Kapitel 41: Jayadrathavaraprāpti
Der zehnte Tag: Jayadrathas Boon — wie der König von Sindhu die Pāṇḍavas allein aufhält
Dhṛtarāṣṭra erkundigt sich besorgt, wer dem allein in die Kaurava-Reihen vorgedrungenen Abhimanyu gefolgt sei; Saṃjaya berichtet, dass eine ganze Schar Pāṇḍava-Helden nachdrängte, jedoch von Jayadratha, dem Königssohn von Sindhu, allein aufgehalten wird. Auf Dhṛtarāṣṭras erstaunte Nachfrage hin erzählt Saṃjaya die Vorgeschichte: Nach seiner Niederlage gegen Bhīmasena während des Draupadī-Raubes hatte Jayadratha aus verletztem Stolz strenge Askese geübt und von Śiva den Segen erhalten, im Kampf allen Söhnen des Pāṇḍu außer Arjuna standzuhalten.
Dhṛtarāṣṭra sprach: Ist wohl irgendein Wagenkämpfer aus Yudhiṣṭhiras Heer jenem Knaben gefolgt — dem überaus glücklichen, von unbezwingbarer Kraft und Stolz erfüllten, im Kampf erfahrenen Helden, dem edlen Sohn, der sein Leben aufs Spiel setzt —, als er mit seinen guten, dreijährigen [Rossen bespannten Wagen] in die feindlichen Reihen eindrang?
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
bālam atyantasukhinam
den Knaben, den überaus glücklichen (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
avāryabaladarpitam
von unbezwingbarer Kraft und Stolz erfüllten (Akk.Sg.Kompositum)
yuddheṣu kuśalaṃ vīraṃ
im Kampf erfahrenen Helden (Lok.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
kulaputraṃ tanutyajam
den edlen Sohn, der sein Leben aufs Spiel setzt (Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
gāhamānam anīkāni
der in die Heeresreihen eindringt (Akk.Sg.Ptz. + Akk.Pl.)
sadaśvais taṃ trihāyanaiḥ
mit ihm, den guten, dreijährigen [Rossen] (Instr.Pl. + Akk.Sg. + Instr.Pl.)
api yaudhiṣṭhirāt sainyāt
ist wohl aus Yudhiṣṭhiras Heer (Partikel + Abl.Sg. + Abl.Sg.)
[Anm.: V.1-2 bilden eine Einheit. Dhṛtarāṣṭras Rede an Saṃjaya innerhalb der Rahmenerzählung erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung. Gemeint ist Abhimanyu, dessen Alleingang in den Kapiteln 34-40 geschildert wurde.]
saṃjaya uvāca yudhiṣṭhiro bhīmasenaḥ śikhaṇḍī sātyakir yamau dhṛṣṭadyumno virāṭaś ca drupadaś ca sakekayaḥ dhṛṣṭaketuś ca saṃrabdho matsyāś cānvapatan raṇe tenaiva tu pathā yātāḥ pitaro mātulaiḥ saha
Saṃjaya sprach: Yudhiṣṭhira, Bhīmasena, Śikhaṇḍin, Sātyaki, die Zwillinge, Dhṛṣṭadyumna, Virāṭa und Drupada mit den Kekayas, sowie der ergrimmte Dhṛṣṭaketu und die Matsyas eilten ihm im Kampf nach — auf ebendemselben Weg waren [zuvor schon] die Väter mitsamt den Oheimen [mütterlicherseits] gezogen.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
yudhiṣṭhiro bhīmasenaḥ
Yudhiṣṭhira, Bhīmasena (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
śikhaṇḍī sātyakir yamau
Śikhaṇḍin, Sātyaki, die Zwillinge (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Du.)
dhṛṣṭadyumno virāṭaś ca
Dhṛṣṭadyumna und Virāṭa (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
drupadaś ca sakekayaḥ
und Drupada mit den Kekayas (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Kompositum)
dhṛṣṭaketuś ca saṃrabdho
und der ergrimmte Dhṛṣṭaketu (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
matsyāś cānvapatan raṇe
und die Matsyas eilten nach im Kampf (Nom.Pl. + Konj. + 3.Pl.Impf. + Lok.Sg.)
tenaiva tu pathā yātāḥ
auf ebendiesem Weg waren gezogen (Instr.Sg. + Partikel + Instr.Sg. + Nom.Pl.Ptz.)
pitaro mātulaiḥ saha
die Väter mitsamt den Oheimen (Nom.Pl. + Instr.Pl. + Postp.)
