Kapitel 74
Kṛṣṇas Wagenlenkkunst und der Pfeilteich
Während die allgemeine Schlacht zwischen Droṇa und den Pāṇḍus andauert, ziehen Arjuna und Kṛṣṇa unbeirrt weiter auf Jayadratha (den Sindhu-König) zu; Kṛṣṇas meisterhafte Wagenlenkkunst und Arjunas todbringende Pfeile werden in eindrücklichen Bildern geschildert (Einheiten 1-13). Die Āvantya-Brüder Vinda und Anuvinda greifen den Pāṇḍava mit erschöpftem Gespann an und werden beide von Arjuna getötet (Einheiten 14-27). Als die Pferde völlig erschöpft sind und Jayadratha noch fern ist, hält Arjuna kurz inne und bespricht sich mit Kṛṣṇa (CQ-Regionen, Einheiten 32-36): er bittet Kṛṣṇa, die Pferde auszuspannen und zu versorgen, während er selbst die anstürmenden Kṣatriyas allein zurückhält (Einheiten 37-46, mit einem ausführlichen Ozean-Gleichnis für die anstürmenden Wagenscharen). Dhṛtarāṣṭra unterbricht mit einer staunenden Frage, wie Arjuna, zu Fuß auf der Erde stehend, allein so viele berittene Fürsten zurückhalten konnte (Einheiten 47-48; Sprecherkennzeichnungen entfallen gemäß Konvention). Kṛṣṇa weist Arjuna auf den Wassermangel für die Pferde hin (CQ-Region, Einheit 51); Arjuna schafft daraufhin mit seinem Pfeilastra wunderbarerweise einen prächtigen Teich (CQ-Region, Einheit 52, sowie Einheiten 53-54) und anschließend ein kunstvolles 'Pfeilhaus' als Schutz (Einheit 55), was Kṛṣṇa lachend mit einem kurzen Ausruf würdigt (CQ-Region, Einheit 56).
vartamāne tathā yuddhe droṇasya saha pāṇḍubhiḥ parivartamāne tv āditye tatra sūryasya raśmibhiḥ rajasā kīryamāṇāś ca mandībhūtāś ca sainikāḥ tiṣṭhatāṃ yudhyamānānāṃ punar āvartatām api bhajyatāṃ jayatāṃ caiva jagāma tad ahaḥ śanaiḥ
Während jene Schlacht zwischen Droṇa und den Pāṇḍus so andauerte, und dort die Sonne mit ihren Strahlen sich weiterbewegte, während die vom Staub bedeckten Krieger ermatteten - von denen, die standhielten, kämpften, wieder umkehrten, wichen oder siegten - verging jener Tag langsam.
Wort für Wort
vartamāne tathā yuddhe
während jene Schlacht andauerte (Lok.Sg.Part. + Adv. + Lok.Sg.)
droṇasya saha pāṇḍubhiḥ
zwischen Droṇa und den Pāṇḍus (Gen.Sg. + Postp. + Instr.Pl.)
parivartamāne tv āditye
während die Sonne sich weiterbewegte (Lok.Sg.Part. + Partikel + Lok.Sg.)
tatra sūryasya raśmibhiḥ
dort mit den Strahlen der Sonne (Adv. + Gen.Sg. + Instr.Pl.)
rajasā kīryamāṇāś ca
und vom Staub bedeckt (Instr.Sg. + Nom.Pl.Part.Pass. + Partikel)
mandībhūtāś ca sainikāḥ
und ermattet, die Krieger (Nom.Pl.Part. + Partikel + Nom.Pl.)
tiṣṭhatāṃ yudhyamānānāṃ
von denen, die standhielten, die kämpften (Gen.Pl.Part. + Gen.Pl.Part.)
