Kapitel 61
Dhṛtarāṣṭras Klage und die Erinnerung an Kṛṣṇas Friedensmission
Das gesamte Kapitel besteht, abgesehen von der einleitenden Sprecherangabe, aus einer einzigen langen Rede Dhṛtarāṣṭras an Saṃjaya (CQ-Region 1, das ganze Kapitel durchziehend). Dhṛtarāṣṭra fragt bang nach dem Verlauf der Schlacht seit Abhimanyus Tod und beschreibt in eindringlicher, listenartiger Klage die unheimliche Stille, die seither in den Lagern seiner Söhne und Krieger herrscht — anstelle der gewohnten Musik, Lobgesänge und Festklänge. Er erinnert sich an Kṛṣṇas Friedensmission von Upaplavya und zitiert dabei seine eigenen damaligen mahnenden Worte an Duryodhana (SQ-Region 1, eingebettet in die CQ-Region 1), dessen Ablehnung des Friedens auf Anraten Karṇas, Duḥśāsanas und Śakunis, sowie daran, dass keiner der Ältesten das Würfelspiel gewollt hatte. Er zählt die gefürchteten Pāṇḍava-Krieger auf, sinniert über Duryodhanas Uneinsichtigkeit und bittet Saṃjaya schließlich, ausführlich zu berichten, was nach Abhimanyus Tod geschah.
śvobhūte kim akārṣus te duḥkhaśokasamanvitāḥ abhimanyau hate tatra ke vāyudhyanta māmakāḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Was taten sie bei Tagesanbruch, von Kummer und Leid erfüllt? Als dort Abhimanyu erschlagen war, welche meiner Männer kämpften da noch weiter?
Wort für Wort
śvobhūte kim akārṣus te
was taten sie bei Tagesanbruch (Lok.Sg. + Nom.Sg. + Perf. + Nom.Pl.)
duḥkhaśokasamanvitāḥ
von Kummer und Leid erfüllt (Nom.Pl.Kompositum)
abhimanyau hate tatra
als dort Abhimanyu erschlagen war (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Adv.)
ke vāyudhyanta māmakāḥ
welche meiner Männer kämpften da (Nom.Pl. + Impf.Med. + Nom.Pl.)
[Anm.: Beginn der CQ-Region 1 — Dhṛtarāṣṭras lange Rede an Saṃjaya, die fast das gesamte Kapitel durchzieht.]
Die Kurus, die Savyasācins [Arjunas] Taten kennen — wie konnten meine Männer, nachdem sie jenes Verbrechen [Abhimanyus unfairen Tod] begangen hatten, furchtlos sein? Sag es mir.
babhūvur ye manogrāhyāḥ śabdāḥ śrutisukhāvahāḥ na śrūyante 'dya te sarve saindhavasya niveśane bhūyāñ śabdān atīvānyāñ śabdaḥ saindhavaveśmani paurāṇikānāṃ tūryāṇāṃ śaṅkhadundubhighoṣavān
Die Klänge, die den Geist zu fesseln pflegten, dem Ohr wohltuend — sie alle werden heute nicht mehr gehört im Wohnsitz des Saindhava [Jayadratha] — [jenem Wohnsitz], wo ein Klang, lauter als andere Klänge, herrschte, [der Klang] althergebrachter Instrumente, mit dem Widerhall von Muschelhörnern und Pauken.
Wort für Wort
babhūvur ye manogrāhyāḥ
die Klänge, die den Geist zu fesseln pflegten (Perf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
śabdāḥ śrutisukhāvahāḥ
die Klänge, dem Ohr wohltuend (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
na śrūyante 'dya te sarve
werden heute nicht mehr gehört, sie alle (Neg. + Präs.Pass. + Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
saindhavasya niveśane
im Wohnsitz des Saindhava (Gen.Sg. + Lok.Sg.)
bhūyāñ śabdān atīvānyāñ
ein Klang, lauter als andere Klänge (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
śabdaḥ saindhavaveśmani
der Klang im Wohnsitz des Saindhava (Nom.Sg. + Lok.Sg.)
paurāṇikānāṃ tūryāṇāṃ
althergebrachter Instrumente (Gen.Pl. + Gen.Pl.)
