Kapitel 1: Dhṛtarāṣṭravilāpa
Der Anfang des Droṇaparva: Dhṛtarāṣṭras Klage und Karṇas Enthaltung
Zu Beginn des Droṇaparva stehen im kritischen Apparat vier traditionelle Anrufungsverse (*0001-0004), die hier dokumentiert seien: 'Nachdem man sich vor Nārāyaṇa verneigt hat, und vor Nara, dem Besten der Männer, sowie vor der Göttin Sarasvatī, dann erst spreche man Jaya [den Namen des Epos] aus. Es lebt/siegt der Sohn des Parāśara, die Freude von Satyavatīs Herzen, Vyāsa, aus dessen Lotus-Mund geflossene Rede die Welt wie Nektar trinkt. Überwunden/besiegt [ist alles] durch jenen erhabenen Hari, den Träger der Welt, den Ungeborenen, von universaler Gestalt, jenseits der Guṇas, den Hochgesinnten. Man meditiere auf Viṣṇu, weißgewandet, mondfarben, vierarmig, heiteren Antlitzes, zur Befriedung aller Hindernisse.' Das Kapitel selbst setzt die Rahmenerzählung fort: Janamejaya fragt Vaiśampāyana, was Dhṛtarāṣṭra nach der Nachricht von Bhīṣmas Fall unternahm. Vaiśampāyana berichtet, wie Dhṛtarāṣṭra, untröstlich, Saṃjaya befragte, und wie dieser erzählt, dass beide Heere nach Bhīṣmas Sturz trauerten, ihm ein Pfeillager bereiteten und den Kampf wiederaufnahmen, während die Kaurava-Krieger, ihres Anführers beraubt, sich verzweifelt an Karṇa erinnerten und nach ihm riefen – denn Karṇa hatte, aus Groll über Bhīṣmas Einstufung als bloßen 'Halb-Wagenkämpfer', während dessen zehntägigem Oberbefehl geschworen, nicht zu kämpfen. Dhṛtarāṣṭra, von Saṃjayas wiederholtem Lob Karṇas ergriffen, fragt schließlich, ob dieser die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt habe.
janamejaya uvāca tam apratimasattvaujobalavīryaparākramam hataṃ devavrataṃ śrutvā pāñcālyena śikhaṇḍinā
Janamejaya sprach: Als er hörte, dass Devavrata, von unvergleichlichem Wesen, Kraft, Stärke, Tapferkeit und Mut, vom Pāñcālya Śikhaṇḍin erschlagen worden war,
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Nom. + 3.Sg.Perf. vac-)
tam apratimasattvaujobalavīryaparākramam
als er ihn, von unvergleichlichem Wesen, Kraft, Stärke, Tapferkeit und Mut (Akk.Bah.)
hataṃ devavrataṃ śrutvā pāñcālyena śikhaṇḍinā
erschlagen, Devavrata, gehört hatte, vom Pāñcālya Śikhaṇḍin (Akk.Past.Part. + Akk. + Ger. śru- + Instr. + Instr.)
[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; Satz wird in V.2 fortgesetzt. Beginn des Droṇaparva (Buch 7) und dieses Kapitels. Janamejayas Frage an Vaiśampāyana bildet die äußerste Rahmenerzählebene und erhält daher, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung.]
Denn sein Sohn, o Erhabener, hat, nachdem er mit von Bhīṣma und Droṇa angeführten Wagenkämpfern die großen Bogenschützen, die Pāṇḍavas, besiegt hatte, Verlangen nach dem Königreich.
Wort für Wort
tasya putro hi bhagavan bhīṣmadroṇamukhai rathaiḥ
denn sein Sohn, o Erhabener, mit von Bhīṣma und Droṇa angeführten Wagenkämpfern (Gen. + Nom. + Partikel + Vok. + Instr.Bah. + Instr.Pl.)
parājitya maheṣvāsān pāṇḍavān rājyam icchati
hat, nachdem er die großen Bogenschützen, die Pāṇḍavas, besiegt hatte, Verlangen nach dem Königreich (Ger. ji- + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk. + 3.Sg.Präs. iṣ-)
tasmin hate tu bhagavan ketau sarvadhanuṣmatām yad aceṣṭata kauravyas tan me brūhi dvijottama
Doch als jenes Banner aller Bogenschützen [Bhīṣma] erschlagen war, o Erhabener, was der Kauravya da unternahm — das sage mir, o Bester der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
tasmin hate tu bhagavan ketau sarvadhanuṣmatām
doch als jenes Banner aller Bogenschützen erschlagen war, o Erhabener (Lok.Abs.Past.Part. + Konj. + Vok. + Lok. + Gen.Pl.)
yad aceṣṭata kauravyas tan me brūhi dvijottama
was der Kauravya da unternahm — das sage mir, o Bester der Zweifachgeborenen (Akk.Relativ + 3.Sg.Impf.Med. ceṣṭ- + Nom. + Akk. + Gen. + 2.Sg.Imp. brū- + Vok.)
[Anm.: V.4 bildet eine Einheit; Abschluss von Janamejayas Frage.]