punar āvartatām api
auch wieder umkehrten (Adv. + Gen.Pl.Part. + Partikel)
bhajyatāṃ jayatāṃ caiva
und wichen und siegten (Gen.Pl.Part. + Gen.Pl.Part. + Partikel)
te tu nāmāṅkitāḥ pītāḥ kālajvalanasaṃnibhāḥ snāyunaddhāḥ suparvāṇaḥ pṛthavo dīrghagāminaḥ vaiṇavāyasmayaśarāḥ svāyatā vividhānanāḥ rudhiraṃ patagaiḥ sārdhaṃ prāṇināṃ papur āhave
Jene, mit Namen gekennzeichnet, gelb, wie das Feuer der Zeitenwende, mit Sehnen umwickelt, mit schönen Gelenken, breit, weitreichend, aus Bambus und Eisen gefertigte Pfeile, wohlgestreckt, mit vielfältigen Spitzen, tranken in der Schlacht zusammen mit den Vögeln das Blut der Lebewesen.
Wort für Wort
te tu nāmāṅkitāḥ pītāḥ
jene aber, mit Namen gekennzeichnet, gelb (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl.Adj. + Nom.Pl.Adj.)
kālajvalanasaṃnibhāḥ
wie das Feuer der Zeitenwende (Nom.Pl.Adj.)
snāyunaddhāḥ suparvāṇaḥ
mit Sehnen umwickelt, mit schönen Gelenken (Nom.Pl.Adj. + Nom.Pl.Adj.)
pṛthavo dīrghagāminaḥ
breit, weitreichend (Nom.Pl.Adj. + Nom.Pl.Adj.)
vaiṇavāyasmayaśarāḥ
aus Bambus und Eisen gefertigte Pfeile (Nom.Pl.)
svāyatā vividhānanāḥ
wohlgestreckt, mit vielfältigen Spitzen (Nom.Pl.Adj. + Nom.Pl.Adj.)
rudhiraṃ patagaiḥ sārdhaṃ
das Blut, zusammen mit den Vögeln (Akk.Sg. + Instr.Pl. + Postp.)
prāṇināṃ papur āhave
der Lebewesen tranken sie in der Schlacht (Gen.Pl. + Perf. + Lok.Sg.)
Die Pfeile, die Arjuna, auf dem Wagen stehend, auf eine Entfernung von einer Krośa abschoss - noch bevor sein Wagen die Krośa durchmessen hatte, töteten sie bereits seine Feinde.
Wort für Wort
rathasthitaḥ krośamātre
auf dem Wagen stehend, auf eine Krośa-Entfernung (Nom.Sg.Part. + Lok.Sg.)
yān asyaty arjunaḥ śarān
die Pfeile, die Arjuna abschoss (Akk.Pl. + Präs. + Nom.Sg. + Akk.Pl.)
rathe krośam atikrānte
als der Wagen die Krośa durchmessen hatte (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.Part.)
tasya te ghnanti śātravān
töteten sie bereits seine Feinde (Gen.Sg. + Nom.Pl. + Präs. + Akk.Pl.)
na tathā gacchati rathas tapanasya viśāṃ pate nendrasya na ca rudrasya nāpi vaiśravaṇasya ca nānyasya samare rājan gatapūrvas tathā rathaḥ yathā yayāv arjunasya manobhiprāyaśīghragaḥ
Nicht so fährt der Wagen der Sonne, o Herr der Völker, noch der Indras, noch der Rudras, noch auch der des Vaiśravaṇa; auch keines anderen Wagen ist im Kampf, o König, jemals so gefahren, wie Arjunas Wagen fuhr, schnell wie der Gedanke.
Wort für Wort
na tathā gacchati rathas
nicht so fährt der Wagen (Neg. + Adv. + Präs. + Nom.Sg.)
tapanasya viśāṃ pate
der Sonne, o Herr der Völker (Gen.Sg. + Gen.Pl. + Vok.Sg.)
nendrasya na ca rudrasya
noch der Indras, noch der Rudras (Neg. + Gen.Sg. + Neg. + Partikel + Gen.Sg.)
nāpi vaiśravaṇasya ca
noch auch der des Vaiśravaṇa (Neg. + Partikel + Gen.Sg. + Partikel)
nānyasya samare rājan
auch keines anderen, im Kampf, o König (Neg. + Gen.Sg. + Lok.Sg. + Vok.Sg.)
