Kapitel 128
Der allgemeine Schlachtenlärm und Duryodhanas Duell mit Yudhiṣṭhira
Saṃjaya schildert das allgemeine Kampfgetümmel nach dem Wiederbeginn der Schlacht: Wagenkämpfer, Elefanten, Reiter und Fußvolk ringen auf allen Seiten. Duryodhana, tief erschüttert durch Jayadrathas Tod und entschlossen zu sterben, stürzt sich furchtlos in das feindliche Heer und richtet unter den Pāṇḍava-Kriegern schwere Verwüstung an, bis Bhīmasena und die Pāñcālas unter Führung Yudhiṣṭhiras zum Gegenangriff ansetzen. In einem eingefügten Dialog fragt Dhṛtarāṣṭra ängstlich, ob Duryodhana dem Kampf den Rücken gekehrt habe; Saṃjaya berichtet stattdessen von dessen furchtlosem Vordringen. Yudhiṣṭhira greift Duryodhana schließlich selbst an, zerschmettert seinen Bogen und verwundet ihn schwer, sodass dieser für einen Moment auf seinem Wagen zusammensinkt - woraufhin ein gewaltiger Jubelschrei durch das Pāñcāla-Heer geht. Droṇa eilt jedoch herbei, und Duryodhana, wieder gefasst, stürzt sich erneut in den Kampf.
Da griff jenes von einer Flut aus Elefanten und Pferden strotzende Heer, oh Herrscher der Menschen, das Heer der Pāṇḍus von allen Seiten an und begann den Kampf.
Wort für Wort
tat udīrṇagajāśvaugham balam
jenes von einer Flut aus Elefanten und Pferden strotzende Heer (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompos. + Nom.Sg.)
tava janādhipa
oh Herrscher der Menschen (Gen.Sg. + Vok.Sg.Kompos.)
pāṇḍusenām abhidrutya
das Heer der Pāṇḍus angreifend (Akk.Sg.Kompos. + Ger.)
yodhayām āsa sarvataḥ
begann den Kampf von allen Seiten (Perf.3.Sg.Kompos. + Adv.)
Zwischen Wagenkämpfern und Wagenkämpfern entbrannte eine gewaltige, blutüberströmte, furchtbare Schlacht, während sie einander gegenseitig niedermetzelten.
Wort für Wort
rathinām rathibhiḥ sārdham
zwischen Wagenkämpfern und Wagenkämpfern (Gen.Pl. + Instr.Pl. + Postp.)
śarair daśa diśo rājaṃs teṣāṃ muktaiḥ sahasraśaḥ | na bhrājanta yathāpūrvaṃ bhāskare 'staṃ gate 'pi ca ||
Durch die von ihnen zu Tausenden abgeschossenen Pfeile erstrahlten die zehn Himmelsrichtungen, oh König, nicht mehr wie zuvor, obwohl die Sonne doch bereits untergegangen war.
Wort für Wort
śaraiḥ daśa diśaḥ rājan
durch die Pfeile die zehn Himmelsrichtungen, oh König (Instr.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Vok.Sg.)
teṣām muktaiḥ sahasraśaḥ
von ihnen zu Tausenden abgeschossen (Gen.Pl. + Instr.Pl.Part. + Adv.)
na bhrājanta yathāpūrvam
erstrahlten nicht wie zuvor (Neg. + Impf.3.Pl. + Adv.)
bhāskare astam gate api ca
obwohl die Sonne bereits untergegangen war (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.Part. + Partikel + Partikel)
„Während so die Heere niedergemetzelt wurden, und während er selbst in solcher Bedrängnis war - wandte Duryodhana, oh Wagenlenker, dem Kampf wohl nicht den Rücken? Und es gab einen gewaltigen Zusammenprall des Einen gegen die Vielen -
Wort für Wort
tathā hateṣu sainyeṣu
während so die Heere niedergemetzelt wurden (Adv. + Lok.Pl.Part. + Lok.Pl.)
tathā kṛcchragataḥ svayam
und während er selbst in solcher Bedrängnis war (Adv. + Nom.Sg.Kompos. + Adv.)
viśeṣato hi nṛpater viṣamaṃ pratibhāti me | so 'tyantasukhasaṃvṛddho rakṣyo lokasya ceśvaraḥ | eko bahūn samāsādya kaccin nāsīt parāṅmukhaḥ |
denn das erscheint mir, besonders bei einem König, gefährlich. Er, in äußerstem Wohlleben aufgewachsen, der doch selbst der Beschützer und Herr der Welt sein sollte - hat er sich, allein vielen gegenüberstehend, wohl nicht abgewandt?
