Kapitel 141: bhūrisātyakiyuddham aśvatthāmaghaṭotkacayuddhaṃ duryodhanabhīmasenayuddhaṃ ca
Bhūris Tod im Kampf mit Sātyaki, Aśvatthāmans Duell mit Ghaṭotkaca und Duryodhanas Kampf mit Bhīmasena
Bhūri aber, o König, wehrte im Kampf den Śaineya, den besten der Wagenkämpfer, ab, als dieser heranstürmte, wie man einen Elefanten von der Tränke vertreibt.
Wort für Wort
bhūriḥ
Bhūri (Nom. Sg., Subjekt)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
śaineyam
den Śaineya = Sātyaki (Akk. Sg., Objekt)
rathinām varam
den besten der Wagenkämpfer (Akk. Sg., Apposition)
Zwischen den beiden, o Großkönig, entstand ein überaus schrecklicher Waffenregen, den zornigen, pfeileschleudernden, Yama und Antaka gleichenden Kämpfern.
sa viddhvā sātvataṃ bāṇais tribhir eva viśāṃ pate dhanuś ciccheda bhallena sutīkṣṇena hasann iva
Er, o Herr der Völker, durchbohrte den Sātvata mit drei Pfeilen und zerschnitt dann, gleichsam lachend, dessen Bogen mit einem überaus scharfen Bhalla-Pfeil.
Wort für Wort
saḥ
er = Bhūri (Nom. Sg., Subjekt)
viddhvā
durchbohrt habend (Absol.)
sātvatam
den Sātvata (Akk. Sg., Objekt)
bāṇaiḥ tribhiḥ
mit drei Pfeilen (Instr. Pl.)
viśām pate
o Herr der Völker (Vok. Sg., Anrede)
dhanuḥ ciccheda
er zerschnitt den Bogen (3. Sg. Perf.)
bhallena sutīkṣṇena
mit einem überaus scharfen Bhalla-Pfeil (Instr. Sg.)
Sātyaki, dessen Bogen zerschnitten war, o Großkönig, vor Zorn wie betäubt, schleuderte einen gewaltig schnellen Speer gegen seine (Bhūris) breite Brust.
sa tu śaktyā vibhinnāṅgo nipapāta rathottamāt lohitāṅga ivākāśād dīptaraśmir yadṛcchayā
Er aber, durch den Speer an den Gliedern zerrissen, stürzte von seinem hervorragenden Wagen herab, wie der Mars, der leuchtstrahlende, von selbst aus dem Himmel fällt.
Wort für Wort
saḥ
er = Bhūri (Nom. Sg., Subjekt)
śaktyā vibhinnāṅgaḥ
durch den Speer an den Gliedern zerrissen (Nom. Sg.)
taṃ tu dṛṣṭvā hataṃ śūram aśvatthāmā mahārathaḥ abhyadhāvata vegena śaineyaṃ prati saṃyuge tiṣṭha tiṣṭheti cābhāṣya śaineyaṃ sa narādhipa abhyavarṣac charaugheṇa meruṃ vṛṣṭyā yathāmbudaḥ
Als aber Aśvatthāman, der große Wagenkämpfer, den Helden erschlagen sah, stürmte er im Kampf mit Wucht auf den Śaineya zu [im Nebentext heißt es ergänzend, er habe dabei, o Herrscher der Menschen, dem Śaineya ‚Bleib stehen! Bleib stehen!‘ zugerufen] und überschüttete ihn mit einer Pfeilflut, wie eine Wolke den Berg Meru mit Regen.