gatapūrvas tathā rathaḥ
ist jemals so gefahren, der Wagen (Nom.Sg.Adj. + Adv. + Nom.Sg.)
hatānāṃ vājināgānāṃ rathānāṃ ca naraiḥ saha upariṣṭād atikrāntāḥ śailābhānāṃ sahasraśaḥ śrameṇa mahatā yuktās te hayā vātaraṃhasaḥ mandavegagatā rājan saṃvṛttās tatra saṃyuge
Über die zu Tausenden getöteten, berggleichen Pferde, Elefanten und Wagen samt den Männern hinwegschreitend, waren jene windschnellen Pferde von großer Erschöpfung ergriffen und wurden da im Kampf, o König, langsam in ihrer Bewegung.
Wort für Wort
hatānāṃ vājināgānāṃ
der getöteten Pferde und Elefanten (Gen.Pl.Part.Pass. + Gen.Pl.)
rathānāṃ ca naraiḥ saha
und der Wagen, samt den Männern (Gen.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Postp.)
upariṣṭād atikrāntāḥ
darüber hinwegschreitend (Adv. + Nom.Pl.Part.)
śailābhānāṃ sahasraśaḥ
der berggleichen, zu Tausenden (Gen.Pl.Adj. + Adv.)
śrameṇa mahatā yuktās
von großer Erschöpfung ergriffen (Instr.Sg. + Instr.Sg.Adj. + Nom.Pl.Part.Pass.)
tayos tu bhṛśasaṃkruddhaḥ śarābhyāṃ pāṇḍunandanaḥ tau tu śastrabhṛtāṃ śreṣṭhaḥ śaraiḥ saṃtoṣya bhārata ciccheda dhanuṣī tūrṇaṃ bhūya eva dhanaṃjayaḥ
Der Sohn des Pāṇḍu, heftig erzürnt, [traf] die beiden mit Pfeilen; und nachdem der Beste der Waffenträger, Dhanaṃjaya, sie, o Bhārata, mit Pfeilen gleichsam 'beschenkt' hatte, zerschnitt er rasch wiederum ihre beiden Bögen.
Wort für Wort
tayos tu bhṛśasaṃkruddhaḥ
aber die beiden, heftig erzürnt (Gen.Du. + Partikel + Nom.Sg.Adj.)
śarābhyāṃ pāṇḍunandanaḥ
mit Pfeilen, der Sohn des Pāṇḍu (Instr.Du. + Nom.Sg.)
tau tu śastrabhṛtāṃ śreṣṭhaḥ
aber jene beiden, der Beste der Waffenträger (Akk.Du. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
śaraiḥ saṃtoṣya bhārata
mit Pfeilen 'beschenkt' habend, o Bhārata (Instr.Pl. + Ger. + Vok.Sg.)
ciccheda dhanuṣī tūrṇaṃ
zerschnitt rasch die beiden Bögen (Perf. + Akk.Du. + Adv.)
bhūya eva dhanaṃjayaḥ
wiederum, Dhanaṃjaya (Adv. + Partikel + Nom.Sg.)
[Anm.: 'saṃtoṣya' ('zufriedengestellt/beschenkt habend') ist hier offenkundig ironisch gemeint - gemeint ist, dass Dhanaṃjaya die beiden reichlich mit Pfeilen 'bedachte'.]
jyeṣṭhasya ca śiraḥ kāyāt kṣurapreṇa nyakṛntata sa papāta hataḥ pṛthvyāṃ vātarugṇa iva drumaḥ nihato rudhirāktāṅgaḥ kampayann iva medinīm
Und das Haupt des Älteren [Vinda] trennte er mit einem Schermesserpfeil vom Rumpf; getötet stürzte er zu Boden, wie ein vom Sturm gebrochener Baum, mit blutbespritzten Gliedern, gleichsam die Erde erzittern lassend.
