Kapitel 18: Nārāyaṇāstravimoha
Der zehnte Tag: Die Illusion der Nārāyaṇa-Krieger und Arjunas Vāyavya-Waffe
Als die Saṃśaptakas erneut umkehren, spornt Arjuna Kṛṣṇa zu vollem Angriff an. Die erzürnten Nārāyaṇa-Krieger umzingeln und verbergen Arjuna und Kṛṣṇa hinter einem Pfeilhagel; Arjuna setzt daraufhin die Tvāṣṭra-Waffe ein, die tausendfache Scheingestalten seiner selbst erzeugt – die verwirrten Feinde erschlagen sich in der Täuschung gegenseitig, bis Arjuna die Überlebenden mit seinen eigenen Pfeilen vernichtet. Er wendet sich sodann gegen die verbündeten Völker (Lalitthas, Mālavas, Mācellakas, Trigartas, Yaudheyas), die ihn und Kṛṣṇa mit einem derart dichten Pfeilhagel bedecken, dass beide für die Feinde unsichtbar werden und diese ihren vermeintlichen Sieg feiern; ein besorgter Kṛṣṇa ruft nach Arjuna, der daraufhin mit der Vāyavya-Waffe den ganzen Pfeilregen und die feindlichen Truppen wie dürres Laub hinwegfegt. In der folgenden Verwüstung vernichtet Arjuna die Saṃśaptaka-Streitmacht nahezu vollständig, in einer Schilderung von großer Grausamkeit. Das Kapitel endet mit einem Szenenwechsel: Während Arjuna so abgelenkt ist, greift Droṇa mit seinem aufgestellten Heer Yudhiṣṭhira an, der von den ihm zugeteilten Kriegern verteidigt wird.
[Anm.: Zwischen V.4a und V.4c eine Apparatszeile (*0138_01: 'Keśava, den so sprechenden Bībhatsu... zur feindlichen Streitmacht'), nicht übersetzt; für den Hauptsatz nicht erforderlich.]
Von der höchsten Waffe getäuscht, gingen sie einander zur Vernichtung; die Krieger erglänzten im Kampf wie blühende Kiṃśuka-Bäume.
Wort für Wort
mohitāḥ paramāstreṇa
getäuscht von der höchsten Waffe (Nom.Pl.Part. + Instr.Sg.)
kṣayaṃ jagmuḥ parasparam
gingen sie einander zur Vernichtung (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf. + Adv.)
aśobhanta raṇe yodhāḥ
erglänzten im Kampf die Krieger (3.Pl.Impf. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)
puṣpitā iva kiṃśukāḥ
wie blühende Kiṃśuka-Bäume (Nom.Pl. + Part. + Nom.Pl.)
[Anm.: Zwischen V.14b und V.14c eine Apparatszeile (*0140_01: 'ihre Glieder mit Blut bespritzt, einander betrachtend'), sowie zwischen V.14d und V.15a ein sechszeiliger Apparatseinschub (*0141_01-06), der ausführlich schildert, wie die Blutüberströmten wie mit Sandelsaft übergossen im Schlachtfeld erglänzten, wie Bībhatsu darauf lachend den Gāṇḍīva heftig schwang und sie mit scharfen Pfeilen niederstreckte wie die Sonne die Finsternis, und wie die verbliebenen Erschlagenen Dhanañjaya samt Pferden, Banner und Wagen mit Pfeilregen unsichtbar machten. Nicht übersetzt, für den Hauptsatz nicht erforderlich; wegen des Umfangs hier zusammengefasst.]
Da riefen sie einander zu, weil sie glaubten, ihr Ziel erreicht zu haben: 'Die beiden Kṛṣṇas sind erschlagen!' – und erfreut schwenkten sie da ihre Gewänder.
Wort für Wort
tatas te labdhalakṣyatvād
da sie, weil sie glaubten, das Ziel erreicht zu haben (Adv. + Nom.Pl. + Abl.Sg.)
anyonyam abhicukruśuḥ
riefen einander zu (Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.)
hatau kṛṣṇāv iti prītā
die beiden Kṛṣṇas sind erschlagen, erfreut (Nom.Du.Part. + Nom.Du. + Part. + Nom.Pl.)
vāsāṃsy ādudhuvus tadā
schwenkten sie da die Gewänder (Akk.Pl. + 3.Pl.Perf. + Adv.)
[Anm.: V.19 bildet eine Einheit. 'die beiden Kṛṣṇas' meint Arjuna und Vāsudeva-Kṛṣṇa.]
Der Pāṇḍava, der Gefühle kennt, jenen menschlichen Gefühlszustand von ihm erkennend, entfernte mit der Vāyavya-Waffe den von ihnen abgeschossenen Pfeilregen.
