Kapitel 8: Droṇanidhanaśravaṇa
Der zehnte Tag: Dhṛtarāṣṭras Klage bei der Nachricht von Droṇas Tod
Saṃjaya berichtet, wie Dhṛtarāṣṭra bei der Nachricht vom Fall Droṇas (vgl. Kap.7) in eine lange, leidenschaftliche Klage ausbricht. In einer ununterbrochenen Rede an Saṃjaya – die als Teil der äußeren Rahmenerzählung durchgängig ohne Anführungszeichen-Markierung wiedergegeben wird – stellt er eine Fülle von Fragen, wie es möglich gewesen sei, dass der in Waffenkunst und Tugend unübertroffene Droṇa von Dhṛṣṭadyumna erschlagen werden konnte (V.1-14), fragt nach dem Schicksal von Droṇas Streitwagen und Pferden (V.15-20), rekonstruiert mutmaßend den Hergang der Schlacht, in der Yudhiṣṭhira, Arjuna und vor allem Dhṛṣṭadyumna Droṇa umzingelten (V.21-28), rühmt ihn als vollendeten Kenner von Veda und Waffenkunst zugleich (V.29-34), und fragt schließlich, von Kummer überwältigt, wer Droṇa im Kampf beigestanden habe (V.35-38), bevor er die Erzählung wegen seiner Erschütterung abbricht und um spätere Fortsetzung bittet (V.39). Zahlreiche, im kritischen Apparat überlieferte Zusatzzeilen (u.a. *0053 bis *0066) variieren und erweitern diese Klage, werden hier aber, der Konvention dieser Übersetzung folgend, nicht in den Haupttext übernommen, jeweils jedoch in den Anmerkungen dokumentiert. Eine Ausnahme bildet V.33b (*0059_01), das offenbar die einzige überlieferte Fassung dieser Vershälfte darstellt und daher aufgenommen wird. Anm. d. Übers.: Dieses Kapitel vertieft die bereits in Kap.7 vermerkte Spannung, anstatt sie aufzulösen: Dhṛtarāṣṭra akzeptiert Droṇas Tod hier durchweg als feststehende Tatsache, spricht wiederholt von ihm als 'erschlagen' (nihata, hata) und identifiziert ihn ausdrücklich über den Beinamen 'Rukmaratha' sowie über sein hohes Alter (V.29e: 'brāhmaṇo vṛddhaḥ', 'der alte Brahmane') – ohne jede Andeutung von Zweifel oder späterer Korrektur. Die Übersetzung folgt weiterhin dem Quelltext ohne Glättung; ob und wie sich diese frühe Todesnachricht mit dem im weiteren Verlauf des Droṇaparva bekannten, viel späteren Tod Droṇas vereinbaren lässt, bleibt abzuwarten.
Was tuend erschlugen die Pāṇḍavas und Sṛñjayas Droṇa im Kampf, ihn, der so geschickt in den Waffen war, ja selbst unter allen Waffenträgern?
Wort für Wort
kiṃ kurvāṇam raṇe droṇam jaghnuḥ
was tuend erschlugen [sie] Droṇa im Kampf (Interrog.Akk. + Akk.Sg.Part. + Lok.Sg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.)
pāṇḍavasṛñjayāḥ
die Pāṇḍavas und Sṛñjayas (Nom.Pl.Dvandva)
tathā nipuṇam astreṣu
ihn, der so geschickt in den Waffen war (Adv. + Akk.Sg. + Lok.Pl.)
sarvaśastrabhṛtām api
ja selbst unter allen Waffenträgern (Gen.Pl.Bah. + Partikel)
[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; Beginn von Dhṛtarāṣṭras großer Klage nach der Nachricht von Droṇas Fall (vgl. Anm. zu Kap.7), eingeleitet durch 'dhṛtarāṣṭra uvāca'. Dhṛtarāṣṭras Rede an Saṃjaya innerhalb der Rahmenerzählung erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung.]
Wie nur, mein Lieber, konnte der Sohn des Pṛṣata ihn bezwingen — ihn, den von Feinden schwer Anzugreifenden, der vielfach Bündel goldbeschwingter Pfeile verstreute, den flinkhändigen, besten der Zweifachgeborenen, den Vollendeten, den wundersamen Kämpfer, den aus der Ferne Treffenden, den Bezähmten, und den im Waffenkampf ans andere Ufer Gelangten — ihn, den Vortrefflichen, Unfehlbaren, der im Kampf furchtbare Taten vollbrachte, den nach Kampf verlangenden großen Wagenkämpfer: fürwahr, durch Schicksalsfügung erschlug ihn der Sohn des Pāñcāla!
