Kapitel 14: Bhīmaśalyagadāyuddha
Der zehnte Tag: Die Keulenschlacht zwischen Bhīma und Śalya
Dhṛtarāṣṭra unterbricht Saṃjayas Erzählung mit einer Frage: Überwältigt von den vielen wunderbaren Zweikämpfen möchte er nun eigens vom Kampf des 'Sohnes des Artāyana' [Śalya] und vom Kampf des Sohnes der Subhadrā [Abhimanyu] hören (V.1-3). Saṃjaya schildert daraufhin ausführlich den gewaltigen Keulenzweikampf zwischen Bhīmasena und dem Madra-König Śalya, nachdem dessen Wagenlenker gefallen war: beide Keulen entflammen im Aufprall, erzeugen Funken und Feuer, und die beiden Kämpfer, blutüberströmt, werden mit zwei blühenden Kiṃśuka-Bäumen verglichen (V.4-29). Als beide zugleich zu Boden stürzen, trägt Kṛtavarman den ohnmächtigen Śalya vom Kampfplatz fort, während Bhīma sich rasch wieder erhebt; die Kaurava-Truppen weichen daraufhin erschrocken zurück, und das siegreiche Pāṇḍava-Heer erhebt Jubelgeschrei (V.30-37).
Viele überaus wunderbare Zweikämpfe, o Saṃjaya, von dir geschildert, vernehmend, beneide ich die Sehenden.
Wort für Wort
bahūni suvicitrāṇi
viele überaus wunderbare (Akk.Pl. + Akk.Pl.)
dvaṃdvayuddhāni saṃjaya
Zweikämpfe, o Saṃjaya (Akk.Pl. + Vok.Sg.)
tvayā uktāni niśamya aham
von dir geschildert, vernommen habend, ich (Instr.Sg. + Akk.Pl.Part. + Ger. + Nom.Sg.)
spṛhayāmi sacakṣuṣām
beneide ich die Sehenden (1.Sg. + Gen.Pl.)
[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; eingeleitet durch die (hier entfallende) Sprecherkennzeichnung 'dhṛtarāṣṭra uvāca' — Dhṛtarāṣṭra unterbricht Saṃjayas Erzählung. Der zweizeilige Apparatseinschub *0113_01/02 nach V.1d ('denn nicht könnte ein Kampf der Götter und Dämonen von solcher Gestalt sein, so denke ich, nachdem ich die furchtbaren Kämpfe gehört habe, o Saṃjaya') ist eine für den Satz entbehrliche Reflexion und wird nicht übernommen.]
na hi me tṛptir astīha śṛṇvato yuddham uttamam / tasmād ārtāyaner yuddhaṃ saubhadrasya ca śaṃsa me
Denn nicht gibt es für mich hier Sättigung, wenn ich den trefflichen Kampf höre; deshalb erzähle mir den Kampf des Sohnes des Artāyana [Śalya] und den des Sohnes der Subhadrā [Abhimanyu].
Wort für Wort
na hi me tṛptiḥ asti iha
denn nicht gibt es für mich hier Sättigung (Neg. + Partikel + Gen.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg. + Adv.)
śṛṇvataḥ yuddham uttamam
wenn ich den trefflichen Kampf höre (Gen.Sg.Part. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
tasmāt ārtāyaneḥ yuddham
deshalb den Kampf des Sohnes des Artāyana (Adv. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
saubhadrasya ca śaṃsa me
und den des Sohnes der Subhadrā erzähle mir (Gen.Sg. + Konj. + Imp.2.Sg. + Gen.Sg.)
[Anm.: V.3 bildet eine Einheit; Abschluss von Dhṛtarāṣṭras Frage.]
Als Śalya sah, dass sein Wagenlenker gefällt war, ergriff er, brüllend, erzürnt, seine ganz aus Eisen bestehende Keule und sprang von seinem trefflichen Wagen.
Wort für Wort
sāditam prekṣya yantāram
gefällt gesehen habend den Wagenlenker (Akk.Sg.Part. + Ger. + Akk.Sg.)
śalyaḥ sarvāyasīm gadām
Śalya die ganz aus Eisen bestehende Keule (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
sprang von seinem trefflichen Wagen (3.Sg.Perf. + Abl.Sg.)
[Anm.: V.4 bildet eine Einheit; eingeleitet durch die (hier entfallende) Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca' — Saṃjaya nimmt die Erzählung wieder auf, anknüpfend an das Ende von Kap.13 (Śalyas Wagenlenker wurde dort von Abhimanyu erschlagen).]