Wort für Wort
jyeṣṭhasya ca śiraḥ kāyāt
und das Haupt des Älteren vom Rumpf (Gen.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Abl.Sg.)
kṣurapreṇa nyakṛntata
trennte er mit einem Schermesserpfeil (Instr.Sg. + Impf.)
sa papāta hataḥ pṛthvyāṃ
getötet stürzte er zu Boden (Nom.Sg. + Perf. + Nom.Sg.Part.Pass. + Lok.Sg.)
vātarugṇa iva drumaḥ
wie ein vom Sturm gebrochener Baum (Nom.Sg.Adj. + Partikel + Nom.Sg.)
nihato rudhirāktāṅgaḥ
getötet, mit blutbespritzten Gliedern (Nom.Sg.Part.Pass. + Nom.Sg.Adj.)
kampayann iva medinīm
gleichsam die Erde erzittern lassend (Nom.Sg.Part.Kaus. + Partikel + Akk.Sg.)
Als Anuvinda, der Mächtige, sah, dass Vinda getötet war, verließ er, der Gewaltige, seinen Wagen mit den getöteten Pferden, ergriff die Keule und stürmte, an den Tod seines Bruders denkend, mit der Keule in die Schlacht, der Beste der Keulenkämpfer, der große Wagenkämpfer, gleichsam tanzend.
Wort für Wort
vindaṃ tu nihataṃ dṛṣṭvā
als er sah, dass Vinda getötet war (Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg.Part.Pass. + Ger.)
anuvindaḥ pratāpavān
Anuvinda, der Mächtige (Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj.)
hatāśvaṃ ratham utsṛjya
den Wagen mit den getöteten Pferden verlassend (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg. + Ger.)
gadāṃ gṛhya mahābalaḥ
die Keule ergreifend, der Gewaltige (Akk.Sg. + Ger. + Nom.Sg.Adj.)
abhyadravata saṃgrāme
stürmte in die Schlacht (Impf. + Lok.Sg.)
bhrātur vadham anusmaran
an den Tod des Bruders denkend (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
gadayā gadināṃ śreṣṭho
mit der Keule, der Beste der Keulenkämpfer (Instr.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
nṛtyann iva mahārathaḥ
gleichsam tanzend, der große Wagenkämpfer (Nom.Sg.Part. + Partikel + Nom.Sg.)
Anuvinda aber traf mit der Keule die Stirn des Madhusūdana [Kṛṣṇa]; doch erzürnt, erschütterte er ihn nicht, [Kṛṣṇa, der dastand] wie der Berg Maināka.
Wort für Wort
anuvindas tu gadayā
aber Anuvinda mit der Keule (Nom.Sg. + Partikel + Instr.Sg.)
Als sie ihn sahen, wurden die Kurus erschreckt und zugleich wieder freudig erregt; sie überschütteten da den Pārtha von allen Seiten, o Stier der Bharatas.
Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā kuravas trastāḥ
als sie ihn sahen, die Kurus, erschreckt (Akk.Sg. + Ger. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Adj.)
prahṛṣṭāś cābhavan punaḥ
und wurden wieder freudig erregt (Nom.Pl.Adj. + Partikel + Impf. + Adv.)
abhyavarṣaṃs tadā pārthaṃ
überschütteten da den Pārtha (Impf. + Adv. + Akk.Sg.)
samantād bharatarṣabha
von allen Seiten, o Stier der Bharatas (Adv. + Vok.Sg.)
Als sie bemerkten, dass er erschöpft war, und wussten, dass der Sindhu-König [Jayadratha] noch fern war, umringten sie ihn von allen Seiten mit gewaltigem Löwengebrüll.
Wort für Wort
śrāntaṃ cainaṃ samālakṣya
als sie bemerkten, dass er erschöpft war (Akk.Sg.Adj. + Partikel + Akk.Sg. + Ger.)
jñātvā dūre ca saindhavam
und wussten, dass der Sindhu-König fern war (Ger. + Adv. + Partikel + Nom.Sg.)
siṃhanādena mahatā
mit gewaltigem Löwengebrüll (Instr.Sg. + Instr.Sg.Adj.)
tam ekaṃ rathavaṃśena mahatā paryavārayan vikarṣantaś ca cāpāni visṛjantaś ca sāyakān astrāṇi ca vicitrāṇi kruddhās tatra vyadarśayan chādayantaḥ śaraiḥ pārthaṃ meghā iva divākaram
Sie umringten ihn, den Einzelnen, mit einer gewaltigen Wagenschar, ihre Bögen spannend und Pfeile abschießend; sie zeigten dort erzürnt vielfältige Waffenkünste, den Pārtha mit Pfeilen verhüllend, wie Wolken die Sonne.
