Kapitel 94
Sātyakis Wort an seinen Wagenlenker und sein Zweikampf mit König Sudarśana
Dieses Kapitel ist im Metrum vom vorangehenden Anuṣṭubh zum längeren Triṣṭubh/Jagatī gewechselt - ein für die Epik typischer Stilwechsel an einem erzählerischen Höhepunkt. Saṃjayas Erzählung setzt sich fort (Rahmenebene, nicht CQ-markiert): Nachdem Sātyaki Droṇa und Kṛtavarmans Truppen besiegt hat, spricht er lachend zu seinem Wagenlenker (Einheit 1, Rahmenerzählung mit Redeeinleitung) eine kurze CQ-Rede (Einheit 2), in der er - in einer an die Bhagavadgītā erinnernden Wendung - erklärt, die Feinde seien durch Kṛṣṇa und Arjuna bereits im Voraus 'erschlagen' und er selbst nur ein Werkzeug, das dies vollziehe. Er stürmt darauf unaufhaltsam ins feindliche Heer (Einheiten 3-5), bis ihn der prächtig gerüstete König Sudarśana - ein anderer, gleichnamiger Charakter als der bekannte Diskus Viṣṇus - im Zweikampf aufhält (Einheit 6). Es folgt ein ausgedehntes Pfeilduell, in dem beide Seiten einander mit Pfeilhageln überschütten, Sātyaki verwundet wird, aber schließlich Sudarśanas Wagenlenker und Pferde tötet (Einheiten 7-13) und Sudarśana schließlich enthauptet (Einheiten 14-16). Das Kapitel schließt damit, dass Sātyaki, von den versammelten Kriegern für diese erstaunliche Tat gepriesen, weiterzieht in Richtung Arjuna, um die Welt in Staunen zu versetzen (Einheiten 17-18).
Nachdem er so Droṇa besiegt hatte, der Beste der Männer, und ebenso die Deinen, angeführt vom Hārdikya [Kṛtavarman], sprach der Vorkämpfer der Śinis [Sātyaki], lachend, zu seinem Wagenlenker die Worte, o Bester der Stiere der Kurus [Dhṛtarāṣṭra]:
Wort für Wort
droṇaṃ sa jitvā puruṣapravīras tathaiva hārdikyamukhāṃs tvadīyān
nachdem er so Droṇa besiegt hatte, der Beste der Männer, und ebenso die Deinen, angeführt vom Hārdikya (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Ger. + Nom.Sg.Adj. + Adv. + Akk.Pl.Adj. + Akk.Pl.Adj.)
sprach der Vorkämpfer der Śinis, lachend, zu seinem Wagenlenker die Worte, o Bester der Stiere der Kurus (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.Med. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
nimittamātraṃ vayam atra sūta dagdhārayaḥ keśavaphalgunābhyām hatān nihanmeha nararṣabheṇa vayaṃ sureśātmasamudbhavena hatān nihantāsmi kirīṭamālinā hy ahaṃ sabhīmaḥ saha pārṣatena
„Wir sind hier nur ein Werkzeug, Wagenlenker - unsere Feinde sind schon von Keśava [Kṛṣṇa] und Phalguna [Arjuna] verbrannt; wir schlagen hier nur die bereits Erschlagenen nieder, durch den Stier unter den Männern, der aus dem Sohn des Götterherrn [Indra] entsprungen ist. Ich schlage die vom Diademgeschmückten [Arjuna] bereits Erschlagenen nieder, zusammen mit Bhīma und dem Sohn des Pṛṣata [Dhṛṣṭadyumna].“
wir sind hier nur ein Werkzeug, Wagenlenker - unsere Feinde sind schon von Keśava und Phalguna verbrannt (Akk.Sg. + Nom.Pl. + Adv. + Vok.Sg. + Nom.Pl.Adj. + Instr.Du.)
wir schlagen hier nur die bereits Erschlagenen nieder, durch den Stier unter den Männern, der aus dem Sohn des Götterherrn entsprungen ist (Akk.Pl.Part. + 1.Pl.Präs.+Adv. + Instr.Sg. + Nom.Pl. + Instr.Sg.Adj.)
hatān nihantāsmi kirīṭamālinā
ich schlage die vom Diademgeschmückten bereits Erschlagenen nieder (Akk.Pl.Part. + 1.Sg.Fut.periphr. + Instr.Sg.)
hy ahaṃ sabhīmaḥ saha pārṣatena
ich, zusammen mit Bhīma und dem Sohn des Pṛṣata (Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj. + Postp. + Instr.Sg.)