Wort für Wort
viśeṣataḥ hi nṛpateḥ
denn besonders bei einem König (Adv. + Partikel + Gen.Sg.)
viṣamam pratibhāti me
erscheint mir gefährlich (Nom.Sg. + Präs.3.Sg. + Dat.Sg.)
saḥ atyantasukhasaṃvṛddhaḥ
er, in äußerstem Wohlleben aufgewachsen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompos.)
rakṣyaḥ lokasya ca īśvaraḥ
der Beschützer und Herr der Welt (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
ekaḥ bahūn samāsādya
allein, vielen gegenüberstehend (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Ger.)
kaccit na āsīt parāṅmukhaḥ
war er wohl nicht abgewandt (Partikel + Neg. + Impf.3.Sg. + Nom.Sg.Kompos.)
droṇaḥ karṇaḥ kṛpaś caiva kṛtavarmā ca sātvataḥ | nāvārayan kathaṃ yuddhe rājānaṃ rājakāṅkṣiṇaḥ | sarvopāyair hi yuddheṣu rakṣitavyo mahīpatiḥ |
Droṇa, Karṇa, und Kṛpa, und Kṛtavarman der Sātvata - wie haben sie, die doch seinen Fortbestand als König wünschen, ihn im Kampf nicht zurückgehalten und beschützt? Denn mit allen Mitteln muss der Herrscher der Erde in Kämpfen beschützt werden;
Wort für Wort
droṇaḥ karṇaḥ kṛpaḥ ca eva
Droṇa, Karṇa, und Kṛpa (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Partikel)
kṛtavarmā ca sātvataḥ
und Kṛtavarman der Sātvata (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
na avārayan katham yuddhe
wie haben sie im Kampf nicht zurückgehalten (Neg. + Impf.3.Pl. + Adv. + Lok.Sg.)
rājānam rājakāṅkṣiṇaḥ
den König, sie, die den König wünschen (Akk.Sg. + Nom.Pl.Kompos.)
sarvopāyaiḥ hi yuddheṣu
denn mit allen Mitteln in Kämpfen (Instr.Pl.Kompos. + Partikel + Lok.Pl.)
rakṣitavyaḥ mahīpatiḥ
muss der Herrscher der Erde beschützt werden (Nom.Sg.Ger.Verbaladj. + Nom.Sg.)
eṣā nītiḥ parā yuddhe dṛṣṭā tatra maharṣibhiḥ | praviṣṭe vai mama sute pareṣāṃ vai mahad balam | māmakā rathināṃ śreṣṭhāḥ kim akurvata saṃjaya |
dies ist die höchste Staatsklugheit im Kampf, dort von den großen Sehern erkannt. Als mein Sohn eingedrungen war, war die Streitmacht der Feinde wahrlich gewaltig - was taten da meine besten Wagenkämpfer, Saṃjaya?“
Wort für Wort
eṣā nītiḥ parā yuddhe
dies ist die höchste Staatsklugheit im Kampf (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
dṛṣṭā tatra maharṣibhiḥ
dort von den großen Sehern erkannt (Nom.Sg.Part. + Adv. + Instr.Pl.Kompos.)
praviṣṭe vai mama sute
als mein Sohn eingedrungen war (Lok.Sg.Part. + Partikel + Gen.Sg. + Lok.Sg.)
pareṣām vai mahat balam
war die Streitmacht der Feinde wahrlich gewaltig (Gen.Pl. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
was taten sie, Saṃjaya (Akk.Sg. + Impf.3.Pl. + Vok.Sg.)
