gab sie der König den Brahmanen, beim großen Pferdeopfer; alle Opferpfähle aus Jambūnada-Gold [feinstem Gold], mit Juwelenschmuck versehen — Gayas [Opfer] waren gedeihlich, alle Wesen erfreuend; und alle Wünsche erfüllende [Gaben] gab Gaya damals den erfreuten Brahmanen und allen Wesen überhaupt — [allen,] die in Meeren, auf Inseln, in Bergen, in Flüssen, Strömen und Wäldern, in Städten und Reichen, im Himmel und im Luftraum wohnten: mannigfache Scharen von Wesen, gesättigt durch den Opferreichtum. 'Ein Gaya gleiches Opfer gibt es kein anderes' — so sprachen sie.
Wort für Wort
sauvarṇāṃ pṛthivīṃ kṛtvā
die goldene Erde gemacht habend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
ya imāṃ maṇiśarkarām
diese mit Juwelen und Kieseln [übersäte] (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
viprebhyaḥ prādadad rājā
gab der König den Brahmanen (Dat.Pl. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
so 'śvamedhe mahāmakhe
er beim großen Pferdeopfer (Nom.Sg. + Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg.Kompositum)
jāmbūnadamayā yūpāḥ
die Opferpfähle aus Jambūnada-Gold (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
sarve ratnaparicchadāḥ
alle mit Juwelenschmuck versehen (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
gayasyāsan samṛddhās tu
Gayas [Opfer] waren gedeihlich aber (Gen.Sg.+3.Pl.Impf. + Nom.Pl. + Partikel)
sarvabhūtamanoharāḥ
alle Wesen erfreuend (Nom.Pl.Kompositum)
sarvakāmasamṛddhāṃś ca
und alle Wünsche erfüllende (Akk.Pl.Kompositum + Konj.)
prādāt tāṃś ca gayas tadā
gab sie Gaya damals (3.Sg.Impf. + Akk.Pl. + Konj. + Nom.Sg. + Adv.)
brāhmaṇebhyaḥ prahṛṣṭebhyaḥ
den erfreuten Brahmanen (Dat.Pl. + Dat.Pl.Ptz.)
sarvabhūtebhya eva ca
und allen Wesen überhaupt (Dat.Pl.Kompositum + Partikel + Konj.)
samudradvīpaśaileṣu
in Meeren, Inseln, Bergen (Lok.Pl.Kompositum)
nadīnadavaneṣu ca
und in Flüssen, Strömen, Wäldern (Lok.Pl.Kompositum + Konj.)
nagareṣu ca rāṣṭreṣu
in Städten und Reichen (Lok.Pl. + Konj. + Lok.Pl.)
divi vyomni ca ye 'vasan
im Himmel und Luftraum, die wohnten (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Konj. + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)
bhūtagrāmāś ca vividhāḥ
mannigfache Scharen von Wesen (Nom.Pl.Kompositum + Konj. + Nom.Pl.)
saṃtṛptā yajñasaṃpadā
gesättigt durch den Opferreichtum (Nom.Pl.Ptz. + Instr.Sg.Kompositum)
gayasya sadṛśo yajño
ein Gaya gleiches Opfer (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
nāsty anya iti te 'bruvan
gibt es kein anderes, so sprachen sie (Neg.+3.Sg.Präs. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.)
ṣaṭtriṃśadyojanāyāmā triṃśadyojanam āyatā paścāt puraś caturviṃśad vedī hy āsīd dhiraṇmayī gayasya yajamānasya muktāvajramaṇistṛtā prādāt sa brāhmaṇebhyo 'tha vāsāṃsyābharaṇāni ca yathoktā dakṣiṇāś cānyā viprebhyo bhūridakṣiṇaḥ yatra bhojanaśiṣṭasya parvatāḥ pañcaviṃśatiḥ kulyāḥ kṛśaravāhinyo rasānām abhavaṃs tadā vastrābharaṇagandhānāṃ rāśayaś ca pṛthagvidhāḥ yasya prabhāvāc ca gayas triṣu lokeṣu viśrutaḥ vaṭaś cākṣayyakaraṇaḥ puṇyaṃ brahmasaraś ca tat sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Sechsunddreißig Yojana lang, dreißig Yojana breit, hinten [im Osten] vierundzwanzig [Yojana] vorn [im Westen] — so groß war der goldene Opferaltar des opfernden Gaya, mit Perlen und Diamantsteinen besät. Dann gab er den Brahmanen Gewänder und Schmuckstücke, und wie beschrieben andere Opfergaben, den Brahmanen, reich an Opfergaben. Wo es von den Speiseresten fünfundzwanzig Berge gab; Kanäle von Getreidebrei flossen damals als [Kanäle] von Säften; und Haufen von Kleidern, Schmuckstücken und Duftstoffen, mannigfaltig. Durch dessen Macht Gaya in den drei Welten berühmt ist: der Feigenbaum der unerschöpflichen Wirkung und jener heilige Brahma-See [sind Zeugnis davon]. Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
[Anm.: 'Akṣayyavaṭa' ('der unerschöpfliche Feigenbaum') und der 'Brahmasaras' (Brahma-See) bei Gayā in Bihar sind bis heute bekannte Pilgerstätten, die traditionell mit König Gaya und seinem legendären Opfer in Verbindung gebracht werden.]
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch Rantideva Sāṃkṛti gestorben ist — dem Hochgesinnten dienten zweihunderttausend Köche als Aufwärter für die ins Haus gekommenen Brahmanen und Gäste, bei Tag und Nacht gekochte und ungekochte, vortreffliche, Amṛta gleiche Speise [bereitend]. Rechtmäßig erworbenen Reichtum gab er den Brahmanen. Nachdem er die Veden studiert hatte, brachte er rechtschaffen die Feinde in seine Gewalt; und die Tiere kamen von selbst zu ihm, dem in strengem Gelübde Lebenden, viele, nach dem Himmel strebend, zum vorschriftsgemäßen Opferpriester [der sie opfern würde].
Wort für Wort
sāṃkṛtiṃ rantidevaṃ ca
auch Rantideva Sāṃkṛti (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg. + Konj.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yasya dviśatasāhasrā
dem zweihunderttausend (Gen.Sg. + Nom.Pl.Kompositum)
āsan sūdā mahātmanaḥ
dienten Köche, dem Hochgesinnten (3.Pl.Impf. + Nom.Pl. + Gen.Sg.)
gṛhān abhyāgatān viprān
für die ins Haus gekommenen Brahmanen (Akk.Pl. + Akk.Pl.Ptz. + Akk.Pl.)
atithīn pariveṣakāḥ
als Aufwärter für die Gäste (Akk.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
pakvāpakvaṃ divārātraṃ
gekochte und ungekochte, bei Tag und Nacht (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.Kompositum)
nadī mahānasād yasya pravṛttā carmarāśitaḥ tasmāc carmaṇvatī pūrvam agnihotre 'bhavat purā brāhmaṇebhyo dadau niṣkān sauvarṇān sa prabhāvataḥ tubhyaṃ niṣkaṃ tubhyaṃ niṣkam iti ha sma prabhāṣate tubhyaṃ tubhyam iti prādān niṣkān niṣkān sahasraśaḥ tataḥ punaḥ samāśvāsya niṣkān eva prayacchati alpaṃ dattaṃ mayādyeti niṣkakoṭiṃ pradāya saḥ ekāhnā dāsyati punaḥ ko 'nyas tat saṃpradāsyati
Ein Fluss floss aus dessen Küche, aus dem Haufen von Häuten — daher entstand einst die [Fluss namens] Carmaṇvatī [Hautfluss] beim Feueropfer, vor Zeiten. Den Brahmanen gab er, durch seine Macht, goldene Münzen; 'für dich eine Münze, für dich eine Münze' — so sprach er beständig; 'für dich, für dich' — so gab er Münze um Münze zu Tausenden. Dann wieder, [sie] getröstet habend, gab er weitere Münzen; 'zu wenig habe ich heute gegeben', [so sprechend], eine Zehnmillion Münzen dargebracht habend, [dachte] er: 'An einem einzigen Tag wird er [wieder] geben — wer anders würde das ebenso geben?'
Wort für Wort
nadī mahānasād yasya
ein Fluss aus dessen Küche (Nom.Sg. + Abl.Sg.Kompositum + Gen.Sg.)
pravṛttā carmarāśitaḥ
floss aus dem Haufen von Häuten (Nom.Sg.Ptz. + Abl.Sg.Kompositum)
tasmāc carmaṇvatī pūrvam
daher entstand einst die Carmaṇvatī (Adv. + Nom.Sg. + Adv.)
agnihotre 'bhavat purā
beim Feueropfer, vor Zeiten (Lok.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf. + Adv.)
brāhmaṇebhyo dadau niṣkān
den Brahmanen gab er goldene Münzen (Dat.Pl. + 3.Sg.Perf. + Akk.Pl.)
sauvarṇān sa prabhāvataḥ
durch seine Macht, golden (Akk.Pl. + Nom.Sg. + Adv.)
tubhyaṃ niṣkaṃ tubhyaṃ niṣkam
für dich eine Münze, für dich eine Münze (Dat.Sg. + Akk.Sg. + Dat.Sg. + Akk.Sg.)
iti ha sma prabhāṣate
so sprach er beständig (Partikel + Partikel + Partikel + 3.Sg.Präs.Med.)
tubhyaṃ tubhyam iti prādān
'für dich, für dich' gab er (Dat.Sg. + Dat.Sg. + Partikel + 3.Sg.Impf.)
niṣkān niṣkān sahasraśaḥ
Münze um Münze zu Tausenden (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)
tataḥ punaḥ samāśvāsya
dann wieder, getröstet habend (Adv. + Adv. + Ger.)
niṣkān eva prayacchati
gibt er weitere Münzen (Akk.Pl. + Partikel + 3.Sg.Präs.)
alpaṃ dattaṃ mayādyeti
'zu wenig habe ich heute gegeben' (Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz. + Instr.Sg.+Adv.+Partikel)
niṣkakoṭiṃ pradāya saḥ
eine Zehnmillion Münzen dargebracht habend, er (Akk.Sg.Kompositum + Ger. + Nom.Sg.)
ekāhnā dāsyati punaḥ
an einem Tag wird er wieder geben (Instr.Sg.Kompositum + 3.Sg.Fut. + Adv.)
ko 'nyas tat saṃpradāsyati
wer anders würde das ebenso geben (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Fut.)
sahasraśaś ca sauvarṇān vṛṣabhān gośatānugān adhyardhamāsam adadad brāhmaṇebhyaḥ śataṃ samāḥ agnihotropakaraṇaṃ yajñopakaraṇaṃ ca yat ṛṣibhyaḥ karakān kumbhān sthālīpiṭharam eva ca śayanāsanayānāni prāsādāṃś ca gṛhāṇi ca vṛkṣāṃś ca vividhān dadyād annāni ca dhanāni ca sarvaṃ sauvarṇam evāsīd rantidevasya dhīmataḥ tatrāsya gāthā gāyanti ye purāṇavido janāḥ rantidevasya tāṃ dṛṣṭvā samṛddhim atimānuṣīm naitādṛśaṃ dṛṣṭapūrvaṃ kuberasadaneṣv api dhanaṃ ca pūryamāṇaṃ naḥ kiṃ punar manujeṣv iti vyaktaṃ vasvokasāreyam ity ūcus tatra vismitāḥ
Und zu Tausenden goldene Stiere, von je hundert Kühen begleitet, gab er anderthalb Monate lang den Brahmanen, hundert Jahre lang; was an Geräten für das Feueropfer und Opfergerät nötig war, gab er den Sehern: Wasserkrüge, Töpfe, Kochtöpfe und Kessel, Betten, Sitze und Fahrzeuge, Paläste und Häuser, mannigfache Bäume, Speisen und Reichtümer — alles war golden bei dem weisen Rantideva. Darüber singen die Menschen, die die Überlieferung kennen, einen Lobgesang: 'Diesen übermenschlichen Reichtum Rantidevas gesehen habend — dergleichen haben wir nie zuvor gesehen, selbst nicht in Kuberas Wohnstätten; wie sollte sich dann Reichtum erst recht bei Menschen anhäufen?' 'Offenbar ist dies das Haus des [Gottes] Vasu [personifizierter Reichtum selbst]' — so sprachen sie dort, erstaunt.