[Anm.: V.3 (mit Einschub *0298_01) bildet eine Einheit. Die Zwillinge sind Nakula und Sahadeva. Der Einschub „tenaiva tu pathā yātāḥ pitaro mātulaiḥ saha“ ist syntaktisch isoliert und sein genauer Bezug unklar [?] — wahrscheinlich eine ergänzende Bemerkung, dass auch die ältere Generation (etwa Virāṭa und Drupada als Schwiegerväter, die Kekaya-Fürsten als Oheime mütterlicherseits) denselben Weg ins Getümmel nahm.]
In geordneten Reihen, kampfbereit, stürmten sie heran, ihn [Abhimanyu] zu retten begehrend; als deine [Krieger] jene heranstürmenden Helden erblickten, wandten sie sich ab.
Wort für Wort
abhyadravan parīpsanto
sie stürmten heran, begehrend zu retten (3.Pl.Impf. + Nom.Pl.Ptz.Desid.)
vyūḍhānīkāḥ prahāriṇaḥ
in geordneten Reihen, kampfbereit (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
Als er dann das große Heer deines Sohnes so abgewandt sah, stürmte dein Schwiegersohn, der Glanzvolle, heran, um es zu stützen — der Königssohn Jayadratha, Sohn des Saindhava [Vṛddhakṣatra], o Großkönig; er hielt die nach [Rache für] ihren Sohn gierenden Pārthas samt ihrem Heer auf.
Wort für Wort
tatas tad vimukhaṃ dṛṣṭvā
als er dann das abgewandte [Heer] erblickte (Adv. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
tava sūnor mahad balam
das große Heer deines Sohnes (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
jāmātā tava tejasvī
dein Schwiegersohn, der Glanzvolle (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
viṣṭambhayiṣur ādravat
um es zu stützen, stürmte er heran (Nom.Sg.Ptz.Desid. + 3.Sg.Impf.)
saindhavasya mahārāja
des Saindhava, o Großkönig (Gen.Sg. + Vok.Sg.)
putro rājā jayadrathaḥ
der Königssohn Jayadratha (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
sa putragṛddhinaḥ pārthān
er die nach [Rache für] ihren Sohn gierenden Pārthas (Nom.Sg. + Akk.Pl.Kompositum + Akk.Pl.)
sahasainyān avārayat
samt ihrem Heer hielt er auf (Akk.Pl.Kompositum + 3.Sg.Impf.)
[Anm.: V.5-6 bilden eine Einheit. Jayadratha, König von Sindhu, ist mit Duḥśalā, Dhṛtarāṣṭras Tochter, verheiratet — daher „dein Schwiegersohn“. „Saindhava“ bezieht sich hier auf seinen Vater Vṛddhakṣatra, den König von Sindhu.]
Der Sohn des Vṛddhakṣatra, ein grimmiger Bogenschütze, ein großer Bogenschütze, hielt sie zurück, indem er eine göttliche Waffe entsandte, wie [man] Elefanten von einem Abhang [zurückhält].
Wort für Wort
ugradhanvā maheṣvāso
der grimmige Bogenschütze, der große Bogenschütze (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Kompositum)
divyam astram udīrayan
eine göttliche Waffe entsendend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
vārdhakṣatrir upāsedhat
der Sohn des Vṛddhakṣatra hielt zurück (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
pravaṇād iva kuñjarān
wie Elefanten von einem Abhang (Abl.Sg. + Partikel + Akk.Pl.)
