Kapitel 157: amoghāśaktivimarśaḥ
Die Erörterung der vereitelten unfehlbaren Śakti
Dhṛtarāṣṭra fragt, weshalb Karṇa seine unfehlbare, von Indra erhaltene Śakti nicht gegen Arjuna, sondern gegen Ghaṭotkaca einsetzte; Saṃjaya und schließlich Kṛṣṇa selbst (im Gespräch mit Sātyaki) erklären, wie Kṛṣṇa dies durch beharrliches Beschützen Arjunas und gezielte List bewirkte.
ekavīravadhe moghā śaktiḥ sūtātmaje yadā kasmāt sarvān samutsṛjya sa tāṃ pārthe na muktavān
„Als die Śakti, bestimmt für die Tötung des einzigartigen Helden, im Sohn des Wagenlenkers vergeblich wurde, weshalb hat er, alle anderen preisgebend, sie nicht auf Pārtha losgelassen?
Wort für Wort
ekavīravadhe
für die Tötung des einzigartigen Helden (Lok. Sg. m., Kompositum, Arjuna)
moghā
vergeblich geworden (Nom. Sg. f.)
śaktiḥ
die Śakti (Nom. Sg. f.)
sūtātmaje
im Sohn des Wagenlenkers (Lok. Sg. m., Karṇa)
yadā
als (Konjunktion)
kasmāt
weshalb (Adv.)
sarvān
alle (Akk. Pl. m.)
samutsṛjya
preisgebend (Absolutiv sam-ut-sṛj)
sa
er (Nom. Sg. m.)
tāṃ
jene (Akk. Sg. f.)
pārthe
auf Pārtha (Lok. Sg. m.)
na muktavān
hat nicht losgelassen (Nom. Sg. m., Part. Perf. Akt., mit na)
tasmin hate hatā hi syuḥ sarve pāṇḍavasṛñjayāḥ ekavīravadhe kasmān na yuddhe jayam ādadhat
Wenn dieser getötet wäre, so wären wahrlich alle Pāṇḍavas und Sṛñjayas getötet; weshalb hat er sich bei der Tötung des einzigartigen Helden nicht den Sieg im Kampf gesichert?
Wort für Wort
tasmin
wenn dieser (Lok. Sg. m.)
hate
getötet (Lok. Sg. m., Part. Perf. Pass.)
hatāḥ
getötet (Nom. Pl. m.)
hi
denn (Partikel)
syuḥ
wären (3. Pl. Opt. as)
sarve
alle (Nom. Pl. m.)
pāṇḍavasṛñjayāḥ
die Pāṇḍavas und Sṛñjayas (Nom. Pl. m., Kompositum)
ekavīravadhe
bei der Tötung des einzigartigen Helden (Lok. Sg. m.)
āhūto na nivarteyam iti tasya mahāvratam svayam āhvayitavyaḥ sa sūtaputreṇa phalgunaḥ
‚Einmal herausgefordert, werde ich nicht zurückweichen‘ - das ist sein großes Gelübde; er, Phalguna, hätte vom Sohn des Wagenlenkers in eigener Person herausgefordert werden sollen.
Wort für Wort
āhūtaḥ
herausgefordert (Nom. Sg. m., Part. Perf. Pass.)
na nivarteyam
werde ich nicht zurückweichen (1. Sg. Opt. ni-vṛt, mit na)
tato dvairatham ānīya phalgunaṃ śakradattayā na jaghāna vṛṣā kasmāt tan mamācakṣva saṃjaya
Weshalb hat der Mächtige, nachdem er Phalguna zum Zweikampf gebracht hatte, ihn nicht mit der Śakra-verliehenen Waffe erschlagen? Erzähle mir das, Saṃjaya.
nūnaṃ buddhivihīnaś cāpy asahāyaś ca me sutaḥ śatrubhir vyaṃsitopāyaḥ kathaṃ nu sa jayed arīn
Gewiss ist mein Sohn der Einsicht beraubt und ohne Helfer; seine Kunstgriffe wurden von den Feinden vereitelt - wie könnte er da seine Feinde besiegen?