[Anm.: Sātyaki spricht hier die im Epos wiederkehrende Vorstellung aus, dass die feindlichen Krieger durch Kṛṣṇas/Arjunas kosmische Macht bereits im Voraus 'erschlagen' sind und die übrigen Kämpfer nur noch das äußere Werkzeug ihres Untergangs vollziehen - vgl. Bhagavadgītā 11.33 ('mayaivaite nihatāḥ pūrvam eva').]
tam evam uktvā śinipuṃgavas tadā mahāmṛdhe so 'gryadhanurdharo 'rihā kiran samantāt sahasā śarān balī samāpatac chyena ivāmiṣaṃ yathā
Nachdem der Stier des Śini so gesprochen hatte, stürzte er sich damals, der beste Bogenträger, der Feindevernichter, in der gewaltigen Schlacht, der Mächtige, ringsum plötzlich Pfeile verstreuend, vor, wie ein Falke auf ein Beutestück.
Wort für Wort
tam evam uktvā śinipuṃgavas tadā mahāmṛdhe so 'gryadhanurdharo 'rihā
nachdem der Stier des Śini so gesprochen hatte, [stürzte] er sich damals in der gewaltigen Schlacht, der beste Bogenträger, der Feindevernichter (Akk.Sg. + Adv. + Ger. + Nom.Sg. + Adv. + Lok.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg.Adj.)
Ihn, der mit mond- und muschelfarbenen Pferden dahinzog, den besten der Männer, der in das Heer eintauchte, den Sonnenstrahlen gleich, den vorzüglichsten der Männer - ihn vermochten sie von allen Seiten nicht aufzuhalten.
ihn, der mit mond- und muschelfarbenen Pferden dahinzog, den besten der Männer, der in das Heer eintauchte (Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Adj. + Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Adj.)
vermochten sie von allen Seiten nicht aufzuhalten, den Sonnenstrahlen gleich, den vorzüglichsten der Männer (Neg.+3.Pl.Impf. + Inf. + Adv. + Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj.)
[Ihn,] unerträglich an Kraft, unverzagten Mutes, für alle Scharen, Bhārata, unaushaltbar, von einer Macht dem Tausendäugigen [Indra] gleich - wie die Sonne am Himmel nach dem Weichen der Wolken.
Doch Sudarśana, von Zorn erfüllt, ein höchst kunstvoller Kämpfer, bogenbewehrt, goldene Rüstung tragend, der beste der Könige, hielt den heranstürmenden Sātyaki gewaltsam auf.
Wort für Wort
amarṣapūrṇas tv aticitrayodhī śarāsanī kāñcanavarmadhārī
doch von Zorn erfüllt, ein höchst kunstvoller Kämpfer, bogenbewehrt, goldene Rüstung tragend (Nom.Sg.Adj. + Partikel + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg.Adj.)
tayor abhūd bharata saṃprahāraḥ sudāruṇas taṃ samabhipraśaṃsan yodhās tvadīyāś ca hi somakāś ca vṛtrendrayor yuddham ivāmaraughāḥ
Zwischen den beiden entstand, Bhārata, ein höchst furchtbarer Zusammenstoß; sowohl deine Krieger als auch die Somakas priesen ihn, wie die Scharen der Unsterblichen den Kampf zwischen Vṛtra und Indra.
zwischen den beiden entstand, Bhārata, ein höchst furchtbarer Zusammenstoß; sie priesen ihn (Gen.Du. + 3.Sg.Perf. + Vok.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj. + Akk.Sg. + 3.Pl.Impf.Part.)
yodhās tvadīyāś ca hi somakāś ca vṛtrendrayor yuddham ivāmaraughāḥ
sowohl deine Krieger als auch die Somakas, wie die Scharen der Unsterblichen den Kampf zwischen Vṛtra und Indra (Nom.Pl. + Nom.Pl.Adj. + Partikel + Partikel + Nom.Pl. + Partikel + Gen.Du. + Akk.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)
śaraiḥ sutīkṣṇaiḥ śataśo 'bhyavidhyat sudarśanaḥ sātvatamukhyam ājau anāgatān eva tu tān pṛṣatkāṃś ciccheda bāṇaiḥ śinipuṃgavo 'pi
Sudarśana durchbohrte den besten der Sātvatas [Sātyaki] im Kampf zu Hunderten mit überaus scharfen Pfeilen; doch der Stier des Śini zerschnitt jene Pfeile mit eigenen Pfeilen, noch bevor sie ihn erreichten.
