duḥśāsanas tu rājendra pāñcālyasya mahātmanaḥ nāśakat pramukhe sthātuṃ śarajālaprapīḍitaḥ
Duḥśāsana aber, o König der Könige, von dem Pfeilnetz des großmütigen Pāñcālya-Sohnes [Dhṛṣṭadyumnas] bedrängt, vermochte nicht mehr, ihm entgegenzustehen.
sa tu duḥśāsanaṃ bāṇair vimukhīkṛtya pārṣataḥ dhṛṣṭadyumno 'pi rājendra bhagnaṃ dṛṣṭvā tavātmajam kirañ śarasahasrāṇi droṇam evābhyayād raṇe
Der Sohn Pṛṣatas aber, Dhṛṣṭadyumna, hatte Duḥśāsana mit Pfeilen abgewehrt; und da er, o König der Könige, deinen Sohn geschlagen sah, zog er, tausend Pfeile schleudernd, geradewegs gegen Droṇa in die Schlacht.
Wort für Wort
saḥ pārṣataḥ
(der Sohn Pṛṣatas [Dhṛṣṭadyumna] (Nominativ))
duḥśāsanam
(Duḥśāsana (Akkusativ))
bāṇaiḥ
(mit Pfeilen (Instrumental))
vimukhīkṛtya
(abgewehrt habend, abgewandt habend (Absolutiv))
rājendra
(o König der Könige (Vokativ))
bhagnam
(geschlagen, gebrochen (Akkusativ Partizip))
dṛṣṭvā
(gesehen habend (Absolutiv))
tava ātmajam
(deinen Sohn (Akkusativ))
kiran
(schleudernd (Partizip))
śara-sahasrāṇi
(tausend Pfeile (Akkusativ))
droṇam
(Droṇa (Akkusativ))
eva
(geradewegs, eben)
abhyayāt
(er zog gegen (Imperfekt))
raṇe
(in der Schlacht (Lokativ))
[Anm.: Vers 005b (*1295_01) ist ein Apparatus-Einschub, der den Handlungsträger Dhṛṣṭadyumna noch einmal ausdrücklich benennt; er wurde mit 005a und 005c zu einer durchgehenden Sinneinheit verbunden.]
Ihm folgten die beiden Zwillinge [Nakula und Sahadeva], jene beiden Stiere unter den Männern, schützend von hinten, während er, wie loderndes Feuer, geradewegs auf Droṇa zuging.
Wort für Wort
tam
(ihm (Akkusativ))
yamau
(die beiden Zwillinge (Nominativ))
pṛṣṭhataḥ
(von hinten)
anvaitām
(sie folgten (Imperfekt Dual))
rakṣantau
(schützend (Partizip Dual))
puruṣarṣabhau
(die beiden Stiere unter den Männern (Nominativ Dual))
na tatrāsīd adharmiṣṭham aśastraṃ yuddham eva ca nātra karṇī na nālīko na lipto na ca vastakaḥ na sūcī kapiśo nātra na gavāsthir gajāsthikaḥ na cūlī baliśas tatra na yamī nāpi pāvakaḥ iṣur āsīn na saṃśliṣṭo na pūtir na ca jihmagaḥ ṛjūny eva viśuddhāni sarve śastrāṇy adhārayan suyuddhena parāṃl lokān īpsantaḥ kīrtim eva ca
Dort gab es keinen höchst unrechtmäßigen und keinen waffenlosen Kampf; kein Widerhakenpfeil war dort, kein Gabelpfeil, kein vergifteter, kein Vastaka-Pfeil; kein Nadelpfeil, kein Kapiśa-Pfeil, kein Pfeil mit Kuh- oder Elefantenknochenspitze; kein Cūlī-Pfeil, kein Angelhaken-Pfeil, kein Yamī-Pfeil, kein Feuerpfeil; kein verklebter, kein fauler und kein krummer Pfeil war dort — alle führten nur gerade, reine Waffen, durch redlichen Kampf nach den höheren Welten und nach Ruhm trachtend.
Wort für Wort
na tatra āsīt
(dort gab es nicht (Imperfekt))
adharmiṣṭham
(höchst unrechtmäßig (Akkusativ))
a-śastram yuddham
(waffenloser Kampf (Akkusativ))
karṇī
(Widerhakenpfeil (Nominativ))
nālīkaḥ
(Gabelpfeil (Nominativ))
liptaḥ
(vergifteter [Pfeil] (Nominativ))
vastakaḥ
(Vastaka-Pfeil, eine Pfeilart (Nominativ))
sūcī
(Nadelpfeil (Nominativ))
kapiśaḥ
(Kapiśa-Pfeil, eine Pfeilart (Nominativ))
gava-asthiḥ gaja-asthikaḥ
(Pfeil mit Kuh- oder Elefantenknochenspitze (Nominativ))
cūlī
(Cūlī-Pfeil (Nominativ))
baliśaḥ
(Angelhaken-Pfeil (Nominativ))
yamī
(Yamī-Pfeil (Nominativ))
pāvakaḥ
(Feuerpfeil (Nominativ))
iṣuḥ āsīt
(Pfeil war (Imperfekt))
na saṃśliṣṭaḥ
(nicht verklebt/zusammengesetzt (Nominativ))
na pūtiḥ
(nicht faul, nicht stinkend (Nominativ))
na jihmagaḥ
(nicht krummlaufend (Nominativ))
ṛjūni
(gerade (Akkusativ Plural))
viśuddhāni
(reine (Akkusativ Plural))
sarve
(alle (Nominativ))
śastrāṇi
(Waffen (Akkusativ))
adhārayan
(sie trugen, sie führten (Imperfekt))
su-yuddhena
(durch redlichen Kampf (Instrumental))
parān lokān
(die höheren Welten (Akkusativ))
īpsantaḥ
(erstrebend (Partizip))
kīrtim eva ca
(und auch Ruhm (Akkusativ))
[Anm.: Verse 011a-013c bilden eine zusammenhängende Aufzählungspassage über die Regeln des ehrenhaften Kampfes und wurden zu einer Einheit verbunden; der Apparatus-Einschub *1296_01 (012b) reiht sich nahtlos in diese Aufzählung ein.]
Dhṛṣṭadyumna aber ließ jene Stiere unter deinen Wagenkämpfern zurück, o König, und da er sah, dass sie von den Zwillingen aufgehalten wurden, zog der Schnellwaffige gegen Droṇa.
Je zwei gegen zwei, kämpften die beiden Zwillinge, jene Stiere unter den Wagenkämpfern, mit [je] zwei Wagen im Handgemenge; darauf wandte sich Dhṛṣṭadyumna gegen Droṇa.
Wort für Wort
dvābhyām dvābhyām
(je zwei gegen zwei (Instrumental Dual))
yamau
(die beiden Zwillinge (Nominativ))
sārdham
(zusammen mit)
rathābhyām
(mit zwei Wagen (Instrumental Dual))
ratha-puṃgavau
(die beiden Stiere unter den Wagenkämpfern (Nominativ Dual))
Als jene [vier Krieger] den kampfestrunkenen Pāñcālya-Sohn [Dhṛṣṭadyumna] auf Droṇa zugehen sahen und die beiden Zwillinge mit ihnen ins Handgemenge verwickelt sahen, stürmten sie in jener Lücke [ihm nach].
Wort für Wort
dṛṣṭvā
(gesehen habend (Absolutiv))
droṇāya
(zu Droṇa hin)
pāñcālyam
(den Pāñcālya-Sohn (Akkusativ))
vrajantam
(gehend (Partizip))
yuddha-durmadam
(kampfestrunken (Akkusativ))
yamābhyām
(mit den beiden Zwillingen (Instrumental))
tān ca saṃsaktān
(und jene [Zwillinge] ins Handgemenge verwickelt (Akkusativ))
Da traf dein Sohn, o König, auf den Sātvata [Kṛtavarman]; Duryodhana, o Großkönig, schleuderte blutgierige [Pfeile].