Wort für Wort
nūnam
gewiss (Adv.)
buddhivihīnaḥ
der Einsicht beraubt (Nom. Sg. m., Kompositum)
ca api
und auch (Konjunktion + Partikel)
asahāyaḥ
ohne Helfer (Nom. Sg. m.)
ca
und (Konjunktion)
me
mein (Gen. Sg. enklit.)
sutaḥ
der Sohn (Nom. Sg. m.)
śatrubhiḥ
von den Feinden (Instr. Pl. m.)
vyaṃsitopāyaḥ
dessen Kunstgriffe vereitelt wurden (Nom. Sg. m., Kompositum)
Wie einem Kuṇi die schon in der Hand befindliche Bilva-Frucht von einem Stärkeren entrissen werden könnte, so wurde jene unfehlbare Śakti gegen Ghaṭotkaca wirkungslos.
Wort für Wort
kuṇeḥ
dem Kuṇi (Abl. Sg. m., Eigenname)
yathā
wie (Vergleichspartikel)
hastagatam
in der Hand befindlich (Akk. Sg. n., Kompositum)
hriyet
könnte entreißen (3. Sg. Opt. hṛ)
bilvam
die Bilva-Frucht (Akk. Sg. n.)
balīyasā
durch den Stärkeren (Instr. Sg. m.)
tathā
so (Adv.)
śaktiḥ
die Śakti (Nom. Sg. f.)
amoghā
unfehlbar (Nom. Sg. f.)
sā
jene (Nom. Sg. f.)
moghībhūtā
wirkungslos geworden (Nom. Sg. f.)
ghaṭotkace
gegen Ghaṭotkaca (Lok. Sg. m.)
[Anm.: Kuṇi ist eine sonst nicht näher belegte Gestalt, offenbar aus einem sprichwörtlichen Vergleich; gemeint ist, dass ein Schwächerer einem Stärkeren nichts wirklich sicher besitzen kann.]
yathā varāhasya śunaś ca yudhyatos tayor abhāve śvapacasya lābhaḥ manye vidvan vāsudevasya tadvad yuddhe lābhaḥ karṇahaiḍimbayor vai
Wie beim Kampf zwischen Eber und Hund, wenn beide einander töten, der Gewinn dem Hundekocher zufällt - ebenso, meine ich, oh Kundiger, fällt im Kampf zwischen Karṇa und dem Sohn Hiḍimbās der Gewinn wahrlich Vāsudeva zu.
Wort für Wort
yathā
wie (Vergleichspartikel)
varāhasya
des Ebers (Gen. Sg. m.)
śunaḥ
des Hundes (Gen. Sg. m.)
ca
und (Konjunktion)
yudhyatoḥ
der beiden Kämpfenden (Gen. Du. m., Part. Präs.)
tayoḥ
von beiden (Gen. Du. m.)
abhāve
beim Tod/Fehlen (Lok. Sg. m.)
śvapacasya
des Hundekochers (Gen. Sg. m.)
lābhaḥ
der Gewinn (Nom. Sg. m.)
manye
ich meine (1. Sg. Präs. Med. man)
vidvan
oh Kundiger (Vok. Sg.)
vāsudevasya
Vāsudevas (Gen. Sg. m.)
tadvat
ebenso (Adv.)
yuddhe
im Kampf (Lok. Sg. n.)
lābhaḥ
der Gewinn (Nom. Sg. m.)
karṇahaiḍimbayoḥ
zwischen Karṇa und dem Sohn Hiḍimbās (Gen. Du. m., Kompositum)
vai
wahrlich (Partikel)
[Anm.: Sprichwörtlicher Vergleich - während zwei sich gegenseitig zerfleischende Tiere (Eber und Hund) beide zugrunde gehen, profitiert ein unbeteiligter Dritter (hier der gesellschaftlich niedrigste, ein Hundekocher/Ausgestoßener) vom Ergebnis; ebenso zieht Kṛṣṇa aus dem gegenseitigen Kräfteverschleiß Karṇas und Ghaṭotkacas den eigentlichen Nutzen.]