Wort für Wort
tam
ihn = Bhūri (Akk. Sg.)
dṛṣṭvā hatam śūram
den erschlagenen Helden gesehen habend (Absol. + Akk. Sg.)
er überschüttete mit einer Pfeilflut (3. Sg. Impf.)
merum vṛṣṭyā yathā ambudaḥ
wie eine Wolke den Meru mit Regen (Vergleich)
[Anm.: Der Halbvers 013d*1175_01 ist ein im Apparat überliefertes Pāda, das im Haupttext fehlt; er wiederholt hier den bereits aus Vers 8 bekannten Zuruf 'tiṣṭha tiṣṭheti' und wird der Vollständigkeit halber mitübersetzt.]
tiṣṭha tiṣṭha na me jīvan droṇaputra gamiṣyasi eṣa tvādya haniṣyāmi mahiṣaṃ skandarāḍ iva yuddhaśraddhām ahaṃ te 'dya vineṣyāmi raṇājire
„Bleib stehen, bleib stehen! Lebend wirst du mir nicht entkommen, Sohn Droṇas! Jetzt werde ich dich heute töten, wie der Herrscher Skanda den Büffeldämon tötete! Deine Kampflust werde ich dir heute auf dem Schlachtfeld austreiben!“
Wort für Wort
tiṣṭha tiṣṭha
Bleib stehen! Bleib stehen! (2. Sg. Imperativ)
na me jīvan gamiṣyasi
lebend wirst du mir nicht entkommen (2. Sg. Fut.)
droṇaputra
o Sohn Droṇas (Vok. Sg., Anrede)
eṣaḥ tvā adya haniṣyāmi
jetzt werde ich dich heute töten (1. Sg. Fut.)
mahiṣam skandarāṭ iva
wie der Herrscher Skanda den Büffel(dämon) (Vergleich)
Nach diesen Worten stürmte der Rakshasa, dessen Augen vor Zorn kupferrot glühten, der Töter feindlicher Helden, zornig auf den Drauṇi (Aśvatthāman) los, wie ein Löwe auf einen Elefantenfürsten.
Wort für Wort
iti uktvā
so gesprochen habend (Absol.)
roṣatāmrākṣaḥ
dessen Augen vor Zorn kupferrot waren (Nom. Sg.)
rākṣasaḥ
der Rakshasa = Ghaṭotkaca (Nom. Sg., Subjekt)
paravīrahā
der Töter feindlicher Helden (Nom. Sg., Epitheton)
drauṇim abhyadravat
er stürmte auf den Drauṇi los (3. Sg. Impf.)
kruddhaḥ
zornig (Nom. Sg., Adj.)
gajendram iva kesarī
wie ein Löwe auf einen Elefantenfürsten (Vergleich)
Mit Pfeilen so lang wie Wagenachsen überschüttete Ghaṭotkaca den Drauṇi, den Stier unter den Wagenkämpfern, wie eine Regenwolke mit ihren Wasserströmen.
Wort für Wort
rathākṣamātraiḥ iṣubhiḥ
mit Pfeilen von der Länge einer Wagenachse (Instr. Pl.)
abhyavarṣat
er überschüttete (3. Sg. Impf.)
ghaṭotkacaḥ
Ghaṭotkaca (Nom. Sg., Subjekt)
rathinām ṛṣabham
den Stier unter den Wagenkämpfern (Akk. Sg., Apposition)
drauṇim
den Drauṇi = Aśvatthāman (Akk. Sg., Objekt)
dhārābhiḥ iva toyadaḥ
wie eine Wolke mit ihren Wasserströmen (Vergleich, Instr. Pl.)
Dann bedeckte er, o Bezwinger der Feinde, den Rakshasa-Fürsten Ghaṭotkaca vollständig mit Hunderten scharfer, die Lebenspunkte durchbohrender, schnell fliegender Pfeile.
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
śaraśataiḥ tīkṣṇaiḥ
mit hundertfachen scharfen Pfeilen (Instr. Pl.)
marmabhedibhiḥ āśugaiḥ
die Lebenspunkte durchbohrenden, schnellen (Instr. Pl.)