Wort für Wort
kathaṃ nu pārṣataḥ tāta
wie nur, mein Lieber, [konnte] der Sohn des Pṛṣata (Interrog. + Partikel + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
śatrubhiḥ duṣpradharṣaṇam
ihn, den von Feinden schwer Anzugreifenden (Instr.Pl. + Akk.Sg.Bah.)
den flinkhändigen, besten der Zweifachgeborenen, den Vollendeten, den wundersamen Kämpfer (Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah.)
dūreṣupātinam dāntam astrayuddhe ca pāragam
den aus der Ferne Treffenden, den Bezähmten, und den im Waffenkampf ans andere Ufer Gelangten (Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Part. + Lok.Sg. + Konj. + Akk.Sg.Bah.)
pāñcālaputraḥ nyavadhīt diṣṭyā
erschlug der Sohn des Pāñcāla, durch Schicksalsfügung (Nom.Sg. + 3.Sg.Aor. + Adv.)
saḥ varam acyutam
ihn, den Vortrefflichen, Unfehlbaren (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
kurvāṇam dāruṇam karma raṇe
der im Kampf furchtbare Taten vollbrachte (Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
yattam mahāratham
den nach Kampf verlangenden großen Wagenkämpfer (Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.Bah.)
[Anm.: V.3-5c bilden eine syntaktische Einheit: eine lange, den erschlagenen Droṇa mit zahlreichen Attributen beschreibende Passage, in deren Mitte (V.5a) das Hauptverb 'nyavadhīt' ('er erschlug') eingebettet ist — ein im Epos gängiges Stilmittel. 'diṣṭyā' ('durch Schicksalsfügung') klingt hier bitter-ironisch.]
vyaktaṃ diṣṭaṃ hi balavat pauruṣād iti me matiḥ / yad droṇo nihataḥ śūraḥ pārṣatena mahātmanā
Offenkundig ist das Schicksal stärker als menschliches Bemühen — das ist meine Meinung —, da der tapfere Droṇa vom hochherzigen Sohn des Pṛṣata erschlagen wurde.
Wort für Wort
vyaktam diṣṭam hi balavat pauruṣāt
offenkundig ist das Schicksal stärker als menschliches Bemühen (Adv. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Neutr.Komp. + Abl.Sg.)
iti me matiḥ
das ist meine Meinung (Partikel + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
yat droṇaḥ nihataḥ śūraḥ
da der tapfere Droṇa erschlagen wurde (Konj. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Nom.Sg.)
pārṣatena mahātmanā
vom hochherzigen Sohn des Pṛṣata (Instr.Sg. + Instr.Sg.Bah.)
Er, in dem die vierfache Waffenkunst gegründet war — ihn, Droṇa, den vortrefflichsten Lehrer des Pfeil- und Waffenwesens, verkündest du mir als erschlagen? Da ich gehört habe, dass der Goldwagen-Krieger, umgeben von Tigerfell, mit goldenem Geschmeide geschmückt, erschlagen ist, kann ich heute meinen Kummer nicht vertreiben.
Wort für Wort
astram caturvidham vīre
in dem Helden die vierfache Waffenkunst (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
yasmin āsīt pratiṣṭhitam
in dem [sie] gegründet war (Lok.Sg.Relativ + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.Part.)
tam iṣvastravarācāryam droṇam
ihn, Droṇa, den vortrefflichsten Lehrer des Pfeil- und Waffenwesens (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
śaṃsasi me hatam
verkündest du mir als erschlagen (2.Sg.Präs. + Gen.Sg. + Akk.Sg.Part.)
śrutvā hatam rukmaratham vaiyāghraparivāraṇam
da ich gehört habe, dass der Goldwagen-Krieger, umgeben von Tigerfell, erschlagen ist (Ger. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah.)
jātarūpapariṣkāram na adya śokam apānude
mit goldenem Geschmeide geschmückt, kann ich heute meinen Kummer nicht vertreiben (Akk.Sg.Bah. + Neg. + Adv. + Akk.Sg. + 1.Sg.Präs.Med.)
[Anm.: V.7-8c bilden eine syntaktische Einheit. 'Rukmaratha' ('Goldwagen-Krieger') ist, wie bereits in Kap.7 dokumentiert, ein Beiname Droṇas.]
na nūnaṃ paraduḥkhena kaś cin mriyati saṃjaya / yatra droṇam ahaṃ śrutvā hataṃ jīvāmi na mriye
Gewiss stirbt niemand am Leid eines anderen, Saṃjaya, wo ich doch, obwohl ich gehört habe, dass Droṇa erschlagen ist, lebe und nicht sterbe.
Wort für Wort
na nūnam paraduḥkhena kaḥ cit mriyati saṃjaya
gewiss stirbt niemand am Leid eines anderen, Saṃjaya (Neg. + Adv. + Instr.Sg. + Indef.Nom.Sg. + 3.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
yatra droṇam aham śrutvā
wo ich doch, da ich gehört habe, dass Droṇa (Adv.Relativ + Akk.Sg. + Nom.Sg. + Ger.)
hatam jīvāmi na mriye
erschlagen ist, lebe und nicht sterbe (Akk.Sg.Part. + 1.Sg.Präs. + Neg. + 1.Sg.Präs.)