Vaiśampāyana sprach: Als er hörte, dass der Vater erschlagen war, fand König Dhṛtarāṣṭra, der Herr der Menschen, der Kauravya, ganz Sorge und Kummer hingegeben, keinen Frieden.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśampāyana sprach (Nom. + 3.Sg.Perf. vac-)
nihataṃ pitaraṃ śrutvā dhṛtarāṣṭro janādhipaḥ
als er hörte, dass der Vater erschlagen war, König Dhṛtarāṣṭra, der Herr der Menschen (Akk.Past.Part. + Akk. + Ger. śru- + Nom. + Nom.)
lebhe na śāntiṃ kauravyaś cintāśokaparāyaṇaḥ
fand keinen Frieden, der Kauravya, ganz Sorge und Kummer hingegeben (3.Sg.Perf.Med. labh- + Neg. + Akk. + Nom. + Nom.Bah.)
[Anm.: V.5 bildet eine Einheit; Vaiśampāyanas Erzählung, die äußere Rahmenerzählebene, erhält keine Anführungszeichen-Markierung.]
Während jener König unaufhörlich diesen Schmerz bedachte, kam da der reinen Sinnes seiende Sohn des Gavalgaṇa wieder.
Wort für Wort
tasya cintayato duḥkham aniśaṃ pārthivasya tat
während jener König unaufhörlich diesen Schmerz bedachte (Gen. + Gen.Präs.Part. + Akk. + Akk. + Gen. + Akk.)
ājagāma viśuddhātmā punar gāvalgaṇis tadā
kam da der reinen Sinnes seiende Sohn des Gavalgaṇa wieder (3.Sg.Perf. gam- + Nom.Bah. + Adv. + Nom. + Adv.)
[Anm.: V.6 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.6c eine fünfzeilige Zusatzpassage (*0005_01-03, *0006_01-02), die schildert, wie der König seufzend mit gesenktem Haupt dasaß, wie Saṃjaya bei Sonnenuntergang mit bekümmertem Sinn nach Hāstinapura zog und durch Vyāsas Gnade den ganzen vortrefflichen Hergang sowie das Schicksal aller Krieger beider Heere erfuhr — eine inhaltlich ausmalende, redundante Erweiterung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Dhṛtarāṣṭra, der Sohn der Ambikā, o Großkönig, befragte Saṃjaya, der bei Nacht, vom Lager kommend, in der nach dem Elefanten benannten Stadt angekommen war.
Wort für Wort
śibirāt saṃjayaṃ prāptaṃ niśi nāgāhvayaṃ puram
Saṃjaya, der vom Lager kommend, bei Nacht, in der nach dem Elefanten benannten Stadt angekommen war (Abl. + Akk. + Akk.Past.Part. + Lok. + Akk.Bah. + Akk.)
āmbikeyo mahārāja dhṛtarāṣṭro 'nvapṛcchata
befragte Dhṛtarāṣṭra, der Sohn der Ambikā, o Großkönig (Nom. + Vok. + Nom. + 3.Sg.Impf.Med. prach-)
Als er vom Tod Bhīṣmas gehört hatte, zutiefst bedrückten Sinnes, den Sieg seiner Söhne herbeisehnend, jammerte er wie ein Leidender.
Wort für Wort
śrutvā bhīṣmasya nidhanam aprahṛṣṭamanā bhṛśam
als er vom Tod Bhīṣmas gehört hatte, zutiefst bedrückten Sinnes (Ger. śru- + Gen. + Akk. + Nom.Bah. + Adv.)
putrāṇāṃ jayam ākāṅkṣan vilalāpāturo yathā
den Sieg seiner Söhne herbeisehnend, jammerte er wie ein Leidender (Gen.Pl. + Akk. + Nom.Präs.Part. + 3.Sg.Perf. lap- + Nom. + Adv.)
[Anm.: V.8 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.8c die Zusatzzeile *0007_01 (dhārtarāṣṭrān mṛtān sarvān manye saṃjaya saṃyuge, 'ich halte alle Söhne Dhṛtarāṣṭras für tot im Kampf, Saṃjaya'), eine inhaltlich vorwegnehmende, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
dhṛtarāṣṭra uvāca saṃsādhya tu mahātmānaṃ bhīṣmaṃ bhīmaparākramam kim akārṣuḥ paraṃ tāta kuravaḥ kālacoditāḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: Nachdem der Hochgesinnte, von furchtbarer Tapferkeit, Bhīṣma, zur Ruhe gebracht worden ist, was taten die Kurus, von der Zeit getrieben, weiter, mein Sohn?