Wort für Wort
tataḥ
(da)
tava sutaḥ
(dein Sohn (Nominativ))
rājan
(o König (Vokativ))
sātvatena
(mit dem Sātvata [Kṛtavarman] (Instrumental))
samāgataḥ
(getroffen, zusammengetroffen (Nominativ))
duryodhanaḥ
(Duryodhana (Nominativ))
mahārāja
(o Großkönig (Vokativ))
kiran
(schleudernd (Partizip))
śoṇita-bhojanān
(blutgierige [Pfeile] (Akkusativ))
[Anm.: Vers 018d (*1297_01) ist ein Apparatus-Einschub, der einen Wechsel im Erzählfaden ankündigt — von hier an ist von Duryodhana und Sātyaki die Rede.]
tau parasparam āsādya samīpe kurumādhavau hasamānau nṛśārdūlāv abhītau samagacchatām
Die beiden, der Kuru [Duryodhana] und der Mādhava [Sātyaki], traten nahe zueinander, jene beiden Tiger unter den Männern, lachend, furchtlos, kamen zusammen.
Wort für Wort
tau kuru-mādhavau
(die beiden, Kuru und Mādhava (Nominativ Dual))
parasparam āsādya
(einander erreicht habend (Absolutiv))
samīpe
(nahe)
hasamānau
(lachend (Partizip Dual))
nṛ-śārdūlau
(die beiden Tiger unter den Männern (Nominativ Dual))
„Verflucht sei der Zorn, verflucht, Freund, die Gier, verflucht die Verblendung, verflucht der Groll! Verflucht sei kriegerisches Gebaren, verflucht die angeborene Kraft,
kva sā krīḍā gatāsmākaṃ bālye vai śinipuṃgava kva ca yuddham idaṃ bhūyaḥ kālo hi duratikramaḥ
„Wohin ist jenes Spiel unserer Kindheit entschwunden, o Stier des Śini-Geschlechts, und wo ist nun wieder dieser Kampf? Denn die Zeit ist schwer zu überwinden.
taṃ sātyakiḥ pratyaviddhat tathaiva daśabhiḥ śaraiḥ duryodhanas tataḥ kruddho mādhavaṃ navabhiḥ śaraiḥ pañcāśatā punaś cājau triṃśatā daśabhiś ca ha sātyakiṃ tu tato rājan prahasaṃs tanayas tava ākarṇamuktair niśitair vivyādha triṃśatā śaraiḥ tato 'sya saśaraṃ cāpaṃ kṣurapreṇa dvidhākarot so 'nyat kārmukam ādāya laghuhastas tato dṛḍham sātyakir vyasṛjac cāpi śaraśreṇīṃ sutasya te tām āpatantīṃ sahasā śaraśreṇīṃ jighāṃsayā ciccheda bahudhā rājaṃs tata uccukruśur janāḥ sātyakiṃ ca trisaptatyā pīḍayām āsa vegitaḥ svarṇapuṅkhaiḥ śilādhautair ākarṇāpūrṇaniḥsṛtaiḥ
Ihn traf Sātyaki ebenso mit zehn Pfeilen zurück; Duryodhana, nun erzürnt, traf den Mādhava [Sātyaki] mit neun Pfeilen, und wiederum in der Schlacht mit fünfzig, dreißig und zehn. Dann aber, o König, durchbohrte dein lachender Sohn Sātyaki mit dreißig scharfen, bis zum Ohr gespannten Pfeilen; darauf zerspaltete er [Sātyaki] dessen Bogen samt Pfeil mit einem Rasiermesserpfeil in zwei Teile. Er [Duryodhana] aber ergriff, schnellhändig, sogleich einen anderen, festen Bogen; Sātyaki entsandte auch eine Reihe von Pfeilen auf deinen Sohn. Diese heranstürmende, mordlustige Pfeilreihe zerschnitt er in viele Stücke, o König; da schrien die Leute laut auf. Und rasch quälte er Sātyaki mit dreiundsiebzig goldgefiederten, an Stein geschliffenen, bis zum Ohr voll entsandten Pfeilen.
Wort für Wort
tam
(ihn (Akkusativ))
sātyakiḥ pratyaviddhat
(Sātyaki traf zurück (Imperfekt))
daśabhiḥ śaraiḥ
(mit zehn Pfeilen (Instrumental))
duryodhanaḥ kruddhaḥ
(Duryodhana, erzürnt (Nominativ))
mādhavam
(den Mādhava (Akkusativ))
navabhiḥ śaraiḥ
(mit neun Pfeilen (Instrumental))
pañcāśatā triṃśatā daśabhiḥ ca
(mit fünfzig, dreißig und zehn (Instrumental))
prahasan
(lachend (Partizip))
ākarṇamuktaiḥ niśitaiḥ
(bis zum Ohr entsandt, scharf (Instrumental))
vivyādha
(er durchbohrte (Perfekt))
asya saśaram cāpam
(dessen Bogen samt Pfeil (Akkusativ))
kṣurapreṇa
(mit Rasiermesserpfeil (Instrumental))
dvidhākarot
(er teilte in zwei (Imperfekt))
anyat kārmukam ādāya
(einen anderen Bogen ergriffen habend (Absolutiv))
laghuhastaḥ
(schnellhändig (Nominativ))
śaraśreṇīm vyasṛjat
(er entsandte eine Pfeilreihe (Imperfekt))
āpatantīm sahasā
(heranstürmend (Akkusativ))
jighāṃsayā
(mit Mordabsicht (Instrumental))
ciccheda bahudhā
(er zerschnitt in viele Stücke (Perfekt))
uccukruśuḥ janāḥ
(die Leute schrien auf (Perfekt))
trisaptatyā
(mit dreiundsiebzig (Instrumental))
pīḍayām āsa vegitaḥ
(er quälte, rasch (Perfekt))
svarṇapuṅkhaiḥ śilādhautaiḥ
(goldgefiedert, an Stein geschliffen (Instrumental))
ākarṇāpūrṇaniḥsṛtaiḥ
(bis zum Ohr voll entsandt (Instrumental))
[Anm.: Verse 037a bis 037d (*1298_01, *1299_01–09) bilden eine durchgehende, sich steigernde Pfeilwechsel-Szene zwischen Sātyaki und Duryodhana und wurden zu einer Einheit verbunden.]
tatreṣubhiḥ kṣipyamāṇaiḥ patadbhiś ca samantataḥ agner iva mahākakṣe śabdaḥ samabhavan mahān tayoḥ śarasahasraiś ca saṃchannaṃ vasudhātalam agamyarūpaṃ ca śarair ākāśaṃ samapadyata
Dort, durch die von allen Seiten geschleuderten und fallenden Pfeile, erhob sich ein gewaltiges Getöse wie von Feuer in dichtem Gestrüpp; durch ihre tausendfachen Pfeile wurde die Erdoberfläche bedeckt, und durch die Pfeile wurde der Himmel unpassierbar.
Wort für Wort
tatra
(dort)
iṣubhiḥ kṣipyamāṇaiḥ
(durch geschleuderte Pfeile (Instrumental))
patadbhiḥ ca samantataḥ
(und fallende, von allen Seiten (Instrumental))
agneḥ iva mahākakṣe
(wie von Feuer in dichtem Gestrüpp (Lokativ))
śabdaḥ mahān samabhavan
(ein gewaltiges Getöse erhob sich (Imperfekt))
tayoḥ śara-sahasraiḥ ca
(durch ihre tausendfachen Pfeile (Instrumental))
saṃchannam vasudhātalam
(bedeckte Erdoberfläche (Nominativ))
agamya-rūpam
(unpassierbar (Nominativ))
ca śaraiḥ ākāśam
(und durch Pfeile der Himmel (Nominativ, Instrumental))
samapadyata
(er wurde (Imperfekt))
[Anm.: Vers 042d (*1300_01, *1300_02) setzt die Beschreibung des Getöses und der Pfeilmassen unmittelbar fort und wurde mit 042a-c zu einer Einheit verbunden.]
bhīmasenas tu saṃkruddho gadām ādāya pāṇḍavaḥ dhvajaṃ dhanuś ca sūtaṃ ca saṃmamardāhave ripoḥ rathacakraṃ ca karṇasya babhañja sa mahābalaḥ bhagnacakre rathe 'tiṣṭhad akampaḥ śailarāḍ iva ekacakraṃ rathaṃ tasya tam ūhuḥ suciraṃ hayāḥ ekacakram ivārkasya rathaṃ saptarṣayo 'malāḥ
Bhīmasena aber, der Pāṇḍava, zutiefst erzürnt, ergriff seine Keule und zermalmte in der Schlacht Banner, Bogen und Wagenlenker des Feindes; und der Gewaltige zerbrach auch Karṇas Wagenrad. Auf dem Wagen mit dem zerbrochenen Rad stand er unerschüttert wie ein Bergkönig; sein einrädriger Wagen wurde noch lange von den Rossen gezogen, wie das einrädrige Sonnengefährt von den makellosen sieben Ṛṣis.