[Anm.: V.9 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.9d die Zusatzpassage *0053_01-02 (daivam eva paraṃ manye na sunītaṃ na pauruṣam / madīyo nāyako yatra guṇaśreṣṭho hataḥ paraiḥ, 'Ich halte allein das Schicksal für höchste Macht, nicht kluge Führung, nicht menschliches Bemühen, da mein Anführer, der Vortrefflichste an Tugenden, von Feinden erschlagen wurde'), eine inhaltlich verwandte, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
brāhme vede tatheṣv astre yam upāsan guṇārthinaḥ / brāhmaṇā rājaputrāś ca sa kathaṃ mṛtyunā hataḥ
Er, den, in brahmanischer Gelehrsamkeit wie ebenso in der Waffenkunst, Brahmanen und Königssöhne, nach Tugend Strebende, verehrten — wie wurde er vom Tod erschlagen?
Wort für Wort
brāhme vede tathā iṣu astre
in brahmanischer Gelehrsamkeit, wie ebenso in der Waffenkunst (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Adv. + Lok.Sg.)
yam upāsan guṇārthinaḥ
den, nach Tugend Strebende, verehrten (Akk.Sg.Relativ + 3.Pl.Impf. + Nom.Pl.Bah.)
brāhmaṇāḥ rājaputrāḥ ca
Brahmanen und Königssöhne (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj.)
sa kathaṃ mṛtyunā hataḥ
wie wurde er vom Tod erschlagen (Nom.Sg. + Interrog. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)
dṛptānāṃ pratiṣeddhāsīd dhārmikānāṃ ca rakṣitā / yo 'tyākṣīt kṛpaṇasyārthe prāṇān api paraṃtapaḥ
Er war ein Zügler der Hochmütigen und ein Beschützer der Rechtschaffenen — er, der Feindbezwinger, der sogar sein Leben um eines Bedürftigen willen aufgab.
Wort für Wort
dṛptānām pratiṣeddhā āsīt
er war ein Zügler der Hochmütigen (Gen.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
dhārmikānām ca rakṣitā
und ein Beschützer der Rechtschaffenen (Gen.Pl. + Konj. + Nom.Sg.)
yaḥ atyākṣīt kṛpaṇasya arthe
er, der um eines Bedürftigen willen aufgab (Nom.Sg.Relativ + 3.Sg.Aor. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
prāṇān api paraṃtapaḥ
sogar sein Leben, der Feindbezwinger (Akk.Pl. + Partikel + Nom.Sg.Bah.)
mandānāṃ mama putrāṇāṃ jayāśā yasya vikrame / bṛhaspatyuśanastulyo buddhyā sa nihataḥ katham
Er, in dessen Tapferkeit die Siegeshoffnung meiner törichten Söhne lag, er, an Weisheit Bṛhaspati und Uśanas gleich — wie wurde er erschlagen?
Wort für Wort
mandānām mama putrāṇām jayāśā yasya vikrame
er, in dessen Tapferkeit die Siegeshoffnung meiner törichten Söhne lag (Gen.Pl. + Gen.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg. + Gen.Sg.Relativ + Lok.Sg.)
bṛhaspatyuśanastulyaḥ buddhyā
an Weisheit Bṛhaspati und Uśanas gleich (Nom.Sg.Bah. + Instr.Sg.)
sa nihataḥ katham
wie wurde er erschlagen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Part. + Interrog.)
[Anm.: V.14 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.14d die Zusatzpassage *0054_01-02 (guṇānāṃ sarvayodhānāṃ sthitir āsīn mahādyutiḥ / yaṃ mṛtyur vaśagas tiṣṭhet sa kathaṃ mṛtyunā hataḥ, 'er war, von großem Glanz, der Inbegriff der Tugenden aller Krieger — wie wurde er, vor dem selbst der Tod in Unterwürfigkeit stünde, vom Tod erschlagen?'), eine inhaltlich verwandte, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
te ca śoṇā bṛhanto 'śvāḥ saindhavā hemamālinaḥ / rathe vātajavā yuktāḥ sarvaśabdātigā raṇe / balino ghoṣiṇo dāntāḥ saindhavāḥ sādhuvāhinaḥ / dṛḍhāḥ saṃgrāmamadhyeṣu kaccid āsan na vihvalāḥ
Und jene roten, großen Pferde, Sindhu-Rosse, goldbekränzt, an den Wagen gespannt, windschnell, im Kampf jeden Laut übertönend, kräftig, wiehernd, gezähmt, Sindhu-Rosse, gute Zugtiere, standfest — waren sie inmitten der Schlachten vielleicht nicht bestürzt?
Wort für Wort
te ca śoṇāḥ bṛhantaḥ aśvāḥ saindhavāḥ hemamālinaḥ
und jene roten, großen Pferde, Sindhu-Rosse, goldbekränzt (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
rathe vātajavāḥ yuktāḥ sarvaśabdātigāḥ raṇe
an den Wagen gespannt, windschnell, im Kampf jeden Laut übertönend (Lok.Sg. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.Bah. + Lok.Sg.)