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom. + 3.Sg.Perf. vac-)
saṃsādhya tu mahātmānaṃ bhīṣmaṃ bhīmaparākramam
nachdem der Hochgesinnte, von furchtbarer Tapferkeit, Bhīṣma, zur Ruhe gebracht worden ist (Ger. sādh- + Konj. + Akk. + Akk. + Akk.)
kim akārṣuḥ paraṃ tāta kuravaḥ kālacoditāḥ
was taten die Kurus, von der Zeit getrieben, weiter, mein Sohn (Interrog. + 3.Pl.Aor. kṛ- + Akk. + Vok. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
[Anm.: V.9 bildet eine Einheit; Dhṛtarāṣṭras Frage an Saṃjaya innerhalb der Rahmenerzählung erhält, wie durchgängig in dieser Ausgabe, keine Anführungszeichen-Markierung. Im kritischen Apparat findet sich nach V.9c die Zusatzzeile *0008_01 (hataṃ śrutvā mama sutaḥ kim akārṣīc ca saṃjaya, 'als er ihn erschlagen hörte, was tat da mein Sohn, Saṃjaya?'), eine redundante Wiederholung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Als jener Held, der Unbezwingbare von gewaltiger Macht, gefallen war, was haben die Kurus da wohl getan, ins Meer des Kummers versunken?
Wort für Wort
tasmin vinihate śūre durādharṣe mahaujasi
als jener Held, der Unbezwingbare von gewaltiger Macht, gefallen war (Lok.Abs. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok. + Lok.Bah. + Lok.Bah.)
kiṃ nu svit kuravo 'kārṣur nimagnāḥ śokasāgare
was haben die Kurus da wohl getan, ins Meer des Kummers versunken (Interrog. + Partikel + Partikel + Nom.Pl. + 3.Pl.Aor. kṛ- + Nom.Pl.Past.Part. + Lok.)
[Anm.: V.10 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.10c die Zusatzzeile *0009_01 (saṃprāptāḥ kuravo yuddhe ke 'trātiṣṭhan paraṃtapāḥ, 'welche im Kampf angekommenen Feindbezwinger unter den Kurus hielten hier stand?'), eine redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Jenes gewaltige Heer, o Saṃjaya, das selbst den drei Welten Furcht einzuflößen vermochte — wird es noch heftige Furcht bei den hochgesinnten Pāṇḍavas erwecken?
Wort für Wort
tad udīrṇaṃ mahat sainyaṃ trailokyasyāpi saṃjaya
jenes gewaltige Heer, o Saṃjaya, das selbst den drei Welten (Nom. + Nom.Bah. + Nom. + Nom. + Gen.+Partikel + Vok.)
bhayam utpādayet tīvraṃ pāṇḍavānāṃ mahātmanām
Furcht einzuflößen vermochte — wird es noch heftige Furcht bei den hochgesinnten Pāṇḍavas erwecken (Akk. + 3.Sg.Opt.Kaus. pad- + Akk. + Gen.Pl. + Gen.Pl.)
[Anm.: V.11 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat finden sich nach V.11a die Zusatzzeile *0010_01 (bhīṣmataḥ kauraveyāṇām abhiyāsyati kaḥ pumān, 'welcher Mann der Kauravyas wird nun anstelle Bhīṣmas vorrücken?') sowie nach V.11c die Zusatzzeilen *0011_01-02 (ko hi dauryodhane sainye pumān āsīn mahārathaḥ yaṃ prāpya sumahāyuddhe tan naḥ śaṃsa mahābhaye, 'denn wer war im Heer Duryodhanas ein Wagenkämpfer, mit dem man in gewaltiger Schlacht zusammentreffen könnte — das sage uns in dieser großen Gefahr'), inhaltlich verwandte, redundante Zusatzfragen, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]
nihate tu tadā bhīṣme rājan satyaparākrame tāvakāḥ pāṇḍaveyāś ca prādhyāyanta pṛthak pṛthak
Als aber damals Bhīṣma erschlagen war, o König, er von wahrhaftiger Tapferkeit, versanken die Deinen wie auch die Pāṇḍaveyas, jeder für sich, in tiefes Nachsinnen.
Wort für Wort
nihate tu tadā bhīṣme rājan satyaparākrame
als aber damals Bhīṣma erschlagen war, o König, er von wahrhaftiger Tapferkeit (Lok.Abs.Past.Part. + Konj. + Adv. + Lok. + Vok. + Lok.)
tāvakāḥ pāṇḍaveyāś ca prādhyāyanta pṛthak pṛthak
versanken die Deinen wie auch die Pāṇḍaveyas, jeder für sich, in tiefes Nachsinnen (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + 3.Pl.Impf.Med. dhyai- + Adv. + Adv.)
vismitāś ca prahṛṣṭāś ca kṣatradharmaṃ niśāmya te svadharmaṃ nindamānāś ca praṇipatya mahātmane
Staunend und zugleich erfreut, als sie die Kṣatriya-Pflicht betrachteten, ihren eigenen Wandel tadelnd, warfen sie sich vor dem Hochgesinnten nieder.
Wort für Wort
vismitāś ca prahṛṣṭāś ca kṣatradharmaṃ niśāmya te
staunend und zugleich erfreut, als sie die Kṣatriya-Pflicht betrachteten (Nom.Pl.Past.Part. + Konj. + Nom.Pl.Past.Part. + Konj. + Akk. + Ger. śam- + Nom.Pl.)
svadharmaṃ nindamānāś ca praṇipatya mahātmane
ihren eigenen Wandel tadelnd, warfen sie sich vor dem Hochgesinnten nieder (Akk. + Nom.Pl.Präs.Part.Med. + Konj. + Ger. pat- + Dat.)