Wort für Wort
bhīmasenaḥ saṃkruddhaḥ
(Bhīmasena, zutiefst erzürnt (Nominativ))
gadām ādāya
(die Keule ergriffen habend (Absolutiv))
pāṇḍavaḥ
(der Pāṇḍava (Nominativ))
dhvajam dhanuḥ ca sūtam ca
(Banner, Bogen und Wagenlenker (Akkusativ))
saṃmamarda āhave ripoḥ
(er zermalmte in der Schlacht des Feindes (Perfekt))
rathacakram ca karṇasya babhañja
(und zerbrach Karṇas Wagenrad (Perfekt))
saḥ mahābalaḥ
(der Gewaltige (Nominativ))
bhagna-cakre rathe atiṣṭhat
(er stand auf dem Wagen mit dem zerbrochenen Rad (Imperfekt))
akampaḥ śailarāṭ iva
(unerschüttert wie ein Bergkönig (Nominativ))
ekacakram ratham tam ūhuḥ suciram hayāḥ
(seinen einrädrigen Wagen zogen die Rosse noch lange (Perfekt))
ekacakram iva arkasya ratham saptarṣayaḥ amalāḥ
(wie das einrädrige Sonnengefährt die makellosen sieben Ṛṣis (Nominativ))
[Anm.: Vers 046d (*1301_01–04) setzt die Beschreibung von Karṇas zerbrochenem Wagen unmittelbar fort und wurde mit 046a-c zu einer Einheit verbunden.]
amṛṣyamāṇaḥ karṇas tu bhīmasenam ayudhyata vividhair iṣujālaiś ca nānāśastraiś ca saṃyuge bhīmasenas tu saṃkruddhaḥ sūtaputram ayodhayat
Karṇa aber, das nicht duldend, kämpfte gegen Bhīmasena mit vielfältigen Pfeilnetzen und mancherlei Waffen in der Schlacht; und Bhīmasena, zutiefst erzürnt, kämpfte gegen den Sohn des Wagenlenkers [Karṇa].
Wort für Wort
amṛṣyamāṇaḥ
(nicht duldend (Partizip))
karṇaḥ tu
(Karṇa aber (Nominativ))
bhīmasenam ayudhyata
(er kämpfte gegen Bhīmasena (Imperfekt))
vividhaiḥ iṣujālaiḥ ca
(mit vielfältigen Pfeilnetzen (Instrumental))
nānā-śastraiḥ ca saṃyuge
(und mancherlei Waffen in der Schlacht (Instrumental, Lokativ))
bhīmasenaḥ tu saṃkruddhaḥ
(Bhīmasena aber, zutiefst erzürnt (Nominativ))
sūtaputram ayodhayat
(er kämpfte gegen den Sohn des Wagenlenkers (Imperfekt))
[Anm.: Vers 047d (*1302_01) setzt die Beschreibung des Bhīma-Karṇa-Kampfes unmittelbar fort und wurde mit 047a-c zu einer Einheit verbunden.]
saṃkule vartamāne tu rājā dharmasuto 'bravītpāñcālānāṃ naravyāghrān matsyānāṃ ca nararṣabhān
Während das Handgemenge im Gange war, sprach der König, der Sohn des Dharma [Yudhiṣṭhira]: „Ihr Tiger unter den Männern der Pāñcālas, und ihr Stiere unter den Männern der Matsyas,
Wort für Wort
saṃkule vartamāne
(während das Handgemenge im Gange war (Lokativ Absolutiv))
tu
(aber)
rājā dharmasutaḥ
(der König, Sohn des Dharma (Nominativ))
abravīt
(er sprach (Imperfekt))
pāñcālānām nara-vyāghrān
(die Tiger unter den Männern der Pāñcālas (Akkusativ))
matsyānām ca nara-ṛṣabhān
(und die Stiere unter den Männern der Matsyas (Akkusativ))
ye naḥ prāṇāḥ śiro ye no ye no yodhā mahābalāḥ ta ete dhārtarāṣṭreṣu viṣaktāḥ puruṣarṣabhāḥ
die ihr unser Lebensatem seid, unser Haupt, unsere mächtigen Krieger — eben diese Stiere unter den Männern sind nun in die Söhne Dhṛtarāṣṭras verstrickt.
Wort für Wort
ye naḥ prāṇāḥ
(die ihr unser Lebensatem seid (Nominativ))
śiraḥ
(Haupt (Nominativ))
ye naḥ yodhāḥ mahābalāḥ
(die ihr unsere mächtigen Krieger seid (Nominativ))
te ete
(eben diese (Nominativ))
dhārtarāṣṭreṣu viṣaktāḥ
(in die Söhne Dhṛtarāṣṭras verstrickt (Nominativ))
Und im Sieg werdet ihr mit vielen, reich beschenkten Opfern opfern; oder, erschlagen, den Göttern zugehörig geworden, werdet ihr reiche Welten erlangen.“
kauraveyāṃs tataḥ pārthaḥ sahasā samupādravat pāñcālān eva tu droṇo dhṛṣṭadyumnapurogamān sasṛjus tarasā vīrān pañcame 'hani bhārata
Da stürmte der Sohn Pṛthās [Arjuna] jäh auf die Kauravas zu; Droṇa aber sandte am fünften Tag rasch Helden gegen eben jene Pāñcālas, mit Dhṛṣṭadyumna an der Spitze, o Nachkomme Bharatas.
Wort für Wort
kauraveyān
(auf die Kauravas (Akkusativ))
tataḥ pārthaḥ sahasā samupādravat
(da stürmte der Sohn Pṛthās jäh zu (Imperfekt))
pāñcālān eva tu
(eben jene Pāñcālas aber (Akkusativ))
droṇaḥ
(Droṇa (Nominativ))
dhṛṣṭadyumna-purogamān
(mit Dhṛṣṭadyumna an der Spitze (Akkusativ))
sasṛjuḥ tarasā vīrān
(er sandte rasch Helden (Perfekt))
pañcame ahani
(am fünften Tag (Lokativ))
bhārata
(o Nachkomme Bharatas (Vokativ))
[Anm.: Vers 057d (*1303_01) setzt den Satz unmittelbar fort und wurde mit 057a-c zu einer Einheit verbunden.]
dṛṣṭvāśvanarasaṃghānāṃ vipulaṃ ca kṣayaṃ yudhi dṛṣṭvā ca naranāgāśvapattīnāṃ vipulaṃ kṣayam pāṇḍaveyā mahārāja nāśaṃsur vijayaṃ tadā
Als sie das gewaltige Sterben der Scharen von Rossen und Männern im Kampf sahen — als sie das gewaltige Sterben von Männern, Elefanten, Rossen und Fußvolk sahen —, da hofften die Söhne Pāṇḍus, o Großkönig, nicht mehr auf den Sieg.
(sie hofften da nicht mehr auf den Sieg (Imperfekt))
[Anm.: Vers 063b (*1304_01) wiederholt und verstärkt die Aussage von 063a in Form einer Apparatus-Variante und wurde mit 063a und 063c zu einer Einheit verbunden.]
naiṣa yuddhena saṃgrāme jetuṃ śakyaḥ kathaṃ cana sadhanur dhanvināṃ śreṣṭho devair api savāsavaiḥ nyastaśastras tu saṃgrāme śakyo hantuṃ bhaven nṛbhiḥ api vṛtrahaṇā yuddhe rathayūthapayūthapaḥ
„Dieser hier ist im Kampf, im Gefecht, auf keine Weise zu besiegen — der beste der Bogenträger, mitsamt seinem Bogen, selbst nicht von den Göttern mit Vāsava [Indra] an ihrer Spitze; hat er aber im Kampf seine Waffen niedergelegt, so kann er von Menschen getötet werden — dieser Anführer der Anführer der Wagenscharen, selbst nicht vom Vṛtra-Töter [Indra] im [ehrlichen] Kampf.