Das Getrompete der brüllenden Elefanten im Kampf, den Klang der Muschelhörner und Pauken, den Regen von Pfeilen aus dem Schnellen der Bogensehne und von Waffen ertragend, auf den Sieg über die Feinde hoffend, mit gezügeltem Atem, überwundenem Schmerz — die Pferde, schnell, rasch, die Zugtiere von Bharadvājas Sohnes Wagen, sie, die an den Goldwagen gespannt waren, dem Helden unter den Männern anvertraut — wie, mein Lieber, haben sie ihn nicht durch das Heer der Pāṇḍavas hindurchgetragen?
Wort für Wort
kariṇām bṛṃhatām yuddhe śaṅkhadundubhinisvanam
das Getrompete der brüllenden Elefanten im Kampf, den Klang der Muschelhörner und Pauken (Gen.Pl. + Gen.Pl.Part. + Lok.Sg. + Akk.Sg.)
jyākṣepaśaravarṣāṇām śastrāṇām ca sahiṣṇavaḥ
den Regen von Pfeilen aus dem Schnellen der Bogensehne und der Waffen ertragend (Gen.Pl. + Gen.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Bah.)
āśaṃsantaḥ parān jetum jitaśvāsāḥ jitavyathāḥ
auf den Sieg über die Feinde hoffend, mit gezügeltem Atem, überwundenem Schmerz (Nom.Pl.Part. + Akk.Pl. + Inf. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah.)
hayāḥ prajavitāḥ śīghrāḥ bhāradvājarathodvahāḥ
die Pferde, schnell, rasch, die Zugtiere von Bharadvājas Sohnes Wagen (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
te sma rukmarathe yuktāḥ naravīrasamāhitāḥ
sie, die an den Goldwagen gespannt waren, dem Helden unter den Männern anvertraut (Nom.Pl. + Partikel + Lok.Sg. + Nom.Pl.Part. + Nom.Pl.Bah.)
kathaṃ na abhyataran tāta pāṇḍavānām anīkinīm
wie, mein Lieber, haben sie ihn nicht durch das Heer der Pāṇḍavas hindurchgetragen (Interrog. + Neg. + 3.Pl.Impf. + Vok.Sg. + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.17-19 bilden eine syntaktische Einheit, die Fortsetzung der Pferdebeschreibung aus V.15-16 mit der zweiten, zentralen rhetorischen Frage. Im kritischen Apparat findet sich nach V.19d die Zusatzpassage *0055_01-02 (taṃ tu rukmarathaṃ dṛṣṭvā vidravanti sma śatravaḥ / divyam astraṃ vikurvāṇaṃ saṃgatāḥ sarvataḥ pare, 'Beim Anblick jenes Goldwagen-Kriegers aber flohen die Feinde, als er die göttliche Waffe entfaltete, von allen Seiten versammelt'), eine inhaltlich vorwegnehmende, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Nachdem er den vortrefflichen, mit goldenem Geschmeide geschmückten Wagen bestiegen hatte — was tat der tapfere, im Kampf laut aufschreiende Sohn des Bharadvāja im Kampf?
Wort für Wort
jātarūpapariṣkāram āsthāya ratham uttamam
nachdem er den vortrefflichen, mit goldenem Geschmeide geschmückten Wagen bestiegen hatte (Akk.Sg.Bah. + Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
bhāradvājaḥ kim akarot śūraḥ saṃkrandanaḥ yudhi
was tat der tapfere, im Kampf laut aufschreiende Sohn des Bharadvāja im Kampf (Nom.Sg. + Interrog. + 3.Sg.Aor. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Lok.Sg.)
divi śakram iva śreṣṭhaṃ mahāmātraṃ dhanurbhṛtām / ke nu taṃ raudrakarmāṇaṃ yuddhe pratyudyayū rathāḥ
Ihn, dem Śakra im Himmel gleich, den Vortrefflichsten, den Größten unter den Bogenträgern — welche Wagenkämpfer nur rückten im Kampf gegen ihn, den von furchtbaren Taten, vor?
Wort für Wort
divi śakram iva śreṣṭham mahāmātram dhanurbhṛtām
ihn, dem Śakra im Himmel gleich, den Vortrefflichsten, den Größten unter den Bogenträgern (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Pl.Bah.)
ke nu tam raudrakarmāṇam yuddhe pratyudyayuḥ rathāḥ
welche Wagenkämpfer nur rückten im Kampf gegen ihn, den von furchtbaren Taten, vor (Nom.Pl.Interrog. + Partikel + Akk.Sg.Bah. + Lok.Sg. + 3.Pl.Perf. + Nom.Pl.)
Oder umzingelte der Dharma-König mit dem ganzen Heer, zusammen mit seinen jüngeren Brüdern, vom Pāñcālya geführt, Droṇa von allen Seiten? Gewiss hielt der Sohn der Pṛthā die anderen Wagenkämpfer mit geraden Pfeilen ab, und dann griff der Sohn des Pṛṣata, der Übeltäter, Droṇa an.