[Anm.: V.15 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.15a die Zusatzzeile *0012_01 (jugupsamānāḥ paramaṃ kṣātraṃ karma viśāṃ pate, 'das höchste Kṣatriya-Werk verabscheuend, o Herr der Untertanen'), eine inhaltlich parallele, redundante Ergänzung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Nachdem sie Bhīṣma Schutz gewährt und sich gegenseitig besprochen hatten, und nachdem sie den Sohn der Gaṅgā um Erlaubnis gebeten und ihn auch feierlich umschritten hatten,
Wort für Wort
vidhāya rakṣāṃ bhīṣmāya samābhāṣya parasparam
nachdem sie Bhīṣma Schutz gewährt und sich gegenseitig besprochen hatten (Ger. dhā- + Akk. + Dat. + Ger. bhāṣ- + Akk.)
anumānya ca gāṅgeyaṃ kṛtvā cāpi pradakṣiṇam
und nachdem sie den Sohn der Gaṅgā um Erlaubnis gebeten und ihn auch feierlich umschritten hatten (Ger. mān- + Konj. + Akk. + Ger. kṛ- + Konj.+Partikel + Akk.)
[Anm.: V.17 bildet eine Einheit; Satz wird in V.18 fortgesetzt.]
Als der Tag sich wendete, o Fürst der Könige, und der Sohn der Jāhnavī gefallen war, gerieten sie, ihres Sinnes von der Zeit geschlagen, in die Gewalt der Ungeduld,
Wort für Wort
vyāvṛtte 'hani rājendra patite jāhnavīsute
als der Tag sich wendete, o Fürst der Könige, und der Sohn der Jāhnavī gefallen war (Lok.Abs.Past.Part. + Lok. + Vok. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok.)
amarṣavaśam āpannāḥ kālopahatacetasaḥ
gerieten sie, ihres Sinnes von der Zeit geschlagen, in die Gewalt der Ungeduld (Akk. + Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl.Bah.)
[Anm.: V.20 bildet eine Einheit; Satz wird in V.21 fortgesetzt.]
Durch die Verblendung, die deinem Sohn samt [seinen Brüdern] eigen war, und durch den Tod des Sohnes des Śāṃtanu, gerieten die Kauravyas, zusammen mit allen Königen, dem Tod anheim,
Wort für Wort
mohāt tava saputrasya vadhāc chāṃtanavasya ca
durch die Verblendung deines Sohnes und durch den Tod des Sohnes des Śāṃtanu (Abl. + Gen. + Gen.Bah. + Abl. + Gen. + Konj.)
kauravyā mṛtyusād bhūtāḥ sahitāḥ sarvarājabhiḥ
gerieten die Kauravyas, zusammen mit allen Königen, dem Tod anheim (Nom.Pl. + Akk. + Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl.Bah. + Instr.Pl.)
[Anm.: V.22 bildet eine Einheit; Satz wird in V.23 fortgesetzt.]
ajāvaya ivāgopā vane śvāpadasaṃkule bhṛśam udvignamanaso hīnā devavratena te
wie Ziegen und Schafe ohne Hirten in einem von Raubtieren durchstreiften Wald — die übrigen Könige, o Bhārata, heftig erregten Sinnes, deines Devavrata beraubt.
Wort für Wort
ajāvaya ivāgopā vane śvāpadasaṃkule
wie Ziegen und Schafe ohne Hirten in einem von Raubtieren durchstreiften Wald (Nom.Pl.+Partikel + Nom.Pl.Bah. + Lok. + Lok.Bah.)
[Anm.: V.23 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.22 begonnenen Satzes. Im kritischen Apparat findet sich nach V.23a die Zusatzzeile *0013_01 (karṇa karṇeti cakranduḥ śeṣā bhārata pārthivāḥ, ''Karṇa, Karṇa!' riefen die übrigen Könige, o Bhārata'), eine inhaltliche Dublette zu dem im Haupttext echten, gleichlautenden Ruf in V.32, die daher hier nicht in den Haupttext übernommen wird.]
wie eine Witwe von edler Gestalt, wie ein Fluss mit vertrocknetem Wasser, wie ein Rudel Rehe, von Wölfen im Wald bedrängt, seines Leitbocks beraubt,
Wort für Wort
vidhaveva varārohā śuṣkatoyeva nimnagā
wie eine Witwe von edler Gestalt, wie ein Fluss mit vertrocknetem Wasser (Nom.+Partikel + Nom. + Nom.Bah.+Partikel + Nom.)
vṛkair iva vane ruddhā pṛṣatī hatayūthapā
wie ein Rudel Rehe, von Wölfen im Wald bedrängt, seines Leitbocks beraubt (Instr.Pl. + Partikel + Lok. + Nom.Past.Part. + Nom. + Nom.Bah.)
[Anm.: V.26 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.26a die Zusatzzeile *0014_01 (lakṣmīr iva surais tyaktā śrutihīnā yathā dvijāḥ, 'wie Lakṣmī, von den Göttern verlassen, wie Zweifachgeborene ohne heiliges Wissen'), ein weiteres, inhaltlich redundantes Vergleichsbild aus derselben Reihe, das nicht in den Haupttext übernommen wird.]
wie eine große Bergschlucht, unangreifbar, [nun aber] mit erschlagenem Löwen — so war das Heer der Bharatas, o Bester der Bharatas, als der Sohn der Jāhnavī gefallen war.