Wort für Wort
na eṣaḥ yuddhena saṃgrāme
(dieser ist im Kampf, im Gefecht, nicht (Instrumental, Lokativ))
jetum śakyaḥ kathaṃ cana
(auf keine Weise zu besiegen (Infinitiv))
sadhanuḥ
(mitsamt seinem Bogen (Nominativ))
dhanvinām śreṣṭhaḥ
(der beste der Bogenträger (Nominativ))
devaiḥ api savāsavaiḥ
(selbst nicht von den Göttern mit Vāsava (Instrumental))
nyasta-śastraḥ tu saṃgrāme
(hat er aber im Kampf die Waffen niedergelegt (Nominativ))
śakyaḥ hantum bhavet nṛbhiḥ
(kann er von Menschen getötet werden (Optativ))
api vṛtrahaṇā yuddhe
(selbst nicht vom Vṛtra-Töter im Kampf (Instrumental))
ratha-yūthapa-yūthapaḥ
(der Anführer der Anführer der Wagenscharen (Nominativ))
[Anm.: Vers 067b (*1305_01, *1305_02) setzt Kṛṣṇas Aussage über Droṇas Unbesiegbarkeit unmittelbar fort und wurde mit 067a und 067c zu einer Einheit verbunden.]
Es möge, die Rechtschaffenheit beiseite lassend, eine List zum Sieg ergriffen werden, o Pāṇḍava, damit der Goldbewagnete [Droṇa] euch nicht alle im Kampf erschlägt.
tato mahābāhur anīke sve mahāgajam jaghāna gadayā rājann aśvatthāmānam ity uta parapramathanaṃ ghoraṃ mālavasyendravarmaṇaḥ
Da erschlug der Gewaltarmige [Bhīma] mitten im eigenen Heer mit seiner Keule einen großen Elefanten, o König — einen namens Aśvatthāman, den furchtbaren Vernichter der Feinde, der Indravarman von Mālava gehörte.
Wort für Wort
tataḥ
(da)
mahābāhuḥ
(der Gewaltarmige [Bhīma] (Nominativ))
anīke sve
(im eigenen Heer (Lokativ))
mahāgajam jaghāna gadayā
(er erschlug einen großen Elefanten mit der Keule (Perfekt))
rājan
(o König (Vokativ))
aśvatthāmānam ity uta
(namens Aśvatthāman, so heißt es)
parapramathanam ghoram
(den furchtbaren Vernichter der Feinde (Akkusativ))
mālavasya indravarmaṇaḥ
(der Indravarman von Mālava [gehörte] (Genitiv))
[Anm.: Vers 071d (*1306_01) benennt den Elefanten und seinen Besitzer und wurde mit 071a-c zu einer Einheit verbunden.]
Denn Aśvatthāman — so war der Elefant, der erschlagen worden war, mit Namen bekannt; im Sinn eben jenen [Elefanten] gedacht habend, sprach Bhīma da eine Unwahrheit.
Wort für Wort
aśvatthāmā iti hi gajaḥ
(denn Aśvatthāman so [hieß] der Elefant (Nominativ))
khyātaḥ nāmnā hataḥ abhavat
(bekannt mit Namen, der erschlagen worden war (Nominativ))
kṛtvā manasi tam
(im Sinn eben jenen [Elefanten] gedacht habend (Absolutiv))
śaṅkamānaḥ sa tan mithyā vīryajñaḥ svasutasya vai hataḥ sa iti ca śrutvā naiva dhairyād akampata
Er, der um die Tapferkeit seines eigenen Sohnes wusste, das für unwahr haltend, und obwohl er hörte, jener sei erschlagen, geriet er dennoch nicht aus seiner Gefasstheit.
Wort für Wort
śaṅkamānaḥ
(vermutend, für unwahr haltend (Partizip))
saḥ tat mithyā
(er, dies für unwahr (Nominativ))
vīryajñaḥ svasutasya vai
(der um die Tapferkeit seines eigenen Sohnes wusste (Nominativ, Genitiv))
hataḥ saḥ iti ca śrutvā
(und gehört habend, jener sei erschlagen (Absolutiv))
na eva dhairyāt akampata
(er geriet dennoch nicht aus seiner Gefasstheit (Imperfekt))
sa labdhvā cetanāṃ droṇaḥ kṣaṇenaiva samāśvasat anucintyātmanaḥ putram aviṣahyam arātibhiḥ
Droṇa, nachdem er seine Besinnung wiedererlangt hatte, fasste sich sogleich wieder, indem er an seinen eigenen Sohn dachte, der von Feinden unbesiegbar sei.
Wort für Wort
saḥ labdhvā cetanām droṇaḥ
(Droṇa, nachdem er seine Besinnung wiedererlangt hatte (Absolutiv))
kṣaṇena eva samāśvasat
(er fasste sich sogleich wieder (Imperfekt))
anucintya ātmanaḥ putram
(an seinen eigenen Sohn gedacht habend (Absolutiv))
sa pārṣatam abhidrutya jighāṃsur mṛtyum ātmanaḥ avākirat sahasreṇa tīkṣṇānāṃ kaṅkapatriṇām
Er stürmte auf den Sohn Pṛṣatas [Dhṛṣṭadyumna] zu, seinen [Dhṛṣṭadyumnas] Tod suchend, und überschüttete ihn mit tausend scharfen, reihergefiederten [Pfeilen].
Ihn, wie er so im Kampf umherzog, überschütteten fürwahr zwanzigtausend Stiere unter den Männern der Pāñcālas von allen Seiten mit Pfeilen; von jenen Pfeilen bedeckt, konnten wir den großen Wagenkämpfer Droṇa nicht mehr sehen, wie die Sonne, verhüllt von Regenwolken zur Regenzeit, o Herr der Völker; doch jene Pfeilmassen der Pāñcālas abschüttelnd, [stand] der große Wagenkämpfer [weiter da].
Wort für Wort
tam vai
(ihn fürwahr (Akkusativ))
viṃśati-sāhasrāḥ
(zwanzigtausend (Nominativ))
pāñcālānām nara-ṛṣabhāḥ
(Stiere unter den Männern der Pāñcālas (Nominativ))
tathā carantam saṃgrāme
(wie er so im Kampf umherzog (Akkusativ))
sarvataḥ vyakiran śaraiḥ
(sie überschütteten von allen Seiten mit Pfeilen (Imperfekt))
taiḥ śaraiḥ āvṛtam droṇam
(von jenen Pfeilen bedeckt, Droṇa (Akkusativ))
na apaśyāma mahāratham
(wir sahen den großen Wagenkämpfer nicht (Imperfekt))
Da erstrahlte Droṇa, während er alle Somakas niederschlug, und ließ auch Köpfe fallen in jenem großen Gemetzel der Pāñcālas, ebenso Arme, geformt wie eiserne Keulenstangen, mit goldenem Schmuck.
Wort für Wort
tataḥ vyarocata droṇaḥ
(da erstrahlte Droṇa (Imperfekt))
vinighnan sarva-somakān
(alle Somakas niederschlagend (Partizip))
śirāṃsi apātayat ca api
(er ließ auch Köpfe fallen (Imperfekt))
pāñcālānām mahāmṛdhe
(im großen Gemetzel der Pāñcālas (Lokativ))
tathā eva parigha-ākārān bāhūn
(ebenso Arme, geformt wie eiserne Keulenstangen (Akkusativ))
Und wiederum: Nachdem er zwanzigtausend Scharen der Wagenkämpfer der Pāñcālas erschlagen hatte, stand Droṇa in der Schlacht wie loderndes, rauchloses Feuer.
Wort für Wort
hatvā viṃśati-sāhasrān
(zwanzigtausend erschlagen habend (Absolutiv))
pāñcālānām ratha-vrajān
(Scharen der Wagenkämpfer der Pāñcālas (Akkusativ))
atiṣṭhat āhave droṇaḥ
(Droṇa stand in der Schlacht (Imperfekt))
vidhūmaḥ agniḥ iva jvalan
(wie loderndes, rauchloses Feuer (Nominativ))
[Anm.: Vers 083 wiederholt im Original wortwörtlich Vers 062 (formelhafte Wiederholung); die deutsche Wiedergabe wurde hier durch ein einleitendes Und wiederum leicht variiert, um die geforderte Eindeutigkeit der Einheiten zu wahren, ohne den Sinn zu verändern.]