Wort für Wort
tasya taṃ mānuṣaṃ bhāvaṃ
jenen menschlichen Zustand von ihm (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
bhāvajño 'jñāya pāṇḍavaḥ
der Pāṇḍava, der Gefühle kennt, erkennend (Nom.Sg. + Ger. + Nom.Sg.)
vāyavyāstreṇa tair astāṃ
mit der Vāyavya-Waffe den von ihnen abgeschossenen (Instr.Sg. + Instr.Pl. + Akk.Sg.Part.)
uhyamānās tu te rājan bahv aśobhanta vāyunā / praḍīnāḥ pakṣiṇaḥ kāle vṛkṣebhya iva māriṣa
Sie aber, vom Wind fortgetragen, o König, boten einen außerordentlichen Anblick, wie Vögel, die zur [falschen] Zeit von den Bäumen fortgeweht werden, o Verehrter.
Wort für Wort
uhyamānās tu te rājan
sie aber, fortgetragen, o König (Nom.Pl.Part. + Konj. + Nom.Pl. + Vok.Sg.)
bahv aśobhanta vāyunā
boten einen außerordentlichen Anblick, vom Wind (Adv. + 3.Pl.Impf. + Instr.Sg.)
praḍīnāḥ pakṣiṇaḥ kāle
wie fortgewehte Vögel zur Zeit (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Lok.Sg.)
vṛkṣebhya iva māriṣa
von den Bäumen, o Verehrter (Abl.Pl. + Part. + Vok.Sg.)
Die Wagen, Gandharva-Städten gleich an Gestalt, kunstvoll gefertigt, mit Pfeilen zerschmetternd, machte er [das feindliche Heer] ohne Pferde, Wagen und Elefanten.
Die Pferde, mit Jakschweif-Wedeln, Stirnschmuck und Panzer, mit entglittenen Eingeweiden, Augen und Lebenshauch, fielen samt ihren Reitern, vom Pfeil des Pārtha getroffen, zu Boden.
Wort für Wort
cāmarāpīḍakavacāḥ
mit Jakschweif-Wedeln, Stirnschmuck und Panzer (Nom.Pl.)
srastāntranayanāsavaḥ
mit entglittenen Eingeweiden, Augen und Lebenshauch (Nom.Pl.)
sārohās turagāḥ petuḥ
samt Reitern fielen die Pferde (Nom.Pl. + Nom.Pl. + 3.Pl.Perf.)
pārthabāṇahatāḥ kṣitau
vom Pfeil des Pārtha getroffen, zu Boden (Nom.Pl. + Lok.Sg.)
Die Fußsoldaten, mit fortgeschleuderten Schwertern und Dolchen, mit zerschnittenem Panzer, Lanzen und Speeren, mit zerschnittenem Panzer, lagen erschlagen, ein erbärmlicher Anblick.
Wort für Wort
vipraviddhāsinakharāś
mit fortgeschleuderten Schwertern und Dolchen (Nom.Pl.)
chinnavarmarṣṭiśaktayaḥ
mit zerschnittenem Panzer, Lanzen und Speeren (Nom.Pl.)
pattayaś chinnavarmāṇaḥ
die Fußsoldaten, mit zerschnittenem Panzer (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
te vadhyamānāḥ pārthena vyākulāśvarathadvipāḥ / tam evābhimukhāḥ kṣīṇāḥ śakrasyātithitāṃ gatāḥ
Sie, vom Pārtha erschlagen werdend, mit in Verwirrung geratenen Pferden, Wagen und Elefanten, ihm zugewandt, erschöpft, gingen zur Gastfreundschaft Śakras ein.
Wort für Wort
te vadhyamānāḥ pārthena
sie, erschlagen werdend vom Pārtha (Nom.Pl. + Nom.Pl.Part. + Instr.Sg.)
vyākulāśvarathadvipāḥ
mit in Verwirrung geratenen Pferden, Wagen und Elefanten (Nom.Pl.)
tam evābhimukhāḥ kṣīṇāḥ
ihm zugewandt, erschöpft (Akk.Sg. + Part. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
śakrasyātithitāṃ gatāḥ
gingen zur Gastfreundschaft Śakras ein (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Part.)
[Anm.: V.36 bildet eine Einheit. 'zur Gastfreundschaft Śakras eingehen' ist eine feststehende Umschreibung für den Heldentod in der Schlacht, der in Indras Himmel führt.]
Jener ganze Boden, o Bester der Bharatas, mit jenen erschlagenen großen Wagenkämpfern, die zu Verstorbenen geworden waren, allseits bestreut, bot [solch] einen Anblick.
Wort für Wort
sā bhūmir bharataśreṣṭha
jener Boden, o Bester der Bharatas (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
nihatais tair mahārathaiḥ
mit jenen erschlagenen großen Wagenkämpfern (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
āstīrṇā saṃbabhau sarvā
ganz bestreut, bot einen Anblick (Nom.Sg.Part. + 3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
pretībhūtaiḥ samantataḥ
die zu Verstorbenen geworden waren, allseits (Instr.Pl. + Adv.)