Wort für Wort
svādharṣā hatasiṃheva mahatī girikandarā
wie eine große Bergschlucht, unangreifbar, mit erschlagenem Löwen (Nom.Bah. + Nom.Bah.+Partikel + Nom. + Nom.)
bhāratī bharataśreṣṭha patite jāhnavīsute
so war das Heer der Bharatas, o Bester der Bharatas, als der Sohn der Jāhnavī gefallen war (Nom. + Vok. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok.)
[Anm.: V.27 bildet eine Einheit; Abschluss der Vergleichsreihe aus V.24-27.]
Von allen Seiten vom Sturm getroffen, leck, war es wie ein Schiff auf dem großen Ozean, von den mächtigen, heldenhaften Pāṇḍavas, die ihr Ziel gefunden hatten, heftig bedrängt.
Wort für Wort
viṣvagvātahatā rugṇā naur ivāsīn mahārṇave
von allen Seiten vom Sturm getroffen, leck, war es wie ein Schiff auf dem großen Ozean (Nom.Bah. + Nom.Bah. + Nom.+Partikel + 3.Sg.Impf. as- + Lok.)
tasyāṃ trastā nṛpatayaḥ sainikāś ca pṛthagvidhāḥ pātāla iva majjanto hīnā devavratena te karṇaṃ hi kuravo 'smārṣuḥ sa hi devavratopamaḥ
In ihm, erschrocken, die Könige und die verschiedenartigen Krieger, wie in den Unterweltabgrund versinkend, deines Devavrata beraubt — an Karṇa erinnerten sich da die Kurus, denn er war dem Devavrata ebenbürtig.
Wort für Wort
tasyāṃ trastā nṛpatayaḥ sainikāś ca pṛthagvidhāḥ
in ihm, erschrocken, die Könige und die verschiedenartigen Krieger (Lok. + Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Bah.)
pātāla iva majjanto hīnā devavratena te
wie in den Unterweltabgrund versinkend, deines Devavrata beraubt, sie (Nom. + Partikel + Nom.Pl.Präs.Part. + Nom.Pl.Bah. + Instr. + Nom.Pl.)
karṇaṃ hi kuravo 'smārṣuḥ sa hi devavratopamaḥ
an Karṇa erinnerten sich da die Kurus, denn er war dem Devavrata ebenbürtig (Akk. + Partikel + Nom.Pl. + 3.Pl.Aor.Med. smṛ- + Nom. + Partikel + Nom.Bah.)
[Anm.: V.30 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Übergang zum Thema Karṇa, das den Rest des Kapitels beherrscht.]
sa hi nāyudhyata tadā daśāhāni mahāyaśāḥ sāmātyabandhuḥ karṇo vai tam āhvayata māciram
Denn jener Ruhmreiche kämpfte damals zehn Tage lang nicht, samt seinen Ministern und Verwandten; man rief Karṇa unablässig [zum Kampf] [?].
Wort für Wort
sa hi nāyudhyata tadā daśāhāni mahāyaśāḥ
denn jener Ruhmreiche kämpfte damals zehn Tage lang nicht (Nom. + Partikel + Neg.+3.Sg.Impf.Med. yudh- + Adv. + Akk.Pl. + Nom.Bah.)
sāmātyabandhuḥ karṇo vai tam āhvayata māciram
samt seinen Ministern und Verwandten; man rief Karṇa unablässig [zum Kampf] (Nom.Bah. + Nom. + Partikel + Akk.+3.Sg.Impf.Med. hve- + Adv.)
[Anm.: V.33 bildet eine Einheit. Die Wendung 'tam āhvayata māciram' ('rief/forderte ihn unverzüglich') ist im Kontext nicht eindeutig aufzulösen [?]; sie dürfte sich auf wiederholte, von Karṇa jedoch aufgrund seines in V.36-38 berichteten Gelübdes nicht erwiderte Aufforderungen zum Kampf beziehen.]
bhīṣmeṇa hi mahābāhuḥ sarvakṣatrasya paśyataḥ ratheṣu gaṇyamāneṣu balavikramaśāliṣu saṃkhyāto 'rdharathaḥ karṇo dviguṇaḥ san nararṣabhaḥ
Denn als, vor den Augen der gesamten Kṣatriya-Schar, bei der Aufzählung der an Kraft und Tapferkeit glänzenden Wagenkämpfer, der Starkarmige, Karṇa, der Stier unter den Männern, obgleich doppelt [so wertvoll], von Bhīṣma nur als Halb-Wagenkämpfer gezählt wurde,
Wort für Wort
bhīṣmeṇa hi mahābāhuḥ sarvakṣatrasya paśyataḥ
denn von Bhīṣma, der Starkarmige, vor den Augen der gesamten Kṣatriya-Schar (Instr. + Partikel + Nom.Bah. + Gen. + Gen.Präs.Part.)
ratheṣu gaṇyamāneṣu balavikramaśāliṣu
bei der Aufzählung der an Kraft und Tapferkeit glänzenden Wagenkämpfer (Lok.Pl. + Lok.Pl.Präs.Part.Pass. + Lok.Pl.Bah.)
saṃkhyāto 'rdharathaḥ karṇo dviguṇaḥ san nararṣabhaḥ
wurde Karṇa, der Stier unter den Männern, obgleich doppelt [so wertvoll], nur als Halb-Wagenkämpfer gezählt (Nom.Past.Part.Pass. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom.Präs.Part. + Nom.)