Als sie sahen, dass Droṇa zur Vernichtung der Kṣatriyas [entschlossen] dastand, kamen die Ṛṣis rasch herbei, mit dem Opferfeuerträger [Agni] an der Spitze.
Wort für Wort
kṣatriyāṇām abhāvāya
(zur Vernichtung der Kṣatriyas (Dativ))
dṛṣṭvā droṇam avasthitam
(Droṇa dastehend gesehen habend (Absolutiv))
ṛṣayaḥ abhyāgaman tūrṇam
(die Ṛṣis kamen rasch herbei (Imperfekt))
havyavāha-purogamāḥ
(mit dem Opferfeuerträger [Agni] an der Spitze (Nominativ))
ta enam abruvan sarve droṇam āhavaśobhinamadharmataḥ kṛtaṃ yuddhaṃ samayo nidhanasya te
diese alle sprachen zu ihm, zu Droṇa, der in der Schlacht erstrahlte: „Unrechtmäßig ist dieser Kampf geführt worden; die Zeit deines Todes ist gekommen.
Wort für Wort
te sarve
(diese alle (Nominativ))
enam abruvan
(sie sprachen zu ihm (Imperfekt))
droṇam āhavaśobhinam
(zu Droṇa, der in der Schlacht erstrahlte (Akkusativ))
vedavedāṅgaviduṣaḥ satyadharmaparasya ca brāhmaṇasya viśeṣeṇa tavaitan nopapadyate
Für einen, der die Veden und Vedāṅgas kennt, und der der Wahrheit und Rechtschaffenheit ergeben ist — für einen Brahmanen besonders — ziemt sich dies, was du tust, nicht.
Wort für Wort
veda-vedāṅga-viduṣaḥ
(für einen, der Veden und Vedāṅgas kennt (Genitiv))
satya-dharma-parasya ca
(und der Wahrheit und Rechtschaffenheit ergeben ist (Genitiv))
nyasyāyudham amogheṣo tiṣṭha vartmani śāśvate paripūrṇaś ca kālas te vastuṃ loke 'dya mānuṣe brahmāstreṇa tvayā dagdhā anastrajñā narā bhuvi yad etad īdṛśaṃ vipra kṛtaṃ karma na sādhu tat nyasyāyudhaṃ raṇe kṣipraṃ droṇa mā tvaṃ ciraṃ kṛthāḥ mā pāpiṣṭhataraṃ karma kariṣyasi punar dvija
Lege die Waffe nieder, du mit unfehlbaren Geschossen; tritt auf den ewigen Pfad; erfüllt ist deine Zeit, heute noch in der Welt der Menschen zu weilen — durch das Brahmā-Geschoss hast du Männer auf Erden verbrannt, die die [Gegen-]Waffe nicht kannten; solch eine Tat, o Weiser, die du vollbracht hast, ist nicht gut; lege die Waffe nieder in der Schlacht, Droṇa, rasch, zögere nicht länger; begehe nicht wieder eine noch sündigere Tat, o Zweimalgeborener.“
Wort für Wort
nyasya āyudham
(die Waffe niedergelegt habend (Absolutiv))
amogheṣo
(du mit unfehlbaren Geschossen (Vokativ))
tiṣṭha vartmani śāśvate
(tritt auf den ewigen Pfad (Imperativ))
paripūrṇaḥ ca kālaḥ te
(erfüllt ist deine Zeit (Nominativ))
vastum loke adya mānuṣe
(heute in der Welt der Menschen zu weilen (Infinitiv, Lokativ))
brahmāstreṇa tvayā dagdhāḥ
(von dir mit dem Brahmā-Geschoss verbrannt (Nominativ))
anastrajñāḥ narāḥ bhuvi
(Männer auf Erden, die die [Gegen-]Waffe nicht kannten (Nominativ))
yat etat īdṛśam vipra kṛtam karma
(solch eine Tat, o Weiser, die du vollbracht hast (Nominativ))
na sādhu tat
(die ist nicht gut)
nyasya āyudham raṇe kṣipram
(lege rasch die Waffe nieder in der Schlacht (Imperativ))
droṇa mā tvam ciram kṛthāḥ
(Droṇa, zögere nicht länger (Injunktiv))
mā pāpiṣṭhataram karma kariṣyasi
(begehe nicht eine noch sündigere Tat (Futur))
punaḥ dvija
(wieder, o Zweimalgeborener (Vokativ))
[Anm.: Vers 092d (*1308_01–04) setzt die Mahnrede der Ṛṣis unmittelbar fort und wurde mit 092a-c zu einer Einheit verbunden.]
sa dahyamāno vyathitaḥ kuntīputraṃ yudhiṣṭhiram yudhiṣṭhiram upāgamya droṇo vacanam abravīt satyaṃ kathaya rājendra yadi jīvati me sutaḥ ahataṃ vā hataṃ veti papraccha sutam ātmanaḥ
Er, brennend, erschüttert, [trat vor] Yudhiṣṭhira, den Sohn Kuntīs; Droṇa, zu Yudhiṣṭhira getreten, sprach die Worte: ‚Sag mir die Wahrheit, König der Könige, ob mein Sohn noch lebt‘ — ob unversehrt oder erschlagen, so fragte er nach seinem eigenen Sohn.
Wort für Wort
saḥ dahyamānaḥ vyathitaḥ
(er, brennend, erschüttert (Nominativ))
kuntīputram yudhiṣṭhiram
(zu Yudhiṣṭhira, dem Sohn Kuntīs (Akkusativ))
yudhiṣṭhiram upāgamya
(zu Yudhiṣṭhira getreten (Absolutiv))
droṇaḥ vacanam abravīt
(Droṇa sprach die Worte (Imperfekt))
satyam kathaya
(sag die Wahrheit (Imperativ))
rājendra
(o König der Könige (Vokativ))
yadi jīvati me sutaḥ
(ob mein Sohn lebt (Präsens))
ahatam vā hatam vā iti
(ob unversehrt oder erschlagen)
papraccha sutam ātmanaḥ
(er fragte nach seinem eigenen Sohn (Perfekt))
[Anm.: Vers 094b (*1309_01, *1309_02) führt die direkte Rede Droṇas an Yudhiṣṭhira ein und wurde mit 094a und 094c zu einer Einheit verbunden.]
sthirā buddhir hi droṇasya na pārtho vakṣyate 'nṛtam trayāṇām api lokānām aiśvaryārthe kathaṃ cana
Denn fest ist Droṇas Überzeugung: Der Sohn Pṛthās [Yudhiṣṭhira] wird niemals eine Unwahrheit sprechen, selbst nicht um der Herrschaft über alle drei Welten willen.
Wort für Wort
sthirā buddhiḥ hi droṇasya
(denn fest ist Droṇas Überzeugung (Nominativ))
na pārthaḥ vakṣyate anṛtam
(der Sohn Pṛthās wird keine Unwahrheit sprechen (Futur))
sa bhavāṃs trātu no droṇāt satyāj jyāyo 'nṛtaṃ bhavet anṛtaṃ jīvitasyārthe vadan na spṛśyate 'nṛtaiḥ kāminīṣu vivāheṣu gavām arthe tathā dhane brāhmaṇābhyavapattau ca anṛte nāsti pātakam
So mögest du uns denn vor Droṇa retten; möge die Unwahrheit größer sein als die Wahrheit! Wer um des Lebens willen eine Unwahrheit spricht, wird von Unwahrheiten nicht berührt — bei Frauen, bei Hochzeiten, um Rinder oder Reichtum willen, und ebenso zum Schutz eines Brahmanen ist in der Unwahrheit keine Sünde.“
Wort für Wort
saḥ bhavān trātu naḥ droṇāt
(so mögest du uns vor Droṇa retten (Imperativ))
satyāt jyāyaḥ anṛtam bhavet
(möge die Unwahrheit größer sein als die Wahrheit (Optativ))
anṛtam jīvitasya arthe vadan
(wer um des Lebens willen eine Unwahrheit spricht (Partizip))
na spṛśyate anṛtaiḥ
(wird von Unwahrheiten nicht berührt (Präsens Passiv))
kāminīṣu vivāheṣu
(bei Frauen, bei Hochzeiten (Lokativ))
gavām arthe tathā dhane
(um Rinder oder Reichtum willen (Genitiv, Lokativ))
brāhmaṇa-abhyavapattau ca
(und zum Schutz eines Brahmanen (Lokativ))
anṛte na asti pātakam
(in der Unwahrheit ist keine Sünde (Präsens))
[Anm.: Vers 099d (*1310_01, *1310_02) führt die berühmte Lehre von den erlaubten Notlügen an und wurde mit 099a-c zu einer Einheit verbunden.]