Wort für Wort
tam ekaṃ rathavaṃśena
ihn, den Einzelnen, mit einer Wagenschar (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Instr.Sg.)
mahatā paryavārayan
mit einer gewaltigen umringten sie (Instr.Sg.Adj. + Impf.)
vikarṣantaś ca cāpāni
und ihre Bögen spannend (Nom.Pl.Part. + Partikel + Akk.Pl.)
visṛjantaś ca sāyakān
und Pfeile abschießend (Nom.Pl.Part. + Partikel + Akk.Pl.)
astrāṇi ca vicitrāṇi
und vielfältige Waffenkünste (Akk.Pl. + Partikel + Akk.Pl.Adj.)
kruddhās tatra vyadarśayan
zeigten sie dort, erzürnt (Nom.Pl.Adj. + Adv. + Impf.)
chādayantaḥ śaraiḥ pārthaṃ
den Pārtha mit Pfeilen verhüllend (Nom.Pl.Part. + Instr.Pl. + Akk.Sg.)
meghā iva divākaram
wie Wolken die Sonne (Nom.Pl. + Partikel + Akk.Sg.)
Die Kṣatriyas stürmten mit Wucht auf den Stier der Kṣatriyas zu, die auf ihren prächtigen Wagen, gegen den Wagenlöwen, wie brunftige Elefanten gegen einen Löwen.
Wort für Wort
abhyadravanta vegena
stürmten mit Wucht zu (Impf. + Instr.Sg.)
kṣatriyāḥ kṣatriyarṣabham
die Kṣatriyas auf den Stier der Kṣatriyas (Nom.Pl. + Akk.Sg.)
rathasiṃhaṃ rathodārāḥ
auf den Wagenlöwen, die auf prächtigen Wagen (Akk.Sg. + Nom.Pl.Adj.)
siṃhaṃ mattā iva dvipāḥ
wie brunftige Elefanten gegen einen Löwen (Akk.Sg. + Nom.Pl.Adj. + Partikel + Nom.Pl.)
tatra pārthasya bhujayor mahad balam adṛśyata tataḥ pārthas tv ajetavyo mahābāhubalāśrayaḥ yat kruddho bahulāḥ senāḥ sarvataḥ samavārayat
Dort zeigte sich die gewaltige Kraft in Pārthas Armen: darauf war Pārtha, unbesiegbar, gestützt auf die Kraft seiner mächtigen Arme, sodass er, erzürnt, die zahlreichen Heere von allen Seiten zurückhielt.
Wort für Wort
tatra pārthasya bhujayor
dort in Pārthas Armen (Adv. + Gen.Sg. + Lok.Du.)
mahad balam adṛśyata
zeigte sich die gewaltige Kraft (Nom.Sg.Adj. + Nom.Sg. + Impf.Pass.)
tataḥ pārthas tv ajetavyo
darauf war Pārtha unbesiegbar (Adv. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.Adj.)
mahābāhubalāśrayaḥ
gestützt auf die Kraft seiner mächtigen Arme (Nom.Sg.Adj.)
yat kruddho bahulāḥ senāḥ
sodass er, erzürnt, die zahlreichen Heere (Rel.Partikel + Nom.Sg.Adj. + Akk.Pl.)
tatra tatra maheṣvāsaiḥ śvasadbhiḥ śoṇitokṣitaiḥ hayair nāgaiś ca saṃbhinnair nadadbhiś cārikarśanaiḥ saṃrabdhaiś cāribhir vīraiḥ prārthayadbhir jayaṃ mṛdhe ekasthair bahubhiḥ kruddhair ūṣmeva samajāyata
Hier und dort entstand, gleichsam Hitzeglut, durch die vielen an einem Ort versammelten, erzürnten großen Bogenschützen, keuchend, blutbespritzt, durch die verwundeten, brüllenden, feindezermürbenden Pferde und Elefanten, durch die erregten feindlichen Helden, die im Kampf nach dem Sieg strebten.