Auch der Sohn der Subhadrā, seine dem Donnerkeil gleichende gewaltige Keule ergreifend, rief Śalya zu: „Komm, komm!“ — mit Mühe von Bhīma zurückgehalten.
Wort für Wort
saubhadraḥ api aśaniprakhyām
auch der Sohn der Subhadrā die dem Donnerkeil gleichende (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg.)
'Komm, komm!' rief er Śalya zu (Imp.2.Sg. + Imp.2.Sg. + Partikel + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
yatnāt bhīmena vāritaḥ
mit Mühe von Bhīma zurückgehalten (Abl.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)
[Anm.: V.6 bildet eine Einheit; Abhimanyu (Sohn der Subhadrā) will sich, vom Kampf gegen den Paurava und Jayadratha in Kap.13 noch erhitzt, auch Śalya entgegenstellen, wird jedoch von Bhīma zurückgehalten, der den Zweikampf für sich beansprucht.]
Nachdem er aber den Sohn der Subhadrā zurückgehalten hatte, trat der glanzvolle Bhīmasena, Śalya im Kampf entgegengetreten, ihm gegenüber wie ein unbeweglicher Berg.
Wort für Wort
vārayitvā tu saubhadram
zurückgehalten habend aber den Sohn der Subhadrā (Ger. + Konj. + Akk.Sg.)
bhīmasenaḥ pratāpavān
der glanzvolle Bhīmasena (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
śalyam āsādya samare
Śalya im Kampf entgegengetreten (Akk.Sg. + Ger. + Lok.Sg.)
tasthau giriḥ iva acalaḥ
trat wie ein unbeweglicher Berg (3.Sg.Perf. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
[Anm.: V.13 bildet eine Einheit. Der Apparatseinschub *0114_01 nach V.13d ('von Feuer erleuchtet, überaus furchtbar, erstrahlte jene Keule da') wiederholt redundant das bereits gesagte 'entflammte' und wird als Dublette nicht übernommen.]
tau vṛṣāv iva nardantau maṇḍalāni viceratuḥ / āvarjitagadāśṛṅgāv ubhau śalyavṛkodarau
Die beiden, wie brüllende Stiere, durchmaßen die Kreise, beide, Śalya und Vṛkodara, ihre Keulen wie gesenkte Hörner haltend.
Wort für Wort
tau vṛṣau iva nardantau
die beiden, wie brüllende Stiere (Nom.Du. + Nom.Du. + Partikel + Nom.Du.Part.)
maṇḍalāni viceratuḥ
durchmaßen die Kreise (Akk.Pl. + 3.Du.Perf.)
āvarjitagadāśṛṅgau
ihre Keulen wie gesenkte Hörner haltend (Nom.Du.)
ubhau śalyavṛkodarau
beide, Śalya und Vṛkodara (Nom.Du. + Nom.Du.)
[Anm.: V.15 bildet eine Einheit. Der zweizeilige Apparatseinschub *0115_01/02 nach V.15d ('die beiden Helden, vor Zorn kupferrot in den Augen, Zermalmer der Feindesscharen, hochgesinnt, von großem Eifer, in der Keulenkampfkunst bewandert') ist eine entbehrliche beschreibende Erweiterung und wird nicht übernommen.]
wie eine herabfallende große Sternschnuppe (Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Adv.)
[Anm.: V.20 bildet eine Einheit (nur a/c-Padas). Der Apparatseinschub *0116_01 nach V.20b ('die furchtgestaltige, überaus schnelle Keule verfolgte Śalya im Kampf') ist eine für den Satz entbehrliche Zusatzangabe und wird nicht übernommen.]
Jene beiden trefflichen Keulen, aufeinandertreffend, erzeugten, wie zwei schnaubende Schlangenjungfrauen, Feuer.
Wort für Wort
te ca eva ubhe gade
jene beiden trefflichen Keulen (Pron.Nom.Du. + Konj. + Partikel + Nom.Du. + Nom.Du.)
śreṣṭhe samāsādya parasparam
aufeinandertreffend (Nom.Du. + Ger. + Adv.)
śvasantyau nāgakanyā iva
wie zwei schnaubende Schlangenjungfrauen (Nom.Du.Part. + Nom.Sg. + Partikel)
sasṛjāte vibhāvasum
erzeugten Feuer (3.Du.Perf.Med. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.21 bildet eine Einheit. Der vierzeilige Apparatseinschub *0117_01-04 nach V.21d ('wiederum, von Śalya, durch die von der Keule getroffene Keulenspitze Bhīmas, entstand aus der Reibung ein Feuer, das die Erde erleuchtete; und wiederum, von Bhīmasena getroffen, entließ Śalyas gewaltige Keule jäh, o König, Feuer') ist eine ausführliche, aber redundante Wiederholung der bereits geschilderten Reibungs-Feuer-Erzeugung und wird als Dublette nicht übernommen.]