śaṅkhadundubhighoṣavān
mit dem Widerhall von Muschelhörnern und Pauken (Nom.Sg.Kompositum)
[Anm.: CQ-Region 1 — Dhṛtarāṣṭra; Beginn der langen Klage über die verstummten Festklänge in den Lagern seiner Söhne und Verbündeten.]
stuvatāṃ nādya śrūyante putrāṇāṃ śibire mama sūtamāgadhasaṃghānāṃ nartakānāṃ ca sarvaśaḥ
[Der Klang] derer, die Lob singen, wird heute nicht mehr im Lager meiner Söhne gehört — der Scharen von Sūtas und Māgadhas, und der Tänzer, ganz und gar nicht.
Wort für Wort
stuvatāṃ nādya śrūyante
wird heute nicht gehört von denen, die Lob singen (PPräs.Gen.Pl. + Neg. + Adv. + Präs.Pass.)
putrāṇāṃ śibire mama
meiner Söhne im Lager (Gen.Pl. + Lok.Sg. + Gen.Sg.)
sūtamāgadhasaṃghānāṃ
der Scharen von Sūtas und Māgadhas (Gen.Pl.Kompositum)
nartakānāṃ ca sarvaśaḥ
und der Tänzer, ganz und gar (Gen.Pl. + Partikel + Adv.)
vitaṇḍālāpasaṃlāpair hutayācitavanditaiḥ gītaiś ca vividhair iṣṭai ramate yo divāniśam
— mit spitzfindigen Streitgesprächen und Unterredungen, mit Opfergaben, Bitten und Lobreden, und mit mancherlei erwünschten Liedern, der sich Tag und Nacht ergötzte —
Wort für Wort
vitaṇḍālāpasaṃlāpair
mit spitzfindigen Streitgesprächen und Unterredungen (Instr.Pl.Kompositum)
hutayācitavanditaiḥ
mit Opfergaben, Bitten und Lobreden (Instr.Pl.Kompositum)
gītaiś ca vividhair iṣṭai
und mit mancherlei erwünschten Liedern (Instr.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
ramate yo divāniśam
der sich Tag und Nacht ergötzte (Präs.Med. + Nom.Sg. + Adv.)
[Anm.: CQ-Region 1 — Dhṛtarāṣṭra, Fortsetzung von Einheit 12.]
Den die Opferpriester, die sieben Fäden ausbreitend, umringen — Somadattas Sohn [Bhūriśravas], den Schatz heiliger Kunde — ihr Klang wird nicht gehört.
Wort für Wort
saptatantūn vitanvānā
die sieben Fäden ausbreitend (Akk.Pl. + Nom.Pl.)
yam upāsanti yājakāḥ
den die Opferpriester umringen (Akk.Sg. + Präs. + Nom.Pl.)
saumadattiṃ śrutanidhiṃ
Somadattas Sohn, den Schatz heiliger Kunde (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
teṣāṃ na śrūyate dhvaniḥ
ihr Klang wird nicht gehört (Gen.Pl. + Neg. + Präs.Pass. + Nom.Sg.)
jyāghoṣo brahmaghoṣaś ca tomarāsirathadhvaniḥ droṇasyāsīd avirato gṛhe tan na śṛṇomy aham
Das Schwirren der Bogensehne und der Widerhall der Veda-Rezitation, und der Klang von Lanzen, Schwertern und Wagen, war unaufhörlich in Droṇas Haus — das höre ich nicht mehr.
Wort für Wort
jyāghoṣo brahmaghoṣaś ca
das Schwirren der Bogensehne und der Widerhall der Veda-Rezitation (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel)
tomarāsirathadhvaniḥ
der Klang von Lanzen, Schwertern und Wagen (Nom.Sg.Kompositum)
droṇasyāsīd avirato gṛhe
war unaufhörlich in Droṇas Haus (Gen.Sg. + Impf. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
tan na śṛṇomy aham
das höre ich nicht mehr (Akk.Sg. + Neg. + Präs. + Nom.Sg.)
kālaprāptam ahaṃ manye mā tvaṃ duryodhanātigāḥ saṃśāmya bhrātṛbhis tais tu kṣatriyān abhipālaya śame ced yācamānaṃ tvaṃ pratyākhyāsyasi keśavam hitārtham abhijalpantaṃ na tathāsty aparājayaḥ
Ich glaube, die rechte Zeit ist gekommen; überschreite sie nicht, Duryodhana. Schließe Frieden mit jenen Brüdern und beschütze die Kṣatriyas. Wenn du Keśava, der um Frieden bittet und zu deinem Vorteil spricht, abweist, dann gibt es so gewiss keine Nicht-Niederlage [dann ist die Niederlage gewiss].‘
Wort für Wort
kālaprāptam ahaṃ manye
ich glaube, die rechte Zeit ist gekommen (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Präs.)