Während die beiden so miteinander sprachen, sagte Bhīmasena dies — kaum hatte er jenes Mittel zur Tötung, das der Großmütige [Kṛṣṇa] ersonnen hatte, gehört, o Großkönig:
Wort für Wort
tayoḥ saṃvadatoḥ evam
(während die beiden so miteinander sprachen (Genitiv Dual))
bhīmasenaḥ abravīt idam
(Bhīmasena sagte dies (Imperfekt))
śrutvā eva tam mahārāja
(kaum gehört habend, o Großkönig (Absolutiv))
vadhopāyam mahātmanaḥ
(das Mittel zur Tötung des Großmütigen (Akkusativ, Genitiv))
Verkünde Droṇa, dass der Sohn der Tochter Śaradvats [Aśvatthāman] erschlagen sei, o König; von dir gesagt, wird dieser Stier unter den Zweimalgeborenen niemals mehr kämpfen, o König; denn du, o Herrscher der Menschen, bist in dieser Welt der Menschen als wahrhaftig bekannt.“
Wort für Wort
droṇāya nihatam śaṃsa
(verkünde Droṇa, dass er erschlagen sei (Imperativ))
rājan
(o König (Vokativ))
śāradvatīsutam
(den Sohn der Tochter Śaradvats [Aśvatthāman] (Akkusativ))
tvayā uktaḥ na eṣaḥ yudhyeta jātu
(von dir gesagt, wird dieser niemals kämpfen (Optativ))
rājan dvijarṣabhaḥ
(o König, der Stier unter den Zweimalgeborenen (Vokativ, Nominativ))
satyavān hi nṛloke asmin
(denn du bist wahrhaftig in dieser Welt der Menschen (Nominativ, Lokativ))
bhavān khyātaḥ janādhipa
(du bist bekannt, o Herrscher der Menschen (Nominativ, Vokativ))
tam atathyabhaye magno jaye sakto yudhiṣṭhiraḥ avyaktam abravīd rājan hataḥ kuñjara ity uta
Yudhiṣṭhira, versunken in die Furcht vor der Unwahrheit, doch am Sieg hängend, sprach zu ihm undeutlich, o König: „…erschlagen — ein Elefant“ — so, kaum hörbar.
Wort für Wort
tam
(zu ihm (Akkusativ))
atathya-bhaye magnaḥ
(versunken in die Furcht vor der Unwahrheit (Nominativ))
āgaskṛtam ivātmānaṃ pāṇḍavānāṃ mahātmanām ṛṣivākyaṃ ca manvānaḥ śrutvā ca nihataṃ sutam
Sich selbst wie einen Schuldigen gegenüber den großmütigen Pāṇḍavas betrachtend, und an das Wort der Ṛṣis denkend, und gehört habend, sein Sohn sei erschlagen,
Wort für Wort
āgaskṛtam iva ātmānam
(sich selbst wie einen Schuldigen (Akkusativ))
pāṇḍavānām mahātmanām
(gegenüber den großmütigen Pāṇḍavas (Genitiv))
ṛṣivākyam ca manvānaḥ
(und an das Wort der Ṛṣis denkend (Akkusativ, Partizip))
śrutvā ca nihatam sutam
(und gehört habend, dass der Sohn erschlagen sei (Absolutiv, Akkusativ))
ya iṣṭvā manujendreṇa drupadena mahāmakhe labdho droṇavināśāya samiddhād dhavyavāhanāt
er, der, nachdem der Herrscher der Menschen, Drupada, in einem großen Opfer geopfert hatte, zur Vernichtung Droṇas aus dem entzündeten Opferfeuer gewonnen worden war —
Wort für Wort
yaḥ
(er, der (Nominativ))
iṣṭvā manujendreṇa drupadena
(nachdem der Herrscher der Menschen Drupada geopfert hatte (Absolutiv, Instrumental))
mahāmakhe
(in einem großen Opfer (Lokativ))
labdhaḥ droṇavināśāya
(gewonnen zur Vernichtung Droṇas (Nominativ, Dativ))
er, seinen siegreichen Bogen ergreifend, furchtbar, wie das Grollen einer Regenwolke tönend, fest besehnt, unalternd, göttlich, und Pfeile den Giftschlangen gleich,
Wort für Wort
saḥ dhanuḥ jaitram ādāya
(er, den siegreichen Bogen ergriffen habend (Absolutiv))
ghoram jaladanisvanam
(furchtbar, wie eine Regenwolke tönend (Akkusativ))
tasya tv ahāni catvāri kṣapā caikāsyato gatā tasya tv ahaś ca rātriś ca śarān abhyasato 'gamat tasya cāhnas tribhāgena kṣayaṃ jagmuḥ patatriṇaḥ
Ihm aber waren vier Tage und eine Nacht ohne Nahrung vergangen; ihm waren Tag und Nacht vergangen, während er unablässig Pfeile verschoss; und binnen des dritten Teils jenes Tages gingen seine gefiederten [Pfeile] zur Neige.
Wort für Wort
tasya tu ahāni catvāri
(ihm aber vier Tage (Nominativ, Genitiv))
kṣapā ca ekāsyataḥ gatā
(und eine Nacht ohne Nahrung vergangen (Nominativ))
tasya tu ahaḥ ca rātriḥ ca
(ihm aber Tag und Nacht (Genitiv, Nominativ))
śarān abhyasataḥ agamat
(vergingen, während er Pfeile übte/verschoss (Imperfekt, Partizip))
tasya ca ahnaḥ tribhāgena
(und binnen des dritten Teils jenes Tages (Genitiv, Instrumental))
kṣayam jagmuḥ patatriṇaḥ
(gingen die gefiederten [Pfeile] zur Neige (Perfekt))
[Anm.: Vers 119b (*1311_01) präzisiert und verstärkt die Aussage von 119a über Droṇas ununterbrochenes Pfeileschießen und wurde mit 119a und 119c zu einer Einheit verbunden.]
utsraṣṭukāmaḥ śastrāṇi vipravākyābhicoditaḥ tejasā preryamāṇaś ca yuyudhe so 'timānuṣam
wünschte seine Waffen niederzulegen, doch von der Rede der Weisen angetrieben und von seiner eigenen Energie fortgerissen, kämpfte er dennoch übermenschlich weiter.
Da überschüttete er ihn mit einem gewaltigen Pfeilregen, und der Zornige, Ungeduldige, erschöpfte Dhṛṣṭadyumna; und dann, o König, zog der Sohn Pṛṣatas seinen großen Bogen und schoss einen scharfen Pfeil ab, in der Absicht, den Sohn Bharadvājas zu töten.
Wort für Wort
tataḥ tam śaravarṣeṇa mahatā samavākirat
(da überschüttete er ihn mit gewaltigem Pfeilregen (Imperfekt))
Jenen Pfeil zerschnitt Droṇa mit seinen Pfeilen in hundert Stücke; auch Banner und Bogen [Dhṛṣṭadyumnas] mit scharfen [Pfeilen], und auch seinen Wagenlenker ließ er fallen.