Wenn Ghaṭotkaca Karṇa tötete, so wäre das ein höchster Gewinn für die Pāṇḍavas; oder wenn Vaikartana ihn tötete, so wäre die Aufgabe dennoch durch den Verlust der Śakti vollbracht.
Wort für Wort
ghaṭotkacaḥ
Ghaṭotkaca (Nom. Sg. m.)
yadi
wenn (Konjunktion)
hanyāt
er töten würde (3. Sg. Opt. han)
hi
denn (Partikel)
karṇam
Karṇa (Akk. Sg. m.)
paraḥ
höchster (Nom. Sg. m.)
lābhaḥ
Gewinn (Nom. Sg. m.)
sa
dieser (Nom. Sg. m.)
bhavet
er wäre (3. Sg. Opt. bhū)
pāṇḍavānām
der Pāṇḍavas (Gen. Pl. m.)
vaikartanaḥ
Vaikartana (Nom. Sg. m., Karṇa)
vā
oder (Konjunktion)
yadi
wenn (Konjunktion)
tam
ihn (Akk. Sg. m.)
nihanyāt
er töten würde (3. Sg. Opt. ni-han)
tathāpi
dennoch (Adv.)
kṛtyam
die Aufgabe (Nom. Sg. n.)
śaktināśāt
durch den Verlust der Śakti (Abl. Sg. m., Kompositum)
So ließ der Weise, dies mit Einsicht erwogen habend, Ghaṭotkaca mit dem Sohn des Wagenlenkers im Kampf kämpfen - Vāsudeva, der Manntiger, dabei den Pāṇḍavas das Liebe und Nützliche erweisend.“
Ghaṭotkaca, von großer Kraft - ihn setzte der großgeistige Janārdana ein, zur Vereitelung der unfehlbaren Śakti, oh König, angesichts deines üblen Ratschlags.
saviśeṣaṃ tv amoghāyāḥ kṛṣṇo 'rakṣata pāṇḍavam hanyāt kṣiptā hi kaunteyaṃ śaktir vṛkṣam ivāśaniḥ
Aber insbesondere vor der unfehlbaren Śakti beschützte Kṛṣṇa den Pāṇḍava; denn geschleudert hätte die Śakti den Sohn Kuntīs getötet, wie ein Blitzstrahl einen Baum fällt.“
virodhī ca kumantrī ca prājñamānī mamātmajaḥ yasyaiṣa samatikrānto vadhopāyo jayaṃ prati
„Ein Widersacher und übler Ratgeber, doch sich selbst für weise haltend, ist mein Sohn - er, von dem dieses Mittel zum siegbringenden Töten übersehen wurde.
sa vā karṇo mahābuddhiḥ sarvaśastrabhṛtāṃ varaḥ na muktavān kathaṃ sūta tām amoghāṃ dhanaṃjaye
Oder sage mir, weshalb Karṇa, der Großgeistige, der Beste aller Waffenträger, jene unfehlbare Śakti nicht auf Dhanaṃjaya losgelassen hat, oh Sūta-Sohn.
Wort für Wort
sa vā
oder er (Nom. Sg. m. + Konjunktion)
karṇaḥ
Karṇa (Nom. Sg. m.)
mahābuddhiḥ
der Großgeistige (Nom. Sg. m.)
sarvaśastrabhṛtām
aller Waffenträger (Gen. Pl. m., Kompositum)
varaḥ
der Beste (Nom. Sg. m.)
na muktavān
hat nicht losgelassen (Nom. Sg. m., Part. Perf. Akt., mit na)
katham
weshalb (Adv.)
sūta
oh Sūta-Sohn (Vok. Sg.)
tām
jene (Akk. Sg. f.)
amoghāṃ
die unfehlbare (Akk. Sg. f.)
dhanaṃjaye
auf Dhanaṃjaya (Lok. Sg. m.)
