Kapitel 43: Abhimanyoḥ Vasātīyavadha
Der zehnte Tag: Abhimanyu tötet den Krieger der Vasātis inmitten eines gewaltigen Blutbads
Während Jayadratha die Pāṇḍavas aufhält, tobt der Kampf zwischen Abhimanyu und den kauravischen Kriegern unvermindert weiter: Er tötet Vṛṣasenas Wagenlenker, verwundet dessen Rosse, und tötet — nach dessen prahlerischer Drohung — einen Krieger der Vasātis. Ein Rachefeldzug zahlreicher erzürnter Kṣatriyas endet in einem Gemetzel, das das Schlachtfeld mit Leichen, zerschlagenen Wagen und abgetrennten Gliedmaßen bedeckt; Abhimanyus Gestalt selbst verschwindet inmitten des von ihm entfachten Pfeilsturms, sodass nur der Glanz seiner goldenen Rüstung sichtbar bleibt.
Saṃjaya sprach: Während die nach dem Sieg gierenden Pāṇḍus vom Saindhava aufgehalten wurden, entbrannte ein überaus grässlicher Kampf zwischen deinen [Kriegern] und den Feinden.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
saindhavena niruddheṣu
während vom Saindhava aufgehalten (Instr.Sg. + Lok.Pl.Ptz.)
jayagṛddhiṣu pāṇḍuṣu
den nach dem Sieg gierenden Pāṇḍus (Lok.Pl.Kompositum + Lok.Pl.)
sughoram abhavad yuddhaṃ
ein überaus grässlicher Kampf entbrannte (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
tvadīyānāṃ paraiḥ saha
zwischen deinen [Kriegern] und den Feinden (Gen.Pl. + Instr.Pl. + Postp.)
Der Sohn des Arjuna [Abhimanyu], wahrhaftig in seinen Gelübden, glanzvoll, drang in das unnahbare Heer ein und wühlte es auf, wie ein Meeresungeheuer den Ozean.
Wort für Wort
praviśya tv ārjuniḥ senāṃ
eingedrungen in das Heer, der Sohn des Arjuna (Ger. + Partikel + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
satyasaṃdho durāsadām
wahrhaftig in seinen Gelübden, [in] das unnahbare [Heer] (Nom.Sg.Kompositum + Akk.Sg.)
vyakṣobhayata tejasvī
wühlte auf, der Glanzvolle (3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
makaraḥ sāgaraṃ yathā
wie ein Meeresungeheuer den Ozean (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Adv.)
Ihn, den Bezwinger der Feinde, der es so mit einem Pfeilregen aufwühlte, umringten die Vorzüglichsten der Kurus, jeder nach seinem Rang, den Saubhadra [Abhimanyu].
Wort für Wort
taṃ tathā śaravarṣeṇa
ihn, so, mit einem Pfeilregen (Akk.Sg. + Adv. + Instr.Sg.Kompositum)
kṣobhayantam ariṃdamam
den aufwühlenden Bezwinger der Feinde (Akk.Sg.Ptz. + Akk.Sg.Kompositum)
yathāpradhānāḥ saubhadram
jeder nach seinem Rang, den Saubhadra (Nom.Pl.Kompositum + Akk.Sg.)
abhyayuḥ kurusattamāḥ
umringten die Vorzüglichsten der Kurus (3.Pl.Perf. + Nom.Pl.Kompositum)
Von jener Wagenschar der Feinde eingeschlossen, tötete der Sohn des Arjuna [Abhimanyu] Vṛṣasenas Wagenlenker und zerschnitt dessen Bogen; der Starke verwundete darauf dessen Rosse mit gerade fliegenden Pfeilen, und von jenen wie der Wind dahinstürmenden Rossen wurde er [Vṛṣasena] aus der Schlacht fortgetragen.
Wort für Wort
rathavrajena saṃruddhas
von der Wagenschar eingeschlossen (Instr.Sg.Kompositum + Nom.Sg.Ptz.)
tair amitrair athārjuniḥ
von jenen Feinden, der Sohn des Arjuna (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + Nom.Sg.)
tenāntareṇābhimanyor yantāpāsārayad ratham rathavrajās tato hṛṣṭāḥ sādhu sādhv iti cukruśuḥ
Durch jene Lücke zog Abhimanyus Wagenlenker den Wagen zurück; da riefen die Wagenscharen, erfreut, 'wohlgetan, wohlgetan!'.
Wort für Wort
tenāntareṇābhimanyor
durch jene Lücke, Abhimanyus (Instr.Sg. + Gen.Sg.)
yantāpāsārayad ratham
der Wagenlenker zog den Wagen zurück (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
rathavrajās tato hṛṣṭāḥ
die Wagenscharen, da, erfreut (Nom.Pl.Kompositum + Adv. + Nom.Pl.)
sādhu sādhv iti cukruśuḥ
'wohlgetan, wohlgetan!' riefen sie (Adv. + Adv. + Partikel + 3.Pl.Perf.)