Wort für Wort
sahasraśaś ca sauvarṇān
und zu Tausenden goldene (Adv. + Konj. + Akk.Pl.)
vṛṣabhān gośatānugān
Stiere, von hundert Kühen begleitet (Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
adhyardhamāsam adadad
gab anderthalb Monate lang (Akk.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf.)
brāhmaṇebhyaḥ śataṃ samāḥ
den Brahmanen, hundert Jahre lang (Dat.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Pl.)
agnihotropakaraṇaṃ
das Gerät für das Feueropfer (Akk.Sg.Kompositum)
yajñopakaraṇaṃ ca yat
und was an Opfergerät (Akk.Sg.Kompositum + Konj. + Nom.Sg.)
ṛṣibhyaḥ karakān kumbhān
den Sehern Wasserkrüge, Töpfe (Dat.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
sthālīpiṭharam eva ca
und ebenso Kochtöpfe und Kessel (Akk.Sg.Kompositum + Partikel + Konj.)
śayanāsanayānāni
Betten, Sitze, Fahrzeuge (Akk.Pl.Kompositum)
prāsādāṃś ca gṛhāṇi ca
und Paläste und Häuser (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + Konj.)
vṛkṣāṃś ca vividhān dadyād
und mannigfache Bäume gab er (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + 3.Sg.Opt.)
annāni ca dhanāni ca
und Speisen und Reichtümer (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + Konj.)
sarvaṃ sauvarṇam evāsīd
alles war eben golden (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel+3.Sg.Impf.)
rantidevasya dhīmataḥ
bei dem weisen Rantideva (Gen.Sg. + Gen.Sg.Kompositum)
tatrāsya gāthā gāyanti
darüber singen einen Lobgesang (Adv.+Gen.Sg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Präs.)
ye purāṇavido janāḥ
die Menschen, die die Überlieferung kennen (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
rantidevasya tāṃ dṛṣṭvā
diesen Rantidevas [Reichtum] gesehen habend (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
samṛddhim atimānuṣīm
übermenschlichen Reichtum (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
naitādṛśaṃ dṛṣṭapūrvaṃ
dergleichen nie zuvor gesehen (Neg.+Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
kuberasadaneṣv api
selbst nicht in Kuberas Wohnstätten (Lok.Pl.Kompositum + Partikel)
dhanaṃ ca pūryamāṇaṃ naḥ
und Reichtum, sich häufend, bei uns (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Ptz. + Gen.Pl.)
kiṃ punar manujeṣv iti
wie erst recht bei Menschen (Adv. + Adv. + Lok.Pl. + Partikel)
vyaktaṃ vasvokasāreyam
offenbar ist dies das Haus des Vasu (Adv. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
ity ūcus tatra vismitāḥ
so sprachen sie dort, erstaunt (Partikel + 3.Pl.Perf. + Adv. + Nom.Pl.Ptz.)
Bei Sāṃkṛti Rantideva wurden, in welcher Nacht [auch immer] ein Gast weilte, dann einundzwanzigtausend Kühe geschlachtet; dort riefen die Köche, mit blitzblank geputzten Juwelenohrringen: 'Esst reichlich mit Suppe [zubereitetes Fleisch]; heute [gibt es] nicht [nur] Fleisch wie sonst [d.h. es gibt heute noch mehr als üblich].' Was auch immer bei Rantideva damals golden war, all das gab er beim ausgebreiteten Opfer den Brahmanen. Unmittelbar empfangen dessen Opfergaben die Götter, [dessen] Ahnenopfer die Väter, zur rechten Zeit alle Wünsche, [ihm,] dem Besten der Zweifachgeborenen. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
sāṃkṛte rantidevasya
bei Sāṃkṛti Rantideva (Lok.Sg. + Gen.Sg.)
yāṃ rātrim atithiṃ vaset
in welcher Nacht ein Gast weilte (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Opt.)
ālabhyanta tadā gāvaḥ
wurden dann Kühe geschlachtet (3.Pl.Impf.Pass. + Adv. + Nom.Pl.)
sahasrāṇy ekaviṃśatiḥ
einundzwanzigtausend (Nom.Pl. + Nom.Sg.)
tatra sma sūdāḥ krośanti
dort riefen die Köche (Adv. + Partikel + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.)
sumṛṣṭamaṇikuṇḍalāḥ
mit blitzblank geputzten Juwelenohrringen (Nom.Pl.Kompositum)
sūpabhūyiṣṭam aśnīdhvaṃ
esst reichlich mit Suppe (Akk.Sg.Kompositum + Imp.2.Pl.)
nādya māṃsaṃ yathāpuram
heute nicht nur Fleisch wie sonst (Neg.+Adv. + Akk.Sg. + Adv.)
rantidevasya yat kiṃ cit
was auch immer bei Rantideva (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.+Partikel)
sauvarṇam abhavat tadā
golden war damals (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Adv.)
tat sarvaṃ vitate yajñe
all das beim ausgebreiteten Opfer (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
brāhmaṇebhyo hy amanyata
gab den Brahmanen fürwahr (Dat.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf.Med.)
pratyakṣaṃ tasya havyāni
unmittelbar dessen Opfergaben (Adv. + Gen.Sg. + Akk.Pl.)
pratigṛhṇanti devatāḥ
empfangen die Götter (3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
kavyāni pitaraḥ kāle
die Ahnenopfer die Väter, zur rechten Zeit (Akk.Pl. + Nom.Pl. + Lok.Sg.)
sarvakāmān dvijottamāḥ
alle Wünsche, die Besten der Zweifachgeborenen (Akk.Pl.Kompositum + Nom.Pl.Kompositum)
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch Bharata Dauṣyanti gestorben ist — der, als Knabe im Wald, Taten vollbrachte, die andere nicht vollbringen können: goldglänzende Löwen, mit Klauen und Reißzähnen als Waffen, machte er, der Kraftvolle, im Nu ihrer Kraft beraubt, zerrte sie umher und band sie; grimmige, von gewaltiger Kraft starrende Tiger bezähmte er und brachte sie in seine Gewalt, wie man rote Arsenik-Felsen mit Harzklumpen [zu Spielzeug] verbindet. Auch Schlangen und andere, sowie überaus kraftvolle, widerspenstige Elefanten packte er an den Stoßzähnen, ließ sie herabsteigen und machte sie, mit trockenen Mäulern [vor Erschöpfung], gefügig.
Wort für Wort
dauṣyantiṃ bharataṃ cāpi
auch Bharata Dauṣyanti (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg. + Konj.+Partikel)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
karmāṇy asukarāṇy anyaiḥ
Taten, die andere nicht können (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Instr.Pl.)
kṛtavān yaḥ śiśur vane
der als Knabe im Wald vollbrachte (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
hemāvadālan yaḥ siṃhān
goldglänzende Löwen, der (Akk.Pl. + Nom.Sg. + Akk.Pl.)
nakhadaṃṣṭrāyudhān balī
mit Klauen und Reißzähnen als Waffen, der Kraftvolle (Akk.Pl.Kompositum + Nom.Sg.)
nirvīryāṃs tarasā kṛtvā
ihrer Kraft beraubt gemacht habend (Akk.Pl. + Instr.Sg. + Ger.)
vicakarṣa babandha ca
zerrte umher und band (3.Sg.Perf. + 3.Sg.Perf. + Konj.)
mahiṣān apy atibalān balena vicakarṣa ha balinaḥ sṛmarān khaḍgān nānāsattvāni cāpy uta kṛcchraprāṇān vane baddhvā damayitvāpy avāsṛjat taṃ sarvadamanety āhus tadvidas tena karmaṇā taṃ pratyaṣedhaj jananī mā sattvāni vijījahi so 'śvamedhaśateneṣṭvā yamunām anu vīryavān triśatāśvān sarasvatyāṃ gaṅgām anu catuḥśatān
Auch überaus kraftvolle Büffel zerrte er fürwahr mit Gewalt umher; kraftvolle Yak-Ochsen, Nashörner und mannigfache andere Tiere, deren Lebenshauch [durch den Kampf] in Bedrängnis geraten war, im Wald gefesselt und bezähmt habend, ließ er sie wieder frei. Ihn nannten deshalb die Kenner der Sache 'Sarvadamana' [Allbezwinger] wegen dieser Tat; seine Mutter hielt ihn davon zurück: 'Peinige nicht die Lebewesen!' Er, hundert Pferdeopfer entlang des Yamunā geopfert habend, der Tatkräftige, [gab] dreihundert Pferde, entlang der Sarasvatī der Gaṅgā [entlang] vierhundert.
Wort für Wort
mahiṣān apy atibalān
auch überaus kraftvolle Büffel (Akk.Pl. + Partikel + Akk.Pl.)
balena vicakarṣa ha
zerrte fürwahr mit Gewalt umher (Instr.Sg. + 3.Sg.Perf. + Partikel)
und auch mannigfache andere Tiere (Akk.Pl.Kompositum + Konj.+Partikel + Partikel)
kṛcchraprāṇān vane baddhvā
deren Lebenshauch in Bedrängnis war, im Wald gefesselt habend (Akk.Pl.Kompositum + Lok.Sg. + Ger.)
damayitvāpy avāsṛjat
bezähmt habend, ließ frei (Ger.+Partikel + 3.Sg.Impf.)
taṃ sarvadamanety āhus
ihn nannten sie 'Sarvadamana' (Akk.Sg. + Nom.Sg.Kompositum+Partikel + 3.Pl.Perf.)
tadvidas tena karmaṇā
die Kenner der Sache, wegen dieser Tat (Nom.Pl.Kompositum + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
taṃ pratyaṣedhaj jananī
ihn hielt die Mutter zurück (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
mā sattvāni vijījahi
peinige nicht die Lebewesen (Neg. + Akk.Pl. + Imp.2.Sg.)
so 'śvamedhaśateneṣṭvā
er, hundert Pferdeopfer geopfert habend (Nom.Sg. + Instr.Sg.Kompositum + Ger.)
yamunām anu vīryavān
entlang der Yamunā, der Tatkräftige (Akk.Sg. + Postp. + Nom.Sg.Kompositum)
triśatāśvān sarasvatyāṃ
dreihundert Pferde, an der Sarasvatī (Akk.Pl.Kompositum + Lok.Sg.)
gaṅgām anu catuḥśatān
entlang der Gaṅgā vierhundert (Akk.Sg. + Postp. + Akk.Pl.)
[Anm.: 'Sarvadamana' ('Allbezwinger') war der ursprüngliche Name Bharatas, bevor er nach seinem Vater Duṣyanta und seiner Mutter Śakuntalā den geläufigeren Namen erhielt — hier klingt die aus dem Mahābhārata (Ādiparva) bekannte Kindheitserzählung von Bharatas wilder Kraft und Śakuntalās mütterlicher Zurückhaltung an.]