Wort für Wort
tatra tatra maheṣvāsaiḥ
hier und dort durch die großen Bogenschützen (Adv. + Adv. + Instr.Pl.)
śarormiṇaṃ dhvajāvartaṃ nāganakraṃ duratyayam padātimatsyakalilaṃ śaṅkhadundubhinisvanam asaṃkhyeyam apāraṃ ca rajo 'bhīlam atīva ca uṣṇīṣakamaṭhacchannaṃ patākāphenamālinam
Die Woge der Pfeile, den Strudel der Banner, unüberwindlich mit Elefanten als Krokodilen, das Gewimmel der Fußsoldaten als Fische, das Dröhnen von Muschelhörnern und Pauken, unzählbar und grenzenlos, überaus furchterregend durch den Staub, mit Turbanen als Schildkröten bedeckt, mit dem Schaum der Fähnchen bekränzt,
Wort für Wort
śarormiṇaṃ dhvajāvartaṃ
mit der Woge der Pfeile, dem Strudel der Banner (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj.)
nāganakraṃ duratyayam
mit Elefanten als Krokodilen, unüberwindlich (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj.)
padātimatsyakalilaṃ
mit dem Gewimmel der Fußsoldaten als Fische (Akk.Sg.Adj.)
śaṅkhadundubhinisvanam
mit dem Dröhnen von Muschelhörnern und Pauken (Akk.Sg.Adj.)
asaṃkhyeyam apāraṃ ca
unzählbar und grenzenlos (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj. + Partikel)
rajo 'bhīlam atīva ca
und durch den Staub überaus furchterregend (Nom.Sg. + Akk.Sg.Adj. + Adv. + Partikel)
uṣṇīṣakamaṭhacchannaṃ
mit Turbanen als Schildkröten bedeckt (Akk.Sg.Adj.)
patākāphenamālinam
mit dem Schaum der Fähnchen bekränzt (Akk.Sg.Adj.)
[Anm.: Einheiten 45-46 bilden ein zusammenhängendes Ozean-Gleichnis (V.51-53) für die Wagenscharen, die Arjuna allein zurückhält.]
den unerschütterlichen Ozean der Wagen, übersät mit Elefantenleibern als Felsen - diesen hielt Pārtha da, gleichsam das Gestade, mit seinen gefiederten Pfeilen zurück.
Wort für Wort
rathasāgaram akṣobhyaṃ
den unerschütterlichen Ozean der Wagen (Akk.Sg. + Akk.Sg.Adj.)
mātaṅgāṅgaśilācitam
übersät mit Elefantenleibern als Felsen (Akk.Sg.Adj.)
velābhūtas tadā pārthaḥ
gleichsam das Gestade, da Pārtha (Nom.Sg.Adj. + Adv. + Nom.Sg.)
patribhiḥ samavārayat
hielt mit gefiederten Pfeilen zurück (Instr.Pl. + Impf.)
arjune dharaṇīṃ prāpte hayahaste ca keśave etad antaram āsādya kathaṃ pārtho na nirjitaḥ sadyaḥ pārthiva pārthena niruddhāḥ sarvapārthivāḥ
Als Arjuna den Boden berührt hatte und Keśava die Zügel in der Hand hielt, wie wurde Pārtha, da er auf diese Lücke gestoßen war, nicht bezwungen? Sogleich, o Herrscher, wurden alle Fürsten von Pārtha zurückgehalten,
Wort für Wort
arjune dharaṇīṃ prāpte
als Arjuna den Boden berührt hatte (Lok.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.Part.)
hayahaste ca keśave
und Keśava die Zügel in der Hand hielt (Lok.Sg.Adj. + Partikel + Lok.Sg.)
etad antaram āsādya
da er auf diese Lücke gestoßen war (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Ger.)
kathaṃ pārtho na nirjitaḥ
wie wurde Pārtha nicht bezwungen (Interr. + Nom.Sg. + Neg. + Nom.Sg.Part.Pass.)
sadyaḥ pārthiva pārthena
sogleich, o Herrscher, von Pārtha (Adv. + Vok.Sg. + Instr.Sg.)
niruddhāḥ sarvapārthivāḥ
wurden alle Fürsten zurückgehalten (Nom.Pl.Part.Pass. + Nom.Pl.)