Jenen unvergleichlichen Waffenregen, der wie ein Donnerkeil dröhnte und von oben auf ihn niederging, [wehrte] der zornige Drauṇi, unerschütterten Sinnes, [ab].
tato 'strasaṃgharṣakṛtair visphuliṅgaiḥ samantataḥ babhau niśāmukhe vyoma khadyotair iva saṃvṛtam
Dann erstrahlte, von den durch das Aneinanderprallen der Waffen entstandenen Funken ringsum, der Himmel zu Beginn der Nacht, als sei er von Glühwürmchen bedeckt.
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
astrasaṃgharṣakṛtaiḥ visphuliṅgaiḥ
von den durch Waffenreibung erzeugten Funken (Instr. Pl.)
samantataḥ
ringsum (Adv.)
babhau
es erstrahlte (3. Sg. Perf.)
niśāmukhe
zu Beginn der Nacht (Lok. Sg.)
vyoma
der Himmel (Nom. Sg., Subjekt)
khadyotaiḥ iva saṃvṛtam
als sei er von Glühwürmchen bedeckt (Vergleich, Nom. Sg. Part.)
sa tair abhyāyatair viddho rākṣasena mahābalaḥ cacāla samare drauṇir vātanunna iva drumaḥ sa moham anusaṃprāpto dhvajayaṣṭiṃ samāśritaḥ
Von jenen weitreichenden Pfeilen des Rakshasa getroffen, wankte der überaus starke Drauṇi im Kampf wie ein vom Wind geschüttelter Baum; von Ohnmacht überwältigt, klammerte er sich an die Fahnenstange.
Wort für Wort
saḥ drauṇiḥ mahābalaḥ
er, der überaus starke Drauṇi (Nom. Sg., Subjekt)
taiḥ abhyāyataiḥ viddhaḥ
von jenen weitreichenden [Pfeilen] getroffen (Nom. Sg., Part.)
rākṣasena
vom Rakshasa (Instr. Sg.)
cacāla samare
er wankte im Kampf (3. Sg. Perf.)
vātanunnaḥ drumaḥ iva
wie ein vom Wind geschüttelter Baum (Vergleich)
saḥ moham anusaṃprāptaḥ
er, von Ohnmacht überwältigt (Nom. Sg., Part.)
dhvajayaṣṭim samāśritaḥ
sich an die Fahnenstange klammernd (Nom. Sg., Part.)
tato hāhākṛtaṃ sainyaṃ tava sarvaṃ janādhipa hataṃ sma menire sarve tāvakās taṃ viśāṃ pate
Da erhob dein ganzes Heer, o Herrscher der Menschen, den Ruf 'hā hā', und alle die Deinen, o Herr der Völker, hielten ihn (Aśvatthāman) für erschlagen.
entsandte er, mit dem bis zum Ohr gespannten Bogen, einen überragenden, schrecklichen, dem Stab des Yama gleichenden Pfeil, rasch auf Ghaṭotkaca gerichtet.
Wort für Wort
mumoca
er entsandte (3. Sg. Perf.)
ākarṇapūrṇena dhanuṣā
mit dem bis zum Ohr gespannten Bogen (Instr. Sg.)
śaram uttamam
einen überragenden Pfeil (Akk. Sg.)
yamadaṇḍopamam ghoram
schrecklich, dem Stab des Yama gleich (Akk. Sg., Adj.)
uddiśya āśu ghaṭotkacam
rasch auf Ghaṭotkaca gerichtet (Absol. / Akk. Sg.)
Als sein Wagenlenker den ohnmächtigen Sohn der Hiḍimbā (Ghaṭotkaca) sah, führte er ihn, bestürzt und in Eile, vom Schlachtfeld weg, aus der Nähe des Drauṇi fort.
Wort für Wort
dṛṣṭvā vimūḍham haiḍimbam
den ohnmächtigen Sohn der Hiḍimbā gesehen habend (Absol. / Akk. Sg.)
tato duryodhanaḥ kruddho bhīmasenasya māriṣa [Lücke im Text] dhanur anyan mahattaram gṛhītvā bharataśreṣṭho cikṣepa sa śarān rājan paśyatāṃ sarvadhanvinām
Da ergriff Duryodhana, o Verehrter, zornig auf Bhīmasena, [nach einer im Apparat überlieferten Textlücke:] einen anderen, noch größeren Bogen, der Beste der Bharatas, und schleuderte Pfeile ab, o König, vor den Augen aller Bogenschützen.
