Jayadratha, der von Arjunas gewaltigem Schwur hört, gerät in Todesangst und will fliehen (CQ-Region 1: seine Klagerede vor der Königsversammlung). Duryodhana beruhigt ihn mit dem Hinweis auf die zahlreichen ihn schützenden Helden (CQ-Region 2). In der Nacht sucht Jayadratha, von Duryodhana begleitet, Droṇa auf und fragt nach dem Unterschied zwischen seiner und Arjunas Kampfkunst (CQ-Region 3, kurz). Droṇa antwortet, Arjuna sei ihm zwar durch Übung und Leidensgewöhnung überlegen, verspricht aber, Jayadratha durch eine undurchdringliche Heeresformation zu schützen, und mahnt ihn zur Pflichterfüllung des Kṣatriya angesichts der Vergänglichkeit alles Irdischen (CQ-Region 4). Das Kapitel endet mit der Beruhigung Jayadrathas und dem Jubel im Kaurava-Heer.
śrutvā tu taṃ mahāśabdaṃ pāṇḍūnāṃ putragṛddhinām cāraiḥ pravedite tatra samutthāya jayadrathaḥ
Saṃjaya sprach: Als er jenen gewaltigen Laut der Pāṇḍavas gehört hatte, die nach dem Sohn [Abhimanyus Tod rächend] gierten — von Spähern dorthin gemeldet —, erhob sich Jayadratha.
Wort für Wort
śrutvā tu taṃ mahāśabdam
als er jenen gewaltigen Laut gehört hatte (Ger. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
pāṇḍūnāṃ putragṛddhinām
der Pāṇḍavas, die nach dem Sohn gierten (Gen.Pl. + Gen.Pl.Kompositum)
cāraiḥ pravedite tatra
von Spähern dorthin gemeldet (Instr.Pl. + Lok.Sg.Ptz. + Adv.)
samutthāya jayadrathaḥ
erhob sich Jayadratha (3.Sg.Perf. + Nom.Sg.)
[Anm.: Reine Erzählung Saṃjayas an Dhṛtarāṣṭra — keine Markierung.]
ging der Saindhava [Jayadratha] zur Versammlung der Könige, viel überlegend; er, in Gegenwart jener gottgleichen Fürsten wehklagend, vor Abhimanyus Vater [Arjuna] erschrocken und beschämt, sprach dieses Wort:
Wort für Wort
jagāma samitiṃ rājñām
ging zur Versammlung der Könige (3.Sg.Perf. + Akk.Sg. + Gen.Pl.)
saindhavo vimṛśan bahu
der Saindhava, viel überlegend (Nom.Sg. + Nom.Sg.Ptz. + Adv.)
sa teṣāṃ naradevānām
er, in Gegenwart jener gottgleichen Fürsten (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Gen.Pl.Kompositum)
sakāśe paridevayan
wehklagend (Lok.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
abhimanyoḥ pitur bhītaḥ
vor Abhimanyus Vater erschrocken (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.Ptz.)
savrīḍo vākyam abravīt
und beschämt sprach er dieses Wort (Nom.Sg.Kompositum + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.)
[Anm.: Hier öffnet CQ-Region 1 — Jayadrathas Klagerede vor der Königsversammlung.]
yo 'sau pāṇḍoḥ kila kṣetre jātaḥ śakreṇa kāminā sa ninīṣati durbuddhir māṃ kilaikaṃ yamakṣayam tat svasti vo 'stu yāsyāmi svagṛhaṃ jīvitepsayā
„Jener, der, wie es heißt, im Feld des Pāṇḍu durch den verliebten Śakra [Indra] gezeugt wurde — der Übelgesinnte will mich, wie es heißt, allein zu Yamas Reich geleiten. So möge es euch wohl ergehen — ich werde, um zu leben, in mein eigenes Haus gehen.