Wort für Wort
utāho sarvasainyena dharmarājaḥ sahānujaḥ
oder der Dharma-König, mit dem ganzen Heer, zusammen mit seinen jüngeren Brüdern (Partikel + Instr.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
pāñcālyapragrahaḥ droṇam sarvataḥ samavārayat
vom Pāñcālya geführt, umzingelte Droṇa von allen Seiten (Nom.Sg.Bah. + Akk.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
nūnam āvārayat pārthaḥ rathinaḥ anyān ajihmagaiḥ
gewiss hielt der Sohn der Pṛthā die anderen Wagenkämpfer mit geraden Pfeilen ab (Adv. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
tataḥ droṇam samārohat pārṣataḥ pāpakarmakṛt
und dann griff der Sohn des Pṛṣata, der Übeltäter, Droṇa an (Adv. + Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
na hy anyaṃ paripaśyāmi vadhe kaṃ cana śuṣmiṇaḥ / dhṛṣṭadyumnād ṛte raudrāt pālyamānāt kirīṭinā
Denn ich sehe niemand anderen, der den Gewaltigen zu töten vermöchte, außer dem furchtbaren Dhṛṣṭadyumna, beschützt vom Diademträger.
Wort für Wort
na hi anyam paripaśyāmi vadhe kam cana śuṣmiṇaḥ
denn ich sehe niemand anderen, der den Gewaltigen zu töten vermöchte (Neg. + Partikel + Akk.Sg. + 1.Sg.Präs. + Lok.Sg. + Indef.Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah.)
dhṛṣṭadyumnāt ṛte raudrāt pālyamānāt kirīṭinā
außer dem furchtbaren Dhṛṣṭadyumna, beschützt vom Diademträger (Abl.Sg. + Präp. + Abl.Sg. + Abl.Sg.Part.Pass. + Instr.Sg.Bah.)
[Anm.: V.26 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.26d die Zusatzzeile *0056_01 (utsṛjya sarvasainyāni droṇam evābhidudruve, 'nachdem er alle Heere im Stich gelassen hatte, stürmte er geradewegs auf Droṇa los'), eine redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
tair vṛtaḥ sarvataḥ śūraiḥ pāñcālyāpasadas tataḥ / kekayaiś cedikārūṣair matsyair anyaiś ca bhūmipaiḥ / vyākulīkṛtam ācāryaṃ pipīlair uragaṃ yathā / karmaṇy asukare saktaṃ jaghāneti matir mama
Von jenen Helden von allen Seiten umgeben, dann der niedere Pāñcālya, von den Kekayas, den Cedi-Kārūṣas, den Matsyas und anderen Fürsten — er verwirrte den Lehrer, wie Ameisen eine Schlange, und in ein schwieriges Werk verstrickt, erschlug er ihn — so ist meine Meinung.
Wort für Wort
taiḥ vṛtaḥ sarvataḥ śūraiḥ pāñcālyāpasadaḥ tataḥ
von jenen Helden von allen Seiten umgeben, dann der niedere Pāñcālya (Instr.Pl. + Nom.Sg.Part. + Adv. + Instr.Pl. + Nom.Sg. + Adv.)
kekayaiḥ cedikārūṣaiḥ matsyaiḥ anyaiḥ ca bhūmipaiḥ
von den Kekayas, den Cedi-Kārūṣas, den Matsyas und anderen Fürsten (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl.Bah.)
vyākulīkṛtam ācāryam pipīlaiḥ uragam yathā
er verwirrte den Lehrer, wie Ameisen eine Schlange (Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. + Instr.Pl. + Akk.Sg. + Adv.)
karmaṇi asukare saktam jaghāna iti matiḥ mama
und in ein schwieriges Werk verstrickt, erschlug er ihn — so ist meine Meinung (Lok.Sg. + Lok.Sg. + Akk.Sg.Part. + 3.Sg.Perf.+Partikel + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
[Anm.: V.27-28 bilden eine syntaktische Einheit. 'pāñcālyāpasadaḥ' ('der niedere/unwürdige Pāñcālya') ist ein abwertender Ausdruck Dhṛtarāṣṭras für Dhṛṣṭadyumna.]
yo 'dhītya caturo vedān sarvān ākhyānapañcamān / brāhmaṇānāṃ pratiṣṭhāsīt srotasām iva sāgaraḥ / sa kathaṃ brāhmaṇo vṛddhaḥ śastreṇa vadham āptavān
Er, der, nachdem er die vier Veden studiert hatte, alle zusammen mit dem Itihāsa als fünftem, den Brahmanen ein Zufluchtsort war, wie der Ozean für die Flüsse — wie hat er, der alte Brahmane, den Tod durch eine Waffe erlitten?
Wort für Wort
yaḥ adhītya caturaḥ vedān sarvān ākhyānapañcamān
er, der, nachdem er die vier Veden studiert hatte, alle zusammen mit dem Itihāsa als fünftem (Nom.Sg.Relativ + Ger. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl.Bah.)
brāhmaṇānām pratiṣṭhā āsīt srotasām iva sāgaraḥ
den Brahmanen ein Zufluchtsort war, wie der Ozean für die Flüsse (Gen.Pl. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Gen.Pl. + Partikel + Nom.Sg.)
sa kathaṃ brāhmaṇaḥ vṛddhaḥ śastreṇa vadham āptavān
wie hat er, der alte Brahmane, den Tod durch eine Waffe erlitten (Nom.Sg. + Interrog. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Instr.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Perf.Part.)