[Anm.: Textkritischer Apparat *1252 - ein zusätzliches, die Frage verstärkendes Verspaar, das unmittelbar auf Vers 17 folgt und vor der eigentlichen Fortsetzung (Vers 18 im Haupttext) eingefügt ist.]
Oder wenn Pārtha getötet ist, könnte der Vārṣṇeya dann einen anderen der Pāṇḍus im Kampf an seine Stelle setzen - deshalb soll Kṛṣṇa niedergestreckt werden.
Wort für Wort
atha vā
oder aber (Konjunktion)
nihate
getötet (Lok. Sg. m., Part. Perf. Pass.)
pārthe
Pārtha (Lok. Sg. m.)
pāṇḍuṣu
unter den Pāṇḍus (Lok. Pl. m.)
anyatamam
einen anderen (Akk. Sg. m.)
tataḥ
dann (Adv.)
sthāpayet
könnte aufstellen (3. Sg. Opt. Kaus. sthā)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg. f.)
vārṣṇeyaḥ
der Vārṣṇeya (Nom. Sg. m., Kṛṣṇa)
tasmāt
deshalb (Adv.)
kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa (Nom. Sg. m.)
nipātyatām
er soll niedergestreckt werden (3. Sg. Imp. Pass. Kaus. ni-pat)
Denn Kṛṣṇa ist die Wurzel der Pāṇḍus, Pārtha der emporgewachsene Stamm; die anderen Söhne der Pṛthā sind wie Zweige, die Pāñcālas gelten als die Blätter.
sā tu buddhiḥ kṛtā rājan kṛṣṇaṃ prati nareśvara viṣṇos tejaḥpramūḍhānāṃ yuddhakāle praṇaśyati
Doch jener gegen Kṛṣṇa gefasste Entschluss, oh König, oh Herrscher der Menschen, schwindet zur Zeit der Schlacht bei denen, die von Viṣṇus Glanz verwirrt sind.
Wort für Wort
sā
jener (Nom. Sg. f.)
tu
aber (Partikel)
buddhiḥ
der Entschluss (Nom. Sg. f.)
kṛtā
gefasst (Nom. Sg. f., Part. Perf. Pass.)
rājan
oh König (Vok. Sg.)
kṛṣṇam
gegen Kṛṣṇa (Akk. Sg. m.)
prati
gegen (Postposition)
nareśvara
oh Herrscher der Menschen (Vok. Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen. Sg. m.)
tejaḥpramūḍhānām
für die vom Glanz Verwirrten (Gen. Pl. m., Kompositum)
yuddhakāle
zur Zeit der Schlacht (Lok. Sg. m., Kompositum)
praṇaśyati
schwindet (3. Sg. Präs. pra-naś)
[Anm.: Textkritischer Apparat *1253 - ein zusätzliches Verspaar, das unmittelbar auf Vers 25 folgt.]
yadi hi sa nihataḥ śayīta bhūmau yadukulapāṇḍavanandano mahātmā nanu tava vasudhā narendra sarvā sagirisamudravanā vaśaṃ vrajeta
Denn läge er, der großherzige Stolz des Yadu-Geschlechts und der Pāṇḍavas, erschlagen auf der Erde, so würde gewiss deine ganze Erde, oh Herrscher der Menschen, samt Bergen, Meeren und Wäldern in deine Macht geraten.
Wort für Wort
yadi hi
denn wenn (Konjunktion)
sa
er (Nom. Sg. m.)
nihataḥ
getötet (Nom. Sg. m., Part. Perf. Pass.)