pratyācaṣṭa sa dāśārham ṛṣabhaṃ sarvadhanvinām anuneyāni jalpantam anayān nānvapadyata karṇaduḥśāsanamate saubalasya ca durmateḥ pratyākhyāto mahābāhuḥ kulāntakaraṇena me
— er wies den Dāśārha [Kṛṣṇa] ab, den Stier unter allen Bogenschützen, der versöhnliche Worte sprach; er mied das Unheil nicht. Auf den Rat Karṇas und Duḥśāsanas, und des übelgesinnten Sohnes des Subala [Śakuni], wurde der Starkarmige von meinem, unser Geschlecht vernichtenden [Sohn] zurückgewiesen.
Wort für Wort
pratyācaṣṭa sa dāśārham
er wies den Dāśārha ab (Impf. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
ṛṣabhaṃ sarvadhanvinām
den Stier unter allen Bogenschützen (Akk.Sg. + Gen.Pl.)
anuneyāni jalpantam
der versöhnliche Worte sprach (Akk.Pl. + Akk.Sg.)
anayān nānvapadyata
er mied das Unheil nicht (Akk.Pl. + Neg. + Impf.Med.)
karṇaduḥśāsanamate
auf den Rat Karṇas und Duḥśāsanas (Lok.Sg.Kompositum)
saubalasya ca durmateḥ
und des übelgesinnten Sohnes des Subala (Gen.Sg. + Partikel + Gen.Sg.)
pratyākhyāto mahābāhuḥ
wurde der Starkarmige zurückgewiesen (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
kulāntakaraṇena me
von meinem, unser Geschlecht vernichtenden [Sohn] (Instr.Sg. + Gen.Sg.)
[Anm.: Rückkehr zur CQ-Region 1 (Ebene der Rede an Saṃjaya); reine Erzählung innerhalb dieser Ebene.]
na hy ahaṃ dyūtam icchāmi viduro na praśaṃsati saindhavo necchate dyūtaṃ bhīṣmo na dyūtam icchati **** **** viduro droṇa eva vā bāhlikaḥ somadatto vā bhīṣmo droṇāyanis tadā
Denn ich wünsche das Würfelspiel nicht; Vidura billigt es nicht; der Saindhava [Jayadratha] wünscht das Würfelspiel nicht; Bhīṣma wünscht das Würfelspiel nicht — [Lücke im überlieferten Text] — weder Vidura noch eben Droṇa, weder Bāhlika noch Somadatta, weder Bhīṣma noch Droṇas Sohn damals —
Wort für Wort
na hy ahaṃ dyūtam icchāmi
denn ich wünsche das Würfelspiel nicht (Neg. + Partikel + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Präs.)
viduro na praśaṃsati
Vidura billigt es nicht (Nom.Sg. + Neg. + Präs.)
saindhavo necchate dyūtaṃ
der Saindhava wünscht das Würfelspiel nicht (Nom.Sg. + Neg. + Präs.Med. + Akk.Sg.)
bhīṣmo na dyūtam icchati
Bhīṣma wünscht das Würfelspiel nicht (Nom.Sg. + Neg. + Akk.Sg. + Präs.)
**** **** viduro droṇa eva vā
[Lücke im Text] — weder Vidura noch eben Droṇa (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Partikel)
bāhlikaḥ somadatto vā
weder Bāhlika noch Somadatta (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel)
bhīṣmo droṇāyanis tadā
weder Bhīṣma noch Droṇas Sohn damals (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
[Anm.: CQ-Region 1 — Dhṛtarāṣṭra; die Textstelle 026c*0449_01 weist im kritischen Apparat eine Lücke auf (markiert mit **** ****), die hier unübersetzt beibehalten wird.]
śalyo bhūriśravāś caiva purumitro jayas tathā aśvatthāmā kṛpo droṇo dyūtaṃ necchanti saṃjaya jayaḥ kṛpo vā dharmātmā ye cānye mama bāndhavāḥ
— Śalya, und Bhūriśravas, und Purumitra, und ebenso Jaya, Aśvatthāman, Kṛpa, Droṇa — sie wünschen das Würfelspiel nicht, Saṃjaya; weder Jaya noch der rechtschaffene Kṛpa, noch wer sonst meiner Verwandten.