Er, mit tausend Pferdeopfern und hundert Rājasūya-Opfern, opferte wiederum mit großen Opfern, mit vollständig entrichteten Opfergaben; mit Tausenden von Agniṣṭoma-, Atirātra-, Ukthya- und Viśvajit-Opfern, von Vājapeya-, Iṣṭi- und Satra-Opfern, wohl ausgestattet, geopfert habend, sättigte der König, Śakuntalās Sohn [Bharata], die Zweifachgeborenen mit Reichtümern: tausend [Maß] an Lotos[gold] gab Bharata, hochruhmreich, dem [Weisen] Kaṇva, aus reinem Jambūnada-Gold; dessen Opferpfähle, hundert Klafter im Umfang, golden, sich versammelt habend, zusammen mit den Zweifachgeborenen und den Göttern mit Indra, ragten empor, prächtig geschmückt, erstrahlend mit allen herzerfreuenden Juwelen.
Wort für Wort
so 'śvamedhasahasreṇa
er, mit tausend Pferdeopfern (Nom.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
rājasūyaśatena ca
und mit hundert Rājasūya-Opfern (Instr.Sg.Kompositum + Konj.)
punar īje mahāyajñaiḥ
opferte wiederum mit großen Opfern (Adv. + 3.Sg.Perf. + Instr.Pl.Kompositum)
samāptavaradakṣiṇaiḥ
mit vollständig entrichteten Opfergaben (Instr.Pl.Kompositum)
agniṣṭomātirātrāṇām
der Agniṣṭoma- und Atirātra-Opfer (Gen.Pl.Kompositum)
ukthyaviśvajitām api
auch der Ukthya- und Viśvajit-Opfer (Gen.Pl.Kompositum + Partikel)
vājapeyeṣṭisatrāṇāṃ
der Vājapeya-, Iṣṭi- und Satra-Opfer (Gen.Pl.Kompositum)
sahasraiś ca susaṃbhṛtaiḥ
mit Tausenden, wohl ausgestattet (Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl.Ptz.)
iṣṭvā śākuntalo rājā
geopfert habend, der König, Śakuntalās Sohn (Ger. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
tarpayitvā dvijān dhanaiḥ
die Zweifachgeborenen mit Reichtümern gesättigt habend (Ger. + Akk.Pl. + Instr.Pl.)
sahasraṃ yatra padmānāṃ
tausend an Lotos[gold], wobei (Akk.Sg. + Adv. + Gen.Pl.)
kaṇvāya bharato dadau
gab Bharata dem Kaṇva (Dat.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
jāmbūnadasya śuddhasya
aus reinem Jambūnada-Gold (Gen.Sg. + Gen.Sg.)
kanakasya mahāyaśāḥ
hochruhmreich (Gen.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
yasya yūpāḥ śatavyāmāḥ
dessen Opferpfähle, hundert Klafter (Gen.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
pariṇāhena kāñcanāḥ
im Umfang, golden (Instr.Sg. + Nom.Pl.)
samāgamya dvijaiḥ sārdhaṃ
versammelt, zusammen mit den Zweifachgeborenen (Ger. + Instr.Pl. + Postp.)
sendrair devaiḥ samucchritāḥ
mit den Göttern und Indra, ragten empor (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl. + Nom.Pl.Ptz.)
hiraṇyam aśvān dviradān rathān uṣṭrān ajāvikān dāsīdāsaṃ dhanaṃ dhānyaṃ gāḥ savatsāḥ payasvinīḥ grāmān gṛhāṇi kṣetrāṇi vividhāṃś ca paricchadān koṭīśatāyutaṃ caiva brāhmaṇebhyo hy amanyata cakravartī hy adīnātmā jetāris tv ajitaḥ paraiḥ sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Gold, Pferde, Elefanten, Wagen, Kamele, Kleinvieh, Sklavinnen und Sklaven, Reichtum, Getreide, milchgebende Kühe mit ihren Kälbern, Dörfer, Häuser, Felder und mannigfache Gerätschaften — hundert Zehnmillionen mal Zehntausend gab er den Brahmanen; ein Weltherrscher [Cakravartin] war er, unverzagten Sinnes, ein Bezwinger, doch von Feinden unbezwungen. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wir haben gehört, Sṛñjaya, dass auch König Pṛthu Vainya gestorben ist — den beim Rājasūya-Opfer die großen Seher zum Weltherrscher krönten: 'Dieser wird uns alle ausbreiten [beschützend fördern]' — so [dachten sie und] wurde er 'Pṛthu' [der Ausbreiter]; 'er wird uns alle vor Verletzung schützen' — so wurde er 'Kṣatriya'. Als die Untertanen Pṛthu Vainya sahen, [wurden sie] rot [vor freudiger Erregung] und sagten 'wir sind [von Liebe erfüllt]' — daraus entstand aus Zuneigung sein Name 'Rāja' [König]. Ohne gepflügt zu werden reifte damals die Erde, sie war Vainyas wunschgewährende Kuh; alle Kühe waren eutervoll, [Honig floss] topfweise als Honig.
Wort für Wort
pṛthuṃ vainyaṃ ca rājānaṃ
auch König Pṛthu Vainya (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Konj. + Akk.Sg.)
mṛtaṃ sṛñjaya śuśruma
gestorben, Sṛñjaya, haben wir gehört (Akk.Sg.Ptz. + Vok.Sg. + 1.Pl.Perf.)
yam abhyaṣiñcan sāmrājye
den sie zur Weltherrschaft krönten (Akk.Sg. + 3.Pl.Impf. + Lok.Sg.)
rājasūye maharṣayaḥ
beim Rājasūya-Opfer, die großen Seher (Lok.Sg.Kompositum + Nom.Pl.Kompositum)
ayaṃ naḥ prathayiṣyeta
dieser wird uns ausbreiten (Nom.Sg. + Gen.Pl. + 3.Sg.Fut.Opt.)
sarvān ity abhavat pṛthuḥ
alle — so wurde er Pṛthu (Akk.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
kṣatān nas trāsyate sarvān
vor Verletzung wird er uns alle schützen (Abl.Sg. + Gen.Pl. + 3.Sg.Fut. + Akk.Pl.)
ity evaṃ kṣatriyo 'bhavat
so wurde er Kṣatriya (Partikel + Adv. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
alle Kühe waren eutervoll (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
puṭake puṭake madhu
topfweise Honig (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: Dieser Abschnitt bietet die berühmte volksetymologische Deutung von Pṛthus Namen und Titeln (pṛthu — 'ausbreitend', rāja — von rañj, 'sich erfreuen/erröten', kṣatriya — Schützer vor kṣata/Verletzung) und leitet die ebenso berühmte Allegorie vom 'Melken der Erde' als Kuh ein, die in den folgenden Versen fortgeführt wird.]
āsan hiraṇmayā darbhāḥ sukhasparśāḥ sukhāvahāḥ teṣāṃ cīrāṇi saṃvītāḥ prajās teṣv eva śerate phalāny amṛtakalpāni mūlāni ca madhūni ca teṣām āsīt tadāhāro nirāhārāś ca nābhavan arogāḥ sarvasiddhārthā manuṣyā akutobhayāḥ nyavasanta yathākāmaṃ vṛkṣeṣu ca guhāsu ca pravibhāgo na rāṣṭrāṇāṃ purāṇāṃ cābhavat tadā yathāsukhaṃ yathākāmaṃ tathaitā muditāḥ prajāḥ
Es gab goldene Darbha-Gräser, angenehm zu berühren, Wohlbehagen bringend; in ihre Blätter [wörtl. 'Fetzen'] gehüllt, ruhten die Menschen eben auf ihnen. Amṛta-gleiche Früchte und Wurzeln und Honig — dies war damals ihre Nahrung, und dabei blieben sie nicht ohne Nahrung [d.h. sie waren gesättigt, ohne mühsam essen zu müssen]; krankheitsfrei, jedes Anliegen erfüllt, ohne jegliche Furcht wohnten die Menschen, wo immer sie wollten, in Bäumen und in Höhlen. Eine Aufteilung von Reichen und Städten gab es damals nicht; so [lebten], nach Belieben, nach Wunsch, diese erfreuten Geschöpfe.
Wort für Wort
āsan hiraṇmayā darbhāḥ
es gab goldene Darbha-Gräser (3.Pl.Impf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
sukhasparśāḥ sukhāvahāḥ
angenehm zu berühren, Wohlbehagen bringend (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.Kompositum)
teṣāṃ cīrāṇi saṃvītāḥ
in ihre Blätter gehüllt (Gen.Pl. + Akk.Pl. + Nom.Pl.Ptz.)
prajās teṣv eva śerate
die Menschen ruhten eben auf ihnen (Nom.Pl. + Lok.Pl. + Partikel + 3.Pl.Präs.Med.)
tasya saṃstambhayann āpaḥ samudram abhiyāsyataḥ parvatāś ca dadur mārgaṃ dhvajabhaṅgaś ca nābhavat taṃ vanaspatayaḥ śailā devāsuranaroragāḥ saptarṣayaḥ puṇyajanā gandharvāpsaraso 'pi ca pitaraś ca sukhāsīnam abhigamyedam abruvan samrāḍ asi kṣatriyo 'si rājā goptā pitāsi naḥ dehy asmabhyaṃ mahārāja prabhuḥ sann īpsitān varān yair vayaṃ śāśvatīs tṛptīr vartayiṣyāmahe sukham
Als er dem Meer zustrebte, hielten die Wasser für ihn inne, und die Berge gaben ihm den Weg frei; kein Zerbrechen der Banner [seines Wagens] ereignete sich. Die Bäume, die Berge, Götter, Dämonen, Menschen und Schlangenwesen, die sieben Ṛṣis, die Yakṣas, auch die Gandharven und Apsaras, und die Väter — sie traten zu ihm, als er behaglich saß, und sprachen dies: 'Du bist Weltherrscher, du bist Kṣatriya, du bist König, Beschützer, unser Vater — gib uns, Großkönig, du, der [zu geben] fähig ist, die gewünschten Segnungen, durch die wir dauerhafte Zufriedenheit in Glück erlangen werden.'
Wort für Wort
tasya saṃstambhayann āpaḥ
für ihn hielten inne die Wasser (Gen.Sg. + Nom.Pl.Ptz.Caus. + Nom.Pl.)
samudram abhiyāsyataḥ
als er dem Meer zustrebte (Akk.Sg. + Gen.Sg.Ptz.)
parvatāś ca dadur mārgaṃ
und die Berge gaben den Weg frei (Nom.Pl. + Konj. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg.)
dhvajabhaṅgaś ca nābhavat
und kein Bannerbruch geschah (Nom.Sg.Kompositum + Konj. + Neg.+3.Sg.Impf.)
taṃ vanaspatayaḥ śailā
ihn die Bäume, die Berge (Akk.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
'So sei es', sprach Pṛthu Vainya; er ergriff seinen Ājagava-Bogen und furchtbare, unvergleichliche Pfeile, überlegte und sprach zur Erde: 'Komm, komm, Vasudhā, gib rasch den Geschöpfen die ersehnte Milch — dann werde ich, Heil dir, einem jeden die Speise geben, die es begehrt.' [Die Erde sprach:] 'Du sollst mich, Held, wie eine Tochter behandeln [und nicht mit Gewalt melken].' 'So sei es', sprach der beherrschte Pṛthu, und er traf alle Vorkehrungen.
den Geschöpfen [?] die ersehnte Milch (Dat.Pl.unsicher + Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
tato dāsyāmi bhadraṃ te
dann werde ich geben, Heil dir (Adv. + 1.Sg.Fut. + Akk.Sg. + Dat.Sg.)
annaṃ yasya yathepsitam
die Speise, die ein jeder begehrt (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Adv.+Akk.Sg.Ptz.)
duhitṛtvena māṃ vīra
als Tochter mich, Held (Instr.Sg.Abstr. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
saṃkalpayitum arhasi
zu betrachten du sollst (Inf. + 2.Sg.Präs.)
tathety uktvā pṛthuḥ
'So sei es', sprach Pṛthu (Part.+Iti + Ger. + Nom.Sg.)
sarvaṃ vidhānam akarod vaśī
traf der Beherrschte alle Vorkehrungen (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
[Anm.: Wie schon mehrfach in diesem Kapitel erscheint die Sprecherangabe 'nārada uvāca' hier einen Halbvers zu früh — mitten in der Rede der Erde, deren eigene Angabe 'vasudhovāca' unmittelbar vorausgeht. Die Rede der Erde wird daher durchgehend als ihre eigene wiedergegeben, in flüssiger, einfach angeführter Rede innerhalb der weiterhin offenen CQ-Region 5 (Nāradas Bericht innerhalb Vyāsas Rede).]