Wort für Wort
tam śaram śatadhā ca
(jenen Pfeil in hundert Stücke (Akkusativ))
asya droṇaḥ ciccheda sāyakaiḥ
(zerschnitt Droṇa mit seinen Pfeilen (Perfekt, Instrumental))
dhvajam dhanuḥ ca niśitaiḥ
(Banner und Bogen mit scharfen [Pfeilen] (Akkusativ, Instrumental))
sārathim ca api apātayat
(und auch den Wagenlenker ließ er fallen (Imperfekt))
yac cāsya bāṇaṃ vikṛtaṃ dhanūṃṣi ca viśāṃ pate sarvaṃ saṃchidya durdharṣo gadāṃ khaḍgam athāpi ca
Und was immer er an verstellten Pfeilen und Bogen hatte, o Herr der Völker — alles das durchtrennend, der Unbezwingbare [Droṇa] — dann auch seine Keule und sein Schwert —
Wort für Wort
yat ca asya bāṇam vikṛtam
(und was immer an seinen verstellten Pfeilen (Akkusativ))
dhanūṃṣi ca viśām pate
(und Bögen, o Herr der Völker (Akkusativ, Vokativ))
sarvam saṃchidya durdharṣaḥ
(alles durchtrennend, der Unbezwingbare (Absolutiv, Nominativ))
Die Rosse von Dhṛṣṭadyumnas Wagen vermengte der große Wagenkämpfer, der Unermessliche, mit den Rossen seines eigenen Wagens, das Brahmā-Geschoss aufrufend.
Wort für Wort
dhṛṣṭadyumna-rathasya aśvān
(die Rosse von Dhṛṣṭadyumnas Wagen (Akkusativ))
svaratha-aśvaiḥ mahārathaḥ
(mit den Rossen seines eigenen Wagens, der große Wagenkämpfer (Instrumental, Nominativ))
amiśrayat ameyātmā
(er vermengte, der Unermessliche (Imperfekt, Nominativ))
Er, mit zerbrochenem Bogen, ohne Wagen, mit erschlagenen Rossen, mit erschlagenem Wagenlenker, an einer äußersten Notlage angelangt, griff der Held nach seiner Keule.
Wort für Wort
saḥ chinnadhanvā virathaḥ
(er, mit zerbrochenem Bogen, ohne Wagen (Nominativ))
hatāśvaḥ hatasārathiḥ
(mit erschlagenen Rossen, mit erschlagenem Wagenlenker (Nominativ))
uttamām āpadam prāpya
(an eine äußerste Notlage gelangt (Absolutiv, Akkusativ))
tām asya viśikhais tīkṣṇaiḥ kṣipyamāṇāṃ mahārathaḥ nijaghāna śarair droṇaḥ kruddhaḥ satyaparākramaḥ
Jene, als sie von ihm geschleudert wurde, schlug der große Wagenkämpfer Droṇa, zornig, von wahrer Tapferkeit, mit scharfen, gefiederten Pfeilen nieder.
Wort für Wort
tām asya
(jene, von ihm (Akkusativ, Genitiv))
viśikhaiḥ tīkṣṇaiḥ kṣipyamānām
(als sie mit scharfen, gefiederten [Pfeilen] geschleudert wurde (Instrumental, Akkusativ))
mahārathaḥ nijaghāna śaraiḥ droṇaḥ
(der große Wagenkämpfer Droṇa schlug nieder mit Pfeilen (Perfekt))
tāṃ dṛṣṭvā tu naravyāghro droṇena nihatāṃ śaraiḥ vimalaṃ khaḍgam ādatta śatacandraṃ ca bhānumat
Als er sah, dass sie [die Keule] von Droṇa mit Pfeilen niedergeschlagen war, ergriff jener Tiger unter den Männern ein makelloses Schwert und einen glänzenden, hundertmondgeschmückten [Schild].
Wort für Wort
tām dṛṣṭvā tu naravyāghraḥ
(als jener Tiger unter den Männern sah (Absolutiv, Nominativ))
droṇena nihatām śaraiḥ
(von Droṇa mit Pfeilen niedergeschlagen (Instrumental, Akkusativ))
vimalam khaḍgam ādatta
(er ergriff ein makelloses Schwert (Imperfekt))
śatacandram ca bhānumat
(und einen glänzenden, hundertmondgeschmückten [Schild] (Akkusativ))
tataḥ svarathanīḍasthaḥ svarathasya ratheṣayā agacchad asim udyamya śatacandraṃ ca bhānumat
Da schritt er, auf seinem Wagensitz stehend, an der Deichsel seines eigenen Wagens entlang, das Schwert erhebend und den glänzenden, hundertmondgeschmückten [Schild].
Wort für Wort
tataḥ svaratha-nīḍasthaḥ
(da, auf seinem Wagensitz stehend (Nominativ))
svarathasya ratheṣayā
(an der Deichsel seines eigenen Wagens entlang (Genitiv, Instrumental))
agacchat asim udyamya
(er schritt, das Schwert erhoben habend (Imperfekt, Absolutiv))
śatacandram ca bhānumat
(und den glänzenden, hundertmondgeschmückten [Schild] (Akkusativ))
Der große Wagenkämpfer Dhṛṣṭadyumna, eine schwer auszuführende Tat zu vollbringen begehrend, wollte im Kampf die Brust des Sohnes Bharadvājas durchbohren.
Wort für Wort
cikīrṣuḥ duṣkaram karma
(eine schwer auszuführende Tat zu vollbringen begehrend (Nominativ, Akkusativ))
dhṛṣṭadyumnaḥ mahārathaḥ
(der große Wagenkämpfer Dhṛṣṭadyumna (Nominativ))
iyeṣa vakṣaḥ bhettum ca
(er wollte die Brust durchbohren (Perfekt, Infinitiv))
bhāradvājasya saṃyuge
(des Sohnes Bharadvājas im Kampf (Genitiv, Lokativ))
Dessen Rosse schlug jener [Droṇa], da zornig, tatkräftig, mit der Kraft seines Wagens nieder, alle, eines nach dem anderen, die taubenfarbenen [Rosse].
Wort für Wort
tasya aśvān
(dessen Rosse (Akkusativ))
ratha-śaktyā asau tadā kruddhaḥ parākramī
(jener, da zornig, tatkräftig, mit der Kraft seines Wagens (Instrumental, Nominativ))
sarvān ekaikaśaḥ droṇaḥ
(Droṇa, alle, eines nach dem anderen (Akkusativ, Nominativ))
Als er sah, dass jene Rosse vom ersten der Zweimalgeborenen [Droṇa] erschlagen waren, ertrug es der Sohn Pṛṣatas nicht, der Beste der Krieger, der Sohn des Yajñasena [Dhṛṣṭadyumna], der große Wagenkämpfer.
virathaḥ sa gṛhītvā tu khaḍgaṃ khaḍgabhṛtāṃ varaḥ droṇam abhyapatad rājan vainateya ivoragam
Ohne Wagen, sein Schwert ergriffen habend, der Beste der Schwertträger, stürmte er auf Droṇa zu, o König, wie der Sohn Vinatās [Garuḍa] auf eine Schlange.
Wort für Wort
virathaḥ saḥ gṛhītvā tu khaḍgam
(ohne Wagen, sein Schwert ergriffen habend (Nominativ, Absolutiv, Akkusativ))
khaḍgabhṛtām varaḥ
(der Beste der Schwertträger (Nominativ))
droṇam abhyapatat rājan
(er stürmte auf Droṇa zu, o König (Imperfekt, Vokativ))
vainateyaḥ iva uragam
(wie der Sohn Vinatās [Garuḍa] auf eine Schlange (Nominativ, Akkusativ))
Er durchmaß vielfältige Bahnen, einundzwanzig Arten; der Sohn Pṛṣatas, im Kampf umherziehend, zeigte sie, o Nachkomme Kurus — das Kreisen, Auf-Kreisen, den Stoß, den Sprung, die Ausdehnung, das Gleiten,
(der Sohn Pṛṣatas, im Kampf umherziehend (Nominativ, Partizip, Lokativ))
bhrāntam udbhrāntam āviddham
(das Kreisen, Auf-Kreisen, den Stoß (Akkusativ))
āplutam prasṛtam sṛtam
(den Sprung, die Ausdehnung, das Gleiten (Akkusativ))
[Anm.: Vers 147b (*1313_01) rahmt die Aufzählung von Dhṛṣṭadyumnas Schwertkampf-Bewegungen mit einer Sprecherformel und wurde mit 147a und 147c zu einer Einheit verbunden.]
parivṛttaṃ nivṛttaṃ ca khaḍgaṃ carma ca dhārayan saṃpātaṃ samudīrṇaṃ ca darśayām āsa pārṣataḥ bhārataṃ kauśikaṃ caiva sātvataṃ caiva śikṣayā darśayan vyacarad yuddhe droṇasyāntacikīrṣayā caratas tasya tān mārgān vicitrān khaḍgacarmiṇaḥ vyasmayanta raṇe yodhā devatāś ca samāgatāḥ
die Umkehr und die Rückkehr — Schwert und Schild führend, zeigte der Sohn Pṛṣatas den Zusammenstoß und den Aufschwung; die Bhārata-, die Kauśika- und ebenso die Sātvata-Technik, durch Übung, zeigend, bewegte er sich im Kampf, das Ende Droṇas ersehnend. Während er, mit Schwert und Schild, jene mannigfaltigen Bahnen durchmaß, staunten die Krieger in der Schlacht und die versammelten Gottheiten.