[Anm.: Einheiten 47-48 bilden die staunende Frage Dhṛtarāṣṭras (Sprecherkennzeichnung 'dhṛtarāṣṭra uvāca' entfällt gemäß Konvention); eine in der kritischen Ausgabe an dieser Stelle vermerkte, offenbar variantenbedingte zusätzliche Sprecherkennzeichnung 'saṃjaya uvāca' mitten im Satz wird als redaktioneller Apparatvermerk behandelt und nicht eigens wiedergegeben, da sie den grammatisch zusammenhängenden Satz sonst zerreißen würde.]
obwohl sie auf Wagen standen, er aber auf der Erde - ein kaum in Worte zu fassender Sachverhalt: obwohl er auf dem Boden stand, hielt Pārtha jene wagenstehenden, alle bogentragenden Fürsten allein zurück, wie die Gier allein alle Tugenden überwältigt.
Wort für Wort
rathasthā dharaṇīsthena
sie auf Wagen stehend, er auf der Erde stehend (Nom.Pl.Adj. + Instr.Sg.Adj.)
vākyam acchāndasaṃ yathā
ein Sachverhalt, kaum in Worte zu fassen (Nom.Sg. + Nom.Sg.Adj. + Konj.)
bhūmistho 'pi rathasthāṃs tān
obwohl auf dem Boden stehend, jene wagenstehenden (Nom.Sg.Adj. + Partikel + Akk.Pl.Adj. + Akk.Pl.)
pārthaḥ sarvadhanurdharān
Pārtha, alle bogentragenden (Fürsten) (Nom.Sg. + Akk.Pl.Adj.)
eko nivārayām āsa
hielt allein zurück (Nom.Sg.Adj. + Perf.Kaus.)
lobhaḥ sarvaguṇān iva
wie die Gier alle Tugenden (überwältigt) (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Partikel)
voller Wildgänse und Enten, mit Cakravāka-Vögeln geschmückt, weitläufig, mit klarem Wasser, mit prächtigen aufgeblühten Lotusblüten, wimmelnd von Schildkröten- und Fischscharen, unergründlich, von Weisen aufgesucht - im Nu erschaffen, als wäre es zum Anblick für den erhabenen Weisen Nārada bestimmt.
Wort für Wort
haṃsakāraṇḍavākīrṇaṃ
voller Wildgänse und Enten (Akk.Sg.Adj.)
cakravākopaśobhitam
mit Cakravāka-Vögeln geschmückt (Akk.Sg.Adj.)
savistīrṇaṃ prasannāmbhaḥ
weitläufig, mit klarem Wasser (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj.)
praphullavarapaṅkajam
mit prächtigen aufgeblühten Lotusblüten (Akk.Sg.Adj.)
kūrmamatsyagaṇākīrṇam
wimmelnd von Schildkröten- und Fischscharen (Akk.Sg.Adj.)
agādham ṛṣisevitam
unergründlich, von Weisen aufgesucht (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Adj.)
bhagavan nāradamuner
des erhabenen Weisen Nārada (Vok.Sg. + Gen.Sg.)
darśanārthaṃ kṛtaṃ kṣaṇāt
zum Anblick erschaffen, im Nu (Akk.Sg.Adj. + Akk.Sg.Part.Pass. + Abl.Sg.)
[Anm.: Die Wendung 'bhagavan nāradamuner darśanārthaṃ' ('zum Anblick für den erhabenen Weisen Nārada') ist im Kontext nicht ganz eindeutig - möglicherweise eine Anspielung auf die wunderbare, fast göttliche Schönheit des augenblicklich erschaffenen Teichs.]