[Anm.: Die Quellenapparatur (@019) setzt die Sprecherangabe für Saṃjaya unmittelbar vor diesen letzten Halbvers von Dhṛtarāṣṭras Frage statt danach; der eigentliche Sprecherwechsel erfolgt erst mit dem folgenden, an den König gerichteten Vers.]
rājan saṃgrāmam āścaryaṃ putrasya tava bhārata | ekasya ca bahūnāṃ ca śṛṇu me bruvato 'dbhutam | droṇena vāryamāṇo 'sau karṇena ca kṛpeṇa ca | prāviśat pāṇḍavīṃ senāṃ makaraḥ sāgaraṃ yathā |
„O König, oh Bhārata, höre von der wundersamen Schlacht deines Sohnes, des Einen gegen die Vielen - höre von mir, der ich dieses Wunder erzähle: von Droṇa zurückgehalten, und von Karṇa und von Kṛpa, drang er dennoch in das Heer der Pāṇḍavas ein, wie ein Krokodil in den Ozean,
Wort für Wort
rājan saṃgrāmam āścaryam
oh König, die wundersame Schlacht (Vok.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
kirann iṣusahasrāṇi tatra tatra tadā tadā | pāñcālān pāṇḍavāṃś caiva vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ | yathodyamya tataḥ sūryo raśmibhir nāśayet tamaḥ | tathā putras tava balaṃ nāśayat tan mahābalaḥ ||
Tausende von Pfeilen hier und dort, zu jeder Zeit, verstreuend, durchbohrte er die Pāñcālas und die Pāṇḍavas mit scharfen Pfeilen. Wie die Sonne, sobald sie aufsteigt, mit ihren Strahlen die Finsternis vernichtet, so vernichtete dein Sohn, der Mächtige, jenes Heer.“
Wort für Wort
kiran iṣusahasrāṇi
Tausende von Pfeilen verstreuend (Nom.Sg.Präs.Part. + Akk.Pl.)
tatra tatra tadā tadā
hier und dort, zu jeder Zeit (Adv. + Adv. + Adv. + Adv.)
pāñcālān pāṇḍavān ca eva
die Pāñcālas und die Pāṇḍavas (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Partikel + Partikel)
vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ
durchbohrte er mit scharfen Pfeilen (Perf.3.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
yathā udyamya tataḥ sūryaḥ
wie die Sonne, sobald sie aufsteigt (Adv. + Ger. + Adv. + Nom.Sg.)
raśmibhiḥ nāśayet tamaḥ
mit ihren Strahlen die Finsternis vernichtet (Instr.Pl. + Opt.3.Sg. + Akk.Sg.)
tathā putraḥ tava balam
so vernichtete dein Sohn das Heer (Adv. + Nom.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
nāśayat tat mahābalaḥ
vernichtete es, der Mächtige (Impf.3.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Kompos.)
Die Pāñcālas, vom Großgesinnten niedergemetzelt, liefen umher; von deinem Sohn, dem Bogenschützen, mit goldgefiederten, klarspitzigen Pfeilen getroffen, fielen die von Pfeilen gequälten Pāṇḍu-Soldaten rasch zu Boden.
Wort für Wort
paryadhāvanta pāñcālāḥ
die Pāñcālas liefen umher (Impf.3.Pl. + Nom.Pl.)
vadhyamānāḥ mahātmanā
vom Großgesinnten niedergemetzelt (Nom.Pl.Part. + Instr.Sg.)
rukmapuṅkhaiḥ prasannāgraiḥ
mit goldgefiederten, klarspitzigen Pfeilen (Instr.Pl.Kompos. + Instr.Pl.Kompos.)
tava putreṇa dhanvinā
von deinem Sohn, dem Bogenschützen (Gen.Sg. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
ardyamānāḥ śaraiḥ tūrṇam
von Pfeilen gequält, schnell (Nom.Pl.Part. + Instr.Pl. + Adv.)
nyapatan pāṇḍusainikāḥ
fielen die Pāṇḍu-Soldaten (Impf.3.Pl. + Nom.Pl.Kompos.)
Und die Krieger flohen vor Furcht, als sie ihn in jener gewaltigen Schlacht erblickten, wie den mit aufgerissenem Rachen herangekommenen Tod, den Räuber des Lebens.
Wort für Wort
vyadravan ca bhayāt yodhāḥ
und die Krieger flohen vor Furcht (Impf.3.Pl. + Partikel + Abl.Sg. + Nom.Pl.)
dṛṣṭvā tam paramāhave
als sie ihn in der gewaltigen Schlacht sahen (Ger. + Akk.Sg. + Lok.Sg.Kompos.)
vyāttānanam iva prāptam
wie den mit aufgerissenem Rachen Gekommenen (Akk.Sg.Kompos. + Partikel + Akk.Sg.Part.)
antakam prāṇahāriṇam
den Tod, den Lebensräuber (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompos.)
[Anm.: Apparat-Einfügung (*1102), die den Eindruck von Duryodhanas Schreckensgestalt weiter ausmalt.]