Wort für Wort
śalyo bhūriśravāś caiva
Śalya und Bhūriśravas (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Partikel)
purumitro jayas tathā
Purumitra und ebenso Jaya (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
eteṣāṃ matam ājñāya yadi varteta putrakaḥ sajñātimitraḥ sasuhṛc ciraṃ jīved anāmayaḥ etebhyaś ca madūrdhvaṃ ca abhokṣyad vasudhām imām
Hätte mein Sohn den Rat von diesen erkannt und danach gehandelt, so würde er, samt Verwandten und Freunden, lange leben, frei von Leiden, und nach diesen und nach mir würde er diese Erde genießen.
Wort für Wort
eteṣāṃ matam ājñāya
den Rat von diesen erkennend (Gen.Pl. + Akk.Sg. + Gerundium)
yadi varteta putrakaḥ
wenn mein Sohn danach handelte (Konj. + Opt. + Nom.Sg.)
sajñātimitraḥ sasuhṛc ciraṃ
samt Verwandten und Freunden, lange (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
jīved anāmayaḥ
würde er leben, frei von Leiden (Opt. + Nom.Sg.)
etebhyaś ca madūrdhvaṃ ca
und nach diesen und nach mir (Abl.Pl. + Partikel + Adv. + Partikel)
abhokṣyad vasudhām imām
würde er diese Erde genießen (Opt. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
arhanty ardhaṃ pṛthivyās te bhoktuṃ sāmarthyasādhanāḥ teṣām api samudrāntā pitṛpaitāmahī mahī na ca tvābhibhaviṣyanti hitvā dharmaṃ pṛthātmajāḥ
Sie verdienen es, die Hälfte der Erde zu genießen, ausgestattet mit Tüchtigkeit; auch ihnen [gehört] die vom Ozean umgrenzte, von Vater und Großvater ererbte Erde; und Pṛthās Söhne werden dich nicht überwältigen, indem sie das Dharma verlassen.
Wort für Wort
arhanty ardhaṃ pṛthivyās
sie verdienen die Hälfte der Erde (Präs. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)
te bhoktuṃ sāmarthyasādhanāḥ
sie zu genießen, ausgestattet mit Tüchtigkeit (Nom.Pl. + Inf. + Nom.Pl.)
teṣām api samudrāntā
auch ihnen die vom Ozean umgrenzte (Gen.Pl. + Partikel + Nom.Sg.)
pitṛpaitāmahī mahī
die von Vater und Großvater ererbte Erde (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
na ca tvābhibhaviṣyanti
und sie werden dich nicht überwältigen (Neg. + Partikel + Akk.Sg. + Fut.)
hitvā dharmaṃ pṛthātmajāḥ
das Dharma verlassend, Pṛthās Söhne (Gerundium + Akk.Sg. + Nom.Pl.)
dhṛṣṭadyumnaś ca durdharṣaḥ śikhaṇḍī cāparājitaḥ aśmakāḥ kekayāś caiva kṣatradharmā ca saumakiḥ
und der unangreifbare Dhṛṣṭadyumna, und der unbesiegte Śikhaṇḍin, die Aśmakas und die Kekayas, und Kṣatradharman, und der Sohn des Somaka [Dhṛṣṭadyumna] —
Wort für Wort
dhṛṣṭadyumnaś ca durdharṣaḥ
und der unangreifbare Dhṛṣṭadyumna (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
śikhaṇḍī cāparājitaḥ
und der unbesiegte Śikhaṇḍin (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
aśmakāḥ kekayāś caiva
die Aśmakas und die Kekayas (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Partikel + Partikel)
kṣatradharmā ca saumakiḥ
und Kṣatradharman und der Sohn des Somaka (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
[Anm.: Fortsetzung der Aufzählung der Pāṇḍava-Krieger.]
caidyaś ca cekitānaś ca putraḥ kāśyasya cābhibhuḥ draupadeyā virāṭaś ca drupadaś ca mahārathaḥ yamau ca puruṣavyāghrau mantrī ca madhusūdanaḥ
und der Cedi-Fürst, und Cekitāna, und der mächtige Sohn des Kāśya, die Söhne Draupadīs, und Virāṭa, und Drupada, der große Wagenkämpfer, und die beiden tigergleichen Zwillinge, und Madhusūdana [Kṛṣṇa] als Ratgeber —
Wort für Wort
caidyaś ca cekitānaś ca
und der Cedi-Fürst und Cekitāna (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Partikel)
putraḥ kāśyasya cābhibhuḥ
und der mächtige Sohn des Kāśya (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
draupadeyā virāṭaś ca
die Söhne Draupadīs und Virāṭa (Nom.Pl. + Nom.Sg. + Partikel)
drupadaś ca mahārathaḥ
und Drupada, der große Wagenkämpfer (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
yamau ca puruṣavyāghrau
und die beiden tigergleichen Zwillinge (Nom.Du. + Partikel + Nom.Du.)