Da melkten die Scharen der Geschöpfe damals die Erde. Als erste erhoben sich die Bäume, begierig zu melken; sie stand liebevoll da wie eine Kuh, die ihr Kalb sucht, nach Melkern und Gefäßen Ausschau haltend. Der blühende Śāla-Baum wurde zum Kalb, der Plakṣa-Baum zum Melker; Milch war das abgeschnittene Harzwachstum, ein schönes Gefäß aus Udumbara-Holz. Der Berg Udaya wurde zum Kalb, der große Berg Meru zum Melker; Edelsteine und Kräuter waren die Milch, ein Gefäß aus Stein war es ebenso. Und ein Gott war damals Melker; die Milch war kraftspendend und lieblich.
Wort für Wort
tato bhūtanikāyās te
da die Scharen der Geschöpfe (Adv. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
vasudhāṃ duduhus tadā
molken die Erde damals (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf. + Adv.)
tāṃ vanaspatayaḥ pūrvaṃ
sie als erste die Bäume (Akk.Sg. + Nom.Pl. + Adv.)
samuttasthur dudhukṣavaḥ
erhoben sich, begierig zu melken (3.Pl.Perf. + Nom.Pl.Desid.)
sātiṣṭhad vatsalā vatsaṃ
sie stand liebevoll da, [nach] dem Kalb (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
das Kalb war der blühende Śāla-Baum (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
plakṣo dogdhābhavat tadā
der Plakṣa-Baum wurde der Melker (Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Adv.)
chinnaprarohaṇaṃ dugdhaṃ
das abgeschnittene Wachstum war die Milch (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
pātram audumbaraṃ śubham
das schöne Gefäß aus Udumbara-Holz (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
udayaḥ parvato vatso
der Berg Udaya das Kalb (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
merur dogdhā mahāgiriḥ
Meru der Melker, der große Berg (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
ratnāny oṣadhayo dugdhaṃ
Edelsteine, Kräuter die Milch (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Sg.)
pātram aśmamayaṃ tathā
das Gefäß ebenso aus Stein (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
dogdhā cāsīt tadā devo
und Melker war damals ein Gott (Nom.Sg. + Konj.+3.Sg.Impf. + Adv. + Nom.Sg.)
dugdham ūrjaskaraṃ priyam
die Milch kraftspendend, lieblich (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
[Anm.: Es beginnt hier die berühmte Allegorie vom 'Melken der Erde als Kuh': verschiedene Gruppen von Wesen melken die Erde jeweils mit einem ihnen eigenen Kalb, Melker und Gefäß und erhalten dabei die ihnen entsprechende 'Milch'. Die letzte Zeile (008_0800) benennt nur den Melker ('ein Gott') und das Produkt, nicht aber ausdrücklich Kalb und Gefäß dieser Gruppe — im Sanskrit-Text unvollständig bzw. verkürzt [?]; hier unergänzt wiedergegeben.]
asurā duduhur māyām āmapātre tu te tadā dogdhā dvimūrdhā tatrāsīd vatsaś cāsīd virocanaḥ kṛṣiṃ ca sasyaṃ ca narā duduhuḥ pṛthivītale svāyaṃbhuvo manur vatsas teṣāṃ dogdhābhavat pṛthuḥ alābupātre ca tathā viṣaṃ dugdhā vasuṃdharā dhṛtarāṣṭro 'bhavad dogdhā teṣāṃ vatsas tu takṣakaḥ saptarṣibhir brahma dugdhā tathā cākliṣṭakarmabhiḥ dogdhā bṛhaspatiḥ pātraṃ chando vatsas tu somarāṭ antardhānaṃ cāmapātre dugdhā puṇyajanair virāṭ dogdhā vaiśravaṇas teṣāṃ vatsa āsīt kuberakaḥ
Die Asuras aber melkten damals Trugzauber in ein Gefäß aus ungebranntem Ton; ihr Melker war dort Dvimūrdha, ihr Kalb war Virocana. Die Menschen melkten auf der Erdoberfläche Ackerbau und Feldfrucht; ihr Kalb war Svāyaṃbhuva Manu, ihr Melker war Pṛthu selbst. In ein Kürbisgefäß aber molk die Erde Gift; ihr Melker war Dhṛtarāṣṭra, ihr Kalb aber Takṣaka. Durch die sieben makellos handelnden Ṛṣis wurde das Brahman [der Veda] gemolken; Melker war Bṛhaspati, Gefäß das Versmaß, Kalb aber der Soma-König [der Mond]. In ein Gefäß aus ungebranntem Ton molk Virāṭ mit den Yakṣas das Verschwindenkönnen; ihr Melker war Vaiśravaṇa, ihr Kalb aber Kubera.
Wort für Wort
asurā duduhur māyām
die Asuras molken Trugzauber (Nom.Pl. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg.)
āmapātre tu te tadā
in ein Gefäß aus ungebranntem Ton aber sie damals (Lok.Sg.Kompositum + Partikel + Nom.Pl. + Adv.)
dogdhā dvimūrdhā tatrāsīd
Melker war dort Dvimūrdha (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.+3.Sg.Impf.)
vatsaś cāsīd virocanaḥ
und Kalb war Virocana (Nom.Sg. + Konj.+3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
kṛṣiṃ ca sasyaṃ ca narā
Ackerbau und Feldfrucht die Menschen (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Konj. + Nom.Pl.)
duduhuḥ pṛthivītale
molken auf der Erdoberfläche (3.Pl.Perf. + Lok.Sg.Kompositum)
svāyaṃbhuvo manur vatsas
Svāyaṃbhuva Manu das Kalb (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
teṣāṃ dogdhābhavat pṛthuḥ
ihr Melker wurde Pṛthu (Gen.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
alābupātre ca tathā
und ebenso in ein Kürbisgefäß (Lok.Sg.Kompositum + Konj. + Adv.)
viṣaṃ dugdhā vasuṃdharā
Gift molk die Erde (Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.Med. + Nom.Sg.)
dhṛtarāṣṭro 'bhavad dogdhā
Dhṛtarāṣṭra wurde der Melker (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
teṣāṃ vatsas tu takṣakaḥ
ihr Kalb aber Takṣaka (Gen.Pl. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
saptarṣibhir brahma dugdhā
durch die sieben Ṛṣis wurde das Brahman gemolken (Instr.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.Med.)
tathā cākliṣṭakarmabhiḥ
ebenso, den makellos handelnden (Adv. + Konj.+Instr.Pl.Kompositum)
dogdhā bṛhaspatiḥ pātraṃ
Melker war Bṛhaspati, Gefäß (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
chando vatsas tu somarāṭ
das Versmaß, Kalb aber der Soma-König (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
antardhānaṃ cāmapātre
das Verschwindenkönnen, und in ein Gefäß aus ungebranntem Ton (Akk.Sg. + Konj.+Lok.Sg.Kompositum)
dugdhā puṇyajanair virāṭ
molk Virāṭ mit den Yakṣas (3.Sg.Perf.Med. + Instr.Pl. + Nom.Sg.)
dogdhā vaiśravaṇas teṣāṃ
ihr Melker war Vaiśravaṇa (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Pl.)
vatsa āsīt kuberakaḥ
das Kalb war Kubera (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
[Anm.: 'Dhṛtarāṣṭra' und 'Takṣaka' bezeichnen hier den Schlangenkönig dieses Namens und den berühmten Nāga Takṣaka, nicht den blinden Kuru-König. 'Vaiśravaṇa' und 'Kubera(ka)' sind eigentlich Bezeichnungen ein und derselben Gottheit (Vaiśravaṇa = 'Sohn des Viśravas' = Kubera); ihre Aufteilung in Melker und Kalb ist wohl der formelhaften Struktur der Aufzählung geschuldet und bleibt inhaltlich redundant [?].]
puṇyagandhān padmapātre gandharvāpsaraso 'duhan vatsaś citrarathas teṣāṃ dogdhā viśvaruciḥ prabhuḥ svadhāṃ rajatapātre tu duduhuḥ pitaraś ca tām vatso 'tra vatsaras teṣāṃ yamo dogdhā tathāntakaḥ evaṃ nikāyais tair dugdhā payo 'bhīṣṭaṃ hi sā virāṭ yair vartayanti te hy adya pātrair vatsaiś ca nityaśaḥ
Die Gandharven und Apsaras molken wohlriechende Düfte in ein Lotusgefäß; ihr Kalb war Citraratha, ihr Melker der Herr Viśvaruci. Die Väter [Ahnen] aber molken die Svadhā-Opferspeise in ein Silbergefäß; ihr Kalb war hier der Jahreslauf, ihr Melker Yama, der auch Antaka [der Beender] heißt. So wurde von jenen Scharen die ersehnte Milch aus ihr, der Allherrscherin [der Erde], gemolken — mit denselben Gefäßen und Kälbern, mit denen sie sich noch heute stets [ihren Lebensunterhalt] verschaffen.