śayīta
er läge (3. Sg. Opt. Med. śī)
bhūmau
auf der Erde (Lok. Sg. f.)
yadukulapāṇḍavanandanaḥ
die Freude des Yadu-Geschlechts und der Pāṇḍavas (Nom. Sg. m., Kompositum)
mahātmā
der Großherzige (Nom. Sg. m.)
nanu
fürwahr (Partikel)
tava
deine (Gen. Sg.)
vasudhā
die Erde (Nom. Sg. f.)
narendra
oh Herrscher der Menschen (Vok. Sg.)
sarvā
die ganze (Nom. Sg. f.)
sagirisamudravanā
samt Bergen, Meeren und Wäldern (Nom. Sg. f., Kompositum)
Doch jener Entschluss, so gefasst, wurde zur Zeit der Schlacht angesichts des wachsamen Herrn der dreißig Götter, des unermesslichen Hṛṣīkeśa, zunichte.
yaś caivaṃ rakṣate pārthaṃ karṇāt kṛṣṇo mahāmanāḥ ātmānaṃ sa kathaṃ rājan na rakṣet puruṣottamaḥ paricintya tu paśyāmaś cakrāyudham ariṃdamam na so 'sti triṣu lokeṣu yo jayeta janārdanam
Und er, der großgesinnte Kṛṣṇa, der so Pārtha vor Karṇa beschützt - wie sollte er, der Beste der Männer, sich selbst nicht beschützen, oh König? Wenn wir es recht bedenken, sehen wir: es gibt niemanden in den drei Welten, der den Diskus-Bewaffneten, den Feindebezwinger, Janārdana, besiegen könnte.‘
Wort für Wort
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m.)
ca
und (Konjunktion)
evam
so (Adv.)
rakṣate
beschützt (3. Sg. Präs. Med. rakṣ)
pārtham
Pārtha (Akk. Sg. m.)
karṇāt
vor Karṇa (Abl. Sg. m.)
kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa (Nom. Sg. m.)
mahāmanāḥ
der Großgesinnte (Nom. Sg. m.)
ātmānam
sich selbst (Akk. Sg. m.)
sa
er (Nom. Sg. m.)
katham
wie (Adv.)
rājan
oh König (Vok. Sg.)
na rakṣet
würde nicht beschützen (3. Sg. Opt. rakṣ, mit na)
puruṣottamaḥ
der Beste der Männer (Nom. Sg. m.)
paricintya
erwogen habend (Absolutiv pari-cint)
tu
aber (Partikel)
paśyāmaḥ
wir sehen (1. Pl. Präs. dṛś)
cakrāyudham
den Diskus-Bewaffneten (Akk. Sg. m., Kompositum)
ariṃdamam
den Feindebezwinger (Akk. Sg. m.)
na
nicht (Negation)
saḥ
der (Nom. Sg. m.)
asti
es gibt (3. Sg. Präs. as)
triṣu
in den drei (Lok. Pl. m.)
lokeṣu
Welten (Lok. Pl. m.)
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m.)
jayeta
besiegen könnte (3. Sg. Opt. Med. ji)
janārdanam
Janārdana (Akk. Sg. m.)
[Anm.: Textkritischer Apparat *1254 - vier zusätzliche Verszeilen, die unmittelbar auf Vers 29 folgen und die vorangegangene Rede der Kaurava-Berater an Karṇa (Vers 20-29) abschließen.]
ayaṃ ca pratyayaḥ karṇe śaktyā cāmitavikrama kimarthaṃ sūtaputreṇa na muktā phalgune tu sā
‚Und diese Gewissheit hinsichtlich Karṇas und der Śakti, oh du von unermesslicher Kraft - weshalb wurde sie vom Sohn des Wagenlenkers nicht auf Phalguna losgelassen?‘“
Wort für Wort
ayam
dieser (Nom. Sg. m.)
ca
und (Konjunktion)
pratyayaḥ
die Gewissheit (Nom. Sg. m.)
karṇe
hinsichtlich Karṇa (Lok. Sg. m.)