Sudarśana durchbohrte den besten der Sātvatas im Kampf zu Hunderten mit überaus scharfen Pfeilen (Instr.Pl.Adj. + Adv. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
anāgatān eva tu tān pṛṣatkāṃś ciccheda bāṇaiḥ śinipuṃgavo 'pi
doch der Stier des Śini zerschnitt jene noch nicht angekommenen Pfeile mit eigenen Pfeilen (Akk.Pl.Adj. + Partikel + Partikel + Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf. + Instr.Pl. + Nom.Sg. + Partikel)
Ebenso zerteilte Sudarśana, auf seinem vorzüglichen Wagen stehend, mit besten Pfeilen jene Geschosse, die auch Sātyaki, dem Śakra [Indra] gleich, auf Sudarśana schleuderte, in zwei oder drei Teile.
Wort für Wort
tathaiva śakrapratimo 'pi sātyakiḥ sudarśane yān kṣipati sma sāyakān
ebenso jene Geschosse, die auch Sātyaki, dem Śakra gleich, auf Sudarśana schleuderte (Adv. + Nom.Sg.Adj. + Partikel + Nom.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Pl. + 3.Sg.Präs. + Partikel + Akk.Pl.)
zerteilte Sudarśana, auf seinem vorzüglichen Wagen stehend, mit besten Pfeilen jene in zwei oder drei Teile (Adv. + Adv. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Instr.Pl.Adj. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
Als Sudarśana damals sah, wie seine Pfeile durch die Wucht von Sātyakis Pfeilen zunichtegemacht wurden, entsandte er, von Zorn glühend, gleichsam verzehren wollend, bunte, goldverzierte Pfeile.
als Sudarśana damals sah, wie seine Pfeile durch die Wucht von Sātyakis Pfeilen zunichtegemacht wurden (Ger. + Akk.Pl. + Akk.Pl.Part. + Adv. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
punaḥ sa bāṇais tribhir agnikalpair ākarṇapūrṇair niśitaiḥ supuṅkhaiḥ vivyādha dehāvaraṇaṃ vibhidya te sātyaker āviviśuḥ śarīram
Wieder durchbohrte er [Sātyakis] Körperpanzer mit drei feuergleichen, bis zum Ohr gespannten, scharfen, schönbefiederten Pfeilen; sie drangen, ihn durchbohrend, in Sātyakis Körper ein.
Wort für Wort
punaḥ sa bāṇais tribhir agnikalpair ākarṇapūrṇair niśitaiḥ supuṅkhaiḥ
wieder durchbohrte er mit drei feuergleichen, bis zum Ohr gespannten, scharfen, schönbefiederten Pfeilen (Adv. + Nom.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Num. + Instr.Pl.Adj. + Instr.Pl.Adj. + Instr.Pl.Adj. + Instr.Pl.Adj.)
vivyādha dehāvaraṇaṃ vibhidya te sātyaker āviviśuḥ śarīram
den Körperpanzer; sie drangen, ihn durchbohrend, in Sātyakis Körper ein (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Ger. + Nom.Pl. + Gen.Sg. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg.)
Ebenso legte der Sohn des Landesherrn [Sudarśana] weitere lodernde Pfeile an und traf gewaltsam dessen [Sātyakis] vier silberglänzende Pferde mit vier [Pfeilen].
Doch der geschwinde Enkel Śinis [Sātyaki], an Kraft Indra gleich, so von ihm getroffen, tötete mit Sudarśanas überaus scharfen Pfeilscharen rasch dessen Pferde und stieß ein lautes Gebrüll aus.