Wort für Wort
yo 'sau pāṇḍoḥ kila kṣetre
jener, der, wie es heißt, im Feld des Pāṇḍu (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Sg. + Partikel + Lok.Sg.)
jātaḥ śakreṇa kāminā
durch den verliebten Śakra gezeugt wurde (Nom.Sg.Ptz. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
sa ninīṣati durbuddhir
der Übelgesinnte will [mich] geleiten (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Desid. + Nom.Sg.)
māṃ kilaikaṃ yamakṣayam
mich, wie es heißt, allein zu Yamas Reich (Akk.Sg. + Partikel+Akk.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
tat svasti vo 'stu
so möge es euch wohl ergehen (Adv. + Nom.Sg. + Dat.Pl. + 3.Sg.Opt.)
yāsyāmi svagṛhaṃ jīvitepsayā
ich werde in mein eigenes Haus gehen, um zu leben (1.Sg.Fut. + Akk.Sg.Kompositum + Instr.Sg.Kompositum)
[Anm.: „Jener“ meint Arjuna, dessen göttlicher Vater Indra (Śakra) ist — Jayadratha vermeidet aus Furcht, seinen Namen auszusprechen.]
Oder aber, wenn ihr imstande seid, mich zu schützen, o Stiere unter den Kṣatriyas — vor dem, was von Pārtha [Arjuna] beabsichtigt worden ist, mögen jene Helden mir Sicherheit gewähren!
Wort für Wort
atha vā stha pratibalās
oder aber, wenn ihr imstande seid (Konj.+Konj. + 2.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
trātuṃ māṃ kṣatriyarṣabhāḥ
mich zu schützen, o Stiere unter den Kṣatriyas (Inf. + Akk.Sg. + Vok.Pl.Kompositum)
pārthena prārthitam
vor dem, was von Pārtha beabsichtigt worden ist (Instr.Sg. + Akk.Sg.Ptz.)
Droṇa, Duryodhana, Kṛpa, Karṇa, der Herr von Madra [Śalya], Bāhlika, Duḥśāsana und die anderen — sind sie imstande, selbst einen von Yama [dem Ende] Bedrängten zu retten?
Wort für Wort
droṇaduryodhanakṛpāḥ
Droṇa, Duryodhana, Kṛpa (Nom.Pl.Kompositum)
karṇamadreśabāhlikāḥ
Karṇa, der Herr von Madra, Bāhlika (Nom.Pl.Kompositum)
duḥśāsanādayaḥ śaktāḥ
Duḥśāsana und die anderen — [sind sie] imstande (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
trātum apy antakādritam
selbst einen von Yama Bedrängten zu retten (Inf. + Konj. + Akk.Sg.Kompositum)
kim aṅga punar ekena phalgunena jighāṃsatā pratijñātaṃ na jānāmi sarvān vijñāpayāmi vaḥ na trāyeyur bhavanto māṃ samastāḥ patayaḥ kṣiteḥ
Wie viel weniger dann [wären sie es] gegen den einen Phalguna [Arjuna] allein, der [mich] zu töten wünscht! Ob ihr sein Gelöbnis kennt, weiß ich nicht — ich teile es euch allen mit: nicht könntet ihr, o Herren [alle], mich retten, selbst wenn ihr alle Herrscher der Erde vereint wäret.
Wort für Wort
kim aṅga punar ekena
wie viel weniger wieder gegen den einen (Interr. + Partikel + Adv. + Instr.Sg.)
phalgunena jighāṃsatā
Phalguna, der zu töten wünscht (Instr.Sg. + Instr.Sg.Ptz.Desid.)
pratijñātaṃ na jānāmi
das Gelöbnis kenne ich nicht [ob ihr es kennt] (Akk.Sg.Ptz. + Neg. + 1.Sg.Präs.)
sarvān vijñāpayāmi vaḥ
ich teile es euch allen mit (Akk.Pl. + 1.Sg.Präs.Kaus. + Akk.Pl.)
na trāyeyur bhavanto mām
nicht könntet ihr, o Herren, mich [retten] (Neg. + 3.Pl.Opt. + Nom.Pl. + Akk.Sg.)
samastāḥ patayaḥ kṣiteḥ
selbst wenn ihr alle Herrscher der Erde [wäret] (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Gen.Sg.)