Dhṛtarāṣṭra sprach: Eine überaus schwere Bürde, o Saṃjaya, wurde, wie ich meine, auf den Saindhava [Jayadratha] gelegt, dass er allein die erzürnten, nach [Rache für] ihren Sohn gierenden Pāṇḍavas aufhielt. Überaus erstaunlich, so meine ich, ist die Kraft und Tapferkeit des Saindhava — sage mir davon, seine Heldenkraft und die vorzüglichste Tat des Hochgesinnten! Was wurde gespendet, geopfert, erwünscht, oder was für strenge Buße, welche Selbstbeherrschung oder welche Keuschheit von ihm [geübt], o Wagenlenker, du Vorzüglichster — welchen Gott hat er sich zugewandt und verehrt, Viṣṇu, den Herrscher, den Feuergeborenen —, wodurch der König von Sindhu allein die erzürnten Pārthas aufhielt? Nicht einmal Bhīṣma, so habe ich vernommen, vollbrachte solch große Tat — und doch hielt der Sohn des Sindhu-Königs allein die Pārthas auf.
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
atibhāram ahaṃ manye
eine überaus schwere Bürde, wie ich meine (Akk.Sg.Kompositum + Nom.Sg. + 1.Sg.Präs.)
saindhave saṃjayāhitam
auf den Saindhava gelegt, o Saṃjaya (Lok.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
yad ekaḥ pāṇḍavān kruddhān
dass er allein die erzürnten Pāṇḍavas (Konj. + Nom.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
putragṛddhīn avārayat
die nach [Rache für] ihren Sohn gierenden aufhielt (Akk.Pl.Kompositum + 3.Sg.Impf.)
atyadbhutam idaṃ manye
überaus erstaunlich, so meine ich (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 1.Sg.Präs.)
balaṃ śauryaṃ ca saindhave
die Kraft und Tapferkeit des Saindhava (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj. + Lok.Sg.)
tad asya brūhi me vīryaṃ
sage mir davon seine Heldenkraft (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Imp.2.Sg. + Dat.Sg. + Akk.Sg.)
karma cāgryaṃ mahātmanaḥ
und die vorzüglichste Tat des Hochgesinnten (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
kiṃ dattaṃ hutam iṣṭaṃ vā
was wurde gespendet, geopfert, oder erwünscht (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
sutaptam atha vā tapaḥ
oder aber strenge Buße (Nom.Sg. + Adv. + Konj. + Nom.Sg.)
damo vā brahmacaryaṃ vā
Selbstbeherrschung oder Keuschheit (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Konj.)
sūta yac cāsya sattama
o Wagenlenker, was von ihm, du Vorzüglichster (Vok.Sg. + Konj. + Konj. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
Viṣṇu, den Herrscher, den Feuergeborenen (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
sindhurājena yenaikaḥ
wodurch der König von Sindhu allein (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.)
kruddhān pārthān avārayat
die erzürnten Pārthas aufhielt (Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.)
naivaṃ kṛtaṃ mahatkarma
nicht solch große Tat vollbracht (Neg. + Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
bhīṣmeṇājñāsiṣaṃ tathā
durch Bhīṣma, so habe ich vernommen (Instr.Sg. + 1.Sg.Aor. + Adv.)
sindhurāṭtanayas tv eko
der Sohn des Sindhu-Königs aber allein (Nom.Sg.Kompositum + Partikel + Nom.Sg.)
yathā pārthān avārayat
wie er die Pārthas aufhielt (Adv. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.)
[Anm.: V.8-10 (mit Einschub *0299_01-02 und *0300_01-02) bilden eine Einheit — Dhṛtarāṣṭras zweite, ausführliche Frage, ebenfalls ohne Anführungszeichen-Markierung. „Viṣṇum īśānam agnijam“ ist hier auffällig, da es eher Śiva-Epitheta erwarten ließe; möglicherweise sind Viṣṇu und Śiva hier in einer den Text durchziehenden henotheistischen Gleichsetzung gemeint, oder es liegt eine Textunsicherheit vor [?].]
saṃjaya uvāca draupadīharaṇe yat tad bhīmasenena nirjitaḥ mānāt sa taptavān rājā varārthī sumahat tapaḥ
Saṃjaya sprach: Weil er beim Raub der Draupadī von Bhīmasena besiegt worden war, übte jener König, aus verletztem Stolz, einen Segen begehrend, überaus strenge Askese.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
draupadīharaṇe yat tad
weil, beim Raub der Draupadī (Lok.Sg.Kompositum + Konj. + Akk.Sg.)
bhīmasenena nirjitaḥ
von Bhīmasena besiegt (Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
mānāt sa taptavān rājā
aus Stolz übte jener König (Abl.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz.Perf. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.11 bildet eine Einheit. Bezug auf die Episode im Vanaparva, in der Jayadratha Draupadī zu entführen versucht und von Bhīma gedemütigt, aber auf Yudhiṣṭhiras Bitte hin verschont wird.]