Wie ein Lotusteich, dessen Glanz durch den Verlust von Wasser, Wind und Sonne erloschen ist, so wurde das Heer der Pāṇḍavas durch die Glut deines Sohnes.
Wort für Wort
kṣīṇatoyānilārkābhyām
durch Verlust von Wasser, Wind und Sonne (Instr.Du.Kompos.)
hatatviṭ iva padminī
wie ein Lotusteich, dessen Glanz erloschen ist (Nom.Sg.Kompos. + Partikel + Nom.Sg.)
babhūva pāṇḍavī senā
wurde das Heer der Pāṇḍavas (Perf.3.Sg. + Nom.Sg.Kompos. + Nom.Sg.)
tava putrasya tejasā
durch die Glut deines Sohnes (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Instr.Sg.)
nachdem er den Sātvata mit fünf, die Söhne Draupadīs mit je drei durchbohrt hatte, und nachdem er Ghaṭotkaca im Kampf durchbohrt hatte, brüllte er wie ein Löwe.
Wort für Wort
sātvatam pañcabhiḥ viddhvā
nachdem er den Sātvata mit fünf durchbohrt hatte (Akk.Sg. + Instr.Pl. + Ger.)
draupadeyān tribhiḥ tribhiḥ
die Söhne Draupadīs mit je drei (Akk.Pl.Kompos. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
ghaṭotkacam ca samare viddhvā
und nachdem er Ghaṭotkaca im Kampf durchbohrt hatte (Akk.Sg. + Partikel + Lok.Sg. + Ger.)
siṃhaḥ iva anadat
brüllte er wie ein Löwe (Nom.Sg. + Partikel + Impf.3.Sg.)
Und mit furchtbaren Pfeilen zerhieb er im Kampf zu Hunderten andere Krieger samt ihren Elefanten, Pferden und Wagen, ergrimmt, wie der Tod die Geschöpfe.
Wort für Wort
śataśaḥ ca aparān yodhān
und andere Krieger zu Hunderten (Adv. + Partikel + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
sadvipāśvarathān raṇe
samt Elefanten, Pferden und Wagen im Kampf (Akk.Pl.Kompos. + Lok.Sg.)
śaraiḥ avacakarta ugraiḥ
zerhieb er mit furchtbaren Pfeilen (Instr.Pl. + Perf.3.Sg. + Instr.Pl.)
kruddhaḥ antakaḥ iva prajāḥ
ergrimmt, wie der Tod die Geschöpfe (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Akk.Pl.)
Jenes Heer der Pāṇḍavas, von seinen scharfen Pfeilen niedergemetzelt, floh vor deinem Sohn in der Schlacht, oh Herrscher der Menschen; die Soldaten des Sohnes des Pāṇḍu konnten den König der Kurus nicht ansehen, der wie die glühende Sonne in jener gewaltigen Schlacht loderte, oh König.
Wort für Wort
sā tena pāṇḍavī senā
jenes Heer der Pāṇḍavas durch ihn (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Kompos. + Nom.Sg.)
vadhyamānā śilīmukhaiḥ
von scharfen Pfeilen niedergemetzelt (Nom.Sg.Part. + Instr.Pl.)
tava putreṇa saṃgrāme
vor deinem Sohn in der Schlacht (Gen.Sg. + Instr.Sg. + Lok.Sg.)
vidudrāva narādhipa
floh, oh Herrscher der Menschen (Perf.3.Sg. + Vok.Sg.Kompos.)
tam tapantam iva ādityam
ihn, der wie die glühende Sonne loderte (Akk.Sg. + Akk.Sg.Präs.Part. + Partikel + Akk.Sg.)
kururājam mahāhave
den König der Kurus in der gewaltigen Schlacht (Akk.Sg.Kompos. + Lok.Sg.Kompos.)
na aśakan vīkṣitum rājan
konnten nicht ansehen, oh König (Neg. + Impf.3.Pl. + Inf. + Vok.Sg.)
pāṇḍuputrasya sainikāḥ
die Soldaten des Sohnes des Pāṇḍu (Gen.Sg.Kompos. + Nom.Pl.)
[Anm.: Beginn einer langen Apparat-Einfügung (*1103), die Duryodhanas Zweikampf mit Yudhiṣṭhira ausführlich schildert.]