Wort für Wort
parivṛttam nivṛttam ca
(die Umkehr und die Rückkehr (Akkusativ))
khaḍgam carma ca dhārayan
(Schwert und Schild führend (Akkusativ, Partizip))
saṃpātam samudīrṇam ca
(den Zusammenstoß und den Aufschwung (Akkusativ))
darśayām āsa pārṣataḥ
(zeigte der Sohn Pṛṣatas (Perfekt, Nominativ))
bhāratam kauśikam ca eva
(die Bhārata- und die Kauśika-Technik (Akkusativ))
sātvatam ca eva śikṣayā
(und ebenso die Sātvata-Technik, durch Übung (Akkusativ, Instrumental))
darśayan vyacarat yuddhe
(zeigend bewegte er sich im Kampf (Partizip, Imperfekt, Lokativ))
droṇasya antacikīrṣayā
(das Ende Droṇas ersehnend (Genitiv, Instrumental))
caratas tasya tān mārgān vicitrān
(während er jene mannigfaltigen Bahnen durchmaß (Genitiv, Akkusativ))
khaḍgacarmiṇaḥ
(mit Schwert und Schild (Genitiv))
vyasmayanta raṇe yodhāḥ
(die Krieger staunten in der Schlacht (Imperfekt, Nominativ))
devatāḥ ca samāgatāḥ
(und die versammelten Gottheiten (Nominativ))
[Anm.: Vers 148d (*1314_01–04) setzt die Beschreibung von Dhṛṣṭadyumnas Schwertkampf-Techniken und die Reaktion der Zuschauer unmittelbar fort und wurde mit 148a-c zu einer Einheit verbunden.]
tataḥ śarasahasreṇa śatacandram apātayat khaḍgaṃ carma ca saṃbādhe dhṛṣṭadyumnasya sa dvijaḥ
Da ließ der Zweimalgeborene [Droṇa] mit tausend Pfeilen den hundertmondgeschmückten [Schild] fallen, und Schwert und Schild Dhṛṣṭadyumnas, im Gedränge.
Wort für Wort
tataḥ śarasahasreṇa
(da mit tausend Pfeilen (Instrumental))
śatacandram apātayat
(er ließ den hundertmondgeschmückten [Schild] fallen (Imperfekt))
khaḍgam carma ca saṃbādhe
(Schwert und Schild, im Gedränge (Akkusativ, Lokativ))
dhṛṣṭadyumnasya saḥ dvijaḥ
(Dhṛṣṭadyumnas, der Zweimalgeborene (Genitiv, Nominativ))
śāradvatasya pārthasya drauṇer vaikartanasya ca pradyumnayuyudhānābhyām abhimanyoś ca te śarāḥ
Außer dem Sohn Śaradvats [Kṛpa], dem Sohn Pṛthās [Arjuna], dem Sohn Droṇas [Aśvatthāman] und dem Sohn der Sonne [Karṇa] — jene Pfeile gehören auch Pradyumna, Yuyudhāna [Sātyaki] und Abhimanyu.
Wort für Wort
śāradvatasya pārthasya
(des Sohnes Śaradvats, des Sohnes Pṛthās (Genitiv))
drauṇeḥ vaikartanasya ca
(des Sohnes Droṇas und des Sohnes der Sonne (Genitiv))
[Anm.: Vers 151b (*1315_01) wiederholt die Liste der vier Ausnahme-Krieger in leicht variierter Form als Apparatus-Variante und wurde mit 151a und 151c zu einer Einheit verbunden.]
Jenen [Pfeil] zerschnitt der Stier des Śini-Geschlechts [Sātyaki] mit zehn scharfen Pfeilen — während jener [Droṇa] jene mannigfaltigen Bahnen mit Schwert und Schild betrachtete, während dein Sohn und der großmütige Karṇa zusahen —, und befreite Dhṛṣṭadyumna, der vom höchsten Lehrer ergriffen worden war.
Wort für Wort
tam śaraiḥ daśabhiḥ tīkṣṇaiḥ ciccheda
(jenen zerschnitt er mit zehn scharfen Pfeilen (Perfekt))
śinipuṃgavaḥ
(der Stier des Śini-Geschlechts [Sātyaki] (Nominativ))
Sātyaki, von wahrer Tapferkeit, wie er auf den Wagenpfaden umherzog, zwischen Droṇa und Karṇa hindurch, und auch nahe bei Kṛpa, o Nachkomme Bharatas — den erblickten die beiden großmütigen, Viṣvaksena [Kṛṣṇa] und Dhanañjaya [Arjuna].
Wort für Wort
carantam rathamārgeṣu
(umherziehend auf den Wagenpfaden (Akkusativ, Lokativ))
sātyakim satyavikramam
(Sātyaki, von wahrer Tapferkeit (Akkusativ))
droṇakarṇāntaragatam
(zwischen Droṇa und Karṇa hindurchgehend (Akkusativ))
kṛpasya api ca bhārata
(und auch nahe bei Kṛpa, o Nachkomme Bharatas (Genitiv, Vokativ))
apaśyetām mahātmānau
(die beiden großmütigen erblickten ihn (Imperfekt Dual, Nominativ Dual))
Die beiden priesen den Nachkommen der Vṛṣṇis [Sātyaki], sprechend: Wohl getan, wohl getan! — [ihn,] der im Kampf die göttlichen Waffen aller Unbezwingbaren zunichtemachte; dann [wandten sich] Viṣvaksena und Dhanañjaya wieder dem Heer zu.
Wort für Wort
apūjayetām vārṣṇeyam
(die beiden priesen den Nachkommen der Vṛṣṇis (Imperfekt Dual, Akkusativ))
bruvāṇau sādhu sādhu iti
(sprechend: wohl getan, wohl getan (Partizip Dual))
divyāni astrāṇi sarveṣām
(die göttlichen Waffen aller (Akkusativ, Genitiv))
yudhi nighnantam acyutam
(der im Kampf zunichtemachte, den Unbezwingbaren (Lokativ, Partizip, Akkusativ))
abhipatya tataḥ senām
(dann sich dem Heer zuwendend (Absolutiv, Akkusativ))
tam ete pratinandanti siddhāḥ sainyāś ca vismitāḥ ajayyaṃ samare dṛṣṭvā sādhu sādhv iti sātvatam yodhāś cobhayataḥ sarve karmabhiḥ samapūjayan
Ihn preisen dort die Siddhas und die staunenden Truppen, da sie den Sātvata [Sātyaki] als im Kampf unbesiegbar erkennen: Wohl getan, wohl getan! — und die Krieger auf beiden Seiten ehrten ihn alle für seine Taten.“
Wort für Wort
tam ete pratinandanti
(ihn preisen dort diese (Präsens))
siddhāḥ sainyāḥ ca vismitāḥ
(die Siddhas und die staunenden Truppen (Nominativ))
ajayyam samare dṛṣṭvā
(als unbesiegbar im Kampf erkennend (Akkusativ, Lokativ, Absolutiv))
sādhu sādhu iti sātvatam
(wohl getan, wohl getan — den Sātvata (Akkusativ))
yodhāḥ ca ubhayataḥ sarve
(und die Krieger auf beiden Seiten alle (Nominativ))
karmabhiḥ samapūjayan
(sie ehrten ihn für seine Taten (Instrumental, Imperfekt))