[Anm.: V.29 bildet eine Einheit; a-c und e bilden zusammen einen Satz (d ist Teil des Apparats, s.u.). Im kritischen Apparat finden sich nach V.29c die Zusatzzeile *0057_01 (kṣatraṃ ca brahma caiveha yo 'nvatiṣṭhat paraṃtapaḥ, 'der Feindbezwinger, der hier sowohl Kriegertum als auch Priestertum aufrechterhielt') sowie *0058_01-02 (dṛptānāṃ pratiṣeddhā ca cakṣur āsīd acakṣuṣām / amarṣī cāvalipteṣu dhārmikeṣu ca dhārmikaḥ, 'und er war ein Zügler der Hochmütigen, ein Auge für die Augenlosen, unduldsam gegenüber den Anmaßenden und rechtschaffen unter den Rechtschaffenen') — inhaltlich ausmalende, redundante Ergänzungen, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]
Er, der Unduldsame [Droṇa], ertrug es — von mir stets bedrängt [d.h. in den Dienst der Kaurava-Sache gezwungen] —, [und dennoch, obwohl] es der Sohn der Kuntī [Yudhiṣṭhira] für nicht verdient hielt [?], [erhielt Droṇa] jene Frucht jener Tat.
Wort für Wort
amarṣaṇaḥ marṣitavān kliśyamānaḥ sadā mayā
er, der Unduldsame, ertrug es, von mir stets bedrängt (Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Perf.Part. + Nom.Sg.Part.Pass. + Adv. + Instr.Sg.)
anarhamāṇaḥ kaunteyaḥ
[während/obwohl] der Sohn der Kuntī [dies] für nicht verdient hielt [?] (Nom.Sg.Part.Neg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.30 bildet eine schwer deutbare, syntaktisch verdichtete Einheit; die Übersetzung von 'anarhamāṇaḥ kaunteyaḥ' bleibt unsicher [?] und wird hier probeweise als 'obwohl der Sohn der Kuntī [dies] für nicht verdient hielt' wiedergegeben — denkbar wäre auch ein Bezug auf Droṇa selbst als 'sich [des Leidens] nicht für würdig Erachtender'. Gemeint ist wohl: Droṇa, obgleich von Natur aus unduldsam, ertrug jahrelang die Zumutungen, die ihm aus dem Dienst an Dhṛtarāṣṭras Sache erwuchsen, und erhielt am Ende doch, unverdient, den Tod als 'Frucht' dieses Dienstes.]
Er, von dessen Werk alle Bogenträger in der Welt leben — er, treu seinem Gelübde, wohltätig — wie wurde er von den nach Herrschertum Begierigen erschlagen?
Wort für Wort
yasya karma anujīvanti loke sarvadhanurbhṛtaḥ
er, von dessen Werk alle Bogenträger in der Welt leben (Gen.Sg.Relativ + Akk.Sg. + 3.Pl.Präs. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Bah.)
sa satyasaṃdhaḥ sukṛtī śrīkāmaiḥ nihataḥ katham
er, treu seinem Gelübde, wohltätig — wie wurde er von den nach Herrschertum Begierigen erschlagen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg. + Instr.Pl.Bah. + Nom.Sg.Part. + Interrog.)
divi śakra iva śreṣṭho mahāsattvo mahābalaḥ / sa kathaṃ nihataḥ pārthaiḥ kṣudramatsyair yathā timiḥ
Wie Śakra im Himmel der Vortrefflichste, von großem Wesen, von großer Kraft — wie wurde er von den Söhnen der Pṛthā erschlagen, wie ein Timi-Wal von kleinen Fischen?
Wort für Wort
divi śakraḥ iva śreṣṭhaḥ mahāsattvaḥ mahābalaḥ
wie Śakra im Himmel der Vortrefflichste, von großem Wesen, von großer Kraft (Lok.Sg. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Bah.)
sa kathaṃ nihataḥ pārthaiḥ kṣudramatsyaiḥ yathā timiḥ
wie wurde er von den Söhnen der Pṛthā erschlagen, wie ein Timi-Wal von kleinen Fischen (Nom.Sg. + Interrog. + Nom.Sg.Part. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + Nom.Sg.)
kṣiprahastaś ca balavān dṛḍhadhanvārimardanaḥ / vā kathaṃ nihataḥ pāpai raṇe brāhmaṇapuṃgavaḥ / na yasya jīvitākāṅkṣī viṣayaṃ prāpya jīvati
Und der flinkhändige, mächtige, von festem Bogen, der Feindzermalmer — wie wurde er, der Stier unter den Brahmanen, von Übeltätern im Kampf erschlagen — er, der, obwohl nach Leben verlangend, nicht [bloß] lebte, um sinnliche Genüsse zu erlangen?