mantrī ca madhusūdanaḥ
und Madhusūdana als Ratgeber (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
[Anm.: Abschluss der Aufzählung der Pāṇḍava-Krieger.]
ka etāñ jātu yudhyeta loke 'smin vai jijīviṣuḥ divyam astraṃ vikurvāṇān saṃhareyur ariṃdamāḥ
Wer wollte je gegen diese kämpfen, in dieser Welt am Leben bleiben wollend? Die Bezwinger der Feinde würden [jeden, der es wagte], göttliche Waffen einsetzend, vernichten.
Wort für Wort
ka etāñ jātu yudhyeta
wer wollte je gegen diese kämpfen (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Adv. + Opt.)
loke 'smin vai jijīviṣuḥ
in dieser Welt am Leben bleiben wollend (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
Für die, bei denen Viṣvaksena [Kṛṣṇa], die Zügel in der Hand, auf dem Wagen steht, und der gerüstete Arjuna der Kämpfer ist — für die gibt es keine Niederlage.
Wort für Wort
yeṣām abhīśuhastaḥ syād
für die, die Zügel in der Hand, wäre (Gen.Pl. + Nom.Sg. + Opt.)
viṣvakseno rathe sthitaḥ
Viṣvaksena, auf dem Wagen stehend (Nom.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
saṃnaddhaś cārjuno yoddhā
und der gerüstete Arjuna der Kämpfer (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
teṣāṃ nāsti parājayaḥ
für die gibt es keine Niederlage (Gen.Pl. + Neg. + Präs. + Nom.Sg.)
teṣāṃ mama vilāpānāṃ na hi duryodhanaḥ smaret hatau hi puruṣavyāghrau bhīṣmadroṇau tvam āttha me
An jene meine Klagen erinnert sich Duryodhana gewiss nicht; denn die beiden Tiger unter den Männern, Bhīṣma und Droṇa, sind erschlagen, wie du mir gesagt hast.
Wort für Wort
teṣāṃ mama vilāpānāṃ
an jene meine Klagen (Gen.Pl. + Gen.Sg. + Gen.Pl.)
na hi duryodhanaḥ smaret
erinnert sich Duryodhana gewiss nicht (Neg. + Partikel + Nom.Sg. + Opt.)
hatau hi puruṣavyāghrau
denn die beiden Tiger unter den Männern sind erschlagen (Nom.Du. + Partikel + Nom.Du.)
bhīṣmadroṇau tvam āttha me
Bhīṣma und Droṇa, wie du mir gesagt hast (Nom.Du. + Nom.Sg. + Perf. + Gen.Sg.)
teṣāṃ viduravākyānām uktānāṃ dīrghadarśinām dṛṣṭvemāṃ phalanirvṛttiṃ manye śocanti putrakāḥ senāṃ dṛṣṭvābhibhūtāṃ me śaineyenārjunena ca śūnyān dṛṣṭvā rathopasthān manye śocanti putrakāḥ
Jener Worte Viduras, gesprochen von dem Weitblickenden, Frucht und Erfüllung nun sehend, glaube ich, trauern meine Söhne; mein Heer von dem Śaineya [Sātyaki] und von Arjuna überwältigt gesehen, die Wagensitze leer gesehen, glaube ich, trauern meine Söhne.
Wort für Wort
teṣāṃ viduravākyānām
jener Worte Viduras (Gen.Pl. + Gen.Pl.)
uktānāṃ dīrghadarśinām
gesprochen von dem Weitblickenden (Gen.Pl. + Gen.Sg.)
dṛṣṭvemāṃ phalanirvṛttiṃ
Frucht und Erfüllung nun sehend (Gerundium + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
ācakṣva tad dhi naḥ sarvaṃ kuśalo hy asi saṃjaya yad upāyāt tu sāyāhne kṛtvā pārthasya kilbiṣam abhimanyau hate tāta katham āsīn mano hi vaḥ
Erzähle uns dies alles, denn du bist geschickt, Saṃjaya — was geschah, als am Abend, nachdem das Verbrechen an Pārtha [Arjuna] begangen worden war, als Abhimanyu erschlagen war, mein Lieber — wie war da euer Sinn?