śaktyā
hinsichtlich der Śakti (Instr. Sg. f.)
ca
und (Konjunktion)
amitavikrama
oh du von unermesslicher Kraft (Vok. Sg.)
kimartham
weshalb (Adv.)
sūtaputreṇa
vom Sohn des Wagenlenkers (Instr. Sg. m.)
na muktā
wurde nicht losgelassen (Nom. Sg. f., Part. Perf. Pass., mit na)
karṇa karṇa maheṣvāsa raṇe 'mitaparākrama nānyasya śaktir eṣā te moktavyā jayatāṃ vara
‚Karṇa, Karṇa, großer Bogenschütze, von unermesslicher Kraft im Kampf! Diese deine Śakti darf für keinen anderen losgelassen werden, oh Bester der Sieger,
tatheti ca pratijñātaṃ karṇena śinipuṃgava hṛdi nityaṃ tu karṇasya vadho gāṇḍīvadhanvanaḥ
‚So sei es‘, wurde auch von Karṇa versprochen, oh Stier der Śinis; doch in Karṇas Herzen lebt beständig das Verlangen nach der Tötung des Gāṇḍīva-Bogenträgers.
Wort für Wort
tathā iti
'so sei es' (Zitatpartikel)
ca
und (Konjunktion)
pratijñātam
versprochen (Nom. Sg. n., Part. Perf. Pass.)
karṇena
von Karṇa (Instr. Sg. m.)
śinipuṃgava
oh Stier der Śinis (Vok. Sg., Sātyaki)
hṛdi
im Herzen (Lok. Sg. n.)
nityam
beständig (Adv.)
tu
aber (Partikel)
karṇasya
Karṇas (Gen. Sg. m.)
vadhaḥ
die Tötung (Nom. Sg. m.)
gāṇḍīvadhanvanaḥ
des Gāṇḍīva-Bogenträgers (Gen. Sg. m., Kompositum, Arjuna)
aham eva tu rādheyaṃ mohayāmi yudhāṃ vara yato nāvasṛjac chaktiṃ pāṇḍave śvetavāhane
Ich selbst aber bin es, der den Sohn der Rādhā verwirrt, oh Bester der Kämpfer - deshalb hat er die Śakti nicht auf den weißrossigen Pāṇḍava losgelassen.
Wort für Wort
aham
ich (Nom. Sg.)
eva
eben (Partikel)
tu
aber (Partikel)
rādheyam
den Sohn der Rādhā (Akk. Sg. m., Karṇa)
mohayāmi
ich verwirre (1. Sg. Präs. Kaus. muh)
yudhām
der Kämpfer (Gen. Pl. m.)
vara
oh Bester (Vok. Sg.)
yataḥ
deswegen (Adv.)
na avasṛjat
hat nicht losgelassen (3. Sg. Impf. ava-sṛj, mit na)
Doch da ich sie gegen Ghaṭotkaca um ihre Wirkung gebracht sah, oh Stier der Śinis, sehe ich Dhanaṃjaya nun aus dem Innersten des Rachens des Todes befreit.
Wort für Wort
ghaṭotkace
gegen Ghaṭotkaca (Lok. Sg. m.)
vyaṃsitām
um ihre Wirkung gebracht (Akk. Sg. f., Part. Perf. Pass.)
tu
aber (Partikel)
dṛṣṭvā
gesehen habend (Absolutiv dṛś)
tām
jene (Akk. Sg. f.)
śinipuṃgava
oh Stier der Śinis (Vok. Sg.)
mṛtyoḥ
des Todes (Gen. Sg. m.)
āsyāntarāt
aus dem Innern des Rachens (Abl. Sg. n., Kompositum)
Selbst wenn es etwas anderes gäbe, noch schwerer zu erlangen als die Herrschaft über die drei Welten - ich würde es nicht wünschen, oh Sātvata, ohne Pārtha Dhanaṃjaya.
Wort für Wort
trailokyarājyāt
über die Herrschaft der drei Welten hinaus (Abl. Sg. n., Kompositum)