Ebenso, von den Wuchtschlägen der Keule Bhīmas getroffen, stand der überaus starke Herrscher der Madras standhaft, wie ein von Donnerkeilen getroffener Berg.
Wort für Wort
tathā bhīmagadāvegaiḥ
ebenso von den Wuchtschlägen der Keule Bhīmas (Adv. + Instr.Pl.)
tāḍyamānaḥ mahābalaḥ
getroffen, der überaus Starke (Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.)
dhairyāt madrādhipaḥ tasthau
standhaft stand der Herrscher der Madras (Abl.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
vajraiḥ giriḥ iva āhataḥ
wie ein von Donnerkeilen getroffener Berg (Instr.Pl. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Part.)
Beide von gewaltiger Wucht, die großen Keulen hocherhoben, stürzten sie aufeinander los; wieder auf den Zwischenbahnen stehend, durchmaßen sie die Kreise.
Wort für Wort
āpetatuḥ mahāvegau
beide von gewaltiger Wucht stürzten los (3.Du.Perf. + Nom.Du.)
samucchritamahāgadau
die großen Keulen hocherhoben (Nom.Du.)
punaḥ antaramārgasthau
wieder auf den Zwischenbahnen stehend (Adv. + Nom.Du.)
Als er ihn, o Großkönig, von der Keule bedrängt sah, sich windend wie ein Elefant, von Ohnmacht überflutet — hob ihn da, samt Keule, der große Wagenkämpfer Kṛtavarman auf den Wagen, den Herrscher der Madras, und trug ihn rasch aus dem Kampf fort.
Wort für Wort
dṛṣṭvā ca enam mahārāja
und ihn gesehen habend, o Großkönig (Ger. + Konj. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
gadayā abhinipīḍitam
von der Keule bedrängt (Instr.Sg. + Akk.Sg.Part.)
viceṣṭantam yathā nāgam
sich windend wie ein Elefant (Akk.Sg.Part. + Adv. + Akk.Sg.)
mūrchayā abhipariplutam
von Ohnmacht überflutet (Instr.Sg. + Akk.Sg.Part.)
tataḥ sagadam āropya
da, samt Keule, aufgehoben habend (Adv. + Akk.Sg. + Ger.)
madrāṇām adhipam ratham
den Herrscher der Madras auf den Wagen (Gen.Pl. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
apovāha raṇāt tūrṇam
trug rasch aus dem Kampf fort (3.Sg.Perf. + Abl.Sg. + Adv.)
kṛtavarmā mahārathaḥ
der große Wagenkämpfer Kṛtavarman (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.31-32 bilden eine syntaktische Einheit: die Gerundialkonstruktion aus V.31 ('dṛṣṭvā', 'gesehen habend') wird erst durch das Hauptverb 'apovāha' ('er trug fort') in V.32 aufgelöst.]
siṃhanādān bhṛśaṃ cakruḥ śaṅkhān dadhmuś ca harṣitāḥ / bherīś ca vādayām āsur mṛdaṅgāṃś cānakaiḥ saha
Sie erhoben heftig Löwengebrüll und bliesen, erfreut, die Muschelhörner; und sie ließen Kesselpauken und Trommeln, zusammen mit Handpauken, erschallen.
und bliesen, erfreut, die Muschelhörner (Akk.Pl. + 3.Pl.Perf. + Konj. + Nom.Pl.)
bherīḥ ca vādayām āsuḥ
und ließen Kesselpauken erschallen (Akk.Pl. + Konj. + 3.Pl.Perf.)
mṛdaṅgān ca ānakaiḥ saha
und Trommeln, zusammen mit Handpauken (Akk.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Postposition)
[Anm.: V.37 bildet eine Einheit; Kapitelschluss. Der vierzeilige, metrisch abweichende (triṣṭubh-artige) Apparatseinschub *0118_01-04 ('da erschallen kleine Trommeln, Kesselpauken und große Pauken heftig, zusammen mit Handtrommeln, Handpauken, Kriegstrommeln und Schellentrommeln, mitsamt Muschelhorn-Getöse und mannigfachem Löwengebrüll, o Bester der Männer') ist eine metrisch abgesetzte, inhaltlich redundante Erweiterung des bereits Gesagten und wird nicht übernommen.]