vadho nūnaṃ pratijñāto mama gāṇḍīvadhanvanā tathā hi hṛṣṭāḥ krośanti śokakāle 'pi pāṇḍavāḥ vaśam eṣyanti catvāras tam ṛte sarvapāṇḍavāḥ
Gewiss ist mein Tod von dem Träger des Gāṇḍīva gelobt worden — denn so [freudig] rufen die Pāṇḍavas frohlockend, selbst in dieser Zeit der Trauer; alle Pāṇḍavas außer jenem [Arjuna] würden [ihm] folgen, selbst ohne ihn [nötig zu haben].
Wort für Wort
vadho nūnaṃ pratijñātaḥ
gewiss ist mein Tod gelobt worden (Nom.Sg. + Adv. + Nom.Sg.Ptz.)
mama gāṇḍīvadhanvanā
von mir, durch den Träger des Gāṇḍīva (Gen.Sg. + Instr.Sg.Kompositum)
tathā hi hṛṣṭāḥ krośanti
denn so rufen sie frohlockend (Adv. + Partikel + Nom.Pl.Ptz. + 3.Pl.Präs.)
śokakāle 'pi pāṇḍavāḥ
selbst in der Zeit der Trauer, die Pāṇḍavas (Lok.Sg.Kompositum + Konj. + Nom.Pl.)
vaśam eṣyanti catvāraḥ
die vier würden [ihm] folgen (Akk.Sg. + 3.Pl.Fut. + Nom.Pl.)
tam ṛte sarvapāṇḍavāḥ
selbst ohne ihn, alle Pāṇḍavas (Akk.Sg. + Postp. + Nom.Pl.Kompositum)
[Anm.: Die letzte Vershälfte ist syntaktisch verdichtet und in der Deutung unsicher [?] — sinngemäß: Jayadratha erkennt, dass die anderen vier Pāṇḍavas dem Ausgang ohnehin ergeben sind, da Arjuna allein genügt.]
na devā na ca gandharvā nāsuroragarākṣasāḥ utsahante 'nyathā kartuṃ kuta eva narādhipāḥ
Weder Götter, noch Gandharvas, noch Asuras, Schlangen oder Rākṣasas vermögen es, [dies] anders zu machen — wie viel weniger dann [sterbliche] Herrscher der Menschen!
einen [zurückgezogenen] Lebenswandel führend, werde ich verborgen sein [?] — Duḥśalā [meine Frau, Dhṛtarāṣṭras Tochter] wird mich gewiss aus geschwisterlicher Zuneigung schützen, oder auch ihr.“
Wort für Wort
vṛttam āsthāya
einen Lebenswandel eingenommen habend (Akk.Sg. + Ger.)
tanyūjyaṃ (sic)
[Textstelle unsicher überliefert] (unsicher)
sopanīto bhavāmy aham
ich werde verborgen/beiseite geführt sein (Nom.Sg.Ptz. + 1.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
duḥśalā bhrātṛsauhārdān
Duḥśalā, aus geschwisterlicher Zuneigung (Nom.Sg. + Abl.Sg.Kompositum)
māṃ rakṣasyatha vā dhruvam
wird mich gewiss schützen, oder auch ihr (Akk.Sg. + 2.Pl.Fut. + Konj. + Adv.)
[Anm.: Der Vers ist im kritischen Apparat selbst als textlich unsicher markiert (sic bei »tanyūjyaṃ«); die Übersetzung ist daher notwendig ungefähr [?]. Duḥśalā ist Jayadrathas Gattin und Dhṛtarāṣṭras einzige Tochter. Hiermit schließt CQ-Region 1 (Jayadrathas Klagerede).]