Da griff König Yudhiṣṭhira, erzürnt, oh Bester der Könige, den Herrn der Kurus, deinen Sohn, im Verlangen nach Sieg an. Jene beiden Kauravyas, Bezwinger der Feinde, trafen im Kampf aufeinander - Duryodhana und Yudhiṣṭhira, beide mächtig um ihrer eigenen Sache willen kämpfend.
Wort für Wort
tataḥ yudhiṣṭhiraḥ rājā
da König Yudhiṣṭhira (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
kupitaḥ rājasattama
erzürnt, oh Bester der Könige (Nom.Sg.Part. + Vok.Sg.Kompos.)
abhyadhāvat kurupatim
griff den Herrn der Kurus an (Impf.3.Sg. + Akk.Sg.Kompos.)
tava putram jigīṣayā
deinen Sohn, im Verlangen nach Sieg (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Instr.Sg.)
tau ubhau yudhi kauravyau
jene beiden Kauravyas im Kampf (Nom.Du. + Nom.Du. + Lok.Sg. + Nom.Du.Kompos.)
samīyatuḥ ariṃdamau
trafen aufeinander, die beiden Bezwinger der Feinde (Perf.3.Du. + Nom.Du.Kompos.)
svārthahetoḥ parākrāntau
um ihrer eigenen Sache willen mächtig kämpfend (Abl.Sg.Kompos. + Nom.Du.Part.)
Da durchbohrte der erzürnte Duryodhana ihn rasch mit zehn glattgegliederten Pfeilen und zerschnitt mit einem weiteren Pfeil seine Standarte; mit drei weiteren traf er, oh König, Indrasena, den geliebten Wagenlenker des großgesinnten Pāṇḍava, an der Stirn.
Wort für Wort
tataḥ duryodhanaḥ kruddhaḥ
da der erzürnte Duryodhana (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ
mit glattgegliederten Pfeilen (Instr.Pl. + Instr.Pl.Kompos.)
vivyādha daśabhiḥ tūrṇam
durchbohrte ihn rasch mit zehn (Perf.3.Sg. + Instr.Pl. + Adv.)
dhvajam ciccheda ca iṣuṇā
und zerschnitt die Standarte mit einem Pfeil (Akk.Sg. + Perf.3.Sg. + Partikel + Instr.Sg.)
indrasenam tribhiḥ ca eva
Indrasena mit drei weiteren (Akk.Sg. + Instr.Pl. + Partikel + Partikel)
lalāṭe jaghnivān nṛpa
traf an der Stirn, oh König (Lok.Sg. + Nom.Sg.Perf.Part. + Vok.Sg.)
sārathim dayitam rājñaḥ
den geliebten Wagenlenker des Königs (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
Und mit einem anderen Pfeil zerschnitt der große Wagenkämpfer wiederum seinen Bogen; und mit vier Pfeilen durchbohrte er die vier Rosse. Da nahm der erzürnte Yudhiṣṭhira mit der Schnelligkeit eines Augenblicks einen anderen Bogen zur Hand und wehrte den Kaurava mit Wucht ab.
Wort für Wort
dhanuḥ ca punaḥ anyena
und den Bogen wiederum mit einem anderen (Akk.Sg. + Partikel + Adv. + Instr.Sg.)
cakarta asya mahārathaḥ
zerschnitt sein, der große Wagenkämpfer (Perf.3.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.Kompos.)
caturbhiḥ caturaḥ ca eva
und mit vier vier (Instr.Pl. + Akk.Pl. + Partikel + Partikel)
bāṇaiḥ vivyādha vājinaḥ
mit Pfeilen durchbohrte er die Rosse (Instr.Pl. + Perf.3.Sg. + Akk.Pl.)
tataḥ yudhiṣṭhiraḥ kruddhaḥ
da der erzürnte Yudhiṣṭhira (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
nimeṣāt iva kārmukam
mit der Schnelligkeit eines Augenblicks einen Bogen (Abl.Sg. + Partikel + Akk.Sg.)
anyat ādāya vegena
einen anderen ergreifend, mit Wucht (Akk.Sg. + Ger. + Instr.Sg.)
Während er jene Feinde niedermetzelte, zerschnitt der älteste Pāṇḍava mit zwei Breitpfeilen dessen großen, goldrückigen Bogen in drei Teile, oh Verehrungswürdiger.