Wort für Wort
tataḥ duryodhanaḥ kruddhaḥ
da Duryodhana, zornig (Nom. Sg., Subjekt)
bhīmasenasya māriṣa
gegen Bhīmasena, o Verehrter (Gen. Sg. / Vok. Sg.)
dhanuḥ anyat mahattaram
einen anderen, größeren Bogen (Akk. Sg.)
gṛhītvā bharataśreṣṭhaḥ
ergriffen habend, der Beste der Bharatas (Absol. / Nom. Sg.)
cikṣepa saḥ śarān
er schleuderte Pfeile (3. Sg. Perf. / Akk. Pl.)
rājan paśyatām sarvadhanvinām
o König, vor den Augen aller Bogenschützen (Vok. Sg. / Gen. Pl. Part.)
[Anm.: Das Pāda 045a*1176_01 ist im Haupttext durch eine Lücke (Asterisken '****') markiert; der Apparat ergänzt hier 'dhanur anyan mahattaram' ('einen anderen, größeren Bogen'), das mit dem folgenden 045a*1176_02 ('gṛhītvā bharataśreṣṭho', 'ergriffen habend, der Beste der Bharatas') den Sinn vervollständigt.]
duryodhanas tu saṃkruddho bhīmasenasya māriṣa kṣurapreṇa dhanuś chittvā daśabhiḥ pratyavidhyata
Duryodhana aber, aufs Höchste erzürnt, o Verehrter, zerschnitt Bhīmasenas Bogen mit einem Kṣurapra-Pfeil und durchbohrte ihn mit zehn (Pfeilen) zurück.
tad apy asya dhanuḥ kṣipraṃ ciccheda laghuhastavat dvitīyaṃ ca tṛtīyaṃ ca caturthaṃ pañcamaṃ tathā
Auch diesen seinen Bogen zerschnitt er (Duryodhana) rasch, wie mit geübter Hand — und den zweiten, und den dritten, und den vierten, und ebenso den fünften.
Da nun, als ihm die Bögen immer wieder zerschnitten wurden, schleuderte er (Bhīma) im Kampf einen strahlenden, ganz aus Eisen gefertigten Speer — [nach dem Apparat ergänzend beschrieben:] gleichsam die Schwester des Todes selbst, leuchtend wie eine Kometenfahne, gleichsam einen Scheitel des Himmels bildend, glutgleich strahlend.
Wort für Wort
saḥ tadā
er dann (Nom. Sg. / Adv.)
chidyamāneṣu kārmukeṣu punaḥ punaḥ
während die Bögen immer wieder zerschnitten wurden (Lok. Abs.)
śaktim cikṣepa samare
er schleuderte einen Speer im Kampf (Akk. Sg. / 3. Sg. Perf. / Lok. Sg.)
sarvapāraśavīm śubhām
ganz aus Eisen, strahlend (Akk. Sg., Adj.)
mṛtyoḥ svasāram iva
gleichsam die Schwester des Todes (Vergleich, Akk. Sg.)
dīptām ketuśikhām iva
leuchtend wie eine Kometenfahne (Vergleich, Akk. Sg.)
sīmantam iva kurvantīm nabhasaḥ
gleichsam einen Scheitel des Himmels bildend (Akk. Sg. Part. / Gen. Sg.)
agnisamaprabhām
glutgleich strahlend (Akk. Sg., Adj.)
[Anm.: Die Pādas 051d*1177_01/02 sind ein im Apparat überliefertes Zusatzstück, das den Speer poetisch weiter ausmalt (als 'Schwester des Todes', 'Kometenfahne', 'Scheitel des Himmels'); es fehlt im Haupttext und wird hier ergänzend mitübersetzt.]