Zu ihm, der so klagte, den Sinn von Furcht verwirrt, sprach — wegen der größeren Wichtigkeit seiner eigenen Sache — König Duryodhana:
Wort für Wort
evaṃ vilapamānaṃ tam
zu ihm, der so klagte (Adv. + Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg.)
bhayād vyākulacetasam
den Sinn von Furcht verwirrt (Abl.Sg. + Akk.Sg.Kompositum)
ātmakāryagarīyastvāt
wegen der größeren Wichtigkeit seiner eigenen Sache (Abl.Sg.Kompositum)
rājā duryodhano 'bravīt
sprach König Duryodhana (Nom.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
[Anm.: Reine Erzählung — keine Markierung. „Wegen der größeren Wichtigkeit seiner eigenen Sache“ deutet an, dass Duryodhana vor allem aus Eigeninteresse handelt, da Jayadrathas Bündnistreue für ihn strategisch wichtig ist.]
na bhetavyaṃ naravyāghra ko hi tvā puruṣarṣabha madhye kṣatriyavīrāṇāṃ tiṣṭhantaṃ prārthayed yudhi
„Du brauchst dich nicht zu fürchten, o Tiger unter den Männern! Denn wer, o Stier unter den Männern, würde dich, inmitten heldenhafter Kṣatriyas stehend, in der Schlacht anzugreifen wagen?
Wort für Wort
na bhetavyaṃ naravyāghra
du brauchst dich nicht zu fürchten, o Tiger unter den Männern (Neg. + Ger.-Verbaladj. + Vok.Sg.Kompositum)
ko hi tvā puruṣarṣabha
denn wer, o Stier unter den Männern (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Vok.Sg.Kompositum)
eṣāṃ hi naradevānāṃ mattamātaṅgagāminām saṃghātam upayātānām api bibhyet puraṃdaraḥ
Denn vor der versammelten Schar dieser gottgleichen Fürsten, die wie berauschte Elefanten schreiten, wenn sie zusammengekommen sind, würde selbst Puraṃdara [Indra] sich fürchten.
Wort für Wort
eṣāṃ hi naradevānām
denn dieser gottgleichen Fürsten (Gen.Pl. + Partikel + Gen.Pl.Kompositum)
mattamātaṅgagāminām
die wie berauschte Elefanten schreiten (Gen.Pl.Kompositum)
saṃghātam upayātānām
der versammelten Schar, die zusammengekommen sind (Akk.Sg. + Gen.Pl.Ptz.)
api bibhyet puraṃdaraḥ
selbst Puraṃdara würde sich fürchten (Konj. + 3.Sg.Opt. + Nom.Sg.)
Ich, Karṇa, der Sohn der Vikartana [Sonne], Citrasena, Viviṃśati, Bhūriśravas, Śala, Śalya, der unnahbare Vṛṣasena, Purumitra, Jaya, Bhoja, der Kāmboja-Fürst mitsamt Sudakṣiṇa, Satyavrata, der Starkarmige Vikarṇa, Durmukha, Saha,
Wort für Wort
ahaṃ vaikartanaḥ karṇaḥ
ich, Karṇa, der Sohn der Vikartana (Nom.Sg. + Nom.Sg.Patronymikon + Nom.Sg.)
duḥśāsanaḥ subāhuś ca kaliṅgaś cāpy udāyudhaḥ vindānuvindāv āvantyau droṇo drauṇiḥ sasaubalaḥ ete cānye ca bahavo nānājanapadeśvarāḥ sasainyās tvābhiyāsyanti vyetu te mānaso jvaraḥ
Duḥśāsana, Subāhu, und auch Kaliṅga mitsamt Udāyudha, Vinda und Anuvinda von Avanti, Droṇa, Drauṇi [Aśvatthāman] mitsamt Saubala [Śakuni] — diese und viele andere Herrscher verschiedener Länder werden samt ihren Truppen zu dir kommen; möge das Fieber deines Geistes weichen!
Wort für Wort
duḥśāsanaḥ subāhuś ca
Duḥśāsana, und Subāhu (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
kaliṅgaś cāpy udāyudhaḥ
und auch Kaliṅga mit Udāyudha (Nom.Sg. + Konj.+Konj. + Nom.Sg.)
vindānuvindāv āvantyau
Vinda und Anuvinda von Avanti (Nom.Dual + Nom.Dual)
Und du selbst bist der Beste der Wagenkämpfer, selbst heldenhaft, von unermesslichem Glanz — wie kannst du da, o Saindhava, Furcht vor den Söhnen des Pāṇḍu empfinden?