Wort für Wort
tasya tān nighnataḥ śatrūn
während er jene Feinde niedermetzelte (Gen.Sg. + Akk.Pl.Präs.Part. + Akk.Pl.)
rukmapṛṣṭham mahat dhanuḥ
den großen, goldrückigen Bogen (Akk.Sg.Kompos. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
bhallābhyām pāṇḍavaḥ jyeṣṭhaḥ
der älteste Pāṇḍava mit zwei Breitpfeilen (Instr.Du. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
tridhā ciccheda māriṣa
zerschnitt in drei Teile, oh Verehrungswürdiger (Adv. + Perf.3.Sg. + Vok.Sg.)
Und er durchbohrte ihn mit zehn wohlgezielten, scharfen Pfeilen; alle von ihnen, nachdem sie seine lebenswichtigen Punkte durchbohrt hatten, zerbrachen und sanken zu Boden.
Wort für Wort
vivyādha ca enam daśabhiḥ
und er durchbohrte ihn mit zehn (Perf.3.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Instr.Pl.)
samyagastaiḥ śitaiḥ śaraiḥ
mit wohlgezielten, scharfen Pfeilen (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
marmāṇi bhittvā te sarve
nachdem sie die lebenswichtigen Punkte durchbohrt hatten, alle von ihnen (Akk.Pl. + Ger. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
saṃbhagnāḥ kṣitim āviśan
zerbrachen und sanken zu Boden (Nom.Pl.Part. + Akk.Sg. + Impf.3.Pl.)
Da umringten die frohlockenden Krieger Yudhiṣṭhira, wie die Götter einst Puraṃdara nach der Erschlagung Vṛtras umringten - so wie die Götter den Śatakratu umringten, als er mit Vṛtra kämpfte.
Wort für Wort
tataḥ pramuditāḥ yodhāḥ
da die frohlockenden Krieger (Adv. + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.)
parivavruḥ yudhiṣṭhiram
umringten Yudhiṣṭhira (Perf.3.Pl. + Akk.Sg.)
vṛtrahatyai yathā devāḥ
wie die Götter zur Erschlagung Vṛtras (Dat.Sg.Kompos. + Adv. + Nom.Pl.)
parivavruḥ puraṃdaram
umringten Puraṃdara (Perf.3.Pl. + Akk.Sg.)
vṛtreṇa saha yudhyantam
der mit Vṛtra kämpfte (Instr.Sg. + Postp. + Akk.Sg.Präs.Part.)
yadvat devāḥ śatakratum
so wie die Götter den Śatakratu (Adv. + Nom.Pl. + Akk.Sg.)
[Anm.: Apparat-Einfügung (*1104), die den Vergleich mit Indra und den Göttern weiterführt.]
Jener Pfeil, einem Sonnenstrahl gleich, überaus furchtbar, unabwendbar - mit den Worten ‚Ha, du bist getroffen!‘ an den König gerichtet, ließ Yudhiṣṭhira ihn los.
Wort für Wort
sa śaram sūryaraśmyābham
jener Pfeil, einem Sonnenstrahl gleich (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompos.)
sa tenākarṇamuktena viddho bāṇena kauravaḥ | sa tena bhṛśasaṃviddho niṣasāda rathottame | niṣasāda rathopasthe bhṛśaṃ saṃmūḍhacetanaḥ |
Der Kaurava, von jenem bis ans Ohr gezogen abgeschossenen Pfeil getroffen, schwer verwundet, sank auf seinem prächtigen Wagen zusammen - er sank auf den Wagensitz, seine Sinne gänzlich benommen.
Wort für Wort
saḥ tena ākarṇamuktena
er, von jenem bis ans Ohr abgeschossenen (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Instr.Sg.Kompos.)
viddhaḥ bāṇena kauravaḥ
getroffen von dem Pfeil, der Kaurava (Nom.Sg.Part. + Instr.Sg. + Nom.Sg.)
saḥ tena bhṛśasaṃviddhaḥ
er, davon schwer verwundet (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Kompos.)
niṣasāda rathottame
sank zusammen auf seinem prächtigen Wagen (Perf.3.Sg. + Lok.Sg.Kompos.)
niṣasāda rathopasthe
sank auf den Wagensitz (Perf.3.Sg. + Lok.Sg.Kompos.)
bhṛśam saṃmūḍhacetanaḥ
seine Sinne gänzlich benommen (Adv. + Nom.Sg.Kompos.)
[Anm.: Die Apparat-Zeile *1107 wiederholt in variierter Form das Zusammensinken Duryodhanas.]