Wort für Wort
puṇyagandhān padmapātre
wohlriechende Düfte, in ein Lotusgefäß (Akk.Pl.Kompositum + Lok.Sg.Kompositum)
gandharvāpsaraso 'duhan
molken die Gandharven und Apsaras (Nom.Pl.Kompositum + 3.Pl.Impf.)
vatsaś citrarathas teṣāṃ
ihr Kalb war Citraratha (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Pl.)
dogdhā viśvaruciḥ prabhuḥ
Melker war der Herr Viśvaruci (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
svadhāṃ rajatapātre tu
die Svadhā-Opferspeise aber in ein Silbergefäß (Akk.Sg. + Lok.Sg.Kompositum + Partikel)
duduhuḥ pitaraś ca tām
molken die Väter sie (3.Pl.Perf. + Nom.Pl. + Konj. + Akk.Sg.)
vatso 'tra vatsaras teṣāṃ
ihr Kalb war hier der Jahreslauf (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg. + Gen.Pl.)
yamo dogdhā tathāntakaḥ
Yama der Melker, ebenso Antaka (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.+Nom.Sg.)
evaṃ nikāyais tair dugdhā
so wurde von jenen Scharen gemolken (Adv. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + 3.Sg.Perf.Med.)
payo 'bhīṣṭaṃ hi sā virāṭ
die ersehnte Milch aus ihr, der Allherrscherin (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
yair vartayanti te hy adya
mit denen sie sich noch heute verschaffen (Instr.Pl. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl. + Partikel + Adv.)
pātrair vatsaiś ca nityaśaḥ
mit Gefäßen und Kälbern, stets (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Konj. + Adv.)
sa yajñair vividhair iṣṭvā pṛthur vainyaḥ pratāpavān saṃtarpayitvā bhūtāni sarvaiḥ kāmair manaḥpriyaiḥ hairaṇyān akarod rājā ye ke cit pārthivā bhuvi tān brāhmaṇebhyaḥ prāyacchad aśvamedhe mahāmakhe ṣaṣṭināgasahasrāṇi ṣaṣṭināgaśatāni ca sauvarṇān akarod rājā brāhmaṇebhyaś ca tāṃ dadau imāṃ ca pṛthivīṃ sarvāṃ maṇiratnavibhūṣitām sauvarṇīm akarod rājā brāhmaṇebhyaś ca tān dadau sa cen mamāra sṛñjaya caturbhadrataras tvayā putrāt puṇyataras tubhyaṃ mā putram anutapyathāḥ
Nachdem der mächtige Pṛthu Vainya mit mannigfachen Opfern geopfert und alle Geschöpfe mit allen herzerfreuenden Wünschen gesättigt hatte, ließ der König goldene Abbilder all der Fürsten anfertigen, die es auf Erden gab, und schenkte sie den Brahmanen beim großen Pferdeopfer. Sechzigtausend Elefanten und sechzigmal hundert Elefanten machte der König golden und gab sie den Brahmanen. Und diese ganze, mit Juwelen und Edelsteinen geschmückte Erde machte der König golden und gab sie den Brahmanen. — Auch er ist gestorben, Sṛñjaya — doch war er glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn; betrauere den Sohn nicht.
Wort für Wort
sa yajñair vividhair iṣṭvā
er, mit mannigfachen Opfern geopfert habend (Nom.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Ger.)
pṛthur vainyaḥ pratāpavān
Pṛthu Vainya, der mächtige (Nom.Sg. + Nom.Sg.Patr. + Nom.Sg.Kompositum)
saṃtarpayitvā bhūtāni
gesättigt habend die Geschöpfe (Ger. + Akk.Pl.)
sarvaiḥ kāmair manaḥpriyaiḥ
mit allen herzerfreuenden Wünschen (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Kompositum)
hairaṇyān akarod rājā
goldene machte der König (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
ye ke cit pārthivā bhuvi
welche Fürsten es auch gab auf Erden (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl. + Lok.Sg.)
tān brāhmaṇebhyaḥ prāyacchad
sie gab er den Brahmanen (Akk.Pl. + Dat.Pl. + 3.Sg.Impf.)
aśvamedhe mahāmakhe
beim großen Pferdeopfer (Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg.Kompositum)
ṣaṣṭināgasahasrāṇi
sechzigtausend Elefanten (Akk.Pl.Kompositum)
ṣaṣṭināgaśatāni ca
und sechzigmal hundert Elefanten (Akk.Pl.Kompositum + Konj.)
sauvarṇān akarod rājā
golden machte der König (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
brāhmaṇebhyaś ca tāṃ dadau
und gab sie den Brahmanen (Dat.Pl. + Konj. + Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.)
imāṃ ca pṛthivīṃ sarvāṃ
und diese ganze Erde (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
maṇiratnavibhūṣitām
mit Juwelen und Edelsteinen geschmückt (Akk.Sg.Kompositum)
sauvarṇīm akarod rājā
golden machte der König (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
brāhmaṇebhyaś ca tān dadau
und gab sie den Brahmanen (Dat.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf.)
sa cen mamāra sṛñjaya
auch er ist gestorben, Sṛñjaya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg.)
caturbhadrataras tvayā
glückhafter als du (Nom.Sg.Kompositum + Instr.Sg.)
putrāt puṇyataras tubhyaṃ
verdienstvoller als dein Sohn, für dich (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
[Anm.: Die Zeile 'hairaṇyān akarod rājā ye ke cit pārthivā bhuvi' bleibt in der genauen Bedeutung unsicher [?] — 'pārthivāḥ' kann sowohl 'irdische Fürsten' als auch allgemein 'irdische Dinge' bezeichnen; hier probeweise als 'goldene Abbilder der Fürsten' wiedergegeben, in Fortführung des Bildes der golden gemachten Weltherrschafts-Gaben, die im Folgenden (Elefanten, die Erde selbst) fortgesetzt werden. Mit dieser Zeile endet der Bericht über König 15, Pṛthu Vainya.]
Rāma, von großer Askesekraft, ein Held, von der Welt der Helden verehrt — Jāmadagnya, von höchstem Ruhm, wird, noch unersättlich, [einst] sterben; er, dessen [Ruhm wie eine] Wolke die Erde umkreist und sie staublos macht; bei dem, obwohl er höchste Herrlichkeit erlangte, keine Wesensveränderung eintrat. Er, der in Zorn geriet, als Kṣatriyas das [heilige] Kalb raubten und seinen Vater [erschlugen] — da erschlug er Kārtavīrya, den von anderen im Kampf Unbesiegten. Von den Kṣatriyas [tötete er] vierundsechzig Zehntausend, tausendweise, damals dem Tod geweiht — jeden einzelnen bezwang er mit dem Bogen.
Wort für Wort
rāmo mahātapāḥ śūro
Rāma, von großer Askesekraft, ein Held (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
vīralokanamaskṛtaḥ
von der Welt der Helden verehrt (Nom.Sg.Kompositum)
jāmadagnyo 'py atiyaśā
Jāmadagnya, von höchstem Ruhm (Nom.Sg.Patr. + Partikel + Nom.Sg.Kompositum)
avitṛpto mariṣyati
noch unersättlich, wird sterben (Nom.Sg.Ptz. + 3.Sg.Fut.)
yasyābhram anuparyeti
dessen Wolke [Ruhm] umkreist (Gen.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.)
bhūmiṃ kurvan vipāṃsulām
die Erde staublos machend (Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
na cāsīd vikriyā yasya
und bei dem keine Wesensveränderung eintrat (Neg. + Konj.+3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
der, als von Kṣatriyas geraubt worden war (Nom.Sg. + Instr.Pl. + Lok.Sg.Ptz.)
vatse pitari cukrudhe
das Kalb, [und] der Vater, ergrimmte (Lok.Sg. + Lok.Sg. + 3.Sg.Perf.)
tato 'vadhīt kārtavīryam
da erschlug er Kārtavīrya (Adv. + 3.Sg.Aor. + Akk.Sg.)
ajitaṃ samare paraiḥ
den Unbesiegten im Kampf von anderen (Akk.Sg.Ptz. + Lok.Sg. + Instr.Pl.)
kṣatriyāṇāṃ catuḥṣaṣṭim
vierundsechzig der Kṣatriyas (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
ayutāni sahasraśaḥ
Zehntausend, tausendweise (Akk.Pl. + Adv.)
tadā mṛtyoḥ sametāni
damals dem Tod geweihte (Adv. + Gen.Sg. + Akk.Pl.Ptz.)
ekaikaṃ dhanuṣājayat
jeden einzelnen bezwang er mit dem Bogen (Akk.Sg. + Instr.Sg. + 3.Sg.Impf.)
[Anm.: König 16, der letzte der Ṣoḍaśarājakīya, ist Rāma Jāmadagnya, besser bekannt als Paraśurāma ('Rāma mit dem Beil'), der sechste Avatāra Viṣṇus. Da er zum Erzählzeitpunkt noch am Leben ist, steht hier — anders als bei allen vorausgehenden 15 Königen — das Futur 'mariṣyati' ('wird sterben') statt des Perfekts 'mṛtaḥ' ('ist gestorben'); entsprechend variiert auch die Refrain-Schlussformel am Ende seines Abschnitts. Die knappe Anspielung auf die Vorgeschichte (008_0832) bezieht sich auf den bekannten Mythos, nach dem Kārtavīryas Söhne dem Weisen Jamadagni, Rāmas Vater, das wunscherfüllende Kalb der Kuh Surabhi raubten und ihn dabei erschlugen — der Auslöser für Paraśurāmas berühmte Rache an den Kṣatriyas.]
brahmadviṣāṃ cātha tasmin sahasrāṇi caturdaśa punar anyāni jagrāha dantakrūre jaghāna ha sahasraṃ musalenāghnan sahasram asināvadhīt udbandhanāt sahasraṃ ca haihayāḥ samare hatāḥ sarathāśvagajā vīrā nihatās tatra śerate pitur vadhāmarṣitena jāmadagnyena dhīmatā nijaghne daśasāhasrān rāmaḥ paraśunā tadā na hy amṛśyata tā vāco yās tair bhṛśam udīritāḥ
Und außerdem [erschlug er] von den Brahmanenfeinden vierzehntausend in jenem [Kampf]; wiederum ergriff er andere und tötete sie bei Dantakrūra. Tausend erschlug er mit der Keule, tausend tötete er mit dem Schwert; tausend Haihayas wurden im Kampf durch Erhängen getötet. Helden mit Wagen, Pferden und Elefanten liegen dort erschlagen. Von der Ermordung seines Vaters erzürnt, der kluge Jāmadagnya — zehntausend erschlug Rāma damals mit dem Beil. Denn er achtete nicht auf jene Worte, die von ihnen [den Flehenden] heftig ausgestoßen wurden.
Wort für Wort
brahmadviṣāṃ cātha tasmin
und der Brahmanenfeinde, da, in jenem (Gen.Pl.Kompositum + Konj.+Adv. + Lok.Sg.)
sahasrāṇi caturdaśa
vierzehntausend (Akk.Pl. + Akk.Pl.Zahlw.)
punar anyāni jagrāha
wiederum ergriff er andere (Adv. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf.)
dantakrūre jaghāna ha
bei Dantakrūra tötete er fürwahr (Lok.Sg. + 3.Sg.Perf. + Partikel)
sahasraṃ musalenāghnan
tausend erschlug er mit der Keule (Akk.Sg. + Instr.Sg.+3.Sg.Impf.)
sahasram asināvadhīt
tausend tötete er mit dem Schwert (Akk.Sg. + Instr.Sg.+3.Sg.Aor.)
udbandhanāt sahasraṃ ca
und durch Erhängen tausend (Abl.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
haihayāḥ samare hatāḥ
die Haihayas wurden im Kampf getötet (Nom.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Ptz.)
sarathāśvagajā vīrā
Helden mit Wagen, Pferden und Elefanten (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
nihatās tatra śerate
liegen dort erschlagen (Nom.Pl.Ptz. + Adv. + 3.Pl.Präs.Med.)
pitur vadhāmarṣitena
von der Ermordung des Vaters erzürnt (Gen.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
jāmadagnyena dhīmatā
von Jāmadagnya, dem klugen (Instr.Sg.Patr. + Instr.Sg.)
nijaghne daśasāhasrān
erschlug zehntausend (3.Sg.Perf.Med. + Akk.Pl.)
rāmaḥ paraśunā tadā
Rāma mit dem Beil, damals (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Adv.)
na hy amṛśyata tā vāco
denn er achtete nicht auf jene Worte (Neg. + Partikel + 3.Sg.Impf.Med. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
yās tair bhṛśam udīritāḥ
die von ihnen heftig ausgestoßen wurden (Akk.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + Akk.Pl.Ptz.)
[Anm.: 'Dantakrūre' ist unsicher [?] — wohl ein Ortsname; da im Apparat keine weitere Identifikation gefunden wurde, hier als solcher stehengelassen.]