Wort für Wort
tvaṃ cāpi rathināṃ śreṣṭhaḥ
und du selbst bist der Beste der Wagenkämpfer (Nom.Sg. + Konj.+Konj. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
svayaṃ śūro 'mitadyutiḥ
selbst heldenhaft, von unermesslichem Glanz (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Kompositum)
sa kathaṃ pāṇḍaveyebhyo
wie kannst du da vor den Söhnen des Pāṇḍu (Nom.Sg. + Interr.Adv. + Abl.Pl.)
bhayaṃ paśyasi saindhava
Furcht empfinden, o Saindhava (Akk.Sg. + 2.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
von mir, zu deinem Schutz (Nom.Pl. + Gen.Sg. + Lok.Sg.)
yattā yotsyanti mā bhaiḥ
wachsam werden kämpfen, fürchte dich nicht (Nom.Pl.Ptz. + 3.Pl.Fut. + Proh. + 2.Sg.Imp.)
tvaṃ saindhava vyetu te bhayam
du, o Saindhava, möge deine Furcht weichen (Nom.Sg. + Vok.Sg. + 3.Sg.Imp. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: Eine Akṣauhiṇī ist die größte reguläre Heereseinheit der indischen Kriegskunst (traditionell 21.870 Streitwagen, ebenso viele Elefanten, dreifach so viele Reiter, fünffach so viele Fußsoldaten). Hiermit schließt CQ-Region 2 (Duryodhanas Rede).]
Nachdem er Droṇa seine Ehrerbietung erwiesen hatte, o Herr der Völker, setzte er sich nahe zu ihm, verneigte sich und fragte da dieses; er erkundigte sich nach dem Unterschied hinsichtlich Arjunas und seiner selbst.
Wort für Wort
upasaṃgrahaṇaṃ kṛtvā
nachdem er Ehrerbietung erwiesen hatte (Akk.Sg. + Ger.)
droṇāya sa viśāṃ pate
Droṇa, o er, Herr der Völker (Dat.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Pl. + Vok.Sg.)
upopaviśya praṇataḥ
setzte sich nahe hin, verneigt (Ger. + Nom.Sg.Ptz.)
paryapṛcchad idaṃ tadā
fragte da dieses (3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Adv.)
arjunasyātmanaś cārthe
hinsichtlich Arjunas und seiner selbst (Gen.Sg.+Gen.Sg. + Konj. + Lok.Sg.)
viśeṣaṃ paryapṛcchata
erkundigte sich nach dem Unterschied (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.Med.)
nimitte dūrapātitve laghutve dṛḍhavedhane mama bravītu bhagavān viśeṣaṃ phalgunasya ca vidyāviśeṣam icchāmi jñātum ācārya tattvataḥ mamārjunasya ca vibho yathātattvaṃ pracakṣva me
„Hinsichtlich des Zielens, des Weit-Treffens, der Behändigkeit, des festen Durchbohrens — möge der Erhabene mir den Unterschied zu Phalguna [Arjuna] sagen. Ich möchte den besonderen Unterschied der Kunstfertigkeit in Wahrheit kennen, o Lehrer; sage mir, o Mächtiger, wahrheitsgemäß, wie es sich mit mir und mit Arjuna verhält.“
Wort für Wort
nimitte dūrapātitve
hinsichtlich des Zielens, des Weit-Treffens (Lok.Sg. + Lok.Sg.Kompositum)
laghutve dṛḍhavedhane
der Behändigkeit, des festen Durchbohrens (Lok.Sg. + Lok.Sg.Kompositum)
mama bravītu bhagavān
möge der Erhabene mir sagen (Gen.Sg. + 3.Sg.Imp. + Nom.Sg.)
viśeṣaṃ phalgunasya ca
den Unterschied zu Phalguna (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Konj.)
vidyāviśeṣam icchāmi
ich möchte den besonderen Unterschied der Kunstfertigkeit (Akk.Sg.Kompositum + 1.Sg.Präs.)
jñātum ācārya tattvataḥ
in Wahrheit kennen, o Lehrer (Inf. + Vok.Sg. + Adv.)
mamārjunasya ca vibho
mit mir und mit Arjuna, o Mächtiger (Gen.Sg.+Gen.Sg. + Konj. + Vok.Sg.)
yathātattvaṃ pracakṣva me
sage mir wahrheitsgemäß (Adv. + 2.Sg.Imp. + Dat.Sg.)