Er, der seine Sinne von den lieben Sinnesobjekten zurückgezogen hatte, Hunger, Durst und Hitze ertragend, abgemagert, von Adern durchzogen, verehrte den Gott Śarva, das ewige Brahman rezitierend.
Wort für Wort
indriyāṇīndriyārthebhyaḥ
die Sinne von den Sinnesobjekten (Akk.Pl. + Abl.Pl.Kompositum)
priyebhyaḥ saṃnivartya saḥ
den lieben, zurückgezogen habend, er (Abl.Pl. + Ger. + Nom.Sg.)
kṣutpipāsātapasahaḥ
Hunger, Durst und Hitze ertragend (Nom.Sg.Kompositum)
kṛśo dhamanisaṃtataḥ
abgemagert, von Adern durchzogen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
devam ārādhayac charvaṃ
den Gott Śarva verehrte er (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
gṛṇan brahma sanātanam
rezitierend das ewige Brahman (Nom.Sg.Ptz. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.12 bildet eine Einheit. Śarva ist ein Beiname Śivas.]
„Wähle einen Segen — ich bin zufrieden, Jayadratha! Was begehrst du?“
Wort für Wort
varaṃ vṛṇīṣva prīto 'smi
wähle einen Segen, ich bin zufrieden (Akk.Sg. + Imp.2.Sg.Med. + Nom.Sg.Ptz. + 1.Sg.Präs.)
jayadratha kim icchasi
Jayadratha, was begehrst du (Vok.Sg. + Interr. + 2.Sg.Präs.)
[Anm.: V.13e bildet eine Einheit — Śivas kurze Rede an Jayadratha, innerhalb von Saṃjayas Erzählung als individuell zugeordnete Rede mit Anführungszeichen markiert.]
„Die Söhne des Pāṇḍu, von furchtbarer Kraft und Kampfeswucht, möge ich allein im Kampf aufhalten, alle zusammen, o Bhārata!“ — Zufrieden mit ihm, durch seine kurze, doch strenge Entsagung befriedigt, gewährte ihm der große Gott da alsbald diesen Segen. Er aber erbat sich dort den Segen: „Die Söhne des Pāṇḍu möge ich im Kampf allein mit meinem Wagen aufhalten.“
Wort für Wort
pāṇḍaveyān ahaṃ saṃkhye
die Söhne des Pāṇḍu, ich im Kampf (Akk.Pl. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
bhīmavīryaparākramān
von furchtbarer Kraft und Kampfeswucht (Akk.Pl.Kompositum)
eko raṇe dhārayeyaṃ
allein möge ich im Kampf aufhalten (Nom.Sg. + Lok.Sg. + 1.Sg.Opt.)
samastān iti bhārata
alle zusammen, so, o Bhārata (Akk.Pl. + Partikel + Vok.Sg.)
tasya cālpena kālena
und mit ihm, durch kurze Zeit (Gen.Sg. + Konj. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
niyamena sutoṣitaḥ
durch Entsagung wohl zufriedengestellt (Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
prīto maheśvaras tasmai
der zufriedene große Gott ihm (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
varaṃ caivaṃ dadau tadā
gewährte den Segen also da (Akk.Sg. + Konj. + Adv. + 3.Sg.Perf. + Adv.)
sa tu vavre varaṃ tatra
er aber erbat sich den Segen dort (Nom.Sg. + Partikel + 3.Sg.Perf.Med. + Akk.Sg. + Adv.)
pāṇḍaveyān ahaṃ raṇe
die Söhne des Pāṇḍu, ich im Kampf (Akk.Pl. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
vārayeyaṃ rathenaikaḥ
möge ich aufhalten, mit dem Wagen, allein (1.Sg.Opt. + Instr.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.15 (mit Einschub *0301_01-04) bildet eine Einheit. Der Sondereinschub wechselt zwischen Jayadrathas wörtlich zitiertem Wunsch (in Ich-Form) und Saṃjayas erzählender Zwischenbemerkung über Śivas Gewährung — beide Formulierungen des Wunsches werden daher separat mit Anführungszeichen markiert.]