'Zu Rāma, dem Bhṛgu-Sprössling, eilt!' — so riefen die besten der Zweifachgeborenen. Da erschlug der mächtige Jāmadagnya mit scharfen Pfeilen die Kāśmīras, Daradas, Kuntis, Kṣudrakas, Mālavas, die Aṅgas, Vaṅgas und Kaliṅgas, die Videhas, Tāmraliptakas, Rakṣovāhas, Vītihotras, Trigartas, Mārtikāvatas, die Śibis und andere Fürstengeschlechter, Land um Land, zu Tausenden.
Wort für Wort
bhṛgo rāmābhidhāveti
'zu Rāma, dem Bhṛgu-Sprössling, eilt' (Vok.Sg. + Imp.2.Sg.+Iti)
yadākrandan dvijottamāḥ
so riefen die besten der Zweifachgeborenen (Adv. + 3.Pl.Impf. + Nom.Pl.Kompositum)
tataḥ kāśmīradaradān
da die Kāśmīras, Daradas (Adv. + Akk.Pl.Kompositum)
kuntikṣudrakamālavān
die Kuntis, Kṣudrakas, Mālavas (Akk.Pl.Kompositum)
aṅgavaṅgakaliṅgāṃś ca
und die Aṅgas, Vaṅgas, Kaliṅgas (Akk.Pl.Kompositum + Konj.)
videhāṃs tāmraliptakān
die Videhas, Tāmraliptakas (Akk.Pl. + Akk.Pl.)
rakṣovāhān vītihotrāṃs
die Rakṣovāhas, Vītihotras (Akk.Pl. + Akk.Pl.)
trigartān mārtikāvatān
die Trigartas, Mārtikāvatas (Akk.Pl. + Akk.Pl.)
śibīn anyāṃś ca rājanyān
die Śibis und andere Fürstengeschlechter (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl.)
deśe deśe sahasraśaḥ
Land um Land, zu Tausenden (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Adv.)
nijaghāna śitair bāṇair
erschlug mit scharfen Pfeilen (3.Sg.Perf. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
jāmadagnyaḥ pratāpavān
Jāmadagnya, der mächtige (Nom.Sg.Patr. + Nom.Sg.Kompositum)
Hunderttausend mal Zehnmillionen Kṣatriyas, zu Tausenden — mit den Strömen ihres Blutes, das der Farbe des Indragopaka-Käfers und der Bandhujīva-Blüte glich, füllte er die Seen. Und nachdem der Bhārgava [Rāma] alle achtzehn Kontinente unterworfen hatte, opferte er mit hundert heiligen Opfern, die mit reichlichen Opfergaben vollendet wurden.
Wort für Wort
koṭīśatasahasrāṇi
hunderttausend mal Zehnmillionen (Akk.Pl.Kompositum)
kṣatriyāṇāṃ sahasraśaḥ
der Kṣatriyas, zu Tausenden (Gen.Pl. + Adv.)
indragopakavarṇasya
von der Farbe des Indragopaka-Käfers (Gen.Sg.Kompositum)
bandhujīvanibhasya ca
und der Bandhujīva-Blüte gleich (Gen.Sg.Kompositum + Konj.)
rudhirasya parīvāhaiḥ
mit den Strömen des Blutes (Gen.Sg. + Instr.Pl.)
pūrayitvā sarāṃsi ca
und die Seen gefüllt habend (Ger. + Akk.Pl. + Konj.)
sarvān aṣṭādaśa dvīpān
alle achtzehn Kontinente (Akk.Pl. + Akk.Pl.Zahlw. + Akk.Pl.)
vaśam ānīya bhārgavaḥ
unter Botmäßigkeit gebracht habend, der Bhārgava (Akk.Sg. + Ger. + Nom.Sg.)
īje kratuśataiḥ puṇyaiḥ
opferte mit hundert heiligen Opfern (3.Sg.Perf.Med. + Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.)
samāptavaradakṣiṇaiḥ
die mit reichlichen Opfergaben vollendet wurden (Instr.Pl.Kompositum)
Einen nach Vorschrift errichteten goldenen Opferaltar von acht mal neun [Ellen] Höhe, erfüllt mit hundertfachen Edelsteinen aller Art, geschmückt mit hundert Bannern, sowie diese ganze Erde, voll von zahmen und wilden Tierherden — dies nahm Kaśyapa von Rāma Jāmadagnya entgegen. Danach, nachdem er die Erde von Räubern befreit und mit den verbliebenen, ihm ergebenen Menschen erfüllt hatte, gab Rāma dem Kaśyapa beim großen Pferdeopfer hunderttausend mit Gold geschmückte Elefantenfürsten.
Wort für Wort
vedīm aṣṭanavotsedhāṃ
den Opferaltar von acht mal neun Höhe (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
sauvarṇāṃ vidhinirmitām
den goldenen, nach Vorschrift errichteten (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
sarvaratnaśataiḥ pūrṇāṃ
erfüllt mit hundertfachen Edelsteinen aller Art (Instr.Pl.Kompositum + Akk.Sg.Ptz.)
patākāśatamālinīm
geschmückt mit hundert Bannern (Akk.Sg.Kompositum)
grāmyāraṇyaiḥ paśugaṇaiḥ
mit zahmen und wilden Tierherden (Instr.Pl.Kompositum + Instr.Pl.Kompositum)
saṃpūrṇāṃ ca mahīm imām
und diese ganz erfüllte Erde (Akk.Sg.Ptz. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
rāmasya jāmadagnyasya
von Rāma Jāmadagnya (Gen.Sg. + Gen.Sg.Patr.)
pratijagrāha kaśyapaḥ
nahm Kaśyapa entgegen (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
tataḥ śatasahasrāṇi
danach hunderttausend (Adv. + Akk.Pl.)
dvipendrān hemabhūṣaṇān
Elefantenfürsten, mit Gold geschmückt (Akk.Pl.Kompositum + Akk.Pl.Kompositum)
nirdasyuṃ pṛthivīṃ kṛtvā
die Erde von Räubern befreit habend (Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg. + Ger.)
śiṣṭeṣṭajanasaṃkulām
mit den verbliebenen, ergebenen Menschen erfüllt (Akk.Sg.Kompositum)
kaśyapāya dadau rāmo
gab Rāma dem Kaśyapa (Dat.Sg. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
hayamedhe mahāmakhe
beim großen Pferdeopfer (Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg.Kompositum)
Nachdem der Herr die Erde dreimal siebenmal von Kṣatriyas befreit hatte, opferte der Held mit hundert Opfern und übergab [die Erde] den Brahmanen. Er, der Beste der Krieger, drängte auf das Wort des Kaśyapa hin den Herrn der Flüsse [das Meer] um einen Pfeilschuss weit zurück und nahm, den Befehl der Brahmanen ausführend, Wohnsitz auf dem besten der Berge, dem Mahendra, dem höchsten Gebirge — so, von hundertfachen Tugenden begleitet, der Ruhmesmehrer der Bhṛgus.
Wort für Wort
triḥsaptakṛtvaḥ pṛthivīṃ
die Erde dreimal siebenmal (Adv.Zahlw. + Akk.Sg.)
kṛtvā niḥkṣatriyāṃ prabhuḥ
frei von Kṣatriyas gemacht habend, der Herr (Ger. + Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
iṣṭvā kratuśatair vīro
geopfert habend mit hundert Opfern, der Held (Ger. + Instr.Pl.Kompositum + Nom.Sg.)
brāhmaṇebhyo hy amanyata
übergab sie fürwahr den Brahmanen (Dat.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf.Med.)
sa kaśyapasya vacanāt
er, auf das Wort des Kaśyapa hin (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Abl.Sg.)
protsārya saritāṃ patim
zurückgedrängt habend den Herrn der Flüsse (Ger. + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
iṣupāte yudhāṃ śreṣṭhaḥ
um einen Pfeilschuss weit, der Beste der Krieger (Lok.Sg.Kompositum + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
kurvan brāhmaṇaśāsanam
den Befehl der Brahmanen ausführend (Nom.Sg.Ptz. + Akk.Sg.Kompositum)
adhyāvasad giriśreṣṭhaṃ
nahm Wohnsitz auf dem besten Berg (3.Sg.Impf. + Akk.Sg.Kompositum)
mahendraṃ parvatottamam
dem Mahendra, dem höchsten Gebirge (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
evaṃ guṇaśatair juṣṭo
so, von hundertfachen Tugenden begleitet (Adv. + Instr.Pl.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
bhṛgūṇāṃ kīrtivardhanaḥ
der Ruhmesmehrer der Bhṛgus (Gen.Pl. + Nom.Sg.Kompositum)
— Jāmadagnya, von höchstem Ruhm und großem Glanz, wird [einst] sterben, [doch schon jetzt ist er] glückhafter als du, verdienstvoller als dein Sohn. Auch um den Opferlosen, den ohne Freigebigkeit Gebliebenen — betrauere den Sohn nicht: diese alle sind glückhafter als du, um hundertfaches Glück reicher [als dein Sohn].
Wort für Wort
jāmadagnyo 'py atiyaśā
Jāmadagnya, von höchstem Ruhm (Nom.Sg.Patr. + Partikel + Nom.Sg.Kompositum)
mariṣyati mahādyutiḥ
wird sterben, von großem Glanz (3.Sg.Fut. + Nom.Sg.Kompositum)
tvayā caturbhadrataraḥ
glückhafter als du (Instr.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
putrāt puṇyataras tava
verdienstvoller als dein Sohn (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
ayajvānam adākṣiṇyaṃ
den Opferlosen, den ohne Freigebigkeit (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
mā putram anutapyathāḥ
betrauere den Sohn nicht (Neg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Aor.Inj.Med.)
ete caturbhadratarās
diese alle glückhafter (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompositum)
tvayā bhadraśatādhikāḥ
als du, um hundertfaches Glück reicher (Instr.Sg. + Nom.Pl.Kompositum)
[Anm.: Dies ist die für König 16 abgewandelte Fassung der Refrain-Schlussformel: Da Paraśurāma zum Erzählzeitpunkt noch lebt, steht 'mariṣyati' ('wird sterben') statt 'mamāra' ('ist gestorben'), und der Wortlaut weicht leicht von der bei den 15 vorausgehenden Königen wortgleich wiederkehrenden Formel ab. Die sonst als unübersetzte Übergangszeile behandelte Wendung 'ayajvānam adākṣiṇyam' ist hier syntaktisch in den Refrain selbst eingebunden. Die letzte Zeile ('ete caturbhadratarās...') fasst nicht nur Paraśurāma, sondern die gesamte Reihe der sechzehn Könige zusammen und beschließt damit die ganze Ṣoḍaśarājakīya-Erzählung.]
mṛtā naravaraśreṣṭhā mariṣyanti ca sṛñjaya puṇyam ākhyānam āyuṣyaṃ śrutvā ṣoḍaśarājakam avyāharan narapatis tūṣṇīm āsīt sa sṛñjayaḥ tam abravīt tathāsīnaṃ nārado bhagavān ṛṣiḥ śrutaṃ kīrtayato mahyaṃ gṛhītaṃ te mahādyute āho svid antato naṣṭaṃ śrāddhaṃ śūdrāpatāv iva
'Gestorben sind diese besten der Männerfürsten, und sterben werden [andere noch], Sṛñjaya.' — Nachdem er die heilige, lebenspendende Erzählung von den sechzehn Königen gehört hatte, blieb der Herrscher, jener Sṛñjaya, wortlos, schweigend sitzen. Zu ihm, der so dasaß, sprach der erhabene Seher Nārada: 'Hast du, o Glanzvoller, das von mir Erzählte, das Gehörte, aufgenommen — oder ist es am Ende verloren gegangen wie ein Totenopfer, das für die Gattin eines Śūdra dargebracht wird?'