[Anm.: Kurze eigene CQ-Region 3 — Jayadrathas Frage an Droṇa —, in derselben Einheit geöffnet und geschlossen.]
samam ācāryakaṃ tāta tava caivārjunasya ca yogād duḥkhocitatvāc ca tasmāt tvatto 'dhiko 'rjunaḥ
Droṇa sprach: „Gleich, mein Sohn, war die Lehre für dich und für Arjuna; aber wegen [seiner] Übung und Gewöhnung an Beschwernis ist Arjuna daher dir überlegen.
Wort für Wort
samam ācāryakaṃ tāta
gleich war die Lehre, mein Sohn (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
tava caivārjunasya ca
für dich und für Arjuna (Gen.Sg. + Konj.+Konj. + Gen.Sg. + Konj.)
yogād duḥkhocitatvāc ca
wegen der Übung und der Gewöhnung an Beschwernis (Abl.Sg. + Abl.Sg.Kompositum + Konj.)
tasmāt tvatto 'dhiko 'rjunaḥ
daher ist Arjuna dir überlegen (Adv. + Abl.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: Hier öffnet CQ-Region 4 — Droṇas Antwort und Zuspruch an Jayadratha.]
na tu te yudhi saṃtrāsaḥ kāryaḥ pārthāt kathaṃ cana ahaṃ hi rakṣitā tāta bhayāt tvāṃ nātra saṃśayaḥ
Doch sollst du in der Schlacht keinesfalls Schrecken vor Pārtha empfinden — denn ich selbst werde dich vor der Furcht schützen, mein Sohn; daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
na tu te yudhi saṃtrāsaḥ
doch sollst du in der Schlacht nicht Schrecken (Neg. + Konj. + Gen.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
kāryaḥ pārthāt kathaṃ cana
empfinden vor Pārtha, in keiner Weise (Nom.Sg.Verbaladj. + Abl.Sg. + Interr.+Indef.)
ahaṃ hi rakṣitā tāta
denn ich werde [dich] schützen, mein Sohn (Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Fut.Ag. + Vok.Sg.)
bhayāt tvāṃ nātra saṃśayaḥ
vor der Furcht, dich — daran ist kein Zweifel (Abl.Sg. + Akk.Sg. + Neg.+Adv. + Nom.Sg.)
na hi madbāhuguptasya prabhavanty amarā api vyūhiṣyāmi ca taṃ vyūhaṃ yaṃ pārtho na tariṣyati
Denn nicht einmal die Unsterblichen haben Macht über den, der von meinem Arm beschützt wird; und ich werde eine Heeresformation aufstellen, die Pārtha nicht durchqueren wird.
Wort für Wort
na hi madbāhuguptasya
denn nicht [Macht] über den, von meinem Arm Beschützten (Neg. + Partikel + Gen.Sg.Kompositum)
prabhavanty amarā api
haben Macht, nicht einmal die Unsterblichen (3.Pl.Präs. + Nom.Pl. + Konj.)
vyūhiṣyāmi ca taṃ vyūham
und ich werde jene Heeresformation aufstellen (1.Sg.Fut. + Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
yaṃ pārtho na tariṣyati
die Pārtha nicht durchqueren wird (Akk.Sg. + Nom.Sg. + Neg. + 3.Sg.Fut.)
adhītya vidhivad vedān agnayaḥ suhutās tvayā iṣṭaṃ ca bahubhir yajñair na te mṛtyubhayād bhayam
Da du die Veden vorschriftsmäßig studiert hast, die [heiligen] Feuer von dir wohl gepflegt wurden und du mit vielen Opfern geopfert hast, brauchst du keine Furcht vor der Furcht des Todes zu haben.