Da erhob sich ein gewaltiges, heftiges Getöse im Heer der Pāñcālas, ringsum, von denen, die frohlockend riefen: ‚Der König ist erschlagen!‘, oh Herrscher der Könige.
Wort für Wort
tataḥ pāñcālasainyānām
da im Heer der Pāñcālas (Adv. + Gen.Pl.Kompos.)
bhṛśam āsīt ravaḥ mahān
erhob sich ein gewaltiges, heftiges Getöse (Adv. + Impf.3.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
hataḥ rājā iti rājendra
der König ist erschlagen, oh Herrscher der Könige (Nom.Sg.Part. + Nom.Sg. + Partikel + Vok.Sg.Kompos.)
muditānām samantataḥ
von den ringsum Frohlockenden (Gen.Pl.Part. + Adv.)
Und der wieder gefasste Duryodhana, einen festen Bogen ergreifend, ging, ‚Steh, steh!‘ rufend, auf den Pāṇḍava-König los - ihn, den so sprechenden Helden, den Sohn des Dhṛtarāṣṭra, den großen Wagenkämpfer,
Wort für Wort
hṛṣṭaḥ duryodhanaḥ ca api
und der wieder gefasste Duryodhana auch (Nom.Sg.Part. + Nom.Sg. + Partikel + Partikel)
dṛḍham ādāya kārmukam
einen festen Bogen ergreifend (Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg.)
tiṣṭha tiṣṭha iti rājānam
Steh, steh, zum König (Imp.2.Sg. + Imp.2.Sg. + Partikel + Akk.Sg.)
bruvan pāṇḍavam abhyayāt
rufend, ging er auf den Pāṇḍava los (Nom.Sg.Präs.Part. + Akk.Sg. + Impf.3.Sg.)
tam evaṃvādinam vīram
ihn, den so sprechenden Helden (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompos. + Akk.Sg.)
dhārtarāṣṭram mahāratham
den Sohn des Dhṛtarāṣṭra, den großen Wagenkämpfer (Akk.Sg.Kompos. + Akk.Sg.Kompos.)
[Anm.: Der mit iti markierte Kampfruf Duryodhanas wird als eingebettete Redewendung mit SQ gekennzeichnet.]
Die Pāñcālas, gierig nach dem König, eilten ihm rasch entgegen; Droṇa fing sie ab, um den Besten der Kurus zu retten, wie die Sonne die von einem heftigen Sturm getriebenen Wolken vertreibt.
Wort für Wort
pratyudyayuḥ tam tvaritāḥ
eilten ihm rasch entgegen (Perf.3.Pl. + Akk.Sg. + Nom.Pl.)
pāñcālāḥ rājagṛddhinaḥ
die Pāñcālas, gierig nach dem König (Nom.Pl. + Nom.Pl.Kompos.)
tān droṇaḥ pratijagrāha
sie fing Droṇa ab (Akk.Pl. + Nom.Sg. + Perf.3.Sg.)
parīpsan kurusattamam
um den Besten der Kurus zu retten (Nom.Sg.Präs.Part. + Akk.Sg.Kompos.)
caṇḍavātoddhatān meghān
die von einem heftigen Sturm getriebenen Wolken (Akk.Pl.Kompos. + Akk.Pl.)
nighnan raśmimucaḥ yathā
vertreibend, wie die Sonne (Nom.Sg.Präs.Part. + Nom.Sg.Kompos. + Adv.)
tato rājan mahān āsīt saṃgrāmo bhūrivardhanaḥ | tāvakānāṃ pareṣāṃ ca sametānāṃ yuyutsayā ||
Da entbrannte, oh König, eine gewaltige, immer heftiger werdende Schlacht zwischen den Deinen und den Feinden, die sich, kampfbegierig, zusammengefunden hatten.
Wort für Wort
tataḥ rājan mahān āsīt
da entbrannte, oh König, eine gewaltige (Adv. + Vok.Sg. + Nom.Sg. + Impf.3.Sg.)
saṃgrāmaḥ bhūrivardhanaḥ
eine immer heftiger werdende Schlacht (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompos.)
tāvakānām pareṣām ca
zwischen den Deinen und den Feinden (Gen.Pl. + Gen.Pl. + Partikel)
sametānām yuyutsayā
die sich, kampfbegierig, zusammengefunden hatten (Gen.Pl.Part. + Instr.Sg.)