Wort für Wort
kṣiprahastaḥ ca balavān dṛḍhadhanvārimardanaḥ
und der flinkhändige, mächtige, von festem Bogen, der Feindzermalmer (Nom.Sg.Bah. + Konj. + Nom.Sg.Bah. + Nom.Sg.Bah.)
vā kathaṃ nihataḥ pāpaiḥ raṇe brāhmaṇapuṃgavaḥ
wie wurde er, der Stier unter den Brahmanen, von Übeltätern im Kampf erschlagen (Partikel + Interrog. + Nom.Sg.Part. + Instr.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Bah.)
na yasya jīvitākāṅkṣī viṣayam prāpya jīvati
er, der, obwohl nach Leben verlangend, nicht [bloß] lebte, um sinnliche Genüsse zu erlangen (Neg. + Gen.Sg.Relativ + Nom.Sg.Bah. + Akk.Sg. + Ger. + 3.Sg.Präs.)
[Anm.: V.33 bildet eine Einheit. Die b-Pāda ist im kritischen Apparat mit * markiert (*0059_01), stellt hier jedoch, abweichend von der sonst geübten Konvention, offenbar die einzige überlieferte Fassung dieser Vershälfte dar (keine alternative Standardzeile vorhanden) und wird daher, da syntaktisch notwendig, in die Übersetzung aufgenommen.]
yaṃ dvau na jahataḥ śabdau jīvamānaṃ kadā cana / brāhmaś ca vedakāmānāṃ jyāghoṣaś ca dhanurbhṛtām
Ihn, den, solange er lebte, zwei Laute niemals verließen: der brahmanische [Laut] der nach den Veden Verlangenden, und der Bogensehnen-Klang der Bogenträger.
Wort für Wort
yam dvau na jahataḥ śabdau jīvamānam kadā cana
ihn, den, solange er lebte, zwei Laute niemals verließen (Akk.Sg.Relativ + Nom.Dual + Neg. + 3.Dual.Impf. + Nom.Dual + Akk.Sg.Part. + Interrog.+Partikel)
brāhmaḥ ca vedakāmānām jyāghoṣaḥ ca dhanurbhṛtām
der brahmanische [Laut] der nach den Veden Verlangenden, und der Bogensehnen-Klang der Bogenträger (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Pl.Bah. + Nom.Sg. + Konj. + Gen.Pl.Bah.)
[Anm.: V.34 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.34d die Zusatzzeile *0060_01 (adīnaṃ puruṣavyāghraṃ hrīmantam aparājitam, 'den nicht Verzagenden, den Tiger unter den Männern, den Bescheidenen, den Unbesiegten'), eine ausmalende, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Ich kann es nicht ertragen, dass Droṇa, von Löwen- und Elefanten-Kraft, erschlagen ist — wie, Saṃjaya, [wurde] der schwer Anzugreifende, von unangreifbarem Ruhm und unangreifbarer Kraft, [erschlagen]?
Wort für Wort
na aham mṛṣye hatam droṇam siṃhadviradavikramam
ich kann es nicht ertragen, dass Droṇa, von Löwen- und Elefanten-Kraft, erschlagen ist (Neg.+Nom.Sg. + 1.Sg.Präs.Med. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. + Akk.Sg.Bah.)
kathaṃ saṃjaya durdharṣam anādhṛṣyayaśobalam
wie, Saṃjaya, [wurde] der schwer Anzugreifende, von unangreifbarem Ruhm und unangreifbarer Kraft, [erschlagen] (Interrog. + Vok.Sg. + Akk.Sg.Bah. + Akk.Sg.Bah.)
[Anm.: V.35 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.35b die Zusatzpassage *0061_01-03 (paśyatāṃ puruṣendrāṇāṃ samare pārṣato 'vadhīt / ke purastād ayudhyanta rakṣanto droṇam antikāt / ke nu paścād avartanta gacchato durgamāṃ gatim, 'während die Herren der Männer zusahen, erschlug ihn der Sohn des Pṛṣata in der Schlacht. Wer kämpfte vorne, Droṇa aus der Nähe schützend? Und wer wandte sich nun hinten ab, als er den schwer gangbaren Weg [in den Tod] ging?') sowie nach V.35d die umfangreiche Zusatzpassage *0062_01-04 (brahmakalpo 'bhavad brāhme kṣātre nārāyaṇopamaḥ / brahmakṣatre ca yasyāstāṃ vaśe sthāṇor ivākhile / sarvān hi māmakān yuddhe sahāśvarathakuñjarān / yudhiṣṭhirasya tapasā hatān manyāmahe kurūn, 'er war wie Brahmā im Brahmanischen, wie Nārāyaṇa im Kriegerischen, und in dessen Macht sowohl Priester- wie Kriegertum standen, wie unter der Macht des Sthāṇu [Śiva] — denn ich glaube, alle meine Kurus, samt Pferden, Wagen und Elefanten, sind im Kampf durch die Askesekraft Yudhiṣṭhiras erschlagen worden'). Diese umfangreichen, inhaltlich bedeutsamen, aber als Apparat-Einschub markierten Passagen werden hier zusammengefasst dokumentiert, jedoch nicht in den Haupttext übernommen.]
ke 'rakṣan dakṣiṇaṃ cakraṃ savyaṃ ke ca mahātmanaḥ / purastāt ke ca vīrasya yudhyamānasya saṃyuge
Wer schützte das rechte Rad, und wer das linke, des Hochherzigen, und wer [schützte ihn] von vorn, den Helden, während er in der Schlacht kämpfte?