Wort für Wort
adhītya vidhivad vedān
da du die Veden vorschriftsmäßig studiert hast (Ger. + Adv. + Akk.Pl.)
agnayaḥ suhutās tvayā
die Feuer von dir wohl gepflegt (Nom.Pl. + Nom.Pl.Ptz. + Instr.Sg.)
iṣṭaṃ ca bahubhir yajñaiḥ
und geopfert mit vielen Opfern (Nom.Sg.Ptz. + Konj. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
na te mṛtyubhayād bhayam
hast du keine Furcht vor der Todesfurcht (Neg. + Gen.Sg. + Abl.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
Da du großes Glück erlangt hast, das für schwache Menschen schwer zu erreichen ist, wirst du unübertroffene himmlische Welten erlangen, die durch die Kraft deines Armes erworben wurden.
Wort für Wort
durlabhaṃ mānuṣair mandaiḥ
schwer zu erreichen für schwache Menschen (Akk.Sg. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
Die Welten, welche Asketen durch das Üben von Askese erlangen — dieselben Welten erlangen heldenhafte Kṣatriyas, die der Pflicht des Kṣatriya ergeben sind.“
Wort für Wort
tapas taptvā tu yāṃl lokān
die Welten, welche, nachdem Askese geübt wurde (Akk.Sg. + Ger. + Konj. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
prāpnuvanti tapasvinaḥ
Asketen erlangen (3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
kṣatradharmāśritāḥ śūrāḥ
heldenhafte, der Pflicht des Kṣatriya ergebene (Nom.Pl.Kompositum + Nom.Pl.)
evam āśvāsito rājan bhāradvājena saindhavaḥ apānudad bhayaṃ pārthād yuddhāya ca mano dadhe tataḥ praharṣaḥ sainyānāṃ tavāpy āsīd viśāṃ pate vāditrāṇāṃ dhvaniś cograḥ siṃhanādaravaiḥ saha
Saṃjaya sprach: So von dem Sohn des Bharadvāja [Droṇa] beruhigt, o König, vertrieb der Saindhava seine Furcht vor Pārtha und richtete seinen Sinn auf die Schlacht; da entstand auch große Freude unter deinen Truppen, o Herr der Völker, und ein gewaltiger Klang der Musikinstrumente zusammen mit Löwenrufen.
Wort für Wort
evam āśvāsito rājan
so beruhigt, o König (Adv. + Nom.Sg.Ptz. + Vok.Sg.)
bhāradvājena saindhavaḥ
von dem Sohn des Bharadvāja, der Saindhava (Instr.Sg. + Nom.Sg.)
apānudad bhayaṃ pārthāt
vertrieb seine Furcht vor Pārtha (3.Sg.Impf. + Akk.Sg. + Abl.Sg.)
yuddhāya ca mano dadhe
und richtete seinen Sinn auf die Schlacht (Dat.Sg. + Konj. + Akk.Sg. + 3.Sg.Perf.Med.)
tataḥ praharṣaḥ sainyānām
da entstand Freude der Truppen (Adv. + Nom.Sg. + Gen.Pl.)
tavāpy āsīd viśāṃ pate
auch deiner, o Herr der Völker (Gen.Sg.+Konj. + 3.Sg.Impf. + Gen.Pl. + Vok.Sg.)
vāditrāṇāṃ dhvaniś cograḥ
und ein gewaltiger Klang der Musikinstrumente (Gen.Pl. + Nom.Sg. + Konj.+Nom.Sg.)
siṃhanādaravaiḥ saha
zusammen mit Löwenrufen (Instr.Pl.Kompositum + Postp.)
[Anm.: Die erneute Sprecherangabe »saṃjaya uvāca« markiert hier korrekt die Rückkehr zur Rahmenerzählung nach Droṇas Rede — keine Markierung nötig. Mit dem folgenden Vers 07,053.001 beginnt ein neues Kapitel.]