Wort für Wort
mṛtā naravaraśreṣṭhā
gestorben sind die besten der Männerfürsten (Nom.Pl.Ptz. + Nom.Pl.Kompositum)
mariṣyanti ca sṛñjaya
und sterben werden, Sṛñjaya (3.Pl.Fut. + Konj. + Vok.Sg.)
puṇyam ākhyānam āyuṣyaṃ
die heilige, lebenspendende Erzählung (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
śrutvā ṣoḍaśarājakam
gehört habend, von den sechzehn Königen (Ger. + Akk.Sg.)
avyāharan narapatis
wortlos der Herrscher (Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.Kompositum)
zu ihm, der so dasaß, sprach (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.Ptz.)
nārado bhagavān ṛṣiḥ
der erhabene Seher Nārada (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
śrutaṃ kīrtayato mahyaṃ
das von mir Erzählte, Gehörte (Akk.Sg.Ptz. + Gen.Sg.Ptz. + Dat.Sg.)
gṛhītaṃ te mahādyute
aufgenommen von dir, o Glanzvoller (Akk.Sg.Ptz. + Instr.Sg. + Vok.Sg.)
āho svid antato naṣṭaṃ
oder ist es am Ende verloren gegangen (Partikel + Partikel + Adv. + Nom.Sg.Ptz.)
śrāddhaṃ śūdrāpatāv iva
wie ein Totenopfer bei der Gattin eines Śūdra (Nom.Sg. + Lok.Sg.Kompositum + Vergl.-Partikel)
[Anm.: Mit der Sprecherangabe 'vyāsa uvāca' kehrt die Erzählung hier zur Rahmenhandlung zurück — Vyāsa fasst gegenüber Yudhiṣṭhira die soeben abgeschlossene Ṣoḍaśarājakīya zusammen, bevor er zur eingebetteten Nārada-Sṛñjaya-Rahmung übergeht. Das Gleichnis vom 'Totenopfer für die Gattin eines Śūdra' spielt sprichwörtlich auf etwas völlig Vergebliches an, da das vorschriftsmäßige Śrāddha-Ritual in dieser Zeit den Śūdras nicht zugestanden wurde.]
So angesprochen, erwiderte Sṛñjaya darauf, mit gefalteten Händen: 'Nachdem ich diese den Sohnesschmerz vertreibende, glückbringende, vortreffliche Erzählung von den alten königlichen Sehern gehört habe, den Opfernden, den mit reichen Opfergaben Versehenen — ist mein Schmerz durch Staunen vertrieben, wie Dunkel durch den Glanz der Sonne.' [Nārada sprach:] 'Du bist frei von Verfehlung, frei von Schmerz — sag, was soll ich für dich tun? Zum Glück bist du vom Schmerz befreit; wähle hier, was du wünschst.'
Wort für Wort
sa evam uktaḥ pratyāha
so angesprochen, erwiderte er (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.Ptz. + 3.Sg.Perf.)
prāñjaliḥ sṛñjayas tadā
mit gefalteten Händen, Sṛñjaya, darauf (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg. + Adv.)
putraśokāpahaṃ śrutvā
den Sohnesschmerz vertreibend, gehört habend (Akk.Sg.Kompositum + Ger.)
dhanyam ākhyānam uttamam
die glückbringende, vortreffliche Erzählung (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
rājarṣīṇāṃ purāṇānāṃ
von den alten königlichen Sehern (Gen.Pl. + Gen.Pl.)
yajvanāṃ dakṣiṇāvatām
den Opfernden, den Opfergaben-Reichen (Gen.Pl. + Gen.Pl.Kompositum)
vismayena hate śoke
durch Staunen, als der Schmerz vertrieben war (Instr.Sg. + Lok.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
tamasīvārkatejasā
wie Dunkel durch den Glanz der Sonne (Nom.Sg.+Vergl.-Partikel + Instr.Sg.Kompositum)
vipāpmāsmy avyathopeto
frei von Verfehlung bin ich, frei von Schmerz (Nom.Sg.Kompositum + 1.Sg.Präs. + Nom.Sg.Kompositum)
brūhi kiṃ karavāṇy aham
sag, was soll ich tun (Imp.2.Sg. + Akk.Sg. + 1.Sg.Opt. + Nom.Sg.)
diṣṭyāpahataśokas tvaṃ
zum Glück, vom Schmerz befreit, du (Adv. + Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
vṛṇīṣveha yad icchasi
wähle hier, was du wünschst (Imp.2.Sg.Med. + Adv. + Akk.Sg. + 2.Sg.Präs.)
tat tat prapatsyase sarvaṃ na mṛṣāvādino vayam etenaiva pratīto 'haṃ prasanno yad bhavān mama prasanno yasya bhagavān na tasyāstīha durlabham punar dadāmi te putraṃ dasyubhir nihataṃ vṛthā uddhṛtya narakāt kaṣṭāt paśum aprokṣitaṃ yathā prādur āsīt tataḥ putraḥ sṛñjayasyādbhutaprabhaḥ prasannenarṣiṇā dattaḥ kuberatanayopamaḥ tataḥ saṃgamya putreṇa prītimān abhavan nṛpaḥ
[Sṛñjaya sprach:] 'Das alles wirst du mir gewähren — wir sind nicht der Lüge ergeben. Schon allein dadurch bin ich überzeugt, dass du mir gewogen bist.' [Nārada sprach:] 'Wem der Erhabene gewogen ist, für den gibt es hier nichts Unerreichbares. Ich gebe dir deinen Sohn zurück, den die Räuber sinnlos erschlagen haben — ihn aus der schrecklichen Hölle emporhebend wie ein ungeweihtes Opfertier.' Da erschien Sṛñjayas Sohn, von wunderbarem Glanz, vom gnädigen Seher geschenkt, einem Sohn Kuberas gleich. Da, mit seinem Sohn vereint, war der König voller Freude.
Wort für Wort
tat tat prapatsyase sarvaṃ
das alles wirst du gewähren (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Fut.Med. + Akk.Sg.)
na mṛṣāvādino vayam
wir sind nicht der Lüge ergeben (Neg. + Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
etenaiva pratīto 'haṃ
schon allein dadurch bin ich überzeugt (Instr.Sg.+Partikel + Nom.Sg.Ptz. + Nom.Sg.)
prasanno yad bhavān mama
dass du mir gewogen bist (Nom.Sg.Ptz. + Konj. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
prasanno yasya bhagavān
wem der Erhabene gewogen ist (Nom.Sg.Ptz. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
na tasyāstīha durlabham
für den gibt es hier nichts Unerreichbares (Neg. + Gen.Sg.+3.Sg.Präs. + Adv. + Nom.Sg.)
punar dadāmi te putraṃ
wiederum gebe ich dir den Sohn (Adv. + 1.Sg.Präs. + Dat.Sg. + Akk.Sg.)
dasyubhir nihataṃ vṛthā
von den Räubern sinnlos erschlagen (Instr.Pl. + Akk.Sg.Ptz. + Adv.)
uddhṛtya narakāt kaṣṭāt
emporgehoben aus der schrecklichen Hölle (Ger. + Abl.Sg. + Abl.Sg.)
paśum aprokṣitaṃ yathā
wie ein ungeweihtes Opfertier (Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz. + Vergl.-Partikel)
prādur āsīt tataḥ putraḥ
da erschien der Sohn (Adv. + 3.Sg.Impf. + Adv. + Nom.Sg.)
sṛñjayasyādbhutaprabhaḥ
Sṛñjayas, von wunderbarem Glanz (Gen.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
prasannenarṣiṇā dattaḥ
vom gnädigen Seher geschenkt (Instr.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
kuberatanayopamaḥ
einem Sohn Kuberas gleich (Nom.Sg.Kompositum)
tataḥ saṃgamya putreṇa
da, mit dem Sohn vereint (Adv. + Ger. + Instr.Sg.)
prītimān abhavan nṛpaḥ
war der König voller Freude (Nom.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
īje ca kratubhir mukhyaiḥ samāptavaradakṣiṇaiḥ akṛtāstraś ca bhītaś ca na ca sāṃnāhiko hataḥ ayajvā cānapatyaś ca tato 'sau jīvitaḥ punaḥ śūro vīraḥ kṛtāstraś ca pramathyārīn sahasraśaḥ abhimanyur gataḥ svargaṃ pṛtanābhimukho hataḥ brahmacaryeṇa yān kāṃś cit prajñayā ca śrutena ca iṣṭaiś ca kratubhir yānti tāṃs te putro 'kṣayān gataḥ vidvāṃsaḥ karmabhiḥ puṇyaiḥ svargam īhanti nityaśaḥ
Und er [Sṛñjaya] opferte mit vorzüglichen Opfern, die mit reichen Opfergaben vollendet wurden. Er [der Sohn], der die Waffenkunst nicht erlernt hatte, furchtsam war und nicht in Rüstung gefallen war, kein Opferer und ohne Nachkommen — er also wurde nun wieder zum Leben erweckt. [Anders] Abhimanyu — tapfer, heldenhaft, in der Waffenkunst geübt, der Feinde zu Tausenden zermalmt hatte — ist, dem Heer entgegentretend erschlagen, in den Himmel eingegangen. Zu den unvergänglichen Welten, zu denen manche durch Keuschheit, durch Weisheit und durch Vedastudium gelangen, zu diesen ist dein Sohn eingegangen durch vollzogene Opfer. Die Weisen streben durch heilige Werke stets nach dem Himmel.
Wort für Wort
īje ca kratubhir mukhyaiḥ
und er opferte mit vorzüglichen Opfern (3.Sg.Perf.Med. + Konj. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
samāptavaradakṣiṇaiḥ
die mit reichen Opfergaben vollendet wurden (Instr.Pl.Kompositum)
akṛtāstraś ca bhītaś ca
der die Waffenkunst nicht erlernt hatte und furchtsam war (Nom.Sg.Kompositum + Konj. + Nom.Sg.Ptz. + Konj.)
na ca sāṃnāhiko hataḥ
und nicht in Rüstung gefallen war (Neg. + Konj. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
ayajvā cānapatyaś ca
kein Opferer und ohne Nachkommen (Nom.Sg. + Konj.+Nom.Sg. + Konj.)
tato 'sau jīvitaḥ punaḥ
da wurde er wieder zum Leben erweckt (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Adv.)
śūro vīraḥ kṛtāstraś ca
tapfer, heldenhaft, in der Waffenkunst geübt (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum + Konj.)
pramathyārīn sahasraśaḥ
die Feinde zu Tausenden zermalmt habend (Ger. + Akk.Pl. + Adv.)
abhimanyur gataḥ svargaṃ
Abhimanyu ist in den Himmel eingegangen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
pṛtanābhimukho hataḥ
dem Heer entgegentretend erschlagen (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
brahmacaryeṇa yān kāṃś cit
durch Keuschheit, zu welchen auch immer (Instr.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Partikel)
prajñayā ca śrutena ca
und durch Weisheit und durch Vedastudium (Instr.Sg. + Konj. + Instr.Sg. + Konj.)
iṣṭaiś ca kratubhir yānti
und durch vollzogene Opfer gelangen sie (Instr.Pl.Ptz. + Konj. + Instr.Pl. + 3.Pl.Präs.)
tāṃs te putro 'kṣayān gataḥ
zu diesen ist dein Sohn, den unvergänglichen, eingegangen (Akk.Pl. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Pl. + Nom.Sg.Ptz.)
vidvāṃsaḥ karmabhiḥ puṇyaiḥ
die Weisen durch heilige Werke (Nom.Pl.Ptz. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
svargam īhanti nityaśaḥ
streben stets nach dem Himmel (Akk.Sg. + 3.Pl.Präs. + Adv.)