Wort für Wort
ke arakṣan dakṣiṇam cakram savyam ke ca mahātmanaḥ
wer schützte das rechte Rad, und wer das linke, des Hochherzigen (Nom.Pl.Interrog. + 3.Pl.Impf. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Interrog. + Konj. + Gen.Sg.Bah.)
purastāt ke ca vīrasya yudhyamānasya saṃyuge
und wer von vorn, den Helden, während er in der Schlacht kämpfte (Adv. + Nom.Pl.Interrog. + Konj. + Gen.Sg. + Gen.Sg.Part. + Lok.Sg.)
ke ca tatra tanuṃ tyaktvā pratīpaṃ mṛtyum āvrajan / droṇasya samare vīrāḥ ke 'kurvanta parāṃ dhṛtim
Und wer gab dort seinen Leib auf und schritt dem Tod entgegen? Welche Helden zeigten in Droṇas Schlacht die höchste Standhaftigkeit?
Wort für Wort
ke ca tatra tanum tyaktvā pratīpam mṛtyum āvrajan
und wer gab dort seinen Leib auf und schritt dem Tod entgegen (Nom.Pl.Interrog. + Konj. + Adv. + Akk.Sg. + Ger. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Impf.)
droṇasya samare vīrāḥ ke akurvanta parām dhṛtim
welche Helden zeigten in Droṇas Schlacht die höchste Standhaftigkeit (Gen.Sg. + Lok.Sg. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Interrog. + 3.Pl.Impf.Med. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.37 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat finden sich nach V.37d die Zusatzpassagen *0063_01-04 und *0064_01-02, weitere rhetorische Fragen Dhṛtarāṣṭras, ob die Feiglinge unter den Kṣatriyas ihn aus Furcht im Stich ließen, ob die Beschützer allein von den Feinden erschlagen wurden, und ob Droṇa, der selbst Götter, Gandharvas, Yakṣas, Uragas und Rākṣasas zu bezwingen vermochte, dennoch von Feinden erschlagen wurde — inhaltlich verwandte, redundante Ergänzungen, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]
Dies ist es, was ein Edler in bitterer Not tun muss, Saṃjaya: er soll sich nach Kräften bemühen — und das lag ihm ob.
Wort für Wort
etat āryeṇa kartavyam kṛcchrāsu āpatsu saṃjaya
dies ist es, was ein Edler in bitterer Not tun muss, Saṃjaya (Nom.Sg. + Instr.Sg. + Nom.Sg.Ger. + Lok.Pl. + Lok.Pl. + Vok.Sg.)
parākramet yathāśaktyā tat ca tasmin pratiṣṭhitam
er soll sich nach Kräften bemühen — und das lag ihm ob (3.Sg.Opt. + Adv. + Nom.Sg. + Konj. + Lok.Sg. + Nom.Sg.Part.)
[Anm.: V.38 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.38d die Zusatzpassage *0065_01-04, weitere Fragen Dhṛtarāṣṭras, ob nicht Niederträchtige aus Furcht vor den Söhnen der Pṛthā im Kampf flohen, ob er, von seinen Beschützern verlassen, allein von Feinden erschlagen wurde, und der Bericht, er sehe, wie Dhṛṣṭadyumna den Brahmanen erschlägt, zurückgehalten im Kampf durch die Glut des Sohnes Droṇas [Aśvatthāman] — eine inhaltlich vorausdeutende, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
muhyate me manas tāta kathā tāvan nivartyatām / bhūyas tu labdhasaṃjñas tvā pariprakṣyāmi saṃjaya
Mein Sinn wird umnebelt, mein Lieber; die Erzählung breche für jetzt ab — doch sobald ich meine Fassung wiedererlangt habe, werde ich dich weiter befragen, Saṃjaya.
Wort für Wort
muhyate me manaḥ tāta kathā tāvat nivartyatām
mein Sinn wird umnebelt, mein Lieber; die Erzählung breche für jetzt ab (3.Sg.Präs.Pass. + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Imp.Pass.Kaus.)
bhūyaḥ tu labdhasaṃjñaḥ tvā pariprakṣyāmi saṃjaya
doch sobald ich meine Fassung wiedererlangt habe, werde ich dich weiter befragen, Saṃjaya (Adv. + Konj. + Nom.Sg.Bah. + Akk.Sg. + 1.Sg.Fut. + Vok.Sg.)
[Anm.: V.39 bildet eine Einheit; Abschluss von Dhṛtarāṣṭras Klage. Im kritischen Apparat findet sich nach V.39b die Zusatzzeile *0066_01 (kṣaṇam ekam ahaṃ sūta na śakṣyāmīti jalpitum, 'für einen einzigen Augenblick, o Wagenlenker, werde ich nicht sprechen können'), eine inhaltlich naheliegende, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird. Das folgende Kapitel setzt mit 'vaiśaṃpāyana uvāca' neu an.]