„Ich gewähre dir den Segen, du Sanfter — ausgenommen der Pārtha Dhanaṃjaya, den man den im Kampf Unbesiegten nennt, den Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule; ihn, Phalguna, beschützt jener Kṛṣṇa, der Tausendhäuptige [Viṣṇu]. Den vier übrigen Söhnen des Pāṇḍu wirst du im Kampf standhalten.“
Wort für Wort
dadāmi te varaṃ saumya
ich gewähre dir den Segen, du Sanfter (1.Sg.Präs. + Dat.Sg. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
vinā pārthaṃ dhanaṃjayam
ausgenommen den Pārtha Dhanaṃjaya (Präp. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
yam āhur ajitaṃ saṃkhye
den man nennt den im Kampf Unbesiegten (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
śaṅkhacakragadādharam
den Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule (Akk.Sg.Kompositum)
du wirst standhalten im Kampf (2.Sg.Fut. + Lok.Sg.)
caturaḥ pāṇḍunandanān
den vier Söhnen des Pāṇḍu (Akk.Pl. + Akk.Pl.Kompositum)
[Anm.: V.16c-17b (mit Einschub *0302_01-02) bildet eine Einheit — Śivas Gewährung mit der entscheidenden Ausnahme Arjunas, dessen göttlicher Beistand durch Kṛṣṇa-Viṣṇu begründet wird.]
„So sei es!“ — dies zum Herrn der Götter gesagt habend, erwachte der König. Von ihm so angesprochen, gewährte Śarva ihm den Segen, jenen Pārtha ausgenommen — für einen Tag, o Herrscher der Könige —, und entschwand alsdann ebendort.
Wort für Wort
evam astv iti deveśam
so sei es, [sprach er] zum Herrn der Götter (Adv. + 3.Sg.Opt. + Partikel + Akk.Sg.)
uktvābudhyata pārthivaḥ
gesagt habend, erwachte der König (Ger. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
tenoktas tam ṛte pārthaṃ
von ihm angesprochen, jenen Pārtha ausgenommen (Instr.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Akk.Sg. + Präp. + Akk.Sg.)
śarvas tasmai varaṃ dadau
Śarva gewährte ihm den Segen (Nom.Sg. + Dat.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.)
ekāham iti rājendra
für einen Tag, so, o Herrscher der Könige (Akk.Sg. + Partikel + Vok.Sg.Kompositum)
[Anm.: V.17c-d (mit Einschub *0303_01-02) bildet eine Einheit und schließt die Traumvision ab. Jayadrathas kurze Zustimmung wird ebenfalls mit Anführungszeichen markiert. Die Einschränkung „für einen Tag“ (ekāham) erklärt, warum Jayadratha den Pāṇḍavas nur an diesem einen Kampftag standhalten kann.]
Als aber die Kṣatriyas sahen, dass die ganze Last auf den Saindhava gelegt war, stürmten sie mit Kampfgeschrei dorthin, o König, wo Yudhiṣṭhiras Heer stand.
Wort für Wort
dṛṣṭvā tu kṣatriyā bhāraṃ
als aber die Kṣatriyas sahen die Last (Ger. + Partikel + Nom.Pl. + Akk.Sg.)
saindhave sarvam arpitam
auf den Saindhava ganz gelegt (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
utkruśyābhyadravan rājan
mit Kampfgeschrei stürmten sie, o König (Ger. + 3.Pl.Impf. + Vok.Sg.)
yena yaudhiṣṭhiraṃ balam
dorthin, wo Yudhiṣṭhiras Heer (Adv. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.20 bildet eine Einheit und schließt das Kapitel; die Pāṇḍava-Krieger sammeln sich nun geschlossen dort, wo Jayadratha die Front hält — Übergang zum folgenden Kapitel.]