Wort für Wort
ācakṣva tad dhi naḥ sarvaṃ
erzähle uns das alles (Imp. + Akk.Sg. + Partikel + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
kuśalo hy asi saṃjaya
denn du bist geschickt, Saṃjaya (Nom.Sg. + Partikel + Präs. + Vok.Sg.)
yad upāyāt tu sāyāhne
was geschah aber am Abend (Nom.Sg. + Impf. + Partikel + Lok.Sg.)
kṛtvā pārthasya kilbiṣam
nachdem das Verbrechen an Pārtha begangen worden war (Gerundium + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
abhimanyau hate tāta
als Abhimanyu erschlagen war, mein Lieber (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Vok.Sg.)
katham āsīn mano hi vaḥ
wie war da euer Sinn (Adv. + Impf. + Nom.Sg. + Partikel + Gen.Pl.)
[Anm.: CQ-Region 1 — Dhṛtarāṣṭra; Übergang zur eigentlichen Frage nach den Ereignissen nach Abhimanyus Tod.]
Niemals werden meine Männer, nachdem sie ein großes Unrecht begangen haben, mein Lieber, die Taten im Kampf des Gāṇḍīva-Bogenträgers [Arjuna] ertragen können.
Wort für Wort
na jātu tasya karmāṇi
niemals seine Taten (Neg. + Adv. + Gen.Sg. + Akk.Pl.)
yudhi gāṇḍīvadhanvanaḥ
im Kampf des Gāṇḍīva-Bogenträgers (Lok.Sg. + Gen.Sg.)
kiṃ nu duryodhanaḥ kṛtyaṃ karṇaḥ kṛtyaṃ kim abravīt duḥśāsanaḥ saubalaś ca teṣām evaṃ gate api sarveṣāṃ samavetānāṃ putrāṇāṃ mama saṃjaya
Was tat Duryodhana? Was sagte Karṇa, es sei zu tun? [Was] Duḥśāsana und der Sohn des Subala, als es mit ihnen so weit gekommen war, von allen meinen versammelten Söhnen, Saṃjaya?
Wort für Wort
kiṃ nu duryodhanaḥ kṛtyaṃ
was war zu tun, Duryodhana (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
karṇaḥ kṛtyaṃ kim abravīt
was sagte Karṇa, sei zu tun (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg. + Impf.)
duḥśāsanaḥ saubalaś ca
Duḥśāsana und der Sohn des Subala (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Partikel)
teṣām evaṃ gate api
als es mit ihnen so weit gekommen war (Gen.Pl. + Adv. + Lok.Sg. + Partikel)
yad vṛttaṃ tāta saṃgrāme mandasyāpanayair bhṛśam lobhānugatadurbuddheḥ krodhena vikṛtātmanaḥ
Was, mein Lieber, geschah im Kampf durch die überaus großen Verfehlungen des Törichten, dessen böser Verstand der Gier folgt, dessen Wesen von Zorn verkehrt ist —
Wort für Wort
yad vṛttaṃ tāta saṃgrāme
was geschah, mein Lieber, im Kampf (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg. + Lok.Sg.)
mandasyāpanayair bhṛśam
durch die überaus großen Verfehlungen des Törichten (Gen.Sg. + Instr.Pl. + Adv.)
lobhānugatadurbuddheḥ
dessen böser Verstand der Gier folgt (Gen.Sg.Kompositum)
krodhena vikṛtātmanaḥ
dessen Wesen von Zorn verkehrt ist (Instr.Sg. + Gen.Sg.)
rājyakāmasya mūḍhasya rāgopahatacetasaḥ durnītaṃ vā sunītaṃ vā tan mamācakṣva saṃjaya
— des nach dem Königreich Begierigen, des Törichten, dessen Geist von Leidenschaft niedergeschlagen ist — ob übel geführt oder wohl geführt, das erzähle mir, Saṃjaya.“
Wort für Wort
rājyakāmasya mūḍhasya
des nach dem Königreich Begierigen, des Törichten (Gen.Sg. + Gen.Sg.)
rāgopahatacetasaḥ
dessen Geist von Leidenschaft niedergeschlagen ist (Gen.Sg.Kompositum)
durnītaṃ vā sunītaṃ vā
ob übel geführt oder wohl geführt (Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Partikel)