[Anm.: V.34 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Satz wird in V.35 fortgesetzt. Anspielung auf Bhīṣmas berühmte Einstufung Karṇas als 'ardharatha' (Halb-Wagenkämpfer) bei der Musterung der Krieger, die Karṇas Groll auslöste.]
rathātirathasaṃkhyāyāṃ yo 'graṇīḥ śūrasaṃmataḥ pitṛvittāmbudeveśān api yo yoddhum utsahet
er, der bei der Zählung der Wagenkämpfer und Ober-Wagenkämpfer als Erster galt, von den Helden anerkannt, der es wagte, selbst mit den Herren der Ahnen, des Reichtums, des Wassers und der Götter zu kämpfen —
Wort für Wort
rathātirathasaṃkhyāyāṃ yo 'graṇīḥ śūrasaṃmataḥ
er, der bei der Zählung der Wagenkämpfer und Ober-Wagenkämpfer als Erster galt, von den Helden anerkannt (Lok. + Nom.Relativ + Nom. + Nom.Bah.)
pitṛvittāmbudeveśān api yo yoddhum utsahet
der es wagte, selbst mit den Herren der Ahnen, des Reichtums, des Wassers und der Götter zu kämpfen (Akk.Pl.Bah. + Partikel + Nom.Relativ + Inf. yudh- + 3.Sg.Opt. utsah-)
[Anm.: V.35 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.34 begonnenen Satzes. 'pitṛvittāmbudeveśa' bezeichnet zusammengesetzt die vier Weltenhüter (Lokapālas) Yama, Kubera, Varuṇa und Indra.]
sa tu tenaiva kopena rājan gāṅgeyam uktavān tvayi jīvati kauravya nāhaṃ yotsye kathaṃ cana
er sprach da, eben aus jenem Zorn, o König, zum Sohn der Gaṅgā: „Solange du lebst, o Kauravya, werde ich auf keine Weise kämpfen.
Wort für Wort
sa tu tenaiva kopena rājan gāṅgeyam uktavān
er sprach da, eben aus jenem Zorn, o König, zum Sohn der Gaṅgā (Nom. + Konj. + Instr.+Partikel + Instr. + Vok. + Akk. + Nom.Past.Part.)
tvayi jīvati kauravya nāhaṃ yotsye kathaṃ cana
solange du lebst, o Kauravya, werde ich auf keine Weise kämpfen (Lok.Abs. + Lok.Abs.Präs.Part. + Vok. + Neg.+Nom. + 1.Sg.Fut.Med. yudh- + Adv. + Partikel)
[Anm.: V.36 bildet eine Einheit; Beginn von Karṇas rückblickend berichteter Rede an Bhīṣma (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.38).]
tvayā tu pāṇḍaveyeṣu nihateṣu mahāmṛdhe duryodhanam anujñāpya vanaṃ yāsyāmi kaurava
Wenn aber die Pāṇḍaveyas von dir in gewaltiger Schlacht erschlagen sind, werde ich, nachdem ich Duryodhana um Erlaubnis gebeten habe, in den Wald gehen, o Kaurava.
Wort für Wort
tvayā tu pāṇḍaveyeṣu nihateṣu mahāmṛdhe
wenn aber die Pāṇḍaveyas von dir in gewaltiger Schlacht erschlagen sind (Instr. + Konj. + Lok.Pl. + Lok.Pl.Abs.Past.Part. + Lok.)
duryodhanam anujñāpya vanaṃ yāsyāmi kaurava
werde ich, nachdem ich Duryodhana um Erlaubnis gebeten habe, in den Wald gehen, o Kaurava (Akk. + Ger.Kaus. jñā- + Akk. + 1.Sg.Fut. yā- + Vok.)
Oder, wenn Bhīṣma von den Pāṇḍavas erschlagen ist und du zum Himmel eingegangen bist, werde ich mit einem einzigen Wagen allein all jene töten, die du für unbesiegbare Wagenkämpfer hältst.“
Wort für Wort
pāṇḍavair vā hate bhīṣme tvayi svargam upeyuṣi
oder, wenn Bhīṣma von den Pāṇḍavas erschlagen ist und du zum Himmel eingegangen bist (Instr.Pl. + Konj. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok. + Lok. + Akk. + Lok.Abs.Perf.Part.)
hantāsmy ekarathenaiva kṛtsnān yān manyase rathān
werde ich mit einem einzigen Wagen allein all jene töten, die du für Wagenkämpfer hältst (1.Sg.Fut. han- + Instr.+Partikel + Akk.Pl. + Akk.Relativ.Pl. + 2.Sg.Präs.Med. man- + Akk.Pl.)