Wort für Wort
tathā tu tenābhihatas tarasvī naptā śiner indrasamānavīryaḥ
doch der geschwinde Enkel Śinis, an Kraft Indra gleich, so von ihm getroffen (Adv. + Partikel + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
Dann schlug er mit einem Breitpfeil, dem Donnerkeil gleich, dessen Wagenlenker den Kopf ab; und der Vorkämpfer der Śinis schlug gewaltsam auch Sudarśanas Kopf mit einem Rasiermesser-Pfeil ab.
dann schlug er mit einem Breitpfeil, dem Donnerkeil gleich, dessen Wagenlenker den Kopf ab (Adv. + Gen.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Ger. + Instr.Sg. + Instr.Sg.Adj.)
und der Vorkämpfer der Śinis schlug gewaltsam auch Sudarśanas Kopf mit einem Rasiermesser-Pfeil ab (Gen.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Instr.Sg. + 3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Adv.)
Er trennte das mit Ohrringen geschmückte, dem Vollmond gleich strahlende, glänzende Antlitz vom Rumpf, so wie einst der Keulenträger [Indra] gewaltsam im Kampf [das Haupt] Balas, des Überaus-Starken, [trennte], König.
er trennte das mit Ohrringen geschmückte, dem Vollmond gleich strahlende, glänzende Antlitz vom Rumpf (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg. + 3.Sg.Perf. + Abl.Sg.)
so wie einst der Keulenträger gewaltsam im Kampf [das Haupt] Balas, des Überaus-Starken, [trennte], König (Adv. + Adv. + Nom.Sg. + Adv. + Gen.Sg. + Lok.Sg. + Gen.Sg.Adj. + Vok.Sg.)
Nachdem er jenen Sohn und Enkel eines Landesherrn im Kampf erschlagen hatte, erstrahlte der geschwinde Stier der Yadus, der Großherzige, von höchster Freude erfüllt, König, dem Götterkönig gleich - von großer Freude überkommen, der Großherzige, wie Śakra [Indra], der Herr der Unsterblichen, in der gewaltigen Schlacht.
nachdem er jenen Sohn und Enkel eines Landesherrn im Kampf erschlagen hatte, der geschwinde Stier der Yadus (Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Adj. + Lok.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
tato yayāv arjunam eva yena nivārya sainyaṃ tava mārgaṇaughaiḥ sadaśvayuktena rathena niryāl lokān visismāpayiṣur nṛvīraḥ
Dann fuhr er, nachdem er dein Heer mit Pfeilfluten zurückgeschlagen hatte, mit einem mit edlen Rossen bespannten Wagen dorthin, wo Arjuna war, wollend, die Welten in Staunen zu versetzen, der Heldenmann.
Wort für Wort
tato yayāv arjunam eva yena nivārya sainyaṃ tava mārgaṇaughaiḥ
dann fuhr er dorthin, wo Arjuna war, nachdem er dein Heer mit Pfeilfluten zurückgeschlagen hatte (Adv. + 3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Partikel + Adv. + Ger. + Akk.Sg. + Gen.Sg. + Instr.Pl.)
mit einem mit edlen Rossen bespannten Wagen, wollend, die Welten in Staunen zu versetzen, der Heldenmann (Instr.Sg.Adj. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part. + Akk.Pl. + Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg.)
tat tasya vismāpayanīyam agryam apūjayan yodhavarāḥ sametāḥ yad vartamānān iṣugocare 'rīn dadāha bāṇair hutabhug yathaiva
Jene höchst erstaunliche Tat von ihm priesen die versammelten besten Krieger: dass er die Feinde, die sich in Pfeilreichweite befanden, mit Pfeilen verbrannte, wie das Feuer [Opferspeise verbrennt].
Wort für Wort
tat tasya vismāpayanīyam agryam apūjayan yodhavarāḥ sametāḥ
jene höchst erstaunliche Tat von ihm priesen die versammelten besten Krieger (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj. + 3.Pl.Impf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Part.)
yad vartamānān iṣugocare 'rīn dadāha bāṇair hutabhug yathaiva
dass er die Feinde, die sich in Pfeilreichweite befanden, mit Pfeilen verbrannte, wie das Feuer (Akk.Sg. + Akk.Pl.Part. + Lok.Sg. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf. + Instr.Pl. + Nom.Sg. + Adv.)