[Anm.: V.7 bildet eine Einheit. Der kollektive Jubelruf „sādhu sādhu“ erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe bei nicht individuell zugeordneten Ausrufen, einfache statt der Anführungszeichen für individuelle Rede.]
sragbhir ābharaṇair vastraiḥ patitaiś ca mahādhvajaiḥ varmabhiś carmabhir hārair mukuṭaiś chatracāmaraiḥ apaskarair adhiṣṭhānair īṣādaṇḍakabandhuraiḥ akṣair vimathitaiś cakrair bhagnaiś ca bahudhā yugaiḥ anukarṣaiḥ patākābhis tathā sārathivājibhiḥ rathaiś ca bhagnair nāgaiś ca hataiḥ kīrṇābhavan mahī
Mit Blumengirlanden, Geschmeide, Gewändern und gefallenen großen Feldzeichen; mit Rüstungen, Schilden, Halsketten, Diademen, Schirmen und Yak-Wedeln; mit Wagenteilen, Achsböcken und wie Jochstangen gekrümmten Deichseln; mit zermalmten Achsen und zerbrochenen Rädern und vielfach zerschmetterten Jochen; mit Zugstangen, Bannern, ebenso mit Wagenlenkern und Rossen, und mit zerbrochenen Wagen und erschlagenen Elefanten wurde die Erde übersät.
Wort für Wort
sragbhir ābharaṇair vastraiḥ
mit Girlanden, Geschmeide, Gewändern (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
patitaiś ca mahādhvajaiḥ
und gefallenen großen Feldzeichen (Instr.Pl.Ptz. + Konj. + Instr.Pl.Kompositum)
varmabhiś carmabhir hārair
mit Rüstungen, Schilden, Halsketten (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
mukuṭaiś chatracāmaraiḥ
mit Diademen, Schirmen und Yak-Wedeln (Instr.Pl. + Instr.Pl.Kompositum)
apaskarair adhiṣṭhānair
mit Wagenteilen, Achsböcken (Instr.Pl. + Instr.Pl.)
īṣādaṇḍakabandhuraiḥ
mit wie Jochstangen gekrümmten Deichseln (Instr.Pl.Kompositum)
akṣair vimathitaiś cakrair
mit zermalmten Achsen, mit Rädern (Instr.Pl. + Instr.Pl.Ptz. + Instr.Pl.)
bhagnaiś ca bahudhā yugaiḥ
und zerbrochenen, vielfach, mit Jochen (Instr.Pl.Ptz. + Konj. + Adv. + Instr.Pl.)
anukarṣaiḥ patākābhis
mit Zugstangen, mit Bannern (Instr.Pl. + Instr.Pl.)
tathā sārathivājibhiḥ
ebenso mit Wagenlenkern und Rossen (Adv. + Instr.Pl.Kompositum)
rathaiś ca bhagnair nāgaiś
und mit zerbrochenen Wagen, mit Elefanten (Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl.Ptz. + Instr.Pl.)
ca hataiḥ kīrṇābhavan mahī
und erschlagenen wurde die Erde übersät (Konj. + Instr.Pl.Ptz. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.15-17 bilden eine Einheit — die klassische, katalogartige Schlachtfeld-Trümmerbeschreibung, wie sie in dieser Ausgabe wiederholt begegnet.]
diśo vicaratas tasya sarvāś ca pradiśas tathā raṇe 'bhimanyoḥ kruddhasya rūpam antaradhīyata kāñcanaṃ yad yad asyāsīd varma cābharaṇāni ca dhanuṣaś ca śarāṇāṃ ca tad apaśyāma kevalam taṃ tadā nāśakat kaś cic cakṣurbhyām abhivīkṣitum ādadānaṃ śarair yodhān madhye sūryam iva sthitam
Als er alle Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen durcheilte, verschwand im Kampf die Gestalt des erzürnten Abhimanyu; was auch immer von ihm golden war — seine Rüstung und sein Geschmeide, sein Bogen und seine Pfeile — das allein vermochten wir zu sehen. Niemand konnte ihn da mit den Augen erblicken, wie er, inmitten der Krieger Pfeile aufnehmend, gleich der Sonne dastand.
Wort für Wort
diśo vicaratas tasya
als er die Himmelsrichtungen durcheilte (Akk.Pl. + Gen.Sg.Ptz. + Gen.Sg.)
sarvāś ca pradiśas tathā
und alle Zwischenrichtungen ebenso (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + Adv.)
raṇe 'bhimanyoḥ kruddhasya
im Kampf des erzürnten Abhimanyu (Lok.Sg. + Gen.Sg. + Gen.Sg.)
rūpam antaradhīyata
die Gestalt verschwand (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.Pass.)
kāñcanaṃ yad yad asyāsīd
was auch immer von ihm golden war (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Sg. + 3.Sg.Impf.)
varma cābharaṇāni ca
Rüstung und Geschmeide (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Pl. + Konj.)
dhanuṣaś ca śarāṇāṃ ca
und des Bogens und der Pfeile (Gen.Sg. + Konj. + Gen.Pl. + Konj.)
tad apaśyāma kevalam
das allein sahen wir (Akk.Sg. + 1.Pl.Impf. + Akk.Sg.)
taṃ tadā nāśakat kaś cic
ihn konnte da niemand (Akk.Sg. + Adv. + Neg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
cakṣurbhyām abhivīkṣitum
mit den Augen erblicken (Instr.Du. + Inf.)
ādadānaṃ śarair yodhān
Pfeile aufnehmend, unter den Kriegern (Akk.Sg.Ptz. + Instr.Pl. + Akk.Pl.)
madhye sūryam iva sthitam
inmitten, wie die Sonne dastehend (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg.Ptz.)
[Anm.: V.19-21 bilden eine Einheit und schließen das Kapitel mit dem eindrücklichen Bild von Abhimanyus vor Geschwindigkeit und Glanz nahezu unsichtbarer Gestalt.]