[Anm.: V.38 bildet eine Einheit; Abschluss von Karṇas Rede (CQ_CLOSE).]
Als aber jener Held, von wahrhaftigem Gelübde, von gewaltiger Macht, gefallen war, erinnerten sich deine Söhne an Karṇa, wie jene, die übersetzen wollen, an ein Boot.
Wort für Wort
tasmiṃs tu nihate śūre satyasaṃdhe mahaujasi
als aber jener Held, von wahrhaftigem Gelübde, von gewaltiger Macht, gefallen war (Lok.Abs. + Konj. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok. + Lok.Bah. + Lok.Bah.)
tvatsutāḥ karṇam asmārṣus tartukāmā iva plavam
erinnerten sich deine Söhne an Karṇa, wie jene, die übersetzen wollen, an ein Boot (Nom.Pl. + Akk. + 3.Pl.Aor.Med. smṛ- + Nom.Pl.Bah. + Partikel + Akk.)
Die Deinen und deine Söhne, zusammen mit allen Königen, riefen 'Ach, Karṇa!' und sagten 'Dies ist die Stunde!'
Wort für Wort
tāvakās tava putrāś ca sahitāḥ sarvarājabhiḥ
die Deinen und deine Söhne, zusammen mit allen Königen (Nom.Pl. + Gen. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Past.Part. + Instr.Pl.)
hā karṇa iti cākrandan kālo 'yam iti cābruvan
riefen 'Ach, Karṇa!' und sagten 'Dies ist die Stunde!' (Interj. + Vok. + Partikel + Konj.+3.Pl.Impf. krand- + Nom. + Nom. + Partikel + Konj.+3.Pl.Impf. brū-)
[Anm.: V.42 bildet eine Einheit; die Ausrufe 'Ach, Karṇa!' und 'Dies ist die Stunde!' (formelhafte Ausrufe der Menge) werden mit einfachen ASCII-Anführungszeichen markiert. Im kritischen Apparat finden sich nach V.42c zwei Zusatzzeilen (*0015_01, *0016_01: evaṃ te sma hi rādheyaṃ sūtaputraṃ tanutyajam cukruśuḥ sahitā yodhās tatra tatra mahābalāḥ, 'so riefen die mächtigen Krieger dort und da gemeinsam nach dem Sohn der Rādhā, dem Sūta-Sohn, der bereit war, seinen Leib hinzugeben'), eine inhaltlich redundante Wiederholung des bereits im Haupttext Gesagten, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
jāmadagnyābhyanujñātam astre durvārapauruṣam agaman no manaḥ karṇaṃ bandhum ātyayikeṣv iva
Vom Sohn des Jamadagni [Paraśurāma] in der Waffenkunst unterwiesen, von unwiderstehlicher Manneskraft — zu Karṇa wandte sich unser Sinn, wie zu einem Verwandten in höchster Not.
Wort für Wort
jāmadagnyābhyanujñātam astre durvārapauruṣam
vom Sohn des Jamadagni in der Waffenkunst unterwiesen, von unwiderstehlicher Manneskraft (Instr. + Akk.Past.Part.Pass. + Lok. + Akk.Bah.)
agaman no manaḥ karṇaṃ bandhum ātyayikeṣv iva
zu Karṇa wandte sich unser Sinn, wie zu einem Verwandten in höchster Not (3.Sg.Impf. gam- + Gen. + Nom. + Akk. + Akk. + Lok.Pl. + Partikel)
sa hi śakto raṇe rājaṃs trātum asmān mahābhayāt tridaśān iva govindaḥ satataṃ sumahābhayāt
Er nämlich war fähig, o König, uns aus großer Gefahr zu retten, wie Govinda die dreißig [Götter] stets vor gewaltiger Gefahr [rettet].
Wort für Wort
sa hi śakto raṇe rājaṃs trātum asmān mahābhayāt
er nämlich war fähig, o König, uns im Kampf aus großer Gefahr zu retten (Nom. + Partikel + Nom. + Lok. + Vok. + Inf. trā- + Akk. + Abl.Bah.)
tridaśān iva govindaḥ satataṃ sumahābhayāt
wie Govinda die dreißig [Götter] stets vor gewaltiger Gefahr [rettet] (Akk.Pl. + Partikel + Nom. + Adv. + Abl.Bah.)
[Anm.: V.44 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.44c die Zusatzzeile *0017_01 (devān iva yathā viṣṇus trāyate mahato bhayāt, 'so wie Viṣṇu die Götter vor großer Gefahr rettet'), eine inhaltliche Dublette zum bereits im Haupttext stehenden Govinda-Vergleich, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Vaiśampāyana sprach: Als Saṃjaya so Karṇa als den Besten im Kampf immer wieder rühmte, seufzte Dhṛtarāṣṭra, seine Augen von Kummer verwirrt, wie eine giftige Schlange und sprach dies:
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśampāyana sprach (Nom. + 3.Sg.Perf. vac-)
tathā karṇaṃ yudhi varaṃ kīrtayantaṃ punaḥ punaḥ
als Saṃjaya so Karṇa im Kampf als den Besten immer wieder rühmte (Adv. + Akk. + Lok. + Akk. + Akk.Präs.Part. + Adv. + Adv.)