[Anm.: Hier wird der von Nārada wiederbelebte Sohn Sṛñjayas bewusst dem gefallenen Abhimanyu gegenübergestellt: Jener starb unvollendet — ohne Waffenausbildung, ohne Heldentat, ohne Nachkommen — und konnte daher zurückgeholt werden; Abhimanyu aber starb als vollendeter Held im Kampf und ist dadurch endgültig in den Himmel eingegangen, unwiederbringlich. Diese Gegenüberstellung bereitet die abschließende Trostlehre Vyāsas vor, die im Folgenden direkt an Yudhiṣṭhira gerichtet wird.]
na tu svargād ayaṃ lokaḥ kāmyate svargavāsibhiḥ tasmāt svargagataṃ putram arjunasya hataṃ raṇe nehānayituṃ śakyaṃ hi kiṃ cid aprāpyam īśitum evaṃ jñātvā sthiro bhūtvā mā śuco dhairyam āpnuhi jīvanta eva naḥ śocyā na tu svargagatānagha śocato hi mahārāja agham evābhivardhate tasmāc chokaṃ parityajya śreyase prayated budhaḥ praharṣam abhimānaṃ ca sukhaprāptiṃ ca cintayan etad āhur budhāḥ śreyo na śokaḥ śoka ucyate
Diese [irdische] Welt aber wird von den Himmelsbewohnern nicht [zurück]ersehnt. Daher: deinen Sohn, [Arjunas Sohn], der im Kampf erschlagen und zum Himmel gegangen ist, hierher zurückzuholen ist nicht möglich — denn nichts Unerreichbares lässt sich erzwingen. Wenn du dies weißt, werde standhaft, gräme dich nicht, gewinne Festigkeit. Nur die Lebenden sind zu beklagen, o Schuldloser, nicht die zum Himmel Gegangenen. Denn wer trauert, Großkönig, bei dem wächst nur das Unheil. Darum soll der Weise, den Kummer aufgebend, nach dem Guten streben, indem er an Freude, Selbstachtung und das Erlangen von Glück denkt. Dies nennen die Weisen das Gute — Kummer nennt man [bloßen] Kummer.
Wort für Wort
na tu svargād ayaṃ lokaḥ
diese Welt aber nicht vom Himmel [her] (Neg. + Partikel + Abl.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
kāmyate svargavāsibhiḥ
wird ersehnt von den Himmelsbewohnern (3.Sg.Präs.Pass. + Instr.Pl.Kompositum)
tasmāt svargagataṃ putram
daher, deinen zum Himmel gegangenen Sohn (Abl.Sg. + Akk.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
arjunasya hataṃ raṇe
Arjunas, im Kampf erschlagen (Gen.Sg. + Akk.Sg.Ptz. + Lok.Sg.)
nehānayituṃ śakyaṃ hi
denn es ist nicht möglich, hierher zurückzuholen (Neg.+Adv. + Inf. + Nom.Sg. + Partikel)
kiṃ cid aprāpyam īśitum
irgendetwas Unerreichbares zu erzwingen (Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Inf.)
nur die Lebenden sind von uns zu beklagen (Nom.Pl.Ptz. + Partikel + Gen.Pl. + Nom.Pl.Ger.)
na tu svargagatānagha
nicht aber die zum Himmel Gegangenen, o Schuldloser (Neg. + Partikel + Nom.Pl.Kompositum + Vok.Sg.)
śocato hi mahārāja
denn bei dem, der trauert, Großkönig (Gen.Sg.Ptz. + Partikel + Vok.Sg.)
agham evābhivardhate
wächst nur das Unheil (Nom.Sg. + Partikel+3.Sg.Präs.Med.)
tasmāc chokaṃ parityajya
darum, den Kummer aufgebend (Abl.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
śreyase prayated budhaḥ
soll der Weise nach dem Guten streben (Dat.Sg. + 3.Sg.Opt. + Nom.Sg.)
praharṣam abhimānaṃ ca
an Freude und Selbstachtung (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
sukhaprāptiṃ ca cintayan
und an das Erlangen von Glück denkend (Akk.Sg.Kompositum + Konj. + Nom.Sg.Ptz.)
etad āhur budhāḥ śreyo
dies nennen die Weisen das Gute (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl. + Akk.Sg.)
na śokaḥ śoka ucyate
nicht wird Kummer Kummer genannt [d.h. Kummer nützt nichts] (Neg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass.)
[Anm.: Vyāsa wendet die eben erzählte Nārada-Sṛñjaya-Geschichte nun explizit auf Yudhiṣṭhira und Abhimanyu an — dieselbe Trostlehre, die bereits in den Einheiten 53-57 zur Natur des Todes entwickelt wurde, wird hier auf den konkreten Fall angewandt: anders als Sṛñjayas Sohn kann Abhimanyu, der als vollendeter Held gefallen ist, nicht zurückgeholt werden.]
evaṃ vidvan samuttiṣṭha prayato bhava mā śucaḥ śrutas te saṃbhavo mṛtyos tapāṃsy anupamāni ca sarvabhūtasamatvaṃ ca cañcalāś ca vibhūtayaḥ sṛñjayasya tu taṃ putraṃ mṛtaṃ saṃjīvitaṃ punaḥ evaṃ vidvan mahārāja mā śucaḥ sādhayāmy aham etāvad uktvā bhagavāṃs tatraivāntaradhīyata
So, o Kenner, erhebe dich, sei geläutert, gräme dich nicht. Gehört hast du von der Entstehung des Todes und von den unvergleichlichen Bußübungen, von der Gleichheit aller Wesen und von der Vergänglichkeit alles Glanzes; und [gehört hast du], wie Sṛñjayas toter Sohn wieder zum Leben erweckt wurde. So, o Kenner, Großkönig, gräme dich nicht — ich gehe nun.“ Nachdem der Erhabene so viel gesagt hatte, verschwand er auf der Stelle.
Wort für Wort
evaṃ vidvan samuttiṣṭha
so, o Kenner, erhebe dich (Adv. + Vok.Sg.Ptz. + Imp.2.Sg.)
prayato bhava mā śucaḥ
sei geläutert, gräme dich nicht (Nom.Sg.Ptz. + Imp.2.Sg. + Neg. + 2.Sg.Aor.Inj.)
śrutas te saṃbhavo mṛtyos
gehört hast du von der Entstehung des Todes (Nom.Sg.Ptz. + Instr.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
tapāṃsy anupamāni ca
und die unvergleichlichen Bußübungen (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Konj.)
sarvabhūtasamatvaṃ ca
und die Gleichheit aller Wesen (Akk.Sg.Kompositum + Konj.)
cañcalāś ca vibhūtayaḥ
und die vergänglichen Herrlichkeiten (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)
sṛñjayasya tu taṃ putraṃ
Sṛñjayas Sohn aber, diesen (Gen.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
mṛtaṃ saṃjīvitaṃ punaḥ
den toten, wieder zum Leben erweckten (Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg.Ptz. + Adv.)
evaṃ vidvan mahārāja
so, o Kenner, Großkönig (Adv. + Vok.Sg.Ptz. + Vok.Sg.)
mā śucaḥ sādhayāmy aham
gräme dich nicht, ich gehe nun (Neg. + 2.Sg.Aor.Inj. + 1.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
etāvad uktvā bhagavāṃs
so viel gesagt habend, der Erhabene (Akk.Sg. + Ger. + Nom.Sg.)
tatraivāntaradhīyata
verschwand eben dort (Adv.+Partikel + 3.Sg.Impf.Med.)
[Anm.: Hier schließt sich CQ-Region 5, die in Einheit 22 mit Vyāsas Ankündigung der Nārada-Erzählung geöffnet wurde und seither ununterbrochen — durch die gesamte Ṣoḍaśarājakīya hindurch — offengeblieben ist; sie umfasst Vyāsas gesamte Rede an Yudhiṣṭhira bis zu diesem, seinem letzten Wort 'sādhayāmy aham' ('ich gehe/vollziehe es nun', eine formelhafte Abschiedswendung). Die anschließende Zeile 'etāvad uktvā bhagavāṃs tatraivāntaradhīyata' ('nachdem der Erhabene so viel gesagt hatte, verschwand er auf der Stelle') ist reine Erzählerrede und liegt daher außerhalb der Anführung. Auch hier trägt die Sprecherangabe im Quelltext ('saṃjaya uvāca' vor 'evaṃ vidvan mahārāja...') die schon mehrfach notierte Eigenheit des Apparats — der Inhalt gehört inhaltlich eindeutig noch zu Vyāsas eigener Rede und wird entsprechend zugerechnet.]
Als der erhabene Vyāsa, der Herr der Rede, gleißend wie ein wolkenloser Himmel, der Beste der Weisen, [seinen Weggang vollzogen hatte], nachdem er Yudhiṣṭhira getröstet hatte — da wurde Yudhiṣṭhira, der Weise, indem er im Geiste die Opferpracht der früheren Fürstenkönige, an Kraft dem Indra gleich, die ihren Reichtum auf rechtmäßige Weise erworben hatten, hörend verehrte, frei von Kummer. Doch wiederum, elend, überlegte er: 'Was in aller Welt soll ich [nun] dem Dhanaṃjaya sagen?'
Wort für Wort
vāgīśāne bhagavati vyāse
als der erhabene Vyāsa, der Herr der Rede (Lok.Sg.Kompositum + Lok.Sg. + Lok.Sg.)
vyabhranabhaḥprabhe
gleißend wie ein wolkenloser Himmel (Lok.Sg.Kompositum)
gate matimatāṃ śreṣṭhe
gegangen war, der Beste der Weisen (Lok.Sg.Ptz. + Gen.Pl. + Lok.Sg.)
samāśvāsya yudhiṣṭhiram
Yudhiṣṭhira getröstet habend (Ger. + Akk.Sg.)
pūrveṣāṃ pārthivendrāṇāṃ
der früheren Fürstenkönige (Gen.Pl. + Gen.Pl.Kompositum)
mahendrapratimaujasām
an Kraft dem Indra gleich (Gen.Pl.Kompositum)
nyāyādhigatavittānāṃ
die ihren Reichtum rechtmäßig erworben hatten (Gen.Pl.Kompositum)
tāṃ śrutvā yajñasaṃpadam
diese Opferpracht gehört habend (Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg.Kompositum)
saṃpūjya manasā vidvān
im Geiste verehrt habend, der Weise (Ger. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
viśoko 'bhūd yudhiṣṭhiraḥ
frei von Kummer wurde Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.Kompositum + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
punaś cācintayad dīnaḥ
doch wiederum, elend, überlegte er (Adv. + Konj.+3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
kiṃ svid vakṣye dhanaṃjayam
was in aller Welt soll ich dem Dhanaṃjaya sagen (Akk.Sg. + Partikel + 1.Sg.Fut. + Akk.Sg.)
[Anm.: Mit diesen Zeilen schließt Kap. 49 (Ṣoḍaśarājakīya). Der letzte Gedanke Yudhiṣṭhiras — was er Arjuna (Dhanaṃjaya) über den Tod seines Sohnes Abhimanyu sagen soll — leitet unmittelbar zu Kap. 50 über, das mit 'saṃjaya uvāca' als reiner Grenzmarkierung im Quelltext endet und dort nicht mehr zu Kap. 49 gehört.]