āśīviṣavad ucchvasya dhṛtarāṣṭro 'bravīd idam
seufzte Dhṛtarāṣṭra, seine Augen von Kummer verwirrt, wie eine giftige Schlange und sprach dies (Adv. + Ger. śvas- + Nom. + 3.Sg.Impf. brū- + Akk.)
[Anm.: V.45 bildet eine Einheit; Rückkehr zur äußeren Rahmenerzählebene (Vaiśampāyana zu Janamejaya), reine Erzählung ohne Anführungszeichen-Markierung. Im kritischen Apparat findet sich nach V.45a die Zusatzzeile *0018_01 (gāvalgaṇiṃ saṃjayaṃ tu śokavyākulalocanaḥ, 'Saṃjaya, den Sohn des Gavalgaṇa, aber [Dhṛtarāṣṭra], dessen Augen von Kummer verwirrt waren, [hörte]'); da der Hauptvers ohne diese Zeile nicht ausdrücklich benennt, WEN Dhṛtarāṣṭra Karṇa rühmen hörte, wird ihr Inhalt – anders als bei rein redundanten Apparatuszeilen – zur Herstellung der Satzklarheit sinngemäß in die Übersetzung einbezogen.]
yat tad vaikartanaṃ karṇam agamad vo manas tadā apy apaśyata rādheyaṃ sūtaputraṃ tanutyajam
Was da dein Sinn damals über jenen Vaikartana Karṇa dachte — hat er wirklich den Sohn der Rādhā, den Sūta-Sohn, der bereit war, seinen Leib hinzugeben, gesehen?
Wort für Wort
yat tad vaikartanaṃ karṇam agamad vo manas tadā
was da dein Sinn damals über jenen Vaikartana Karṇa dachte (Akk.Relativ + Akk. + Akk. + Akk. + 3.Sg.Impf. gam- + Gen. + Nom. + Adv.)
apy apaśyata rādheyaṃ sūtaputraṃ tanutyajam
hat er wirklich den Sohn der Rādhā, den Sūta-Sohn, der bereit war, seinen Leib hinzugeben, gesehen (Partikel + 3.Sg.Impf.Med. dṛś- + Akk. + Akk. + Akk.Bah.)
[Anm.: V.46 bildet eine Einheit; Beginn von Dhṛtarāṣṭras zweiter Fragereihe an Saṃjaya (Rahmenerzählung, keine Anführungszeichen-Markierung, über das Kapitelende hinaus fortgesetzt).]
api tan na mṛṣākārṣīd yudhi satyaparākramaḥ saṃbhrāntānāṃ tadārtānāṃ trastānāṃ trāṇam icchatām
Hat er das, im Kampf von wahrhaftiger Tapferkeit, nicht zunichtegemacht — [die Hoffnung] derer, die verwirrt, damals gequält, erschreckt waren und Rettung ersehnten?
Wort für Wort
api tan na mṛṣākārṣīd yudhi satyaparākramaḥ
hat er das, im Kampf von wahrhaftiger Tapferkeit, nicht zunichtegemacht (Partikel + Akk. + Neg. + Adv.+3.Sg.Aor. kṛ- + Lok. + Nom.Bah.)
tat khaṇḍaṃ pūrayām āsa pareṣām ādadhad bhayam kṛtavān mama putrāṇāṃ jayāśāṃ saphalām api
Hat er jenen Bruchteil gefüllt und den Gegnern Furcht eingeflößt — hat er die Siegeshoffnung meiner Söhne fruchtbringend gemacht?
Wort für Wort
tat khaṇḍaṃ pūrayām āsa pareṣām ādadhad bhayam
hat er jenen Bruchteil gefüllt und den Gegnern Furcht eingeflößt (Akk. + Akk. + 3.Sg.Perf.Kaus. pṝ- + Gen.Pl. + Präs.Part.Kaus. + Akk.)
kṛtavān mama putrāṇāṃ jayāśāṃ saphalām api
hat er die Siegeshoffnung meiner Söhne fruchtbringend gemacht (Nom.Past.Part. + Gen. + Gen.Pl. + Akk. + Akk. + Partikel)
[Anm.: V.49 bildet eine Einheit; Ende des Kapitels, Dhṛtarāṣṭras Frage bleibt offen und wird in Kap.2 (dessen erster Vers 'saṃjaya uvāca' lautet) beantwortet. Im kritischen Apparat findet sich nach V.49a eine dreizeilige Zusatzpassage (*0019_01-03: sa hi vai puruṣavyāghro loke saṃjaya kathyate ārtānāṃ bāndhavānāṃ ca krandatāṃ ca viśeṣataḥ parityajya raṇe prāṇāṃs tattrāṇārthaṃ ca śarma ca, 'denn er wird in der Welt ja ein Tiger unter den Männern genannt, Saṃjaya, besonders der Bedrängten, der Verwandten und der Klagenden, da er im Kampf sein Leben zu ihrem Schutz und ihrer Zuflucht hingibt'), eine inhaltlich ausmalende, redundante Erweiterung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]